Gear & Review

Gefällt Ihnen der Klang?

Entgegen der landläufigen Meinung besteht nur ein relativ loser Zusammenhang zwischen den technischen Daten eines Audiogeräts und seiner Fähigkeit, Musik authentisch wiederzugeben. Hersteller konkurrieren heute meist mit einer Reihe ähnlicher Audiogeräte auf dem Markt und müssen Käufer anlocken, die meist nicht in der Lage sind, das eigentliche Produkt zu hören, geschweige denn es in ihrer häuslichen Umgebung zu testen, bevor sie ihren Kauf tätigen. In diesem Szenario vergleichen die Kunden eher die technischen Spezifikationen der Geräte als die Fähigkeit des Produkts, das aufgezeichnete Musikereignis mit lebensechter Musikalität wiederzugeben.

Vor den Receiver-Kriegen der späten 1970er und frühen 1980er Jahre und noch vielmehr vor dem Beginn der Preisvergleiche und des Online-Kaufs von Produkten musste HiFi-Elektronik meist mit musikalischen Ereignissen und somit den von echten Instrumenten erzeugten Klängen konkurrieren. Die Beurteilung der Leistung von Audiogeräten basierte auf der Fähigkeit, das menschliche Ohr zu befriedigen, und nicht auf blitzsauberen Messergebnissen, die die Konkurrenz ausstechen sollten. Röhrenverstärker sind ein Relikt aus dieser Zeit, da sie dem Hörer mehr Freude bereiten als dem Leser ihrer Datenblätter. Auch heute noch legen echte High-End-Hersteller mehr Wert auf das subjektive menschliche Klangempfinden als auf die objektiven Daten, die sich aus Messungen ergeben. Es überrascht daher nicht, dass die Vorzüge eines bestimmten Audiogeräts mit der persönlichen Geschichte und der Motivation der Menschen zusammenhängen, die einen Großteil ihres Berufslebens darauf verwendet haben, es zu entwickeln.

Plattenspieler

Plattenspieler

Ich muss gestehen, dass ich immer noch ein relativer "Neuling" in Sachen Plattenspieler bin. Wie die meisten Plattenspieler-Besitzer der 80er Jahre war ich begeistert vom Aufkommen der neuen, super-leisen Digitaltechnik, die in Form einer glänzenden und kompakten Scheibe daherkam. Und ehrlich gesagt, in der erschwinglichen Preisklasse eines Heranwachsenden war die CD viel besser. Folglich verkaufte ich meinen Plattenspieler Anfang der 90er Jahre und blickte nie wieder zurück, bis ... im Sommer 2018, als wir im Keller unseres Großvaters einen 1972er Philips 212 fanden.

Seitdem ist viel Zeit mit Lesen und Experimentieren vergangen. Der Philips brauchte einen neuen Riemen, eine neue Halterung und eine neue Kassette. Wir schmierten die beweglichen Teile, erneuerten die interne Verkabelung und tauschten die Ausgangsklemmen von 5-poligen DIN- auf RCA/Cinch-Buchsen. Wir überprüften die Geschwindigkeit des Plattentellers, korrigierten den Azimut sowie den Offset- und Rake-Winkel. Wir haben darauf geachtet, dass der Plattenspieler auf einem schwingungsfreien Untergrund steht und mit dem Boden eine Ebene bildet. Das Ergebnis ist verblüffend, und zum ersten Mal klingt unser Plattenspieler tatsächlich beeindruckender als eine CD, sofern die Platte selbst von einer guten Pressung ist. Da der Kauf einer gut gepressten Schallplatte ein kleines Glücksspiel sein kann, ist es eine gute Idee, persönliche Erfahrungen mit der Klangqualität zu teilen, wie ich es in diesem Blog getan habe.

Der hier unter anderem gezeigte Lenco war unser zweites Projekt. Einst berühmt als gut gebauter Einstiegsplayer mit überraschender Klangqualität, kam er bei uns in ziemlich schlechtem Zustand an. Wir mussten Motorgeräusche beseitigen, neue Blöcke einbauen und die anderen oben beschriebenen Parameter anpassen, um schließlich sein Potenzial freizulegen. Die Investition von Zeit und Mühe war nicht umsonst. Für audiophiles Hören sollten Plattenspieler nicht unterschätzt werden.

  • Dual CS 505-3 Audiophile Concept

    Dual CS 505-3 Audiophile Concept

    3.2.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der CS 505-3 ist ein halbautomatischer Plattenspieler mit einem gefederten Subchassis auf voller Fläche, das den Antriebsmechanismus des Geräts effektiv vor äußeren Vibrationen schützt. Der 505 verfügt über einen geraden, röhrenförmigen Aluminium-Tonarm mit hoher Verwindungssteifigkeit und einer Länge von etwas mehr als 22 cm sowie einen resonanzarmen, nichtmagnetischen Plattenteller, der von einem 16-poligen Dual-Synchronmotor und einem Riemen angetrieben wird. Das Grundkonzept des Plattenspielers hat sich bewährt und ist zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels auch noch als Neuware erhältlich, und zwar in Form des überarbeiteten Dual CS 505-4, der von Alfred Fehrenbachers Dual Phono GmbH in Duals ursprünglicher Heimatstadt St. Georgen gebaut wird. Die Dual Manufaktur befindet sich tief im Schwarzwald, in einer Region, die für ihre Bräuche, Folklore und Präzisionsuhrwerke bekannt ist.

    Das halbautomatische Laufwerk des CS 505-3 ist einfach zu bedienen. Wird der Tonarm über die Schallplatte bewegt, setzt sich der Plattenteller automatisch mit der vorgewählten Geschwindigkeit in Bewegung. Der Tonarm bleibt zunächst in angehobener Position, bis er durch Umlegen eines Hebels sanft abgesenkt wird. Der Plattenteller hört automatisch auf, sich zu drehen, wenn die Nadel das Ende einer Schallplatte erreicht hat, und der Tonarm wird automatisch wieder angehoben. Bei unserem Gerät war ein leichtes Ploppgeräusch zu hören, als sich der Plattenspieler abschaltete. Es wurde wahrscheinlich durch das abrupte Anheben des Tonarms verursacht. Das ist aber nur eine Beobachtung und keine Beanstandung. Ich war zunächst etwas überrascht von diesem Phänomen, aber es hat mich nie wirklich gestört. Der Tonarm bleibt angehoben und muss dann von Hand in die Ausgangsposition zurückgeführt werden.

    1987 wurde der erste CS 505-3 für knapp 500,00 DM (96,00 GBP) angeboten, und die heutigen Kunden des Nachfolgers CS 505-4 werden noch einmal mit dem gleichen Eurobetrag zur Kasse gebeten. Das mag in beiden Fällen ein wenig teuer erscheinen. Nachdem ich den CS 505-3 einige Tage lang in unserem Wohnzimmer gehört habe, bin ich jedoch der Meinung, dass er immer noch ein recht gutes Angebot ist. Mehr noch als unser Sansui 525 hat mich der Dual mit seinem Original-Tonabnehmer ULM 65 E und der elliptischen Diamantnadel dazu gebracht, eine Platte nach der anderen anzuhören und seine charmante Aufrichtigkeit und seinen musikalischen Drive zu genießen. Aber was war es genau, das mich in den Bann zog?

    Auch das Design des Thorens 320-Plattenspielers hat mir schon immer gefallen, weil es die Balance zwischen technischer Raffinesse und elegantem Understatement hält. Es scheint, als hätten sich die Ingenieure von japanischem Möbeldesign inspirieren lassen, mehr noch, als dies die technikbegeisterte japanische Elektronikindustrie es selbst je getan hatte. Und ich fand sehr ähnliche Designentscheidungen beim Dual CS 505-3, besonders in Kombination mit seinem schwarzen Holzrand-Sockel. Leider waren damals die meisten Plattenspieler noch mit fest verbauten Cinchkabeln ausgestattet, was es schwierig machte, die klangliche Balance allein durch die verwendeten Kabel zu verändern. Denn natürlich hätte ich gerne meine bevorzugten silbernen Solid-Core-Kabel angeschlossen.

    Der ULM 65 E ist der original Dual-Tonabnehmer für den 505-3, der mit einer elliptischen Diamantnadel von Ortofon ausgestattet war. Der ULM war kein High-End-Tonabnehmer und bot nur eine begrenzte Frequenzbandbreite von 10-25.000 Hertz. Auch die Kanaltrennung war mit 20 dB nicht beeindruckend. Dennoch bot er eine beachtliche Ausgangsleistung von 4 mV. Das deutete darauf hin, dass er laut spielen kann. Die Kombination aus Tonabnehmer, Abtastnadel und Laufwerk funktionierte recht gut, wies aber auch einige offensichtliche Schwächen auf, die man von Fall zu Fall entweder als störend oder liebenswert empfinden konnte.

    Als Erstes holte ich eine schlechte Pressung von Norah Jones "Album Come Away With Me" heraus und war enttäuscht, dass die elliptische Nadel des Dual viele Zischlaute zum Vorschein brachte, die unser Sansui 505 mit AT VM 95 ML-Tonabnehmer so gut versteckt hatte. Das war vielleicht nicht überraschend, wenn man bedenkt, wie tief die mikro-lineare Nadel des AT in die Rille eindringen konnte. Die Platte klang umso schlechter, je näher die Nadel an die Mitte heranrückte. Als Nächstes legte ich Stacey Kents Album "I Know I Dream" auf und war überrascht von einem angenehmen Vorwärtsdrang und Rhythmus, der mich sofort zum Mitwippen animierte. Mir gefiel, dass Staceys Stimme stärker, direkter und auch einnehmender wirkte, als ich es gewohnt war. Die Musik klang etwas weniger feinfühlig und brachte die Transienten nicht so gut zur Geltung, aber irgendwie vermisste ich das auch nicht.

    Der kernige und rhythmisch einnehmende Charakter des Duals brachte mich während des Albums mehrmals zum Schmunzeln. Da "I Know I Dream" eine gute Pressung ist, hatte ich keinerlei Probleme mit Zischlauten. Mir fiel auf, dass Stimmen vielleicht nicht ganz so authentisch wiedergegeben wurden und manchmal etwas "vintage" klangen. Sie konnten sich nicht so sehr von den Instrumenten lösen, wie ich es gewohnt war, aber im Großen und Ganzen waren sie liebenswert und es machte viel Spaß, ihnen zuzuhören. Auch wenn ich zunächst darüber nachgedacht hatte, die permanenten Verbindungen durch Cinch-Buchsen zu ersetzen und den Tonabnehmer durch ein modernes Modell mit einer ausgefeilteren Nadel und besseren Spezifikationen zu ersetzen, entschied ich mich jedes Mal, wenn ich ihn wieder hörte, dafür, Aktualisierungen oder Upgrades auf einen späteren Tag zu verlegen.

    Dual Firmengeschichte

    Christian und Joseph Steidinger nahmen im Jahr 1907 als Hersteller von Uhrwerken und Grammophonen in der deutschen Stadt St. Georgen im Schwarzwald ihren Betrieb auf. Das ursprüngliche Unternehmen trug lediglich den Familiennamen, bis es 1927 in Dual umbenannt wurde. Der neue Firmenname wurde in Anlehnung an die duale Stromversorgungen gewählt, mit denen das Unternehmen echte Pionierarbeit leistete. Grammophone, die mit diesen Netzteilen ausgestattet waren, konnten entweder mit Strom versorgt oder für die Wiedergabe mit einem Federmechanismus aufgezogen werden. Angesichts ihrer frühen Erfolge als Teilelieferanten begannen die Gebrüder Steidinger damit, ihre eigenen Plattenspieler zu entwickeln.

    Während des deutschen Wirtschaftsaufschwungs in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Dual zum größten Hersteller von Plattenspielern in Europa. Die deutsche Wirtschaft genoss immer noch einen Preisvorteil gegenüber dem Rest Europas und wurde schnell wieder für ihre hohe Qualität bekannt. Die Gebrüder Steidinger mussten bis zu 3.000 Mitarbeiter in ihren Fabrikhallen arbeiten lassen, um mit der wachsenden Nachfrage nach Unterhaltungsgeräten in der Welt Schritt zu halten. Obwohl Dual seinen Markennamen auch auf andere Produkte der Unterhaltungselektronik ausdehnte, sind die Plattenspieler bis heute Ikonen der Technik geblieben.

    Das ursprüngliche Unternehmen Dual ging Anfang der 1980er Jahre in Konkurs, nachdem ein Jahrzehnt lang ein harter Wettbewerb durch vergleichsweise günstige und hochentwickelte Importe aus Japan herrschte. Das Unternehmen wurde an den französischen Elektronikkonzern Thomson SA verkauft. 1988 kaufte das deutsche Unternehmen Schneider Rundfunkwerke AG Dual und stießen 1993 die “Dual Phono GmbH" an Herrn Alfred Fehrenbacher ab. Fehrenbacher produziert bis heute Dual-Plattenspieler "Made in Germany" in der Schwarzwaldstadt St. Georgen, basierend auf den ursprünglichen Produktlinien von Dual.

    Technische Daten

    • Konzept: gefedertes Chassis, Riemenantrieb
    • Antriebseinheit: 16-Pol-Synchronmotor
    • Motor-Typ: Dual-SM 100-1
    • Leistungsaufnahme: 8 Watt
    • Plattenteller: nicht-magnetisch, 1,2 kg
    • Geschwindigkeiten des Plattentellers: 33 1/2 und 45 RPM
    • Pitch-Justage: +/- 6%
    • Gleichlaufschwankung: 0,06% (WRMS 0,035%)
    • Rumpeln: 52 dB (75% gewichtet)
    • Kanaltrennung: > 25 dB
    • Kanalbalance: < 2 dB
    • Armlänge: 221 mm
    • Versatzwinkel: 24" 30'
    • Nachführfehler: 0,15"/cm
    • Tonabnehmer-Typ: Dual ULM 65 E
    • Tonabnehmersystem: Moving Magnet (MM)
    • Tonabnehmer Modell: Ortofon DN 165 E
    • Nadeltyp: elliptischer Diamant, gebondet
    • Abtastkraft: 15 mN (10-20 mN)
    • Frequenzbereich: 10-25.000 Hz
    • Ausgang: 4 mV / 5cms (1.000 Hz)
    • Nachgiebigkeit: (h) 25 um/mN; (v) 30 um/mN
    • Tonabnehmergewicht: 2,5 g
    • Gesamtkapazität: 160 pF
    • Abmessungen: (B) 437 mm; (T) 369 mm; (H) 138 mm
    • Gewicht: 6 kg
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr(e): 1987-1990

  • Dual CS 721

    Dual CS 721

    27.7.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der CS 721 war das Flaggschiff von Dual gegen Ende der 1970er Jahre und wird von vielen als einer der besten Dual-Plattenspieler aller Zeiten angesehen. Wo sich die Experten nicht einig sind, geht es meist um die Bevorzugung eines bestimmten Antriebssystems. Befürworter von Treibrad-Plattenspielern würden die Dual-Modelle CS 1219 und CS 1229 als ihre Favoriten nennen, während Fans des Riemenantriebs den CS 5000 oder CS 7000 Golden bevorzugen würden. Der CS 721 war ein Direktantriebsmodell (DD) und hatte dadurch, im Vergleich zu den anderen beiden Antriebsarten, die audiophilsten technischen Daten in Bezug auf Rumpel-Abstand und Gleichlaufschwankungen von allen. Dennoch: Wir hören nicht die Spezifikationen, sondern Musik. Und auch ich muss gestehen, dass mir der direkte und etwas ungestüme Klang unseres kleineren CS 505-3 ebenso gefällt, trotz schlechterer Daten.

    In seiner günstigsten Form war der CS 721 nicht gerade das schönste Exemplar eines Plattenspielers auf dem Markt. Sein Sockel bestand aus billigem Plastik, das in einen Rahmen aus laminiertem Sperrholz eingefasst war. Dual musste sich schon auf seinen guten Namen in audiophilen Kreisen verlassen können, um seine optisch eher zweckmäßigen Produkte neben den schnittigen und schlanken asiatischen Designs von Technics, Pioneer, Sony, usw. verkaufen zu können. Und tatsächlich war das neue und auffällige Fehlen von Echtholz bei den Produkten des deutschen Herstellers aus dem Schwarzwald bereits ein erstes Tribut an den zunehmend preisgetriebenen Markt. Der Druck, die Konkurrenz durch technisches Raffinesse zu übertreffen, sicherte dem CS 721 jedoch einige interessante und durchaus hochentwickelte Funktionen, die man bei Plattenspielern eines jeden Baujahres nur selten findet.

    Ein offensichtliches Highlight des CS 721 war sein klanglich üppiger, speziell für das Dual-System entwickelter Shure V15-III Tonabnehmer mit seiner SuperTrack-Plus Nadel. Der Shure V15-III galt als exzellenter Tracker schon bei geringer Auflagekraft von nur 0,75g bis 1,25g. Das Tonabnehmersystem wies die üblichen Shure Bassqualitäten auf und arbeitete reibungslos über einen großen Frequenzbereich von 10 Hz bis 25.000 Hz. Leider war die originale Shure-Nadel bei unserem Modell schon zu stark abgenutzt, so dass ich mich nach einem geeigneten Ersatz umsehen musste. Mein erster Impuls war es, mir eine Jico SAS-Nadel mit Bor-Nadelträger anzuschaffen, doch ein Lieferstopp auf unbestimmte Zeit seitens Jico zwang mich dazu, mich stattdessen für eine weniger aufwendige Shibata-Nadel von Tonar zu entscheiden. Shibata-Nadeln wurden ursprünglich für quadrophonische Aufnahmen entwickelt, greifen ebenfalls tief in die Schallplattenrille und sind, ähnlich wie die SAS-Nadeln von Jico, zu vielen Nuancen in der Musik fähig. Als ich mir die original Dual- und die Tonar-Nadel im direkten Vergleich anhörte, fiel es mir jedoch schwer, nicht der abgenutzten Super-Track-Plus-Nadel den Vorzug zu geben, weil sie mir klanglich tatsächlich noch feiner schien.

    Ich beschloss außerdem, den Sockel des Plattenspielers zu optimieren, um die physikalischen Schwingungen des schwimmenden Chassis noch besser zu isolieren, da mir die dünne Kunststoffwanne für diese Aufgabe nicht ausreichend zu sein schien. Einen ausführlichen Artikel zu diesem Projekt finden Sie in der Rubrik 'Explorations' in diesem Blog (siehe unten). Das Resultat meiner Arbeit war ein massiver Holzsockel, der die ursprüngliche Struktur perfekt in der Waage hielt und gleichzeitig die möglichen Resonanzen des Kunststoffs durch die Verwendung von Moosgummi-Einlagen dämpfte. Ich verwendete Tri-Ball-Absorber, um den Sockel zusätzlich von möglichen Vibrationen des Racks zu isolieren, die durch Schritte, zuschlagende Türen oder die anderen Hifi-Geräte verursacht werden. Das Ergebnis war ein klanglich reichhaltiger, präziser und ungestörter Klang, wie man ihn von einem Spitzenplayer von Dual erwarten würde.

    Neben seinem präzisen und leisen Motor, dem starren Tonarm und dem legendären Shure-Tonabnehmer bot der CS 721 eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten, die zu seiner Zeit führend in seiner Klasse waren. Wie alle Duals der 70er bot er drei Transportschrauben, um das Chassis während des Transports zu fixieren. Ich habe diese Funktion bei den Dual-Decks immer sehr geschätzt, da ich viel Zeit damit verbracht habe, sie in Autos zu transportieren. Sogar der Staubschutzhaubenlift konnte beim CS 721 justiert werden, für den Fall, dass die Feder mit dem Alter nachgeben sollte. Der Tonarm hatte ein 2-fach gedämpftes, einstellbares Gegengewicht und konnte zusätzlich an der hinteren Achse in der Länge verändert werden, um an die damals gängigen Massen der Tonabnehmer perfekt angepasst zu werden.

    Die vertikale Spur des CS 721 Tonarms konnte über einen Hebel kalibriert werden. Die meisten Plattenspieler boten dafür nur ein Set aus Inbusschrauben an. In ähnlicher Weise konnte man den Abhebungswinkel und die genaue Aufsetzposition der Nadel auf der Plattenrille einstellen. Die Aufsetzgeschwindigkeit konnte so optimal an das Gewicht des Tonabnehmers angepasst werden. Interessant war, dass die manuelle Liftfunktion von der Einstellung der Lifthöhe nicht beeinflusst wurde, da auch diese über einen separaten Regler eingestellt wurde. Bei der Wiedergabe von Schallplatten konnte der CS 721 von einzel auf unendlich umgestellt werden, so dass die Wiedergabe einer Schallplatte solange wiederholt wurde, bis sie manuell unterbrochen wurde. Bei näherer Betrachtung des Headshells stellte ich überrascht fest, dass der Tonabnehmer darauf fest eingeklemmt und zusätzlich mit zwei Schrauben gesichert war. Ich erfuhr, dass ursprünglich zwei verschiedene Headshells verkauft wurden, von denen nur eines manuell eingestellt werden konnte. So kaufte ich schließlich ein zusätzliches TK-24 Headshell, um mehr Freiheit bei der Justage zu haben.

    Während der Tonarm durch die Einstellung der hinteren Länge des Arms und dann über den Rändelring des Gegengewichts eingestellt wurde, stand noch ein weiterer Einstellring zur Verfügung, um die Abtastkraft einzustellen. In dieser Kombination war dies eine der raffiniertesten Einstellungen, die ich je gesehen hatte. Die Anti-Skating-Funktion konnte sowohl für konische als auch für bi-radiale Nadeleinschübe eingestellt werden. Es war vorstellbar, dass die umfangreiche Kombination von Einstellungen des CS 721 für einige Besitzer eher verwirrend als hilfreich war. Andererseits war das Hören von Schallplatten seit jeher mit dem Fliegenfischen vergleichbar, bei dem man viel Zeit, Können und Mühe aufwenden musste, um einen ziemlich kurzlebigen Höhepunkt zu erzielen. Mit anderen Worten: Der Dual war in der Bedienung alles andere als ein Kinderspiel. Umso erfreulicher war es jedoch, ihn zu besitzen und zu hören, sobald die perfekte Einstellung erreicht war, insbesondere mit seinem neuen Walnuss-Sockel.

    Verwandte Artikel:

    < Bau des Sockels | Restaurierung des Staubschutzes >

    Dual Firmengeschichte

    Christian und Joseph Steidinger nahmen 1907 als Hersteller von Uhrwerken und Grammophonen in der deutschen Stadt St. Georgen im Schwarzwald ihren Betrieb auf. Das ursprüngliche Unternehmen trug lediglich den Familiennamen, bis es 1927 in Dual umbenannt wurde. Der neue Firmenname wurde in Anlehnung an die dualen Stromversorgungen gewählt, mit denen das Unternehmen echte Pionierarbeit leistete. Grammophone, die mit diesen Antriebsmodellen ausgestattet waren, konnten entweder mit Strom versorgt oder für die Wiedergabe mit einem Federmechanismus aufgezogen werden. Angesichts ihrer frühen Erfolge als Teilelieferanten begannen die Gebrüder Steidinger, ihre eigenen Plattenspieler zu entwickeln.

    Während des großen deutschen Wirtschaftsaufschwungs in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Dual zum größten Hersteller von Plattenspielern in Europa. Die deutsche Wirtschaft genoss zu dieser Zeit noch einen erheblichen Preisvorteil gegenüber dem Rest Europas und wurde rasch wieder für ihre hohe Qualität bekannt. Die Gebrüder Steidinger mussten bis zu 3.000 Mitarbeiter in Ihren Fabriken einstellen, um mit der wachsenden Nachfrage nach Unterhaltungsgeräten auf dem Weltmarkt Schritt zu halten. Obwohl Dual seinen Markennamen auch auf andere Produkte der Unterhaltungselektronik ausdehnte, sind die Plattenspieler des Unternehmens bis heute Ikonen der Technik geblieben.

    Die ursprüngliche Firma Dual ging Anfang der 1980er Jahre in den Konkurs, nachdem für mehr als ein Jahrzehnt ein harter Wettbewerb durch vergleichsweise günstige und hochentwickelte Importe aus Japan geherrscht hatte. Das Unternehmen wurde zunächst an den französischen Elektronikkonzern Thomson SA verkauft. 1988 kaufte das deutsche Unternehmen Schneider Rundfunkwerke AG die Marke Dual und gliederte 1993 die “Dual Phono GmbH" an Herrn Alfred Fehrenbacher aus. Fehrenbacher produziert bis heute Dual-Plattenspieler "Made in Germany" in der Schwarzwaldstadt St. Georgen, basierend auf den ursprünglichen Produktlinien von Dual.

    Technische Daten

    • Plattenspieler-Typ: Vollautomatisch
    • Motor: Direktantrieb, elektronisch gesteuert
    • Motor-Typ: Dual EDS 1000-2
    • Geschwindigkeiten: 33,33 und 45 U/min
    • Gewicht des Plattentellers: 1,5 kg, Aluminium-Druckguss
    • Gewicht des Plattentellers mit Rotor: 3,0 kg
    • Größe des Plattentellers: 305 mm, dynamisch ausgewuchtet
    • Pitch-Steuerung: +/- 10%
    • Gleichlaufschwankungen: < 0.03%
    • Rumpeln: > 70dB
    • Tonarm: verlängertes Rohr, 2x gedämpft
    • Tonarm-Effektivlänge: 222 mm, höhenverstellbar
    • Tonabnehmer: Shure V15 III (1973 - 1987)
    • Auflagedruck: 0,75 bis 1,25g (1,0g)
    • Tonabnehmer-Typ: Microline, elliptischer Diamant
    • Kanaltrennung: 28 dB @1 kHz
    • Frequenzbereich: 10 - 25.000 Hz
    • Induktivität des Tonabnehmers: 500 mH
    • DC-Widerstand: 1.350 Ohm
    • Widerstandswert: 47 kOhm
    • Ausgang: 3,5 mV @1kHz
    • Gewicht des Tonabnehmers: 6,0 g
    • Gewicht des Plattenspielers: 7,8 kg
    • Abmessungen: (B) 424 mm x (H) 150 mm x (T) 368 mm
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr(e): 1976 - 1979

  • Lenco L75

    Lenco L75

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Fritz und Marie Laeng gründeten im Jahr 1946 in dem schweizer Ort Burgdorf die Plattenspieler-Manufaktur Lenco. Der Name Lenco wurde aus dem Familiennamen der Laengs abgeleitet, was vor allem auf die Initiative von Marie zurückzuführen war. Schon in der Zeit vor der Produktion von Plattenspielern in Burgdorf war das Ehepaar Laeng von dem Thema Audiotechnik fasziniert und betrieb seit 1925 ein Elektrogeschäft. Die aufrichtige Begeisterung der Laengs für gute Klangwiedergabe führte zu zuverlässigen Qualitätsprodukten und zu einem hervorragenden Service für die wenigen Geräte, die zur Nachbesserung in die Fabrik zurückkamen. Viel Leidenschaft, hohe Qualität und hervorragender Service erwiesen sich als solide Grundlage für den Erfolg, und das Unternehmen eröffnete bald eine zweite Fabrik in Italien, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen.

    Für die Produktion von Zubehör, das Lenco nicht ohne weiteres selbst herstellen konnte, ging das Unternehmen Partnerschaften mit entsprechend spezialisierten Unternehmen ein. Komet war Spezialist für Röhrenverstärker und unterstützte Lenco bei der Herstellung von Plattenspieler-Verstärker-Kombinationen. Ein anderer, vielleicht bekannterer Partner war Goldring, ein Spezialist für Tonabnehmer. Einige Lenco-Plattenspieler wurden mit dem Goldring-Logo vermarktet. Auf diese Weise konnte die weniger bekannte Marke Lenco aus der Schweiz vom etablierten Vertriebsnetz Goldrings profitieren, was es Lenco erleichterte, Kunden in aller Welt zu erreichen. Innerhalb weniger Jahre konnte Lenco Verkäufe in mehr als 80 Ländern erzielen.

    Leider verstarb Marie Laeng zu einem für das Unternehmen besonders schwierigen Zeitpunkt, nämlich während der Ölkrise im Jahr 1974. Sie war das Herz und die Seele des Unternehmens gewesen, und die Manufaktur wurde nun von mindestens zwei Seiten bedrängt: von der rückläufigen Weltwirtschaft und vom Verlust der Hauptmotivatorin. Ein dritter Schlag wurde durch den Zustrom billigerer Elektronik aus den aufstrebenden asiatischen Ländern verursacht, die sich als Gewinner der neuen preisgesteuerten Wirtschaft in Europa erwiesen. Die Lenco AG Burgdorf meldete 1977 Konkurs an. Die neu gegründete Lenco Audio AG übernahm die bestehenden Serviceverträge und vollendete die letzte Generation an Lenco Produkten.

    Der Lenco L75 Plattenspieler wurde ab den frühen 1970er Jahren gebaut und war für die Herausforderungen eines preisgetriebenen Marktes konzipiert. Er war gerade erschwinglich genug, um noch von Universitätsstudenten gekauft zu werden, und wurde mit der Absicht entwickelt, einer jungen Verbrauchergruppe audiophile Klangqualität ‘Made in Switzerland’ zu bieten. Trotz des leichten Rumpelns, das von der robusten Laufradkonstruktion herrührte, verfügte der holzverkleidete Lenco über einige willkommene Merkmale wie zum Beispiel ein schwimmendes Gehäuse, einen neu überarbeiteten Tonarm mit sichtbarem Anti-Skating-Gewicht und vier Spielgeschwindigkeiten, die von 78 Umdrehungen pro Minute bis hinunter zu 16 RPM reichten. Als Zubehör gab es eine Stroboskopscheibe zur Feineinstellung der Geschwindigkeit, einen Schallplatten-Besen mit Halterung auf dem Deck und ein Plattengewicht zur Reduzierung von Vibrationen. Noch heute zählt der L75 zu den besten Plattenspielern, die jemals in Großserie hergestellt wurden. Vor allem audiophile Hörer schätzen den L75 sehr, wohl wissend, dass selbst der beachtliche Erfolg des L75 am Ende nicht ausreichte, um das angeschlagene Unternehmen vor dem Aus zu retten.

    Technische Daten

    • Antrieb: vertikales Treibrad
    • Motor: 4-poliger Synchronmotor mit konischer Achse
    • Geschwindigkeiten: 78, 45, 33-⅓, 16-2/3
    • Gleichlaufschwankung: ±0,08% / ±0,4%
    • Rumpeln: 36 dB (ungewichtet); 60 dB (gewichtet)
    • Auflagefläche: 306 mm, 3,7 kg, Zink-Legierung
    • Tonarmlänge: 227 mm
    • Überhang: 17 mm (einstellbar)
    • Versatzwinkel: 23°12' (±0,8° max.)
    • Material: Aluminium-Rohr
    • Auflagegewicht Tonabnehmer: 0,5 g
    • Abmessungen: 445 x 335 x 150 mm
    • Gewicht: 10,5 kg

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  • Philips 22 GA 212 Electronic

    Philips 22 GA 212 Electronic

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der von 1971 bis 1976 gebaute Philips 22 GA 212 Electronic gilt immer noch als einer der besten Philips-Plattenspieler aller Zeiten. Besser bekannt als Philips 212, hat das Gerät unter Vinyl-Fans und Vintage-Sammlern eine Art Kultstatus erreicht. Zu den wichtigsten Merkmalen gehören die schwimmende Aufhängung des Plattentellers und des Unterchassis, die tatsächlich einen ausgezeichneten Stoßschutz bieten, sowie kapazitive Tasten mit grüner Hintergrundbeleuchtung. Das hier gezeigte Gerät wurde 1972 gebaut und läuft mit etwas Wartung immer noch einwandfrei, ohne hörbare Geräusche von den Lagern oder dem Motor.

    Das schwimmend gelagerte Subchassis sorgt für einen niedrigen Rumpelwert, und der leichte Aluminiumteller funktioniert recht gut und stellt eine interessante Alternative zu dem üblichen Ansatz dar, dem Teller und dem Chassis mehr Masse zu verleihen. Die Abspielgeschwindigkeiten sind auf 30 und 45 RPM eingestellt und der Pitch kann für beide Geschwindigkeiten unabhängig eingestellt werden. Der Philips 212 war mit dem Philips-eigenen GP400-Tonabnehmer ausgestattet, der zwar langlebig, aber nur wenig an audiophile Bedürfnisse angepasst war. Das firmeneigene Upgrade war der GP401, der eine größere klangliche Genauigkeit und Detailtreue bot.

    Bei dem hier abgebildeten Gerät wurde der GP400 durch einen Audio-Technica at-VM 95 E Tonabnehmer ersetzt. Die Philips 22 GA 212 Headshell kann leicht entfernt werden, indem man sie zusammen mit der Verkabelung nach vorne aus der Tonarmhalterung herauszieht. Ein willkommenes Feature für Besitzer, die mehrere Tonabnehmer zur Hand haben möchten. Der moderne Audio-Technica Tonabnehmer übertrifft dabei sowohl den GP400 als auch den GP401 mit Leichtigkeit. Er bietet einen ehrlichen, gut detaillierten und üppigen Klang, vielleicht mit einem leicht rauen Charakter. Je nach Anwendungsfall gibt sicher bessere Tonabnehmer im Audio-Technica-Sortiment, die allesamt recht erschwinglich sind, aber in Anbetracht der begrenzten Einstellungs- und Kontrollmöglichkeiten des leichten Philips-Tonarms ist das VM 95 E sicherlich eine risikofreie Wahl. Der ursprüngliche 5-polige DIN-Stecker wurde bei diesem Gerät durch Neutrik-Cinch/RCA-Anschlüsse ersetzt und die Verkabelung entsprechend optimiert.

    Technische Daten

    • Geschwindigkeiten: 33 und 45 Umdrehungen pro Minute
    • Abmessungen: 39 cm x 14 cm x 34 cm
    • Gewicht: 7 kg
    • Nennspannung: 240 V AC schaltbar, 5 W, 50 Hz
    • Rauschabstand: < -62 dB (DIN B)

  • Sansui SR-525

    Sansui SR-525

    2.2.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nach dem Verkauf unserer Tannoy DC6t-Lautsprecher an einen audiophilen Gefährten in Norddeutschland hatte ich wieder etwas Geld übrig, das ich für Entdeckungen ausgeben konnte. Auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten für unsere HiFi-Anlage beschloss ich, dass eine Aufrüstung des Plattenspielers unserer Hauptanlage viel bringen würde. Unser Philips GA 212 lieferte zwar immer noch eine solide Leistung, aber sein Tonarm und sein Chassis hatten einige Einschränkungen, was die Aufrüstung von Tonabnehmern usw. anging. Um Vinyl noch besser klingen zu lassen, war es höchste Zeit, auf ein anspruchsvolleres Konzept umzusteigen.

    Ich durchforstete das Internet nach Vintage-Angeboten und bat Freunde um Vorschläge. Zur Auswahl standen die typischen Marken Dual, Thorens, Denon, Technics und Micro Seiki, die alle auf ihre Weise bekannte Klassiker anbieten, aber keines der erschwinglichen Modelle sah für mich attraktiv aus, bis ich auf einen unwahrscheinlichen Konkurrenten in der oberen Mittelklasse stieß: den Sansui SR-525 DD. Der SR-525 basiert auf einem ähnlichen Chassis und Tonarmdesign wie der riemengetriebene Plattenspieler SR-323 von Sansui, bietet aber einige bedeutende Upgrades, wie z. B. den leisesten Direktantriebsmotor seiner Zeit und eine Quarz-Drehzahlregelung mit eingebautem Stroboskoplicht. Die Technologie war auf dem neuesten Stand der Technik, insbesondere für ein Gerät aus dem Jahr 1976, und ich habe nur Lob über diesen Player gelesen.

    Das ist im Grunde auch keine Überraschung, denn bei Sansui hatte Qualität Geschichte. Die Sansui Electric Company wurde 1947 von Kosaku Kikuchi in Tokio, Japan, gegründet. Wie viele seiner Zeitgenossen (David Hafler, etc.) begann Kosaku seine Karriere in der Industrie mit der Herstellung von Transformatoren und einfachen Radio-Komponenten, bis er feststellte, dass die Schwankungen in der Qualität der Bauteile es den Herstellern schwer machten, gleichbleibend hochwertige Geräte zu bauen. Kosaku beschloss daher, dass Sansui der Produktqualität Vorrang vor den Herstellungskosten geben sollte. Später, als Sansui sich auf komplexere Produkte spezialisierte, erwies sich diese Ausrichtung auf Qualität als vorteilhaft für den Ruf der Marke.

    Im Jahr 1954 stellte Sansui Vorverstärker und Verstärker her, die sowohl als Bausätze für den Selbstbau als auch als fertige Produkte verkauft wurden. Obwohl die ersten Geräte auf Monoröhren-Konstruktionen basierten, wurden 1958 Stereo-Röhrensysteme eingeführt. Mitte der 60er Jahre hatten Sansuis interne und externe Designentscheidungen dem Unternehmen einen soliden Ruf für qualitativ hochwertige Audioprodukte eingebracht. Zu dieser Zeit begann das Unternehmen mit der Produktion seiner kultigen, schwarzgesichtigen Verstärker der AU-Serie. Darunter befanden sich viele Geräte, die durchaus als "High End" eingestuft werden können und bis heute bei Audio-Enthusiasten sehr begehrt sind. Seinen ersten Plattenspieler stellte das Unternehmen 1967 her, ganze neun Jahre bevor der SR-525 auf den Markt kam.

    Ich fand unseren SR-525 bei einem Vintage HiFi-Händler in Mannheim, der sich “Goldladen" nannte. Und obwohl ich sicherlich für meinen Einkauf bei einem richtigen Händler einen kleinen Aufpreis zahlen musste, gefiel mir der Gedanke, dass ich dorthin fahren und das Gerät inspizieren konnte, bevor ich es kaufte. Als ich im Geschäft ankam, fand ich den Sansui in einem absolut neuwertigen Zustand vor. Bei angehobenem Plattenteller war nicht zu erkennen, ob der Motor jemals gelaufen war, und auch die Abdeckung wies kaum Kratzer auf. Wenn man vor dem SR-525 steht, gibt es nur sehr wenig in seinem Design, seiner Haptik und seinem Gefühl, das ihn als Vintage-Player ausweist. In seiner Schlichtheit und dunkelgrauen Lackierung erinnert er eher an die Player um die Jahrtausendwende. Das einzige, was ihn verrät, sind vielleicht die klobigen Gummifüße auf denen er steht. Aber sie sorgen nunmal effektiv dafür, dass die Platte nicht springt.

    Der Tonarm ist eine ausgeklügelte Konstruktion mit einem aufgehängten Anti-Skating Gewicht und einem zusätzlichen seitlichen Gewicht, das Resonanzen in Schach hält. Seine S-Form stellt sicher, dass der Winkel der Abtastnadel über den größten Teil der Plattenoberfläche nahezu perfekt ist. Mit einem Gesamtgewicht von fast 10 kg bietet der Sansui auch eine solide Basis, um Vibrationen jeglicher Art zu absorbieren. Mit seinem ursprünglichen deutschen Verkaufspreis von 865,00 DM war er fast 200 DM teurer als der riemengetriebene Philips, und das merkt man auch. Weitere Modelle der SR-Serie waren der riemengetriebene 323, der ähnliche, aber holzverkleidete 626 und der höherwertige 929.

    Haben Sie persönliche Erfahrungen mit Sansui-Plattenspielern? Bitte teilen Sie uns Ihre Gedanken in den Kommentaren mit. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig.

    Technische Daten

    • Typ: Manueller Plattenspieler mit Direktantrieb
    • Plattenteller: 310 mm, Aluminium-Druckgusslegierung, 1,4 kg
    • Motor: 20-polig, 30 Schlitze DC bürstenlos
    • Geschwindigkeiten: 33 und 45 RPM, servogesteuert
    • Gleichlaufschwankungen: < 0,03% WRMS
    • Rauschabstand: > 64dB
    • Rumpeln: > 72dB
    • Tonarm: statisch ausgeglichen, s-förmig, resonanzfrei, höhenverstellbar
    • Effektive Länge: 220mm
    • Überhang: 17,5mm
    • Gewicht des Tonabnehmers: 4 bis 11g
    • Abmessungen: 46,9 x 15,0 x 37,5cm
    • Gewicht: 9,5kg
    • Jahr(e): 1976 - 1978

    Gekauft bei:

    www.goldladen-mannheim.de
    Laurentiusstraße 26
    68167 Mannheim
    Tel.: 0151 241 643 55


  • Technics SL-1310

    Technics SL-1310

    25.4.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nach der überragenden Leistung unseres Sansui SR-525-Direktantriebs-Plattenspielers von 1977 begann ich, das Internet nach weiteren Direktantriebs-Plattenspielern aus den 70er Jahren zu durchsuchen. Und da Technics das Konzept des Direktantriebs erfunden hatte, war ich neugierig zu erfahren, wie sich ihre Plattenspieler mit dem beeindruckenden Standard unseres Sansui messen konnten. In den 1970er und 80er Jahren hatten sich Technics-Plattenspieler den Ruf erworben, in Sachen Plattenspieler-Technologie führend zu sein. Technics führte nicht nur den Direktantrieb ein, bei dem die Motorwelle selbst als Achse des Plattentellers dient, sondern war auch einer der ersten Hersteller, der den hochentwickelten S-förmigen Tonarm auf den Massenmarkt brachte. Daher beschloss ich, dass ein Technics-Deck ein würdiger Kandidat für eine Untersuchung sein würde.

    Der kultigste Plattenspieler der Marke ist wohl der SL-1200. Meines Wissens ist er auch der am längsten produzierte Plattenspieler der Welt. Er kam im Oktober 1972 auf den Markt, nur einen Monat nachdem ich geboren wurde, und wurde bis 2010 produziert. Nach einer sechsjährigen Pause während der Vinyl-Krise wurde die Produktion dann 2016 wieder aufgenommen. Obwohl der SL-1200 in erster Linie als High-Fidelity-Plattenspieler für Endverbraucher gedacht war, wurde er dank seiner hervorragenden Verarbeitungsqualität und seines drehmomentstarken Motors sofort ein Erfolg bei Radiosendern und Diskjockeys in Clubs. Bis heute wurden mehr als 3 Millionen Exemplare dieses Players verkauft. Und wenn man bedenkt, dass er nun wieder in Produktion ist, zählen wir immer noch weiter. Vielleicht ist es daher keine Überraschung, dass ein SL-1210 Plattenspieler im Londoner Wissenschaftsmuseum ausgestellt ist, als eine der technischen Ikonen, die unsere moderne Welt geprägt haben.

    Da so viel über den SL-1200 gesagt und geschrieben worden war, waren auch die Preise für gebrauchte Exemplare zum Zeitpunkt meiner Suche recht hoch. Das galt selbst für Exemplare, die in relativ schlechtem Zustand und durch Clubs etc. geschleift worden waren. Ungeachtet des Zustands schien allein der Name des Herstellers einen höheren Preis zu rechtfertigen. Ich beschloss daher, mich nach Technics-Plattenspielern umzusehen, die ein ähnlich anspruchsvolles Design boten, aber vom Mainstream weniger beachtet wurden. Bald fand ich heraus, dass der Technics 1310 viel von der gleichen Technologie wie sein berühmter Bruder bot, allerdings zu einem weitaus niedrigeren Preis. Und da dieser hauptsächlich in heimischer Umgebung verwendet wurde, war die Wahrscheinlichkeit, dass er zuvor von Club zu Club geschleppt worden war, eher gering. Mir schien, dass die Hauptunterschiede zwischen den beiden Plattenspielern in ihrer Fähigkeit lagen, Chassisresonanzen zu absorbieren, die exakte Geschwindigkeit bei physischer Krafteinwirkung auf den Plattenteller beizubehalten, und in der Belastbarkeit der unteren Wanne. In all diesen Disziplinen hatte der SL-1200 eindeutig die Oberhand.

    Und dennoch kann man den SL-1310 mit Fug und Recht als audiophilen Plattenspieler bezeichnen, auch wenn er nicht dafür gebaut wurde, als professioneller DJ oder Radioplayer herumgetragen zu werden. Für die von mir beabsichtigte Verwendung in unserer häuslichen Umgebung bot der SL-1310 alle relevanten Funktionen, ohne das hohe Preisschild seines robusteren Geschwisters. Ich begann, meine Suche auf den SL-1310 einzugrenzen und stellte fest, dass rissige untere Chassis-Wannen eher die Regel als die Ausnahme waren. Es schien mir, dass das kombinierte Gewicht des oberen Aluminiumgehäuses und des Plattentellers einfach zu viel Gewicht für das untere Kunststoffchassis war, besonders wenn der Technics unvorsichtig bewegt wurde. Andere Exemplare hatten hässliche Kratzer entlang der Vorderseite oder wiesen Verfärbungen des Gehäuses auf, wo sie häufig berührt wurden. Bei einigen fehlten Staubschutzdeckel oder diese waren gebrochen, die Mechanik war defekt, oder es fehlte einfach der Tonabnehmer oder die Nadel. Positiv ist zu vermerken, dass die meisten dieser Symptome relativ leicht zu erkennen waren. Ich beschloss daher, mich auf SL-1310 zu konzentrieren, die optisch intakt waren, und dann dafür zu sorgen, dass die Funktionalität wiederhergestellt wurde.

    Das Exemplar, das ich schließlich kaufte, schien beides zu bieten. Das Gehäuse und die Abdeckung waren in ausgezeichnetem Zustand mit nur einem winzigen Haarkratzer auf der Vorderseite. Er war immer noch mit dem originalen Shure M75 Tonabnehmer und der ED-Nadel ausgestattet, ein klares Zeichen dafür, dass dieser Player nicht viel benutzt worden war. Das untere Kunststoffgehäuse war nicht beschädigt. Der Preis war immer noch relativ hoch, wenn man bedenkt, dass der Player fast ein halbes Jahrhundert alt war, aber ich beschloss, bei meinem Besuch beim Besitzer offen zu sein. Wenn der Zustand wie beschrieben war, war der höhere Preis vielleicht gerechtfertigt.

    Als ich ankam, fand ich den Player im Keller aufgestellt. Er war an die Stromversorgung angeschlossen, aber ohne Audiosignalanschluss. Ich wurde darüber informiert, dass der Besitzer alle seine ursprünglichen HiFi-Komponenten verkauft hatte und auf bequemere Bluetooth-Geräte umgestiegen war. Der SL-1310 war das letzte Überbleibsel aus den glorreichen Tagen seiner HiFi-Anlage. Und obwohl er sich daran erinnerte, dass sein Plattenspieler in funktionstüchtigem Zustand war, als er ihn vor sieben Jahren weggestellt hatte, stellten wir fest, dass viele der ursprünglichen Funktionen nicht mehr intakt waren. Das automatische Cueing traf nicht den Anfang der Platte. Stattdessen landete die Nadel irgendwo zwischen den Liedern, unabhängig von der Einstellung des Plattendurchmessers. Es gelang uns, die Geschwindigkeit für 33 U/min korrekt einzustellen, aber beim Versuch, die Plattengeschwindigkeit für 45 U/min zu stabilisieren, schlugen alle Versuche fehl. Etwas verwirrt von der Anzahl der Probleme, schätzten wir den Preis für die Reparatur, und er bot an, diese Kosten vom Angebotspreis abzuziehen. Unter diesen Umständen war ich gerne bereit, dem Geschäft zuzustimmen.

    Als ich den Technics zu Hause anschloss, stellte ich fest, dass der linke Audiokanal des Players nach ein paar Minuten Spielzeit ausfiel. Es gelang mir, ihn wieder einzuschalten, indem ich das Cinch-Kabel wieder anschloss, aber kurz darauf fiel der linke Kanal erneut aus. Im Gegensatz zu unserem Sansui SR-525 waren alle Technics-Plattenspieler dieser Zeit mit nicht abnehmbaren Cinch/RCA-Verbindungen ausgestattet, was es schwierig machte, das Kontaktproblem des linken Kanals zu lokalisieren, und auch ein Hindernis für die Verbesserung der klanglichen Fähigkeiten des Players darstellte. Ich erstellte daher eine Liste aller Mängel und fügte hinzu, dass richtige Cinch/RCA-Buchsen installiert werden müssten. Glücklicherweise hatte unser erfahrener Audiotechniker für solche Angelegenheiten immer etwas Zeit, und ich fuhr am nächsten Tag zu einem Besuch vorbei.

    Was die Produktinnovation betrifft, so führte der SL-1310 das Konzept des Direktantriebs noch einen Schritt weiter als die ursprünglichen Designs. Während bei den meisten Plattenspielern der damaligen Zeit, einschließlich des Sansui, die großen Motoren zentral unter dem Plattenteller saßen, was eine gewisse Mindesthöhe erforderte, diente bei der überarbeiteten Technics-Konstruktion der Plattenteller selbst als Rotor und das Chassis des Players als Stator. Dadurch konnte der Plattenspieler eine niedrigere Silhouette haben, weniger Teile verwenden, weniger Wärme abführen, den Stromverbrauch auf weniger als 0,1 Watt senken und Resonanzen verringern. Die Geschwindigkeitsgenauigkeit war damals mit nur 0,1 % Abweichung über 30 Minuten Spielzeit klassenführend. Es wird oft behauptet, dass die Schneidemaschinen für Platten der damaligen Zeit weniger genau waren als dieser Technicsantrieb. Aufgrund des langsam drehenden Motors wurden Rumpelgeräusche meist außerhalb des relevanten Frequenzbandes, nämlich zwischen 20 und 35 Hz, festgestellt. Die beiden gemessenen Spitzenwerte liegen bei etwa 22 und 34 Hz. Und natürlich zeigte der ikonische Technics-Teller einen breiten, konischen Rand mit Strobe-Markierungen für 33-1/3 und 45 U/min-Synchronisation bei 50 oder 60 Hz, also insgesamt vier gepunktete Linien.

    Wie sich herausstellte, litt unser SL-1310 vor allem unter Korrosion an den Schaltern, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatte. Dies wurde höchstwahrscheinlich durch Feuchtigkeit begünstigt, während er im Keller gelagert wurde. Wir entdeckten, dass die meisten Schalter zur Wartung auseinandergenommen werden konnten. Nur einer von ihnen, der Schalter zur Einstellung der Plattengröße, war nicht mehr zu reparieren und musste ersetzt werden. Zwei Löcher wurden in die Rückseite des Plattenspielers gebohrt, um die neuen Cinch-/RCA-Buchsen aufzunehmen. Dieser Schritt ermöglichte es mir, meine eigenen Verbindungskabel mit diesem Gerät zu verwenden - eine scheinbar kleine Verbesserung, die sich jedoch erheblich auf den Klang auswirkt. Es stellte sich heraus, dass der fehlerhafte linke Kanal durch einen Wackelkontakt im Shure-Tonabnehmer selbst verursacht wurde. Wir beschlossen, den betreffenden Stift mit einem Lötkolben zu erhitzen, bis wir ihn ein paar Millimeter in das Tonabnehmergehäuse drücken konnten. Der Trick funktionierte, und beide Kanäle spielten wieder Musik.

    Zu Hause schloss ich den Technics SL-1310 an unser Bürosystem an und war sehr zufrieden mit seiner Leistung und der Handhabung. Ich stellte den 'Memo-Repeat'-Regler auf 'drei (3)' und der Plattenteller begann sich leise zu drehen. Dann zog ich den Hebel nach unten in die Position "Start". Der Player reagierte, indem er den Tonarm sanft anhob und ihn am Anfang des ersten Titels absetzte. Ich bemerkte, dass die Nadel vielleicht etwas sanfter hätte aufgesetzt werden können. Der kleine Knall, den sie beim Ausetzen erzeugte, hielt sich aber noch in Grenzen. Der Shure M75 Tonabnehmer mit elliptischer Abtastnadel war damals ein guter Mittelklasse-Tonabnehmer und konnte nicht mit dem Shure V15 mithalten, das standardmäßig in deutschen High End Dual-Plattenspielern zu finden war. Das M75 ED lieferte jedoch in typischer Shure-Manier einen warmen und zarten Klang mit langem Abklingverhalten. Es hatte vielleicht nicht den Bass-Slam des Shure 6S, aber es spielte präzise und liebenswert. Es schien mir, dass ein Upgrade auf den V15-Tonabnehmer, vielleicht mit einer Jico-Ersatznadel, eine willkommene, aber kostspielige Alternative für einen späteren Zeitpunkt wäre.

    Der Technics SL-1310 selbst könnte sicherlich eine zusätzliche Entkopplung des Chassis vertragen. Von Anfang an fiel mir auf, dass jede Berührung des Racks einen ähnlichen Knalleffekt hatte wie die Berührung eines Mikrofons. Dieser Effekt verschwand vollständig, nachdem ich den Technics auf vier Oehlbach-Isolationspads gestellt hatte. Da der Player mit seinem Aluminiumteller und dem Aluminiumtopchassis recht schwer ist, blieb er trotz der Weichheit der Pads erstaunlich stabil. Zu den Eigenschaften, die ich an diesem Player am meisten schätze, gehören seine automatischen Funktionen, die es mir ersparen, in den kleinen Raum unter der Dachschräge zu kriechen, wo unsere Anlage steht, und seine lebensechte dreidimensionale Darstellung der Musik. In Verbindung mit unserer Hafler XL-280-Endstufe und den Tannoy-Lautsprechern wird ein tiefes holografisches Bild der Bühne direkt vor mir in den Raum projiziert. Gar nicht schlecht, vor allem für ein Deck, das fast ein halbes Jahrhundert alt ist.

    Technische Daten

    • Typ: vollautomatischer Plattenspieler mit Direktantrieb

    • Plattenteller: 312 mm Aluminium-Druckguss

    • Geschwindigkeiten: 33 und 45 U/min

    • Motor: Ultra-Low-Speed, bürstenloser DC-Motor

    • Leistungsaufnahme des Motors: < 0,1 Watt

    • Gleichlaufschwankung: < 0,03% WRMS

    • Rumpeln: - 70 dB

    • Tonarm: S-förmig, röhrenförmig, 4-poliger Anschluss

    • Wirksame Länge: 230 mm

    • Effektive Masse: 23g (inkl. 6g Tonabnehmer)

    • Einstellung der Abtastkraft: 0,25 bis 3g in 0,1g Schritten

    • Gewichtsbereich der Patrone: 4,5 - 9g

    • Abmessungen: (B) 430 mm x (H) 130 mm x (T) 375 mm

    • Leistungsaufnahme: 8,0 Watt

    • Stromversorgung: AC 110 - 240V, 50/60 Hz

    • Gewicht: 9,4 kg

    • Jahr(e): 1975 - 1977


  • Thorens TD320

    Thorens TD320

    10.3.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Viele Jahre lang stand der Thorens DT 320 an der Spitze meiner Liste der begehrtesten erschwinglichen Plattenspieler, da er bereits einige audiophile Merkmale aufwies, die erst viel später ihren Weg in moderne "High-End"-Designs finden sollten. Als er 1984 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war der TD 320 das Spitzenmodell der Thorens 300er-Serie und galt auch allgemein als Spitzenmodell. Die frühen Modelle waren mit dem Tonarm TP16 MK-III ausgestattet. Später wurde dieser durch den MK-IV-Tonarm abgelöst, der auch bei dem hier gezeigten Modell zum Einsatz kam. Damit fällt unser Exemplar in die Modelljahre von 1986 bis 1988. Die 300er-Serie war eine der erfolgreichsten Modellreihen von Thorens und wurde später um einige neue und überarbeitete Versionen erweitert: TD 325, TD 2001 und den TD 3001.

    Der TD 320 verfügte über ein an 3-Punkt-Blattfedern aufgehängtes Subchassis, das den Tonarm und Plattenteller von den Vibrationen des Motors getrennt hielt. Die Verwendung von Blattfedern erwies sich im Vergleich zu früheren Spiralfederkonstruktionen als vorteilhaft, da sie das Wackeln auf der horizontalen Achse begrenzten. Um die Auswirkungen der Schwingungen des Transformators zu eliminieren, wurde der TD 320 mit einem separaten Netzteil ausgestattet. Obwohl das Original-Netzteil von Thorens einfach in den Netzstecker eingebaut war, gehörte die Aufrüstung des Netzteils gleichsam zu den ersten und praktikabelsten Tuningmöglichkeiten für den TD 320. Das hier gezeigte Netzteil wurde von dem französischen Audiovertrieb 'Audiophonics' verkauft. Es ist linear und rauscharm aufgebaut und verfügt über spezielle EMI- und RFI-Filter. Sein Ausgang ist auf 1,25 A und 16 V ausgelegt. Durch die Unterbringung des Netzteils auf einem separaten Regalbrett werden Vibrationen des Netzteils vom Musiksignal effektiv eliminiert.

    Der Thorens TP16 MK-IV Tonarm verfügt über einstellbare horizontale und vertikale Lager, um das Spiel des Tonarms auf ein Minimum zu reduzieren. Die schwarze Staubschutzkappe auf der Oberseite des Zapfens konnte abgenommen werden, um einen einfachen Zugang zum oberen Lager zu ermöglichen. Im Gegensatz zu vielen seiner ausländischen Zeitgenossen war der MK-IV-Tonarm mit einem festen Headshell ausgestattet, das nicht einfach ausgetauscht werden konnte. Seine starre Hülse wurde auf das Aluminiumrohr des Tonarms geflanscht und mit einer einzigen Schraube befestigt. Der vertikale Abtastwinkel (VTA) der Tonabnehmer-Nadel-Kombination konnte durch Lösen der Schraube und Drehen des Headshells in die richtige Position gebracht werden. Dieses simplistische System wies jedoch einige Mängel auf. Zum einen konnte sich das Verdrehen der Headshell auf dem Tonarm negativ oder sogar schädlich auf die empfindlichen Tonarmlager auswirken. Zweitens konnte das regelmäßige Lösen des Arms aus der Thorens-typisch zu fest sitzenden Tonarmklemme die VTA-Einstellung negativ beeinflussen. Und drittens führte das Anziehen der Headshell-Schraube fast zwangsläufig dazu, dass sich der vertikale Abtastwinkel erneut in unvorhersehbarer Weise veränderte. Andererseits konnte der schnörkellose Anti-Skating-Mechanismus des Arms auch bequem über eine einzige Schraube eingestellt werden. Dieser beeinflusste die Position der Dauermagnete und funktionierte eigentlich ganz gut.

    Als ich unseren TD 320 von einem privaten Verkäufer im Taunus bei Frankfurt abholte, war er in einem denkbar schlechten Zustand. Das Holzfurnier hatte einen Großteil seines Glanzes verloren, die Staubschutzhaube war stark verkratzt. Die 3-Punkt-Aufhängung hatte sich auf der Innenseite gelöst, und der Plattenteller stand schief und schabte bei jeder Umdrehung über den Sockel. Der Antriebsriemen war lose und musste ersetzt werden, und der gelbe Original-Tonabnehmer der Marke Linn (OEM von Audio Technica) hatte eine stark abgenutzte Nadel. Ich stellte den Thorens auf den Rücksitz unseres Autos und fragte mich, wie viel Zeit und Mühe es kosten würde, diesen einst großartigen Plattenspieler wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlen zu lassen.

    Ich kaufte einen neuen Antriebsriemen von Thakker.eu, reparierte und justierte die 3-Punkt-Aufhängung, bis sie das Tonarm-Brett wieder in der richtigen Höhe und Ebene hielt. Ich benutzte Möbelpolitur, um den ursprünglichen Holzglanz des Sockels wiederherzustellen. Nach einem kurzen Intermezzo mit einem Sumiko Olympia-Tonabnehmer (den ich schließlich frustriert an Thakker zurückschickte), habe ich unseren Audio Technica VM95 ML-Tonabnehmer installiert - mit einem sehr positiven Ergebnis. Da sowohl der Sumiko als auch der Audio Technica Tonabnehmer einen niedrigeren Korpus als der Originaltonabnehmer hatten, musste ich auch die Tonarmhöhe anpassen, damit der Arm während der Wiedergabe auf gleicher Höhe mit der Schallplatte ist. Ich ersetzte das Original-Netzteil durch das von Audiophonics und entfernte die Original-Filzpolster unter dem Sockel, um sie durch höhenverstellbare Kupferspikes zu ersetzen. Entschlossen, die Staubschutzhaube zu restaurieren, zeigte ich sie meinem Freund Thomas, der ein Experte für Karosserie- und Lackierarbeiten ist. Er bot mir an, sie abzuschleifen und zu polieren. Als er sie mir eine Woche später zurückgab, sah die zerkratzte, alte Abdeckung aus, als käme sie frisch vom Händler.

    Die Musikwiedergabe mit dem TD 320 und einem Audio Technica VM95 ML Tonabnehmer ergab einen warmen, ausgewogenen und natürlichen Klang. Die Hintergrundgeräusche waren gering, und die Kanaltrennung war hervorragend. Es herrschte ein Gefühl von eleganter Zartheit, eingebettet in glaubwürdige Tonalität und exzellenten musikalischen Fluss. Das VM95 ML war ein hervorragender Tracker und arbeitete gut mit dem TP16 MK-IV Tonarm zusammen. Das Sumiko hingegen wirkte eher basslastig und weniger kultiviert mit ständigen Verzerrungen und Zischlauten, vor allem in den inneren Rillen von Schallplatten, was auch der Grund dafür war, dass ich es zurückschickte. Ich fand, dass sich der TD 320 in Kombination mit dem Audio Technica VM95 ML für klassische Musik und Jazz eignete und für all diejenigen, die einen entspannten und einfühlsamen Klang und nicht so sehr die direkte Attacke suchen. Es war vielleicht nicht die fesselndste Kombination, und ich habe mich manchmal gefragt, wie ein lauterer und ungestümer Ortofon 2M Bronze-Tonabnehmer in der Gesamtbilanz abschneiden würde.

    Der TD 320 weist noch einige Konstruktionsmängel auf, denen ich mich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt annehmen werde. Ein Blick unter die Haube zeigte zum Beispiel, dass die Audiosignale tatsächlich parallel zu einem Teil der Leistungs- und Schaltelektronik liefen, ein Umstand, den ich für mehr Dynamik und Transparenz zu ändern gedenke. Hinzu kam die fragwürdige Qualität der auf dem Plattenspieler vorinstallierten Verbindungskabel. Möglicherweise könnte man ein besseres Ergebnis erzielen, wenn man auf ein silbernes Solid-Core Kabel aus unserer bewährten HBS-Serie umsteigen würde. Sowohl der Plattenteller als auch der Sockelboden könnten von zusätzlichen Dämpfungsmatten profitieren. Das Subchassis könnte neu justiert werden, um die Verwendung eines zusätzlichen Plattengewichts zu ermöglichen, usw. Vorerst war ich jedoch sehr glücklich, einer der Legenden in der Welt des Plattenspieler-Designs neues Leben eingehaucht zu haben. Mir war klar, dass man mit dem TD 320 viel mehr Spaß haben konnte als mit einem der schnittigen und modernen direkt angetriebenen Decks aus Japan. Allerdings war der Thorens im täglichen Umgang etwas komplizierter und schrie förmlich: Vorsicht, mit Bedacht behandeln!

    Thorens Unternehmensgeschichte

    Thorens wurde 1883 in der Stadt Sainte-Croix in der Schweiz gegründet. Ähnlich wie die deutsche Dual begann Thorens als Spezialist für Uhrwerke, bevor die Manufaktur ab 1903 Phonographen produzierte. Die ersten Plattenspieler des Unternehmens stammen bereits aus dem Jahr 1928. Damit ist Thorens einer der ältesten existierenden Hersteller von Plattenspielern weltweit.

    In den 1950er und 1960er Jahren produzierte Thorens eine Reihe von anspruchsvollen Plattenspielern für den privaten und professionellen Gebrauch, die bis heute als audiophile High-End-Geräte gelten. Der TD150 MK II wurde von 1965 bis 1972 für den privaten Markt produziert, und der schwer ausgeführte TD 124 war bei Audiophilen und Tonstudios gleichermaßen beliebt. Er wurde von 1957 bis 1965 hergestellt.

    Nach dem Konkurs von Thorens im Jahr 1999 übernahm die neu gegründete "Suisse Thorens Export Company" die Thorens-Aktiva und führte die Produktion und den Vertrieb von Thorens-Plattenspielern unter der Leitung von Heinz Roher fort. Im Mai 2018 übernahm Gunter Kürten das Unternehmen und verlegte den Sitz nach Bergisch Gladbach in Deutschland. Zu den aktuellen Modellen gehören der TD 124 DD, der TD 1500 mit TP 150 Tonarm und SME Headshell sowie der ähnlich ausgestattete TD 403 DD.

    Technische Daten

    • Antriebsart: einstufiger Riemenantrieb
    • Motor: 16-poliger Synchronmotor, 16V
    • Geschwindigkeit des Plattentellers: 33 und 45 U/min
    • Drehzahlregelung: 2-Phasen-Generator
    • Plattenteller: 3,1 kg, 300 mm, Zinklegierung, dynamisch ausgewuchtet
    • Gleichlaufschwankungen: 0.035%
    • Rumpeln: > 72 dB
    • Tonarm: TP16 MK IV
    • Länge des Tonarms: 232 mm
    • Drehpunkt zu Spindel: 215,6 mm
    • Effektive Masse: 12,5 g
    • Überhang: 16,4 mm
    • Offset-Winkel: 23 Grad
    • Abmessungen: 440 mm x 350 mm x 170 mm
    • Gewicht: 11 kg (plus Netzteil)
    • Netzgerät: Audiophonics LPSU25 (China)
    • Versorgungstyp: 25 VA, linear geregelt, EMI RFI-Filter
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr(e): 1986-1988

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Radioempfänger

Radioempfänger

Manche Leute werden behaupten, dass die Zeit der analogen Radiotuner vorbei ist und dass es bessere Möglichkeiten gibt, Signale zu empfangen und in Klang zu verwandeln. Doch trotz vieler Ankündigungen, dass das analoge Radio aus dem öffentlichen Rundfunk verschwinden wird, ist das analoge Radio immer noch eher die Norm als die Ausnahme. Das mag an der großen Reichweite des Signals in abgelegenen Gebieten liegen, die noch nicht vom digitalen Netz abgedeckt sind, es mag an der Anzahl der noch vorhandenen analogen Radios liegen, und es mag auch eine seltsame Form von Nostalgie sein.

Wie dem auch sei, man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Befürworter des analogen Rundfunks, die aufgrund seiner klanglichen Fähigkeiten daran hängen nur wenige sind, auch wenn sie hier vielleicht ein berechtigtes Argument haben, das wichtiger sein dürfte als die anderen. In klaren Nächten hat der analoge Klang immer noch seinen sanften und besonderen Charme, einfach deshalb, weil er nicht ins Digitale übersetzt wird. Und deshalb gibt es ein Element der süßen Liebkosung für die Ohren, das mehr ist als bloße Romantik, weil es eine Sehnsucht befriedigt, die in der Tat sehr menschlich ist.

  • Nikko FAM 600

    Nikko FAM 600

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Tuners

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nikko Audio war eine Abteilung des japanischen Elektronikunternehmens Nikko Electric Industry Co, das 1933 in Kanagawa gegründet wurde. Die Audiokomponenten des Unternehmens erlangten schnell einen guten Ruf, doch die Marke erreichte nur eine begrenzte Verbreitung und während eines allgemeinen Marktrückgangs in den 90er Jahren musste die Nikko-Audio Abteilung wieder geschlossen werden.

    Die Geschichte des Unternehmens Nikko Audio liest sich wie eine Achterbahnfahrt zwischen einem echten Interesse an qualitativ hochwertigen Produkten und einem unerklärlichen Misserfolg beim Versuch, diese weltweit zu verkaufen. Das ursprüngliche "Nikko Electric Works" wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Entwickler, Hersteller und Installateur von Kommunikationstechnik und elektrischen Geräten in Japan neu gegründet. In jenen frühen Jahren stellte Nikko hauptsächlich Sicherungen für die japanische Staatsbahn her - bis die Tochter des Chefs einen jungen audiophilen Burschen heiratete, der angeblich "goldene Ohren" hatte und seinen Schwiegervater überredete, eine Reihe von HiFi-Produkten auf den Markt zu bringen, was in den späten 1960er Jahren begann. Der Schwiegersohn verstand zwar etwas von gutem Klang, interessierte sich aber nur am Rande für die Vermarktung seiner Produkte, so dass er zunächst Geräte entwickelte, die zwar sehr gut, aber auch sehr teuer und damit schwer zu verkaufen waren.

    Da die Audio-Division in den 1970er Jahren kaum noch Erträge erwirtschaftete, war Nikko gezwungen, seine Strategie zu überdenken und sich in verschiedene ausländische Tochtergesellschaften auszugliedern. Die Produktpalette wurde gestrafft und die meisten der frühen High-End-Geräte wurden zugunsten von preiswerteren und daher besser vermarktbaren Geräten entfernt. Obwohl die Produktqualität mit der Konkurrenz mühelos mithalten konnte, blieben die Umsätze aus, was vor allem an ihrem zu konservativen Erscheinungsbild lag. Im Gegensatz zu Sony oder anderen großen Namen mit ihren gebürsteten Aluminiumfronten konnten (oder wollten) die Nikko-Designer diesem Trend nicht folgen und hatten es daher schwer, sich auf dem Markt zu behaupten.

    Eine spätere Umstrukturierung der Produktpalette sah die Einführung von Kompaktgeräten im unteren und mittleren Preissegment vor. Unter anderem mit diesen Produkten trat Nikko auch in den deutschen Markt ein; sie wurden über verschiedene Importeure eingeführt und dann vorzugsweise über Kaufhausketten oder den Versandhandel (also das Low-Cost-Segment) verkauft. Schon bald waren der Name und die noch relativ unbekannten, aber zu großer Form auflaufenden Produkte wieder verschwunden, und das Unternehmen stellte nach dem allgemeinen Markteinbruch nach der Asiengrippe Ende der 90er Jahre seine Tätigkeit endgültig ein.

    Der hier gezeigte Tuner FAM 600 ist von elegantem Design, nicht nur äußerlich, sondern auch in Bezug auf die Einfachheit des Innenlebens. Er war bereits mit Ausgängen für die quadrophonische Nutzung ausgestattet (die große Idee zu dieser Zeit) und fühlt sich durch die Wahl der Materialien gut an. Die High-End-Herkunft des Unternehmens ist bei diesem Gerät immer noch zu spüren. Obwohl es bessere Tuner z.B. in den höheren Preisklassen z.B. von Sansui gibt, bietet dieses Gerät eine großartige Möglichkeit, analoges Radio von seiner besten Seite zu erleben. Wie analoge Hörer bestätigen werden, gibt es Radiowetter - und dann gibt es diese anderen Zeiten, in denen etwas im Universum einfach nicht stimmt. In guten Hörnächten hat das analoge Erlebnis, wenn alles richtig gemacht wird, die ganze Magie, die wir brauchen, um uns immer wieder zu verlieren.

    Technische Daten

    • Hersteller: Nikko Electric Manufacturing Co. Ltd. in Tokio
    • Produkteinführung: 1975
    • Kategorie: Stereo-Rundfunkempfänger, Tuner nach WW2
    • Hauptprinzip: Superheterodyn
    • Gehäuse: Kupfergehäuse, gebürstete Aluminiumfront, Holzgehäuse
    • Abmessungen: 380 x 130 x 300 mm
    • Gewicht: 5kg

    Bildbeschreibung:

    Von der oberen Mitte aus im Uhrzeigersinn gehend erkennt man die Rückseite des Bedienfeldes, den Transformator und darunter die Platine des optimierten Netzteils. Die 5-polige DIN-Buchse befindet sich in der unteren rechten Ecke, ungünstigerweise direkt über dem Netzkabel. Die Antenneneingänge befinden sich in der unteren linken Ecke und darüber liegt die Hauptplatine des Tuners. Der große Drehkondensator des Tuners befindet sich oben links auf der Platine. Ein Kupfer-Sandwichboden schützt die Unterseite der Platine vor elektrischen Einstreuungen, wobei die gesamte interne Verdrahtung unsichtbar bleibt.


CD-Spieler

CD-Spieler

Die CD bietet Musikgenuss in guter Qualität in einem kompakten digitalen Format. Sie bietet eine Abtastrate von 44,1kHz bei einer Tiefe von 16 Bit pro Sample. Die Parameter wurden so gewählt, dass sie den gesamten Bereich des menschlichen Gehörs von 20Hz bis 20kHz abdecken. Obwohl dies ausreichen sollte, um die meisten musikalischen Informationen in Bits und Bytes wiederzugeben, werden CDs in jüngster Zeit häufig durch Downsampling und/oder Bitratenreduzierung erzeugt - z. B. wenn die Masterdatei mit einer Abtastrate von 192 kHz und einer Tiefe von 24 Bit aufgenommen wurde, wie es bei Jazz und klassischer Musik üblich ist. Seitdem wurden Versuche unternommen, die Abtastrate und die Bittiefe in Formaten wie SACD und BlueRay Audio zu erhöhen, aber diese scheiterten an einem Markt, der dem Bereich der hochwertigen Audiodateien bereits zugunsten von Komfort-Audiodateien wie MP3 und Musikabrufdiensten den Rücken gekehrt hatte.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Verkäufe von Vinyl-Schallplatten kürzlich, erstmals seit einem Vierteljahrhundert, wieder die von CDs überholt haben. Angesichts der Tatsache, dass audiophile Hörer in Scharen zu den modernen hochauflösenden Streaming-Diensten strömen, ist der Besitz von Schallplatten zu einem seltenen Privileg geworden, das am besten durch das akribische Ritual des Abspielens und Aufbewahrens von Schallplatten zelebriert wird. Dennoch kann man mit CD-Playern immer noch jede Menge Spaß haben, denn es gibt mehr Möglichkeiten, sie einzustellen und ihnen ein audiophiles Erlebnis zu entlocken, als man auf den ersten Blick vermuten mag.

Um möglichst viele nutzungsmöglichkeiten zu haben, sollten Sie darauf achten, dass Ihr CD-Player neben dem üblichen Toslink-Anschluss auch über einen digitalen Koax-Ausgang verfügt, und natürlich auch über einen Cinch-/RCA-Anschluss.

  • Denon DCD 1500 II

    Denon DCD 1500 II

    12.4.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nachdem ich nun schon einige Zeit den kleineren Bruder, einen Denon DCD-1420, besitze, offenbarte ein Blick unter dessen Haube größere Platzierungsmarkierungen um die kleinen Kondensatoren herum, die die Abmessungen größere Teile andeuteten, die beim "echten", nämlich dem größeren DCD-1500-Gerät verwendet werden. Und obwohl der DCD-1420 auch nach vier Jahrzehnten ein zuverlässiger Mittelklasse-Player ist, habe ich mich oft gefragt, was ich wohl erleben dürfte, wenn ich stattdessen das voll ausgestattete Gerät gekauft hätte.

    Als Luigi mir dann zwei CD-Player zeigte und mich fragte, welchen von beiden ich kaufen würde, tendierte ich deshalb stark zum Denon DCD-1500 II. Die Fotos, die wir sahen, zeigten ihn in gutem, gebrauchtem Zustand, aber sie waren alles andere als beeindruckend. Sowohl die Größe als auch das Design des Denon ließen nicht auf seine außergewöhnliche Verarbeitungsqualität und internen Vorzüge schließen. Für mich sah er einfach aus wie ein weiterer CD-Player. Dieser Eindruck änderte sich, als ich Luigi besuchte und den Player mit eingeschaltetem Display in einem richtigen HiFi-Rack stehen sah. Obwohl sich seine Größe nicht verändert hatte und sein Design immer noch ein Understatement war, strahlte er jetzt eine aufgeräumte Ernsthaftigkeit aus, die mich sofort neugierig machte. Das war ganz sicher auf einem anderen Niveau als mein 1420er.

    Luigi spielte mir ein paar Songs auf dem Denon DCD-1500 II vor, bevor er auf Vinyl umstieg. Normalerweise schätze ich den Übergang von digital zu analog, aber ich merkte, dass ich ein wenig traurig war, den 1500 schon so schnell nicht mehr hören zu können. Vielleicht lag das daran, dass das aufgeräumte Aussehen des Players auch in der Musik wunderbar präsent war. Der Player klang zwar keineswegs spektakulär, aber die Musik hatte einfach diesen Hauch von Verlässlichkeit, der sie für meine Ohren liebenswert machte. Ich hatte sofort das Vertrauen, dass dieser Player angenehm klingen würde. Das Fehlen dieser Qualität ist oft ein Problem bei CD-Playern; wenn Audiophile Geräte als analog oder warm klingend bezeichnen, meinen sie damit eigentlich eher die klangliche Verlässlichkeit als das Spektakel.

    Luigi schlug mir vor, den Denon mit nach Hause zu nehmen, ihn weiter zu erforschen und vielleicht einen Bericht darüber zu schreiben, wozu ich gerne bereit war. Als ich in Begriff war zu gehen und den Denon aus dem Regal hob, war ich von seinem Gewicht überrascht. Einen Moment lang fühlte er sich an, als wäre er an die Bretter geklebt worden. Dieser Aspekt des Players ist so gut versteckt, dass er mich überraschte, obwohl ich in der Anzeige ja gelesen hatte, dass er fast 10 kg wiegt. Bei einem größeren und höherwertigen Verstärker hätte mich das Gewicht nicht überrascht, aber bei einem japanischen Standardgerät für den Endverbraucher war ich durchaus positiv überrascht.

    Als ich nach Hause kam, stellte ich den Denon auf unseren Konferenztisch und öffnete das Gehäuse, um unter die Haube zu schauen. Während die obere Abdeckung aus dem gleichen gebogenen Metall bestand, wie es bei heutigen Geräten üblich ist, fand ich auf der Innenseite der Abdeckung eine 4 mm dicke Bleiplatte aufgeklebt. Dieses trug sicherlich dazu bei, die typischen Laufwerks- und Chassisresonanzen in Schach zu halten, und erhöht außerdem die Widerstandsfähigkeit des Geräts gegenüber von außen kommenden Resonanzen. Ich vermute, dass jeder ein Blatt Blei unter die Abdeckung seines CD-Players kleben könnte, um den gleichen Effekt zu erzielen, aber wenn ich an meinen DCD-1420 denke, sehe ich, wie sinnlos das wäre, wenn man bedenkt, dass er nicht einmal aus Denons Full-Size-Bauteilen hergestellt wurde.

    Bei der ersten Inbetriebnahme des DCD-1500 II in unserem Rack fiel mir auf, dass einige der Tasten auf der Vorderseite tatsächlich aus Metall sind. Das hat einige Vorteile, wenn es um die Haltbarkeit geht. Bei unserem silbernen 1420 zum Beispiel haben einige der häufiger benutzten Tasten bereits ihren Silberglanz verloren. Das war beim 1500er nicht der Fall. Wie viele andere Denon-Player verfügt auch der 1500 über einen festen und einen variablen Ausgang, was in manchen Fällen sehr praktisch sein kann. Für den Hörtest habe ich den festen Ausgang verwendet, um den Klang nicht unnötig zu verstärken. Das CD-Laufwerk ist von hervorragender Qualität, und die Schublade lässt sich prompt und schnell öffnen.

    In unserem Wohnzimmer musste der 1500 mit dem 16 Jahre jüngeren und 3,7 kg leichten Rega Planet 2000 CD-Player konkurrieren, der unsere täglich Wahl für das Abspielen von CDs war. Bei beiden Geräten wurde ein neuartiges, speziell für eiaudio.de angefertigtes, nicht vollständig eingelaufenes Silber-Solid-Core mit KLE Innovations Silbersteckern verwendet. Das hieß auch, dass sich die Basswiedergabe nach zwei Wochen Spielzeit noch nicht vollständig entwickelt hatte. Da dies zu diesem Zeitpunkt unser bestes Verbindungskabel war, beschloss ich, trotz dieses kleinen Fehlers bei diesem Kabel zu bleiben. Der gespielte Song war "No Moon at All" von Diana Krall's 'Turn up the Quiet' Album.

    Die Rega kam zuerst und spielte diesen Song mit realistischer Dimension und Tonalität. Ich fand, dass das Timing manchmal besser hätte sein können, und der Player zeigte eine leichte Tendenz, die Musik zu schleppen, aber insgesamt war es eine akkurate Darstellung mit viel Wärme, musikalischem Detail, Größe und natürlichem Raum um die Instrumente herum. Der DCD-1500 II kam als nächstes und spielte im Vergleich dazu etwas dunkler und voller, mit einem auffallenden dreidimensionalen Reichtum in Diana Kralls Stimme. Die Stimme von Diana Krall wurde nicht ganz so detailliert wiedergegeben, aber das Timing war präziser und hatte etwas mehr Drive und Konsistenz. Der Denon wirkte etwas kontrollierter und trockener, einzelne Töne wurden früher gestoppt. Der Rega wirkte im Vergleich dazu weniger vorhersehbar, konnte mehr Nuancen der Platte wiedergeben, wirkte fruchtiger und ließ der Musik mehr Raum zur Entfaltung.

    Beide Player klangen sehr angenehm, sind hervorragende Begleiter für ausgedehnte nächtliche Hörsessions und bekannt für ihren warmen und analogen Klang. Der Denon ist sicherlich der mechanisch ausgereiftere Player, während der Rega mit moderner DAC-Schaltung, detaillierterer Darstellung und viel musikalischem Charme punkten kann. Wenn man bedenkt, dass der Rega einen Vorsprung von 16 Jahren gegenüber dem Denon hat, ist der DCD-1500 II in der Tat ein sehr guter und lohnenswerter CD-Spieler. Die Verarbeitungsqualität, die Haptik, die allgemeine Benutzerfreundlichkeit und die ausgezeichnete Fernbedienung positionieren ihn weit vor der heutigen Konkurrenz im mittleren Marktsegment.

    Testumgebung: Denon DCD-1500 II (über HBPS Reinsilber-Solid-Core-Verbindungen an) DB Systems DB1 Vorverstärker; (über Audiocrast OCC und Silber-Verbindungen an) B&K ST140 Endverstärker; (über Belden 9497 Lautsprecherkabel in Bi-Wiring an) Martin Logan SL3 elektrostatische Lautsprecher

    Technische Daten

    • Digitaler Wandler: 2 x PCM54HP-K
    • CD-Laufwerk: KSS-121A / KSS-123A
    • Frequenzgang: 5 Hz bis 20 kHz
    • Dynamischer Bereich: 96 dB
    • Signal-Rauschabstand: 103 dB
    • Kanaltrennung: 100 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.0025%
    • Leistungsaufnahme: 17 W
    • Line-Ausgang: 2 V
    • Extras: Fernbedienung, variabler Line-Ausgang
    • Abmessungen: 434 x 89 x 350 mm
    • Gewicht: 9 kg
    • Baujahr: 1986

  • Denon DCD-1420

    Denon DCD-1420

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Frederick Whitney Horn, ein amerikanischer Unternehmer, gründete 1910 die Nippon Denki Onkyo Kabushikigaisha, eine Tochtergesellschaft der Japanese Recorders Corp. Noch vor den Plattenspielern waren Zylinder-Rekorder weit verbreitet, und Denki Onkyo produzierte sowohl die Medien als auch die Abspielgeräte dafür. Nach Fusionen mit anderen Unternehmen wurde der Name zu DEN-ON und später zu Denon verkürzt. Das Unternehmen war neben Philips und Sony ein Vorreiter in der Entwicklung der Digitaltechnik und hat sich als Hersteller von professionellen Studiogeräten sowie von HiFi-Produkten für den Privatkundenmarkt einen Namen gemacht.

    Die Erfolgsbilanz von Denon bei der Entwicklung neuer Ideen für die Musikwiedergabe ist beachtlich. Im Jahr 1939 stellte Denon den ersten (analogen) Plattenrecorder für die Rundfunkindustrie her. Im Jahr 1951 spielte das Unternehmen eine wichtige Rolle beim Verkauf der ersten Langspielplatten an die japanische Bevölkerung. Zwei Jahre später brachte Denon eine gut angenommene Reihe von Tonbandgeräten für die Rundfunkindustrie auf den Markt. Die ersten HiFi-Komponenten von Denon kamen 1971 auf den Markt. Dazu gehörten Plattenspieler, Verstärker, Tuner und Lautsprecher. Im Jahr 1999 produzierte Denon in Zusammenarbeit mit Dolby Laboratories das weltweit erste THX-EX-Heimkinosystem. Im Laufe der Jahre hat Denon viele Preise für seine herausragenden Leistungen in der Branche gewonnen. Aktuelle Trends sind Mehrkanal- und drahtlose Mehrraumsysteme mit bis zu 13 Kanälen. Obwohl das Unternehmen auch einige herausragende High-End-Komponenten hergestellt hat, war das Hauptgeschäft immer zwischen der professionellen Produktlinie und den HiFi-Produkten für den breiteren Verbrauchermarkt aufgeteilt.

    Einige von Denons herausragenden Consumer- bis High-End-Produkten waren, neben vielen anderen, der TU 400 Stereo-Tuner (1977), der recht eigenartige zweifarbige PMA 850 Verstärker (1977), der DCD-1800 CD-Player (1985), die für damalige Verhältnisse enormen POA-S1 Mono-Endstufen (1996) und der Denon DL-103R Shibata-Tonabnehmer für Vinyl-Fans. Der hier gezeigte DCD-1420 ist nicht in der Denon Hall of Fame aufgeführt, denn schon damals gab es den noch hochwertigeren (10 kg) DCD-1520 CD-Spieler mit besseren Spezifikationen. Trotz seines Nicht-Kultstatus habe ich mich entschlossen, ihn hier aufzuführen, da er ein wirklich großartiger Player ist, mit dem man seine Erkundungen im Audiobereich beginnen kann. Er ist gut konstruiert, relativ leicht zu reparieren, fast alle Teile für das Laserlaufwerk sind noch zu haben, und die Benutzerfreundlichkeit ist einfach hervorragend. Ich finde es toll, dass die Wiedergabe automatisch beginnt, wenn ich ihn einschalte, und dass ich mit den Zifferntasten am Gerät direkt zum Titel springen kann, auch wenn ich die Fernbedienung nicht zur Hand habe. Das große Display ist dimmbar und inhaltlich anpassbar, was für nächtliche Sessions sehr nützlich ist.

    Über den internen DAC des Players ist der Klang detailliert und eher raffiniert, aber er fühlt sich etwas leicht an und hat nicht die Ausdauer und tonale Ausgewogenheit von Geräten höherer Preisklassen. Da der DCD-1420 über einen digitalen Koaxialanschluss verfügt, kann man einen externen DAC anschließen, und hier beginnt der Spaß. Das Aufstellen des Geräts auf einem Sockel mit Absorbern und das Anbringen einer Ferritklemme am Netzkabel im Inneren des Geräts sowie an der Außenseite haben erheblich zur Musikalität der Kombination aus Player und DAC beigetragen. Ich bin vielleicht ein wenig voreingenommen, da ich im Laufe der Jahre drei dieser Player besessen habe und gehe aufgrund der hohen Qualität davon aus, dass sie alle noch einwandfrei spielen.

    Technische Daten

    • Digitaler Wandler: 2 x PCM54HP
    • CD-Mechanismus: KSS-150A / KSS-210A
    • Frequenzgang: 2Hz bis 20kHz
    • Dynamischer Bereich: 97dB
    • Signal-Rausch-Verhältnis: 108dB
    • Kanaltrennung: 102dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.003%
    • Line-Ausgang: 2V
    • Digitale Ausgänge: koaxial, optisch
    • Abmessungen: 434 x 135 x 310mm
    • Gewicht: 6,3 kg

  • Marantz CD-17

    Marantz CD-17

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Saul Marantz baute sein erstes Audioprodukt, den "Consolette"-Vorverstärker, in Kew Gardens, New York. Obwohl die Marantz Corporation heute ihren Hauptsitz in Kanagawa, Japan hat, begann die Erfolgsgeschichte von Marantz in Amerika und erreichte ihren größten relativen Erfolg in den 1970er Jahren. Im Laufe seines Bestehens bildete das Unternehmen Joint Ventures und wechselte mehrfach den Besitzer. Mit dem Aufkommen der CD-Technologie in den 80er Jahren ging Marantz beispielsweise eine Partnerschaft mit Philips ein, um CD-Player unter der Marke Marantz herzustellen, die allgemein gut angenommen wurden. Die Eigentümerschaft ging erst 2001 auf Japan über, als Marantz Japan die Marke von Philips kaufte und sich im folgenden Jahr mit Denon zur D&M Holdings Inc. zusammenschloss. Nach 28 Jahren Partnerschaft verkaufte Philips im Jahr 2008 seine restlichen Anteile an Marantz, und die Holding ist heute im Besitz von Sound United LLC.

    Zu den bekanntesten Produkten des Unternehmens gehören die Marantz 2325- und 2600-Receiver, der CD63 und, allgemeiner, die Ken Ishiwata Signature-Produktserie, wie der Marantz PM-KI Ruby und der hier abgebildete Marantz CD17-KI. Als der DC17 Ende der 1990er Jahre auf den Markt kam, wurde er von der Audiowelt bereits sehr positiv aufgenommen. Mit detailreichen Höhen, einem klaren und vollen Mitteltonbereich und der Marantz-typischen Bass-Extension wurde der Klang als analog" beschrieben und zog Vinylfans auf der ganzen Welt in seinen Bann. Der CD17 hatte jedoch noch einen weiteren Aspekt, der die Audiophilen beunruhigte: Er leitete auch den Abschied vom berühmten Philips-Schwenkarmlaser sowie von anderen früheren Markenmerkmalen wie Druckguss-Chassis und Metall-Ladegeräten ein. Um die Jahrhundertwende waren die Verkäufe von hochpreisigen Audioprodukten rückläufig und kostenorientierte Entscheidungen wurden zur neuen Norm.

    Der CD17 mit der Handschrift von Ken Ishiwata aus dem Jahr 1997 ist der Versuch von Marantz, sich eine Welt vorzustellen, in der es noch keine Kostensenkungen gegeben hat. Der "Geld-ist-kein-Argument"-Ansatz bedeutete keine Rückkehr zum Schwenkarm-Laser oder zum Druckguss-Chassis, aber er führte einige interessante Merkmale ein, wie z. B. ein Upgrade der Laufwerkseinheit, eine vollständige Kupferabschirmung des Innenraums, einen Ringkerntransformator, Upgrades der Analogstufe, Verbesserungen bei der Störgeräuschunterdrückung usw. Das Ergebnis ist ein sehr leiser Player mit einer anspruchsvollen Klangbühne. Ähnlich wie beim äußeren Design des Geräts gibt es auch bei der Musik nicht viel Glanz oder Extravaganz, aber wenn Sie sich lieber streicheln als beeindrucken lassen, ist der Marantz CD17-KI keine schlechte Wahl.

    Technische Daten

    • Frequenzbereich: 5 Hz - 20 kHz
    • Dynamischer Bereich: > 98 dB
    • S/N-Verhältnis (WTD): > 103 dB
    • Kanaltrennung (1 kHz): >100 dB
    • Klirrfaktor (1 kHz): 0,0015 % Analoger Ausgang
    • Ausgangspegel (Cinch JACKS): 2,2 V RMS
    • Ausgangsimpedanz: 250 Ohm
    • Abmessungen: 458 mm x 83 mm x 313 mm
    • Gewicht: 7,8 kg

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  • Philips CD 104

    Philips CD 104

    9.2.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Auf den Philips CD 104 stieß ich zum ersten Mal in den frühen 1990er Jahren, als ein Schulfreund von mir einen gebrauchten CD-Player kaufen wollte und mich um Unterstützung bat. Da er ein "Philips-Mann" war, suchten wir in den Fachzeitschriften nach günstigen Angeboten dieser Firma und besuchten schließlich einen CD 104-Besitzer, um seinen Player anzuhören. Zu dieser Zeit war ich an das beruhigende bernsteinfarbene Leuchten und das schlichte, moderne Design der JVC-Player gewöhnt, und der Philips kam mir klein und besonders hässlich vor. Die Tasten wirkten seltsam deplatziert. Und dennoch - entgegen meinem Rat - kaufte mein Freund das Gerät und schien mit seinem Kauf sehr zufrieden zu sein. Der Player war damals 8 Jahre alt, und ich muss um die zwanzig gewesen sein.

    Damals wusste ich noch nicht, dass Philips neben Sony 1982 den CD-Player auf den Markt gebracht hatte und dass der CD 104 erst das zweite Modell des Unternehmens war. Und da mein Freund den Player selbst aus dem Haus getragen hatte, wusste ich auch nichts von den sieben Kilogramm Gewicht, die das kompakte Design so geschickt verbarg. Soweit ich sehen konnte, hatte mein Freund einfach zu viel für veralteten Schrott bezahlt. Umso erstaunter war ich, als ich bei einem audiophilen Kollegen einen ziemlich ramponiert aussehenden CD 104 auf einem CREACTIV HiFi-Rack stehen sah - und zwar als einzigen CD-Spieler zwischen einigen berühmten Plattenspielern und Verstärkern. "Wenn er gut gemacht ist, hat der 104 das Potenzial für Großartiges", meinte mein Freund. Ich war sehr skeptisch, um es mal milde auszudrücken. Das war im Jahr 2015, der Player war 31 Jahre alt, und ich war etwa dreiundvierzig.

    Ein paar Wochen nach meinem Besuch bei dem audiophilen Freund gab unser 5 Jahre alter Marantz SA 7003 CD-Player zum zweiten Mal den Geist auf. Beim ersten Mal war der Riemen ausgefallen, und diesmal hatte sich der Laser gesetzt und konnte keine Medien mehr lesen. Ich war wütend, und wir beschlossen, ihn als defekt zu verkaufen, wobei wir bereit waren, einen saftigen Verlust von 500 EUR hinzunehmen. Für uns war der Marantz die Reparatur nicht wert, da sein Laufwerk von Anfang an ziemlich laut und die Servokorrektur ständig in Aktion war. Eine solch schlechte Qualität bei einer bekannten Marke zu erleben, zerstörte mein Vertrauen in die Errungenschaften des modernen HiFi. Wie war es möglich, dass ein mehr als 30 Jahre alter Player CDs völlig ohne Servo-Geräusche lesen und auf einzelne Titel schneller zugreifen konnte als ein 2010er Super Audio Player der neuesten Generation? Wie konnte der alte Player viele Jahre lang ohne Service laufen, während das neue Gerät alle zweieinhalb Jahre kaputt zu gehen schien?

    Ich habe einige Nachforschungen über CD-Spieler angestellt und festgestellt, dass moderne Geräte, selbst High-End-Geräte, modular aufgebaut sind und über standardisierte und hoch integrierte Schaltkreise verfügen. Die Hersteller kaufen und kombinieren im Wesentlichen fertige Module, verpacken sie in ein einheitliches Gehäuse und stempeln ihren Namen auf die Geräte. Leider geschieht dies, ohne dass der Hersteller großen Einfluss auf die Qualität der Bauteile oder die klanglichen Fähigkeiten des Geräts hat. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass der Laser des defekten Marantz-Players von Pioneer gebaut wurde und dass viele Produkte, die diese Art von SACD-Laser verwenden, schon nach kurzer Zeit die gleichen Probleme haben. Man könnte sich fragen, welchen Sinn es macht, einen Marantz zu kaufen, wenn die wesentlichen Teile des Geräts von anderen Herstellern stammen und zum Versagen verurteilt sind? Erschwerend kommt hinzu, dass der modulare Aufbau oft bedeutet, dass Elemente wie Transport und Steuerung, D/A-Wandler, S/PDIF-Decoder, Taktgeber und vielleicht sogar die Ausgangsstufe in einem einzigen Modul zusammengefasst sind. Dieses Szenario lässt dem Hersteller nicht viel Spielraum, um einzugreifen, den Klang zu erweitern und zu verbessern.

    Als Philips in den späten 70er Jahren begann, den CD 104 zu bauen, war das noch ganz anders. Da die Technologie neu war, musste Philips die volle Kontrolle und Verantwortung über den gesamten Prozess übernehmen. Die neue Technologie musste sich erst noch bei kaufkräftigen Audiophilen bewähren. Für den Angebotspreis von über 2.000 DM und mit nur wenigen auf dem Markt erhältlichen Scheiben war der Vinyl-Schallplattenspieler klanglich immer noch kaum zu schlagen. Philips musste seiner neuen Schöpfung alle Liebe und Aufmerksamkeit schenken, die sie bekommen konnte. Der CD 104 hat ein Vollmetallgehäuse und enthält das von Philips selbst entwickelte CDM-1-Transportsystem. Dessen Basis ist eine gusseiserne Form, die einen ausgeklügelten Schwenkarmlaser mit sechs Rodenstock-Glaslinsen trägt. In Bezug auf die Musikalität gilt der CDM-1 als das beste Laufwerk, das jemals hergestellt wurde. Gemäß der audiophilen Regel "Garbage in = Garbage out" ist eine einwandfreie Wiedergabe des Quellmaterials die Grundlage für Musikalität.

    Während die Philips-Ingenieure alles, was sie über die Konstruktion von Laufwerken wussten, in ihre ersten Abspielgeräte einfließen ließen, lag der Schwerpunkt bei den späteren Geräten darauf, die Technologie für den Durchschnittsverbraucher zugänglicher zu machen, und das bedeutete, die Kosten zu senken. Eisen, Metall und Glas wurden durch Kunststoffe ersetzt. Und da Software und Elektronik in der Produktion billiger sind als Präzisionsoptik, korrigieren moderne CD-Spieler die Toleranzen einer mittelmäßigen Laufwerksoptik, indem sie ihre Servomotoren und die Fehlerkorrektur mit voller Leistung einsetzen. Da diese Funktionen ohnehin an Bord sind, können sie ja auch eine Aufgabe haben, oder nicht? Bevor die Kunden den Nachteil bemerken und bevor ihre Player an übermüdung der Bauteile ausfallen, ist die Garantiezeit abgelaufen. Das erklärt, warum wir die Servomotoren unseres Marantz SA 7003 CD-Players von Anfang an deutlich hören konnten, und vielleicht auch, warum der Player nach knapp fünf Jahren bereits zum zweiten mal versagte.

    Wenn sich die Schublade des Philips CD 104 öffnet, ist das Geräusch, die Geschwindigkeit und die Anmut ähnlich wie das Öffnen eines Banktresors. Ich ertappe mich dabei, wie ich jedes Mal den Atem anhalte, in der Hoffnung, dass er noch einmal die volle Strecke zurücklegen wird, so wie er es vier Jahrzehnte lang pflichtbewusst getan hat. Das Abspielgerät, das Luigi uns zum Testen mitgebracht hat, wurde geschickt überarbeitet und aufgerüstet, um die physischen Vorzüge der achtziger Jahre mit den elektronischen Erkenntnissen von heute zu verbinden.

    Und obwohl wir nicht ganz sicher sein können, in welchem Umfang die Aufrüstung vorgenommen wurde, gehören zu den typischen Verbesserungen die volle Nutzung des CDM-1-Laufwerks und der beiden legendären Mono-Multi-Bit-DACs TDA1540 des Players durch Beseitigung des digitalen Oversamplings und des analogen Filters in der Ausgangsstufe. Eliminierung von S/PDIF und Jitter sowie Korrektur der Kanalverzögerung. Weitere Upgrades umfassen den Austausch des analogen Ausgangsverstärkers von der ursprünglichen Version mit 35 Transistoren auf nur zwei hochwertige FETs pro Kanal, die Verbesserung der internen Abschirmung, der Verkabelung usw. Deutsche Modifikationen sind derzeit von Roman Groß 'New Perspectives on Sound' und von 'KR High End Laboratory' erhältlich.

    Äußerlich zeigt unser Gerät vergoldete Cinch-Buchsen anstelle der früheren festen Kabel und Stecker sowie eine dreipolige Netzbuchse, die den Anschluss eines höherwertigen Kabels ermöglicht. Der fertige Player übertrifft nicht nur seine ursprüngliche Ausstattung in Bezug auf die Klangleistung, sondern auch so gut wie alle heutigen Player in Bezug auf Tonalität, Nuancen, Klangbild und Musikalität. Falls der 14-Bit-DAC von voreiligen Kunden jemals als Handicap angesehen wurde, kann ich Ihnen versichern, dass überhaupt kein Handicap hörbar ist. Tatsächlich wurden die späteren Philips 16-Bit-DACs TDA1541 (korrigiert am 31.05.2021: siehe unten) in den High-End-Playern von Sony bis weit in die 1990er Jahre hinein verwendet, was viel darüber aussagt, was Sony von den Philips-DACs hielt.

    Obwohl ich anfangs recht skeptisch war, wurde mir schon nach wenigen Sekunden des Hörens klar, dass die Leistung dieses Vintage-Players weit über dem Niveau liegt, das ich von unserem Marantz CD-17, einer audiophilen Legende an sich, gewohnt war. Noch nie klang eine CD in unserem Haus so gut. Wenn der CD-17 von Marantz am besten als analog" und warm" beschrieben wird, weiß ich nicht einmal, wie ich der Modifikation des Philips CD 104 NOS einen besonderen Charakter zuschreiben soll, außer zu sagen, dass er ‘echt’ klingt.

    Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels ist der Player 37 Jahre alt. Und gerade gestern Abend habe ich ihn meiner siebenjährigen Tochter gezeigt, und sie hat dabei zu einer Alin Coen-CD getanzt.

    Technische Daten

    • Digitaler Wandler: 2 x TDA1540P
    • CD-Transport: CDM-1
    • Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz
    • Signal-Rausch-Verhältnis: 90 dB
    • Kanaltrennung: 86 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.005 %
    • Line-Ausgang: 2 V
    • Abmessungen: 320 mm x 86 mm x 300mm
    • Gewicht: 7 kg
    • Baujahr: 1984

    NOS Umbau

    • Kein Oversampling
    • Kein analoger Filter
    • Kein S/PDIF-Format
    • Kein Jitter
    • Kanal-Synchronisation
    • FET-Ausgangsverstärker

  • Rega Planet 2000

    Rega Planet 2000

    10.3.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Mitunter wird behauptet, dass die CD heute ein veraltetes Medium sei und dass sie mit ihrem vorgeschriebenen Red-Book-Standard von 16 Bit und 44,1 kHz weit hinter den musikalischen Fähigkeiten anderer analoger und digitaler Geräte zurückbleibt. Kein Wunder, denn die audiophile Konkurrenz kommt heute in Form von hochauflösenden Formaten von digitalen Streaming-Diensten und vom analogen Revival, das nach Jahrzehnten der Stagnation wieder zu steigenden Vinyl-Verkäufen geführt hat. Hinzu kommt, dass die CD von weniger weit verbreiteten Audioformaten wie Super-Audio-CDs, DVD-Audio, Reel-to-Reel usw. verdrängt wird.

    Und doch hat das Medium viel für sich. Zum einen ist es greifbar. Das ist eine Erfahrung, die ein Abonnement bei Tidal oder Amazon HD schmerzlich vermisst. Es stimmt zwar, dass viele CDs in unseren Regalen stehen, um nie wieder gehört zu werden, aber in unserer Heimatsammlung gibt es derzeit etwa zehn CDs - hauptsächlich Jazz- und Vokal-Jazz-Alben -, die alle Aufmerksamkeit bekommen, die sie sich nur wünschen können. Und dann ist da natürlich noch der Stolz auf den Besitz, denn der Jäger und Sammler in mir genießt die Früchte dieser Arbeit. Und - da der Laser den Titel während des Lesens nicht berührt - muss man sich auch keine unmittelbaren Sorgen über eine Verschlechterung machen. Im offensichtlichen Gegensatz zu Vinyl leiden CDs nicht so sehr unter den Auswirkungen des wiederholten Abspielens.

    Ähnlich wie bei Schallplatten lesen audiophile CD-Player die Informationen direkt von der Platte und vermeiden unnötige Speicherung oder Modulation des Klangs. Sie zeigen die Unzulänglichkeiten sowohl des Mediums als auch der Aufnahme auf - wichtige Faktoren, um ein beruhigendes Gefühl von Realismus und Dimension zu vermitteln. Im Gegensatz zu Vinyl bringt die CD selbst jedoch keine eigenen materiellen Resonanzen mit, die sie organisch und damit für das menschliche Ohr vertraut klingen lassen würden. Stattdessen werden CD-Daten wahrscheinlich durch Resonanzen beeinflusst, die vom Laufwerksmotor, dem Kalibrierungs-Mechanismus des Lasers, den Vibrationen des eingebauten Transformators und von anderen Geräten im Rack ausgehen. Man kann sagen, dass die gesamte Elektronik und Mechanik rund um die Musikinformationen auf einer CD größer, lauter und stets bereit ist, den Hörspaß zu verderben. Und da die daraus resultierenden Effekte für das menschliche Ohr ungewohnt sind, können sie als unangenehm empfunden werden. Der größte klangliche Vorteil der CD gegenüber modernen Streaming-Diensten ist jedoch, dass sie sowohl greifbar als auch lokal ist. Ihr Datenstrom hängt nicht von der Integrität verschiedener Relay-Server auf dem Weg zu unseren Ohren ab.

    Der erste Rega Plant CD-Player kam 1997 auf den Markt, zu einer Zeit, als die CD auf dem Höhepunkt ihrer Popularität war, und vier lange Jahre bevor die ersten mp3-Player auf den Markt kamen. Rega war bereits eine bekannte Marke in der audiophilen Gemeinschaft. Das 1973 gegründete britische Unternehmen Rega Research Ltd. war bereits als Hersteller von audiophilen Verstärkern, Lautsprechern und - vor allem - Plattenspielern bekannt, lange bevor es überhaupt einen CD-Player in Erwägung zog. Der berühmte und erschwingliche Planar 3-Plattenspieler hatte Rega internationale Anerkennung unter Vinyl-Enthusiasten eingebracht und wurde zu einem Grundstein für die analoge Wiedergabe. Rega verkaufte nicht nur unter ihrem eigenen Markennamen, sondern wurde auch gebeten, Plattenspieler, Tonarme und entsprechende Teile für andere Marken wie NAD und Rotel zu liefern.

    Um als Vinyl-Spezialist in den Markt für CD-Player einzusteigen, musste das Unternehmen ein überzeugendes Argument für seine Anhänger finden. Der ursprüngliche Planet wurde als echter "vinylähnlicher" Klang vermarktet, und das von einem Unternehmen, das normalerweise den Klang von CD-Spielern hasste. Das machte neugierig, und der ursprüngliche Planet verkaufte sich trotz seines skurrilen industriellen Aussehens gut. Er bevorzugte den musikalischen Fluss gegenüber den Details und erreichte ein weiches oberes Klangspektrum, obwohl er ein wenig fade und grob klang, wie einige Kritiker des Players bemerkten. Vor allem die mangelnde Detailtreue des maßgeschneiderten Burr Brown 16-Bit-DAC der Rega wurde in neueren Rezensionen manchmal als veraltet kritisiert.

    Mit dem Planet 2000 wurde der ursprüngliche Planet einem umfassenden Facelifting unterzogen. Anstelle von Kunststoff ist er in einem speziell angefertigten, stranggepressten Aluminiumgehäuse mit einem zentralen, von oben zu öffnenden Deckel untergebracht. Der 2000er verwendet eine ähnliche Schaltungstopologie wie der ursprüngliche Planet, verfügt aber über einen verbesserten DAC (Wolfson 24-Bit, Sigma Delta IC40), ein Netzteil und Koppelkondensatoren. Anstelle eines konventionellen Eisenkerntransformators hat die 2000er-Version einen Ringkerntransformator mit getrennten Wicklungen für die Display- und die Audiostufe. Auch die Anzeige und die Bedienelemente wurden überarbeitet, so dass der Planet 2000 im Vergleich zu seinem Vorgänger eine bessere Leistung, ein besseres Aussehen und eine bessere Bedienung aufweist. Obwohl viele Dinge verbessert wurden, weist der Player einige überraschende Eigenheiten auf, die einen Vergleich des Rega-Designs mit herkömmlichen Frontladern erschweren.

    Zum einen bedeutet der Top-Loading-Mechanismus, dass der Rega 2000 mindestens 20 cm Regalhöhe benötigt, um den Deckel vollständig zu öffnen. Aufgrund einiger notwendiger Anpassungen, die für die Rega vorgenommen wurden, bietet mein Regal nur 17 cm, was das Wechseln von CDs nicht gerade bequem macht. Das Laufwerk selbst befindet sich in einer Kunststoffschale in der Mitte des Aluminiumgehäuses des Players. Dort, wo es nicht lackiert ist, hat sich der Kunststoff auf einer Seite durch die UV-Strahlung tabakfarben verfärbt. Sowohl die Vorder- als auch die Rückwand sind aus Kunststoff gefertigt. Während die Vorderseite in Gehäusefarbe lackiert ist, wurde die Rückseite unlackiert gelassen und weist ebenfalls Verfärbungen auf. Obwohl wir während des Betriebs kaum mit der Vorder- oder Rückseite des Players in Berührung kommen, hat sich die Verwendung von Kunststoff auf der Vorderseite als etwas enttäuschend erwiesen.

    Das CD-Laufwerk des Planet hält die CD auf eine merkwürdige Art und Weise. Ähnlich wie bei einem Plattenspieler gibt es einen zentralen Zapfen, der von einem kegelförmigen Zentrum umgeben ist, welches auf einer Feder sitzt. Die CD wird auf den Kegel gelegt und wackelt weiter. Wenn man den Deckel nach unten drückt, senkt sich ein Magnet auf die Mitte der CD und drückt den Kegel nach unten, so dass die CD genau in der Mitte liegt - so zumindest die Theorie. In der Realität sind CDs manchmal etwas aus der Achse geraten, was zu einem Wackeln der Scheibe und des Magneten auf der Oberseite führt. Und da die Spitze des Magneten durch den Deckel von außen sichtbar ist, fragt man sich, wie lange das Gezappel noch gut gehen wird. Obwohl das speziell angefertigte Sony-Laufwerk des Rega trotz des Eierns der Platte erstaunlich stabil bleibt, ist es manchmal möglich, das Wackeln in der Musik zu hören, und zwar durch seltsam gedehnte und dann wieder gestauchte Passagen. Wenn die Platte springt, ist der Sprung ziemlich brutal und kann den Laser um bis zu einem halben Lied verstellen. Das deutet auf harte Arbeit der Fehlerkorrektur im Vorfeld hin. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass die meisten CDs nur wenig eiern, und bei denen, die eiern, sind die Nebenwirkungen minimal. Aber der Player verzeiht weit weniger Bedien- und Aufstellfehler als jeder andere CD-Player, den ich je hatte. Das Abspielen einer CD wird zu einem ebenso heiklen Ritual wie das Abspielen einer Schallplatte.

    Aufgrund des hohen Gewichts des Magneten ist der Planet 2000 recht anspruchsvoll, was die richtige Platzierung im Rack angeht. Das Laufwerk befindet sich in der Mitte des stranggepressten Aluminiumgehäuses, das die Vibrationen entlang der gewölbten Seiten zu den vier Gummifüßen leitet. Im Gegensatz zu unseren anderen CD-Playern benötigt der Rega, ähnlich einer Waschmaschine, genau das richtige Maß an Unterstützung, um ihn im Betrieb ruhig zu halten. Mein erster Versuch bestand darin, ihn ohne Sockel in unser Regal zu stellen, aber dadurch klang der Player rau und unruhig. Dann habe ich einen Sockel aus Oehlbach Absorberpads aufgebaut. Der Player klang weich, hatte aber ernsthafte Timing-Probleme, die mich dazu brachten, nach den Macken zu suchen, anstatt der Musik zuzuhören. Ich tauschte die Absorber gegen härtere Oehlbach Pucks aus, was zwar das Timing verbesserte, aber irgendwie zu einem Mangel an Bass führte. Schließlich stellte ich die Base aus Multiplex zur Verstärkung direkt auf das Rack und war überrascht, dass dies bei weitem am besten klang.

    Ich finde es toll, dass der Planet 2000 den Anschluss eines eigenen Netzkabels erlaubt. Leider macht es die zentrale Position der Buchse schwieriger, das Berühren von Kabeln hinter dem Rack zu vermeiden, vor allem, da spezielle Kabel wie das Lapp Ölflex ziemlich steif sind. Das Ein- und Ausschalten des Players ist möglich, während Vorverstärker und Endstufe eingeschaltet sind, ohne eine Spur von Knacken. Diese hervorragende Stummschaltung des Players bei Änderung des Betriebszustands ist durchaus bemerkenswert und sehr praktisch. SPDIF-, Toslink- und RCA/Cinch-Buchsen stehen für alle möglichen Anwendungen zur Verfügung, allerdings sind die Stecker leicht in die Rückwand eingelassen, was sie in Kombination mit manchen Steckertypen unpraktisch machen könnte. Die Buchsen könnten auch etwas stabiler sein.

    Obwohl das Display über eine eigene Energiequelle aus dem Ringkerntransformator verfügt, sind die klanglichen Auswirkungen des eingeschalteten Displays immer noch in einem leicht komprimierten und verschwommenen Klangbild zu hören. Mit der Display-Off-Funktion kann das Display während der Wiedergabe ausgeschaltet werden, was sich positiv auf den Klang auswirkt. Und da man den Unterschied hören kann, macht es Sinn, die Display-Off-Funktion auch wirklich zu nutzen, wenn man über ein entsprechendes System und entsprechende Ohren verfügt. Wenn diese Funktion aktiviert ist, leuchtet das Display jedoch nur kurz auf, um Fernbedienungsbefehle zu bestätigen. Das ist zwar recht praktisch, aber die Einschaltzeit ist etwas zu kurz, als dass ich den Titel lesen könnte. Das Display selbst ist rot und relativ dunkel, wenn es eingeschaltet ist. Das erschwert die Ablesbarkeit über größere Entfernungen.

    Um eine optimale Leistung zu erzielen, muss der Planet 2000 mit einem hervorragenden Verbindungskabel kombiniert werden. Meiner Erfahrung nach können einfache Kupferkabel sein volles Potenzial nicht entfalten und könnten ein Grund dafür sein, dass einige private Rezensenten von einem Mangel an Details berichten. Ich habe den Player mit verschiedenen Arten von RCA/Cinch-Verbindungen getestet, von massivem Kupferkern über silberbeschichtetes, mehrpoliges Kupfer bis hin zu Solid-Core Silberkabeln, und ich kann berichten, dass die letzteren Leiter alle anderen Möglichkeiten bei weitem übertraf. Bei Verwendung des HBS2 mit massivem Silberkern klingt der 2000er ausreichend nach vorne gerichtet und erzeugt eine weit offene Klangbühne mit einem breiten und präzisen Phantom-Mittenbild. Über den Detailreichtum kann ich mich nicht beklagen. Sollte eine Disc ins Trudeln geraten, ist dies meist durch Timing-Probleme und wechselnde Kanal-Ungleichgewichte zu hören.

    Wenn die Aufnahme es zulässt, bietet der Planet 2000 einen sanften Musikfluss mit einem kultivierten Top-End. Er ist nicht ganz so üppig wie der Philips CD 104 (NOS mod.), und er bringt die Musik auch nicht mit solcher Heftigkeit nach vorne. Er bietet jedoch ausreichend Bass, wenn er richtig im Regal steht. Die Musik, die er produziert, ist klanglich akkurat bei Klavier, Stimme und Schlagzeug. Der Gesamteindruck ist entspannt und bietet genügend Unterhaltung, um mich auch bei längeren Hörsessions bei Laune zu halten.

    Der größte Nachteil des Rega Planet 2000 scheint der Magnet zu sein, der die Scheibe festhält. Rega hat den Ringkerntransformator physisch von der Hauptplatine und dem CD-Transport entkoppelt. Sie haben Sony gebeten, sie bei der Entwicklung eines einzigartigen Transportmechanismus zu unterstützen, und dennoch bringt ein wackeliger Magnet eine neue Unsicherheit in die Gleichung ein. Da das gesamte CD-Laufwerk in Form eines preisgünstigen Kits, das unter den Lademechanismus geschraubt wird, ausgetauscht werden kann, werde ich versuchen, das Problem mit einem neuen Laufwerk zu beheben. Wenn aber der Magnet selbst für das Taumeln verantwortlich ist, muss diese Angelegenheit weiter untersucht werden. Alles in allem ist der Versuch, den Planet 2000 vollständig zu restaurieren, eine lohnende Sache, da der Player selbst weitaus besser funktioniert als die typischen CD-Spieler in der mittleren Preisklasse, die man heute auf dem Markt findet. Im Einklang mit der Tradition anderer britischer Audiomarken bietet dieser Player einen mutigen und einzigartigen Designansatz, der es verdient, weiter erforscht zu werden. Er passt daher gut zu unserem Website-Motto.

    Technische Daten

    • Lasertyp: Halbleiter
    • Wellenlänge: 780 nm
    • Transport: Sony, oben liegend
    • DAC: Wolfson, 24-Bit Sigma Delta IC40
    • Filterung: 3-stufiges lineares FIR, 16x Oversampling
    • Anschlüsse: Line (unsymmetrisch), S/PDIF (koaxial), Toslink
    • Line-Ausgang (max.): 2 V
    • Ausgangsimpedanz: 930 Ohm
    • Digitaler Ausgang: 0.5 V
    • Lastimpedanz (min.): 75 Ohm
    • Leistungsaufnahme (max.): 10 Watt
    • Formate: CD, CD-R, MP3, WMA, WAV, AIFF
    • Extras: 'Solar Wind'-Fernbedienung, CD-Textanzeige
    • Abmessungen: 43,5 cm (B) x 10,0 cm (H) x 27,0 cm (T)
    • Benötigter Platz: 43,5 cm (B) x 18,0 cm (H) x 31,5 cm (T)
    • Gewicht: 3.65 kg
    • Jahr: 2000

DACs

DACs

Ein DAC wird benötigt, um digitale Signale, die von einem CD-Player, einem Streamer, einem Laptop oder einem PC und möglicherweise vielen anderen Quellen kommen, in ein analoges Signal umzuwandeln, das von einem analogen Vorverstärker oder einem ähnlichen Gerät verarbeitet werden kann. Da das digitale Signal eine Annäherung an ein analoges Signal ist, sind einige Berechnungen erforderlich. Schließlich ist im analogen Segment des DAC eine gewisse Voraussicht und klangliche Kalibrierung erforderlich, um die Ausgangsstufe des DAC an das empfangende Gerät anzupassen.

Die Magie kommt ins Spiel, wenn wir unseren DAC an einen hochwertigen CD-Player anschließen. Denn in diesem Fall sind sowohl die Bittiefe als auch die Abtastrate des Mediums gegeben. Die Frage, um die es geht, ist: Wird der externe DAC den internen DAC des CD-Players übertreffen, und in welcher Hinsicht? Zugegeben, man muss schon ein audiophiler Spinner sein, um diese Art von Herausforderung zu genießen. Aber Jungs müssen spielen, und das ist wohl auch gut so. Andere Leute setzen sich stundenlang ans Wasser, um Fische herauszuziehen, nur um sie dann anschließend wieder zurück ins Wasser zu werfen.

  • Cambridge DacMagic 100

    Cambridge DacMagic 100

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): DACs

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Cambridge Audio hat sich seit langem einen Namen in der Audio-Welt gemacht und bietet sehr gut klingende Geräte zu fairen preisen an. Für den audiophilen Einsteiger geht das völlig in Ordnung, solange man nicht auf eine beeindruckende Verarbeitungsqualität besteht. Der kleine 'DacMagic 100' steht in dieser Tradition. Ähnlich ausgestattet wie sein größerer Bruder, der 'DacMagic Plus', bietet das Gerät einen einzelnen 8742 Wolfson-Chip, der auch in höherpreisigen Digital-Analog-Wandlern von Rega und ähnlichen Marken zu finden ist. Der USB 1.0-Anschluss mag ein wenig veraltet klingen, kann jedoch Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 192 kHz verarbeiten. Zusätzlich zum USB-Anschluss verfügt der Wandler über zwei S/PDIF-Eingänge und einen optischen Toslink-Eingang. Die Ausgänge sind nur RCA/Cinch, eine Unzulänglichkeit für einige Benutzer, die er nicht mit seinem größeren und deutlich besser ausgestatteten Stallgefährten teilt.

    Ken Rockwell hat einen ausführlichen Testbericht über beide Cambridge DACs geschrieben und kommt in seinen Messungen zu dem Schluss, dass in beiden Fällen insbesondere die USB-Signalverarbeitung von unbestreitbarer Qualität ist. In meinen eigenen Hörtests habe ich festgestellt, dass der DacMagic 100 über die gesamte Bandbreite sehr gut abschneidet, ohne sofort erkennbare Ungleichgewichte. Der Bühneneindruck ist sowohl breit als auch tief mit viel Raum zwischen den Instrumenten. Stimmen kommen lebensecht rüber, vielleicht mit einer leichten Tendenz zu viel Transparenz. Obwohl die Basswiedergabe von Anfang an schlank und schnell war, hatte sie nicht die Fülle einiger teurerer Komponenten. In dieser Preisklasse liegt die Schwäche des Produkts verständlicherweise in der Stromversorgung. Mit einem leistungsfähigeren Netzteil als dem billigen Plastik-Schaltnetzteil öffnete sich der Bass und lässt seither keine Wünsche mehr offen.

    Der DacMagic 100 ist ein großartiger Einstiegs-DAC für audiophile Menschen mit kleinem Budget, die einen hohen Anschaffungspreis scheuen. Die nachträgliche Anschaffung eines Netzteils ist fast schon ein Muss, obwohl es den Preis des Geräts fast verdoppelt. Für Käufer, die mit diesem zweistufigen Prozess leben können, bietet der DAC wirklich Qualität. Wenn Sie jedoch bereit sind, von Anfang an die gesamte Summe zu investieren, können Sie auch einen DAC kaufen, der von Anfang an über ein anständiges Netzteil verfügt.

    Technische Daten

    • Digital/Analog-Wandler: Wolfson WM8742 24-Bit-DAC
    • Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz (±0,1dB)
    • Klirrfaktor bei 1 kHz 0 dBFS <0,0025% 24-Bit
    • Klirrfaktor bei 1 kHz -10 dBFS <0,0025% 24-Bit
    • THD @ 20 KHZ 0DBFS <0,0025%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: -113 dBr
    • Jitter: <130pS
    • Crosstalk: @ 1 KHZ < -130 dB
    • Crosstalk: @ 20 KHZ < -112 dB
    • Ausgangsimpedanz: <50 Ohm
    • Ausgangspegel unsymmetrisch: 2,3 V rms
    • Digitale Eingangsbreite: 16-24 bit
    • Digitale Eingangsfrequenzen: 32kHz, 44.1kHz, 48kHz, 88.2kHz, 96kHz, 192kHz
    • Leistungsaufnahme: 5 W
    • Abmessungen: 106 mm x 46 mm x 130 mm

    Bildbeschreibung

    In der Draufsicht erkennt man drei getrennte Sektionen, die interne Stromversorgung (unteres Drittel), die Betriebs- und Schaltsektion um den Hauptprozessor (Mitte) sowie die digital-analoge Verarbeitungssektion (oberes Drittel). Das obere Drittel gliedert sich in die digitale Sektion mit drei Taktgebern und dem Wolfson 8742 DAC-Chip (rechts) und die analoge Ausgangssektion mit einem Operationsverstärker-Chip pro Kanal und einem Satz Kondensatoren (links).


Phono-Tonabnehmer

Phono-Tonabnehmer

Magnetische Phono-Tonabnehmer - oder schlicht "Tonabnehmer", wie sie manchmal genannt werden - sind das Mittel, mit dem die in die Schallplattenrille gepressten Klanginformationen in elektrischen Strom umgewandelt werden, der dann vom Vorverstärker, dem Leistungsverstärker und schließlich den Lautsprechern verarbeitet werden kann. Die technische Genauigkeit und die klangliche Ausgewogenheit dieses winzigen elektromechanischen Geräts entscheiden bei der Wiedergabe von Schallplatten über die klangliche Integrität unserer Stereoanlage. Eine Tatsache, die perfekt mit der bekannten Audio-Regel "Garbage in = Garbage out" übereinstimmt. Mit anderen Worten: Alles, was der Abtastnadel an Klanginformationen entgeht, wird vom Hörer nicht wahrgenommen, und alles, was sie durch ihre eigene Fehlerhaftigkeit hinzufügt, wird die Signatur der Musik sein, die wir hören. Es ist daher sehr sinnvoll, den Tonabnehmer gut auszuwählen.

Für Vinyl-Neulinge, zu denen ich bis vor kurzem auch gehörte, ist es schwer zu verstehen, warum man viel Geld für einen so winzigen Gegenstand ausgeben sollte. Schließlich ist es schwierig, dem Ehepartner und den meisten Freunden zu erklären, warum man sein Geld für einen Tonabnehmer ausgibt. Nach einigen Tonabnehmern bin ich jedoch immer noch verblüfft über die immer größer werdende Menge an musikalischen Informationen, die einer scheinbar veralteten Vinylscheibe entlockt werden können. Abhängig von der Qualität und der Mischung der Komponenten, die in einem Tonabnehmer verwendet werden (Nadel, Cantilever, Motor oder Gehäuse), können die Unterschiede zwischen zwei Tonabnehmern enorm sein. Ich habe daher beschlossen, Tonabnehmern einen eigenen Abschnitt zu widmen, einfach um ihnen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen

  • AT VM540 ML

    AT VM540 ML

    28.10.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Phono Cartridges

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Wie einige unter Ihnen vielleicht noch aus meiner Besprechung unseres Technics SL1310-Plattenspielers wissen, war dieser mit seinem original Shure M75-Tonabnehmer mit ED-Nadel (elliptischer Diamant) aus den späten 1970er Jahren bei uns eingezogen. Um sicherzugehen, dass die abgenutzte Nadel unsere Schallplatten nicht zerstört, hatte ich die diese zunächst unter dem Mikroskop überprüft und für tauglich befunden. Am linken Kanal gab es anfänglich elektrische Probleme, die unser Techniker des Vertrauens löste, indem er mit seinem Lötkolben einen defekten Stift tiefer in den Tonabnehmer drückte. Damit hatte er die Verbindung wiederhergestellt, und der Plattenspieler funktionierte gut, bis vor kurzem der linke Kanal erneut ausfiel. Es war höchste Zeit für einen Wechsel.

    Bei der Inspektion des Tonarms des Technics wurde ich daran erinnert, dass dieser Plattenspieler bereits mit der praktischen Halbzoll-Headshell-Aufnahme ausgestattet war. Wenn ich also in einen neuen Tonabnehmer investieren wollte, konnte ich auch gleich die Headshell und die Verkabelung mit austauschen. Und da die Headshell sowohl den Tonabnehmer als auch die Anschlüsse aufnahm, würden ihre Resonanzen und die Qualität ihrer Verkabelung einen gewissen Einfluss auf die Klangqualität haben. Ich suchte im Internet nach möglichen Kombinationen von Tonabnehmer und Nadel und zog unter den eher audiophilen Exemplaren drei recht erschwingliche MM-Modelle (Moving Magnet) in die engere Wahl, die allesamt für mittelgroße Tonarme ausgelegt waren: das Ortofon 2M Silver, das Nagaoka MP-150 - das eigentlich ein MI-Tonabnehmer (Moving Iron) ist und damit einem MM ähnelt - und das Audio Technica VM 540 ML.

    Unter den drei Tonabnehmern hatte der Audio Technica die ausgefeilteste Nadel, und da wir mit dem Audio Technica VM 95 ML, den wir für unseren Sansui SR-525 gekauft hatten, immer noch sehr zufrieden waren, war ich neugierig, die Unterschiede zwischen den beiden Tonabnehmern desselben Herstellers zu erforschen, die ebenfalls beide mit mikrolinearen Nadeln ausgestattet waren, wobei die Spezifikationen der 500er-Serie denen des 95ers leicht überlegen sind. Um das Ergebnis meiner Überlegungen zu bestätigen, besprach ich mich vor meiner Entscheidung mit einem Verkäufer von thakker.eu, der mir bestätigte, dass die ML-Version aufgrund ihrer ausgefeilten Abtastnadel der Konkurrenz in dieser Preisklasse voraus war. Für die 500er-Serie standen insgesamt folgende Tastereinsätze zur Auswahl:

    Auswahl an Abtastnadeln

    • AT-VM510 CB = Konisch - Gebundener Rundschaft
    • AT-VM520 EB = Elliptisch - gebundener Rundschaft
    • AT-VM530 EN = Elliptisch - Nackter Rundschaft
    • AT-VM540 ML = Mikrolinear - Nackter Vierkant-Schaft
    • AT-VM550 SH = Shibata - Nackter Vierkantschaft
    • AT-VM560 SLC = 0,28 x 1,5 Mil Spezial-Linekontakt

    Mit Ausnahme des VM560 SLC, das mehr als doppelt so teuer war wie das VM540 ML (und damals das teuerste MM-Tonabnehmersystem von Audio Technica überhaupt), galt die mikrolineare Version als das vielseitigste unter den verfügbaren Modellen. Obwohl die 500er Serie von manchen immer noch als Einsteigermodell angesehen wurde, war das ML dank des mikrolinearen Schliffs der Nadel in Kombination mit der nackten Montage auf einem quadratischen Schaft sehr wohl in der Lage, auch die kleinsten Nuancen aus der Schallplattenrille herauszuholen. Ähnlich wie beim 95er wurden beim 500er Tonabnehmer zwei Magnete verwendet, die in Form eines "V" angeordnet waren, um der Form des Messerkopfes bei der Plattenherstellung zu entsprechen. Das Design sollte eine maximale Amplitude und eine verbesserte Kanaltrennung gewährleisten. Der Tonabnehmer wurde so konzipiert, dass er auf den meisten Tonarmen mit geringer und mittlerer Masse gleichermaßen gut funktionierte. In der Version VM540 ML/H war er auf dem Headshell HS-10 von Audio Technica vormontiert, und ich beschloss, dass dies die praktischste Lösung für unseren SL1310 war.

    Als der Tonabnehmer auf dem Postweg eintraf, war ich angenehm überrascht, wie leicht sich das Headshell aus der Verpackung herausdrehen ließ, und ich beschloss, dass ich dasselbe Kästchen zur sicheren Aufbewahrung unseres alten Headshells verwenden würde. Wie ich bereits vom Verkäufer gewarnt worden war, musste der Tonabnehmer zunächst auf das spezifische Layout des SL1310 ausgerichtet werden. Ich benutzte meine vorhandene Ausrichtungsschablone, mit der man die innere Rillenposition bestimmen kann, während die Schablone statisch bleibt, und war angenehm überrascht, dass die umklappbare Nadelabdeckung des VM540 ML auch zum Einstellen des richtigen Winkels und Überhangs diente. Sie erzeugte eine gerade Linie auf dem Winkelmesser, was die Einstellung erleichterte. Ich bemerkte auch, dass das neue VM540 ML/H leichter war als unser ursprüngliches System, was bedeutete, dass ich das Gewicht des Tonarms erheblich reduzieren musste. Ich stellte den Überhang ein und justierte die Auflagekraft mit unserer digitalen Auflagekraftwaage auf die empfohlenen 2,0 Gramm.

    Was mich ein wenig überraschte, war die Tatsache, dass ich den SL1310 vom Stromnetz trennen musste, um diese Einstellungen vorzunehmen, da ich den Tonarm nicht seitlich verschieben konnte, ohne den eingebauten Autostart zu aktivieren. Der Plattenteller sprang jedes Mal an, wenn der Tonarm in die Nähe des Plattentellers gebracht wurde, und obwohl dies ganz offensichtlich ein Merkmal des automatischen Laufwerks war, brauchte ich einen Moment, um zu verstehen, dass es tatsächlich keinen anderen Weg gab, als den Stecker zu ziehen. Vielleicht liegt es nur an mir, aber aus irgendeinem Grund kam mir das Ziehen des Steckers ziemlich plump vor, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich irgendein Detail übersehen hatte, vielleicht einen Ein-/Aus-Schalter.

    Als ich mich schließlich hinsetzte und zuhörte, konnte ich kaum glauben, welche Verbesserung ich gegenüber dem vorher montierten Shure M75 ED hörte. Es war einfach mehr von allem da. Als ich Carmen Lundys album “Soul to Soul”, fiel mir zum ersten Mal die überragende Genauigkeit der mikrolinearen Abtastnadel auf. Und obwohl ich diesen Effekt schon bei der Umstellung auf den ML-Tonabnehmer an unserem Sansui SR-525-Plattenspieler erlebt hatte, war ich erneut tief beeindruckt. Ich hatte mich so sehr an die kleinen Ungenauigkeiten unseres alten Shure-Tonabnehmers gewöhnt, dass das Hören des Albums ohne diese Ungenauigkeiten ein ganz neues Gefühl für das Medium hervorrief. Der VM540 ML produzierte ein sehr niedriges Grundrauschen, zeigte keinerlei Zischlaute und war in der Lage, einen äußerst präzisen Eindruck des ursprünglichen Musikereignisses zu vermitteln. Und obwohl er viele musikalische Details wiedergab, geschah dies in großer harmonischer Kohärenz, ohne dass ein Aspekt besonders hervorgehoben wurde. Ich empfand dies als angenehm, einnehmend und gleichzeitig hervorragend ausgewogen.

    Der Audio Technica ließ unsere Tannoy XT8F-Lautsprecher größer und intensiver klingen, als ich es bisher gewohnt war. Die Klangbühne war ausgezeichnet, wobei Lundys Stimme genau in der Mitte positioniert war und alle Instrumente großzügig um sie herum angeordnet waren. Unterstützt wurde dieser Effekt durch das lange Ausklingen der einzelnen Töne. Transienten waren schon immer eine besondere Stärke der ML-Nadeln. In Lundys "Sardegna" wirkte das Xylophon fast dreidimensional, einzelne Töne erschienen so lebendig wie die sprudelnden Perlen in einem Glas Sekt. Trompeten und höhere Klaviertöne reichten tief in den Raum hinein, während die Schlagzeuger etwas zurückgenommen blieben. Bässe waren zwar vorhanden, doch nicht so ausgeprägt wie beim Shure. Dieser Eindruck blieb auch erhalten, nachdem ich zu Ted Poor's Album "You Already Know" gewechselt hatte, das viel stärkere Bassläufe aufweist. Anstatt dröhnend oder übermäßig ausgedehnt zu sein, blieb der Bass jederzeit nuanciert und kontrolliert. Bass-Enthusiasten würden wahrscheinlich gut daran tun, die Auflagekraft auf 2,2 oder 2,5 Gramm zu erhöhen, aber ich bevorzuge in der Regel ausgeprägtere Transienten gegenüber mächtigem Bassgebrüll.

    Das fantastische Album “Guzu Guzu" des Helge Lien Trios war dichter arrangiert als die beiden vorangegangenen Hörbeispiele und gab dem VM540 ML-Tonabnehmer Gelegenheit zu zeigen, dass er auch in volatilen und unübersichtlichen Situationen, in denen sich eine Vielzahl natürlicher Klänge von akustischen Instrumenten überlagert, präzise bleiben konnte. Zu meiner großen Zufriedenheit spielte er auch dieses Album mühelos und präzise bis hin zur letzten Rille ab, wobei er jede Nuance genau nachzeichnete, ohne sich dabei im Detail zu verlieren. Beim Vergleich mit dem VM 95 ML desselben Herstellers stellte ich fest, dass die beiden sehr ähnlich sind, aber dass das VM540 ML Stimmen mit einem weicheren und ausgewogeneren oberen Spektrum wiedergab. Dies konnte auf den erweiterten Frequenzgang oder auf die bessere Kanaltrennung zurückzuführen sein, aber genauso gut könnte es an der verwendeten Peripherie liegen. Technics Plattenspieler gelten als sehr gut verarbeitet. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nur mit Sicherheit sagen, dass der VM540 ML mit heruntergeklapptem eingebauten Nadelschutz viel einfacher auszurichten war. Wenn Sie darüber nachdenken, einen Vintage-Plattenspieler mit einem Tonarm mit geringer oder mittlerer Masse aufzurüsten, ist die 500er-Serie von Audio Technica sicherlich eine Überlegung wert.

    Technische Daten

    • Klang: Leise auf der Schallplatte, ausgewogen und nuancenreich, warm mit - seidigen Stimmen, kontrollierter und gut konturierter Bass
    • Typ: Dualer beweglicher Magnet
    • Frequenzgang: 20 - 27.000 Hz
    • Kanaltrennung (@ 1 KHz): > 28 dB
    • Eingangslast: 47.000 Ohm
    • Ausgang bei 1 KHz 5 cm / Sek.: 4 mV
    • Empfohlene Abtastkraft: 2,0 g
    • Tonabnehmer-Typ: Nude Micro Linear Square Shank
    • Induktivität: 550 mH
    • Widerstandswert: 485 Ω
    • Gewicht: 6,4 g
    • Höhe: 17,3 mm
    • Jahr: 2020 -
    • OSP: EUR 246,00 (Deutschland)
    • Stylus-Ersatz: VMN40ML

    Klangeindrücke basierend auf der folgenden Anlage: Technics SL1310 Plattenspieler, Dynaco PAS4 Vorverstärker, Hafler XL 280 Endstufe, Tannoy XT8F Lautsprecher.


  • AT VM95 E

    AT VM95 E

    13.11.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Phono Cartridges

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der VM95 E von Audio Technica ist ein Moving-Magnet-Tonabnehmer der Einstiegsklasse, der 2019 die Nachfolge des weithin bekannten AT95 E antrat. Das neue Design umfasst Verbesserungen an der elliptischen Abtastnadel, die nun dünner ist, sowie eine höhere Ausgangsspannung. Die neue VM95-Engine unterstützt eine ganze Reihe kompatibler Nadeln, was Upgrades etwas billiger und bequemer macht, als wenn man den kompletten Tonabnehmer ersetzen müsste. Die verfügbaren Ersatznadeln reichen in 6 Stufen vom einfachen konischen Design bis zum komplexen 'Shibata' (patentierter Schliff). Während die niedrigeren Ersatznadeln mit einer Art Lötmittel an den Schaft geklebt werden, werden die höherwertigen Tastereinsätze direkt verbunden, d. h. "nackt".

    Auswahl der Abtastnadeln

    • AT-VM95 C = Konisch - gebundener runder Schaft
    • AT-VM95 E = Elliptisch - gebundener runder Schaft
    • AT-VM95 SP = Konisch SP - gebundener Rundschaft (Schellack)
    • AT-VM95 EN = Elliptisch - Nackter Rundschaft
    • AT-VM95 ML = Mikrolinear - Nackter Vierkant-Schaft
    • AT-VM95 SH = Shibata - Nackter Vierkant-Schaft

    Das VM95 E ist mit der zweit-möglichen Einstiegsnadel ausgestattet und weist bereits einige deutliche Verbesserungen gegenüber dem nicht mehr produzierten AT95 E auf, obwohl es einige der typischen Merkmale beibehält, die von einem elliptisch gebundenen Design zu erwarten sind. Besonders wenn man von den anspruchsvolleren Nadeln wie dem Micro-Linear oder dem Shibata kommt, fehlt dem AT95 E etwas von der Klarheit und Nuancierung, zu der die höherwertigen Versionen fähig sind. Auf Katie Meluas “Album Nr. 8" aus dem Jahr 2020 wirkt die Musik zum Beispiel komprimierter. Ein allgemeiner Mangel an klanglichen Details lässt ihre Stimme weniger aufschlussreich und daher nicht so nah und einfühlsam erscheinen, wie wir es von der mikrolinearen Abtastnadel gewohnt sind.

    Während zwischen den Instrumenten immer noch genügend Raum vorhanden ist, klingen schlechtere Aufnahmen eher dumpf und zurückhaltend. Stimmen werden jedoch tonal ausgewogen und vollmundig wiedergegeben, was sicherlich eine Stärke ist. Ich habe das Gefühl, dass das VM95 E Stimmen tonal genauer wiedergibt als einige der höheren Versionen, da es keine Spur von nasalen Effekten gibt. Auf der anderen Seite kann die elliptische Abtastnadel zischende Stimmen produzieren, wie es bei meiner schlechten Pressung von Norah Jones "Come Away with Me"-Album der Fall ist, die mit der ML-Nadel noch richtig Spaß macht und mit der E-Version gerade noch zu ertragen ist.

    Während die Basswiedergabe akkurat und sicherlich voller und präsenter ist als beim früheren AT95 E, fehlen bisweilen Nuancen im Bass, Tiefbass und musikalische Details, besonders im direkten Vergleich mit den höherpreisigen Versionen. Und das ist wohl der Aspekt, der es dem AT95 E in der Einstiegsklasse am schwersten macht: die Konkurrenz an Nadeln, die auf diesem Engine basiert. Als wir vor zwei Jahren unsere Erkundungen mit dem AT95 E begannen, dachte ich, dass mich der Mangel an Details nicht stören würde, solange die Musik tonal ausgewogen ist. Wenn man jedoch von der neueren und leistungsfähigeren ML-Version auf unserer anderen Anlage kommt, macht es jetzt einfach weniger Spaß, dem AT95 E zuzuhören. Nicht, weil er eine schlechte Leistung erbringt, sondern einfach, weil ich inzwischen den anspruchsvolleren Klang zu schätzen gelernt habe, was leider ein bekanntes audiophiles Dilemma ist: "Wenn man es einmal gehört hat, gibt es kein Zurück mehr."

    Technische Daten

    Charakter: ein solider Tracker mit gelegentlichen Zischlauten, der musikalische Details halbwegs offenbart, vollmundig, warm und tendenziell neutral, musikalisch ausgewogen

    • Frequenzgang: 20 - 22.000 kHz
    • Kanaltrennung bei 1 KHz: 20 dB
    • Ausgangswiderstand: 47 kOhm
    • Ausgang bei 1 KHz 5 cm/Sek.: 4,0 mV
    • Empfohlene Abtastkraft: 2,0 g
    • Nadeltyp: elliptische Abtastnadel, gebondete Halterung
    • Induktivität: 550 mH
    • Widerstandswert: 485 Ω
    • Gewicht: 6,1 g
    • Jahr: 2019
    • OSP: EUR 46,00 (Deutschland)
    • Stylus-Ersatz: Original, EUR 28,00

    Audio Technica
    Technica House
    Unit 5, Millennium Way
    Leeds
    United Kingdom
    LS11 5AL


  • AT VM95 ML

    AT VM95 ML

    11.11.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Phono Cartridges

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die Audio-Technica Corporation ist ein japanischer Hersteller von Phono-Tonabnehmern, Plattenspielern, Kopfhörern und professionellen Mikrofonen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Tokio und brachte seine ersten Produkte, die AT-1 und AT-3 MM-Tonabnehmer, im Jahr 1962 auf den Markt. Zu den bekanntesten AT-Geräten gehören eine lange Liste von Kopfhörern, ein tragbarer Plattenspieler und auch einige Tonabnehmer. Unter letzteren befand sich auch das Einsteigermodell AT-95 E, das für sein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt wurde und somit als Einstiegsdroge in das audiophile Hören prädestiniert war.

    Bereits der inzwischen eingestellte AT-95 E hob sich von der Konkurrenz ab, indem er mit einer ausgefeilteren elliptischen Abtastnadel ausgestattet war, während seine preislichen Konkurrenten noch mit einfacheren konischen oder kugelförmigen Abtastnadeln ausgestattet waren. Die elliptische Form der Abtastnadel ermöglichte es, mehr Details von der Schallplatte abzutasten und sorgte für eine hervorragende Höhenwiedergabe. Der Mitteltonbereich wurde manchmal als ein wenig dünn und nasal empfunden. Die Basswiedergabe hingegen war straff, fulminant, aber nicht übermäßig schwer oder besonders herausragend. Die interne Konkurrenz des AT-95 E war der teurere AT100E, der das Einsteigermodell in den meisten technischen Aspekten übertraf.

    Mit dem neuen AT VM95 Tonabnehmer hat Audio Technica dem AT95 eine längst überfällige Überarbeitung spendiert. Der vollständige Name des Tonabnehmers setzt sich aus dem Firmenkürzel "AT", dem Gehäuse- oder Engine-Typ "VM95" und der Art der angebrachten Nadel zusammen. Beim AT VM95 ML stehen die letzten beiden Buchstaben für "Micro-Linear", eine von fünf möglichen Abtastnadeln für das neue VM95-System. Bei der “ML"-Version handelt es sich um eine Nadelkonstruktion mit zwei beweglichen Magneten, einer nackten Nadel und einem mikrolinearen Schliff. “Nackt" bedeutet, dass die Nadel direkt angebracht ist, anstatt auf den Schaft gelötet zu werden.

    Auswahl der Abtastnadeln

    • AT-VM95 C = Kegelförmig - gebundener Rundschaft
    • AT-VM95 E = Elliptisch - gebundener Rundschaft
    • AT-VM95 SP = Konisch SP - Gebondeter Rundschaft (Schellack)
    • AT-VM95 EN = Elliptisch - Nackter Rundschaft
    • AT-VM95 ML = Mikrolinear - Nackter Vierkant-Schaft
    • AT-VM95 SH = Shibata - Nackter Vierkant-Schaft

    Aus unserer eigenen Hörerfahrung lässt sich sagen, dass die VM95 eine schnörkellose Einstiegs- bis Mittelklasse-Engine mit ausreichendem Dynamikpotenzial und durchschnittlicher Kanaltrennung ist. Es scheint, dass der Klang für moderne Hörvorlieben optimiert wurde, da er mit allen Nadelkombinationen ausgewogen, detailliert und lebendig spielt.

    In Verbindung mit der ML-Nadel gelingt es dem VM95, viele Details der Schallplatte darzustellen, die den einfacheren Nadelversionen noch verborgen bleiben. Der klangliche Eindruck ist, dass das Frequenzband erweitert wird und selbst die kleinsten Nuancen in der Musik zum Vorschein kommen. Mit der ML-Nadel klingen Becken zarter und viel länger als bei den niedrigeren Versionen des Tonabnehmers, und kein Schlagzeugschlag gleicht dem anderen. Auch bei anderen Instrumenten sind die verschiedenen Spielweisen besser zu erkennen: Klaviertasten klingen etwas weicher, und es gibt nun einen deutlichen Unterschied in Dauer und Kraft der einzelnen Tasten.

    Stimmen klingen voll und warm, ohne dass für meine Ohren eine Verzerrung zu erkennen ist. Weibliche Solokünstlerinnen scheinen mehr Luft in ihren Lungen zu haben und die Noten länger und mit größerer Genauigkeit zu tragen, als ich es je auf einem anderen Medium, wie CD oder Streaming, gehört habe. Trotz dieser Feinheit und Detailtreue in der Präsentation konnten wir kaum mechanische Geräusche von der Platte selbst wahrnehmen. Stattdessen blieb die Schallplatte ultraleise, und der Hörer hatte nur die Musik im Blick.

    Mit der ML-Nadel fällt es einfach, durch schlechte Aufnahmen hindurchzuhören. Obwohl ich festgestellt habe, dass sowohl neue als auch alte Aufnahmen gut wiedergegeben werden, klingt die ML-Nadel am besten bei neueren Produktionen, die auch die aufschlussreichen Eigenschaften der heutigen Geräte berücksichtigen. Beim Anhören von Bob Segers “Greatest Hits"-Album zum Beispiel machte die ML-Nadel die Einschränkungen der Originalaufnahme viel deutlicher, als es die elliptische E-Nadel getan hätte. Auf Katie Meluas neu erschienenem “Album No. 8" kommt die Stimme in einer seltsamen Kombination aus Reinheit und silbrigen Obertönen rüber, die wohl auf das Studiomikrofon zurückzuführen sind. Man muss sich zumindest darüber im Klaren sein, dass die Entscheidung für die mikrolineare oder die Shibata-Varianten des VM95-Engine eine Menge Details in die Musik bringt, die je nach Qualität des Equipments und der Aufnahme zu einem Segen oder einem Ärgernis werden können.

    Auch in Sachen Bass ist der AT VM95 ML leistungsfähig. Zwar kann der Bass durchaus anschwellen und sowohl laut als auch satt werden, doch ist dies nie zufällig und immer mit gutem Maß. Anstelle von schwammigen und eher zufällig erscheinenden Bässen beleuchtet dieser Tonabnehmer die Bässe ebenso klar wie die Höhen und Mitten. Es gibt viel Basskontur und kaum etwas, was zu wünschen übrig wäre. Die Musik löst sich mühelos von den Lautsprechern und wird zu einer echten Performance. Es ist immer ein ausreichender Fluss mit viel Dynamik vorhanden, obwohl die AT VM95 ML in meinen Ohren etwas weniger akademisch und vielleicht etwas einnehmender sein könnte. Dank seiner Fähigkeit, viele musikalische Details darzustellen, erweckt die ML-Version jedoch auch eher langweilige Aufführungen wieder zum Leben.

    Technische Daten

    Klang: Leise auf der Platte, aufschlussreich und sehr nuanciert, warm und eher neutral, kontrollierter und gut konturierter Bass

    • Frequenzgang: 20 - 25.000 kHz
    • Kanaltrennung bei 1 KHz: 23 dB
    • Eingangslast: 47 K
    • Ausgang bei 1 KHz 5 cm/Sek.: 3.5mV
    • Empfohlene Abtastkraft: 2,0 g
    • Tonabnehmer-Typ: Nude Micro Linear Square Shank
    • Induktivität: 550 mH
    • Widerstandswert: 485 Ω
    • Gewicht: 6,1 g
    • Jahr: 2019
    • OSP: EUR 146,00 (Germany)
    • Stylus Replacement: Original, EUR 129,00

    Audio Technica
    Technica House
    Unit 5, Millennium Way
    Leeds
    Vereinigtes Königreich
    LS11 5AL

    Klangeindrücke basierend auf dem folgenden System: Lenco L75 Plattenspieler, Restek V1 Vorverstärker, Hafler XL 280 Endverstärker, Tannoy XZ8F Lautsprecherboxen.


    crossXculture Business Language Training
  • Sumiko Olympia

    Sumiko Olympia

    22.2.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Phono Cartridges

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Auf der Suche nach einem geeigneten Tonabnehmer für unseren halbautomatischen Plattenspieler Thorens TD320 bin ich auf die Sumiko-Tonabnehmerserie gestoßen. Der TD320 war mit einem 12,5 Gramm schweren TP16 MK IV-Tonarm ausgestattet, was ihn zumindest theoretisch mit einer großen Auswahl an mittelgroßen Tonabnehmern kompatibel machte. Zur Auswahl standen unter anderem MM-Tonabnehmer (Moving Magnet) von Audio Technica, Grado, Ortofon, Nagaoka und Sumiko. Da ich jedoch bereits zwei Audio Technica-Tonabnehmer in diesem Blog vorgestellt hatte und den Grado Gold recht teuer fand, beschränkte ich mich auf den Ortofon M2 Blue und den Sumiko Olympia, die in Bezug auf Spezifikationen und Leistung ähnlich gut abschnitten.

    Am Ende fiel meine Wahl auf das Olympia, da seine Abmessungen und sein Farbschema gut zum schwarz-silbernen Thorens-Design passten. Ich hatte gelesen, dass er weniger analytisch klang als der Ortofon, was meiner Meinung nach gut zu unseren recht offen klingenden elektrostatischen Lautsprechern passen würde. Mein erster Eindruck, als der Tonabnehmer mit der Post geliefert wurde, schien mir zu bestätigen, dass ich eine gute Entscheidung getroffen hatte. Das Auspacken aus der Holzkiste war ein schönes Ritual, das auch das hochwertige "Handcrafted in Japan"-Leitbild des Unternehmens unterstrich. Auf dem TP16 montiert, sah das schlanke schwarze Gehäuse mit dem klaren weißen Schriftzug absolut umwerfend aus. Um den bestmöglichen Hörgenuss zu erzielen, achtete ich besonders darauf, alle Parameter richtig einzustellen, und die Bilder unten zeigen einen Teil dieses Prozesses vor der Fertigstellung.

    Die erste Platte, die ich auflegte, war das Album "I Know I Dream" von Stacey Kent, das zufällig von akzeptabler Pressung war und recht gut klang, bis die Zischlaute innerhalb der Rillen der letzten beiden Titel so stark zunahmen, dass ich froh war, als die Platte zu Ende war. Da ich mit dem Thorens noch nicht vertraut war, überprüfte ich den Winkel an dem nahtlos einstellbaren Cartridge erneut und zog auch die vertikalen und horizontalen Tonarmlager fester an, da ich dachte, dass dies die Ursache des Problems sein könnte. Als dies die Zischlaute nicht beseitigte, spielte ich mit dem Tracking und stellte das Plattenteller-Niveau neu ein. Doch egal, wie sehr ich mich bemühte, der TP16 MK IV konnte den Sumiko nicht ruhig in Position halten, um ohne Zischlaute und Verzerrungen auch auf den inneren Rillen zu spielen. Ich rief den Support von Thakker.eu an, um ihn um Rat zu fragen, und sie meinten, dass der Arm des Thorens vielleicht nicht steif genug sei, um das Sumiko gut festzuhalten.

    Ich führte einige weitere Tests mit anderen Einstellungen und Aufnahmen durch und stellte fest, dass Katie Meluas "Album No 8" mit dem Sumiko von Anfang bis Ende verzerrt klang, während es mit unseren beiden Audio Technica-Tonabnehmern, die mit mikrolinearen Nadeln ausgestattet waren, ausreichend gut wiedergegeben wurde. Zuerst war ich ziemlich niedergeschlagen, aber dann beschloss ich, den Sumiko auf unserem Technics SL-1310 Plattenspieler im anderen Hörraum zu testen. Während die Verzerrung auf den inneren Rillen auch hier ein Problem blieb, erzeugte das Sumiko hier zumindest eine angenehme, sehr breite und solide Klangbühne, die so beeindruckend war, dass ich mir kaum noch vorstellen konnte, das Tonabnehmersystem ohne Bedauern an den Verkäufer zurückzugeben.

    Ich beschloss, die Abtastnadel unter dem Mikroskop zu untersuchen und sah, dass der Diamant unter einem dünnen Mantel von Rückständen verborgen war, der die Oberfläche körnig aussehen ließ. Ich kannte dieses Aussehen eigentlich nur von NOS-Tastern aus den 70er Jahren. Ich fragte mich, wie dies bei der werkseitig montierten Nadel eines brandneuen Tonabnehmers aus dem Jahr 2021 der Fall sein konnte. Vielleicht war es nur eine Frage der Abnutzung der Rückstände, bis der Diamant der Abtastnadel wieder durchscheinen konnte? Doch ich begann zu bedauern, dass meine Schallplatten dieser ungesunden Behandlung unterzogen werden mussten. Vielleicht hatte die Umgebungsfeuchtigkeit oder das Meerwasser eine Rolle bei der Korrosion der Abtastnadel gespielt? Immerhin hatte ich irgendwo gelesen, dass Sumiko-Tonabnehmer in einer Stadt in Meeresnähe hergestellt wurden. Dies wurde auf der Website des Unternehmens bestätigt.

    Sumiko Firmengeschichte

    Sumiko wurde im Jahr 1972 vom ehemaligen U.C. Berkeley Experimentalphysiker David Fletcher mitbegründet. Fletcher machte sich einen Namen im Bereich analoger Audio-designs und wurde später Mitbegründer von SOTA-Plattenspielern, einer weiteren bekannten Marke, die auch heute noch im Geschäft ist. In den 1970er und 80er Jahren entwickelte sich die Firma Sumiko zu einem der führenden Importeure von Tonabnehmern und Tonarmen verschiedener Marken in die USA. Einige der Meilensteine waren: der MDC-800-Tonarm (1980), die Talisman-Hochleistungs-MC-Tonabnehmer (1982) und eine Serie von "Premier"-Tonarmen (1983-1988).

    Laut der Website des Unternehmens wurden die Tonabnehmer der Oyster-Serie von Sumiko in Yokohama handgefertigt. Die Fabrik befand sich in der Tat "nahe des Wassers, in denen unsere namensgebenden Austern leben". Auf der Website wird weiter beschrieben, wie jeder Tonabnehmer von erfahrenen Technikern von Hand zusammengebaut und rigoros geprüft wurde, bevor sie dann verpackt und versandt wurde. Das machte es mir allerdings schwer zu verstehen, wie meine mit Rückständen bedeckte und zischende Abtastnadel den strengen Inspektionen von Sumiko entgehen konnte. Es sei denn, das Anbringen der Abtastnadel war nicht Teil dieses Prozesses.

    Entschlossen, die Rückstände abzutragen, spielte ich in den nächsten Stunden Bob Segers Greatest Hits"-Album in Dauerschleife. Der Sumiko Olympia produzierte jedoch weiterhin mehr Rauschen und Zischlaute, als ich es gewohnt war, und mir dämmerte, dass ich wahrscheinlich von der hervorragenden Abtastung und dem geringen Rauschen unserer mikrolinearen Nadeleinsätze von Audio Technica verwöhnt war. Um meinen Verdacht endgültig zu bestätigen, beschloss ich, den Olympia an Thakker.eu zurückzuschicken, die daraufhin vorgaben einige Tests mit ihrem eigenen Technics-Laufwerk durchgeführt zu haben und weder mit dem Tonabnehmer noch mit der Nadel einen Fehler feststellen konnten. Da sie meine Enttäuschung hinsichtlich dieser Aussage spürten, boten sie mir an, mir meine Investition dennoch zu erstatten, damit ich mein Glück mit einem anderen Tonabnehmer versuchen konnte.

    Am Ende hatte ich vielleicht Pech mit der Kombination von Tonarmen und Nadel oder mit der Fertigungstoleranz des Tonabnehmers selbst. Ich habe den Klang sehr genossen, konnte mich aber beim Hören nicht entspannen, weil ich immer befürchten musste, dass der nächste unangenehme Zischlaut durchdringen würden. Für diejenigen von uns, die es gewohnt sind, höherwertige Tonabnehmer zu hören, sollte der Sumiko Moonstone das Minimum sein. Aufgrund meiner großen Enttäuschung mit dem Olympia zögerte ich jedoch, die nächsthöhere Sumiko-Nadel auszuprobieren.

    Technische Daten

    • Tonabnehmer: hohe Ausgangsleistung, beweglicher Magnet
    • Tonabnehmer-Typ: 0.3 x 0.7 mil Elliptisch
    • Ausleger-Typ: Aluminium-Rohr
    • Induktionsspulen: Hochreines Kupfer
    • Innere Impedanz: 1.130 Ω
    • Last-Impedanz: 47 kΩ
    • Frequenzgang: 12 Hz - 30.000 Hz
    • Ausgangspegel: 4,0 mV
    • Kanaltrennung: >30 dB @ 1kHz
    • Kanal-Balance: >1,5 dB @ 1kHz
    • Konformität: 12×10-6 cm/dyn @ 100 Hz
    • Kapazität: 100 pF - 200 pF
    • Vertikaler Spurwinkel: 25°
    • Bereich der Auflagekraft: 1,8g - 2,2g
    • Empfohlene Auflagekraft: 2,0g
    • Effektive Masse: 6,5g
    • Abmessungen: (B) 17,2 mm x (H) 18,8 mm x (T) 29 mm
    • Kompatible Nadeln: RS Rainier (niedriger), RS Moonstone (höher), Wellfleet (am höchsten)

Vorverstärker

Vorverstärker

Ein Vorverstärker kann durchaus als das Herzstück unseres Systems bezeichnet werden. Da viele Vorverstärker über eine eingebaute Phonostufe für MM, MC oder beides verfügen, ist auch tatsächlich ein gewisser Verstärkungseffekt vorhanden, aber der Begriff beschreibt eher seine Position vor dem Verstärker als seine Bezeichnung. Vorverstärker dienen z.B. als Knotenpunkt, um Musiksignale von mehreren Quellen zu einem einzigen oder mehreren Endverstärkern zu leiten. Alle Vorverstärker fügen auch eine klangliche Signatur hinzu, die aufgrund ihrer zentralen Position im System über den Erfolg oder Misserfolg eines guten Systems entscheidet.

Daher ist es sinnvoll, unseren Vorverstärker mit Bedacht auszuwählen, und es gibt einige Hinweise, auf die man dabei achten sollte: 1. Die Signalintegrität kann durch Potentiometer beeinträchtigt werden, weshalb audiophile Geräte nur selten mit Bass-, Höhen- und anderen Dämpfungsgliedern ausgestattet sind. 2. Netzteile können Störungen in das Signal einspeisen. Bei vielen Geräten befindet sich daher das Netzteil in einem separaten Gehäuse. 3. Dünne Leiterbahnen auf der Platine können zu Lasten der Geschwindigkeit und Dynamik gehen. 4. 2D-Leiterplattenlayouts können Störungen aufnehmen. High-End-Geräte haben vielleicht auch deshalb oft ein höheres Maß an Direktverdrahtung.

  • Audio Research SP-6

    Audio Research SP-6

    5.12.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Hochauflösender Stereo-Vorverstärker

    Als in den späten 1960er Jahren der Vakuumröhre in Heim-Audiogeräten zugunsten billigerer Produktion und vielseitigerer Geräte der Rücken gekehrt wurde, glaubten einige Musikliebhaber, dass sich die Industrie in die falsche Richtung bewegte. Zwar waren Transistoren den Röhren in Bezug auf Größe und Wärmeableitung überlegen, doch ihre musikalische Leistung war noch nicht gerade als großartig zu beschreiben.

    Zu den Transistorskeptikern gehörte ein Mann namens William (Bill) Zane Johnson. Bill betrieb seit dem Jahr 1951 ein eigenes Fachgeschäft für Audiotechnik im Süden von Minneapolis, in dem er anspruchsvolle Verstärker für diejenigen entwarf, denen Genauigkeit und Musikalität bei der Klangwiedergabe auch weiterhin sehr wichtig waren.

    Nach einem gescheiterten Versuch, sein bestehende Geschäftsmodell weiterzuentwickeln, beschloss er im Jahr 1970, ein neues Unternehmen zu gründen, das sowohl seinen Entwürfen und Patenten als auch ihm selbst gerecht eher werden würde. Er nannte es Audio Research", und von Anfang an war klar, dass dieses Unternehmen seinen Schwerpunkt auf Vakuumröhren für die Musikwiedergabe legen würde.

    Obwohl Bill an seiner Überzeugung festhielt, dass Vakuumröhren ein realistischeres und daher überzeugenderes Klangbild vermitteln konnten, musste noch einiges getan werden, damit Röhren in Bezug auf Schnelligkeit und Basskontrolle mit Transistoren mithalten konnten. Die Herausforderung bestand darin, die für Röhren typische Genauigkeit in der Klangwiedergabe mit der für Transistoren typischen Fähigkeit, Details in der Musik darzustellen, zu verbinden.

    Die erfolgreiche Verbindung dieser Eigenschaften nannte Bill Johnson "High Definition"-Audio, heute ein bekanntes Markenzeichen und Leitbild, das seither auf den Produkten von Audio Research zu finden ist. Während seine Röhrenkonstruktionen zeitweise als bewusste Störung des Fortschritts der Branche empfunden wurden, erwies sich Audio Research während des in den 1980er Jahren folgenden Röhren-Revivals als der Konkurrenz weit voraus.

    Zum Erfolg der Audio Research Corporation trug auch die Tatsache bei, dass sie von einigen der einflussreichsten Audiomagazine der damaligen Zeit wie "The Absolute Sound" und "Stereophile" zum offiziellen Maßstab für Klang erklärt wurde. Audio Research ist heute der älteste existierende Hersteller von High-End-Audioprodukten und gilt als Begründer des Begriffs High-End-Audio überhaupt. Ihr SP-3 High Definition Vorverstärker galt über viele Jahre hinweg als der beste Vorverstärker auf dem Markt.

    Das hier besprochene Gerät, der Audio Research SP-6 High Definition Vorverstärker, wurde von 1978 bis 1982 in nur geringfügig abweichenden Versionen (Modelle A-E) gebaut, mit Ausnahme der SP-6F Version, die als SP-8 MK II mit einer anderen Frontplatte bezeichnet wurde. Das hier gezeigte Gerät ist der SP-6B von 1980, bestückt mit russischen 12AX7 Tung-Sol-Röhren. Für einen Vorverstärker ist das Gehäuse mit 13,4 cm schon recht hoch und mit 10 kg auch überraschend schwer. Obwohl die allgemeine Leistungsaufnahme bei relativ niedrigen 50 Watt liegt, werden die Röhren im Inneren recht heiß, so dass über dem Gerät ein mindestens 5 cm breiter Lüftungsraum freigehalten werden sollte.

    Die Drehknöpfe liegen gut in der Hand und verfügen über einen gestuften Lautstärkeregler. Die Schalterreihe könnte vielleicht noch ein wenig raffinierter sein. Vor allem der Muting-Schalter kann beim Ein- und Ausschalten gelegentlich ein unschönes Ploppen verursachen. Alle guten Vorverstärker spielen laut, und so tut das auch der SP-6. Dieser Umstand kann es ein wenig schwierig machen, subtile Lautstärkedifferenzen für das nächtliche Hören einzustellen, besonders wenn man von einem lauten CD-Player, DAC oder Streamer als Quelle abspielt und wenn man Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad betreibt. Aus diesem Grund haben wir unsere Musik mit dem SP-6 oft etwas lauter abgespielt, als wir es sonst getan hätten.

    Es dauert etwa vier Minuten, um den SP-6 nach dem Einschalten auf Betriebstemperatur zu bringen. Das Gerät ist vollständig aufgewärmt, wenn die Betriebs-LED aufhört zu blinken. Die volle klangliche Leistungsfähigkeit wird jedoch erst nach etwa dreißig Minuten erreicht. Zu diesem Zeitpunkt beginnt der Vorverstärker am musikalischsten zu klingen. Und es ist keine Überraschung, dass das, was wir hören dürfen, wenn der SP-6 vollständig aufgewärmt ist, in der Tat sehr erfreulich ist. Im Vergleich zu unserem DB Systems DB1 klingt der Audio Research-Vorverstärker wunderbar üppig, aber nicht auf Kosten der Abblidungsschärfe. Stimmen nehmen einfach mehr Platz in der virtuellen Mitte ein. Sängerinnen und Sängern wird akkurat eine eigene, realistische Dimension zugestanden. Wo der DB 1 Stimmen bisweilen zerbrechlich klingen lässt, lässt der SP-6 sie üppig und solide klingen. Akkurate Klangfarben und realistische musikalische Details sind jederzeit präsent.

    Ähnlich wie unser DB1 baut der SP-6 eine realistische und dreidimensionale Klangbühne auf. Beide Vorverstärker spielen akkurat und verleihen dem System eine warme und angenehme Signatur; der SP-6 bietet jedoch mehr Bassdruck und dynamischen Antrieb als der DB1. An unserem Hauptsystem, bestehend aus einem B&K ST140-Verstärker und Martin Logan SL3-Lautsprechern, bietet der SP-6 die ausgewogenste, musikalischste und unterhaltsamste Leistung aller Vorverstärker, die wir hier bisher kennenlernen durften.

    Anmerkung: Am Ende war ich erleichtert, dass ich nach dieser Erkundungstour immer noch zufrieden zu unserem DB Systems-Vorverstärker zurückkehren konnte. Obwohl die beiden Vorverstärker unterschiedliche Aspekte der Musik betonen, liefern sie beide eine liebenswerte und überzeugende Leistung auf sehr hohem Niveau.

    Technische Daten

    • Frequenzgang: 10 Hz bis 30.000 kHz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.01%
    • Verstärkung: 50 dB 60 dB (MM), 26 dB (Leitung)
    • Signal-Rausch-Verhältnis: 66 dB (MM), 90 dB (Leitung)
    • Ausgang: 5 V (Pre out), 60 V (Pre out Max)
    • Röhrenbestückung: 6 x ECC83 (6 x 12AX7 Tung-Sol)
    • Abmessungen: 480 mm x 134 mm x 260 mm
    • Gewicht: 10 kg
    • Baujahr: 1980

  • DB Systems DB1 + DB2

    DB Systems DB1 + DB2

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    David Hadaway gründete DB Systems im Jahr 1975 in Ridge, New Hampshire, und hat seitdem im stillen Kämmerlein eine Reihe erstklassiger Heim-Audiogeräte hergestellt. So wie viele Hersteller audiophiler Perlen ist auch DB Systems dabei stets unter dem Radar des werbefinanzierten Mainstream-HiFi-Diskurses geflogen und konnte seine Linie außergewöhnlicher Designs für eine kleine Gruppe von Anhängern schrittweise und akribisch weiterentwickeln. Der Vorverstärker DB-1 gehörte zu den ersten Produkten von DB Systems und war zur Zeit seines Debüts der Konkurrenz in Sachen Musikalität weit voraus. Bis heute bietet das Unternehmen Reparaturen und Aktualisierungen für alle seine Produkte an, und der DB-1 kann sich auf dem audiophilen Markt durchaus behaupten.

    Die DB-Produktpalette umfasst Vorverstärker, Leistungsverstärker, elektronische Frequenzweichen, Klangregler, Phasenumkehrer und Zubehör. Alle Produkte werden in den USA entwickelt und unter Verwendung ausgewählter Teile handgefertigt. Der DB-1 wird mit dem linearen Netzteil DB-2 geliefert und umfasst die von DB entwickelte MM-Phonostufe, die Präzisions-Klangregelung DB-5 und den MC-Vorverstärker DB-4. Im Neuzustand kostet das komplette Vorverstärker-Setup 2.200 Dollar. Gebrauchte Versionen des Vorverstärkers sind teilweise zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen erhältlich.

    Der hier vorgestellte DB-1 traf in sehr schlechtem Zustand bei uns ein, obwohl er von dem eBay-Verkäufer als "neuwertig" beworben wurde. Die Phonostufe war auf beiden Kanälen tot und litt unter mehreren Kontaktproblemen. Das Netzteil war ebenfalls nicht funktionsfähig, was auf eine fehlerhafte Bastelarbeit und zusätzliche Kondensatoren zurückzuführen war, die sich beim Transport gelöst hatten. Nach ein paar Wochen sorgfältiger Arbeit konnten wir das ursprüngliche Design und die Funktionalität des Geräts wiederherstellen. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn es gibt nicht viele Vorverstärker, die sich mit der Leistung des DB-1 messen können.

    Für einen Transistor-Vorverstärker bietet der DB-1 einen erstaunlich homogenen und "analogen" Klang. Seine Klangbühne ist sowohl breit als auch tief, und die Trennung der Instrumente ist lobenswert. Die Phonostufe gehört zu den besten auf dem Markt mit einem extrem niedrigen Grundrauschen und einer hervorragenden RIAA-Kompensation. In Verbindung mit dem richtigen Tonabnehmer ist der Klang detailliert, dynamisch und erweitert.

    Technische Daten

    • Harmonische Gesamtverzerrung: < 0.0008%
    • Intermodulationsverzerrung: < 0.001%
    • Rauschabstand (Phono): > 89 dB
    • Frequenzbereich (Phono, -1 dB): 2 Hz bis 50.000 Hz
    • Frequenzbereich (Phono, -0,25 dB), 10 Hz bis 20.000 Hz
    • Eingänge: Phono, Tuner, Aux 1, Aux 2, Tape
    • Ausgänge: 2x Tape, 2x Amplifier
    • Abmessungen, Vorverstärker: (B) 220 mm x (H) 84 mm x (T) 230 mm
    • Abmessungen, Netzgerät: 166,1 mm x 110 mm

  • Dynaco PAS-4

    Dynaco PAS-4

    6.6.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    In audiophilen Kreisen erinnert der Name Dynaco an die berühmten preisgünstigen Bausätze, die in den 1960er und 70er Jahren mit einigen der exquisitesten Audioprodukte auf dem HiFi-Markt mithalten konnten. Die ersten Produkte des im Jahr 1955 von David Hafler und Ed Laurent in Philadelphia gegründeten Unternehmens waren die 50- und 60-Watt-Mono-Endstufe Dynaco Mark II und III sowie der Vorverstärker PAM-1. Aber erst mit der Einführung des Dynaco ST-70, einem Röhrenverstärker mit 2 x 35 Watt Leistung im Jahr 1959, gelang dem Unternehmen der Einstieg in den audiophilen Massenmarkt.

    In der Folgezeit stellte Dynaco weitere Röhren- und Transistorverstärker, Vorverstärker, Radiotuner und Regallautsprecher her. Ihr leistungsstärkster Verstärker war der Dynaco ST-400, der 1972 auf den Markt kam und eine Dauerausgangsleistung von 2 x 200 Watt sowie einen ausgeklügelten Lautsprecherschutz bot. Zu diesem Zeitpunkt war die ehemals unabhängige Dynaco bereits eine Tochtergesellschaft von Tyco, Inc. geworden, in der David Hafler noch bis 1974 tätig war. 1974 verließ er das Unternehmen schließlich, um zu Ortofon zu wechseln und 1977 seine eigene Hafler Company zu gründen.

    Die ursprüngliche Dynaco wurde 1980 aufgelöst und ruhte, bis die Pan Orient Corporation im Jahr 1993 die Patente erwarb und begann, Audiokomponenten unter der Marke Dynaco zu vermarkten. Pan Orient verkürzte seinen Namen bald auf "Panor" und begann, aktualisierte Versionen von Dynaco-Klassikern sowie einige neue Designs auf den Markt zu bringen. Dazu gehörten die ST-70-Nachfolgerin "Stereo 70 II" und die leistungsstarke "Stereo 160", eine Vollröhren-Endstufe mit 2x70 Watt, die mit audiophilen Features wie umschaltbaren Pentoden-/Trioden-Modi und einstellbarer Röhrenvorspannung ausgestattet war.

    Wenn es um den Dynaco PAS-4 geht, werden Vintage-Audio-Fans sich nicht scheuen darauf hinzuweisen, dass dieser Vorverstärker nur dem Namen nach ein Dynaco ist, da er in den frühen 90er Jahren von Panor produziert und verkauft wurde. Der Markenname Dynaco wurde jedoch nicht ohne Grund gewählt, denn Panor wollte die ursprünglichen Dynaco/Hafler-Konstruktionen verbessern und wieder erschwingliche audiophile Geräte für den Durchschnittsverbraucher mit mittlerem Budget herstellen. Ein sichtbarer Beweis für diese Mission sind das schnörkellose industrielle Gehäuse und Design des PAS-4 sowie die Auswahl an audiophilen Komponenten.

    Der PAS-4 wurde unter der Leitung von John Nunez entwickelt, einem ehemaligen Entwickler beim hochpreisigen Röhrengeräte-Spezialisten Moore Franklin Associates (MFA). John wusste, dass er vor allem die sensible Vinyl-Wiedergabe in den Griff bekommen musste, wenn er audiophile Käufer von den Vorzügen des PAS-4 überzeugen wollte. Deshalb achtete er sehr darauf, dass die Phonostufe des PAS-4 wirklich herausragend war. Auch die Fertigungsqualität sollte exzellent sein, denn alle verkauften Geräte wurden in den USA entwickelt und hergestellt. Leider musste Panor jedoch einige Zugeständnisse machen, um den relativ niedrigen Preis zu verwirklichen, was das audiophile Potenzial des PAS-4 etwas schmälerte und auch einige der ersten Kunden frustrierte.

    Trotz seines herausragenden Designs wurde der PAS-4 mit den billigsten Röhren verkauft, die es seinerzeit gab, und er war mit Schaltern ausgestattet, die aufgrund niedriger Qualität ausfallen konnten. Außerdem bot er zusätzliche Schaltungen für eine bessere Benutzerfreundlichkeit, die nicht der audiophilen Tradition entsprachen, die Schaltungen auf das Wesentliche zu reduzieren. Die ersten Kundenrezensionen des neuen Vorverstärkers spiegelten diese Unzulänglichkeiten wider und führten dazu, dass nur wenige tausend Exemplare des PAS-4 verkauft wurden, was ihn auf dem heutigen Vintage-Markt zu einem seltenen Fundstück macht.

    Das hier gezeigte Gerät ist völlig anders als die von Panor verkaufte Version. Es ist näher am ursprünglichen audiophilen Design und enthält die meisten der empfohlenen Aktualisierungen und Modifikationen, die sich in den fast drei Jahrzehnten seines Bestehens als nützlich erwiesen haben. Natürlich war es hilfreich, dass die ursprüngliche Basis ausgezeichnet war: 1/8" dicke Leiterplatten, hochwertige Röhrensockel, ein ausgezeichnetes Leiterbahnlayout mit Sternerdung und jede Röhre mit einem eigenen Spannungsregler. Zu den Änderungen und Aktualisierungen unseres PAS-4 gehören der Wechsel zu einem verbesserten brummfreien 230-Volt-Transformator, das Hinzufügen eines hochwertigen Elma-Drehschalters für die Quellenwahl, die Umgehung der Schaltung für den Tape-Monitor und die Tape-Aufnahme, die Eliminierung des Kanalbalance-Reglers und der Einbau eines audiophilen Noble Lautstärkepotis.

    Die Originalröhren wurden durch russische Tung-Sol 12AX7 SC803S und SOVTEK Typ 6922 für die 2-stufige Phonosektion sowie ein Paar Genalex 20 03 für die Hybrid-Line-Stufe ersetzt. Die Kondensatoren wurden auf Mundorf Supreme EVO Silver Gold Oil aktualisiert. Ziel des Updates war es, internes und externes Rauschen und Verzerrungen zu minimieren sowie Transparenz, Ansprechverhalten und Dynamik zu erhöhen. Auf diese Weise konfiguriert, wird der PAS-4 zu einem würdigen audiophilen Konkurrenten in echter Dynaco-Tradition. Und während der ursprüngliche Vorverstärker rund 1.000 Dollar kostete, kann er nach diesen Updates problemlos mit Vorverstärkern konkurrieren, die 2-3 Mal so viel kosten. Hafler vertraute bekanntlich auf die Handwerkskunst des geschickten Heimwerkers, und Panor tat dies offenbar auch. Es bedurfte zwar einiger Fachkenntnis, um den wahren Charakter und das Potenzial des PAS-4 zu entschlüsseln, aber die gute Nachricht ist, dass dies einfach durch den Aufbau auf die bereits vorhandene hervorragende Infrastruktur möglich war.

    Als ich den PAS-4 zum ersten Mal in unserem Haushalt aufstellte, stellte ich fest, dass Röhrengeräte etwas schwieriger aufzustellen sind als Transistorgeräte. Ich zog es vor, den PAS-4 in unser Hauptsystem einzubauen, wo er einen DB1-Vorverstärker ersetzen und mit unserem B&K ST-140-Verstärker an elektrostatischen Martin Logan Lautsprechern spielen sollte. In dieser Position fehlte dem PAS-4 jedoch das obere Frequenzband derart heftig, dass die meisten Transienten verloren gingen und die Musik fade klang. Ja, es klang gerade so, als ob die Röhren das Ende ihrer Lebenserwartung erreicht hätten oder es ein anderes großes Problem mit diesem Vorverstärker gäbe. Nach 2 Tagen des Ausprobierens verschiedener Kabelkombinationen gab ich auf und brachte den PAS-4 zu unserer zweiten Hi-Fi Anlage.

    In seiner neuen Position sollte der PAS-4 unseren Restek V1 Vorverstärker ersetzen und mit einem Hafler XL-280 Verstärker an Tannoy XT8F Lautsprechern spielen. Hier zeigte sich sofort, dass der Panor/Dynaco ein Hafler-Derivat ist. Der PAS-4-Vorverstärker und der Hafler XL-280-Verstärker erwiesen sich als himmlisches Paar. Im Nachhinein ist das vielleicht nicht überraschend, wenn man den Stammbaum des PAS-4 bedenkt, aber für mich war es damals eine Offenbarung. Ich konnte einfach nicht verstehen, wie ein und derselbe Vorverstärker in Kombination mit zwei Verstärkern so unterschiedlich arbeiten konnte, dass er in der einen Position kaputt und in der anderen absolut brillant klang. Zum ersten Mal entsprach der Klangcharakter der Tannoys auch ihrem äußeren Erscheinungsbild. Die XT8F sind nicht gerade kleine Lautsprecher, aber irgendwie hatte der Restek V1 in Kombination mit dem Hafler dafür gesorgt, dass sie zu präzise und akademisch klangen, statt musikalisch und dynamisch.

    Der PAS-4 ist in der Lage, eine riesige Bühne von links nach rechts aufzubauen, die weit über die Lautsprecher hinausreicht. Die Instrumente können sich frei positionieren und es gibt viele dunkle Räume um sie herum. Ich habe festgestellt, dass die Höhen weniger hervorgehoben werden als in Kombination mit dem Restek V1, aber ausgeprägter sind, wo sie auftreten. Transienten sind voll präsent und Klänge verweilen auf realistische Weise. Wie die meisten Röhrengeräte kann auch der PAS-4 Störungen verursachen, die sich in einem Brummen oder Zischen äußern, wenn etwas in der Aufstellung nicht stimmt. Bei meinem ersten Versuch, ihn mit unserem Hafler-Verstärker zu koppeln, hatte ich nicht bemerkt, dass sein Netzkabel das des Hafler-Verstärkers berührte. Dies führte zu einem hörbaren Rauschen auf beiden Verstärkerkanälen. Dieses Rauschen war auch eine geäußerte Beschwerde, die ich in den Rezensionen einiger Besitzer gelesen hatte. Wenn jedoch alles richtig eingestellt ist, verbleibt der PAS-4 in Ruhe jedoch fast so leise wie der Restek V1. Man müsste das Ohr schon direkt an die Hochtöner der Lautsprecher halten, um das restliche Rauschen zu vernehmen.

    Wie bei den meisten ernstzunehmenden HiFi-Geräten wird auch beim PAS-4 der Unterschied zwischen einem Standard-Netzkabel und einem speziell für den Einsatz in Audioanwendungen entwickelten Kabel deutlich. In unserem eigenen System haben wir den PAS-4 mit einem Lapp Ölflex 2,5 mm mit Ferritklemme kombiniert und gute Ergebnisse erzielt, aber ich vermute, dass man mit einem anspruchsvolleren Kabel eine noch bessere Leistung aus diesem Vorverstärker herausholen könnte. Der Unterschied zwischen dem Standardkabel und dem Lapp-Kabel war so eklatant, dass ich vermute, dass weitere Verbesserungen an dieser Stelle noch einmal einen großen Einfluss haben würden.

    Nach dem Einschalten braucht der PAS-4 etwa 15 Minuten, um die Röhren aufzuwärmen. Eigentlich spielt er schon nach 45 Sekunden Musik, aber Klangbild und Dynamik brauchen etwas Zeit, um sich zu entwickeln. Transienten klingen erst nach etwa 30-40 Minuten Spielzeit richtig. Zu diesem Zeitpunkt haben die sechs Röhren ihre volle Betriebstemperatur erreicht - und die ist tatsächlich ziemlich heiß. Das schlanke Gehäusedesign bedeutet, dass die Röhren buchstäblich die Oberseite des Gehäuses berühren, und ich habe inzwischen gelesen, dass viele Benutzer den Deckel komplett abnehmen, um die Belüftung zu verbessern. Meine Gründe, den Deckel trotzdem aufzulassen, sind die Anwesenheit von Kindern im Haushalt und die Überzeugung, dass das Gehäuse wie ein faradayscher Käfig funktioniert, um die inneren Schaltkreise vor Störungen von außen zu schützen.

    Der PAS-4 liefert viel Leistung, wobei die normale Hörlautstärke bei etwa 9 Uhr auf dem Lautstärkeregler erreicht wird. Da dies auch auf unsere DB1- und V1-Vorverstärker zutrifft, vermute ich, dass dies eine allgemeine Tendenz bei audiophilen Vorverstärkern ist. Im Gegensatz zu unseren Transistorgeräten sorgt der PAS-4 für ein beruhigendes Gleichgewicht zwischen Höhen und Bässen, ohne dabei an Transparenz zu verlieren. Stimmen klingen voller und satter, Kontrabässe und tiefe Klaviertöne haben eine größere Dimension und Autorität. Für meine Ohren liefert der PAS-4 eine befriedigendere und realistischere Basswiedergabe ohne die Hilfe eines Subwoofers in unserem System. Unsere Tannoys profitieren sicherlich davon und klingen noch eindringlicher. Es überrascht mich daher nicht, dass der PAS-4 in audioreview mit 4,8 von 5 Sternen bewertet wird. Auch für uns ist dieser unprätentiös aussehende Vorverstärker ein absoluter Geheimtipp. Wenn Sie ein gut erhaltenes Exemplar ergattern können und in der Lage sind, die grundlegenden Modifikationen selbst vorzunehmen: tun Sie es. Wo er hineinpasst, ist der PAS-4 zu diesem Preis nur schwer zu schlagen.

    Technische Daten

    Phono

    • Verstärkung: 40 dB
    • RIAA-Genauigkeit (+/-0,5 dB): 20 Hz - 20.000 Hz
    • KLIRRFAKTOR: <0,025% (@2V RMS Ausgang)
    • Eingangsimpedanz: 47 kOhm (mit 10 pF überbrückt)
    • Signal-Rausch-Verhältnis: -86 dB (<10 mV RMS Eingang)
    • Absolute Phase: nicht invertierend
    • Röhrenbestückung: 2ae 6DJ8/6922; 2ae 12AX7/ECC83

    Line

    • Verstärkung: 18,5 dB
    • Frequenzgang: 2 Hz-150.000 Hz (-3 dB)
    • KLIRRFAKTOR: <0,025% (@2V RMS Ausgang)
    • Eingangsimpedanz: 25 kOhm (nominal, alle Eingänge)
    • Ausgangsimpedanz: 40 Ohm
    • Signal-Rausch-Verhältnis: -90 dB (<10 mV RMS Ausgang)
    • Absolute Phase: invertierend
    • Anstiegsrate: 40 Volt pro uS
    • Röhrenbestückung: 2ae 6DJ8/6922

    Physikalisch

    • Leistungsaufnahme: 45 Watt
    • Abmessungen: (B) 431,8 mm x (H) 952 mm x (T) 304,8 mm
    • Gewicht: 5,44 kg
    • Baujahr: 1993

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  • Hafler DH-110

    Hafler DH-110

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    David Hafler war ein amerikanischer Tontechniker, der vor allem für seine Arbeit an der Verbesserung des Williamson-Verstärkers durch den Einsatz ultra-linearer Schaltungen bekannt wurde. Sein Hintergrund als Hersteller von linearen Netzteilen für den Einsatz in Audioanwendungen führte zur Gründung von Dynaco und später, im Jahr 1972, zur Gründung der David Hafler Company, einem Hersteller von hochwertigen Audioprodukten zu erschwinglichen Preisen. Unter der Leitung ihres Gründers produzierte die Firma viele berühmte Vorverstärker, darunter den DH-101 und DH-110, sowie eine Reihe von MOSFET-Endstufen, darunter den DH-120, DH-200, DH-220, DH-500 und XL-280.

    Der Hafler DH-110 war der zweite Vorverstärker, den das Unternehmen entwickelte. Er löste den DH-101 ab und wurde von den frühen 1980ern bis in die frühen 1990er Jahren gebaut. In typischer Hafler-Manier gab es das Gerät sowohl als Bausatz als auch komplett vormontiert zu kaufen. Der DH-110 hat ein schlankes und unauffälliges Design und ist sehr gut ausgestattet. Zu den Features gehören ein Kopfhörerverstärker, eine Stummschaltung zur Verhinderung von nachgeschaltetem Rauschen, ein Mono- und Tonregler-Defeat-Schalter, ein Rumpelfilter sowie eine externe Schleife zur weiteren Signalverarbeitung. Das Gehäuse ist gut konstruiert und durch eine vollständige Kupferbeschichtung vor äußeren Störeinflüssen geschützt, ähnlich wie bei den Harman/Kardon-Designs dieser Zeit. Mit zwei Tape-Schleifen und Anschlüssen für zwei Phonostufen bietet der Verstärker eine hervorragende Anschlussvielfalt.

    Während es sich um einen für den Preis sehr guten Vorverstärker handelt, der klanglich durchaus mit modernen Designs der mittleren Preisklasse mithalten kann, gibt es auch einige Kritikpunkte. Zum Beispiel ist der Kopfhörerausgang nicht sehr laut. Wenn Ihr Kopfhörer also viel saubere Leistung braucht, ist dieser Vorverstärker vielleicht nicht das Richtige für Sie. Die Lautstärkestufen des Potis sind recht groß, was vor allem nachts zum Problem wird, wenn das Haus noch schläft und die Stufen bei geringer Lautstärke den Hörer zwischen zu leise und zu laut schwanken lassen. Ein weiteres Problem ist, dass nur einer der beiden Ausgänge tatsächlich durch den Lautstärkeregler läuft, was diesen Vorverstärker nicht gerade zu einem guten Begleiter macht, wenn man Bi-Amping betreiben oder einen Subwoofer hinzufügen möchte. - Wer auch immer so etwas attraktiv findet. In Kombination mit dem Hafler-Verstärker DH-120 erzeugt das Gerät einen anständigen und musikalischen Klang mit viel Vorwärtsdrang. Er ist nicht so fein und raffiniert wie der Restek V1 oder der DB Systems DB1 Vorverstärker, aber diese kosten 3-5 mal so viel wie der Hafler, und viele werden sich fragen, ob es sich wirklich lohnt, den Aufpreis zu zahlen.

    Technische Daten

    PHONO-VORVERSTÄRKER-SEKTION

    • Nennleistung: 3 Wms, 8 Hz-105.000 Hz
    • Maximale Ausgangsleistung (3,5): 12 Vrms, 20 Hz-20.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: Weniger als 0,0006 % bei 1 kHz
    • RIAA-Entzerrungsgenauigkeit: +0, -0,1 dB, 30 Hz-15.000 Hz
    • Volle Leistungsbandbreite: -6 dB, 4 Hz-210.000 Hz
    • Empfindlichkeit (3.7): 12,5 Millivolt
    • Signal-Rauschabstand: 87 dB
    • Anstiegsrate: 12 Volt pro Mikrosekunde

    LEITUNGSVERSTÄRKERTEIL

    • Nennausgang: 3 Vrms, 4 Hz-210.000 Hz
    • Maximale Ausgangsleistung (3,5): 14 Vrms, 20 Hz-20.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: <0,001%, 20 Hz-20.000 Hz
    • Signal-Rauschabstand: 90 dB
    • Anstiegsrate: 12 Spannungen pro Mikrosekunde
    • Anstiegszeit: maximal 2,5 Mikrosekunden
    • Kanaltrennung: > 82 dB @ 1 kHz

    ALLGEMEINE SPEZIFIKATIONEN

    • Eingänge: 2 Phono, Tuner, Compact Disc oder Video, 2 Tonbandgeräte, EPL
    • Ausgänge: 2 Tonband (gepuffert), 2 Line, EPL, Kopfhöreranschluss
    • Bedienelemente: Lautstärke, Balance, Bass, Höhen, Eingangswahlschalter, Phono l/2-Wahlschalter,
    • Monitor-Wahlschalter, Mono-Stereo, Filter, externe Prozessorschleife,
    • Leistungsaufnahme: 3,5 Watt
    • Abmessungen: 17" breit x 3" hoch x 81⁄2" tief
    • Nettogewicht: 5 kg

  • Rotel RC-960BX

    Rotel RC-960BX

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Rotel hat heute einen guten Namen, wenn es um schnörkellose HiFi-Komponenten geht, die das bieten, was man als "britischen Klang" bezeichnet. In diesem Zusammenhang war ich überrascht zu erfahren, dass Rotel ein japanischer Hersteller von Audio- und Videogeräten in Familienbesitz ist, der im Jahr 1961 gegründet wurde. Vielleicht hat sich das Image von Rotel als britischer Hersteller bei mir durch die 40-jährige strategische Allianz mit Bowers & Wilkins in Worthing, Großbritannien, eingeprägt. Vielleicht liegt es aber auch an dem eher englisch oder zumindest germanophon klingenden Firmennamen. In den Firmendaten ist zu lesen, dass Rotel von Tomoki Tachikawa gegründet wurde, heute von seinem Neffen Peter Kao geleitet wird und durch den Aufbau des weltweiten Vertriebsnetzes für den Lautsprecherhersteller einen großen Einfluss auf die Ausrichtung von Bowers & Wilkins hatte.

    Obwohl Rotel in erster Linie für sein Angebot an High-End-HiFi-Komponenten, einschließlich Verstärkern und Vorverstärkern, bekannt ist, hat das Unternehmen immer auch eine Reihe erschwinglicher Einsteigergeräte im Programm gehabt, die mit den Rotel-Design-Merkmalen aufwarteten und den Mythos des britischen Sounds" an eine neue Generation von Audio-Enthusiasten weitergaben. Der Rotel RC-960BX z.B. ist ein solcher Fall. In Verbindung mit einem oder zwei der RB-960BX-Doppelmono-Endstufen konnte die Kombination aus Vorstufe und Verstärker viele zeitgenössische Receiver derselben Preisklasse in Bezug auf klangliche Ausgewogenheit und Durchsetzungsvermögen spielend übertreffen. Das kluge Fehlen von Reglern und die Möglichkeit, die verbliebenen Potis zu umgehen, gepaart mit der Trennung von Kanälen und Aufgaben, brachte etwas Solides auf den Tisch, das vielen anderen Geräten fehlte. Für einen Denon-Verstärker der mittleren Preisklasse war der Rotel-Kombi eine echte Offenbarung.

    Obwohl der Rotel-Klang als anspruchsvoll bezeichnet werden kann, bewahrt das hier gezeigte Einsteigergerät die klangliche Ausgewogenheit auf Kosten der höchst ansprechenden Musikalität, die wir von Hafler-, Restek- und DB-Systems-Vorverstärkern kennen. Die Bauqualität zeigt einige offensichtliche Opfer einer sorgfältigen Budgetierung: eine Bodenplatte aus Kunststoff (geht eigentlich gar nicht), die auch noch während des Transports zerbrach und seitdem durch eine solidere Version ersetzt wurde, Absorberfüße aus Kunststoff, die ein integraler Bestandteil der zerbrochenen Bodenplatte waren und ebenfalls ersetzt wurden, ein billiges, aber recht häufig vorkommendes gefaltetes Blechgehäuse ohne Kupferbeschichtung, eine Einzelplatinen-Konstruktion, auf der ein brummender Transformator direkt platziert ist, ein Balance-Regler, der Teil des Lautstärkereglers ist und sich im Allgemeinen etwas unsicher anfühlt, wenn man versucht, die richtige Balance zu finden. Während die Leistung in der gegebenen Preisklasse lobenswert ist, reichen die Klavierklänge nicht so tief in den Raum wie bei den anderen Geräten, die Trennung der Instrumente ist vorhanden, aber nicht großartig. Die Bühne fühlt sich enger an als bei den anderen Geräten, obwohl ein großartiges Bild in der Stereomitte entstwht und die Mitten schön und voll sind, Eigenschaften, die gleichzeitig liebenswert sind.

    Ich fand, dass der Rotel gut mit Soft-Dome-Hochtönern und generell mit Lautsprechern zusammenarbeitet, die gelegentliche Fehler überspielen. Der RC-960BX ist keine schlechte Wahl, wenn man in den High-End-Bereich einsteigt und viele Geräte auf einmal kaufen muss. Er ist in der Regel preiswert, wenn man ihn gebraucht kauft. Achten Sie nur darauf, dass die Bodenplatte beim Transport nicht kaputt geht, denn das die wirklich mühsam zu reparieren.

    Technische Daten

    • Frequenzgang (Line): 4 - 100.000 Hz, -3 dB
    • Frequenzgang (Phono): 40 - 100.000 Hz, +/- 0,2 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: < 0.004%
    • Signal-Rauschabstand (Line): 95 dB
    • Rauschabstand (Phono MM): 78 dB
    • Signal-Rausch-Verhältnis (Phono MC): 64 dB
    • Abmessungen: (B) 440mm x (H) 72mm x (T) 286mm
    • Gewicht: 3,0 kg (jetzt 5,5 kg, mit neuer Bodenplatte und Füßen)

  • Thorens Restek V1

    Thorens Restek V1

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die Restek Elektronik Hugo + Elschot oHG wurde im September des Jahres 1975 von zwei Elektronikingenieuren gegründet. In den Anfangsjahren stellte das Unternehmen neben HiFi-Geräten auch Elektrofahrzeuge und Komponenten für industrielle Anwendungen her. Die ersten HiFi-Komponenten wurden ab 1977 am Firmensitz in Fuldabrück produziert. Obwohl jedes verkaufte Gerät vor Ort entwickelt und von Hand zusammengebaut wurde, arbeitete Restek beim Vertrieb seiner Produkte mit dem HiFi-Hersteller Thorens zusammen. Obwohl Restek vor allem für seinen außergewöhnlichen Tuner FM-3003 bekannt ist, gehörte der Class-A-Vorverstärker V1 zu den allerersten Produkten, die das Unternehmen überhaupt produzierte. Das Label "High End Audio made in Germany" hat das Unternehmen bis heute im Geschäft gehalten, und einer der beiden Firmengründer, Adrianus Elschot, leitet das Unternehmen auch heute noch.

    Restek stellte zwei Vorverstärker mit dem Namen V her, nämlich den hier gezeigten V1 und den V2a. Letzterer bot erweiterte Funktionen, wie z.B. Fernschaltung, separate Kopfhörer-Pegeleinstellung und Anschlüsse für zwei Tape-Schleifen statt nur einer. Der V1 ist sicher die bessere Wahl für Puristen und bietet einige sehr vielversprechende Funktionen. Ein gestufter Lautstärkeregler sorgt für maximalen Kontakt und Kanalbalance bei jeder Lautstärke, separate Ausgangspegelpotis auf der Rückseite des Geräts ermöglichen eine optimale Balanceeinstellung und Anpassung an den Verstärker. Im Interesse der Signalintegrität wurde auf alle unnötigen Schalter und Regler verzichtet, wie z.B. Tonpegelanpassungen oder Loudness-Schaltungen. Der Restek V1 kann sowohl MM- als auch MC-Phono-Tonabnehmer verarbeiten und verfügt neben Phono über Cinch/RCA-Anschlüsse für einen Tuner, ein nicht genauer spezifiziertes Gerät wie z.B. einen DAC und für eine Bandmaschine.

    Das Gerät ist in der Lage, Frequenzen von 2 bis 200.000 Hz wiederzugeben. Die zwischen 20 und 20.000 Hz gemessene Linearität liegt bei erstaunlichen +/- 0 dB (THD 0,001%) und selbst für Phono bei nur +/- 0,2 dB (THD 0,004%). Die damals noch junge Zeitschrift "Audio" verglich dieses Gerät eines relativen Newcomers sogar mit den etablierten Produkten von Burmester und anderen High-End-Herstellern der damaligen Zeit. Wie sehr ein Unternehmen hinter seinen Produkten steht, lässt sich oft daran ablesen, wie viel Support man auch noch 40 Jahre nach dem ursprünglichen Kaufdatum erwarten kann. Im Falle von Restek kann man den Service durchaus als hervorragend bezeichnen. Hier ist der Grund dafür:

    Als das hier gezeigte Gerät im Jahr 2017 erste Alterserscheinungen zeigte, haben wir uns gefreut, dass es nicht nur Service, sondern auch ein komplettes Upgrade gab. Dies beinhaltete: Austausch der Relais und aller Elektrolytkondensatoren, Abgleich und Austausch von Bauteilen, die außerhalb der Spezifikationen lagen, Schaltungsmodifikationen nach neuestem Standard der Technik und der Einbau neuer Operationsverstärker. Mit anderen Worten: eine komplette Überarbeitung des mehr als 40 Jahre alten Geräts, um es für das neue Jahrtausend fit zu machen.

    Technische Daten

    • Typ: Transistor-Vorverstärker der Klasse A
    • Frequenzbereich: 2 - 200.000 Hz
    • Frequenzgang (2-200.000 Hz): -3dB
    • Frequenzgang (20-20.000 Hz): +/- 0 dB, Phono +/- 0,2 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,001%, Phono 0,004%
    • Ext. Potentialdifferenz: 128 dB (Phono)
    • Kanal-Trennung: 110 dB
    • Intermodulation: 0,001%
    • Anstiegsrate: 15 V/uS
    • Abmessungen: (B) 360 mm x (H) 50 mm x (T) 190 mm
    • Gewicht: 3,6 kg

Leistungsverstärker

Leistungsverstärker

Ein Leistungsverstärker nimmt den relativ schwachen Strom aus dem Vorverstärker auf und nutzt ihn, um einen Regler zu betreiben, der einen hohen Strom aus dem Stromnetz steuert. Der Regler kann in Form eines Transistors, einer Röhre oder eines digitalen Schalters ausgeführt sein. Sowohl Transistoren als auch Röhren strahlen während des Betriebs viel Wärme ab. Röhren vor allem wegen ihrer hohen Betriebstemperatur aus Heizung und Bias und Transistoren wegen ihrem Ruhestrom und der linearen Steuerung einer hohen Energiequelle. Klassische Transistoren sehen rund und glänzend aus, ähnlich wie Röhren. Um reine Leistungsverstärker begrifflich besser von integrierten Verstärkern (bestehend aus Vor- und Endstufe) unterscheiden zu können, benutzt man häufig den Begriff Endstufe.

Eine gute Endstufe benötigt einen starken, strahlungsarmen Transformator (oft als Ringkern oder gekapselt ausgeführt), der sowohl den Betriebs- als auch den Verstärkerstrom liefert, und viel spontane Energie, die in großen Elkos (ähnlich wie ultraschnelle Batterien) gespeichert wird, um Musikspitzenleistung zu liefern, die das Stromnetz sonst nicht schnell genug bereitstellen könnte. Außerdem werden eine Steuerungsplatine und mindestens ein Transistor (oder ähnliches) pro Kanal benötigt, die in der Regel zur Kühlung auf großen Kühlkörpern montiert sind.

Aus der Kombination dieser Teile ergibt sich die Nennleistung des Verstärkers. Diese wird normalerweise in zwei Zahlen angegeben: Watt und Ohm. Die Wattzahl gibt die Fähigkeit an, Leistung an einen Lastwiderstand abzugeben, dessen Wert in Ohm angegeben wird. Wenn Sie den Lastwiderstand auf der Seite des Lautsprechers verringern, erhöht sich theoretisch die Fähigkeit, auf der Seite der Endstufe Watt zu liefern. Dem ist jedoch schon durch das Netzteil eine natürliche Obergrenze gesetzt, denn eine geringere Last bedeutet auch mehr Rückstrom zum Verstärker, der irgendwann entweder instabil wird, überhitzt und abschaltet oder stirbt, wobei er vielleicht die Lautsprecher beschädigt.

  • Audio Research D-115

    Audio Research D-115

    9.7.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Seit dem Erlebnis, mit seinem Dynaco ST-70 zu musizieren, hatte mein Freund Luigi den Markt nach einer Vollröhren-Vor- und -Endstufenkombination durchforstet, die auch die anspruchsvollsten Lautsprecher mit reichlich Leistung versorgen konnte. Dies erwies sich als schwierige Aufgabe, da große Röhrenverstärker seit mindestens 30 Jahren aus der Mode gekommen waren. Eines Abends rief er mich an, um mir mitzuteilen, dass er einen Kauf getätigt hatte. Es handelte sich um einen Audio Research SP6 Vorverstärker und eine D-115 Röhrenendstufe, die beide eine umfassende technische Überholung benötigten. Er brachte die Geräte daraufhin zum Techniker seines Vertrauens, und für die nächsten Monate war dies das letzte, was wir von ihnen hörten.

    Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ich zu einer Hörsitzung in Luigis Haus eingeladen und bemerkte sofort die großen silbernen Frontplatten, die so typisch für die Audio Research Produkte der 80er Jahre sind. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Sie waren also endlich aus der Werkstatt zurückgekommen, mit neuen Qualitätskondensatoren ausgestattet, mit frisch gelöteten Anschlüssen und einem brandneuen Satz feinster Röhren, die sorgsam aufeinander abgestimmt waren. Der ganze Staub von 40 Jahren war entfernt worden, und es war viel Liebe und Energie investiert worden, um diesen Satz von Röhrengeräten zu einem der besten seiner Art auf dem heutigen Audiomarkt zu machen.

    Wie ich herausfinden sollte, ist diese Art von Geräten die Mühe auf jeden Fall wert. Audio Research hat unter Röhren-Enthusiasten einen ausgezeichneten Namen. In der Tat kann das Unternehmen auf eine lange Geschichte von Audioexzellenz zurückblicken und ist heute der älteste noch existierende Hersteller von High-End-Audioprodukten. Audio Research gilt als Begründer des Begriffs High End Audio, und ihr SP-3 High Definition Vorverstärker galt über viele Jahre hinweg als der beste Vorverstärker auf dem Markt. Eine ganze Reihe von Produkten der Audio Research Corporation (ARC) wurde von einigen der einflussreichsten Audiomagazine der 1980er Jahre, darunter 'The Absolute Sound' und 'Stereophile', zum offiziellen Maßstab für Musik erklärt. Lesen Sie die vollständige Geschichte der Audio Research Corporation in meinem Bericht über den SP-6.

    Anstatt die Vorverstärker-Endstufen-Kombination als Ganzes zu hören, kamen Luigi und ich überein, dass wir beim Schreiben von Testberichten lieber schrittweise vorgehen sollten. Es wäre viel interessanter zu erfahren, wie die einzelnen Komponenten im Vergleich zu den Geräten, die wir schon kannten abschnitten. Daher nahm ich im Dezember 2020 zunächst den Vorverstärker ARC SP-6 zum Test mit nach Hause. Trotz seines fortgeschrittenen Alters lieferte die große und schwere Vorstufe eine hervorragende Leistung ab und ließ unseren ansonsten hervorragenden DB Systems DB1-Vorverstärker im direkten Vergleich etwas dünn und analytisch klingen. Und obwohl ich nach dem Test keine Schwierigkeiten hatte, mein Ohr wieder an den vertrauten Klang unseres DB1 zu gewöhnen, schätze ich den SP-6 immer noch sehr hoch ein. Er inspirierte mich sogar dazu, ein paar Monate später unsere erste eigene Röhrenvorendstufe zu erwerben.

    Nachdem ich die SP-6-Vorstufe an Luigi zurückgegeben hatte, zögerte ich, den dazugehörigen ARC D-115 zum Testen mitzunehmen. Ich hegte die Vermutung, dass der Umgang mit dieser Endstufe nicht ganz so einfach sein würde. Ein Grund für diesen Verdacht war das Gewicht des Verstärkers. Mit seinen 3+1 großen Transformatoren und der dicken Sandwich-Bodenplatte wog er knapp über 30 kg. Und da die Lautsprecherklemmen auf der Rückseite herausragten, konnte ich ihn auch nicht einfach an den Griffen anfassen. Der D-115 musste vielmehr waagerecht getragen werden, wie ein Serviertablett, was die Tatsache, dass es sich um ein sehr schweres Gerät handelt, nur noch mehr unterstrich. Als ich ihn schließlich nach Hause brachte, kam ich mitten in der Nacht an unserem Haus an und telefonierte mit meiner Frau, damit sie mir dabei half, den D-115 die lange Treppe hinaufzutragen. Ich erinnere mich, dass mir das ziemlich peinlich war, denn ich fühlte mich wie jemand, der sich übernommen hatte.

    Aber das Gewicht war nicht der einzige Faktor. Der zweite Faktor war seine Betriebstemperatur. Wenn er eingeschaltet war, zog der D-115 im Leerlauf fast 400 Watt aus dem Netz. Das ist eine Menge Saft für ein Gerät, das noch keine Musik spielt, und der größte Teil dieser Energie wurde dabei einfach in Wärme umgewandelt. Als ich den Verstärker in unser Rack stellte, musste ich zunächst einige Anpassungen vornehmen, um ihm die nötige Belüftung zu verschaffen. Dazu musste ich ein Regalbrett herausnehmen und die vordere Tür demontieren. Aus reiner Neugierde habe ich dann eines der Badethermometer unserer Kinder auf das Gitter über den Röhren gelegt. Es erreichte bald 50 Grad Celsius, was auch das Ende der Skala dieses Thermometers war. Dies war ein sicherer Hinweis darauf, dass eine Vollröhren-Endstufe ein wirklich ernstzunehmendes Gerät ist, das vor der ersten Inbetriebnahme einige Überlegungen und Aufmerksamkeit erfordert.

    Der D-115 wird idealerweise in Bodennähe aufgestellt, wo er relativ kühl ist und die von den Transformatoren ausgehenden Vibrationen direkt auf den Boden geleitet werden können. Die drei Gummifüße der Endstufe sorgen dafür, dass sie nicht wackeln kann, wenn sie auf einer stabilen Unterlage steht. Eine gründliche mechanische Entkopplung von den Quellgeräten ist bei einem Verstärker dieses Kalibers ratsam. Ich habe manchmal gelesen, dass Röhrenverstärker es bevorzugen, an annähernd linearen 8-Ohm-Lasten oder höher zu spielen. Andererseits gibt es einige Berichte, dass der D-115 auch mit anspruchsvollen Magnepan- und Martin Logan-Lautsprechern erfolgreich zusammenspielt. Aus diesem Grund hielt ich es für sicher, meine Erkundung mit unseren elektrostatischen SL3-Lautsprechern über die 4-Ohm-Ausgangsklemmen der Endstufe zu beginnen, bevor ich versuchte, sie mit unserem 8-Ohm-Tannoy-System zu verbinden. Der Verstärker verfügt über separate Klemmen für 16-, 8- und 4-Ohm-Lautsprecher - ein weiterer Hinweis darauf, dass 4-Ohm-Verbindungen ebenfalls vorgesehen sind. Der Anschluss an die richtige Klemme ist wichtig, um den D-115 vor unerwünschten Rückstrompegeln zu schützen.

    Martin Logan SL3 (DB Systems DB1)

    Nachdem sich die Röhren etwa 30 Minuten lang ohne Musik aufgeheizt hatten, begann ich meine Session mit “Turn up the quiet” by Diana Krall. Das Album ist schon seit einiger Zeit mein persönlicher Maßstab für Studioaufnahmen. Als ich die vertrauten Songs des Albums abspielte, fiel mir als erstes der dicke und fruchtige Mitteltonbereich des D-115 auf, der sich um Diana Kralls Gesang herum manifestierte. Die Stimme der Sängerin hatte mehr Gewicht, als ich es von unserer B&K ST-140 Class-A MOSFET-Endstufe gewohnt war. Der Fokus lag mehr auf der Stimme selbst, während die Instrumente etwas zurückgesetzt waren. Der Klang war dunkler und tonal reichhaltiger, so wie man es von einer Live-Performance erwarten würde. Während der ST-140 selbst die kleinsten Nuancen der Studioaufnahme herausgearbeitet hatte, zeichnete der Audio Research D-115 ein etwas homogeneres und lebendiger klingendes Bild.

    Nachdem ich eine Zeit lang Diana Krall gehört hatte, wechselte ich zu "All the Little Lights" von Passenger. Das war früher einmal meine liebste nicht-audiophile Aufnahme gewesen. Für ein Singer-Songwriter-Album ist "All the Little Lights" eine gelungene Aufnahme, doch mit jedem Fortschritt der Technologie auf meiner Seite begann ich auch die Grenzen des Studios zu hören. Zu meiner Freude funktionierte die eher nachsichtige Herangehensweise des D-115 an die Musik bei diesem Album ziemlich gut. Der Verstärker war aufschlussreich genug, um die Musik unterhaltsam zu machen, aber er reichte nicht so tief in die Räume hinein, wie es einige seiner Transistor-Konkurrenten taten. Ich fand das Hören von Passenger klanglich charmant und gelegentlich magisch. Der D-115 klang weder technisch noch übermäßig analytisch. Es gab keine Spur von Härte, und das musikalische Gesamtbild erwies sich als nicht ermüdend.

    Obwohl der D-115 vielleicht nicht so viel Präsenz an den Frequenzextremen bot wie einige seiner neueren Cousins, präsentierte er seine Musik mit viel Schwung und Rhythmus. Dieser Eindruck wurde durch die Tatsache unterstützt, dass er eine riesige und geräumige Klangbühne mit fulminanten und dennoch beruhigend intimen Stimmen erzeugte. Und - obwohl die Basskontur etwas eingeschränkt war, was vielleicht auf den relativ geringen Dämpfungsfaktor zurückzuführen ist - fühlte sich die Basswiedergabe insgesamt natürlich an. Röhrenverstärker haben die besondere Eigenschaft, mit dem Hörraum in einer Weise zu interagieren, wie es Solid-State-Endstufen einfach nicht schaffen. Die Wirkung auf Stimmen ist magisch, und es wird angenommen, dass dies nur bei Röhren der Fall ist. Mit seinem starken Mittenfokus hat der D-115 die Stimme des Sängers auf Anhieb gefunden und umschmeichelt. Und die gleiche Magie geschah, wenn Streicher gespielt wurden.

    Das letzte Album, das ich mir anhörte, war “Foot Tappin’ Boogie” by Jörg Hegemann. Dieses Album ist noch relativ neu in meiner Benchmark-Reihe, und dennoch genieße ich jede Minute davon. Da Jörgs Album überwiegend instrumental ist, konnte ich mich auf die Darstellung der Instrumente durch den D-115 konzentrieren. In diesem Zusammenhang hatte ich das Gefühl, dass der Audio Research Kontrabass gegenüber Klavier leicht bevorzugt wiedergibt, insbesondere in Kombination mit den SL3-Lautsprechern. Während der Kontrabass vollständig und detailliert dargestellt wurde, hatten vor allem die höheren Klaviertasten nicht die gleiche durchdringende Autorität, die ich von unserem B&K ST-140 gewohnt war. Es stellte sich heraus, dass der D-115 ziemlich empfindlich auf Probleme mit dem Netzkabel reagiert. Ich konnte die Klavierwiedergabe verbessern, indem ich das Netzkabel der Endstufe so von allen anderen Kabeln entfernte, dass sie sich weder berührten noch kreuzten. Eine erneute Wiedergabe desselben Stücks zeigte eine gewisse Verbesserung der Klaviertöne, obwohl ein hörbarer Unterschied zum Solid-State-Verstärker bestehen blieb.

    Tannoy XT8F (Dynaco PAS-4)

    Der folgende Probelauf des D-115 in Kombination mit unserer Tannoy-Anlage mit Dynaco-Röhrenvorverstärker führte zu einem aufschlussreicheren und vielleicht auch besser anwendbaren Ergebnis. Ähnlich wie beim ersten Szenario erzeugte das Vollröhren-Setup eine riesige und faszinierende Klangbühne, wobei die Musik üppig, agil und nach vorne gerichtet war. Da ich nur zwei Meter von den Lautsprechern entfernt saß, konnte ich förmlich spüren, wie die D-115 die Musik mit Wucht auf mich schleuderte. Als ich durch den großzügigen Raum ging und in verschiedenen Positionen hörte, wurde mir klar, dass diese Endstufe große Räume mit Leichtigkeit füllen konnte und ihre volle Dynamik in jeder Ecke entfaltete, selbst bei geringer Lautstärke. Während die Abbildung mit unseren Solid-State-Endstufen vielleicht etwas knackiger war, zeichnete sich der Audio Research dadurch aus, dass er jedem Klang einen vollen Körper und eine lebensechte Dimension verlieh, mit exzellentem Klavier und Kontrabass bei Diana Kralls "No Moon at All".

    Der D-115 klang nicht aggressiv, sondern wies einen dezenten Höhenabfall auf. Im Gegensatz zu unseren Solid-State-Endstufen blieben Klaviertöne durchweg nicht durchdringend. Bei der Stimme von Diana Krall bemerkte ich ein leichtes Zischeln, das möglicherweise von dem von mir verwendeten einfacheren Netzkabel herrührte und das ich bei unserem anderen System mit dem hochwertigeren Kabel nicht bemerkt hatte. Im Vergleich zu unseren Solid-State-Verstärkern reichten die Basstöne der Röhrenendstufe nicht ganz so tief. Diana Krall z.B. beendet ihre Songs oft mit einem Bassschlag auf dem Klavier, ebenso Jörg Hegemann in "Foot Tappin' Boogie". Der Effekt kommt besonders zur Geltung, wenn die Musik über unsere Silberkabel abgespielt wird. Beim Hören mit dem D-115 war dieser finale Wumms zwar hörbar, aber nicht ganz so ausgeprägt. Aus meinen früheren Erfahrungen mit Hafler erinnerte ich mich daran, dass die wahren Vorzüge eines Verstärkers oft erst dann beurteilt werden können, wenn man ihn aus einem anderen Raum bei offener Tür spielen hört und sich die Frage stellt: "Was spielt da: ein Hi-Fi Anlage oder eine Band?" Für den D-115 fällt die Antwort auf diese Frage eindeutig in Richtung letzteres aus.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Audio Research D-115 ein hoch-musikalischer Röhrenverstärker für erfahrene Audio-Enthusiasten ist, die sich lieber klanglich umschmeicheln lassen, als sich von einer großen Reichweite beeindrucken zu lassen. Er treibt bevorzugt konventionelle Lautsprecher mit höheren und linearen Ohm-Lasten an. Für eine Röhrenendstufe bietet der D-115 einen ausgewogenen und weichen Klang mit einer leichten Betonung der Stimmen, die er üppig und voll wiedergibt. Der D-115 bietet keine beeindruckenden Basskonturen oder auffällige Höhen, sondern vielmehr einen großen und weiträumigen Klang, der sehr einnehmend und nicht ermüdend zu hören ist. Späteren Modellen desselben Herstellers wird nachgesagt, dass sie in den Frequenzen ausgedehnter, analytischer und weniger charmant klingen. Für audiophile Hörer, die über die notwendigen Fähigkeiten und Ressourcen verfügen, um eine Vollröhren-Endstufe dieses Kalibers bei sich einzurichten und auf die richtigen Erkenntnisse zu warten, ist der D-115 sicherlich eine ausgezeichnete Wahl.

    Ich danke Luigi für diese neue Möglichkeit der Erkundung. Dank seiner Leidenschaft und seines guten Gehörs habe ich in nur wenigen Jahren mehr über HiFi erfahen, als ich es sonst in einem ganzen Leben hätte erreichen können. Obiges ist ein Bericht über meine subjektiven Hörerlebnisse mit dem D-115 in unseren beiden Anlagen in der Zeit vom 5. bis 9. Juli 2021. Wie immer in HiFi können alternative Abhöraufstellungen zu anderen Ergebnissen führen. Leser, die mit dem D-115 oder verwandten Vollröhren-Geräten vertraut sind, können uns gerne einen Kommentar hinterlassen.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung: 100 WPC (16 Ohm, 20 Hz bis 20.000 Hz < 1% THD)
    • Harmonische Gesamtverzerrung: <005%, 1 Watt
    • Leistungsbandbreite: 10 Hz bis 60.000 Hz, -3 dB
    • Eingangsempfindlichkeit: 1,2 V RMS
    • Eingangsimpedanz: 75 kOhm
    • Ausgangsregelung: 0,4 dB, 16 Ohm
    • Negative Rückkopplung: 20 dB
    • Dämpfungsfaktor: 20
    • Anstiegsrate: 15 V/µs
    • Anstiegszeit: 5 µs
    • Brummen: 90 dB unter dem Ausgang
    • Stromversorgung: 1000 Watt, 280 Joule; 400 Watt im Leerlauf
    • Röhren-Bestückung: 4 x angepasste Paare KT77; 1 x 6550, 1 x 12AT7; 7 x 6DJ8/ECC88
    • Abmessungen: (B) 480 mm x (H) 180 mm x (T) 420 mm
    • Gewicht: 31 kg
    • Baujahr: 1983-1989

  • B&K ST140

    B&K ST140

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    B&K Components Ltd. wurde im Jahr 1981 von John Beyer und Steve Keiser in Buffalo, NY, gegründet. Das Unternehmen entstand aus einem ersten Endstufenentwurf, den Steve Keiser während seines letzten Studienjahres an der Elektroingenieurschule entwickelt hatte. Als er diesen John Beyer zeigte, der sich mit dem Gedanken trug, eine Stereoanlage für seinen eigenen Gebrauch zusammenzustellen, war John von der Leistung des Geräts so überwältigt, dass er Steve davon überzeugte, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, um es zu vermarkten. Zunächst wurden alle Geräte in Handarbeit und von den neuen Eigentümern selbst gebaut. Ab der CES-Messe in Chicago, auf der die Produkte zum ersten Mal einem größeren Publikum vorgestellt wurden, fungierte John Beyer als Vertriebs- und Geschäftsleiter, während Steven Keiser alle technischen Funktionen übernahm.

    Der erste Verstärker trug den Namen ST-140 und sollte aufgrund seiner Musikalität und seines günstigen Kaufpreises ein sofortiger Erfolg bei Audiophilen werden. Die erste Version des ST-140 leistete 70 Watt pro Kanal an 8 Ohm und verwendete einen Standard-Eisenkerntransformator. Das hier gezeigte Modell ist die aktualisierte Version mit einem Ringkerntransformator und 105 Watt pro Kanal an 8 Ohm. Von Anfang an verfolgte der ST-140 einen wirkungsvollen "Weniger-ist-mehr"-Ansatz, der ihn zur idealen Spielwiese für Musikenthusiasten macht. Zwar konnte bei einem solch simplen Design musikalisch auch einiges schief gehen, doch die richtige Aufstellung und Kombination von Zubehör führt in dem hier vorliegenden Fall zu einem höchst ansprechenden, weil ungefilterten Musikerlebnis.

    Im Laufe der Jahre hat B&K den größten Teil seines Einkommens aus dem Original Equipment Manufacturing (OEM) bezogen, also der Entwicklung, Konstruktion und Herstellung von Produkten für andere Elektronikunternehmen, die unter deren verschiedenen Markennamen verkauft werden. B&K hat dabei viele Endstufen und andere Komponenten hergestellt, die unter Markennamen wie Crestron, Harman / Kardon, Lexicon und Onkyo Integra Research verkauft wurden.

    Der ST-140 basiert auf einem einfachen, von Dynaco inspirierten Design, das in der Lage ist, an niederohmigen Lasten zu arbeiten, ein wichtiges Kriterium, wenn man "schwierige" Lautsprecher wie elektrostatische oder magnetostatische Designs antreibt. Dies gilt insbesondere für die überarbeitete 1989er Version des Verstärkers. Musikalisch bietet er großartige Ausgewogenheit und Dynamik und lässt in diesem Sinne eine musikalische Darbietung wirklich "singen und atmen". Vergleicht den ST-140 mit anspruchsvolleren Endverstärkern wie z.B. dem leistungsstärkeren Harman / Kardon “Citation 22” mit satten 200 Watt pro Kanal an 8 Ohm, ist das überragende Maß an Transparenz und Musikalität des kleineren ST-140 wirklich erstaunlich.

    Technische Daten

    • Typ: Transistor-Stereo-Endstufe
    • Hersteller: B&K Components Ltd. in Buffalo, NY
    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 105 Watt pro Kanal
    • Harmonische Gesamtverzerrung (5 Hz - 45.000 Hz): 0.09%
    • Frequenzgang: 3 Hz - 70.000 Hz.
    • Jahr: 1989, überarbeitete 105-Watt-Version

  • B&K Sonata M-200

    B&K Sonata M-200

    31.8.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Haben Sie eine "Bucket List"? Manchmal höre und lese ich von Menschen, die eine persönliche Liste mit Erfahrungen erstellen, die sie im Laufe ihres Lebens noch machen wollen. Ich nehme an, dass auf solchen Listen Orte stehen, die man bereisen möchte, und Erlebnisse, die man haben möchte, und bis vor ein paar Tagen war mir gar nicht bewusst, dass ich überhaupt etwas auf einer solchen Liste stehen habe. Aber als ich in Luigis neuer Wohnung vorbeischaute, um mir seine aktuelle HiFi-Anlage anzuhören, und er mir vorschlug, seine beiden B&K Sonata Monoblock Endstufen auszuprobieren, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich einen wichtigen Punkt von meiner Liste streichen konnte.

    Seit ich zum ersten Mal einen ST-140 Stereoverstärker gehört habe, bin ich ein Fan des B&K-Sounds. Diese relativ preiswerten Endstufen sind simpel aufgebaut, bieten eine große Musikalität und sind gleichzeitig sehr artikuliert in ihrer Präsentation. Es gibt nichts Nachlässiges oder Beiläufiges an ihrem Umgang mit Musik. Und wenn der 105-Watt-RMS-Verstärker pro Kanal selbst schwierige Lautsprecher mit Leichtigkeit antreibt, kann man sich vorstellen, was die 200-Watt-RMS-Monoblöcke vom Typ M-200 leisten würden. Schließlich hat ein 19,5 kg schwerer Verstärker, der speziell für die Versorgung eines einzigen Lautsprechers entwickelt wurde, etwas Demütigendes an sich.

    Glücklicherweise war mein Auto an diesem Abend nicht allzu weit entfernt geparkt, so dass es mir möglich war, die Geräte dorthin zu tragen. Sie dann jedoch spät am Abend im Alleingang die lange Treppe zu unserer Wohnung hinaufzuasten, war eine andere Geschichte. Die Endstufen hatten zwar Griffe auf der Vorderseite, aber ihre scharfen Kühlrippen ragten hinten heraus und hinterließen beim unvorsichtigen Anheben leicht hässliche Spuren auf Tischen und Regalen. Es war daher klüger, die Griffe zu ignorieren und die Endstufen am Gehäuse zu packen, um sie gerade hochzuheben. Um ehrlich zu sein, bevorzuge ich dieses Verstärkerdesign, da es die passive Kühlung stärker unterstützt, speziell wenn die Geräte in einem Rack montiert sind. Da sowohl HiFi- als auch professionelle Racks in der Regel zur Rückseite hin offen sind, erleichtert diese Anordnung der Kühlrippen die Konvektionskühlung.

    In unserem Wohnzimmer sollten die beiden B&K M-200 Monoblöcke den Stereoverstärker ST-140 desselben Herstellers ersetzen und unsere elektrostatischen Martin Logan SL3-Lautsprecher antreiben. Das war keine leichte Aufgabe, denn die Martin Logan sind Hybrid-Lautsprecher mit konventionellen Tieftönern und elektrostatischer Mylarfolie. Die Schwierigkeit lag in der niedrigen Impedanz des Mylar-Paneels (unter 2 Ohm bei 20.000 Hz) und im Umgang mit der Reaktanz des Tieftöners, während sich das Paneel ebenfalls im Signalweg befand. Die SL3 benötigten daher einen leistungsstarken Endverstärker, der noch bis in den niederohmigen Bereich hinein funktionierte und genug Dämpfung bot, um den Tieftöner zu beruhigen. 105 Watt hatten für diese Aufgabe nur knapp ausgereicht, obwohl der ST-140 über massive Reserven verfügte und sich mit seinen riesigen Elkos und dem großen Netzteil-Trafo relativ unbeeindruckt von der Impedanzkurve der Martin Logan zeigte.

    Wie üblich hatte ich mir den ST-140 noch einmal gründlich angehört und dabei Jazz, Folk und Gospel gespielt, Musik, die ich gut kannte. Die Martin Logans klangen groß, relativ langsam und entspannt. Als Zwei-Wege-System mit einer niedrigen Übergangsfrequenz in Richtung Bass war der Klang generell homogen und weich. Der ST-140 in Kombination mit den geschlossenen Tieftönern des SL3 erzeugte ein volles Bassfundament, ließ aber bei der Darstellung von Kick Drums etwas an Durchschlagskraft vermissen. Die Höhen waren angenehm, aber nicht zu knackig. Das mochte wohl auch mit den Filzpads zu tun haben, die wir als Spike-Untersetzer verwendeten, um den Klang für einen musikalischen und weniger technischen Auftritt zu zügeln.

    Beim Wechsel zum M-200 fiel mir zuerst die verbesserte Stereoabbildung auf. Der Klang war immer noch groß, aber jetzt war er artikulierter und etwas räumlicher. Nicht im Sinne von breiter, aber es ergab sich einfach mehr Raum um die Instrumente herum. Die SL3 wirkten jetzt natürlicher, agiler und noch mehr nach vorne gerichtet. Wenn ich mir zum Beispiel Springsteens "London Calling"-Konzert anhörte, hat "Youngstown" die gleiche Unmittelbarkeit, an die ich mich vom Live-Konzert so gut erinnerte. Da ich diese DVD bereits gut kannte, sagte die Fähigkeit, solche Erinnerungen mit einem Wimpernschlag hervorzurufen, viel über die Qualität der Endstufen aus. Mit den M-200 Monoblöcken fiel es der Musik auch insgesamt leichter, sich von den Lautsprechern zu lösen.

    Die Basswiedergabe war weniger dröhnend und feiner mit etwas mehr Punch bei den Kick Drums. Das war zwar immer noch nicht die Stärke des SL3, aber mir wurde jetzt erst so richtig bewusst, dass größere Endstufen dabei helfen konnten, den Bass noch besser mit den Mylar-Panels zu verschmelzen. Und es gibt noch einen weiteren Unterschied, den ich später am Abend beim Fernsehen bemerkte. Nämlich, dass filmische Effekte manchmal unnötig nachdrücklich wirkten, als ob die Tontechniker die Tonspur für ein wesentlich weniger aufschlussreiches Equipment gemastert hätten.

    Ich hoffte, dass ich mir den Luxus leisten konnte, diese Endstufen noch ein paar Tage lang zu hören, bevor ich sie ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben musste. Gut gemacht, B&K! Die Sonatas sind akkurate und musikalische Verstärker, die auch mit schwierigen Lautsprechern mühelos zurechtkommen und genug Leistung haben, um selbst die sonst eher entspannt wirkenden Martin Logans zu überzeugen, noch einen Zahn zuzulegen.

    Technische Daten

    • Anzahl der Kanäle: 1
    • Ausgangsleistung (8 Ohm): 200 Watt RMS
    • Ausgangsleistung (4 Ohm): 400 Watt RMS
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.09 %
    • Signal-Rauschabstand: 95 dB
    • Dämpfungsfaktor (50Hz): 600
    • Frequenzgang: 1 Hz - 100.000 Hz
    • Anstiegsrate: 25 V / uSec
    • Leistungsaufnahme: 800 Watt max / 65 Watt (Leerlauf)
    • Abmessungen: (B) 431,8 mm, (H) 146,8 mm, (T) 387,0 mm
    • Gewicht: 19,5 kg
    • Land der Herstellung: USA
    • Baujahr(e): 1987 - 1990

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  • Becker ST-200

    Becker ST-200

    20.3.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nachdem ich bereits einige Jahre lang den Weg der Audio-Erkundung beschritten hatte, musste ich feststellen, dass ich von den zahlreichen Black-Box-Designs, in denen die Wunder der Elektronik of lustlos verpackt waren, zunehmend gelangweilt war. Vor allem die vielen identisch aussehenden, gefalteten Metallabdeckungen, in denen alle möglichen Geräte untergebracht waren, von exotischen Streamern bis hin zu gewöhnlichen Mehrkanalendstufen, standen für die schäbige Lieblosigkeit einer Industrie, die zunehmend von vielseitigeren und interaktiven Technologien verdrängt wurde. Für den audiophilen Hörer bedeutete dies jedoch einen beklagenswerten Verlust an Vielfalt und Ästhetik. Im 21. Jahrhundert galt die traurige Regel, dass alle Hi-Fi-Geräte aus Kostengründen gleich aussehen mussten, es sei denn, der potenzielle Kunde war bereit und in der Lage, einige Monatsgehälter für den Kauf eines einzigen Geräts auszugeben.

    Plattenspieler und Röhrenendstufen gehörten zu den wenigen HiFi-Geräten, die vom Syndrom der gefalteten Metallabdeckungen weitgehend verschont geblieben waren. Bei diesen gehobenen Geräten konnte man noch die rohe Technik in Aktion sehen, schätzen, und eine ausgeprägte Designphilosophie erkennen. Und vielleicht war dies auch ein Grund für ihre wiederkehrende Beliebtheit bei einer neuen Generation von Hörern. Für die aufkeimende Generation der Soziale-Medien-Jünger ging es beim täglichen Kampf ums Überleben darum, greifbare Erfahrungen zu sammeln und ein einzigartiges und vermarktbares persönliches Image zu entwickeln. Wiedererkennbare Produkteigenschaften waren ein wichtiges Mittel, um diese persönliche Mission zu erfüllen. Exquisites Design und reife Persönlichkeiten mussten gleichsam den Spagat zwischen Kühnheit und Kompromiss schaffen um erfolgreich zu sein.

    Ich vermute, dass diese Sehnsucht nach der Wahrheit des Charakters auch der Grund war, warum ich mich überhaupt zu dem Becker ST-200 Verstärker hingezogen fühlte: Die Möglichkeit, seine Elektronik zu sehen und die verblüffende Einfachheit seines Designs. Als ich den Verstärker erwarb, hatte ich weder Informationen über seine technischen Daten noch hatte ich jemals von der Marke gehört. Dennoch vermutete ich, dass die attraktiven Eigenschaften des ST-200 auch durch die Wahl der Elektronik im Inneren unterstützt werden würden. Handelte es sich vielleicht um eine Endstufe aus einer Kleinserie oder um einen Selbstbausatz, ähnlich wie bei den Endstufen von Hafler und Heathkit? Von außen konnte ich das nicht erkennen, und meine Nachforschungen in den üblichen HiFi-Foren blieben ohne brauchbare Hinweise.

    Ich beschloss, selbst Detektiv zu spielen. Bei der Suche nach Hinweisen im Internet fand ich heraus, dass der Becker ST-200 vier Hitachi J49 Leistungs-MOSFET-Transistoren verwendet, d. h. zwei J49-Transistoren pro Kanal. Da jeder Transistor auf einem eigenen Kühlkörper befestigt war, brauchte man sich über eine Überhitzung keine Sorgen zu machen. MOSFET-Transistoren waren silikonbasierte Halbleiterbausteine, die ziemlich heiß werden konnten, vor allem wenn die Bias auf einen hohen Class-A-Pegel eingestellt war. Ihnen wurde ein röhrenähnliches Verhalten nachgesagt, da sie einen wärmeren und weniger technischen Klang erzeugten. Diese Eigenschaften wurden von audiophilen Hörern in der Regel gegenüber normalen Transistoren bevorzugt. Ich erfuhr, dass ein Paar dieser Hitachi-MOSFETs pro Kanal eine Ausgangsleistung von 100 Watt liefern konnte. Bei voller Ausnutzung würde dies den Becker zu einem Verstärker mit 100 Watt RMS pro Kanal an einer 8-Ohm-Last machen. Nicht schlecht, wenn man die relativ kompakte Größe und das moderate Gewicht bedenkt.

    Nach den MOSFET-Transistoren erregten die blauen, Cola-Dosen-ähnlichen Kondensatoren meine Aufmerksamkeit. Mit einer Kapazität von 61.000 pF pro Stück konnten diese leistungsstarken Elkos genug Energie speichern, um eine hohe Spitzenleistung zu liefern und selbst die anspruchsvollsten Lautsprecherlasten zu betreiben. Leider konnte man dies nicht über den Transformator sagen, der eher mäßig groß zu sein schien, vor allem wenn man die verfügbare Leistung der Endstufen MOSFETS bedenkt. Durch den Transformator begrenzt sollte die Dauerleistung bei ca. 60-70 Watt pro Kanal liegen. Unser Hafler XL-280 hatte im Vergleich dazu einen Trafo, der mindestens doppelt so groß und schwer war. Nach dem Einschalten schepperte und brummte der Trafo des Becker kurz, bis ein Relais die Endstufenplatinen zuschaltete, um die Musik spielen zu lassen. Bevor ich die Lautsprecher anschloss, öffnete ich das Gehäuse der Endstufe, um sicherzugehen, dass im Inneren keine Teile fehlten oder sich gelöst hatten. Was ich unter der Haube fand, überraschte mich dann doch ein wenig: Die hochwertigen Komponenten, die von außen zu sehen waren, schienen im Inneren nicht fortgeführt zu sein. Die Verkabelung des Verstärkers wirkte tatsächlich etwas improvisiert.

    Ich hätte im Inneren gerne verdrillte und verzinnte Belden 9497 gesehen, die zu den Lautsprecherklemmen führten. Stattdessen fand ich die typischen mehrdrähtigen Kupfer-Lautsprecherkabel, die in den 1980er Jahren zum Standard gehörten. Außerdem stellte ich fest, dass Signal- und Stromkabel manchmal eng nebeneinander verlegt waren oder sich sogar berührten. Dies musste unweigerlich die Integrität der Signalausgabe des der Endstufe beeinträchtigen. Um unsere Lautsprecher vor einer unbemerkten Fehlfunktion, wie z. B. einer Gleichstromausgabe, zu schützen, maß ich zunächst die Signalausgabe mit einem Multimeter durch. Dabei stellte ich fest, dass der Verstärker beim Abspielen einer CD-Direktquelle bis zu 20 Volt ausgab und die gemessene Gleichspannung gleich Null war. Umso mehr war ich überrascht, dass beim Anschluss unserer Lautsprecher auf beiden Kanälen ein lautes 50-Hz-Brummen zu vernehmen war, sowie einige unangenehme Stromausfallverzerrungen bei der Wiedergabe. Es schien, dass einige relevante Teile dieser Endstufe ausgetauscht werden mussten, und ich hatte zunächst das Gefühl, dass es sich dabei auch um die großen Kondensatoren handeln könnte.

    Bei meinen Bemühungen, den ursprünglichen Konstrukteur des der Endstufe ausfindig zu machen, wandte ich mich an Helmut Becker von AudioValve, der nach eigenen Angaben mit einer Vielzahl von Konstruktionskonzepten experimentiert hatte, bevor er sich schließlich für Röhrenverstärker entschied. Leider erfuhr ich, dass der Inhaber von AudioValve in der Woche vor meiner Anfrage verstorben war, so dass meine Frage von den hilfsbereiten Mitarbeitern des Kundendienstes weder verneint noch bestätigt werden konnte. In Anbetracht des Einflusses von AudioValve auf High-End Röhrendesigns überlasse ich es den Lesern dieses Artikels zu entscheiden, für wie plausibel sie die Verbindung halten. In den schriftlichen Worten des freundlichen Kundendienstmitarbeiters: "Möglich wäre es."

    Ich wollte mehr über diese eigenartige Endstufe im Bauhaus-Stil erfahren und brachte den Becker ST-200 zum Service bei einem Techniker meines Vertrauens. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits ausreichend viele Punkte auf meiner Liste der elektronischen Fehler gesammelt, um einen Komplettservice zu rechtfertigen. Zu meiner Überraschung jedoch wurde mir der Verstärker schon drei Tage später zurückgegeben und mitgeteilt, dass keine Teile ausgetauscht werden mussten. "Es handelt sich hier um einige beeindruckende Komponenten, die eher schlecht zusammengebaut wurden", lautete das Urteil unseres Fachmanns. Er hatte also nur die offensichtlichsten Fehler behoben und gab mir die Endstufe zurück, damit ich sie mir anhören und selbst entscheiden konnte, ob sich weitere Reparaturen lohnen würden.

    Zurück in unserem Hörraum schloss ich den Becker ST-200 an unser Tannoy-System an, das von einer Dynaco PAS-4 Röhrenvorstufe angesteuert wurde. Nach ein paar Minuten des Aufwärmens klang die Musik gewaltig, mit großartiger Tonalität, aber auch einem hörbaren Grundrauschen, zusätzlich zu dem brummenden Transformator der Endstufe. Ich war mir sicher, dass man das besser machen konnte, und ersetzte den Dynaco durch unsere totenstille Restek V1 Vorstufe. Das Grundrauschen sank beträchtlich, und sogar der brummende Transformator ließ mit jeder Stunde Musikwiedergabe nach. Was mir blieb, klang für meine Ohren wie pure Magie. Dieser Verstärker erzeugte die natürlichste Klangbühne, die ich bisher mit unseren Tannoys gehört hatte. In Kombination mit dem eher erschwinglichen Belden 9497 Lautsprecherkabeln kam das Ergebnis sogar nahe an den klanglichen und räumlichen Realismus heran, den ich beim Hören der H&S Exceptional-Endstufe mit den HMS Gran Finale-Lautsprecherkabeln empfunden hatte. Theoretisch hätte angesichts des Preis-, Qualitäts- und Aufwandsunterschieds überhaupt keinen Vergleich möglich sein dürfen.

    So schlecht der Becker ST-200 auch aufgebaut war, so sehr konnte er bei audiophilen Hörern wie mir für Aufsehen sorgen, weil er in der Lage war, dieses Jazzclub-Feeling zu reproduzieren: Das groovige Stampfen, die räumliche Genauigkeit von Breite und Tiefe des Veranstaltungsortes, der klangliche Reiz von echtem Holz und Metall und sogar die satte und lebensgroße Leadstimme in der Bühnenmitte. Was zunächst wie ein vielversprechender, jedoch misslungener Heimwerkerjob aussah, schaffte es, mehr musikalischen Realismus zu erzeugen als einige unserer ultrapräzisen Endstufenklassiker wie z.B. der Hafler XL280. Und obwohl die Spezifikationen des Becker auf dem Papier vielleicht nicht viel hergaben, gelang es diesem Verstärker doch, unsere Aufmerksamkeit im Hörraum zu fesseln. Ich fühlte mich an Endstufen wie den Dynaco ST-70 erinnert, der ebenfalls in der Lage war, die Atmosphäre eines Jazzclubs nach Hause zu bringen. Daher mussten wir bei der weiteren Überholung des ST-200 Verstärkers, um das verbleibende Brummen zu beseitigen, besonders darauf achten, den ihm innewohnenden Zauber nicht zu zerstören.

    [Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels leidet der ST-200 immer noch unter wiederholtem Knacken und sporadischen Signalverlusten auf beiden Kanälen während Passagen mit niedrigem Eingangssignal, insbesondere von Phono kommend.]

    (Fortsetzung folgt...)

    Technische Daten

    • Typ: MOSFET-Leistungsendstufe
    • Leistung: 70 WPC (8 Ohm)
    • Transistoren: 4x Hitachi MOSFET J49
    • Gehäuse: 2x verchromte U-Bleche
    • Abmessungen: (B) 220 mm, (H) 190 mm, (T) 345 mm
    • Gewicht ohne Netzkabel: 9,5 kg
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr: 1980 (Schätzung)

  • Citation twelve deluxe

    Citation twelve deluxe

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die Citation Twelve Deluxe Leistungsendstufe wurde im Jahr 1972 auf den Markt gebracht und basierte auf dem zuvor veröffentlichten Citation Twelve Stereoverstärker von 1970, der viele der gleichen Merkmale aufwies. Das Facelift der Deluxe-Version umfasste ein Holzgehäuse mit gebürsteter Aluminiumfront und leicht verbesserte Spezifikationen in Bezug auf Frequenzgang und Verzerrung. Die vorherigen Verstärker von Harman / Kardon waren Röhrenkonstruktionen, und der ursprüngliche Citation Twelve war der erste transistor-basierte Leistungsverstärker des Unternehmens. Das relativ moderne Design des Citation Twelve fußte auf einem Designvorschlag, der zuvor im RCA Solid State Handbook veröffentlicht worden war.

    Der Citation Twelve Deluxe wies viele der für Harman / Kardon typischen Designentscheidungen auf. Einerseits war dies eine der ersten echten Dual-Mono-Endstufen mit zwei Transformatoren, zwei Netzteilen und zwei separaten Verstärkerschaltungen. Andererseits gab Harmans Glaube an die Interdependenzen von Schallwellen diesem Verstärker die Freiheit, Frequenzen von 1 - 100.000 Hz mit +/-1 dB zu liefern. In der Tat gab es nicht viele Endstufen, die Frequenzen weit außerhalb des menschlichen Hörspektrums noch linear erzeugen konnten. Laut 'Absolute Sound' ist der Harman / Kardon Citation twelve deluxe "eine der zwölf bedeutendsten Endstufen aller Zeiten".

    Bauteile in Industriequalität sorgten dafür, dass die Endstufe lange halten würde. Harman / Kardon war sich dessen so sicher, dass es nur sehr wenig an Bord gibt, um den Verstärker vor Schäden zu schützen. Es gibt keine Knöpfe, Schalter oder Abschwächer auf dem Citation, die sich negativ auf den Klang auswirken könnten. Im Originaldesign gab es nicht einmal einen Netzschalter, um die Endstufe auszuschalten. Die Standby-Leistung von 30 Watt stellte sicher, dass das Gerät immer vorgeheizt und spielbereit war. Der Citation präsentierte seine Musik auf geradlinige und schnörkellose Weise. Er klingt nicht ganz so robust und aggressiv wie ein Quad 405, aber er malt auch nicht in schönen Farben wie der kleine Hafler DH-120. Von allen Verstärkern, die ich bis zu diesem Zeitpunkt gehört hatte, klang der Citation meiner Meinung nach am unauffälligsten. In Kombination mit der Restek V1 Vorstufe schaffte es der Citation, sein Licht tief in den Raum zu strahlen, eine exzellente Klangbühne zu schaffen und hat diesen ganz leichten Hauch von einladender Wärme, der bei moderneren Designs manchmal fehlte. Die Abbildung und das Timing waren beeindruckend, und das Panorama reichte weit über die Lautsprecher hinaus. Auch nach all den Jahren war die Citation Twelve immer noch ein Highlight.

    Bei dem hier gezeigten Gerät wurden gegenüber dem ursprünglichen Design folgende Änderungen vorgenommen: ein neues Lapp-Netzkabel anstelle der einfachen US-Version, ein hochwertiger Netzschalter, neue Kondensatoren und vergoldete Cinch/RCA-Buchsen.

    Technische Daten

    • Typ: Klasse A/B Leistungsverstärker
    • Hersteller: Harman Kardon, New York
    • Frequenzbereich: 1 Hz - 100.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.2 %
    • Signal-Rausch-Verhältnis: 100 dB
    • Anstiegsrate: < 2 US
    • Dämpfungsfaktor: 40:1
    • Phasenverschiebung: < 5 Grad bei 20 Hz
    • Intermodulationsverzerrung: < 0.15
    • Belastbarkeit (RMS, 8 Ohm): 2 x 60 Watt
    • Nennleistung (Musik, 8 Ohm): 2 x 100 Watt
    • Leistungsaufnahme im Leerlauf: 30 Watt
    • Abmessungen: (H) 430 mm x (B) 155 mm x (T) 370 mm
    • Gewicht: 16,5 kg
    • Baujahr: 1976

  • Dynavox VR-70E II

    Dynavox VR-70E II

    3.1.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Dynavox ist der Markenname von Sintron Distribution, einem Importeur von Audiogeräten mit Sitz in Iffezheim, südlich von Karlsruhe in Deutschland. Er ist nicht zu verwechseln mit DynaVox, einem Hersteller und Vertreiber von sprachgesteuerten Geräten aus Pittsburg, Pennsylvania. Der Markenname Dynavox tauchte zum ersten Mal Mitte der 90er Jahre auf Audiogeräten auf, zu einer Zeit, als anspruchsvollere Audioprodukte aus Asien verfügbar wurden, oft zu einem Bruchteil des Preises ähnlicher Produkte von europäischen oder amerikanischen Herstellern. Mit der stetigen Öffnung der Wirtschaft in China und anderen asiatischen Ländern für Privatunternehmer wuchs auch der private Wohlstand und führte zu einem lokalen Hunger nach echten High-Fidelity Produkten wie Röhrenverstärkern.

    Für die westliche audiophile Gemeinschaft ist Dynavox auch eine namentliche Anspielung auf die berühmte, von David Hafler gegründete Audiomarke Dynaco. Ähnlich wie Hafler waren auch die Importeure von Dynavox-Produkten der Meinung, dass echte Hi-Fi-Technik der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte und nicht nur einigen wenigen. Der Name des Dynavox VR-70 Röhrenverstärkers selbst erinnert an den legendären Dynaco ST-70 Röhrenverstärker. Doch während moderne Versionen des Dynaco für 2.000 - 3.000 EUR verkauft werden - weit entfernt von Haflers Traum, Hi-Fi erschwinglich zu machen - kam der Dynavox VR-70 zunächst für knapp 300,00 EUR auf den deutschen Markt. Und obwohl der ursprüngliche VR-70 eindeutig nicht in der gleichen Liga spielte wie die überarbeiteten Hafler-Röhrenendstufen von heute, hatte er doch einen enormen Preisvorteil gegenüber der Konkurrenz und bot bereits 90% des Hörvergnügens. Ein Warnschuss an die etablierten westlichen Audio-Legenden.

    Sein niedriger Einstiegspreis machte den kleinen Röhrenverstärker VR-70 für viele Neueinsteiger in Europa zur Eintrittskarte ins audiophile Hören. Je mehr Einheiten dieses und anderer Produkte verkauft wurden, desto mehr wandelte sich Sintron Distribution vom Importeur zum Designer, in dem Sinne, dass die Firma auf der Grundlage des Feedbacks, das sie von ihren Kunden entweder direkt oder neuerdings auch über Web-Foren erhielten, Einfluss auf den Designprozess nehmen konnten. Um die Produktpreise niedrig zu halten, steckte Dynavox seine Audio-Designs weiterhin in einfache Gehäuse und machte offenbar eher Zugeständnisse beim äußeren Design als beim Klang. Mit der kontinuierlichen Verbesserung der Produkte und der zunehmenden allgemeinen Akzeptanz in der Audio-Community begann die Nachfrage schließlich, sich auf die Preise und die Erwartungen der Kunden auszuwirken. Die heutigen VR-70-Modelle sind doppelt so teuer wie ihre Vorgänger und sind auch deutlich aufwendiger konstruiert, so dass einige der anfänglichen Probleme behoben werden konnten.

    Dynavox entwickelt und importiert heute Röhrenvorstufen, Stereo-Röhrenendstufen und Monoblock-Röhrenverstärker, den Plattenspieler PS-320 BT, ein Sortiment an Kabeln und Zubehör sowie rauschfilternde Leistungsverteiler. Nach 20 Jahren auf dem deutschen Markt ist das Firmenportfolio noch relativ überschaubar, aber die Produkte sind mittlerweile etabliert und haben den Ruf, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Während ich diesen Text schreibe, lausche ich einer Dynavox VR-70 E II Stereo-Röhrenendstufe, die in ihrem einfachen und preiswerten schwarz pulverbeschichteten Gehäuse ein Jazzalbum abspielt. Sie hat eine beruhigende rote LED-Betriebsanzeige auf der linken Seite und einen nicht ganz so beruhigenden Lautstärkeregler auf der rechten Seite seiner Frontplatte. Die Röhren sind durch das Gittergehäuse kaum sichtbar. Erst wenn ich näher komme, sehe ich sie glühen und spüre ihre Wärme auf mich abstrahlen.

    Ich hatte den Dynavox VR-70 E II bei VinylNerds.de erworben, und eigentlich nicht für mich selbst, sondern für meinen Arbeitskollegen, der auf der Suche nach einem günstigen Verstärker für seine Lautsprecher war. Ich sah, wie er sich Importe direkt aus Asien ansah, und schlug ihm vor, den VR-70 auszuprobieren, mit dem zusätzlichen Vorteil, dass er bei einem lokalen Händler und Geschäft einkaufte. Er stimmte zu, dass dies eine gute Idee sei, wurde aber einige Tage später (wie das manchmal so ist) von seiner Frau daran erinnert, dass es derzeit dringendere Probleme für die Familie gäbe als Hi-Fi. Das war natürlich verständlich, aber ich war trotzdem froh, die Gelegenheit zu haben, den VR-70 E II zu hören. Um ehrlich zu sein, prüfe ich inzwischen die Möglichkeit, ihn selbst zu behalten. Dieser Verstärker klingt gar nicht mal so schlecht, auch wenn ich schon einige legendäre Namen der Branche gehört habe.

    Der Dynavox VR-70 E II wog knapp 15 kg und kam hier gut geschützt in einem großen und schweren dreifach verpackten Karton an, der mit dicken Schaumstoff-Innenprofilen gefüllt war. Alle Röhren und der Schutzkäfig waren darauf vorinstalliert. Ich bemerkte, dass die linke Seite des Gitterkäfigs, der die Röhren schützt, ungleichmäßig lackiert war, doch da der Verstärker ganz in Schwarz und in Ganzmetallbauweise ausgeführt war, fiel dieser kleine Fehler in der Lackierung nur bei genauem Hinsehen auf. Ansonsten war ich positiv überrascht, dass er nur 35 cm breit war und solide und sauber verarbeitet aussah. Da ich ursprünglich nicht vorhatte, diese Endstufe für mich selbst zu behalten, hatte ich mir keine großen Gedanken über ihr Design und ihre Größe gemacht. Aber nachdem ich schon einige Jahre in der Hi-Fi-Branche verbracht habe, gefallen mir solche Abweichungen vom Standard-Rack-Format. Ich löste die Schrauben des Käfigs, um die Röhren zu inspizieren, und stellte fest, dass sie alle die Reise zu uns nach Hause unbeschadet überstanden hatten.

    Ich hatte irgendwo gelesen, dass die Vorspannung auf 300-350mV eingestellt werden sollte, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, aber ich konnte mich nicht erinnern, ob dies bei voller Betriebstemperatur der Röhren der Fall war. Also beschloss ich, den Verstärker mit den Werkseinstellungen zu testen. Ich ließ unsere Hafler XL280-Endstufe ein letztes Mal auf Herz und Nieren prüfen, indem ich Diana Kralls Album “Turn up the quiet” abspielte, und wechselte dann zum Verstärker VR-70 E II. Ich verließ den Raum für vier Stunden, während er sich von der Reise aufwärmte. Als ich zurückkam, stellte ich fest, dass die Musik weniger räumlich war als mit unserem Hafler. Dianas Stimme hatte eine leichte Schärfe und Körnigkeit, die sie weniger glaubwürdig und zischend machte. Auch der Bass war im direkten Vergleich ein wenig schwach und komprimiert. Auch das leichte Röhrenzischen unserer Dynaco PAS-4 Vorstufe transportierte der VR-70 besser bzw. fügte von sich aus etwas hinzu. In Anbetracht der Tatsache, dass der VR-70 E II ein 40-Watt-pro-Kanal-Biest ist (innerhalb dessen was mit Röhrenleistung möglich ist), das durchaus in der Lage ist, einen Raum zu beheizen, war ich ein wenig enttäuscht von der Flachheit seines Klangs. Die Endstufe war bei Weitem nicht so einnehmend, wie ich es gewohnt war. Doch es gab auch einen Lichtblick, denn was ich hörte, klang auch nicht völlig falsch.

    Unser Hafler XL280 ist ein sehr guter Verstärker, der schon viel Zeit zum Einspielen hatte. Der Dynavox war gerade erst aus der Kälte gekommen und spielte vielleicht zum ersten Mal Musik. Ich hatte den Eindruck, dass die werksseitig in der Vor- und Endstufensektion verwendeten Röhren eher wegen ihres günstigen Preises als wegen ihrer audiophilen Vorzüge ausgewählt worden waren. Dasselbe galt wahrscheinlich auch für einige der Komponenten der Endstufe. Wenn mein jetziges Hörerlebnis wirklich alles war, was man von diesem Verstärker erwarten konnte, würde ich ihn zurückschicken müssen; aber da ich Potenzial für mehr erahnte, war ich bereit, ihm etwas Zeit zu geben und darüber nachzudenken. Mein erster Schritt bestand darin, einen Termin mit unserem Spezialisten für Röhrenendstufen zu vereinbaren, um die Eigenschaften des grundlegenden Layouts und der Komponenten des Verstärkers zu besprechen. Außerdem begann ich, im Internet nach Meinungen zur Aufrüstung auf audiophiles Niveau zu suchen.

    Als ich bei unserem Spezialisten für Röhrenendstufen eintraf, war ich gespannt, was uns unter der Haube erwarten würde. Die Originalröhren schienen von ausreichender chinesischer Qualität zu sein, aber an der Unterseite des der Endstufe befand sich eine abgenutzte Schraube, die wir erst mit einer Zange lösen mussten. Es schien, dass die weiße Bodenplatte keinen richtigen elektrischen Kontakt zum Chassis hatte, ein Umstand, der verbessert werden könnte, um den Rauschabstand zu erhöhen. Im Inneren stellten wir außerdem fest, dass die Schenkel eines Kondensators beim Zusammenbau verdreht worden waren und sich beinahe berührten - ein Fehler, den wir schnell behoben haben. Die Bauteile im Inneren schienen für Audiogeräte dieser Preisklasse von anständiger Qualität zu sein, und dennoch gab es deutliches Verbesserungspotenzial, wenn sie z.B. durch leistungsfähigere Komponenten ersetzt wurden. Ich wies darauf hin, dass das allgemeine Layout dieser kleinen Endstufe gut durchdacht zu sein schien, und der Röhrenspezialist stimmte mir zu, dass in diesem Design durchaus Potenzial steckte. Er sagte, er würde mir gerne dabei helfen, diesen Verstärker zu einem audiophilen Gerät zu machen. Wir kamen überein, uns zunächst auf die Umrüstung der Innenteile zu konzentrieren und die Ergebnisse dann eine Weile anzuhören, bevor wir uns endgültig für einen Röhrenwechsel entschieden.

    Lesen Sie weiter - Teil 2

    Hinweis für Nicht-EU-Bürger: Der Röhrenverstärker vom Typ VR-70 E wird auch über die "Affordable Valve Company" in Großbritannien unter der Marke "Audio Institute" verkauft. Meines Wissens handelt es sich im Wesentlichen um denselben Verstärker, der für den britischen Markt optimiert wurde.

    Vorschläge für Modifikationen

    • Entfernung der Eingangs-Kondensatoren und Umgehung des Lautstärkereglers
    • Aufrüstung der Stromversorgungs-Kondensatoren und der Gleichrichterdioden auf Wolfspeed Z-Rec 1,2 kV, 10 A, 11 nC
    • Aufrüstung der 70-V-Schaltung durch Mundorf MCaps Supreme 0,1uF 1400V
    • Ersetzen der negativen Rückkopplungs-Kondensatoren (C5 auf der Platine) durch Charcroft Audio Silver Mica 47pF 500V
    • Hinzufügen eines Schalters und einer Schaltung für den Wechsel zwischen Ultra-Linear- und Triodenbetrieb

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 40 Watt
    • Eingangsimpedanz: 20 kOhm
    • Vorverstärkerröhren: 2 x 6F2 (ECF82)
    • Endstufenröhren: 4 x EL34 (ultra-linear)
    • Röhrenvorspannung: 300 - 350 mV
    • Frequenzgang: 10 - 40.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,1%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: >88 dB
    • Dämpfungsfaktor: N.N.
    • Lautsprecheranschlüsse: 4/8 Ohm, vergoldet, für Pik oder Bananen
    • Abmessungen: (B) 350 mm x (T) 300 mm x (H) 185 mm
    • Gewicht: 14,5 Kg
    • Land der Herstellung: China
    • Baujahr: 2013 - 2022

  • H&S EXCEPTIONAL

    H&S EXCEPTIONAL

    17.1.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die H&S Exceptional ist eine ultra-lineare MOSFET-Endstufe, die 200 Watt pro Kanal an 8-Ohm-Lasten und die doppelte Leistung an 4-Ohm-Lasten liefern kann. Normalerweise funktioniert die Verdopplung der Leistung bei halbierter Impedanz nur in der Theorie, aber hier funktioniert sie auch in der Praxis. Das Herzstück des Verstärkers sind zwei große Ringkerntransformatoren, die maximal 1000 VA aus dem Hausnetz ziehen. Das robuste Gehäuse der Enstufe besteht aus 2 mm dickem Stahlblech, und ein zusätzlicher innerer Stahlkäfig schützt die empfindlichen Audiosignale vor schädlichen EMF, die vom Netzteil erzeugt werden. Die äußere Abdeckung ist verchromt. Diese verspiegelte Oberfläche trägt dazu bei, die bescheidene Größe des Verstärkers von nur 36 cm Breite und 16,6 cm Höhe zu betonen. Als ich ihn zum ersten Mal entdeckte, saß ich schon eine Weile im selben Raum und hatte den Verstärker im Regal kaum bemerkt. Der bescheidene erste Eindruck war jedoch schnell vergessen, als ich die Endstufe zum ersten Mal trug. Ihr Gehäuse fühlte sich ultra-solide an, als wäre das Gerät aus einem einzigen Metallblock geschnitten. Unterstützt wurde dieser Effekt durch die Verwendung hochwertiger Materialien, bis hin zu den Edelstahlschrauben, die perfekt in das Chassis integriert waren.

    Beim Einschalten des H&S Exceptional gab es kein Knacken, keine spürbaren Vibrationen und kein Brummen. Selbst bei angeschlossener Peripherie gab es kein Zischen oder Rauschen, wenn kein Signal anstand. Und ja, selbst wenn ich mein Ohr an die Lautsprecher hielt, blieb die Endstufe mucksmäuschenstill. Das hat mich überrascht, denn sowohl unser B&K ST-140 als auch unser Hafler XL280 Verstärker produzierten zumindest ein schwaches Rauschen, obwohl es sich um gut verarbeitete und hervorragend klingende Geräte handelt. Mein erster Eindruck war also, dass der H&S ein außergewöhnlich gutmütiger Verstärker ist. Könnte dies der Grund für seinen Namen "Exceptional" sein?

    Die Marke H&S wurde ursprünglich von dem deutschen Ortofon-Servicetechniker Eugen Stöckl und seiner Lebensgefährtin gegründet, zunächst als Nebenprojekt neben dem Beruf, dann als Hauptberuf. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren entwickelte und baute H&S eine Reihe von Hi-Fi-Komponenten in Kleinserie für audiophile Hörer. Zu diesen Produkten gehörten die Phonovorstufe H&S 'Exact', das 'Iceblue'-Phono-Tonabnehmersystem und drei aufeinanderfolgende Versionen der hier vorgestellten Endstufe. Der Hauptunterschied zwischen den Verstärkerversionen bestand in der Konstruktion des Gehäuses, wobei das schwerste Exemplar bis zu 38 kg wog. Durch den zunehmenden Verkauf ihrer Produkte an audiophile Kunden begann H&S auf sich aufmerksam zu machen. Als 2011 das international führende HiFi-Magazin "The Absolute Sound" das H&S Iceblue zu den weltbesten Tonabnehmern aller Zeiten kürte, konnte Eugen Stöckl diese hohe Auszeichnung noch persönlich entgegennehmen, bevor er im darauffolgenden Jahr an einem Herzinfarkt verstarb

    Als ich auf der Website von Markus Kannewischer von seinem traurigen Ableben las, wurde ich an das tragische Schicksal von Peter Snell erinnert, der kurz nach der Markteinführung seiner beliebten C-Serie-Lautsprecher ebenfalls an einem Herzinfarkt gestorben war. Und obwohl es nicht ungewöhnlich war, dass Männer an Herzversagen starben, empfand ich die Vorstellung, dass sie auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs starben, als ziemlich tragisch. Die Hi-Fi-Branche hatte wieder einmal einen ihrer bescheidenen Mitarbeiter verloren. Eugen Stöckl war ein überzeugter Anhänger der Synergie von Messen und Hören und verbrachte viel Zeit mit beidem. Seine Investitionen und sein hartnäckiger Fleiß hatten sich ausgezahlt, und H&S konnte der audiophilen Gemeinde einige echte Highlights bieten. Der Phono-Vorverstärker H&S Exact zum Beispiel gilt bis heute als einer der besten seiner Art.

    Da die H&S Exceptional eine schwerere Endstufe war, brauchte sie etwa 30-40 Minuten zum Aufwärmen, bevor sie ihr volles Potenzial entfalten konnte. Da die Anschaffungskosten der Endstufe im fünfstelligen Bereich lagen, konnte Herr Stöckl sicher sein, dass die sanfte Erhöhung der Stromrechnung während des Wartens auf die optimale Betriebstemperatur den ursprünglichen Käufern der Endstufe kaum ins Gewicht fiel, zumal sie sich auf eine musikalische Leistung freuten, die sie so fühlen ließ, wie der Name des Verstärkers es vermuten ließ.

    Von einem Solid State zum anderen:

    Ich begann meine Erkundung des H&S Exceptional, indem ich ihn in unser Hauptsystem einband. Dieses bestand aus unserer Vorstufe Restek V1 (zuvor von Restek aufgerüstet und mit einem hochwertigen Netzteil von Herrn Kassel ausgestattet) und den elektrostatischen Martin Logan SL3-Lautsprechern. Als Musikquellen dienten ein Sansui SR-525 Plattenspieler mit AT-VM95 ML Tonabnehmer und ein Rega Planet 2000 CD-Player. Alle Geräte waren mit massiven Silberkabeln mit Schirmung aus Kupfergeflecht miteinander verbunden. Ich hatte die Wahl zwischen verschiedenen Lautsprecherkabeln und entschied mich, mit unserem bewährten Belden 9497 in Bi-Wiring-Technik zu beginnen (und es an einen einzigen Kontaktpunkt an der Seite des Verstärkers anzuschließen, um das Ansprechverhalten zu verbessern). Ich habe eine Reihe von Musik und Stilen ausgewählt, um verschiedene Aspekte der Leistung zu beleuchten, werde aber nur einige Beispiele anführen, um meine Erkenntnisse zu verdeutlichen.

    Als ich von unserem treuen Arbeitstier, der B&K ST-140 Endstufe, auf den Exceptional wechselte, verzeichnete ich einen Anstieg der effektiven Lautstärke um 6 dB bei gleicher Einstellung des gestuften Restek-Reglers. Ich führte diesen Unterschied auf die Tatsache zurück, dass der Exceptional fast doppelt so viel Leistung hatte wie unser B&K, aber fast die gleiche Eingangsempfindlichkeit. Um den Vorwurf zu vermeiden, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, habe ich die Lautstärke auf unsere übliche Hörlautstärke eingestellt. Doch selbst bei gedrosselter Lautstärke klang der Exceptional fokussierter und sauberer und spielte gleichzeitig kräftiger und entschlossener als unser ST-140. In Kombination mit unseren elektrostatischen Martin Logan-Lautsprechern erzielte der H&S eine hervorragende räumliche und klangliche Trennung des Musikgeschehens. Die agile Leistungsabgabe der Endstufe wurde von insgesamt 120.000 mF in den Netzteilkondensatoren angetrieben, die eine Anstiegsgeschwindigkeit von 300 V/μS ermöglichten. In Kombination mit dem beachtlichen Dämpfungsfaktor von 800:1 führte dies zu einem ultra-festen Griff an den Lautsprechern. Verstärker wie dieser sind ein wertvolles Gut beim Hören klassischer Musik und in anderen Szenarien, in denen viele Instrumente gleichzeitig mit vielschichtigem räumlichen und tonalen Charakter spielen.

    Der Exceptional war in der Lage, einen hervorragenden Bassdruck und ein ultra-abruptes Abklingen zu erzeugen, während er nachklingende High Hats für eine Ewigkeit in der Schwebe hielt. In einem reinen Solid-State-Setup (CD, Restek, H&S) konnte so viel Befehlsgewalt manchmal übermäßig trocken und auch geizig klingen und die Präzision über die Musikalität stellen, aber selbst der Austausch eines Teils dieser Signalkette konnte zu Magie führen. Das Umschalten von unserem Planet 2000 CD-Player auf den Sansui-Plattenspieler zum Beispiel brachte die musikalischere Seite der Endstufe zum Vorschein. Vinyl konnte von einem hochpräzisen Verstärker durchaus profitieren, indem die Musik etwas mehr Transparenz, Drive und Punch als üblich erhielt. Aufgrund der relativen Abwesenheit von Frequenzüberschneidungen, wie sie durch zeitliche Verzögerungen der Lautsprecherchassis entstehen, würde man den H&S Exceptional allein nicht als "warmen" und gefühlvollen Verstärker bezeichnen. Er ist relativ frei von solchen Effekten. Aber in Verbindung mit einem Plattenspieler und einem Röhrenvorverstärker kann er durchaus zu einer hervorragenden Mischung aus Musikalität und Detailreichtum beitragen und bietet darüber hinaus die willkommene Flexibilität, auch die schwierigsten Lasten zu betreiben.

    Von außergewöhnlichen Verstärkern zu außergewöhnlichen Kabeln:

    Am 19. Januar 2022, nur zwei Tage nach dem Verfassen der vorangegangenen Kapitel dieses Testberichts, tauschte ich unsere Standard-Lautsprecherkabel Belden 9497 (die hervorragend an Röhrenendstufen usw. funktionieren) gegen ein Paar monströser Madrigal Mark Levinson Flachkabel aus massivem Kupfer aus. Das Ergebnis war wirklich magisch: Der H&S Exceptional-Verstärker klang perfekt ausgeglichen. Es scheint, dass die erhöhte Kapazität und das einzigartige Solid-Core-Design des Madrigal-Kabels dazu beitrugen, die wahren Vorzüge der Endstufe hervorzuheben. Schließlich richtete sich der H&S Exceptional an Besitzer von Krell- oder Mark Levinson-Verstärkern, die sich nach oben orientieren wollten. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in meinem Madrigal-Kabeltest.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 200 Watt
    • Maximale Leistungsaufnahme: 1.000 Watt
    • Transistor-Typ: Leistungs-MOSFET
    • Frequenzgang: 4 Hz - 150.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,03%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: >100 dB
    • Kanaltrennung: 105 dB
    • Eingangsempfindlichkeit: 1,3 Volt, max.
    • Eingangswiderstand: 27 kOhm
    • Dämpfungsfaktor: 800:1
    • Anstiegsgeschwindigkeit: 300 V/uS
    • Anstiegszeit: 0,5 uS
    • Abmessungen: (B) 360 mm; (H) 165 mm; (T) 310 mm
    • Gehäuse: 2 mm Stahlgehäuse + 2,2 mm Stahlschirmung
    • Ausführung: Chrom poliert, Frontplatte silber-matt
    • Gewicht: 19,5 Kg
    • Jahrgänge: 1990 - 2011 (Serie 1-3)

    Musik by Cara live music
  • Hafler DH-120

    Hafler DH-120

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die David Halfer Co. wurde im Jahr 1972 in Pennsauken, New Jersey, gegründet, aber zum Zeitpunkt der Gründung hatte David Hafler bereits Geschichte als einer der berühmtesten Audio-Entwickler der Welt geschrieben. Der 1919 geborene Hafler, der an der University of Pennsylvania Mathematik studiert hatte, diente während des Zweiten Weltkriegs eine Zeit lang als Kommunikationsspezialist bei der Küstenwache. Im Jahr 1950 gründete er zusammen mit seinem Freund Herbert Keroes die Firma Acrosound, die sich auf die Herstellung von linearen Audio-Transformatoren für Röhrenverstärker spezialisiert hatte. Vom Bau der Transformatoren war es nur ein kleiner Schritt zum Bau von kompletten Röhrenverstärkern. 1954 verließ David Hafler Acrosound und gründete zusammen mit einem Audioingenieur namens Ed Laurent die Dyna Company, die später in Dynaco umbenannt wurde.

    Während seiner gesamten Karriere konzentrierte sich David Hafler auf die Entwicklung audiophiler Produkte zu erschwinglichen Preisen. Acrosound hatte sich in erster Linie Transformatoren auf Hobbyelektroniker spezialisiert, und Dynaco sollte die Idee des Heimwerker-Audios auf eine ganz neue Ebene stellen. Ed Laurent hatte vor seinem Wechsel zu Dynco eine völlig neuartige Ein-Röhren-Treiberschaltung für Endstufen entwickelt, und Hafler wollte diese als erschwingliche Alternative für eine große Zahl von Enthusiasten vermarkten. Aufgrund der hohen Qualität der Röhren-Audio-Designs von Dynaco wurde der Name schnell zum Synonym für großartigen Klang zu erschwinglichen Preisen. In den 1950er- und 60er-Jahren wurde die Einrichtung eines Audiosystems noch überwiegend als technisches Hobby betrachtet, und die am besten klingenden Geräte wurden von ihren Besitzern selbst gebaut. Das erste Produkt von Dynaco war der Mk. II, eine 50-Watt-Röhrenendstufe. Das Gerät war sowohl als Selbstbausatz als auch als vormontiertes Produkt erhältlich. Nach 2 Jahren erfolgreicher Verkäufe wurde der Mk. II durch den Mk. III abgelöst, der etwas stärker war und 60 Watt Leistung bot. Diese "Dynakit"-Verstärker wurden von Hunderttausenden Audio-Enthusiasten zu Hause zusammengebaut. In den 1990er Jahren wurde der berühmte Dynaco Mk. II im Smithsonian Museum of American History in Washington als bahnbrechendes Stück amerikanischer Kommunikationsgeschichte ausgestellt.

    Mehrere Dynaco-Produkte aus dieser Zeit zählen immer noch zu den besten Audio-Designs aller Zeiten. Dazu gehört sicherlich die Dynaco ST-70, ein Stereo-Röhrenendstufe mit 35 Watt pro Kanal und einer hocheffizienten Push-Pull-Ausgangsschaltung. Die ST-70 war sogar so gut konstruiert, dass sie zum Prototyp für viele ähnliche Produkte anderer Hersteller wurde. Als die Produktion schließlich eingestellt wurde, waren mehr als 350.000 ST-70-Verstärker verkauft worden, was die ST-70 zum beliebtesten Röhrenendverstärker der Geschichte machte. Obwohl Hafler die Marke Dynaco im Jahr 1968 an Tyco verkaufte, blieb er bis 1971 in beratenden Position tätig. Als David Hafler im Jahr 1972 endlich das Unternehmen gründete, das seinen eigenen Namen trug, hatte er bereits einen enormen Einfluss auf mehrere Generationen von Audiophilen und Musikliebhabern ausgeübt. Seine Mission, qualitativ hochwertige Audioprodukte zu erschwinglichen Preisen herzustellen, blieb unverändert. Die ersten beiden Produkte der Hafler Company waren der erschwingliche Vorverstärker DH-101 und der dazugehörige Endverstärker DH-200, die beide eine außergewöhnliche Musikwiedergabe in dieser Preisklasse boten. Ein weiteres bemerkenswertes Produkt war der Stereoverstärker DH-500 mit einer Leistung von 255 Watt pro Kanal, der sich in Heim-, Studio- und Live-Umgebungen als sehr erfolgreich erwies. Alle Geräte waren sowohl als Bausätze als auch als komplett montierte Produkte erhältlich.

    Der Hafler DH 120 ist ein brückbarer Transistorverstärker mit 60 Watt pro Kanal. Er ist von robuster Bauqualität und besteht aus zwei Endstufenplatinen, die an einen einzigen Transformator angeschlossen sind. Die 4 Hitachi MOSFET-Transistoren pro Kanal sind auf zwei großen Kühlkörpern montiert, welche die Seiten der Endstufe bilden. Die technischen Daten des Verstärkers sprechen auch nach heutigen Maßstäben für Musikgenuss, und die hohe Qualität der Bauteile garantiert eine lange Lebensdauer. Aufgrund der relativ geringen Anzahl von Bauteilen und des durchdachten Schaltungsdesigns ist der DH 120 ein dynamisches und musikalisches Gerät, das die legendäre Dynaco-Handschrift trägt. Im direkten Hörvergleich zog ich den weicheren und farbigeren Klang des DH 120 sogar dem größeren DH 220 derselben Marke vor, einem Verstärker mit 110 Watt Leistung pro Kanal. Größe ist nicht alles, jedenfalls nicht, wenn es um den DH 120 geht. Der Verstärker hat Charme und ist in der Lage, die meisten Lautsprechertypen gut anzutreiben. Für elektrostatische und magnetostatische Systeme ist die Leistung von 60 Watt pro Kanal eher nicht ausreichend.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 60 Watt
    • Gebrückt (RMS, 8 Ohm): 1x 150 Watt
    • Transistor-Typ: Hitachi Mosfet
    • Eingangsempfindlichkeit: 22 kOhm
    • Frequenzgang (60 Watt, +/-0,5 dB): 10 - 40.000 Hz
    • Frequenzgang (1 Watt, -3 dB): 4 - 200.000 Hz
    • Signal-Rauschabstand: >100 dB
    • Kanaltrennung: 85 dB (@ 1 kHz)
    • Klirrfaktor: 0,002 % (@ 1 kHz)
    • Dämpfungsfaktor: 100:1
    • Crosstalk: 85 dB
    • Anstiegszeit: 2 uS
    • Gewicht: 9 kg
    • Baujahr: 1984 - 1990

  • Hafler DH-220

    Hafler DH-220

    26.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Es gab eine Zeit, da brachte mein guter Freund Luigi regelmäßig HiFi-Geräte zum Testen zu uns nach Hause. Und obwohl es dabei viele interessante Entdeckungen zu machen gab, sprachen uns die Geräte irgendwie nicht so sehr an, dass wir sie tatsächlich besitzen wollten. Eines Tages, als ich von einer abendlichen Lehrveranstaltung die Treppe zu unserer Wohnung hinaufstieg, hörte ich im Wohnzimmer Musik, die selbst aus der Ferne sehr realistisch klang. Was auch immer das sein mag, dachte ich mir auf den letzten Stufen, das wird bleiben. Das System, das Luigi für uns aufgebaut hatte, war eine kleine Hafler-Kombination, bestehend aus dem Vorverstärker DH-110 und der 60-Watt-Endstufe DH-120. Und ihre Musikalität übertraf alles, was wir bis dahin gehört hatten. Als ich meine Frau später fragte, an welchem Punkt sie wusste, dass wir die Komponenten erwerben würden, sagte sie, dass sie bereits aus der Küche - die etwa dreißig Meter den Flur hinunter lag - gehört hatte, dass dies etwas ganz Besonderes sei.

    Es gibt nicht viele Verstärker, die in der Lage sind, unsere Herzen aus mehreren Metern Entfernung so einhellig zu erobern, und schon gar nicht zu einem Preis, den sich die meisten Leute noch leisten können. Aufgrund der offensichtlichen Qualitäten des Halfer entschied sich Luigi für den Kauf des 115-Watt-DH-220 und ließ ihn neu justieren und mit neuen Kondensatoren versehen. Dabei wurde der Class-A-Anteil des Verstärkers erhöht, was sich positiv auf den Klang auswirkte und zu einer höheren Wärmeableitung führte. Ich glaube, man könnte auf diesem Gerät buchstäblich ein Ei braten. Mit zwölf Kilo fühlt sich der kleine Verstärker wie ein massiver Klumpen Metall an. Die Kühlkörper sind massiv, und bei so viel Class-A-Leistung ist das wahrscheinlich auch gut so. Für einen Verstärker dieses Kalibers sind die Verzerrungswerte bei jeder Frequenz sehr niedrig. Die untenstehenden Angaben zeigen den Klirrfaktor bei 1 kHz.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der DH-220 eine ziemliche Prinzessin sein kann, in dem Sinne, dass er nicht mit jedem spielt. Vor einiger Zeit hatten wir die Endstufe von Luigi ausgeliehen, um sie auf unserer kleineren Anlage zu testen. In diesem Szenario musste sie mit einem mittelmäßigen Vorverstärker und Mid-Fi-Lautsprechern spielen. Das Ergebnis war alles andere als erfreulich, und wir brachten die Endstufe sehr bald zurück, um nach etwas Geeigneterem zu suchen. Ich war daher überrascht, als Luigi darauf bestand, dass ich diesem Verstärker eine zweite Chance geben sollte, nachdem alle unsere anderen Komponenten bereits nach und nach aufgerüstet worden waren. Im aktuellen Szenario sollte der DH-220 unsere Citation Twelve Deluxe ersetzen, eine Endstufe, die wir sehr schätzten. Die übrigen Spielpartner waren ein Lenco L75 Plattenspieler, die Restek V1 Vorstufe und Tannoy DC6t Lautsprecher mit 8 Ohm Last.

    Wir hörten uns den Citation Verstärker ein letztes Mal an und schlossen dann den DH-220 zum Vergleich an. Die Verbesserung in diesem Szenario war sofort hörbar, obwohl der Verstärker noch in der Aufwärmphase war. Die leichte Verträumtheit des Citation war verschwunden, die Musik hatte nun eine intensivere und realistischere Dimension, was besonders bei Live-Aufnahmen auffiel. Während der Citation den Hörer umschmeichelte, hatte der Hafler eine Geradlinigkeit und Eindringlichkeit, die mir von einigen Quad-Verstärkern vertraut war. Der Mitteltonbereich des DH-220 ist tonal sehr akkurat und dabei erfreulich breit. Seine Bässe sind kraftvoll und kontrolliert, was sich zu einer angenehmen Klangfülle entwickelt. Die räumliche Darstellung ist sehr genau und Klaviertöne werden tief in den Raum geschleudert. Der Halfer spielte so gut, dass wir in der Lage waren, die Gewichte, die ich zur besseren Abbildung auf jeden Lautsprecher gelegt hatte, zu entfernen und die Lautsprecher weiter in den Raum zu ziehen, ohne das Fundament zu verlieren. Wir werden diesen Verstärker sicherlich noch eine Weile behalten, um die neue Dimension des Klangs zu genießen. Der Hafler DH-220 ist auf jeden Fall eine Entdeckungsreise wert. Wo auch immer dieser Verstärker eingesetzt wird, er wird nur schwer zu toppen sein.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 115 Watt
    • Transistor-Typ: Hitachi Mosfet
    • Frequenzgang (15 Watt, +/-0,5 dB): 6 - 60.000 Hz
    • Frequenzgang (1 Watt, -3 dB): 2 - 160.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,0025%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: >100 dB
    • Dämpfungsfaktor: 300:1
    • Crosstalk: 85 dB
    • Anstiegszeit: 2,5 uS
    • Gewicht: 12 kg
    • Baujahr: 1984 - 1990

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  • Hafler XL-280

    Hafler XL-280

    9.7.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der Stereo-Endverstärker XL-280 ist wohl eines der besten Geräte, die Hafler je hergestellt hat. Mit 145 Watt RMS an 8 Ohm läuft er stabil bis hinunter zu 1 Ohm und ist damit in der Lage, auch die anspruchsvollsten Lautsprecherlasten zu betreiben, ohne Instabilität, Überhitzung oder eine Selbstabschaltung des Verstärkers befürchten zu müssen. Der XL-280 war daher als Arbeitstier für die Magneplanar- und Elektrostaten-Lautsprecher der 90er Jahre prädestiniert, funktionierte aber auch für anspruchsvollere konventionelle Designs, wie z.B. einige Infinity-Modelle. 145 RMS mögen auf den ersten Blick nicht nach viel Leistung klingen, doch dieser Eindruck kann sich ändern, wenn man bedenkt, dass sich die Wattleistung bei Halbierung der Ohmzahl fast verdoppelt, sofern die Architektur und die Stromversorgung dies zulassen. So liefert der XL-280 an 2 Ohm satte 360 Watt pro Kanal, während viele konventionellere Verstärker einfach das Handtuch werfen würden.

    Die Abkürzung XL steht für Excelinear, was laut Hafler bedeutet, dass der Verstärker sich durch seine Linearität auszeichnet. Das Ziel war es, einen Verstärker zu bauen, der die linearen Eigenschaften eines einzelnen geraden Drahtes aufweist. Der Vorteil eines solchen Verstärkers wäre, dass er dem Signal, das er von der Audioquelle erhält, weder etwas hinzufügt noch etwas wegnimmt. Hafler schreibt: "In Bezug auf Phase, Amplitude, Übertragungscharakteristik und andere Verzerrungen setzt der XL-280 neue Maßstäbe in Sachen Genauigkeit. Er ist so nahe an der Perfektion, dass man zum ersten Mal einen aussagekräftigen Vergleich dieses Verstärkers mit dem klassischen Nullverzerrer anstellen kann: einem geraden Draht. (...) Ein Exclinear-Verstärker ermöglicht es dem 'goldenen Ohr', das das Absolute an Systemlinearität verlangt, der Perfektion einen Schritt näher zu kommen." In der Bedienungsanleitung wird weiter beschrieben, dass mit der zusätzlichen XL-10-Umschaltbox A/B-Vergleiche der Verzerrungsunterschiede zu einem geraden Kabel möglich sind und dass der XL-280 eingebaute Regler zur Lastanpassung bietet, um spezifische Lautsprecherlasten zu berücksichtigen. Um diese Einstellung bei geschlossenem Verstärker zu ermöglichen, befinden sich auf der Oberseite zwei kleine Löcher, die mit Gummistopfen verschlossen sind und durch die ein Schraubendreher eingeführt werden kann.

    Halfer war wie auch Harman Kardon der Meinung, dass die musikalische Bandbreite zugunsten der musikalischen Integrität nicht eingeschränkt werden sollte. Die außergewöhnlich große Bandbreite des XL-280 wird durch die angegebene 1-Watt-Ausgangsleistung von ± 3dB von 0,1Hz bis 500kHz demonstriert. Beeindruckend ist, dass die Phasenverschiebung innerhalb des konventionellen Audiobands (20Hz bis 20kHz) mit weniger als 0,5° angegeben wird. In Bezug auf die Verarbeitungsqualität ist der XL-280 seinem Vorgänger, dem DH-220, sehr ähnlich, obwohl er ganze 25 mm breiter ist. Das schwarze Gehäuse besteht aus vier Bauteilen: 2 gepresste Stahlprofile, die das Chassis und den Deckel bilden, und 2 große eloxierte Kühlkörper - einer auf jeder Seite - an denen die Verstärkermodule befestigt und die 6 Ausgangstransistoren zur passiven Kühlung angeschraubt sind.

    In ihrem Testbericht über den Hafler XL-280 schreiben stereo-amplifier.net: "Einst für die Quad ESL-63-Lautsprecher eingerichtet, lieferte der Hafler XL-280 eine wirklich vorbildliche Leistung. Der Bass war absolut straff und reichte scheinbar tiefer, als ich es gewohnt bin zu hören, trotz der Tatsache, dass mein Vorverstärker eine eingebaute NF-Absenkung hat. Die Höhen klangen kristallklar und offen, ohne jede Spur von Zischlauten, und die gesamte Stereo-Klangbühne war felsenfest, unabhängig von der Dynamik der Musik. Einige der subtileren subjektiven Unterschiede, die man bei Spitzen-HiFi-Geräten hört, lassen sich nur sehr schwer quantifizieren, manchmal sogar nicht einmal ausdrücken, aber mein überwiegender Eindruck des Hafler XL-280 ist, dass er das ihm zugeführte Quellmaterial weder aufwertet noch abschwächt. Das Wort, das mir nach wochenlangen Hören immer wieder in den Sinn kam, war 'Autorität', und mir fällt keine Endstufe ein, die ich je benutzt oder gehört habe, die diese Eigenschaft überzeugender demonstriert.”

    Bei meinen bisherigen Hörerfahrungen kann ich die relative Autorität, die der Verstärker der Musik verleiht, gut nachvollziehen. Es gibt keinen übertriebenen Glanz, keine Spur von Unsicherheit bei der Darstellung von Stimmen oder Klaviertönen. Vielmehr scheint der Verstärker die Musik sehr fest im Griff zu haben, was durchaus faszinierend ist. Die tiefe Bass-Staffelung, die wir vom DH-220 kennen und schätzen gelernt haben, kann ich allerdings noch nicht bestätigen, was z.B. bedeuten könnte, dass die Kondensatoren in unserem Gerät im Laufe der Jahre ausgetrocknet sind. Obwohl dies bei einem Gerät, das seit den 80er Jahren Musik spielt, nicht verwunderlich wäre, bedeutet es doch, dass noch Arbeit vor uns liegt, um das volle Potenzial des XL-280 zu entfalten. Da er aussieht als käme er frisch aus dem Laden, würde ich annehmen, dass dieser Hafler über einen längeren Zeitraum im Keller oder auf dem Dachboden aufbewahrt wurde, was im Allgemeinen eher schlecht für Kondensatoren ist. Da wir uns jedoch bereits in diesen Verstärker verliebt haben, wird es sich lohnen, ihn wieder in einen neuwertigen Zustand zu versetzen.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 145 Watt
    • Transistor-Typ: Hitachi Mosfet
    • Frequenzgang (1 Watt, -3 dB): 1 - 500.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,007%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: >100 dB
    • Dämpfungsfaktor: 300:1
    • Anstiegszeit: 0,7 uS
    • Gewicht: 12,25 kg
    • Baujahr: 1987 - 1990

Vollverstärker

Vollverstärker

Integrierte Verstärker vereinen die Vor- und Endverstärkerstufen in einem einzigen Gehäuse. Sie benötigen dafür in der Regel deutlich weniger Platz in einem Hi-Fi-Rack, haben einen höheren Frauenakzeptanzfaktor (FAF) und üben die absolute Kontrolle über die Wahl der Verkabelung und der Massepotentiale zwischen den Stufen aus. Zumindest in der Theorie haben integrierte Verstärker das Potenzial, besser zu klingen als separate Geräte.

Andererseits kann die Unterbringung des Vorverstärkers und der Endstufe in einem einzigen Gehäuse einige Probleme aufwerfen. Die großen Transformatoren von Endstufe werden die empfindliche Vorverstärkung mit Vibrationen und EMF-Strahlung belasten. Die räumliche Nähe aller Komponenten kann zu Kühlungsproblemen führen, und man hat nicht die Möglichkeit, die Parameter zwischen den Stufen zu ändern, um sie besser an die Lautsprecher anzupassen. Die Kunden von Vollverstärkern sind oft nicht bereit, den Preis für zwei getrennte Einheiten in einem einzigen Gerät zu zahlen, ein Faktor, der die Verfügbarkeit von Qualitätsdesigns in diesem Segment eingeschränkt hat.

In der Praxis waren integrierte Verstärker den separaten Geräten häufig unterlegen, einfach weil sie eine weniger technisch versierte, geschweige denn audiophile Kundschaft anzogen, was aber nicht heißen soll, dass es keine Ausnahmen von dieser Regel gab. In der Tat gab es über die Jahre einige integrierte Verstärker, welche die intrinsischen Nachteile des Kompromisses sehr gut bewältigt haben, indem sie für jedes Problem eine eigene Lösung gefunden haben. Auf diese Exemplare wollen wir uns hier konzentrieren.

  • Fase Performance 1.0

    Fase Performance 1.0

    5.5.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Integrated Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Seit Beginn meiner Erkundungen in Sachen Hi-Fi hegte ich den stillen Verdacht, dass Vollverstärker nicht in der Lage sein, unsere Vorstellungskraft in dem Maße in den Bann zu ziehen, wie dies Vor- Endstufen-Kombinationen vermochten. Allerdings muss ich gestehen, dass dies besonders auf die Jahren zutraf, in denen ich noch keinen gut konstruierten Vollverstärker bei gehört hatte. Vielleicht rührte meine fehlgeleitete Meinung daher, dass ich Vollverstärker vor allem mit Massenprodukten aus Elektronikmärkten oder Online-Discounter kannte. Da es sich dabei meist um preisorientierte Geräte handelte, die den aktuellen Markttrends folgten, waren audiophile Genüsse darunter eher selten zu finden.

    Glücklicherweise hatte der schnittige italienische Verstärker, um den es in diesem Test geht, eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Der Performance 1.0 war kein Massenprodukt, sondern wurde gegen Ende der 1990er Jahre von Fase Evoluzione Audio in Italien entwickelt und hergestellt. Er basierte zu einem Großteil auf der Handwerkskunst und technischen Philosophie von Fabio Serblin. Fabio selbst war der Neffe des legendären Sonos Faber-Gründers Franco Serblin und hatte zuvor den recht erfolgreichen QUID-Verstärker für die Marke Sonos entwickelt. Auch die Produkte von Fase Audio waren für den audiophilen Markt konzipiert, wurden in kleinen Stückzahlen gefertigt und waren von überdurchschnittlicher Qualität.

    Der Performance 1.0 basierte auf einem schlichten Platinen-Design, das der audiophilen "Weniger-ist-mehr"-Philosophie entsprach. Die 60 Watt pro Kanal wurden von einem anständig dimensionierten, rauscharmen Ringkerntransformator und vier hochwertigen Philips-Kondensatoren bereitgestellt. Die beiden Leistungstransistoren pro Kanal waren vom Typ Motorola MJ15022" aus mexikanischer Produktion. Auf der Vorderseite des Geräts befanden sich Eingangs- und Aufnahmewahlschalter sowie ein hochwertiges, in Japan hergestelltes Alps-Potentiometer der "Blue Series" zur Lautstärkeregelung. Der Performance 1.0 bot eine exzellente RIAA-Korrektur für Phono und war zusätzlich zu MM in der Lage, MC-Tonabnehmer mit höherer Leistung zu verarbeiten. Auf der Rückseite befanden sich solide Lautsprecherklemmen für Spaten oder Bananas, eine praktische Kaltgerätebuchse und ein Ground-Lift-Schalter, der im Falle von Brummen oder ähnlichen Erdungsproblemen in Verbindung mit anderen Geräten schon nützlich sein konnte.

    Die Seiten des Geräts waren geschmackvoll von Massivholz-Paneelen flankiert, eine Maßnahme, die die Auswirkungen von Transformator-Brummen auf die Elektronik und das Gehäuse dämpfen sollte. Das gesamte Design war von italienischem Understatement und grober Einfachheit geprägt. So waren beispielsweise die Schrauben, mit denen die Ober- und Unterseite des Gehäuses befestigt waren, von allen Seiten sichtbar. Sogar die Holzplatten selbst hatten sichtbare Schraubenköpfe, die geradewegs durchschauten. Vielleicht wollte man damit die Bauhaus-Philosophie "Design folgt der Funktion" unterstreichen, oder man zielte darauf, die Produktionskosten bei der Montage in Italien niedrig zu halten. Selbst wenn er nicht in Betrieb war, konnte ich nicht umhin, von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Position zu werfen, an der die Performance 1.0 stand, und mich zu fragen, was Fabio Serblin wohl im Sinn hatte, als er dieses Gerät entwarf. Und so war es dann doch geschehen: Ich war endlich auf einen Vollverstärker gestoßen, der meine Fantasie beflügelte.

    Normalerweise begann ich meine Hörproben mit CD als Quelle und wandte mich erst im Anschluss der Phono-Wiedergabe zu, nachdem ich ein Gefühl für die Dynamik und die Dimensionen entwickelt hatte. Doch dieses Mal schloss ich zunächst unseren bewährten Dual CS 505-3 Plattenspieler an den Performance 1.0 an. Der Dual mit seinem original Ulm Tonabnehmer war gerade überarbeitet und mit Cinch/RCA-Anschlüssen, verbesserten Isolierfüßen und einem neuen Antriebsriemen ausgestattet worden. Ich liebte diesen einfachen Dual-Player für die schnörkellose Art, mit der er Musik präsentierte, und erwartete zugegebenermaßen nicht gerade viel vom Performance 1.0. Umso mehr war ich überrascht, wie gut der kleine Verstärker die dem Dual innewohnenden Stärken hervorhob, indem er seinen sauberen und ehrlichen Klang unterstrich. Wenn überhaupt, dann wirkte der Dual ein wenig weicher als zuvor, und schien dennoch mehr Punch zu haben. Trotz seiner bescheidenen Abmessungen klang der Italian keineswegs winzig oder zerbrechlich. Er präsentierte seine Musik mit großem tonalem Reichtum. Sein Bass war voll, vielleicht ein bisschen mehr dröhnend als tiefgründig, aber dennoch auf Anhieb sympathisch.

    Katie Meluas "Album No. 9" wurde mit einer etwas voluminöseren Stimme präsentiert, als ich es sonst gewohnt war. Dies trug dazu bei, dass die manchmal übermäßig freizügige und manchmal sogar raue und zischende Aufnahme mehr Spaß machte. Auf der anderen Seite klangen die Stimmen weniger lebendig, realistisch und luftig. Die Bässe hatten eine leichte Dicke und wirkten eher beruhigend auf Ohren und Körper als analytisch auf den Verstand. Dieser Effekt wurde möglicherweise durch die Wahl unserer kapazitätsarmen Silber-Vollkern-Verbindungsleitungen und Belden 9497-Lautsprecherkabel oder durch die Widerstandskombinationen der Geräte akzentuiert und akkumuliert. An und für sich waren unsere Tannoy XT8f-Lautsprecher und der Dual CS 505-3-Plattenspieler nicht dafür bekannt, dass es ihnen an Top-End oder Transienten mangelte.

    Der Eindruck eines leicht gedrängten oberen Frequenzbereichs, vielleicht mit dem Zweck auf diese Weise einen volleren Klang zu erreichen, blieb unverändert, als ich von Vinyl auf CD umstieg. Eine Sache fiel mir dabei besonders auf: An unserem aktuellen Testsystem betrieben wir einen Cambridge DacMagic 100 in Verbindung mit einem Marantz CD-17. Alle Chinchverbindungen waren mit massive Silberkabel ausgeführt. Der DacMagic hatte eine Ausgangsimpedanz von 50 Ohm, und das entsprach schlichtweg nicht den Erwartungen des Fase Audio. Ohne den DAC konnte ich den Ausgangswiderstand auf die 250 Ohm des CD-Spielers erhöhen. Die Verbesserung war sofort spürbar, allerdings machte ich den Fehler, von unseren silbernen Solid-Core-Verbindungen zu einem älteren Paar Fast Audio-Verbindungen zu wechseln. Um einen direkten Vergleich zu haben, hätte ich nur eine Sache auf einmal ändern sollen. Als ich schließlich wieder zu unseren Silberkabeln zurückkehrte, stellte ich fest, dass dies ein noch natürlicheres Top-End mit deutlich verbesserten Transienten zur Folge hatte. Das Ergebnis war höchst erfreulich, auch wenn ich nun bemerkte, dass die Bühne immer noch etwas flacher und zurückversetzter wirkte, als ich dies gewohnt war. Es liegt in der Natur unseres Hobbys, dass, wenn man ein Phänomen verstanden und beseitigt hatte, das nächste darunter auftauchte und einem damit ein weiteres Rätsel aufgab, das gelöst werden musste.

    Weitere Erkundungen mussten jedoch auf einen späteren Zeitpunkt warten. Denn dieser Italiener sollte seine Melodien zunächst in Landons Haus spielen. Landon ist für das Korrekturlesen der englischen Texte für eiaudio verantwortlich und wartete schon seit längerem auf einen passenden Verstärker für sein System. Mit etwas mehr Erfahrung und cleveren Anpassungen konnte ich mir vorstellen, dass der Performance 1.0 zum zuverlässigen Herzstück einer leidenschaftlichen HiFi-Anlage wird. Mit seinen vier Line-Eingängen und einem sehr fähigen Phono-Eingang sowie zahlreichen Aufnahme-Funktionen bot der elegante Italiener das Aussehen, die Leistung und den Klangreichtum, den man von einer Familientradition erwartet, die in der italienischen Hi-Fi-Szene längst zur audiophilen Königsdisziplin gehörte. Und obwohl Fase Evoluzione Audio vor einigen Jahren seine Pforten schloss, stellt Fabio weiterhin Hi-Fi-Geräte unter der Marke Serblin & Son her. Sein Onkel Franco von Sonos Faber starb 2013 und hinterließ ein florierendes Unternehmen für die Herstellung von Lautsprechern. Sein Leben und seine Errungenschaften werden von Serblin & Son mit der aktuellen Hi-Fi-Produktpalette gewürdigt, die einfach "Frankie" genannt wird.

    Anmerkung: Bevor ich den Performance 1.0 an Landon übergab, hatte ich die Gelegenheit, ihn an unseren neu erworbenen Epicure EPI 500-Lautsprechern zu testen. Im Zusammenspiel mit den 4-Ohm-EPIs schien sich der Fase Audio auf Anhieb wohler zu fühlen und war in der Lage, sie mit überlegener tonaler Ausgewogenheit anzutreiben. Der ehemals druckvolle Bass fügte sich dabei nahtlos in die Musik ein. Nach dieser Erfahrung würde ich persönlich einem 4-Ohm-Lautsprecher den Vorzug geben, um das volle Potenzial des Performance 1.0 auszuschöpfen.

    Technische Daten

    • Typ: integrierter MOSFET-Verstärker
    • Signal-Rauschabstand (Line): 98 dB
    • Rauschabstand (MM): 70 dB
    • Rauschabstand (MC): 65 dB
    • Anzahl der Eingänge: 4x Line; 1x Phono
    • Lautstärkeregler: Alps 'Blue Series'
    • Ausgänge: 1 Paar Lautsprecheranschlüsse (Bananas oder Spaten)
    • Ausgangsleistung (8 Ohm): 60 WPC
    • Ausgangsleistung (4 Ohm): 100 WPC
    • Merkmale: Ground-Lift-Schalter
    • Abmessungen: (B) 425 mm x (H) 7,5 mm x (T) 32 mm
    • Land der Herstellung: Italien
    • Gewicht: 7,5 kg
    • Jahr(e): 1995-1997

  • Luxman L-10

    Luxman L-10

    6.4.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Integrated Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Während ich gerade noch in audiophiler Glückseligkeit über unseren Becker ST-100-Verstärker schwebte, kam Luigi bei einem zufälligen Besuch mit einem kleinen Vollverstärker unter dem Arm bei uns vorbei und bestand darauf, dass ich ihn sofort ausprobierte. Ich hatte schon länger begriffen, dass Luigis Produktdemonstrationen durchweg außergewöhnlich waren, und dennoch war ich ziemlich betrübt darüber, mein glückliches Setup aus Restek V1 und Becker ST-100 zu zerlegen, um Platz für einen klein aussehenden 55-Watt-Vollverstärker zu schaffen.

    Da ich ein großer Fan von getrennten Vor- und Endstufen-Kombinationen bin, um den Klang eines Systems besser auf die Lautsprecher abzustimmen, war es für mich nur ein kleiner Trost, dass der fragliche Vollverstärker von Luxman in Japan hergestellt wurde, einer Firma, die in der Blütezeit der High-Fidelity für einige sehr vielversprechende Designs bekannt war. Mein Eindruck änderte sich jedoch erheblich, als ich den Luxman von dem Tisch hob, auf dem Luigi ihn abgestellt hatte. Mit einem Gewicht von 10,5 kg und den sichtbaren, abgeschirmten Ringkerntransformatoren für die beiden separaten Netzteile wirkte er deutlich hochwertiger, als ich es zunächst erwartet hatte.

    In einem Regal platziert, verlangte wenig am Luxman L-10 nach sofortiger Aufmerksamkeit. Er war sicherlich nicht die Art von Verstärker, die zu einem Gespräch mit einem zufälligen Besucher des Hauses einladen würde. Für diejenigen, die an hervorragendem Klang interessiert waren und sich in der Branche auskannten, konnte der L-10 jedoch leicht als perfektes Understatement akzeptiert werden. 55 Watt pro Kanal mochten für sich genommen nicht gerade viel erscheinen, aber gepaart mit einem durchdachten internen Layout, mit einigen außergewöhnlichen Komponenten und hervorragenden Hochstromfähigkeiten hatte das Ergebnis das Potenzial, pure Magie zu sein.

    Der L-10 war ein Mitglied der viel beachteten Luxman "Laboratory Reference Series" und stand in der Tradition der 5C50/5M20 und C12/M12 Verstärker. Sowohl für die Vor- als auch für die Endstufe wurde eine clevere DC-Amp-Konfiguration verwendet. Die Endstufe war als Dual-Mono Verstärker ausgeführt und verfügte über abgeschirmte Ringkerntransformatoren und große Netzteil-Kondensatoren, die einen hohen Ausgangsstrom und einen niederohmigen Antrieb ermöglichten. Die originalen Sanken 2SC1445/2SA765 Ausgangstransistoren waren im Labor aufeinander abgestimmt worden und von außergewöhnlich hoher Qualität. Faktoren, die den L-10 sowohl leise als auch treu zur Musikquelle machten. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels waren die speziellen Sanken-Transistoren nicht länger in Produktion, was einen Ersatz schwierig machen könnte. Ich habe jedoch gelesen, dass man manchmal NOS-Angebote dieses Transistortyps online finden kann.

    Der Luxman L-10 verfügte über einen neu entwickelten Lautstärkeregler, der Ungleichgewichte in den Kanälen auf ein Minimum reduzierte, und er hatte einige attraktive Funktionen, die die Benutzerfreundlichkeit und die Anschlussmöglichkeiten verbesserten. So konnte beispielsweise der eingebaute Vorverstärker auch separat verwendet werden, um eine externe Endstufe zu speisen, aber auch als Kopfhörerverstärker über die frontseitige Kopfhörerbuchse dienen. Alle Verstärkerausgänge boten die Möglichkeit des monauralen Downmixing, eine praktische Funktion zur Überprüfung von Kanalungleichheiten oder zur Wiedergabe von monauralen Aufnahmen. Eine weitere praktische Funktion war der Schalter für die stereophone Umschaltung, mit dem die Eingänge für den linken und rechten Kanal invertiert werden konnten.

    Anstelle der üblichen +/- 6-dB-Tonregler, die sich meist negativ auf die Klangqualität auswirkten, da sie Phasenverschiebungen und Signalverluste verursachten, ermöglichte der Tonkompensator des L-10 eine Anpassung von +2 / -2,5 dB über eine passive Schaltung. Die Idee war, dass der Besitzer in der Lage sein sollte, Tonbalance-Schwankungen zwischen verschiedenen Aufnahmestudios auszugleichen, ohne die Signalintegrität zu beeinträchtigen. Die variablen Regelfrequenzen für Bässe waren 50 Hz, 200 Hz, 700 Hz und für Höhen 700 Hz, 3 kHz, 10 kHz. Um die Lautsprecher vor versehentlicher Beschädigung zu schützen, verfügte der Verstärkerausgang über eine Schutzschaltung, die den Verstärker im Falle eines Gleichstromausgangs abschalten würde.

    Als ich dem L-10 bei der Wiedergabe unserer Lieblings-Jazz-Alben zuhörte, war ich überrascht, wie nahtlos der Vollverstärker dort anknüpfen konnte, wo die Restek V1 + Becker ST-100 Kombination aufgehört hatten. In der Tat hatte der L-10 fast genau die Qualitäten, die mich schon beim Becker ST-100 angezogen hatten: Er war klanglich reichhaltig mit einer starken Präsenz in den mittleren Bässen. Mit einem milden Dämpfungsfaktor von 80 ließ er dem System Luft zum Atmen. Die Überlagerung von Bässen sorgte für einen klanglichen Reichtum, der das Zuhören von Anfang an sehr angenehm machte. Während Luigi darauf bestand, dass der Luxman einen tonal neutralen Zugang zur Musik hatte, offenbarten unsere Tannoy-Lautsprecher einen höchst musikalischen und saftigen Charakter.

    Stimmen wurden akkurat und auf Anhieb ansprechend abgebildet, ähnlich wie beim Becker-Verstärker. Bei Gesangspassagen hätte ich keinen Unterschied zwischen den beiden feststellen können, so nah waren sie sich. Trotz des leicht blumigen Mittenbasses konnte ich keine Verdickung von Stimmen feststellen. Die Höhen waren fokussiert, fein und elegant, wie man es von einem gut geschützten Signalweg erwarten würde. Höhere Klaviertöne schafften es, sich von den Lautsprechern zu lösen und im Raum präsent zu sein. Ich war in der Tat sehr zufrieden mit der Leistung, die ich von dem Vollverstärker erhielt.

    Ich muss gestehen, dass ich unter normalen Umständen keinen Vergleich zwischen einigen meiner bevorzugten Vor- Enstufenkombis und dem Luxman-Vollverstärker angestellt hätte. Aber in diesem speziellen Fall, nachdem ich die beiden so kurz hintereinander gehört habe, kann ich sagen, dass der L-10 sich dabei sehr gut behaupten konnte. Die Unterschiede waren mehr oder weniger eine Frage des persönlichen Geschmacks. Luigi z.B. bevorzugte den etwas kontrollierteren und agileren Klang der Luxman, während ich mich mehr zu der größeren räumlichen Darstellung, der Luftigkeit und dem Punch der Separaten hingezogen fühlte.

    Die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen waren bei dem bärigen Becker ST-100-Verstärker ein wenig präsenter. Auch die physische Trennung zwischen den Instrumenten war bei dem größeren Verstärker etwas eindruckvoller. Auf der anderen Seite brachte der L-10 mehr Geschwindigkeit und Agilität auf den Tisch, wodurch schnellere Musik bevorzugt wurde. Für diejenigen, die einen Vollverstärker suchen, ist der Luxman L-10 sicherlich eine Überlegung wert. Überholte Modelle, wie das hier vorgestellte, spielen in einer eigenen Klasse und können sich auch mit separaten Geräten auf höchstem audiophilem Niveau messen.

    Technische Daten

    • Typ: integrierter Stereoverstärker (doppel-mono)
    • Merkmale: Super-Class-A(/B), in Echtzeit verarbeitet
    • Leistungsaufnahme: 230 Watt, max.
    • Eingänge: Phono MM, Tuner, Tonband 1+2, AUX, Monitor
    • Ausgangsleistung: > 55 WPC @ 8 Ohm; 75 WPC @ 4 Ohm
    • Phono-Ansprechverhalten: 20 Hz bis 20.000 Hz (< 0,2 dB)
    • Filter: Unterschall (10 Hz, normal, 20 Hz)
    • Line-Ansprechverhalten: 0 Hz bis 100.000 Hz (< -1 dB)
    • Harmonische Gesamtverzerrung: < 0.015%
    • Dämpfungsfaktor: 80 (@ 8 Ohm, 1 kHz)
    • Klangregler: Bass, Höhen (+/- 2,5 dB, passive Schaltung)
    • Variable Regelfrequenz: Bässe (50 Hz, 200 Hz, 700 Hz); Höhen (700 Hz, 3 kHz, 10 kHz)
    • Eingangsempfindlichkeit: 3 mV (MM), 300 mV (Line)
    • Phono-Eingangsimpedanz: 50 kOhm
    • Signal-Rausch-Verhältnis: > 90 dB (Phono), > 100 dB (Line)
    • Kanaltrennung: > 85 dB
    • Ausgang: 300mV (Leitung), 0,3 V (Vorverstärkerausgang)
    • Abmessungen: (B) 438 mm x (T) 363 mm x (H) 78mm
    • Gewicht: 10,5 kg

  • Musical Fidelity A1-X

    Musical Fidelity A1-X

    4.7.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Integrated Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nach dem japanischen Luxman L-10 und dem italienischen Fase Performance 1.0 war der britische Musical Fidelity A1-X mein dritter integrierter Vollverstärker im Test. Er wurde mir von meinem Namensvetter Karsten aus Bad Vilbel, einem Wohnort im Speckgürtel nördlich von Frankfurt, zum Testen übergeben, der kürzlich auf eine ganze Reihe von Naim-Komponenten umgestiegen war, um damit seine Altec 887A Capri Lautsprecher zu betreiben. Der A1-X stand für einige Zeit bei ihm im Lager, bis Karsten vorschlug, dass ich ihn zum Testen mit nach Hause nehmen könnte.

    Angesichts einer Nennleistung von niedrigen 25 Watt pro Kanal hielt ich es für das Beste, den A1-X an unser temporäres System im ersten Hörraum anzuschließen, in dem noch die Shure 701 Pro Masters aufgestellt waren. Bei einem Wirkungsgrad von 102 dB bei nur einem Watt würden die Shures einen leichten Leistungsmangel von Seiten des Verstärkers verzeihen. Als ich jedoch versuchte, den A1-X anstelle unseres Dynaco PAS-4-Röhrenvorverstärkers und des Hafler XL280-Verstärkers aufzustellen, wurde mir klar, dass ich einen Vorverstärkerausgang benötigte, um den dazugehörigen Subwoofer mit Musik zu versorgen. Wie die meisten Vollverstärker aus den 80er Jahren bot auch der Musical Fidelity diese Anschlussmöglichkeit nicht.

    Als ich daraufhin unser zweites System auf Kompatibilität prüfte, wurde ich daran erinnert, dass dieses erst kürzlich von den empfindlicheren Tannoy XT8f-Lautsprechern auf die Epicure EPI 500 umgestellt worden war, die im Vergleich eine eher bescheidene Empfindlichkeit von nur 88 dB boten. Würde das ausreichen, um vom A1-X betrieben zu werden? Schließlich gab es nur einen Weg, das herauszufinden; und so trug ich den kleinen Musical Fidelity-Verstärker ins Dachgeschoss und schaltete unseren Restek V1-Vorverstärker ab, der hier zu meiner großen Zufriedenheit mit unserem Dynavox VR-70-Röhrenverstärker gelaufen war.

    Auf dem Papier mochte der Wechsel von einem 40-Watt- zu einem 25-Watt-Verstärker keine große Sache sein. Und doch waren 40 Watt Röhrenleistung eine ganz andere Geschichte, vor allem im Vergleich zur Transistorleistung. In der Zwischenzeit hatte ich viel Erfahrung mit der Restek & Dynavox-Kombination und genoss besonders ihre Fähigkeit, die Musik von den Bassfrequenzen an aufwärts zu entwickeln. Dies war eine Eigenschaft, die speziell Röhrenverstärker perfekt beherrschten. In HiFi-Foren und Rezensionen hatte ich gelesen, dass der A1-X einen "röhren-ähnlichen" Klang erzeugen konnte, und ich war gespannt darauf, herauszufinden, wie viel an dieser Behauptung dran war.

    Ich begann meine Erkundungen, indem ich mir das 2018 erschienene Album "Love is here to stay" von Tony Bennet & Diana Krall auflegte. Das Timbre dieses Albums war etwas dunkler als dies für Dianas andere Alben typisch war (mit der offensichtlichen Ausnahme von "Rag Doll", das sich in vielerlei Hinsicht als Ausrutscher erwies). “Love is here to stay" war zwar reich an musikalischen Informationen, hatte aber einen starken Fokus auf die Mitte der Bühne, während die Kanaltrennung hier weniger wichtig zu sein schien. Es gab viele natürliche Bassläufe von den Instrumenten, aber auch von den sich bewegenden und auf den Boden stampfenden Füßen der Interpreten.

    Auch wenn die technischen Daten des Musical Fidelity A1-X auf dem Papier nicht übermäßig beeindruckend erscheinen: 25 Watt pro Kanal, 0,5 Prozent Klirrfaktor, 80 Dezibel Rauschabstand, der A1-X klang weder schwachbrüstig noch verzerrt. Ganz im Gegenteil: Mein erster Eindruck war, dass es sich um einen absolut sauber klingenden Verstärker handelt. Er ließ sich gut kontrollieren, selbst als der Verstärker noch nicht warmgelaufen war. In den ersten paar Minuten hatte ich das Gefühl, dass die Kanalbalance etwas unausgewogen waren, und ich fragte mich, was wohl die Ursache dafür war, zumal ich besonders darauf geachtet hatte, die Lautsprecher während des Aufbaus nicht zu bewegen. Diese anfängliche Unausgewogenheit verschwand jedoch nach 3-5 Minuten und könnte damit zusammenhängen, dass der Vorverstärker dem rechten Kanal Strom entzieht, wie ich später in Mark Hennessys außergewöhnlichem Aufsatz über den A1 und seine Derivate lesen konnte. (Schauen Sie mal rein, es lohnt sich, ihn zu lesen.)

    Frisch an Phono, CD-Player und die Epicure-Lautsprecher angeschlossen, klang der A1-X zunächst etwas dünn. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung änderte sich dieser Eindruck jedoch. Ich schätzte die Tatsache, dass der Musical Fidelity sich als tonal richtig mit viel natürlichem Timbre erwies. Wo der Dynavox-Röhrenverstärker im Grundton ziemlich dick aufgetragen und den Hörer mit Klangfarben schon fast erdrückt hatte, blieb der A1-X streng realistisch. In dieser Hinsicht war er dem ausgewogener klingenden integrierten Luxman L-10 näher als den Röhrengeräten.

    Die Abbildung war akkurat, aber die Instrumente wirkten etwas vertiefter und kleiner, mit einem üppigerem definiertem Raum um sie herum, als ich es zuvor gewohnt war. Diese Tendenz wurde noch deutlicher, als ich zum 2Cellos-Album "In2ition" aus dem Jahr 2012 wechselte. Gerade in Momenten, in denen höhere Dynamik und Autorität gefragt war, hätte eine höhere Empfindlichkeit der Lautsprecher mit diesem Vollverstärker sicher bessere Ergebnisse erzielt. In der vorhandenen Kombination fehlte es etwas an Attacke.

    Der A1-X war die europäische Version des A1 und kam Mitte der 1980er Jahre auf den Markt. Genau wie der A1 basierte der A1-X auf einem elektronischen Design, das von der Hi-Fi-Legende und dem langjährigen Musical Fidelity-Ingenieur Tim de Paravicini entwickelt wurde. Die europäische Version zeigte bereits das überarbeitete Design mit offenen Kühlöffnungen auf beiden Seiten. Gleichzeitig bestand die obere Abdeckung aus zwei großen Kühlkörpern, die leicht Temperaturen von über 60 Grad Celsius erreichen konnten. Die Bedienelemente auf der Vorderseite waren so gestaltet, dass sie ein versehentliches Berühren der sehr heißen Kühlkörper begünstigten, was nur die Tatsache unterstrich, dass es sich in der Tat um eine robuste Maschine mit hoher Leistung handelte.

    Wie Mark Hennessy anmerkte, wurde kontrovers darüber diskutiert, wie viel Leistung dieser Verstärker zu erzeugen vermag. Nach einigen Messungen und der Anwendung grundlegender mathematischer Verfahren kam Mark Hennessy zu dem Schluss, dass der A1-X im Class-A-Betrieb eine Leistung von 8 Watt erzeugte, bevor er auf A/B-Betrieb umschaltete. Einige, darunter auch der Konstrukteur Tim de Paravicini selbst, argumentierten, dass die Class-A-Ausgangsleistung anders berechnet werden sollte, und zwar so, dass sie eher der Leistung von Röhren in einem Push-Pull-Design ähnelt. Dies hätte die Class-A-Ausgangsleistung näher an 16 Watt pro Kanal positioniert und wäre eine Begründung für die Leistungsaufnahme des Verstärkers von kontinuierlichen 90 Watt erklärt. Ein weiteres Indiz für die höhere Ausgangsleistung war, dass die Temperatur des Kühlkörpers angeblich bei voller Leistung um 10 Grad Celsius sank. Aus Angst um unsere Lautsprecher beschloss ich, diese Messungen nicht selbst zu verifizieren.

    Mark hat gemessen, dass die Endstufe mit etwa 800 mA belastet wird, was ziemlich hoch ist und zeitweise zu thermischen Problemen führte, insbesondere bei den ersten Geräten, die ohne Seitenlüftung verkauft wurden. Ähnlich wie der Fase Performance 1.0 bot auch der Music Fidelity A1-X nur die nötigsten Bedienelemente: einen Eingangswahlschalter, einen Lautstärkeregler, einen Netzschalter und einen Tape-Monitor-Schalter. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass die Phonostufe des A1-X genügend saubere Verstärkung für MC-Tonabnehmer bot. Der interne Vorverstärker war in der Lage, 200mV an Verstärkung zu erzeugen. Ein zusätzlicher Schalter auf der Rückseite des Geräts ermöglichte es, zwischen MC- und MM-Betrieb umzuschalten. Die Qualität der Phonostufe und die Möglichkeit, auf MC-Betrieb umzuschalten, hätten den A1-X sofort zum Liebling audiophiler Hörer gemacht. Manchmal wurde berichtet, dass die große Verstärkung des Vorverstärkers zu unerwünschtem Rauschen führen könnte, obwohl ich selbst keine derartigen Probleme feststellen konnte.

    Ähnlich wie bei Fase Audio diente bei der A1-Serie ein Ringkerntransformator als Stromversorgung. Hinter dem Transformator war der Verstärker doppel-mono aufgebaut, wobei die Komponenten entlang der zentralen Stromschienen, die die Kühlkörper trugen, gespiegelt waren. Von 1984 bis 1990 gab es eine Reihe kleinerer Facelifts bei den Versionen dieses Verstärkers, beginnend mit dem A1 und dem A1-X, der vom MKII abgelöst wurde. Es gab auch eine Version namens "David", die speziell für Kunden in Deutschland hergestellt (und abgestimmt) wurde, und eine "Final Edition", die eine MOSFET-Ausgangsstufe enthielt. Bei den frühen Modellen waren die Netzteile in das Gehäuse des Hauptverstärkers eingebaut, während spätere Exemplare über externe Netzteile verfügten, welche die Ausgangsleistung auf fast 50 Watt pro Kanal erhöhten.

    In seiner Besprechung des A1-Verstärkers erklärt Mark, dass diese Konstruktion nicht dafür gedacht war, dass man übermäßig viel daran herumschraubte. Nicht nur, dass das Gehäuse zu klein war, um sperrige Komponenten unterzubringen (die Netzteil-Kondensatoren wurden seitlich angebracht, um der begrenzten Höhe Rechnung zu tragen), auch die großen Kühlkörper ließen sich nur schwer entfernen, so dass beim Wiederanbringen der dieser viel frische Wärmeleitpaste benötigt wurde. Es schien, dass ein Teil der hervorragenden Klangqualität des A1-X auf seine einfache Design-Philosophie "weniger ist mehr" zurückzuführen war. Obwohl der Verstärker auch einige hochwertige Teile verwendete, waren die Bauelemente der Ausgangsstufe selbst relativ standardmäßig für die damalige Zeit: ein Satz 2N3055/MJ2955. Mark schlägt vor, sie durch die haltbaren Motorola-Transistoren MJ15003 und MJ15004 zu ersetzen, falls die Transistoren doch einmal reparaturbedürftig sein sollten. Spätere Versionen der Motorola-Transistoren (z.B. MJ15022) waren auch im Fase Audio Performance 1.0 zu finden, soweit ich mich erinnere.

    Als ich den A1-X zum ersten Mal zum Testen erhielt, erzählte mir Karsten von einem Problem, das er mit dem Lautstärkeregler erlebt hatte, der unangenehm geräuschvoll wurde. Doch am Tag meiner Ankunft konnte er das Phänomen nicht reproduzieren. Das erinnerte mich an ein ähnliches Problem, das ich einmal mit unserem DB Systems DB 1 Vorverstärker hatte. Im Falle des DB1 war während des Netzbetriebs ein leichter Gleichstrom durch das hochwertige Alps-Poti geflossen. Ich glaube, dass dies von einem defekten Bauteil auf Seite des CD-Players herrührte, was zu dem Stromfluss führte. Es war durchaus möglich, dass der Grund für das Rauschen dieses Potis ein ähnliches Problem mit einem externen Gerät war, obwohl Mark darauf hinwies, dass das A1-Design konstruktionsbedingt ohnhin kleine Mengen von Gleichstrom durch den Alps-Regler fließen ließ.

    In jedem Fall wurde das Alps Blue-Potentiometer, das im A1-X verwendet wurde, auch im Fase Performance 1.0 eingebaut und hatte in audiophilen Kreisen einen guten Namen. Die Kombination aus integriertem Vorverstärker und Endstufe diente dazu, die spezifischen Klangeigenschaften des A1-X zu erzeugen. Allerdings führte die hohe Verstärkung des Vorverstärkers auch zu einem relativ niedrigen Rauschabstand von 80 dB. Da ich bei meinen Hörtests kein Rauschen feststellen konnte und die klanglichen Eigenschaften des Verstärkers zu schätzen wusste, wäre ich geneigt, den A1-X in seiner jetzigen Konfiguration zu belassen. Die relativ große Menge an Class-A-Verstärkung machte den A1-X zu einem hervorragenden Hi-Fi Begleiter, speziell für Lautsprecher mit höherer Empfindlichkeit.

    Musical Fidelity Firmengeschichte

    Musical Fidelity ist ein britischer Hersteller von High-End-Audiogeräten mit einer langen Reihe von Verstärkern, die von Endstufen über Phono- und Kopfhörerverstärker bis zu integrierten Verstärkern (wie dem A1) und Vorverstärkern reichen. Als das Unternehmen im Jahr 1982 gegründet wurde, hieß das erste Produkt "The Preamp". Es verfügte bereits über einen MC/MM-Schalter. Der Gründer, Antony Michaelson, war ein Klarinettist und Hi-Fi-Enthusiast mit einem Händchen für unkonventionelles Industriedesign.

    Das zweite Produkt von Musical Fidelity war die "Dr. Thomas"-Endstufe, die den Namen ihres Entwicklers Dr. Martin Vaughan Thomas trug. Mit einer beachtlichen Leistung von 100 Watt pro Kanal war der Dr. Thomas-Verstärker bereits ein ziemliches Ungetüm für ein erstes Design. Von den nachfolgenden Entwürfen wurden nicht wenige zu echten Hi-Fi-Meilensteinen.

    Der A1 und alle seine Varianten und Nachfolger wurden von Tim de Paravicini entworfen, der im Dezember 2020 verstarb. Tim war seit 1978 mit Antony Michaelson befreundet, schon während der Zeit, als Michaelson noch Partner bei Michaelson & Austin war. Wie so viele Start-ups hatte Tim de Paravicini den Prototyp des A1 in der privaten Werkstatt seines Hauses gebaut. Er war stolz darauf, seine Erfindung Antony Michaelson zu zeigen, der seinerseits gerade Musical Fidelity gegründet hatte. Nach einer schwierigen Zeit der Weiterentwicklung des Designs und einer Beinahe-Pleite der Firma wurde der A1 zu einem der hoch angesehenen Produkte von Musical Fidelity.

    Technische Daten

    • Typ: integrierter Stereoverstärker
    • Merkmale: hoher Class-A-Ausgang
    • Ausgangsleistung: 2x 25 Watt, 8Ω (Stereo)
    • Klasse-A-Ausgang: 8-16 Watt, 8Ω (Stereo)
    • Leistungsaufnahme: 90 Watt kontinuierlich
    • Frequenzgang: 20 Hz bis 20.000 Hz
    • Transistoren der Ausgangsstufe: 2N3055/MJ2955
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.5%
    • Lautstärkeregler: ‘Alps Blue’ Lautspärkeregler
    • Eingänge: (3x) Line, (1x) Tape Monitor, (1x) Phono
    • Empfindlichkeit (Phono): 0,2 mV (MC), 2 mV (MM),
    • Empfindlichkeit (Line): 200 mV
    • Ausgangsklemmen: 1 Satz (Bananen/Klinken)
    • Rauschspannungsabstand (Phono): 55 dB (MC), 60 dB (MM),
    • Rauschspannungsabstand (Line): 80dB
    • Oberflächentemperatur: 55-65 Grad Celsius
    • Gewicht: 5,8 kg
    • Abmessungen: (B) 408 mm; (H) 68 mm; (T) 258 mm
    • Baujahr: 1984 - 1992

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Receiver

Receiver

Receiver sind diese seltsamen und hybriden Wesen, die die Eigenschaften und Funktionen eines Tuners, eines Vorverstärkers und eines Endverstärkers in einem einzigen Gehäuse vereinen, ein Versuch, der oft zu großen Kompromissen in allen Kategorien mit verheerenden Auswirkungen auf die Klangqualität geführt hat. Zwar bieten Receiver im Allgemeinen ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und viel Komfort, aber die Aspekte der Verhältnismäßigkeit einer Ausgabe und der Bedienkomfort wurden nie wirklich als musikalische Tugenden definiert.

Während getrennte Geräte sowohl dem Techniker als auch dem Besitzer mehr Freiheiten lassen, sind kompakte Geräte nicht unbedingt ohne Vorzüge. Zum einen hat der Entwickler theoretisch die ultimative Kontrolle über alle internen Verbindungen. Dies ist ein Vorteil gegenüber dem Konstrukteur von separaten Geräten, der nicht sicher sein kann, wie die anderen Komponenten der Kette aussehen werden. Gut konzipierte Receiver sind daher auch nicht viel billiger als ihre separaten Vettern, aber sie sehen nicht annähernd so beeindruckend aus. Vielleicht erklärt dies, warum es nicht allzu viele bemerkenswerte Receiver gibt.

  • HK 730 Twin Powered

    HK 730 Twin Powered

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Receivers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Es heißt, dass Sidney Harman und Bernard Kardon in den höheren Etagen des Telegrafen- und Kommunikationsspezialisten David Bogen & Co. zusammenarbeiteten, bevor sie beide kündigten und 1953 in Stamford, Connecticut, Harman/Kardon gründeten. Von Anfang an konzentrierte sich das Unternehmen auf die Entwicklung von integrierten Empfängern, die den Begriff "High Fidelity" verdienen würden. Der erste Harman/Kardon Receiver, namens Festival D1000, war gleichsam einer der ersten kompakten AM/FM-Receiver der Welt und wies bereits Merkmale auf, die später zu den Markenzeichen von Harman/Kardon werden sollten, wie z. B. ein verkupfertes Gehäuse und unbegrenzte Frequenzwiedergabe. Obwohl Bernard Kardon bald darauf in den Ruhestand ging, verkaufte er 1953 seine Anteile an der Firma an seinen Partner Sidney Harman, der das Unternehmen in Harman International umbenannte. Vielleicht aus Respekt vor seinem pensionierten Kollegen, vielleicht aber auch, weil er einen Markennamen, an den sich die Kunden gerade erste gewöhnt hatten, nicht noch einmal ändern wollte, trägt das Unternehmen bis heute den Doppelnamen Harman / Kardon auf allen seinen Receivern, Tunern und Verstärkern.

    Die Strategie des Unternehmens, ein Produkt von höchster Qualität in jedem Preissegment zu bauen, bedeutete zeitweise, dass man zugunsten dieser Mission und der Möglichkeit, dafür höherwertige Komponenten einsetzen zu können, auf "Nice-to-have"-Funktionen verzichtete, was einige Kunden im Ladengeschäft verprellt haben mag. Andererseits hat gerade diese Konzentration auf das Wesentliche dazu beigetragen, dass sich das Unternehmen eine starke Fangemeinde aufgebaut hat, die es über die Jahre hinweg am Leben erhielt, wohingegen viele andere versagten. Der kultige HK 330 Empfänger wurde 1968 der Öffentlichkeit vorgestellt. Er steht als Beispiel für die Harman-Philosophie und wurde sehr gut aufgenommen. Der hier gezeigte HK 730 war das leistungsstärkste Modell derselben Produktreihe und wurde von 1975 bis 1978 gebaut. Seine soliden 50 Watt pro Kanal an 8 Ohm mögen nach heutigen Maßstäben relativ unscheinbar wirken, aber man muss bedenken, dass dieses Gerät noch vor den Receiver-Kriegen gebaut wurde, also bevor hohe Wattzahlen als intrinsischer Vorteil angesehen wurden. Stattdessen wurde das Gerät nach rein klanglichen Gesichtspunkten konstruiert, und die Komponenten wurden so ausgewählt, dass sie bei normaler Hörlautstärke musikalisch und mühelos funktionieren. Auf der Grundlage der verwendeten Komponenten wären ohne weiteres höhere Leistungswerte möglich gewesen, wenn man dies beabsichtigt hätte.

    Harman/Kardon war der Meinung, dass eine Begrenzung des Frequenzgangs außerhalb des menschlichen Gehörs auch die in den Frequenzen innerhalb des menschlichen Hörbereichs negativ beeinflussen würde. Daher liefert der HK 730 eine weitgehend lineare Leistung über ein breites Spektrum von 4 Hz bis 40.000 Hz. Wie bei allen Twin Powered Receivern von Harman verfügt das Gerät über eine Enstufensektion im doppel-mono Aufbau, wobei jede Seite über eine eigene Stromversorgung verfügt, sowie über eine dritte Stromversorgung für den Vorverstärker. Sowohl die Vor- als auch die Endstufe können separat verwendet werden, indem die Brücke auf der Rückseite des Geräts entfernt wird. Alle Frontelemente sind aus massivem Metall gefertigt und wurden mit hochwertigen Schaltern und Reglern versehen. Angesichts von Harmans Liebe zum Detail ist es ein wenig überraschend, dass die Höhen- und Bassregler nicht aus dem Signalweg entfernt werden können. Ein kleiner Fehler, der leicht zu verzeihen ist, wenn man das Gerät erst einmal in Aktion hört. Der Tuner und die Phonostufe sind wirklich ausgezeichnet. Das mit Kupfer beschichtete Gehäuse hilft, Interferenzen fernzuhalten, und die Komponenten sind sowohl gut ausgewählt als auch gut platziert.

    Das hier gezeigte Gerät musste nach dem Eintreffen bei uns aufgrund des Alters etwas nachgelötet werden. Besonders die Cinch/RCA-Anschlüsse auf der Rückseite können sich mit der Zeit lösen. Das originale US-Netzkabel wurde durch ein hochwertiges Lapp-Kabel ersetzt, und die Klemmen für die beiden Lautsprechersätze wurden der Einfachheit halber durch Bananenbuchsen ersetzt, um auch größere Durchmesser von Lautsprecherkabeln anschließen zu können. Die Klangwiedergabe ist lebensecht und natürlich, und die Lautsprecher lassen sich gut kontrollieren. Seine Qualität, Ausstattung und Leistung machen den HK 730 zu einem der besten klassischen Receiver, die je gebaut wurden.

    Technische Daten

    • Typ: AM/FM-Empfänger aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg
    • Abstimmbereich: FM, MW
    • Ausgangsleistung: 50 Watt pro Kanal an 8Ω (Stereo)
    • Frequenzgang: 4 Hz bis 130 kHz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.1%
    • Dämpfungsfaktor: 30
    • 2x Phono-Eingänge: 2,5 mV, 47 kOhms
    • Hilfs- und Bandeingänge: 150 mV, 30 kOhm
    • Eingangsempfindlichkeit: 2,5 mV (MM), 150 mV (Line)
    • Signal-Rauschabstand: 72dB (MM), 77dB (Line)
    • Abmessungen: (B) 432 mm x (T) 368 mm x (H) 140 mm
    • Gewicht: 13,7 kg

  • Kenwood KR-9400

    Kenwood KR-9400

    7.7.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Receivers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der Kenwood KR-9400 war der dritte Receiver, der in diesem Blog vorgestellt wurde. Er wurde mir von meinem Leidensgenossen Luigi zum Testen zur Verfügung gestellt, der ihn zuvor von einem Sammler in Berlin erworben hatte. Zum Zeitpunkt der Übergabe an mich war der Kenwood bereits vollständig gewartet und, wo nötig, technisch restauriert worden. Durch ein unerklärliches Ereignis hatte dieser Empfänger jedoch seine originalen Holzseiten verloren. Die Holzapplikationen hätten nicht nur schöner ausgesehen und möglicherweise verhindert, dass Kinder ins Geräteinnere greifen konnten, sondern hätten auch dazu gedient, einen Teil der mechanischen Vibrationen, z.B. des übergroßen Transformators, zu absorbieren. Die Flanken des Geräts aus amerikanischem Nussbaumholz wiederherzustellen, schien zunächst eine verlockende Idee zu sein, aber ich stellte bald fest, dass es aufgrund der schieren Größe der beiden Flächen professioneller Unterstützung bedurfte. Schließlich war der Kenwood KR-9400 ein sehr großer Receiver, eine Tatsache, die teilweise verborgen blieb, weil die Gesamtproportionen recht natürlich erschienen.

    Bei einem ersten Blick unter die Haube konnte ich sehen, dass man sich bei der Konstruktion des Netzteils einige Mühe gegeben hatte. Während Harman Kardon den Weg der separaten Netzteile (eines für jeden Kanal ihrer HK 630 und 730 Receiver) gewählt hatte, mussten sowohl der Pioneer SX 850 als auch der Kenwood KR-9400 ihre Energie aus einem einzigen Netzteil beziehen. Beim Kenwood waren der Transformator und die Filterkondensatoren von beeindruckender Größe, um einen mühelosen Musikfluss zu ermöglichen, selbst in Kombination mit anspruchsvolleren Lautsprechern. Und wie es sich für einen Leistungsverstärker gehört, wurden die beiden Verstärkerplatinen aufrecht, direkt links und rechts neben dem großen Netzteil platziert. Zwei überdimensionierte Kühlkörper hielten die vier bipolaren NEC 2SD287-Transistoren pro Kanal in allen Betriebszuständen kühl. Die Transistoren des Typs NEC 2SD287 galten als gewöhnliche Leistungstransistoren, die eine lange Leistung und Wartungsfreundlichkeit gewährleisten sollten.

    Ähnlich wie bei Hafler-Verstärkern wurden beim KR-9400 keine Koppelkondensatoren verwendet, die verhindern würden, dass Gleichstrom die Endstufe erreicht. Diese Art von Konzept könnte möglicherweise Lautsprecher zerstören, aber audiophile Hörer neigten dazu, direkt gekoppelte Verstärker als unmittelbarer und aufschlussreicher klingend zu beschreiben, was möglicherweise darauf zurückzuführen war, dass ein Bauteil weniger im Signalweg vorhanden war. In Anbetracht der Zeit, in der dieser Kenwood-Receiver hergestellt wurde, hatte er einen relativ geringen Klirrfaktor von weniger als 0,1 %. Seine Ausgangsleistung war in seiner Klasse führend und bis zum Jahr 1974 in der Welt der Receiver konkurrenzlos. Manchmal wird sogar behauptet, dass seine schiere Leistung die Receiver Wars ausgelöste. Immerhin machten 120 Watt RMS pro Kanal an einer 8-Ohm-Last und 150 WPC an 4 Ohm diesen Receiver zu einem wirklich vielseitigen Begleiter für die meisten verfügbaren Lautsprecher und zusätzlich noch zu einem Konkurrenten für separate Vor- und Endstufen-Kombis.

    Der KR-9400 war der leistungsstärkste Receiver der 400er-Serie von Kenwood. Ausgehend vom hübschen KR-1400, Kenwoods leistungs-schwächstem Receiver mit 10 WPC an 8 Ohm, zählte die Firma die ersten Ziffern ihrer Receiver-Namen hoch, um das hier vorgestellte Modell zu erreichen. Ich habe im Internet Hinweise auf alle Receiver-Modelle von eins bis neun gefunden, mit Ausnahme des KR-8400, der anscheinend nur in kleinen Stückzahlen an Kunden in Nordamerika verkauft wurde und inzwischen sehr selten geworden war. Das Nummernschema bezog sich jedoch nicht nur auf die Verstärkerleistung. Höhere Nummern standen auch für mehr Anschlussmöglichkeiten und eine Vielzahl nützlicher Funktionen. Das mag den audiophilen Hörer von heute überraschen, der es gewohnt ist, in den höheren Preisklassen nur das Nötigste zu bekommen. Die moderne Theorie besagt, dass Musikalität und Reinheit geopfert werden, wenn mehr als ein Netzschalter und ein Lautstärkeregler an Bord sind. Aber nachdem ich mir den Kenwood KR-9400 ausgiebig angehört hatte, kamen mir Zweifel an der Gültigkeit solcher allgemeinen Behauptungen.

    Ich stellte den KR-9400 in unserem Hörraum im Obergeschoss auf, wo er mit einem Duo, bestehend aus einem Restek V1 Vorverstärker und einem Dynavox VR-70 Röhrenverstärker, konkurrieren sollte. Bei den Lautsprechern handelte es sich nach wie vor um unsere formidablen Epicure EPI 500 mit einem Widerstand von 4 Ohm, die zwischen 1973 und 1981 gebaut wurden. Es war nicht unwahrscheinlich, dass sich die Wege dieser beiden Legenden schon einmal zuvor in einem Higher-Fi-Haushalt gekreuzt hatten. Mir gefiel der Gedanke, diese Begegnung noch einmal zu ermöglichen. In unserer sommerlich aufgeheizten Wohnung im Obergeschoss neigten die meisten Verstärker zur Überhitzung. - Nicht so der KR-9400. Selbst nach stundenlangem Betrieb bei höherer oder niedrigerer Lautstärke stieg die Oberflächentemperatur des Geräts nie über 40 Grad. Das war gar nicht so schlecht, vor allem für ein Kombigerät, das eine Menge sauberer Leistung zu bieten hatte. Wärme kann bei MOSFET- und Röhrenverstärkern ein Problem sein, und der KR-9400 war weder noch.

    Die offensichtlichste Stärke des Kenwood war seine Fähigkeit, natürliche Bässe zu erzeugen, und nicht den intellektuellen Bass, den wir alle als linear, wahrheitsgetreu usw. zu akzeptieren gelernt hatten. Nein, es war eher die Art von Bass, die bei allen natürlichen Ereignissen vorhanden ist, die aber von Mikrofonen und Studios nicht gut eingefangen werden konnte. Und das soll nicht heißen, dass der Bass des KR-9400 in irgendeiner Weise zu viel, übermächtig, unpräzise oder erdrückend war. Eine Tatsache, die ich kaum glauben konnte, da man mir beigebracht hatte, der erdrückenden Präsenz von Bass zu misstrauen. Angeblich war er dann nicht "linear" oder für audiophiles Hören ungeeignet. Und wenn ich diese Zeilen in dem Artikel eines anderen Bloggers lesen würde, könnte ich immer noch meine Zweifel haben. Aber beim KR-9400 war Bass eine Bereicherung und wirkte überhaupt nicht unecht oder nicht linear. Dieser Eindruck wurde durch ausreichende Staffelung und außergewöhnliche Geschwindigkeit begünstigt.

    Als ich den Kenwood zum ersten Mal Musik abspielen hörte, schrieb ich Luigi, dass ich die Geschwindigkeit, mit der er die Musik präsentierte, nicht glauben konnte. Es fühlte sich fast so an, als wolle er die ganze Geschichte erzählen, als müsse vor lauter Übermut einfach alles auf einmal herauskommen. Nach ein paar Minuten des Zuhörens wandelte sich dieser anfängliche Schock in echte Bewunderung für ein Gerät, das offensichtlich ein großes Potenzial in Bezug auf Dynamik, Rhythmus und Geschwindigkeit besaß. Obwohl ich wie üblich zunächst mit Jazz-Alben begann, erkundete ich bald verschiedene Genres, um zu sehen, wie sich die erhöhte Geschwindigkeit auf die Musik auswirken würde. Dabei war ich angenehm überrascht von der Agilität unserer EPI 500 Lautsprecher, die nun noch flinker zu sein schienen, als es bei unseren anderen Geräten üblich war. Beim Hi-Fi-Hören schlossen sich Bass-Wumms und Geschwindigkeit oft gegenseitig aus. Das war bei dem KR-9400 ganz und gar nicht der Fall, der Bass und Geschwindigkeit als natürliche und mühelose Erscheinungen spielen ließ.

    Und doch gab es noch einen weiteren Widerspruch, den das Spitzenmodell von Kenwood zu überwinden wusste. In der Welt des Hi-Fi gehen wir natürlich davon aus, dass übermäßige Bässe unsere Fähigkeit, Nuancen im Mitten- oder Höhenbereich zu erkennen, beeinträchtigen würden. Da der Mensch nur eine einzige Membran hat, um alle Frequenzen der Musik zu verarbeiten, könnte eine stärkere Erregung der unteren Frequenzen die empfindlicheren oberen Frequenzen über die einzige Membran ersticken. Doch irgendwie schien dies beim Hören des KR-9400 kein Problem zu sein. Ich gebe zu, dass dieser positive Eindruck möglicherweise durch unseren geräumigen Hörraum begünstigt wurde, in dem unsere eigentliche Abhöraufstellung weniger als ein Viertel des verfügbaren Platzes einnahm. Da es keine parallelen Wände gab, wurden die Reflexionen auf natürliche Weise auf ein Minimum reduziert. In diesem Setup standen die Bassfrequenzen in keiner Weise im Konflikt mit den vom Mittel- oder Hochtonbereich erzeugten Frequenzen. In einem kastenförmigen Raum hingegen hätte die enorme Stärke in der Basswiedergabe leicht zu einer anderen Beurteilung führen können.

    Der KR-9400 bot zwei Phono-Eingänge für MM-Tonabnehmer mit ausgezeichneter Empfindlichkeit und hochpräziser RIAA-Korrektur. Die Phono-Eingänge teilten sich einen einzigen Massepunkt, was das Umstecken eines einzelnen Plattenspielers etwas erschwehrte. Die AM/FM-Tunersektion war von hervorragender Qualität und übertraf die Marantz-Modelle jener Zeit. Es gab einen AUX-Eingang für den Anschluss eines CD-Players oder Streamers sowie eine 6,3mm Mikrofonbuchse an der Frontplatte. Der Mikrofoneingang konnte durch Einschalten der "Sound Injection"-Funktion zur Musikquelle hinzugefügt werden, und der Mikrofonpegel konnte an den allgemeinen Lautstärkepegel angepasst werden. Zwei Tape-Schleifen waren über separate Schalter verfügbar. Die Aufnahme von einem Band auf ein anderes war möglich, während gleichzeitig eine dritte Musikquelle abgespielt wurde.

    Es gab separate Anschlüsse für eine externe Dolby Rauschunterdrückungseinheit namens Kenwood KF-8011 'De-Noiser' und für eine Oszillatoreinheit namens Kenwood KC-6060 A. Ein weiteres praktisches Merkmal war die 6,3-mm-Kopfhörerbuchse. Klangregler für Bässe, Mitten und Höhen ermöglichten eine grundlegende Raumkorrektur, und eine Tone-Defeat-Taste sorgte dafür, dass der Signalweg bei Bedarf von solchen Hindernissen unberührt blieb. Zusätzliche Hoch- und Tiefpassfilter sowie eine Taste für Loudness vervollständigten die umfangreiche Ausstattung. Alle Regler und Schalter waren von sehr hoher Qualität, der Lautstärkeregler bot 40 Stufen, die bei jeder Umdrehung vernehmbar einrasteten. Alles an diesem Receiver zeigte, dass Kenwood bei der Entwicklung seines Flaggschiffs keine Rücksicht auf Kosten genommen hat.

    Die aktive Signalquelle wurde durch eine LED-Leuchte auf der linken Seite der großen Tuner-Skala angezeigt, und eine weitere LED diente zur Anzeige, ob Stereo-Empfang möglich war. Die LEDs ermöglichten es, die wichtigsten Grundeinstellungen auch aus der Ferne zu überprüfen. Nicht so gut gefallen hat mir, dass der Lautstärkeregler in gleicher Größe und Design zwischen Balance und Eingangswahlschalter angeordnet war. Diese Platzierung würde es vor allem Gelegenheitsnutzern erschweren, den Empfänger sicher zu bedienen, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen. Wie es bei Receivern dieser Zeit üblich war, wurde der Lautstärkeregler bei der Wiedergabe von Musik von einer (leistungsstarken) CD-Quelle sehr empfindlich. Selbst mit unseren EPI 500 Lautsprechern, die einen niedrigen Wirkungsgrad von 88 dB hatten, wurde die volle Hörlautstärke bereits erreicht, wenn der Regler auf 9 Uhr eingestellt war.

    Technische Daten:

    • Typ: AM/FM-Empfänger der Nachkriegszeit
    • Abstimmbereich: AM, FM
    • Ausgangsleistung (8 Ohm): 2x 120 Watt
    • Ausgangsleistung (4 Ohm): 2x 150 Watt
    • Frequenzgang: 5 Hz bis 40.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: > 0.1%
    • Dämpfungsfaktor: > 50 (8 Ohm)
    • Lautsprecher-Impedanz: 4 bis 16 Ohm
    • Eingänge: 2x Phono, 2x Tape, 1x Aux, 1x Mic, 1x Dolby NR
    • Eingangsempfindlichkeit, Line: 150mV
    • Mikrofon-Empfindlichkeit: 2,5 mV
    • Phono-Empfindlichkeit: 2.5mV für MM
    • DIN-Empfindlichkeit: 150mV
    • Signal-Rauschabstand: 65 dB (Mikrofon), 70 dB (mm), 93 dB (Leitung/DIN)
    • Klangeinstellungen (+/-10 dB): 100 Hz, 800 Hz, 10.000 Hz
    • Lautstärke (+5/+8 dB): 100 Hz, 10.000 Hz
    • Hochpassfilter (-5 dB): 10.000 Hz
    • Tiefpassfilter (-8 dB): 100 Hz
    • Klangregler-Bypass: Bypass-Defeat
    • Ausgänge: 2x Tape, FM quad radial, 6,3mm Kopfhöreranschluss
    • Line-Ausgang: 150mV (Linie), 30mV (din)
    • Leistungsaufnahme: 750 Watt (max.)
    • Abmessungen: (B) 557 x (H) 166 x (T) 395 mm
    • Gewicht: 20,6 kg
    • Land der Herstellung: Japan
    • Baujahr: 1974-1976

    Zubehör:

    • Oszillator: Kenwood KC-6060 A
    • Rauschunterdrückung: Kenwood KF-8011 (Rauschunterdrückung)

  • Pioneer SX 850

    Pioneer SX 850

    26.4.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Receivers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Paionia Kabushiki-gaisha, ein japanisches Unternehmen, das im Folgenden schlicht als Pioneer bezeichnet wird, hat sich zum Erben einer langen Reihe herausragender professioneller und privater Elektronik entwickelt. Und obwohl Receiver nur einen kleinen Teil der Erfolgsgeschichte des Unternehmens ausmachten, dienten sie doch dazu, die Marke Pioneer in Europa und den USA bekannt zu machen. Pioneer wird manchmal nachgesagt, die berüchtigten Receiver-Kriege" während des Goldenen Zeitalters der Audiotechnik im Jahrzehnt von 1971 bis 1981 angezettelt zu haben.

    Das "Goldene Zeitalter" der Audiotechnik wird manchmal als solches bezeichnet, weil die Verbraucher in dieser Zeit bereit waren, einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens für kleine Fortschritte in der Hifi Technik auszugeben, was den Herstellern die finanziellen Mittel gab, langlebige Qualitäts-Komponenten zu verbauen, und ihnen die Freiheit einräumte, intensive Forschung zu betreiben, um die bestmöglichen Geräte zu bauen. Damals wurde der Markt noch von privaten und forschungsorientierten Unternehmen beherrscht, die um die Spitzenposition in den neu entstehenden Hi-Fi-Magazinen kämpften.

    Pioneer war nur ein Beispiel für diese grundlegende Einstellung. Das Unternehmen, das sich im Besitz der Familie Matsumoto befand, konnte bereits auf eine dreißigjährige Erfahrung in der Herstellung von Audioelektronik zurückblicken, als es den SX 850 auf den Markt brachte. Das Konzept eines All-in-One-Geräts mit Tuner, Vorverstärker und Endstufe war ursprünglich in den 50er Jahren von der amerikanischen Harman/Kardon Corporation erfunden worden. Japanische Hersteller wie Marantz, Sansui und Pioneer zogen jedoch schon bald nach und machten Harman/Kardon in puncto Qualität, Leistung und vor allem Kosten Konkurrenz.

    Obwohl sich in Japan eine starke Produktionsbasis für Receiver etablierte, wurden diese Geräte weiterhin hauptsächlich für die USA und Europa hergestellt und auch dort verkauft, da japanische Audio-Enthusiasten den Klang und die Vielseitigkeit separater Geräte dem kombinierten Angebot vorzogen. Kunden in den westlichen Ländern hingegen genossen die Tatsache, dass sie mit weniger als der Hälfte des Aufwands bereits nahe an die Leistung der Einzelgeräte herankommen konnten. Möglicherweise war es auch verkaufsfördernd, dass die meisten Empfänger über große beleuchtete Skalen und schicke Frontplatten verfügten, die den Akzeptanzfaktor zumindest bei westlichen Frauen erhöhten.

    Die Kehrseite der Medaille war, dass Receiver in der Regel weniger Leistung boten als separate Verstärker. Zumindest war dies der Fall, bevor Pioneer, seinem Namen treu bleibend, den weltweit ersten echten 100-Watt-pro-Kanal Receiver herausbrachte. Dieser wurde sogar von der Federal Trade Commission (FTC) der Vereinigten Staaten zertifiziert, die den nationalen Audiomarkt zu regulieren begonnen hatte, weil Hersteller immer häufiger falsche Versprechungen bezüglich ihrer Geräte machten. Der 1974 auf den Markt gebrachte SX-1010 war das (damalige) Flaggschiff von Pioneer und übertraf die Leistung der Konkurrenz um fast 40 Watt pro Kanal. Leider jedoch war der Ruhm nur von sehr kurzer Dauer. Im August desselben Jahres zog das japanische Unternehmen Marantz mit seinem legendären Modell 2325 nach, das 125 Watt pro Kanal leistete. Die Receiver-Kriege hatten offiziell begonnen, und jeder Hersteller versuchte, die Konkurrenz in Sachen Klangqualität und Leistung zu übertrumpfen.

    Der SX 850 fiel zwar auch in diese Zeit, aber seine bescheidenen 65 WPC an 8 Ohm zeigten, dass er in den laufenden Kriegsanstrengungen nicht zu konkurrieren versuchte. Man könnte dies aber auch als Vorteil sehen, denn nicht alle Monster-Receiver waren für den audiophilen Einsatz gut gerüstet oder hielten dem Zahn der Zeit stand. Für den täglichen Einsatz waren 65 Watt an acht Ohm (und 85 Watt an vier Ohm) durchaus in der Lage, die große Masse an herkömmlichen 2-Wege- oder 3-Wege Lautsprechern auf dem Markt zu betreiben. Und auch wenn die Receiver-Kriege später wahre Monster hervorbrachten, die sogar elektrostatische Lautsprecher und andere widerspenstige Konstruktionen antreiben konnten, war der SX 850 am besten für dynamische Lautsprecher mit mittlerer bis hoher Empfindlichkeit von 4-8 Ohm geeignet.

    Das hier vorgestellte Exemplar wurde in den Wochen kurz vor unseren Hörtests in seinen ursprünglichen Glanz zurückversetzt. Die Schalter wurden im Ultraschallbad gereinigt, die Kondensatoren überprüft und bei Bedarf ausgetauscht. Die Relais wurden gereinigt und der Offset nach Werksnorm kalibriert. Die (ausfallgefährdeten) Originallleuchten wurden durch langlebigere LED-lämpchen ersetzt. Das Echtholzgehäuse wurde von Kratzern befreit und auf seinen ursprünglichen Glanz poliert. Um darüber hinaus die Anschlussmöglichkeiten zu verbessern, wurde eine Kaltgerätebuchse anstelle des originalen US-Kabels eingebaut und vier Bananen-/Spatenklemmen an der Position des Lautsprecherausgangs "A" hinzugefügt. Der SX 850 war in einen Zustand versetzt worden, der aktueller und klanglich besser als NOS war. Sein Aussehen und seine Haptik machten den Eindruck, als sei seit 1976 keine Zeit vergangen.

    Die beeindruckende Breite und das hohe Gewicht des SX 850 hätten ihm einen auffallend prominenten Platz in jedem HiFi-Rack oder Möbelstück verschafft. Und die Bedienung der Knöpfe und Schalter fühlte sich eher wie in der Kommandozentrale eines U-Boots an als die Elemente eines gewöhnlichen Haushaltsradios. Tatsächlich war ich vom Gewicht und der Haptik des Pioneer so überrascht, dass ich mich gezwungen sah, das Gerät zu öffnen, um herauszufinden, woher dieser massive Eindruck stammte. Bei meinen Erkundungen konnte ich jedoch weder den großen Transformator noch das Holzgehäuse oder das Chassis als alleinige Ursache für das Gewicht und die solide Haptik bestätigen. Es war die Summe aller Qualitätsentscheidungen, die letztendlich zu dem Gewicht von fast 20 Kilogramm und der hervorragenden Steifigkeit dieses Geräts führten. Der 850 war sogar sieben Kilo schwerer als der Harman Kardon 730 mit seinen zwei Netzteilen.

    Kürzlich überholte Geräte haben oft die Tendenz, etwas altbacken zu klingen, bis die neuen Komponenten ausreichend eingefahren sind, um Teil des großen Ganzen zu werden. Und es war für mich schwer zu sagen, in welcher Phase des Einlaufprozesses sich unser Exemplar tatsächlich befand und wie sehr mein Klangeindruck von diesem Zustand beeinflusst wurde. Da ich jedoch schon während der Einlaufphase zahlreicher Geräte anwesend war, fühlte ich mich ausreichend informiert, um verborgene Potenziale frühzeitig zu erkennen. Während sich manche Geräte in den ersten Wochen etwas leichtfüßig und kurzangebunden anfühlen, empfing mich dieser Receiver schon jetzt mit einer riesigen Klangbühne, die sich von ganz links bis ganz rechts erstreckte, einem soliden und verlässlichen Mittenbild und einem dichten und muskulösen Klang. Es war, als würde er mit einem breiten Pinsel malen.

    Selbst direkt von unserer Restek V1 und Becker ST-200-Kombination kommend, konnte ich nicht anders, als mich von dem farbenfrohen und einnehmenden Klang der SX 850 anstecken zu lassen. Ähnlich wie beim Becker ging es beim Pioneer mehr um das Gefühl, Musikern beim Spielen ihrer Instrumente live zuzuhören, als darum, im hochpräzisen Mastering-Raum eines Aufnahmestudios präsent zu sein, vor allem bei instrumentalen Jazz-Passagen. Besen klangen überzeugend metallisch und behielten dennoch eine angenehme Weichheit. Diese Qualität hat mir bei Tony Bennett & Diana Kralls Album "Love is here to stay" sehr gut gefallen. Ebenso hatten sowohl Nylon- als auch Stahlgitarren ein natürliches Timbre mit angenehm weichen Höhen, wie ich beim Hören von José González' Album "Local Valley" feststellen konnte.

    Der SX 850 verstand durchaus etwas von Musik und bot in Verbindung mit unseren Silver Solid-Core-Verbindungsleitungen und Belden-Lautsprecherkabeln die stampfende und dennoch luftige Basspräsenz einer Live-Veranstaltung. Auch wenn der Bass auch nicht besonders nuanciert, vielschichtig oder kontrolliert war, zog ich persönlich diese Art von "musikalischem" Bass dem sterilen Eindruck vor, den einige neuere Verstärker-Designs mit Dämpfungsfaktoren von weit über 200 hinterließen. In seinem jetzigen Zustand eignete sich der Pioneer perfekt für längere Hörsessions, selbst für Hörer, die hohe Ansprüche an ihre Audio-Unterhaltung hatten.

    Sowohl männliche als auch weibliche Stimmen klangen üppig und vollmundig, jedoch stets mit einer Aura von leichter Zurückhaltung. Es war einfach nicht so viel Luft und Raum um die Sänger herum, wie ich es von unserer Restek & Becker Kombination gewohnt war. Bei den Sängern wurde ich das Gefühl nicht los, doch noch in einem Aufnahmestudio zu sitzen. Das soll nicht heißen, dass es etwas Unangenehmes an der Darstellung der Stimmen gab, sie klangen einfach weniger live als die übrige Musik und zeigten auch weniger Ausstrahlung als es seltsamerweise die Instrumente taten. Es schien mir, dass das Mittenband noch nicht so frei atmen konnte wie ein Teil des oberen und unteren Spektrums. Das mochte an der noch andauernden Einspielphase liegen, hätte aber auch durch die Konstruktion des Gerätes bedingt sein können. Letztlich war mir das aber egal, denn wenn man bedenkt, dass mein Benchmark die von mir favorisierte Kombination aus einzelnen audiophilen Geräten war, hatte der SX 850 schon eine wirklich beachtliche Leistung erbracht.

    Für Audiophile, die auf der Suche nach einer klassischen Lösung für ihre Zweit- oder Drittanlage sind und die Kosten für eine (mittlerweile notwendige) Überarbeitung nicht scheuen, hat Pioneer sicherlich einige lohnenswerte Receiver aus dem Goldenen Zeitalter im Angebot. Und der SX 850 war sicherlich ein Exemplar, das mir persönlich ans Herz wachsen konnte. Sein farbenfroher und mitreißender Klang, seine überragende Musikalität und seine beeindruckende Bühnenbreite machten ihn zu einem liebenswerten Begleiter für lange und genussvolle Audio-Sessions. Ausgestattet mit zwei MM-Phonoeingängen mit exzellenter RIAA-Korrektur, zwei Tape-Monitoren, einem Mikrofoneingang und einem Kopfhörerausgang, war er für die meisten Anwendungen gut geeignet. Er verfügte sogar über einen sehr praktischen -20dB-Stummschalter, mit dem der Lautstärke-Bereich eingestellt werden konnte, um Geräte mit hohem Eingangspegel, hochempfindliche Lautsprecher oder beides zu bedienen.

    Pioneer Unternehmensgeschichte

    Das weltbekannte Elektronikunternehmen wurde von dem japanischen Erfinder und Unternehmer Nozomu Matsumoto gegründet. Der 1905 geborene Sohn einer Missionarsfamilie aus Kobe interessierte sich schon früh für Elektronik und gehörte zu den ersten, die das Potenzial von Musikaufnahmen erkannten, um die Emotionen der Menschen anzusprechen. Er war der Meinung, dass eine Erforschung des Themas der Förderung des christlichen Glaubens dienen könnte.

    Daher gründete er 1936 den Vorläufer von Pioneer, die "Fukui Denki Shokai Seisakusho", was auf Englisch "Gospel Electric Works" bedeutet. Sein kleines Unternehmen nahm den Betrieb in seiner Heimatstadt Osaka auf und spezialisierte sich auf die Forschung und Entwicklung dynamischer Lautsprecher.

    Matsumoto ließ sich von westlichen Unternehmen inspirieren, die immer noch führend in der Unterhaltungselektronik waren und diese nach Japan lieferten. Matsumoto hatte jedoch die Vision, diese Technologie zu einer japanischen Technologie zu machen, und 1937 kamen seine ersten Experimente mit der Einführung des A-8 zum Tragen. Es wurde zum ersten Großserien-Lautsprecher des Unternehmens und Matsumoto nannte ihn den “Pionier". Dieser Lautsprecher war der erste mit dem Omega-Zeichen und der “Stimmgabel", die später zum Markenzeichen des Unternehmens werden sollten.

    Im Jahr 1938 verlegte Fukui Denki Shokai Seisakusho seinen Betrieb von Osaka nach Tokio, wo sich das wachsende Familienunternehmen auf den Bau und die Reparatur von Lautsprechern spezialisierte. Nozomu Matsumoto achtete darauf, seine Familie in den Betrieb mit einzubeziehen, und wurde dabei von seiner Frau Chiyo und seinen beiden Söhnen Seiya und Kanya tatkräftig unterstützt. Nach seinem Universitätsstudium übernahm Seiya die Bereiche Marketing und Vertrieb und wurde 1982 Präsident von Pioneer.

    Das Unternehmen mit dem langen und schwierigen japanischen Namen änderte 1962 seine Marke in "Pioneer", um einen stärkeren internationalen Bekanntheitsgrad zu erreichen, und wurde zu einem der weltweit führenden Entwickler von zunächst Audio- und später auch Videogeräten. Pioneer leistete wichtige Beiträge zur Erforschung und Entwicklung von Lautsprechern, war die treibende Kraft bei der Entwicklung der Laserdiscs und neben Sony und Marantz eines der ersten Unternehmen, das CD-Player herstellte.

    Pioneer blieb Matsumotos ursprünglichem Leitbild treu, das darin bestand, Audioprodukte zu entwickeln und herzustellen, die die Emotionen der Menschen ansprechen und fesseln sollten. Vielleicht war es diese Fokussierung auf das wahre Wesen des Hörens, die dem Unternehmen bis heute eine treue Anhängerschaft beschert hat.

    Technische Daten

    • Typ: AM/FM-Empfänger aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
    • Abstimmbereich: FM, MW, AM
    • Ausgangsleistung an 8 Ohm: 65 WPC
    • Ausgangsleistung an 4 Ohm: 85 WPC
    • Frequenzgang: 10 Hz bis 50.000 Hz (+0 dB, -1 dB)
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,1% @ 8 Ohm
    • Dämpfungsfaktor: 25
    • 2 Phono-Eingänge: 2,5 mV, 50 kOhms (MM)
    • Eingangsempfindlichkeit: 150mV, 100 kOhms (Line)
    • Mikrofon-Empfindlichkeit: 6,5 mV
    • Signal-Rauschabstand: 70dB (MM), 90dB (Line)
    • Signalausgang: 150mV (Line), 30mV (DIN), 1V (Pre out)
    • Bassregler (100 Hz): ±10 dB
    • Höhenregler (10 kHz): ±10 dB
    • Lastimpedanz der Lautsprecher: 4 Ohm (Minimum)
    • Halbleiter: 3 x FET, 3 x IC, 56 x Transistoren, 36 x Dioden
    • Abmessungen: (B) 52,7 cm x (H) 17,3 cm x (T) 41,15 cm
    • Gewicht: 19,1 kg
    • Zubehör: FM T-Antenne
    • Land der Herstellung: Japan
    • Jahr(e): 1976

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Lautsprecher

Lautsprecher

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die menschliche Faszination für Lautsprecher von Anfang an vorhanden war. Nicht so sehr wegen der Technologie, die dahinter steckt, sondern einfach wegen der Tatsache, dass sie Klänge von bekannten Dingen wiedergeben können, ohne selbst das Ding zu sein. So kann ein Lautsprecher zum Beispiel das Geräusch von zerbrechendem Glas wiedergeben, ohne selbst aus Glas zu bestehen oder zu zerspringen. Er kann das Klirren von hartem Metall wiedergeben, ohne selbst aus Metall zu bestehen oder gegen etwas zu klirren. Und vor allem kann er den Klang von Stimmen und Instrumenten nachahmen, eine Disziplin, in der die menschlichen Ohren besonders empfindlich und daher kritisch sind. Selbst bei Menschen mit einer beginnenden Hörbehinderung gehören die Frequenzen der Stimme in der Regel zu den letzten, die verloren gehen.

Die meisten Lautsprechertypen versuchen zwar, Musik natürlich und akkurat wiederzugeben, sind aber in erster Linie Unterhaltungsgeräte und müssen als solche auf dem Unterhaltungsmarkt bestehen können. In dem Maße, wie sich unser Verständnis dieses Marktes und unser Verhalten als Verbraucher ändert, ändern sich auch die Designentscheidungen der Hersteller. Lautsprecher sehen heute ganz anders aus als in den siebziger Jahren. Während die modernen Modelle eher hoch, schlank und kühl aussehen, waren ihre älteren Vettern oft breiter und gedrungener mit warm wirkenden Holzoberflächen. Das sind aber nur die sichtbaren Merkmale und es wäre auch in Ordnung so, wenn es nicht noch einen anderen Trend gäbe, nämlich den der berüchtigten Zielgruppenanalyse.

Sind wir mal ehrlich. Ausgereifte Lautsprecher und die dazu benötigte Elektronik sind keineswegs günstig. Hersteller haben es daher mit einer eher reifen Kundengruppe zu tun, die den Platz, die Zeit und das verfügbare Einkommen hat, um sich gehobene Lautsprecher zu leisten. Während das Einkommen mit dem Alter steigt, ist dies bei unserem Gehör leider oft nicht der Fall. Man könnte durchaus argumentieren, dass die beiden Kurven diametral entgegengesetzt verlaufen. Ein Hörverlust beeinträchtigt sowohl unsere Fähigkeit, hohe Töne wahrzunehmen, als auch unsere Empfindlichkeit gegenüber niedrigen Lautstärken. Folglich wird bei A/B-Vergleichen in den meisten Fällen der Lautsprecher mit den lautesten hohen Tönen den Heimweg antreten. Leider wird dieser Lautsprechertyp ein Leben lang ein Ungleichgewicht in Bezug auf die natürliche Wiedergabe aufweisen, eine offensichtliche Schwäche, mit der sich alle zukünftigen Besitzer abfinden müssen.

Beim Verkauf können und werden viele Dinge schief gehen. Der Lautsprecher, der im Geschäft noch großartig klang, klingt vielleicht nicht mehr so gut, wenn wir ihn in unseren eigenen Wohnräumen aufstellen und an unser HiFi System anschließen. Der Raum, die Möbel darin und die elektrische Synergie mit unseren vorhandenen Komponenten beeinflussen den Klangeindruck. Wenn möglich, sollten die Lautsprecher daher in den eigenen vier Wänden getestet und verglichen werden. Einige Händler unterstützen uns dabei und ermöglichen uns solche Tests, aber das hat natürlich seine Grenzen, und wir könnten uns davon unter Druck gesetzt fühlen, schnell eine Wahl zu treffen. Die andere Möglichkeit ist der Kauf von gebrauchten Lautsprechern. Vorausgesetzt, die Lautsprecher sind beim Kauf nicht defekt, klingen sie entweder großartig oder können wieder verkauft werden, in der Regel zu einem ähnlichen oder sogar höheren Preis.

  • ATD Pata Acustica (Auditorium 23)

    ATD Pata Acustica (Auditorium 23)

    10.11.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Musik ist ein mehrdimensionales Ereignis, dessen Wiedergabe über Lautsprecher bestenfalls als Annäherung verstanden werden kann. Die offensichtlichste Dimension ist die "Lautstärke", und die große Mehrheit der Zuhörer wird den Unterschied im Eindruck, den Töne bei geringer oder hoher Lautstärke hervorrufen, nachvollziehen können. Das Nebeneinander von leise und laut eröffnet einen Raum, in dem die Assoziationen des Hörers von sanft und freundlich bis hin zu stark und bedrohlich reichen. Das menschliche Gehör fühlt sich in der Regel am wohlsten, wenn es Musik in einer Lautstärke zwischen 50 dB und 80 dB hört.

    Die zweite Dimension ist die "Frequenz". Die meisten Menschen sind in der Lage, den Unterschied zwischen einer niedrigeren und einer höheren Frequenz zu erkennen. Dies gilt insbesondere, wenn der erzeugte Ton zwischen 500 Hz und 3.000 Hz liegt, wo unser Gehör am empfindlichsten ist. Der Raum, der durch das Frequenzspektrum zur Verfügung steht, bietet Musikern und Instrumenten ein riesiges Spielfeld, das von ultra-tiefen Bässen bis zu den höchsten Tönen der Piccoloflöte reicht. In dem Bemühen, den linearen Frequenzbereich von Lautsprechern zu erweitern, um die Aspekte natürlicher Instrumente und darüber hinaus zu erfassen, wurde eine Menge Technik eingesetzt.

    Eine dritte Dimension ist das Timing. Es beschreibt die Fähigkeit einer Musikquelle, ihre Schallwellen synchron abzustrahlen, um die Geschwindigkeit und den Rhythmus eines Ereignisses einzufangen. Ein genaues Timing wird durch die Platzierung der Musikquelle im Raum unterstützt oder behindert. Die Überlagerung von Musikfrequenzen, die von den Wänden und der Decke zurückgeworfen werden, kann vom Gehirn des Zuhörers in der Regel am besten eliminiert werden, wenn zwischen den direkten und den reflektierten Wellen eine ausreichende Zeitspanne liegt. Hersteller von Lautsprechern haben verschiedene Lösungen entwickelt, um das Problem des Timings zu lösen. Tannoy und KEF haben zum Beispiel koaxiale Konstruktionen gewählt, während andere Hersteller Konzepte mit einzelnen Treibern wie elektrostatischen und magnetostatischen Membranen verfolgen.

    Und als ich die Pata Acustica hörte, wurde ich an eine vierte Dimension erinnert, die bei Vergleichen zwischen Lautsprechern oft vergessen wird, besonders in einem Land wie Deutschland, in dem sich meine Mithörer gewöhnlich auf Fakten und Zahlen verlassen und oft sehr skeptisch sind, wenn es darum geht, ihrem Gefühl zu vertrauen: Ich spreche von Klang und Timbre. Das heißt, die Fähigkeit eines Lautsprechers, der Klangfarbe des physischen Materials eines Instruments treu zu bleiben. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig beim Hören von klassischer Musik, Jazz, Folk usw., wo das gleichzeitige Vorhandensein vieler Instrumente einen Raum erfordert, in dem jedes einzelne durch seinen individuellen Charakter erkannt werden kann.

    Für Musiker sind Instrumente oft so wiedererkennbar wie die Stimmen von Freunden und Geliebten. Sie unterscheiden und bevorzugen oft einen Hersteller gegenüber einem anderen, allein aufgrund des Gefühls, das sie beim Spielen und Hören des Instruments haben. Lautsprecher, die in der Lage sind, einen Teil dieses unterschiedlichen Charakters beizubehalten, sind somit in der Lage, einen großen (und zusätzlichen) Raum zu eröffnen, in dem eine Vielzahl von Instrumenten und Stimmen durch ihren spezifischen Klangcharakter getrennt werden können. Und wahrscheinlich war es diese klangliche Korrektheit, die die Pata Acustica von vielen anderen Lautsprechern ihrer Klasse abhob und das Interesse der Leute von Auditorium 23 weckte, sie bei ihren audiophilen Jüngern zu bewerben.

    In den 90er Jahren war Auditorium 23 seit etwa zehn Jahren im Geschäft. Die Gründer glaubten an die klangliche Integrität von Single-Ended-Röhrenverstärkern und einfachen Class-A-Designs, die ihre süßen und weichen Signale zur Verstärkung in Hornlautsprecher zur weiteren Verstärkung einspeisen würden. Die Pata Acustica war offensichtlich kein Horn und als solches eine Ausnahme in ihrer Reihe exquisiter Lautsprecher. Mit einem Preis von knapp 4.000,- DM war sie deutlich günstiger als Falthorn-Konstruktionen, und sie war auch kleiner als die meisten anderen Lautsprecher. Die von ATD in Italien gefertigte Pata Acustica spielte mit 91 dB bei 1 Watt auch an kleineren Röhrenverstärkern laut und tonal korrekt. Und das machte sie zu einem echten Juwel im speziellen Hörerkreis des Auditoriums.

    Als die Pata Acustica zum ersten Mal zum Probehören in unser Haus kam, wusste ich so gut wie nichts über sie. Wie üblich zog ich es vor, meine Hörbeurteilung vorzunehmen, bevor ich mich in die Materie vertiefte, einfach weil ich meine Erkundung nicht auf ein bestimmtes Ergebnis hin ausrichten möchte. Alles, was ich von Luigi gehört hatte, war, dass sie an Röhrenverstärkern gut funktionierte. Wenn ich voreingenommen war, dann deshalb, weil ich befürchtete, dass die kleinen Lautsprecher in unseren geräumigen Hörräumen hoffnungslos verloren klingen würden. Ich kramte unsere beiden Ständer hervor, die wir für die KEF iQ30 gebaut hatten, entstaubte sie und befestigte sie auf Spikes in Richtung Hartholzboden. Dann klebte ich 5 mm dicke Filzpads auf die vier Ecken der Ständeroberseiten und stellte die Patas darauf. Bei meinen früheren Erkundungen hatten sich Filzpads immer als vorteilhaft erwiesen, um einem kalten elektronisch klingenden Top-End die Schärfe zu nehmen.

    Unser Testsystem bestand aus einem Technics SL1310-Plattenspieler mit AT VM540 ML-Tonabnehmer, der an eine Dynaco PAS-4 tube Röhrenvorstufe angeschlossen war, die wiederum einen Hafler XL280 Endverstärker speiste. Alle Verbindungskabel waren aus massivem Silber, wie das HBS4 unter Verwendung von Kupfergeflechtschirmung. Die verwendeten Lautsprecherkabel waren ein Paar Belden 9497, die ich mit Beryllium-Hohlbananas terminiert hatte. Zum Zeitpunkt des Abhörens waren alle Steckverbinder ausreichend eingespielt, um klangliche Reife zu erlangen und hatten sich über viele Monate hinweg bewährt. Ich war mit der Leistung dieses Systems im Zusammenspiel mit unseren relativ modernen Tannoy XT8F-Turmlautsprechern bestens vertraut.

    Als ich auf die Pata Acustica umschaltete, bemerkte ich, dass ich die Lautstärke ein wenig zurückdrehen musste. Das war für mich überraschend, denn ich hätte erwartet, dass die größeren Tannoys lauter spielen. Später habe ich nachgesehen und festgestellt, dass beide Lautsprecher den gleichen Wert von 91 dB an 8 Ohm haben. Meine einzige Erklärung dafür, dass die Patas lauter spielten, war, dass sie nicht so tief reichten wie die Tannoys und dadurch weniger Energie am Rande des hörbaren Spektrums verloren. Und das bringt mich zu meiner zweiten unmittelbaren Beobachtung: der mangelnde Tiefbass. Da die Tieftöner der Pata in das geschlossene Gehäuse eines Regallautsprechers eingebaut waren, konnten sie in der Disziplin Bass verständlicherweise nicht mit einem fast dreimal so großen Standlautsprecher mit Bassreflexöffnung mithalten. Seltsamerweise fiel dieser Mangel nur im unmittelbaren Vergleich auf, denn schon bald darauf gewannen andere Aspekte an Bedeutung.

    Statt des ultratiefen Wummerns der Bässe erzeugten die Patas das trockene Knurren, das man von manchen Holzinstrumenten kennt. Das Ergebnis war eine eher körnige und hölzerne Textur, die für klassische Musik, Jazz und Folk prädestiniert ist. Katie Meluas "Album No. 8" wurde mit einem wunderbar großen und soliden Phantomzentrum präsentiert. Ihre Stimme war üppig mit nur einem Hauch des ursprünglichen metallischen Klingelns der Aufnahme. Die Höhen waren zwar nicht übermäßig detailliert, aber wunderbar nuanciert und mit großartigem Timbre. Es war die angenehmste Wiedergabe dieses Albums, die ich bis zu diesem Zeitpunkt gehört hatte. Die Kanaltrennung war großartig, und die Bühne reichte weit in den Raum hinein. Die Bühnentiefe hingegen war weniger beeindruckend. Sie litt unter der Notwendigkeit, die Lautsprecher nahe an der Wand aufzustellen. Diese Notwendigkeit kann sowohl ein Segen als auch ein Nachteil sein. Ich beschloss jedoch, mich nicht daran zu stören und bewunderte vielmehr die warmen Holztöne von Konzertgitarre und Klavier. Die Patas schafften es, die der Musik innewohnende Süße hervorzuheben, die vielleicht durch einen liebenswerten Mittbass-Buckel etwas verdickt wurde.

    Ich beschloss, noch einen Gang höher zu schalten und legte Ted Poor's "You already know" auf. Das Saxophon klang in meinen Ohren noch nie so süß. Das Schlagzeug, insbesondere die Kesselpauke, wurde mit großem Realismus hinsichtlich der jeweiligen Materialzusammensetzung wiedergegeben. Ich bemerkte hervorragende Transienten und eine große Trennung zwischen den Klangfarben der einzelnen Instrumente. Wenn ich den Effekt beschreiben sollte, dann wäre es: "Totales Eintauchen in die Musik". Obwohl es Momente gab, in denen die geringen Abmessungen der Pata Acustica deutlich wurden, war ich wirklich verblüfft, wozu diese Lautsprecher fähig waren. Besonders gut gefiel mir die Tatsache, dass ich ihnen zuhören und dabei völlig vergessen konnte, dass ich zuhörte. Als ich durch den Raum ging, stellte ich erfreut fest, dass ein Großteil der musikalischen Anziehungskraft des Pata erhalten blieb. Gut gemacht!

    Siehe auch: ATD Pata Acoustica (Auditorium 23, 1995) Audio-Demo

    Technische Daten:

    • Ausführung: 2-Wege-Regallautsprecher, geschlossenes Gehäuse
    • Treiber: (1x) 20 mm Soft-Dome-Hochtöner, (1x) 200 mm Papiermembran
    • Nennimpedanz: 8 Ohm
    • Empfindlichkeit: 91 dB
    • Belastbarkeit: 6-60 Watt RMS
    • Anschluss: ursprünglich Speakon (hier: modifiziert zu Bananenbuchsen)
    • Abmessungen: (H) 470 mm x (B) 270 mm x (T) 250 mm
    • Baujahr: 1995

  • Dahlquist DQ10

    Dahlquist DQ10

    12.8.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Verheiratete Hörer werden bestätigen, dass man etwas Besonderem auf der Spur ist, wenn die Ehefrau beim Nachhausekommen - ohne jemals vorher darüber gesprochen zu haben - einen aufrichtigen Glückwunsch zu den neuen Lautsprechern ausspricht. Ich kann mich nicht mehr an die genauen Worte erinnern, aber sie lauteten in etwa so: "Übrigens, ich habe die neuen Lautsprecher gesehen. Sie sehen absolut fabelhaft aus! Dürfen sie bleiben?" Bei uns ist Letzteres eine berechtigte Frage. Denn meistens sind die Lautsprecher nur zum Testen hier, bevor sie dann an ihre Besitzer zurückgegeben werden.

    Bei den ausgestellten Lautsprechern handelte es sich um ein Paar Dahlquist DQ10, die mir von meinem Freund und audiophilen Kollegen Luigi zum Testen zur Verfügung gestellt wurden. Das ist nichts Ungewöhnliches, und wer meine Rezensionen verfolgt hat, weiß, dass ich in den letzten Monaten viele von Luigis HiFi-Geräten getestet habe. Und - zu meiner Überraschung - war meine Frau nicht die einzige, die sofort ihre Zuneigung zu den Dahlquists zeigte. Meine Schwägerin, die zwar von meinem Hobby weiß, aber nicht regelmäßig bei uns vorbeikommt, war von den neuen Lautsprechern begeistert, als sie sie im Raum bemerkte. Ich denke, Sie werden mir zustimmen, dass Frauen so etwas normalerweise nicht tun, unabhängig davon, wie viel Geld man ausgegeben hat. Es ist in etwa so, als würde ein Mann die Schönheit des Make-ups oder der Schuhe einer Frau kommentieren. Normalerweise passiert so etwas nicht, oder? Und doch ist es bei den Dahlquists innerhalb kürzester Zeit zweimal passiert.

    Die Dahlquist DQ10 war der erste Lautsprecher, der von der Firma Dahlquist hergestellt wurde, die damals in Hauppauge New York ansässig war. Zu den Gründern des Unternehmens gehörten einige berühmte Namen der Audiobranche, wie Jon Dahlquist und Saul Marantz, Irving M. Fried und Werner Eymann. Das Design des DQ10 wurde erstmals 1972 auf einer New Yorker Audio-Show vorgestellt. Er war revolutionär, denn es verabschiedete sich von der traditionellen Kastenform konventioneller Lautsprecher. Dahlquist hatte stattdessen ein Gehäuse konstruiert, in dem die Treiber frei und phasenrichtig aufgehängt waren. Ab dem DQ10 wurde der Begriff 'Phased Array' zum Markenzeichen von Dahlquist.

    Die Design-Idee basierte lose auf den beliebten elektrostatischen Quad-Lautsprechern der 60er Jahre, und unter Dahlquist-Enthusiasten heißt es, dass es gelungen sei, den kraftvollen Bass dynamischer Konustreiber mit der geringen Brechung, der hohen Transparenz und der Phasengenauigkeit, die man von elektrostatischen Lautsprechern erwartet, zu verbinden. Der daraus resultierende Lautsprecher hatte eine quadratische und konvexe Frontfläche, die mit dunklem Stoff bespannt war und von schlanken Seiten aus Naturholz flankiert wurde. Für die Wiedergabe in Ohrhöhe wurden die Lautsprecher dann auf schlanke Ständer gestellt, die an ihrer Basis mit der Holzfarbe der Lautsprecherseiten übereinstimmten und jeden Lautsprecher auf drei schwarzen Säulen oder Pfeilern stützten.

    In Kombination mit den Lautsprecherständern sah die DQ10 von vorne leicht und untechnisch und von der Seite schlank aus. Sie hatte wohl mehr Ähnlichkeit mit einem Radiator als mit einem Lautsprecher, ein Aspekt, der sie sowohl als Designelement als auch als technisches Understatement auszeichnete. Seltsamerweise passte ihr Aussehen heute genauso gut in einen modernen Haushalt wie damals in den siebziger Jahren. So ist es nicht verwunderlich, dass zwischen 1973 und dem Ende der Produktion im Jahr 1988 fast 60.000 Paar Dahlquist DG10 verkauft wurden. Und bis heute ist die Dahlquist bei Audio-Enthusiasten beliebt und erreicht 4,8 von 5,0 Sternen auf audio-review. Da immer mehr Geräte aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters ausgemustert werden, sind die Gebrauchtpreise für diesen Lautsprecher in den letzten 15 Jahren wieder deutlich gestiegen.

    Die DQ10 verfügte über ein geschlossenes Bassgehäuse mit abgewinkelten Seiten und einem asymmetrisch angeordneten 10-Zoll-Konustreiber. Ein spezieller 5-Zoll-Mitteltieftöner unterstützte den Tieftöner und sorgte für den legendären Tiefmittelton der Dahlquist. Der Mitteltonbereich wurde von einem 1,75-Zoll-Softdome-Treiber erzeugt, genau wie der Hochtöner, der eine 0,75-Zoll-Kalotte besaß. Zur Erweiterung des oberen Frequenzbandes diente ein Superhochtöner in Piezotechnik. Mit Ausnahme des Tieftöners waren alle Chassis an Metallbügeln frei aufgehängt und strahlten sowohl nach vorne als auch auf die offene Rückseite des Lautsprechers ab. Eine 5-Wege-Weiche sorgte dafür, dass jeder Treiber nur ein begrenztes Frequenzband wiedergab und vom Tiefmitteltöner bis zum Superhochtöner bei 400, 1000, 6000 bzw. 12000 Hz abschaltete. Die Frequenzweichen-Komponenten spielten eine so wichtige Rolle für die Gesamtleistung der Dahlquist, dass es viele Spezialisten auf dem Markt gab, die Upgrades anboten.

    Die Dahlquist war für 8 Ohm ausgelegt und schien leicht anzusteuern zu sein, und dennoch erforderte das Phased-Array-Design viel saubere Leistung vom Verstärker, um optimal zu klingen. 150-200 Watt, gepaart mit einer hohen Strombelastbarkeit, kamen bei der DQ10 gut an. In vielerlei Hinsicht ähnelten ihr Leistungsbedarf und ihre Gesamtleistung den Lautsprechern von Martin Logan, Magnepan usw., die elektrostatisch oder magnetostatisch aufgebaut waren. Der positive Aspekt war, dass die DQ10 auch in diesem Bereich mithalten konnte und dass sich die Investition in einen anständigen Verstärker lohnen würde. Ich schloss die Dahlquist an unseren Hafler XL-280 Endverstärker an - mit zufriedenstellendem Ergebnis. Luigi versicherte mir jedoch schnell, dass der große Audio Research D-115 Röhrenverstärker (den ich bereits an ihn zurückgeschickt hatte) in der Lage gewesen wäre, noch mehr Leichtigkeit und Transparenz aus der DQ10 herauszuholen. Das war auch gut möglich, denn die Dahlquist mochte es, etwas härter angetrieben zu werden, um eine größere musikalische Kohärenz zu erreichen.

    Obwohl der Lautsprecher für viele Sitzpositionen relativ niedrig positioniert war, wurde seine Höhe weniger zum Problem, wenn man weiter davon entfernt saß. Ein großzügiger Abstand zu den Lautsprechern war wichtig, um die aus dem großzügigen Array-Design resultierenden Phasenunterschiede zu minimieren. In unserem nicht ganz perfekten Hörraum unter dem Dach saß ich nur zwei Meter von den Lautsprechern entfernt und hatte einen riesigen Freiraum hinter mir. Ich war positiv überrascht, wie voll und gleichmäßig üppig sie klangen, sowohl in meiner Hörposition als auch beim Durchschreiten des Raums. Die DQ10 erzeugten ein weiträumiges, intensives und volles Klangbild, das in vielerlei Hinsicht einer Live-Veranstaltung glich. Der volle mittlere Bass, der Raum zwischen den Instrumenten und das Timbre bei Jazz und Vocal Jazz erweckten den Eindruck, als wäre man bei einem schummrigen Konzert in einem kleinen Club. Die Lautsprecher erzeugten das realistischste Publikumsklatschen, das ich je aus einem Zwei-Wege-System gehört habe. Die Höhen waren detailliert und breit gefächert, wie man es von einem elektrostatischen Lautsprecher erwarten würde, und sie waren zu jeder Zeit nicht aggressiv. Die Stimmen waren liebevoll und satt mit einer leichten Tendenz zum Kehligen.

    Siehe auch: Dahlquist DQ10 Audio-Demo

    Wenn Sie es mögen, dass Ihre Musik üppig und harmonisch klingt, wenn Sie vollmundige Stimmen und ein Live-Gefühl bei der Wiedergabe von Musik mit akustischen Instrumenten mögen, wie sie in den Genren Jazz, Folk, Singer-Songwriter usw. zu finden sind, und wenn Sie einen kräftigen Hochstrom-Verstärker besitzen, mit dem Sie diese Lautsprecher kombinieren können, dann könnten die Dahlquist DQ10 genau die richtigen Lautsprecher für Sie sein. Geben Sie ihnen etwas Zeit, um sich einzuleben, und etwas Raum zum Atmen auf allen Seiten, und sie werden für Sie Musik machen wie nur wenige andere Lautsprecher heutzutage. Nicht zu vergessen ist natürlich auch der Faktor der Akzeptanz durch die Ehefrau.

    Technische Daten

    • Typ: 5-Wege-Phased-Array, offene Schallwand
    • Frequenzgang: 35 Hz - 27.000 Hz
    • Empfohlene Verstärkung: 150 bis 200 Watt
    • Crossover-Frequenzen: 400, 1000, 6000, 12000 Hz
    • Nennimpedanz: 8 Ohm
    • Bässe: 1 x 25,4 cm (Konus)
    • Tiefmitteltöner: 1 x 12,7 cm (Konus)
    • Mitteltonbereich: 1 x 4,45 cm (weiche Kalotte)
    • Hochtöner: 1 x 1,9 cm-Kalotte
    • Superhochtöner: 1 x piezoelektrisch
    • Abmessungen: (H) 99 cm x (B) 77 cm x (T) 33 cm
    • Gewicht: 22,7 kg
    • Jahre: 1973-1988

  • Epicure EPI 500

    Epicure EPI 500

    11.5.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Obwohl die Marke unter heutigen Hi-Fi-Enthusiasten weitgehend in Vergessenheit geraten ist, gibt es nur wenige Namen im Bereich des Vintage-Hi-Fi, die das audiophile Herz höher schlagen lassen als der von Epicure. Das Unternehmen konzentrierte sich bei der Entwicklung von Lautsprechern auf natürliche Tonalität und Abbildung und ging bei der Verfolgung dieses Ziels oft sehr eigene Wege. Ihr Gründer, Winslow Burhoe (ein ehemaliger Lehrling bei Audio Research), begann mit einem 2-Wege-Konzept, das er schlich “Modul” (eng. module) nannte, und entwarf eine ganze Reihe von Lautsprechern auf dieser Grundlage. Das Epicure "Model 20" zum Beispiel verwendete zwei Sätze des Moduls, die umgekehrt angeordnet waren, um eine Art Dipol zu bilden und den Eigenschaften einer Live-Bühne näher zu kommen. Die Idee war, die vordere Wand des Hörraums als akustische Ebene mit einzubeziehen. Ein ähnliches Design wurde auch bei den EPI-Lautsprechern "M 201" verwendet. Diese frühen Exemplare fanden in der Audiowelt großen Anklang und zielten eher auf das gehobene Marktsegment ab.

    Die EPI 500 gehörten zu den ersten Epicure-Lautsprechern, die mit dem traditionellen Moduldesign brachen. Anstatt auf dem bewährten 2-Wege-Prinzip von Epicure zu basieren, waren die EPI 500 klassische 3-Wege-Turmlautsprecher mit spezialisierten Treibern, für die hohen Töne, die kritische Mitten und die Bassfrequenzen. Obwohl die EPI 500 im Grunde ein geschlossenes Gehäuse haben, erweiterten sie ihr Gehäusevolumen mit Hilfe von zwei passiven Radiatoren, von denen jeweils einer an jeder Seitenwand der Lautsprecher angebracht war. Diese dienten zur Absorption der nach innen gerichteten Energie des Tieftöners und unterstützten ihn im Bereich der Tiefton-Erweiterung. Passivradiatoren sind in der heutigen Zeit wieder bekannt geworden, da sie den Bluetooth-Geräten von JBL, Bose usw. eine beträchtliche Basserfülle verleihen. Während bei anderen Hochtönern die Kalotten nach außen gewölbt sind, machte sich Winslow Burhoe einen Namen, indem er invertierte Frontplatten verwendete, die dem Hochtöner hornähnliche Druck- und Richtcharakteristiken verliehen. Der Hochtöner unseres Exemplars gehörte zur zweiten Generation der luftgepolsterten, ölgedämpften Konstruktion, was das wahrscheinliche Baujahr unseres Paares in die Mitte bis Ende der 1970er Jahre datierte.

    Ich erwarb unsere EPI 500 von einem privaten Verkäufer in Nürnberg, der sie wiederum einige Jahre zuvor gekauft hatte, um damit seine umfangreiche Vinylsammlung zu genießen. Nachdem wir aber auf dem Weg nach Nürnberg Probleme mit dem Motor unseres Autos hatten, kam ich dort ziemlich verwirrt an, dachte ständig über meine riskante Heimreise nach und konnte mich daher nur schwer auf die Musik und Lautsprecher konzentrieren. Wir hörten uns zwei oder drei Lieder an, ich hielt mein Ohr kurz an die Treiber, um nach möglichen Nebengeräuschen zu suchen, die dort nicht hin gehörten, und stellte fest, dass sie noch gut funktionierten. Ich bemerkte, dass einer der Mitteltöner einen leichten Geruch nach verbranntem Spulenharz aufwies, aber da ich keine kratzenden Geräusche feststellen konnte, beschloss ich, dem Urteil des Verkäufers zu vertrauen, dass er selbst keine Mängel an den Lautsprechern festgestellt hatte. Epicure-Lautsprecher waren bekannt dafür, dass sie lange durchhalten, es sei denn, sie wurden über längere Zeiträume hinweg übermäßig gefordert. Die etwa 40 Jahre alten Tieftöner sahen aus, als wären sie mindestens einmal neu konfektioniert worden, und ich war erleichtert zu sehen, dass diese Arbeit mit Sorgfalt ausgeführt worden war.

    Als ich sie für die Rückfahrt nach Frankfurt ins Auto hievte, stellte ich fest, dass sie trotz ihrer für Tower-Lautsprecher bescheidenen Größe erstaunlich schwer waren, und ich war dankbar für die helfende Hand ihres Vorbesitzers. 250 Kilometer Entfernung können aus der Perspektive eines defekten Autos, das schwarze Dieselabgase aus dem Heck bläst, sehr lang erscheinen. Wie man sich vorstellen kann, nutzte ich die Zeit, um verschiedene Szenarien durchzuspielen, wie ich das Fahrzeug mit den Lautsprechern noch an diesem Tag in Richtung Heimat abschleppen lassen könnte. Doch trotz allem gelang es mir, die Rückfahrt in den letzten Zuckungen des Motors zu beenden und die Lautsprecher zu entladen, bevor ich unser Fahrzeug schließlich zur Reparatur bringen konnte. Das war der klare Beweis für mein andauerndes Bekenntnis zur Sache. Aber ich war auch überzeugt, dass die Epicures nicht weniger verdient hatten.

    Als ich schließlich nach Hause zurückkehrte, um die EPI 500 zu untersuchen, stellte ich fest, dass sie über ein zusätzliches Merkmal verfügten, das mir schon zu Beginn meiner Nachforschungen aufgefallen war und das ich dann aber irgendwie vergessen hatte: Es gab einen fest verschraubten Holzsockel, der einen geschlossenen akustischen Rahmen unter dem Gehäuse bildete. Dadurch wurden die Lautsprecher um etwa 8,6 cm vom Boden angehoben. Der Sockel war notwendig, um den Hochtöner auf Ohrhöhe zu bringen, aber er verhinderte auch, dass die Lautsprecheranschlüsse den Boden berührten. Es mag eine Reihe von Gründen für die Positionierung der Klemmen unter dem Lautsprecher gegeben haben, z. B. um die Rückseite der Lautsprecher sauberer aussehen zu lassen, um die Anbringung einer unsichtbaren Unterflurverkabelung zu ermöglichen oder einfach, um die Resonanzen des Gehäuses ungehindert nutzen zu können. Als ich meine Hand an die Seiten- und Rückwände der EPI 500 hielt, konnte ich spüren, dass deren Gehäuse so konstruiert waren, dass sie Resonanzen auf natürliche Weise in ihre Klangsignatur miteinbezogen, anstatt sich gegen interne und externe Schwingungen zu stemmen, wie es bei modernen Konstruktionen der Fall ist.

    Zu verstehen, wie die EPI 500 mit Eigenresonanzen umging, war für die richtige Aufstellung und Integration in den Raum entscheidend. Da jedoch das gesamte Gehäuse und die Radiatoren auf einmal in Bewegung gesetzt wurden, war mir auch klar, dass der Erfolg nicht einfach sein würde. Ich musste mich in die Lage der Konstrukteure versetzen und mir die wahrscheinlichste Umgebung vorstellen, die sie sich für ihre Lautsprecher vorgestellt hatten. Diese klang wahrscheinlich anders als unser schickes Büro mit weißen Hochglanzmöbeln und spärlichem Teppichboden. Glücklicherweise unterschied sich die Architektur unseres Gebäudes nicht allzu sehr von der eines typischen amerikanischen Hauses der 1970er und 80er Jahre, denn unser Raum befand sich unter dem Dach des Gebäudes und bestand aus schlecht isolierten Holzbalken, die mit Gips- und Sperrholzplatten beplankt waren. Dies würde höchstwahrscheinlich dazu beitragen, einen Teil der überschüssigen Bassenergie zu absorbieren. Ich besprach die Angelegenheit auch mit meinem audiophilen Freund Luigi, der mich daran erinnerte, dass der Sockel wahrscheinlich mit Blick auf amerikanische Hochflorteppiche entworfen worden war.

    Der Sockel der EPI 500 hatte ein kleines Loch and der Rückseite, das einen Halbkreis zum Boden hin beschrieb, und durch das man das Lautsprecherkabel führen sollte. Um zu verhindern, dass der Sockel den Boden berührte, hatten einige Vorbesitzer kleine Gummipuffer von 1 mm Dicke und 20 mm Breite in alle vier Ecken geklebt. Ich wusste nicht, ob dies nun eine gute Idee gewesen war oder nicht und beschloss, die Lautsprecher zunächst in diesem Zustand anzuhören. Unser Testsystem bestand aus dem Vorverstärker Restek V1 mit aufgerüstetem Kassel Netzteil und der Endstufe B&K ST-140. Als Quellen verwendete ich unseren Technics 1310 Plattenspieler und den Marantz CD-17 Player mit Cambridge DAC. Die Verbindungskabel waren aus massivem Silber, und das Lautsprecherkabel war unser preiswertes, aber effektives Belden 9497. Dies war eine HiFi-Anlage, der ich in Bezug auf die klangliche Integrität vertrauen konnte, nachdem ich jede der Komponenten in vielen verschiedenen Konstellationen gehört hatte. Natürlich war ich neugierig darauf, was die EPI 500 zur klanglichen Ausgewogenheit beitragen oder von ihr wegnehmen würden.

    Auf dem Hartholzboden mit den 1 mm dicken Gummiplättchen klangen die Lautsprecher dumpf und leblos. Ich fühlte mich gezwungen, die Hochtöner einer Sichtprüfung zu unterziehen, um zu sehen, ob sie vielleicht doch beim Transport beschädigt worden waren. Sie sahen in Ordnung aus. Ich stellte auch fest, dass der Boden in unserem Büro nicht ganz eben war, so dass der Sockel nicht auf allen Seiten fest genug auflag. Wie ich erwartet hatte, konnten die kleinen Pads weder eine definierte Ankopplung noch eine Entkopplung vom Boden garantieren. Irgendwie taten sie beides, und diese Verwirrung war deutlich hörbar. Um mehr über die Situation zu erfahren, kratzte ich die Pads ab und stellte die Lautsprecher direkt auf den Boden. Da sich nun Holz auf Holz stapelte, wurde der gesamte Boden zu einem Resonanzkörper, und der resultierende Klang war übermäßig hölzern und matschig. Um mit der umgekehrten Richtung zu experimentieren, stellte ich dann unsere ultra-harten Metallkugel-Absorber von Aucharm unter den Sockel. Dadurch wurden zwar die Höhen akzentuiert, dafür aber klangen die EPI 500 jetzt zu analytisch und es fehlte ihnen an Bass.

    In diesem Stadium konnte ich bereits hören, dass die Lautsprecher ein gewisses Potenzial hatten und dass die optimale Lösung die richtige Mischung aus Dämpfung und Stabilität bieten musste. Um dies zu ermöglichen, kleidete ich die Unterseite des Sockels zum Boden hin mit Filz aus. Das verbesserte zwar die Tonalität, aber ich hatte immer noch Probleme mit der Abbildung, was möglicherweise auf den leicht unebenen Boden zurückzuführen war. In meinen Versuchen, wie sich dieses Problem beheben ließ, fügte ich drei 5 mm dicke und 40 mm breite Filzkissen hinzu: zwei auf jeder Vorderseite und eines auf der Rückseite. Das Loch für das Lautsprecherkabel war für eine Mittige Anbringung im Weg, aber ich beschloss, dass ein paar Zentimeter außerhalb der Achse für die hintere Stütze keine Rolle spielen würden. Dann setzte ich mich hin und stellte erleichtert fest, dass sich Klangbild und Tonalität deutlich verbessert hatten. Die EPI 500 produzierten einen vollen und offenen Klang, der auch tonal sehr reichhaltig war. Der Kontrabass auf dem Album "Turn up the quiet" von Diana Krall hatte jetzt viel Schwung und Dimension. Noch nicht zufrieden war ich mit der Darstellung von Dianas Stimme, die weicher und weniger durchsetzungsfähig dargestellt wurde, als ich es sonst gewohnt war. Das Anbringen eines zweiten Filzkissens auf der gegenüberliegenden Seite des Kabellochs auf der Rückseite brachte etwas Abhilfe. Möglicherweise war der verbesserte Klang auf die optimierte Balance zwischen Vorder- und Rückseite der Lautsprecher zurückzuführen.

    Bei der Positionierung der Lautsprecher stellte ich fest, dass sie gut funktionieren, wenn sich die Mündung der Treiber in einem Abstand von 109 cm zur Vorderwand des Hörraums befand. Diese Platzierung sollte auch in den meisten anderen Hörsituationen möglich sein. Der Abstand zwischen den Lautsprechern betrug knapp zwei Meter, gemessen von Achse zu Achse, und mein Hörplatz befand sich ebenfalls in etwa zwei Metern Entfernung, gemessen in der Diagonale. Ich fand, dass die Hoch- und Mitteltöner am besten funktionieren, wenn die Ausgangsachse des Hochtöners mindestens ein Drittel hinter der Hörposition lag, anstatt direkt auf den Hörer gerichtet zu sein. Ich stellte fest, dass diese Aufstellung bei vielen Lautsprechern am angenehmsten ist, aber das kann auch nur an meinem eigenen Hörgeschmack liegen.

    Bei dieser Aufstellung fand ich, dass die EPI 500 sehr natürliche und informative Mitten boten. Ihre Fähigkeit, viele Nuancen und Schichtungen in diesem Klangsegment zu enthüllen, hätte sie sofort zu einem Liebling audiophiler Hörer gemacht. Allgemeiner ausgedrückt: Die Fähigkeit der Epicure, die Resonanzen ihres Gehäuses und die passiven Strahler in die Musikwiedergabe einzubeziehen, machte sie zu einem ausgezeichneten Begleiter für natürliche Instrumente, wie sie in Jazz, Folk, Country Music usw. vorkommen. Ich bemerkte jedoch auch, dass die offensichtlichen Stärken der Mitten sich nicht automatisch in einer hervorragenden Darstellung von Stimmen niederschlugen. Aus meiner Sicht konnte unsere moderne Tannoy XT8F im Mitteltonbereich noch einen Tick mehr an Glaubwürdigkeit bieten. Ich hätte noch weitere Tests durchführen müssen, um herauszufinden, ob die Stimmen durch den Einbau von massiven Stahlplatten zwischen Sockel und den Filzpolstern verbessert werden könnten, um die Stabilität zu erhöhen. Ich hatte das starke Gefühl, dass eine verbleibende strukturelle Instabilität zum Boden hin hier die Schuld tragen könnte.

    In Foren hatte ich gelesen, dass Hörer, die an Tinitus leiden, über Ermüdung im Zusammenhang mit Epicure-Lautsprechern klagten. Dieses Phänomen mag mit einer fehlerhaften Ankopplung an den Boden, mit hochfrequenten Einstreuungen, aber auch mit der Form des Inverted-Dome-Hochtöners selbst zu tun haben. Mir ist aufgefallen, dass dieser einen leichten Kompressionseffekt erzeugt und dadurch die Musik in den Höhen recht dicht erscheinen lässt. Ich habe auch festgestellt, dass ich dazu neigte, Musik lauter zu hören, als ich es mit unseren anderen Lautsprechern getan hätte. Es war leicht, sich beim Hören mit diesen Lautsprechern mitreißen zu lassen, wie ich z.B. feststellte, als ich unsere 2009er Pressung von Fleetwood Macs 1977er Album Rumours" auflegte. Ich genoss es einfach, die intensive tonale Fülle zu hören, die ich vorher manchmal vermisst hatte.

    Im Vergleich zu meinen ersten Experimenten mit der EPI 500 hatte sich die Basswiedergabe jetzt verdreifacht, so dass damit ich den realistisch vollen Klang und den befriedigenden Punch eines exzellenten Tower-Lautsprechers erleben konnte. Die Abbildung war exzellent, mit einem natürlich breiten und unangestrengten Centerbild. Die Musik war gut verteilt: von vorne nach hinten und von links nach rechts. Stimmen waren immer noch ein wenig süß und weich, aber die Bedeutung dieses Aspekts wird sich erst auf lange Sicht zeigen. Meiner Erfahrung nach sollten die EPI 500 sowohl von einem 20-Watt-Röhrenverstärker als auch von kräftigen Transistorverstärkern problemlos angetrieben werden können. Das richtige Einstellen hatte etwas Zeit in Anspruch genommen, aber der zusätzliche Aufwand war durchaus lohnenswert. Der Aspekt, der mir vielleicht am besten gefiel, war ihre Fähigkeit, eine Jazz-Club-Atmosphäre mit frei atmenden, natürlichen Bässen zu schaffen - aber ohne den Geruch von kalten Zigaretten und abgestandenem Bier.

    Klangbeispiel auf Youtube

    Technische Daten

    • Typ: Dynamischer 3-Wege-Lautsprecher
    • Konstruktion: geschlossenes Gehäuse mit Passivradiatoren
    • Impedanz: 4 Ohm
    • Belastbarkeit: 250 Watt (max.)
    • Wirkungsgrad: 88 dB (1 Watt, 1 Meter)
    • Frequenzbereich: 45 Hz - 20.000 Hz (+/-3dB)
    • Hochtöner: EPI-Goldring (2. Generation)
    • Hochtönerprinzip: 2,6 cm Inverskalotte, luftgepolstert, ölgedämpft
    • Mitteltöner: 10,5 cm, Papierkonus (1. Generation)
    • Tieftöner: 25,4 cm, Papiermembran
    • Passive Strahler: 30,4 cm
    • Frequenzweiche: 750 Hz / 3.000 Hz
    • Gehäuseoberfläche: Walnuss
    • Abmessungen: (H) 91,44 cm, (B) 30,48 cm, (T) 35,56 cm
    • Gewicht: 28,12 kg (pro Stück)
    • Land der Herstellung: U.S.A.
    • Jahr(e): 1973 - 1981

    crossXculture Business Language Training
  • JBL Xtreme 2

    JBL Xtreme 2

    17.7.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Von den 1950ern bis in die 1990er Jahre ging es bei Hifi-Neuentwicklungen hauptsächlich darum, die Grenzen des technisch Machbaren in Hinblick auf eine originalgetreue Musikwiedergabe auszuloten. Größe, Aussehen und Kosten schienen für die Hifi-Hersteller und für die stolzen Besitzer der Geräte am oberen Ende des Marktes von geringerer Bedeutung zu sein. Monströse Receiver wie der Kenwood KR-9400 aus den Jahren 1974 bis 1976 und schrankgroße Lautsprecher wie die Electro Voice Patrician 800 aus der Mitte der 70er bis Anfang der 80er Jahre waren Zeugen dieser Zeit. Die wichtigste Musikquelle war die Schallplatte, von der Hifi-Enthusiasten oft beeindruckende Sammlungen besaßen.

    Mit dem Aufkommen kompakterer Musikformate wie der CD (Sony 1982 und Philips 1983), dem DAT (Sony 1987) und schließlich dem MP3-Player (Saehan 1997) wurde der Audiomarkt wie besessen darauf, herauszufinden was man sonst noch kleiner und praktischer bauen konnte. Nach Jahren größerer und besserer Geräte ging es im neuen Jahrtausend um die Frage, wie viel Größe, Gewicht und Kosten geopfert werden konnten, bevor der Zauber dessen, was einmal Musik war, komplett verloren ging. Die mainstream Hifi-Technik begann daher, kleinere und leichtere Geräte zu entwickeln. Die Lautsprecher wurden hoch und schlank, um sich in den Wohnräumen zu verstecken, anstatt diese zu dominieren. Die Verbraucher fühlten sich zu kleineren Lautsprechern hingezogen, die dennoch einen Großteil des Klangs ihrer größeren Vettern bieten sollten.

    Lautsprecherkabel wurden zunächst in die Wände verlegt, bevor sie schließlich von WiFi oder Bluetooth abgelöst wurden und komplett verschwanden. Die KEF- Modelle LS-50 und LS-50 'wireless', von 2012 bis 2022, sind ein gutes Beispiel für die Richtung der Industrie. Bei den LS-50 handelt es sich um kompakte Regallautsprecher, die ihre klanglichen Vorzüge am besten entfalten können, wenn sie auf geeigneten Lautsprecher-Ständern aufgestellt werden, wobei die Abmessungen des Raums usw. zu berücksichtigen sind. Die kabellose Version, die etwas teurer ist, bietet dem Hifi-Neuling den zusätzlichen Vorteil, dass in Bezug auf Erdung, Verbindungsleitungen und Lautsprecherkabel nicht viel schief gehen kann. Es ist nicht verwunderlich, dass die vielseitigen und unauffälligen KEF LS-50 zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels bereits seit mehr als 10 Jahren produziert werden. Und dennoch ist die LS-50 immer noch ein konservativer Heimlautsprecher. Andere Hersteller haben die Vielseitigkeit auf die nächste Stufe gehoben.

    Die JBL “Xtreme 2" war die zweite Generation der Xtreme-Bluetooth-Lautsprecher von JBL. Das hier gezeigte Paar gehörte meinem langjährigen Freund Thomas Kubalsky, der mich auch schon früher bei der Lösung von Hifi-Problemen unterstützt hatte. Die Lautsprecher wurden mir von Thomas für den Hörtest überlassen. Er hatte sie ursprünglich erworben, um auf seinen excessiven e-Bike-Radtouren Musik hören zu können. Thomas sah die Vorteile darin, dass die kanisterförmigen Gehäuse der JBL leicht an seinem Lastenrad befestigt werden konnten, dass sie wasserdicht waren und über schnell aufladbare Batterien verfügten, die eine Wiedergabezeit von bis zu 15 Stunden ermöglichten. Auch Bluetooth war für ihn ein Pluspunkt, aber kein absolutes Muss, da der Abstand zwischen Handy und Lautsprechern beim Anbringen am Fahrrad eher gering war. Zum Zeitpunkt der Aufnahme dieser Fotos hatten seine JBLs Thomas und sein Fahrrad bereits auf zahlreichen Fahrten über mindestens 10.000 Kilometer durch extreme Hitze, Staub und Regen begleitet.

    An dem Tag, an dem ich beschloss, die JBL Xtreme 2 mit nach Hause zu nehmen, hatten sie bereits einige Stunden auf dem Sommerfest unserer Kinder im Kindergarten Musik gespielt. Thomas hatte mir gezeigt, wie ich zwei Xtreme 2-Lautsprecher mit nur einem einzigen Smartphone koppeln konnte, um daraus ein Lautsprecher-Array zu erstellen. Obwohl die JBLs aus jeweils zwei Sätzen von Lautsprechern pro Gerät bestanden, um auch einzeln die Stereo-Wiedergabe zu ermöglichen, erlaubten die neuen intelligenten Bluetooth-Profile die getrennte Zuweisung eines linken und rechten Kanals auf jeden Lautsprecher, sofern zwei Xtreme 2 vorhanden waren. Maximal ermöglichten die Profile die Zuweisung von 100 Lautsprechern in ein einziges Array. Diese Anzahl von Lautsprechern sollte in jedem Fall ausreichen, um eine große Cocktail- oder Strandparty zu beschallen. Was mich jedoch wirklich brennend interessierte, war die Möglichkeit, die Klangqualität eines so vielseitigen Systems mit Bluetooth-Konnektivität kennenzulernen. Wie würden sie sich in einem direkten Hörvergleich mit echten Hifi-Lautsprechern schlagen?

    Ähnlich wie bei anderen kleinen Gehäusekonstruktionen wurden bei der JBL Xtreme 2 passive Membranen eingesetzt, um ein größeres Gehäusevolumen zu suggerieren und die Basswiedergabe der beiden kleinen dynamischen Treiber zu verbessern. Dieses Prinzip war nicht neu, sondern wurde bereits bei vielen berühmten Lautsprechern verwendet, z.B. bei der KEF Calinda, die von 1975 bis 1976 gebaut wurde, und bei der Epicure EPI 500, die von 1973 bis 1981 gebaut wurde. Und während die Calinda einen einzigen passiven Radiator an der Vorderseite hatte, verwendete die EPI 500 einen Radiator auf jeder Seite des Gehäuses, ähnlich wie die JBL Xtreme-Modelle. Und da ich die EPI 500 zu diesem Zeitpunkt noch in unserem zweiten Hörraum aufgestellt hatte und mit ihrem Klang wirklich sehr zufrieden war, gab es eigentlich keinen besseren Ort, um die kleinen JBLs aufzustellen. Für einen schnellen A-B-Vergleich, stellte ich die Xtremes direkt auf die EPI-Lautsprecher, so dass ihre Treiber mit denen der EPIs bündig waren.

    Bei der Aufstellung der EPI 500-Lautsprecher hatte ich besonders darauf geachtet, eine perfekte Balance aus Dämpfung und Stabilität zu erreichen. Indem ich also die Xtreme 2 direkt auf die Epicures stellte, konnte ich sicher sein, dass ich von diesem Vorteil profitieren würde. Während meiner Hörtests achtete ich darauf, meine Ohren auf der Ebene der Hochtöner zu positionieren und wieder zu senken, wenn ich zwischen den Lautsprechern wechselte. Zum Zeitpunkt des Tests wurden die EPI 500 noch von unserem Kenwood KR-9400-Receiver angetrieben, einer Kombination, die einen agilen und nach vorne gerichteten Klang mit viel natürlichem Bassdruck bot. Gleichzeitig wurde das natürliche Timbre der Epicures deutlich, was diese Kombination vor allem bei der Wiedergabe von realen Musikereignissen zu einem besonderen Erlebnis machte. Es war spannend zu erkunden, wie viel von dem ursprünglichen Musikereignis durch die kleinen JBL Bluetooth Lautsprecher transportiert werden würde. Ich war fest davon überzeugt, dass es sich bei ihnen nur um eine weitere Spielerei handelte, die außer ihrer geringen Größe und Tragbarkeit keine weiteren Vorzüge aufwies.

    Beim Vergleich von Geräten neigte ich dazu, mir dieselben Alben immer wieder anzuhören. Tonalität, Agilität, Transienten und natürliche Bässe waren nur einige der Eigenschaften, die mich interessierten. Die Epicure-Lautsprecher konnten von matschig bis scharf klingen, je nachdem, wo sie aufgestellt, wie stabil sie standen und wodurch sie vom Boden entkoppelt waren. Wenn diese Aspekte miteinander harmonierten, waren sie in der Lage, durchaus eine hervorragende tonale Ausgewogenheit und einen natürlichen Bass zu liefern. Obwohl der Bass der Epicure nicht extrem strukturiert war, gefiel es mir, dass er weder zu dick noch zu dünn auftrat, wenn er mit einem Verstärker wie unserem Becker ST-200, Dynavox VR 70, oder sogar dem Kenwood KR-9400 Receiver kombiniert wurde. Ich legte das Album "Turn Up The Quiet" von Diana Krall auf und hörte es mir zuerst über die EPI 500 an.

    Als ich anschließend auf die JBL Xtreme 2s umschaltete, musste ich die Bluetooth-Verbindung wieder aus dem Ruhezustand erwecken und bemerkte, dass das Gerät, das ich als Slave gekoppelt hatte, erst fünf Sekunden später aufwachte. Es gab auch eine kleine Verzögerung und ein leichtes Knacksen, bevor die Verbindung perfekt hergestellt war. Gleichzeitig war ich beeindruckt von dem greifbaren Bild, das die JBLs in der Mitte zwischen den Lautsprechern erzeugten. Dieser Effekt war mir von gut durchdachten kabelgebundenen Verbindungen sofort vertraut. Der nächste Aspekt, der mir auffiel, war die große Ähnlichkeit in der Tonalität zwischen den EPI 500 und den Xtreme 2. Beide Lautsprecher gaben Dianas Stimme sehr glaubwürdig und mit sehr ähnlichem Timbre wieder. Die Epicure-Lautsprecher schafften es allerdings, die Stimme etwas besser vom oberen Bass zu trennen und klangen daher in diesem Bereich weniger unscharf. Dieser Unterschied war jedoch geringer als ich erwartet hätte.

    Die JBL-Lautsprecher blieben dem Quellmaterial vor allem bei langsameren und geordneten Musikpassagen treu. Je lauter und schneller die Musik wurde, desto mehr begannen die Lautsprecher ihre natürlichen Grenzen aufzuzeigen. Das soll nicht heißen, dass sie schlecht klangen oder schlecht konstruiert waren, es war nur so, dass Aspekte der Attacke und der Ordnung der Epicures-Lautsprecher nicht vorhanden waren, wenn man denselben Titel über die JBL-Lautsprecher hörte. Um ehrlich zu sein, hätte ich nicht gedacht, dass tragbare Bluetooth-Lautsprecher einen solchen Vergleich überhaupt verdienen würden, aber bei den JBL-Lautsprechern erschien es mir nicht allzu weit hergeholt zu sein. Dieser Eindruck wurde mir auch von meinem Kollegen Landon zurückgespiegelt, der lächelnd ins Büro kam und sagte: "Karsten, ich hätte nicht gedacht, dass ich so etwas in diesem Büro sehen würde", während er auf die Xtreme 2 zeigte. Als ich ihm die Xtreme 2 dann vorführte, war Landon jedoch perplex und musste wie auch ich gestehen, dass er den Unterschied zwischen den Lautsprechern für viel größer gehalten hätte. "Sie sind also wirklich nicht schlecht, was?" sagte Landon, während er wieder zu seinem Schreibtisch hinüberging.

    Als ich die beiden Xtreme 2 zum ersten Mal koppelte, wurden sie automatisch auf 'Party Mode' eingestellt, was bedeutete, dass jeder Lautsprecher das volle Stereobild wiedergab. Dies hatte den Vorteil, dass die Lautsprecher weit voneinander entfernt aufgestellt werden konnten, ohne dass die Musikinformationen des anderen Kanals am Hörplatz verloren gingen. Um sie in den Stereomodus zu versetzen, musste ich zunächst die App “JBL Connect" oder “JBL Portable" aus dem App Store herunterladen. Das Umschalten der Geräte in den Stereomodus dauerte nur ein paar Sekunden. Bei genauerem Hinhören jedoch erkannte ich das Problem, dass ich nicht darauf vertrauen konnte, dass die Musikinformationen intakt waren. Dieser Eindruck mag von plötzlichen Änderungen der Kanallautstärke herrühren, die ich bei einigen Gelegenheiten bewusst wahrnahm. Das Stereobild schien auch manchmal übermäßig betont zu sein, mit einem starken, aber eher unvorhersehbaren dreidimensionalen Effekt und einem leicht hohlen Klang. Möglicherweise war dies auf ein Timing-Problem zwischen den beiden Kanälen, den so genannten 'Hass-Effekt', zurückzuführen. Diese Phänomen hatte zur Folge, dass sich meine Ohren schnell überlastet fühlten, was ich mit den Lautsprechern im 'Party Mode' nicht erlebt hatte.

    Daher schaltete ich die Lautsprecher wieder zurück in den Party-Modus (oder in diesem Fall in den Mono-Modus) und war sofort viel zufriedener mit ihrer Darbietung. Zusammenfassend konnte ich feststellen, dass die Xtreme 2 akustisch ausgereifte Lautsprecher mit hervorragender Tonalität sind, deren Vorzüge leider durch eine etwas instabile Bluetooth-Verbindung verdeckt wurden. Im Party-Modus, bei dem jeder Lautsprecher das volle Stereosignal wiedergibt, waren einige Aspekte der Gesangs- und Instrumentenwiedergabe ähnlich wie bei den besseren Lautsprechern dieser Welt. Im Stereo-Modus jedoch verloren die Lautsprecher durch die Bluetooth-Verbindung jegliches Gefühl für Proportionen und schleuderten einzelne Töne wahllos in den Raum. Das gelegentliche Absacken der Lautstärke oder gar das völlige Verschwinden eines Kanals belastete mich und nahm mir den entspannenden und beruhigenden Aspekt der Musik. Kurzum: Eine bessere Verbindung als Bluetooth hätte aus diesen Lautsprechern weitaus bessere Performer gemacht, denn physisch hatten sie wirklich viel zu bieten.

    Technische Daten

    • Typ: tragbarer Stereo-Lautsprecher
    • Konnektivität: Bluetooth Version: 4.2
    • Merkmale: Integration von Lautsprecher-Arrays
    • Profile: A2DP V1.3, AVRCP V1.6, HFP V1.6, HSP V1.2
    • Hochtöner: 2,0 cm x2
    • Tieftöner: 6,99 cm x2
    • Passiv-Radiatoren: 8,0 cm x2
    • Nennleistung: 2 x 20 W RMS; bi-amped
    • Frequenzgang: 55 Hz - 20.000 Hz
    • Signal-Rauschabstand: > 80 dB
    • Spannungsversorgung: 19V, 3A
    • Akku-Typ: Lithium-Ionen-Polymer 36Wh
    • Akku-Ladezeit: 3,5 Stunden
    • Musikwiedergabe: bis zu 15 Stunden
    • Eingänge: 3,5-mm-Kopfhörerbuchse
    • USB-Ausgang: 5V, 2A (maximal)
    • Sendeleistung: 0-12,5 dB/m
    • Sendebereich: 2,402 - 2,480 GHz
    • Abmessungen: (H) 136 mm x (B) 288 mm x (T) 132 mm
    • Land der Herstellung: China
    • Gewicht: ca. 2,4 kg
    • Jahr(e): 2018 - 2022

  • KEF iQ30

    KEF iQ30

    23.8.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Wo soll ich anfangen? Vielleicht am besten mit einer Entschuldigung. Denn bis zum Verfassen dieses Artikels hatte kein anderer Lautsprecher meine Aufmerksamkeit und Fantasie mehr in den Bann gezogen als diese kleinen Regalboxen. Und wie es leicht passieren kann, war ich in meiner Unwissenheit bei der Zuweisung von positiven und negativen Attributen zu diesen Lautsprechern nicht immer fair gewesen. Es dauerte tatsächlich eine ganze Weile, bis ich das herausfand, wie ich mit den iQ30 umgehen musste, um ihnen einen positiven Klang zu entlocken. Frei nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel.

    Zu Anfang hatten wir die KEFs wegen ihrer Form als unauffällige Regallautsprecher gekauft, um in unserem Arbeitszimmer Hintergrundmusik zu hören. Das war lange bevor ich darüber nachdachte, ein zweites audiophiles System einzurichten, das wir nutzen konnten, falls z.B. die Kinder unseren Haupthörraum blockierten. Wie üblich hatte ich Testberichte über Regallautsprecher gelesen, die klanglich etwas mehr als ihr Eigengewicht auf die Waage brachten, und die kleinen KEFs wurden in diesem Zusammenhang wiederholt erwähnt.

    In unserem Büro angekommen mussten sie einige in die Jahre gekommene Denon-Regalboxen ersetzen, die von einer F-07 Midi-Anlage übrig geblieben waren. Angetrieben wurden sie von einer Einsteiger-Kombination aus Rotel Vor- und Endstufe mit einer Leistung von 2x 60 Watt RMS. Im Nachhinein betrachtet war die Kombination sogar recht gut, denn die japanische Combo war mit Blick auf die Schwesterfirma Bowers & Wilkins entwickelt worden und soll der Philosophie des "British Sound" folgen. Dieser zeichnet sich nach meinem Verständnis durch Präzision, tonale Ausgewogenheit und einen warmen Mitteltonbereich aus.

    Während die Denons mit ihren Soft-Dome-Hochtönern Fehler verziehen und leicht zu integrieren waren, offenbarten die iQ30 die klanglichen Schwächen unserer günstigen Glas- und Aluminium Lautsprecherständer. Daher ersetzten wir die Ständer durch eine einfache DIY-Konstruktion (bestehend aus 32 mm starken MDF-Platten) und bemerkten sofort die Verschiebung von einem rauen und technischen Klang hin zu einer etwas angenehmeren und tonal ausgewogeneren Darbietung.

    Ein weiterer Aspekt, den die KEFs aufzeigten, war die mangelnde Basswiedergabe im Hörraum. Unser Büro befand sich unter dem Dach des Gebäudes und hatte mehrere akustische Nachteile: schräge Gipswände rundherum, die einen Großteil der tiefen Frequenzen absorbieren, viele harte Möbeloberflächen, die höhere Frequenzen reflektieren, und eine große Raumtiefe von 13 Metern, wobei sich die Hörposition nur 2,5 Meter von den Lautsprechern entfernt befand.

    Bei meinem Versuch, die iQ30 ausgewogen klingen zu lassen, setzte ich eine Reihe von Vor- und Endstufen ein, von Rotel über Hafler bis hin zu Harman Kardon. Doch die KEFs klangen mal mehr und mal weniger hart und grell. Skeptisch betrachtete ich die scharf gezeichneten Waveguides der Uni-Q-Treiber und fragte mich, ob KEF sie irgendwie falsch berechnet hatte, ähnlich wie ich meine früheren Canton Ventos als unangenehem höhenbetont empfunden hatte, was mir später von mehreren Tests auch bestätigt wurde. Für die Firma KEF jedoch, die sich längst den Ruf der Lautsprecher-Universität Englands erarbeitet hatte, wäre eine bewusste Betonung einzelner Frequenzen jedoch eher untypisch gewesen.

    Da ich die iQ30 in unserem Büro nicht in tonale Balance bekam, gab ich sie meinem Bruder zum Testen mit und stellte unsere Anlage auf Tannoy DC 6t Tower-Lautsprecher um. Mit ihrem zusätzlichen Tieftontreiber boten die Tannoys von Beginn an mehr Bassfundament und klangen zumindest auf die kurze Distanz zu meiner Hörposition ausgewogener. Als ich mir die neuen Lautsprecher jedoch längere Zeit anhörte, stellte ich fest, dass auch sie im Bassbereich mit der Größe und Struktur des Raums zu kämpfen hatten. Das Fundament wurde von den Wänden und Decken geschluckt.

    Einige Wochen später erhielt ich dann die KEFs von meinem Bruder zurück. Und da ich mich in der Zeit ihrer Abwesenheit gefragt hatte, ob ich bei der Aufstellung nicht doch etwas übersehen hatte, beschloss ich, sie diesmal nicht im Büro im Obergeschoss aufzustellen, sondern sie stattdessen in unserem Haupthörraum zu testen. Um ehrlich zu sein, waren meine Erwartungen nicht allzu hoch, denn ihre Konkurrenten im Erdgeschoss waren keine alten Denon Regallautsprecher, sondern die wirklich beeindruckenden elektrostatischen Martin Logan SL3.

    Ich spielte zunächst ein paar Lieder auf den Martin Logans aus Jazz und Folk, die ich gut kannte und gerne hörte. Dann wechselte ich zu den iQ30, halb in der Erwartung, laut loslachen zu müssen. Überraschenderweise war das aber ganz und gar nicht der Fall. Die KEFs setzten bei ähnlicher Lautstärke und fast identischer Klangcharakteristik ein, so dass ich zunächst ungläubig zu den Martin Logans hinüberblickte. Mit dem Hochtöner auf derselben Achse wie der Tief-Mitteltöner und im Zusammenspiel mit den Waveguides, die die Höhen tief in den Raum zu werfen vermochten, legten die KEFs eine durchaus vergleichbare Energie und Autorität an den Tag.

    Die Stärken der SL3 lagen in ihrer Genauigkeit und in der Subtilität von Stimmen. Die iQ30 spielten Stimmen ebenfalls gut, erreichten aber nicht dasselbe Niveau an Subtilität und Intimität. Und doch kamen sie dem Ganzen sehr nahe. Während die Tannoys oben Klaviertasten liebten, bevorzugten die KEFs die Gitarre. Nils Lofgrens Spiel wurde in den Raum hineingestrahlt, so wie ich es von den Martin Logans gewohnt war. Die KEFs klangen dabei im Nachhall etwas kürzer nach als die SL3s, was angesichts der außergewöhnlichen Leichtigkeit der Mylar-Membran der Martin Logan kein Wunder war.

    Die KEFs klangen in unserem Haupthörraum deutlich ausgewogener. Von der früheren Härte war nichts mehr zu spüren, so dass auch stundenlanges Hören leicht möglich war. Der Bass war voll und präsent und manchmal sogar druckvoller als bei den SL3. Wenn es jedoch darum ging, sehr tiefe Töne zu spielen, waren diese bei den Martin Logans noch vernehmbar und fehlten bei den KEFs einfach. Auch das war nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die SL3 einen 30cm Tieftöner und die iQ30 nur über einen kleinen 16cm Breitbandlautsprecher verfügten.

    Die iQ30 boten eine wunderbare Bühne und konnten - wie die Martin Logans - auch laut spielen, was eine schöne Live-Atmosphäre schaffte. Die Martin Logans wären selbstverständlich in der Lage gewesen noch lauter zu spielen, aber ich persönlich hörte Musik nie in einer Lautstärke, bei der dieser Unterschied eine Rolle spielen würde. In Anbetracht der geringen Größe der KEFs war ihre Fähigkeit, den Raum zu füllen, beachtlich. Ihre Präzision und Autorität, die es auch mit größeren und teureren Lautsprechern aufnehmen konnte, war bei passendem Raum und richtiger Aufstellung verblüffend. Daher auch meine Entschuldigung. Als die KEFs anfangs nicht gut abschnitten, lag das nicht an einem Konstruktionsfehler der Lautsprecher, sondern am Raum. Dennoch konnte man als Kritikpunkt anführen, dass diese Lautsprecher für ihren anzunehmenden Verwendungszweck als eher willkürlich platzierte Regallautsprecher an einem kleinen Verstärker in den Höhen zu scharf geschaltet waren. Es bedurfte einiges an Geschick und Erfahrung, diese zu besänftigen.

    Technische Daten

    • Frequenzgang: 45 - 40000 Hz
    • Empfindlichkeit: 89 dB
    • Impedanz, durchschnittlich: 8 Ohm
    • Übergangsfrequenz: 2500 Hz
    • Empfohlene Leistung: +15 Watt RMS
    • Gewicht: 6,45 kg
    • Abmessungen: 36,5 cm x 22,0 cm x 32,7 cm

  • Martin Logan SL3

    Martin Logan SL3

    8.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Gayle Martin Sanders und Ron Logan Sutherland, die Namensgeber der Firma, hatten sich für die Entwicklung elektrostatischer Lautsprecher interessiert, seit sie in den späten 1970er Jahren in einem High-End-Musikgeschäft in Lawrence, Kansas, zusammen arbeiteten. Sanders arbeitete als Filialleiter und hatte einen Hintergrund in Architektur und Werbung, und Sutherland war Elektroingenieur. Beide Männer waren davon überzeugt, dass elektrostatische Lautsprecher das größte Potenzial für High-End Audiowiedergabe hatten, selbst wenn die damals existierenden elektrostatischen Lautsprecher in Bezug auf Frequenzgang und Abstrahlwinkel noch sehr eingeschränkt waren. Viele von ihnen wurden als Verstärkerkiller berühmt, da ihre Impedanzkurven einem Kurzschluss nahe kamen. Zusätzlich zu ihrer mangelnden Höhen- und Basswiedergabe und der Schwierigkeit, einen ausreichend starken Verstärker zu finden, erzeugten elektrostatische Lautsprecher einen sehr engen Sweet Spot beim Hören und klangen an den meisten Stellen im Raum falsch oder unausgewogen. Zu den wenigen erfolgreichen Modellen jener Zeit gehörten die “Quad ELS", die das Design eines elektrischen Heizkörpers nachahmte, und die riesige KLH Modell 9". Während die Quad in der Lage war, Kammermusik in ihren feinen und zarten Tönen wiederzugeben, wurden die Grenzen ihrer Konstruktion bei lauteren Darbietungen wie Rock oder klassischer Musik deutlich. Die KLH hingegen war sehr wohl in der Lage, alle Arten von Musik wiederzugeben, aber ihre schiere Größe führte zu einem sehr geringen Absatz.

    Sanders und Sutherland begannen mit dem Bau von Prototypen, von denen einige bei höheren Lautstärken in Flammen aufgingen, bis sie die Materialzusammensetzung gefunden hatten, die es ihnen ermöglichte, ihre Lautsprecher zu spielen, ohne Angst zu haben, sie zu zerstören. Zu den Verbesserungen gehörten die Entwicklung einer ultraleichten Mylnar-Membran und zwei horizontal gekrümmte Statoren aus perforiertem Stahl, die Ladungen von bis zu 10.000 Volt zuließen. Laut der Website des Unternehmens stellten Sanders und Sutherland ihr Lautsprecherkonzept 1982 auf der Consumer Electronics Show in Chicago nur auf Basis einer Attrappe und einigen Fotos vor. Das Design war so radikal neu, dass es in der Branche sofort zum Hit wurde und mit einer CES Design und Engineering Award ausgezeichnet wurde. Während sich die auf der Messe vorgestellten Ideen noch in der Entwurfsphase befanden, hatten Sanders und Sutherland bereits ihren ersten funktionierenden elektrostatischen Lautsprecher entwickelt, der auf konventionelleren Designs basierte. Er wurde "Monolith" genannt, und Händler, die ihn bei Produktvorführungen hörten, waren mehr als erpicht darauf, ihn der ihren Kunden anzubieten. Angesichts der frühen Akzeptanz ihrer Ideen fühlten sich die beiden Männer bereit, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Da sie sich einen Markennamen ausdenken mussten, beschlossen sie 1983, ihre zweiten Vornamen zu MartinLogan zu kombinieren.

    Trotz vieler anfänglicher Rückschläge, einschließlich des Ausscheidens von Ron Logan Sutherland aus dem Unternehmen, gelang es dem Hersteller, sich auf dem Markt für High-End-Lautsprecher zu etablieren. In den 1990er Jahren schuf MartinLogan viele inzwischen berühmte Klassiker, wie die SL3, die kleineren Aerius und die Quest. Die hier vorgestellte SL3 gilt als der "rockigste" Lautsprecher der 1990er Jahre. Er zeichnet sich durch ein hohes und schlankes Statorpaneel aus, das von hellen Eichenholzschienen flankiert wird. Die Mylar-Membran ist fast vollständig lichtdurchlässig und lädt dazu ein, die Vorderwand für einen optischen Effekt sanft von hinten zu beleuchten. Der SL3 ist ein Hybrid-Lautsprecher in der Tradition der MartinLogan 'Sequel'-Serie und verfügt über einen 10-Zoll Papiermembran Tieftöner für die Basswiedergabe. Der Tieftöner ist in einem geschlossenen Gehäuse untergebracht, das auch die 250-Hz / 12-dB-Frequenzweiche und den Hochspannungstransformator enthält, der zur Erzeugung der statischen Elektrizität für den Antrieb der Mylar-Membran benötigt wird. Das Gehäuse ist nach vorne und hinten offen und im MartinLogan-typischen 30-Grad-Winkel gewölbt, um eine optimale Hochtonabstrahlung zu gewährleisten. Der SL3 verfügt über zwei Anschlussklemmen für Bi-Wiring sowie einen Bass Control Switch, mit dem die Basswiedergabe um -3 dB abgesenkt werden kann. Dies kann sehr praktisch sein, wenn die Lautsprecher in kleineren Räumen aufgestellt werden sollen, in denen die Basswiedergabe akzentuiert ist. Obwohl jeder Lautsprecher zur Hochspannungserzeugung an eine Stromquelle angeschlossen werden muss, ist der Energieverbrauch sehr gering, und der Lautsprecher schaltet in den Standby-Modus, wenn an den Klemmen kein Signalstrom erkannt wird. Ein kleines rotes Licht an der Vorderseite des Lautsprechers zeigt an, wenn der Lautsprecher eingeschaltet ist.

    Die MartinLogan SL3s wird am besten mit einem starken Verstärker betrieben, der für hohe Rückkopplungsströme ausgelegt ist, da die Impedanzkurve des Lautsprechers einige sehr niedrige Einbrüche bis hinunter zu nur 1,5 Ohm bei 20.000 Hz aufweist. Aufgrund des bipolaren Panel-Designs kann die Platzierung der Lautsprecher etwas schwieriger sein, als dies bei herkömmlichen Designs der Fall wäre. Bei guter Platzierung ist die SL3 durchaus in der Lage, ein erstaunliches Schauspiel zu vollführen, bei dem der genaue Standort des Lautsprechers nur schwer auszumachen ist und die Musik dreidimensional im Raum erscheint. Der Klang ist klanglich ausgewogen, und die Bass-Integration funktioniert bei dem Hybriddesign sehr gut. Mit einer Fläche von 0,37 m² sind die SL3 in der Lage, eine große Klangbühne zu präsentieren, sowohl bei niedrigen als auch bei hohen Lautstärken. Bi-Wiring ist von entscheidender Bedeutung, da die Kontrolle über den Tieftöner bei Brückenschaltung unpräzise wird. Dies könnte mit dem Hybrid-Design und den elektrischen Eigenschaften der Treiber zusammenhängen. Bei korrektem Anschluss ist die SL3 in der Lage, viel Punch zu liefern und bei Bedarf schnell abzufallen. Da die Panels selbst schon eine beachtliche Größe haben, kann das Hören von Musik aus geringer Entfernung als zu überwältigend empfunden werden. Einige Leute haben angegeben, dass sie das Gefühl haben, von ihnen gegrillt zu werden. Um diesen Effekt zu verringern, aber auch um die Lautsprecher besser in den Raum zu integrieren, können die Panels nach hinten gekippt werden. Insgesamt bietet die SL3 eine hervorragende Grundlage für ein hochwertiges Klangerlebnis und viel Raum für Experimente.

    Siehe auch: Martin Logan SL3 Audio Demo

    Technische Daten

    • Frequenzgang: 30-22.000 Hz +/3 dB
    • Abstrahlwinkel: 30 Grad
    • Empfindlichkeit: 89 dB
    • Impedanz, Durchschnitt: 4 Ohm
    • Impedanz, minimal: 1,5 Ohm bei 20kHz
    • Belastbarkeit: 200 Watt RMS
    • Gewicht: 29,5 kg, pro Lautsprecher
    • Abmessungen: (H) 163 cm x (B) 33 cm x (T) 36 cm

  • Orbid Sound Pluto (Bausatz)

    Orbid Sound Pluto (Bausatz)

    30.5.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Unsere Familie war gerade aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt und war damit beschäftigt, sich an das Leben in Deutschland zu gewöhnen, als ein Jugendfreund mich mit der berüchtigten Lautsprecher-Manufaktur Orbid Sound von Herrn Beyersdorffer bekannt machte. Da ich mich für Audiogeräte interessierte, drückte er mir eine Broschüre in die Hand, die dem neugierigen Leser viele Geheimnisse über die Herstellung und den Vertrieb von Lautsprechern preiszugeben schien. Darin gab Herr Beyersdorffer an, dass etablierte Audiounternehmen ihre Kunden abzockten, indem sie billige Treiber in schick aussehende Boxen verpacken, in der Hoffnung, dass genügend zahlende Kunden durch ihre bezahlten und daher immer positiven Rezensionen in der Fachpresse angelockt würden.

    Herr Beyersdorffer erklärte weiter, dass Orbid Sound zu einem niedrigeren Preis als das Audio-Establishment bereits mit hochwertigen Treibern arbeiten könne, da sein Unternehmen nicht in teuren Zeitschriften werbe und stattdessen seinen Ruf allein durch die Mundpropaganda seiner zufriedenen Kunden aufgebaut habe. Seine Behauptungen waren natürlich nicht ganz unwahr, denn HiFi-Geschäfte verkauften ihre Lautsprecher aufgrund ihrer hohen Wattangaben, zunehmend fragwürdigen Frequenzkurven und einer überzeichnung der Höhenwiedergabe - letztere richtete sich an wohlhabende Rentner, die sich freuten, dass sie endlich wieder die verloren geglaubten oberen Bereiche des Frequenzspektrums hören konnten. Das waren noch Zeiten, als die Hersteller von Low-Budget-Lautsprechern große, glänzende Ringe um ihre kleinen Chassis malten, um ihre schmählichen Lautsprecher durch den Stoff hindurch eindrucksvoller aussehen zu lassen.

    Diese Marken, zumeist aus dem Versandhandel und aus Kaufhäusern, waren jedoch nicht das primäre Ziel von Herrn Beyersdorffers Kampagne. Seine Tiraden richteten sich an die etablierten HiFi-Geschäfte, und in seinem Publikum befanden sich aufstrebende audiophile Hörer mit einem knappen Budget. Wenn es ihm nur gelänge, die damalige Jugend davon zu überzeugen, dass sie für kleines Geld mit den großen Jungs mitspielen könnte, weil sie mit seinen Lautsprechern cleverer waren als das Audio-Establishment, könnte er mit Orbid Sound genug Geld verdienen, um seinen eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, und vielleicht sogar noch mehr. Wie sich herausstellte, kauften mein Freund, mein jüngerer Bruder und ich schließlich unsere ersten "erwachsenen" Lautsprecher von Orbid Sound.

    Um Geld zu sparen, entschieden mein Bruder und ich uns für Bausätze des Unternehmens. Der Pluto-Bausatz meines Bruders enthielt vorgefertigte Gehäuseteile und ließ sich dadurch leicht zusammenbauen. Ich beschloss, noch einen Schritt weiter zu gehen und das Lautsprechergehäuse von Grund auf selbst zu bauen. Seitdem sind mehr als 30 Jahre vergangen, und ich weiß nicht mehr, wie meine Lautsprecher hießen, ich weiß nur noch, dass sie jeweils vier kleine Tieftöner statt eines großen hatten. Und diese Tieftöner waren mit dem Mitteltöner und dem Hochtöner des Pluto gepaart. Obwohl mir zunächst die Idee gefiel, von der geringeren Zeitverzögerung von vier kleineren Tieftönern zu profitieren, und ich sogar Herrn Beyersdorffers Gedanken dazu folgen konnte, stellte ich fest, dass das Konzept mit den verwendeten Chassis nicht gut funktionierte - vielleicht aufgrund von kleinen Unterschieden im Timing zwischen den Chassis - und so verkaufte ich meine Lautsprecher wieder, nur wenige Wochen nachdem ich sie fertiggestellt hatte.

    Mein Bruder hingegen behielt seine Orbid Sound Pluto Kit-Lautsprecher und ließ sie schließlich im Haus meiner Eltern zurück, als er 2006 auszog. Genau dort habe ich sie neulich gefunden. Ich rief meinen Bruder an, um ihn zu fragen, ob ich sie für einen Hörtest an unserer Anlage mit nach Hause nehmen könnte. Er stimmte zu, und es gab einen Moment des Innehaltens, in dem wir beide über die irre Idee kichern mussten, Orbid Sound-Lautsprecher an einer "erwachsenen" Stereoanlage zu betreiben. Wie würden diese Lautsprecher im Vergleich zu den hohen musikalischen Standards unserer Vintage-Klassiker abschneiden, ganz zu schweigen von den modernen Tannoy XT8f Dual-Concentric-Towern, den Epicure EPI 500 oder sogar den elektrostatischen Lautsprechern Martin Logan SL-3? Wir beschlossen, dass wir es nicht wissen konnten, bis wir es ausprobiert hatten, und ich nahm die Plutos später am Abend zu uns mit nach Hause.

    Bei näherer Betrachtung konnte ich feststellen, dass die Gehäuse und Treiber immer noch in erstaunlich gutem Zustand waren, auch wenn der Leim der Furniereinfassung in einigen Ecken etwas brüchig geworden war und die darunter liegenden Lagen des Mehrschichtmaterials zum Vorschein kamen. Das überraschte mich, denn ich hatte sie fälschlicherweise für billiges Pressspan gehalten. Mehrlagige Platten hatten den zusätzlichen Vorteil, dass sie nicht so klanglos waren wie die heute üblicherweise verwendeten MDF-Platten. Also holte ich eine Flasche Ponal-Holzleim hervor, um das Problem zu lösen. Die Chassis selbst waren klanglich immer noch einwandfrei, und ich konnte kein Kratzen feststellen, als ich sie mit der Hand bewegte.

    Einige Leute hatten berichtet, dass Orbid Sound seine Frequenzweichen ohne Spulen konstruiert hat, sondern einfach Widerstände kombinierte. Da die Frequenzweichen jedoch in gehärtetem Harz gegossen waren, war es für mich schwierig, herauszufinden, wie viel Wahrheit an dieser Behauptung dran war, ohne die Weichen zu zerstören. In meiner frühen Jugend hatte ich auch schon Lautsprecher ohne Spulen in ihren Frequenzweichen gebaut und gelernt, dass solche Konstruktionen in manchen Fällen für die Phasenkorrektheit sogar von Vorteil sein können. Ohne die Tiefpassfunktion einer Spulendrossel durften die Tieftöner einfach tiefere Mitteltonfrequenzen wiedergeben. Und während dies bei einem Zwei-Wege-System eine Option gewesen sein mag, war ich bei einer 3-Wege-Konstruktion wie den Pluto ein wenig misstrauisch. Ein anderer skeptischer Hörer hatte die Frequenzweichen sogar geröntgt und in einem Online-Forum behauptet, dass sie tatsächlich recht konventionell seien. Wie dem auch sei, am Ende beschloss ich, dass es sich lohnte, herauszufinden, was Orbid Sound vor dreißig Jahren ausgeheckt hatte.

    Nachdem ich einige Zeit in unsere Epicure EPI 500-Lautsprecher hineingehört hatte, schloss ich die Plutos an unseren Dynavox VR-70-Röhrenendstufe an, die zu diesem Zeitpunkt bereits gut eingelaufen war. Als Musikquelle diente unser Marantz CD-17 gepaart mit einem Cambridge DAC. Ich stellte die Plutos genau dort auf, wo unsere EPI 500 gestanden hatte, mit den Chassis in etwa 105 cm Abstand von der vorderen Wand des Raumes, nur um festzustellen, dass dadurch praktisch alle Bassfrequenzen von den rückwärtigen Lautsprechern eliminiert wurden. Da die Orbid Sounds als Regallautsprecher gedacht waren, sollte die vordere Wand des Raumes als Bassunterstützung dienen. Das war in der Praxis nicht unbedingt ein Manko, und so begann ich, die Ständer langsam näher an die vordere Wand des Raumes zu rücken. Als sich die Chassis dem Abstand von 62 cm näherten, begannen die Bässe endlich richtig zu klingen.

    Und doch gab es noch eine zweite Eigenart, die mir gleich in der ersten Minute des Betriebs der Lautsprecher auffiel. Im Mitteltonbereich der Plutos war etwas unausgewogen. Weibliche Stimmen klangen quietschiger und komprimierter, als ich es bisher von unseren anderen Lautsprechern (und aus dem wirklichen Leben) gewohnt war. Zuerst dachte ich, dass dieser Effekt nachlassen würde, sobald sich der Bass an den Raum angepasst hätte, aber leider war das nicht der Fall, und ich begann mich zu fragen, wofür die Pegeldämpfungsplatte an der Rückwand des Pluto-Gehäuses eigentlich verwendet wurde: für den Hochtöner oder den Mitteltöner? Als ich die Lautsprecher vor vielen Jahren zum ersten Mal aufstellte, hatten mein Bruder und ich beschlossen, eine einfache Drahtbrücke zu installieren, anstatt einen der mitgelieferten Dämpfungswiderstände zu verwenden. Ich glaube, es waren ursprünglich zwei, aber wer weiß, wo die jetzt waren. Wenn ich mir die Plutos jetzt anhörte, stellte sich diese Einstellung als Fehler heraus. Ich gebe zu, dass wir in den 90er Jahren Equalizer verwendeten, um die Frequenzkurve von Lautsprechern gefügig zu machen, eine Praxis, die mir heute in der Welt des audiophilen Hörens als unsäglicher Fehler erschien.

    Ein weiteres Phänomen, das mir beim ersten Anhören der Plutos auffiel, war ihr Eifer, Frequenzen tief in den Raum zu werfen. Das hätte sogar als positiver Effekt gewertet werden können, wenn es auch dazu gedient hätte, einen Bühneneindruck mit erkennbarer Breite und Tiefe zu erzeugen. Aus irgendeinem Grund taten die Orbid Sounds dies jedoch willkürlich und ohne erkennbare Kohärenz. So waren nur drei Grundpositionen auf der Bühne zu erkennen: links, mitte, rechts. Snare Drum, High Hats, Gitarren und Klaviertöne schwebten lose im Hörraum, seltsamerweise ohne jegliche Form und Position. Von den drei Schwierigkeiten der Plutos wäre die letzte wahrscheinlich am schwierigsten zu beheben, da sie aus Timing-Problemen zwischen den drei Chassis zu resultieren schien.

    Sofern die Tonalität durch die richtige Dämpfung des Mitteltöners verbessert werden konnte, wäre dies zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung. Um das herauszufinden, musste ich zunächst bestätigen, dass das Dämpfungsglied tatsächlich am Mitteltöner angebracht war. Wenn es stattdessen an den Hochtönern angebracht war, hätte dies weitere Bemühungen ohnehin zwecklos gemacht. Für den Fall, dass sich die Lautstärke des Mitteltöners reduzieren ließ, würde das den gepressten im Mitteltonbereich verbessern und eventuell brauchbare Lautsprecher erzeugen. Der hintere Anschluss sah groß genug aus, um ein Standard-Visaton-Dämpfungsglied anstelle der Drahtbrücke unterzubringen. Am nächsten Morgen baute ich den Tieftöner aus, um einen Blick ins Innere zu werfen. Meine Erkenntnisse waren zweifach: Der Mitteltöner war tatsächlich mit den Klemmen des Dämpfungsterminals verbunden, und, was noch interessanter war, er befand sich in einem separaten Gehäuse. Ich fühlte mich durch die Ergebnisse meiner Erkundung beruhigt und bestellte zwei Visaton-Dämpfungsglieder.

    Die Visaton LC57-Dämpfungsglieder trafen nur drei Tage später ein und ließen sich problemlos in die vorhandenen Gehäuselöcher der bestehenden Dämpfungsterminals einsetzen. Ich verband die Pins zwei und drei des L-Pads und erreichte so den maximalen Widerstand (minimale Lautstärke im Mitteltonbereich), wenn die Dämpfungsglieder nach links gedreht waren, wie es auf dem Typenschild beschrieben war. Und doch erinnerte mich ein erstes Anhören der Orbid Sounds mit den neuen L-Pads an ein Problem, das ich vor dreißig Jahren beim ersten Einsetzen der Festwiderstände hatte: Die Veränderung hatte kaum eine Auswirkung auf den Klang. - Aber wie war das überhaupt möglich? Normalerweise würde man denken, dass die weitgehende Beseitigung der Mitteltöner aus der klanglichen Gleichung auch die Leistungsfähigkeit der Lautsprecher in diesem Bereich beeinträchtigen müsste. Durften die Tieftöner der Plutos am Ende vielleicht doch bis in den Mitteltonbereich hinspielen? Und was wäre der Sinn von dedizierten Mitteltönern, wenn deren Anwesenheit kaum wahrnehmbar war?

    Im Laufe der nächsten Tage experimentierte ich mit verschiedenen Abständen zur vorderen Wand des Hörraums und probierte auch verschiedene Einstellungen des Dämpfungsreglers aus. Selbst in der günstigsten Position - 75/70 cm Abstand zur Vorderwand, 2/3-Stellung des Mitteltonreglers, aufgestellt in 2 m Entfernung, um ein gleichseitiges Dreieck mit dem Hörplatz zu bilden - klangen die Pluto-Lautsprecher (Bausatz) im Mitteltonbereich immer noch komprimiert. Und obwohl die angewandte Dämpfung einen leicht positiven Effekt in Bezug auf die tonale Ausgewogenheit hatte, erwies sich dieser als weniger signifikant als erwartet. Zugegeben, die Plutos waren in der Lage, übermäßige Mengen an Klanginformationen zu produzieren. Allerdings präsentierten sie diese auch weiterhin auf eine gewöhnungsbedürftige, übereifrige und direkte Art. In Anbetracht der preisgünstigen Konkurrenz der 1990er Jahre war die Fähigkeit der Plutos, einen großen Reichtum an musikalischen Details zu präsentieren, vielleicht sogar eine willkommene Eigenschaft. Ihre Fähigkeit, Töne tief in den Raum zu strahlen, war sicherlich verblüffend, bis sich dann herausstellte, dass dies meist auf Kosten der präzisen musikalischen Dimension ging. Beyersdorffers Orbid Sound hat von Anfang an darauf gesetzt, sich vom HiFi-Mainstream abzuheben, und diese Lautsprecher erfüllten zumindest diese Erwartung.

    Anmerkung: Martin Beyersdorffer starb am 1. November 2020, nur wenige Tage vor seinem 87. Geburtstag, und das Unternehmen wird derzeit in zweiter Generation von seinem Sohn Daniel Beyersdorffer und Thomas Feil weitergeführt.

    Technische Daten

    • Typ: 3-Wege-Lautsprecher mit dynamischer Öffnung
    • Merkmale: Mitteltoneinstellung über Widerstand
    • Frequenzbereich: 33 Hz - 20.000 Hz
    • Impedanz: 4 Ohm
    • Belastbarkeit: 60 Watt (RMS)
    • Hochtöner: 3,0 cm, Weichkalotte
    • Hochtöner-Modell: Peerless aus Dänemark, SKO10 DT
    • Mitteltöner: 10 cm, beschichtetes Papier
    • Modell des Mitteltöners: WDH aus Deutschland, BMT 130/19-120
    • Tieftöner: 15 cm, Poly-Compound
    • Tieftöner Modell: Peerless, 830228 (Doppelschwingspule)
    • Gehäuse: Laminiertes Mehrschichtholz
    • Volumen des Gehäuses: 27 Liter
    • Abmessungen: (B) 23,5 cm; (T) 24,5 cm; (H) 52,5 cm
    • Herkunftsland: Deutschland (Bausatz)
    • Gewicht: 11 kg
    • Jahr: 1992

    Musik by Cara live music
  • Shure 701 Pro Master

    Shure 701 Pro Master

    21.6.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    "Was um Himmels willen...?", werden Sie vielleicht denken, wenn Sie über diesen Artikel stolpern, und noch mehr, wenn Sie den Blog schon länger verfolgen und mich für einen unkomplizierten Audiophilen hielten, der sich zufällig auch für Vintage-Geräte interessierte. Was um alles in der Welt hat ein Paar Shure 701 Pro Master (das offensichtlich für die öffentliche Beschallung gebaut wurde) in einem Audio-Blog zu suchen, der sich der Verbesserung des häuslichen Hörvergnügens widmet? Nun, um ganz ehrlich zu sein, war ich von dieser Anschaffung selbst ein wenig überrascht. Ich schätze jedoch, eine kleine Stimme hatte mir geflüstert, dass diese PA-Lautsprecher von anno 1979 die Mühe einer Erkundung wert sein würden, einfach weil sie auf vielen Ebenen neue Erfahrungen mit sich bringen würden.

    Zum einen verfügten die Pro Masters über einen 15-Zoll-Papierkonus-Tieftöner, der einigen hochinteressanten Tannoy- und Altec-Klassikern ähnlich war. Aus Erfahrung hatte ich gelernt, dass Papier ein vorzügliches Konstruktionsmaterial ist, um natürlich klingende dynamische Lautsprecher zu bauen. Andererseits wurde ich von meinen audiophilen Freunden immer wieder gewarnt, dass 15-Zoll-Lautsprecher sehr viel schwieriger in den Raum zu integrieren seien als schlanke Säulen, da ihre größeren Abmessungen auch leichter Raummoden hervorrufen könnten, die wiederum die Aufstellungsmöglichkeiten unnötig einschränken würden. Daher hielt ich es für das Beste, zunächst mit der Lautsprecheraufstellung auf dem erschwinglichen Niveau der Shure Pro Masters zu experimentieren, bevor ich mich schließlich an ihre teureren heimischen Vettern wagte.

    Zusätzlich zu dem mir noch unbekannten Basserlebnis verfügten die Shure-Lautsprecher über einen radialen Horntreiber mit einstellbarem Winkel, der ganz neue Einblicke in horngeladene Konstruktionen bot, wie sie in vielen renommierten HiFi- und Studiolautsprechern von Altec Lansing, JBL, TAD, Electro Voice, Fostex und anderen zu finden sind. Horndesigns boten den Vorteil eines hohen Wirkungsgrades, und dies selbst bei den niedrigen Spannungen, die von kleinen Röhrenverstärkern erzeugt werden. Der beeindruckende Schalldruck der Pro Masters von 102 dB (gemessen bei einer Eingangsleistung von einem Watt und in einem Meter Entfernung von den Lautsprechern) war hauptsächlich auf die Hörner der Hochtontreiber zurückzuführen. Auch wenn das Hornprinzip der Shures in den 1970er Jahren vielleicht nicht das empfindlichste auf dem Markt war, ermöglichte es mir, mehr über die klanglichen Eigenschaften von Hörnern in Bezug auf Mindestabstand, Sweet Spot, Raummoden und Reflexionen sowie andere Parameter zu erfahren, die ohne Erfahrungen aus erster Hand nur schwer zu beurteilen waren.

    Für die beiden hier vorgestellten 1979er Pro Masters fuhr ich schließlich bis ins berüchtigte Marburger “Hinterland". Ihr Vorbesitzer Michael war selbst ein alternder Audiophiler und Lautsprechersammler und hatte diese Lautsprecher in der Anzeige als ‘voll funktionsfähig’ beschrieben. Daher war ich recht optimistisch, als ich dort ankam. Ich fand die Lautsprecher in einer möblierten Gartenhütte vor, in der Michael seine dritte oder vierte Anlage zusammengestellt hatte. Ein kurzer Hörtest zeigte, dass sie Musik spielten. Doch weder die Aufstellung auf einem Tisch noch der Raum ließen eine tiefere Klanganalyse zu. Es fehlte so ziemlich an allem, und so beschloss ich, seinem Urteil zu vertrauen, dass sie noch intakt waren. Wir trugen die Pro Masters zu meinem Auto und verbrachten die nächsten Minuten damit, seine aktuelle Hornanlage anzuhören.

    Zu Hause half mir Sabina, die schweren Lautsprecher unsere lange Treppe hinaufzutragen. Ich fand schnell einen Abstellplatz für sie, und wir lagerten sie schließlich für ein paar Wochen dort, um zunächst andere Projekte zu beenden. Als ich endlich zu den Shures zurückkam, stellte ich sie flink auf zwei niedrige Trittleitern auf. Dann schloss ich sie an unseren Dynavox VR-70 Röhrenverstärker an, der von einem Marantz CD-17 mit Cambridge DAC auf einem Restek V1 eingespeist wurde. Der Dynavox VR-70 (noch mit originalen chinesischen Röhren bestückt) war nach dem Einspielen in der Lage, ein klanglich und räumlich akkurates Musikbild zu erzeugen. Die große Frage war, ob der Verstärker auch mit den Shure Pro Masters, die anstelle unserer wohlklingenden EPI 500 Lautsprecher angeschlossen waren, dieselbe Geschicklichkeit bieten würde. Da ich selbst nur wenig Erfahrung mit PA-Lautsprechern hatte, wusste ich nicht, was mich erwartete, aber ich war fest entschlossen, für alles offen zu sein.

    Unser Hörraum im Obergeschoss war von den Abmessungen her eher speziell: fast 13 Meter tief, 10 Meter breit und in der Mitte über 4 Meter hoch. Es gab keine zwei parallel verlaufenden Wände. Bei so viel Platz mag es überraschen, dass der Bereich, der für Hörtests reserviert war, ein gleichseitiges Dreieck von etwa 2 Metern Länge war, in dessen Mitte ein dickes Stück Teppich ausgelegt war. Aus irgendeinem Grund machte es das Zusammentreffen von geringem Hörabstand und langer Verzögerung des Halls dem Gehirn relativ leicht, Reflexionen von der Musikquelle herauszufiltern. Daher war gerade dieser Raum normalerweise keine schlechte Wahl für den Test von Lautsprechern. Als ich jedoch die Shure PA-Lautsprecher mit Horn zum ersten Mal in Bewegung setzte, wurde mir klar, dass das Abhören auf diese kurze Distanz eine echte Herausforderung sein würde.

    Das Konstruktionsprinzip des Horns verursachte auf natürliche Weise eine hohe Kompression im Nahbereich, die die Ohren leicht überfordern konnte. Glücklicherweise hatte ein Vorbesitzer Visaton LC57-Regler eingebaut, um die Hörner zu dämpfen. Das funktionierte in der Tat recht gut. Dann begann ich mit den Abstrahlwinkeln der Hörner zu experimentieren und stellte sie von zuvor 120 auf 60 Grad ein. Im Nahbereich klangen die Höhen dadurch weniger aufgebläht und musikalisch müheloser. Möglicherweise wäre diese Beobachtung bei größerem Abstand zu den Lautsprechern oder anderen Raumabmessungen anders ausgefallen. Zu meiner großen Überraschung und Freude klangen die Horntreiber der Shures nicht nur groß und beeindruckend, sondern auch klanglich sensibel und präzise. Die Pro Masters waren zu natürlichen Transienten und gleichmäßigen klanglichen Nuancen fähig, obwohl sie die Leistung erbringen konnten, um eine kleinere Veranstaltung zu beschallen.

    Es wurde schon viel über die Diskrepanz zwischen kleinen Hochton-Hörnern im Verhältnis zu 15-Zoll Tieftönern gesagt und geschrieben, so wie sie bei vielen professionellen Audio- und Hifi Anlagen zu finden waren. Dies führte mich unweigerlich zum Thema Bassleistung. Es schien, dass bei PA-Lautsprechern 15-Zoll-Treiber mit geriffelten Sicken noch als "Mittelton"-Chassis verwendet wurden, die auch in der Lage waren, in den oberen Bassbereich vorzustoßen. Das war eine wichtige Erkenntnis, wenn es um die Erwartungen ging, die man an solche Konstruktionen stellen durfte. Von Hifi Lautsprechern kommend, hätte ich tatsächlich vermutet, dass ein 15-Zoll-Treiber als Subwoofer fungierte, der nur mit großer Mühe die höheren Übergangsfrequenzen erreichte, wo er an das Horn angekoppelt wurde. Als ich jedoch den Pro Masters zuhörte, wurde mir schnell klar, dass ich meine Erwartungen in Bezug auf die Basswiedergabe zurückschrauben musste.

    Die Shures spielten saubere Höhen und erzeugten sogar einen glaubwürdigen Mitteltonbereich, wie man es vielleicht von einem Heimkonzert erwarten würde, aber der Bass war mehr angedeutet als vollständig ausgeführt. Das war auch der Moment, in dem ich anfing, mich von meiner zu nahen Hörposition eingeengt zu fühlen. Ich wünschte mir eine solide Rückwand im Rücken, um das Schwappen der großen Bässe durch Dopplung verstärkt wahrnehmen zu können. Um also mehr über die klanglichen Eigenschaften der Shures zu erfahren, musste ich sie im nächsten Schritt in unserem Haupthörraum spielen lassen, in dem mein Hörabstand fünf Meter betrug und sich die Rückwand ca. 90 cm hinter mir befand. Um dies zu ermöglichen, ohne aus ästhetischen Gründen Ärger mit meiner Frau zu bekommen, mussten zunächst spezielle Ständer gebaut werden. Ich zeichnete einen schnellen Entwurf und fuhr los, um in einem örtlichen Baumarkt Holz und Farbe zu kaufen. Auf dem Nachhauseweg mit meinem Bündel von Tischlerplatten und Massivholzbalken tat sich eine weitere Frage auf: Weshalb klangen eigentlich diese Hörner so gut, und wie war die Frequenzweiche für den Tieftöner aufgebaut?

    Zu Hause angekommen, beschloss ich, die Lautsprecher zunächst zu öffnen, um herauszufinden, was in ihnen steckte. Die großen Tieftöner wurden von acht Schrauben gehalten, die von innen mit Einschlagmuttern professionell gekontert waren. Dies machte den Austausch der Tieftöner zu einer einfachen Aufgabe, und ich konnte schon sehen, warum. Wie sich herausstellte, hatte einer der Tieftöner einen Riss in der Membran und war bereits noch relativ frisch von innen abgeklebt worden. Von außen war der Riss kaum zu sehen, und ich hatte das starke Gefühl, dass Michael, der Rentner und Lautsprechersammler aus dem Marburger Hinterland, mir einen beschädigten Lautsprecher verkauft hatte, ohne mich darüber zu informieren. In meinen Unternehmungen in Sachen Hi-Fi- habe ich gelernt, dass es eine ganze Generation von Menschen gibt, die gelernt haben, sich die Wahrheit so zu verdrehen, wie es ihnen gefällt, bis zu dem Punkt, an dem sie anfangen, diese selbst zu glauben.

    Zu meinem Glück hat der Schaden den Tieftöner nicht unbrauchbar gemacht. Mit einem neuen Streifen schwarzem Klebeband konnte ich darauf vertrauen, dass der Lautsprecher noch einige Jahre lang funktionieren würde. Und zu meiner Überraschung sah ich, dass der Tieftöner direkt an das Terminal angeschlossen war, ohne irgendeine Frequenzweiche zu passieren. Dies überließ es zwar der Membran des Treibers und der Masse und Spannung seiner Spinne, unerwünscht hohe Frequenzen zu reduzieren, es verringert aber auch die Wahrscheinlichkeit von Phasenproblemen, sofern die Treiber von Anfang an richtig positioniert waren. Ich fühlte mich auf seltsame Weise an das Design der Orbid Sound Pluto (Bausatz) erinnert, die nach der gleichen Methode zu arbeiten schien, obwohl ihre viel kleineren Tieftöner große Schwierigkeiten hatten, die hohen Frequenzen zu loszuwerden und daher zu einem quietschenden Mitteltonbereich beitrugen.

    Nach der Inspektion des Tieftöners (anscheinend ein 15" Eminence mit dem quadratischem Magneten und drei Magnetschrauben) baute ich den Shure-Horntreiber aus und stellte fest, dass eine Reihe von audiophilen Verbesserungen an der Frequenzweiche und der Montage im Vergleich zum ursprünglichen Design vorgenommen worden waren. Die Kondensatoren waren durch moderne audiophile Folienkondensatoren ersetzt worden. Außerdem war ein variabler Monacor DSP-1-Widerstand eingebaut worden, um das Horn vor Schäden bei unbeabsichtigten Stromspitzen zu schützen. Das Horn wurde nicht mehr an die Rückwand des Gehäuses geschraubt. Stattdessen wurde es auf eine Holzunterlage mit Schaumstoffpolsterung gestellt. Dies würde einen Teil der Rückwandresonanzen minimieren und somit verhindern, dass diese die Membran des Horns beeinträchtigen.

    Ein Vorbesitzer hatte außerdem selbstklebende Bitumenmatten an den Innenwänden angebracht, die sich jedoch bereits an vielen Stellen gelockert hatten und an den Seiten herunterzurutschen begannen. Ich beschloss, sie komplett zu entfernen, um wieder den warmen, klassischen Klang eines resonierenden Holzkastens zu erreichen. Wenn die ursprüngliche Absicht darin bestand, die Resonanzen des Gehäuses zu reduzieren, hätten ein paar einfache interne Verstrebungen wahrscheinlich sowieso einen besseren Job gemacht. Ich beschloss, die Bitumenmatten zu behalten, nur für den Fall, dass ich meine Meinung nach dem Hören der Lautsprecher änderte.

    Der Bau der Ständer für die Shures war eine einfache Aufgabe. Wir begannen mit zwei 16-mm-Zimmermannsplatten, welche die Bodenplatten der Ständer bilden sollten (insgesamt 32 mm stark), und befestigten darauf drei 360-mm-Balken mit einer Stärke von 80 x 55 mm in einer dreieckigen Anordnung. Auf die Balken wurde dann die Deckplatte geschraubt, die ebenfalls aus zwei 16-mm-Zimmermannsplatten bestand. Ich erhoffte mir von dieser Konstruktion mehr Freiheit auf der Seite der Lautsprecher, was wiederum zu einer angenehmeren klanglichen Darstellung führen sollte. Drei Spikes würden die Ständer gegen den Boden stemmen und isolieren. Und auf der Seite der Lautsprecher würde ich die vier ursprünglichen Plastikfüße durch drei Gummifüße für professionelle Musikgeräte ersetzen. Ich hatte bereits festgestellt, dass drei Auflagepunkte oft eine besser definierte Kopplung zwischen den Materialien ergab und daher einfacher auszuführen war als vier Spikes oder Absorber, bei denen die Gewichtsverteilung nicht optimal sein könnte.

    Als ich die Lautsprecher ein paar Tage später in unserem Haupthörraum aufstellte, hatte ich eigentlich die Hoffnung, dass die Kombination aus größerem Hörabstand und besseren Ständern auch zu einer besseren Abbildung führte, und dass die kastenförmige Form des Raums die Basswiedergabe gut zur Geltung brächte. Zu meiner Überraschung klangen die Shures jedoch nicht basslastiger als zuvor. Sofern sie nicht für Beschallungszwecke eingesetzt wurden, bei denen sie Stimmen über eine große Entfernung transportieren mussten, benötigten diese Lautsprecher einen Subwoofer, um alle Aspekte natürlicher Instrumente zu erfassen. Meine nächste Aufgabe bestand darin, einen vernünftigen Subwoofer zu finden, der zu den Lautsprechern passte. Und so kroch ich tiefer und tiefer in den Kaninchenbau. Um mich unterwegs nicht zu verirren, beschloss ich, einen Experten für professionelle Audiolösungen aufzusuchen, in der Hoffnung, dass er mir bei meinen Schwierigkeiten helfen würde.

    Wie ich durch Internetrecherch herausfand, gab es einen Audio-Enthusiasten namens Rainer Weimann, der südöstlich von Darmstadt ein Teilzeit-Verkaufsbüro betrieb, in dem er erschwingliches Audio-Equipment an lokale Musiker, Entertainer und Eventveranstalter verkaufte. Im Laufe der Jahre hatte er sich einen Namen als Distributor für die chinesische Marke Dragon Audio gemacht. Dragon Audio wurde 2004 in Shenzhen gegründet und hatte sich zu einem großen OEM-Hersteller von Audiogeräten mit über 1.400 Mitarbeitern in 14 Fabriken entwickelt. Ich interessierte mich speziell für einen aktiven Hi-Fi-Subwoofer von DA, den Rainer auf einer Auktionsseite angeboten hatte. Das andere Produkt, das ich in Reiners Laden zum Verkauf gesehen hatte, war ein aktiver 15-Zoll-PA-Subwoofer von Vonyx. Vonyx war eine weitere Audio-Firma, die sich einen Namen für das preislich untere Ende des Marktes gemacht hatte. Im Idealfall hätte ich die Möglichkeit, die beiden Subwoofer im direkten Vergleich zu hören.

    Als ich bei 'ProSchall', wie Rainers Laden hieß, ankam, wurde ich herzlich empfangen und ins Innere gebeten. Ich erkannte sofort einige der Produkte, die ich im Internet gesehen hatte. Die beiden Subwoofer standen Seite an Seite, direkt neben einigen noch größeren Exemplaren. Rainer erklärte mir, dass der 15-Zoll-Vonyx-PA-Subwoofer für die Beschallung von öffentlichen Veranstaltungsorten entwickelt wurde und am besten klang, wenn er mit hohem Schalldruck betrieben wurde. Er hatte eine starre Aufhängung, die zwar mit lautem Musikprogramm zurecht kam, jedoch bei Zimmerlautstärke zu flach und zu trocken klang. Der Dragon Audio-Tieftöner hingegen wurde für den Einsatz in Haushalten entwickelt. Er hatte eine weichere Aufhängung, die es dem Treiber ermöglichte, auch bei geringer Lautstärke noch präzise zu arbeiten.

    Da er sah, dass ich noch nicht ganz überzeugt war, schloss er mir schnell den 12-Zoll-DA-Tieftöner an. Der erzeugte Klang war mir vom Hören von Hi-Fi-Geräten her sofort vertraut. Ich konnte mir vorstellen, dass er mit vielen Arten von Lautsprechern gut zusammenspielen würde. Rainer schloss dann den 15-Zoll-Vonyx-Tieftöner an, und sofort klang der Raum zu klein für den harten und trockenen Bass des Tieftöners. Die Musik war im Raum eher zu spüren als zu hören, und es war vorstellbar, dass die Nachbarn mehr von der Leistung dieses Tieftöners profitieren würden als wir im Hörraum. In diesem Moment konnte ich den Unterschied zwischen HiFi- und PA-Lautsprechern förmlich spüren. Beide mussten sich wie ein Fisch auf dem Trockenen verhalten, wenn sie außerhalb ihres vorgesehenen Einsatzortes verwendet wurden. Ich bedankte mich bei Reiner für die wunderbare Erfahrung und machte mich mit einem tieferen Verständnis der Materie und einem Dragon Audio Subwoofer namens “The Art of Sound" im Kofferraum auf den Rückweg nach Frankfurt.

    Von Reiner hatte ich auch erfahren, dass Profis es oft vorzogen, die Gesangssektion von den Tieftönern zu trennen, da dies die Belastung der Verstärker reduzierte, die Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung des empfindlichen Hochtonbereichs verringerte und die perfekte Anzahl von Tieftönern im Verhältnis zur Größe und den klanglichen Eigenschaften des Veranstaltungsortes ermöglichte. Das ergab natürlich Sinn, wenn man bedenkt, wie lange ich brauchte, um einfache 3-Wege-Lautsprechersysteme in unsere Hörräume zu integrieren. PA-Lautsprecher konnten für eine ganze Reihe von Veranstaltungsorten verwendet werden, von Gigs im Freien, bei denen massive Bässe benötigt wurden, bis hin zu engen Kellern, in denen sich tiefe Frequenzen durch die Reflexion an den Wänden stauten. In unserem Wohnzimmer erwies sich der 12-Zoll-DA-Tieftöner als mehr als ausreichend, um den fehlenden Bass der Shures zu ersetzen. Zum ersten Mal war die tonale Ausgewogenheit so, wie man es von Lautsprechern dieser Größe erwarten würde. Wie Sie sich vorstellen können, wurde der anschließende Filmabend zu einem echten Vergnügen für die ganze Familie, da die Pro Masters mühelos auf atemberaubende Lautstärke anstiegen und der Subwoofer den Soundeffekten eine spürbare Bass-Dimension verlieh.

    Technische Daten

    • Typ: Vollbereichs-Beschallungslautsprecher
    • Prinzip: 2-Wege-Bassreflex mit frontaler Öffnung
    • Hochtonbereich: radialer Horntreiber
    • Tieftonbereich: dynamischer 15-Zoll-Tieftöner
    • Besondere Merkmale: 60° / 120° verstellbares Horn
    • Belastbarkeit: 150 Watt RMS / 55V Spitze
    • Schalldruckpegel: 102 dB (bei 1W / 1m)
    • Frequenzgang: 50 Hz bis 15.000 Hz
    • Übergangsfrequenz: 2.000 Hz, 18 dB
    • Nennimpedanz: 8 Ohm
    • Horizontale Schallverteilung: 60° oder 120°
    • Vertikale Schallverteilung: 90°
    • Betriebstemperatur: -7°C bis 43°C
    • Gehäuse: 15,9 mm Mehrschichtholz, vinylbeschichtet
    • Originalgewicht: 26,4 kg pro Lautsprecher
    • Abmessungen: (H) 700 mm; (B) 585 mm; (T) 405 mm
    • Land der Herstellung: USA
    • Baujahr: 1979

    Erneuerungen:

    • Klemmen für Bananen und Piks
    • Visaton Horn-Lautstärkedämpfer
    • Audiophile Horn-Weiche
    • Monacor DSP-1-Widerstand

  • Snell Acoustics Type C IV

    Snell Acoustics Type C IV

    30.8.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Ich hörte die C IV-Lautsprecher von Peter Snell zum ersten Mal im Esszimmer eines Wiesbadener Stadthauses spielen und war sofort von der realistischen Wiedergabe der Club-Atmosphäre von Christian McBrides Album "Live at the Village Vanguard" angetan. Der große Raum hatte eine Deckenhöhe von fast 5 Metern und war spärlich möbliert, wobei ein massiver Esstisch mit Stühlen die Mitte des Raumes dominierte. Die Lautsprecher wurden weit von den Wänden entfernt aufgestellt, etwa zwei Meter von der Vorderwand und 1,5 Meter von jeder Seite. Angetrieben wurden die Lautsprecher von einer Dynaco ST70 Röhrenendstufe. Alles in ihrem Klangbild - Tiefe, Breite, Resonanzen - deutete darauf hin, dass wir dem tatsächlichen Ereignis lauschten und nicht einer Aufzeichnung davon. Ich konnte förmlich den Geruch von schalem Bier und kalten Zigaretten riechen.

    An diesem Tag lernte ich zwei Dinge: Das ultimative Ziel von HiFi lag nicht in tieferen Bässen oder höheren Höhen, auch nicht in klarerem Klang oder größerer Dynamik, sondern in der Summe aller musikalischen Bestandteile, um das wahrhaftige Ereignis wiederzugeben. Und zweitens: Der Raum und die Aufstellung der Lautsprecher spielten eine sehr große Rolle dabei, die Illusion einer echten Darbietung Wirklichkeit werden zu lassen. Und wenn wir sie erst einmal erlebt hatten, wenn sich diese Vision in unserem Kopf festgesetzt hatte, war es sehr schwierig, noch etwas anderes zu akzeptieren. HiFi-Neulinge und Hifi Anlagen für Einsteiger legten nahe, Musik zu sezieren, statt auf Homogenität über das gesamte Spektrum zu achten. Daten statt Gefühle - das war auch die Botschaft, die von der Fachpresse vermittelt wurde. Daher suchten Neuankömmlinge der Szene auch eher nach den technischen Daten ihrer Geräte, als auf den richtigen Klang zu achten. Man konnte sich ein Leben lang mit HiFi beschäftigen und trotzdem nur wenig Ahnung davon haben, worum es dabei eigentlich ging.

    Man konnte wohl mit Fug und Recht behaupten, dass der Dynaco ST70 Röhrenverstärker eine wichtige Rolle bei der Nachbildung des authentischen Ereignisses spielte. Jedoch weder die Wattzahl dieses Verstärkers noch die Kanaltrennung, der Dämpfungsfaktor, der Rauschabstand usw. gaben Aufschluss über die Realitätsnähe, zu der dieser Verstärker fähig war. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass ich in einer Welt, die sich auf Zahlen und Fakten stützt, fast 50 Jahre und einige wiederholte Anstöße von audiophilen Kollegen brauchte, um endlich in der Lage zu sein, eine Aufführung zu hören und zu verstehen, die den Begriff "High Fidelity" verdient, d. h. so nah wie möglich am Original zu sein. An diesem Tag fühlte sich "Live at the Village Vanguard" wirklich live an. Das veranlasste mich dazu, die Schallplatte auch selbst zu kaufen und eine Rezension darüber zu schreiben. Und es weckte auch mein Interesse an den C IV-Lautsprechern.

    Snell Acoustics wurde 1976 in Haverhill, Massachusetts, gegründet und machte sich schnell einen Namen mit dem Verkauf von audiophilen Lautsprechern zu vernünftigen Preisen. Der Kundendienst war außergewöhnlich, denn Peter Snell war ein Perfektionist und sorgte dafür, dass jeder seiner Lautsprecher mit einer Abweichung von weniger als 0,5 dB pro Chassis den Spezifikationen entsprach. Dasselbe galt für alle Ersatzteile, die das Unternehmen verschickte, oft noch viele Jahre nach dem ursprünglichen Kaufdatum. Audiophile Hörer sind ein kleiner und intimer Kreis, und gerade Hersteller von preiswerten Lautsprechern profitierten oft von der Mundpropaganda und schaffen es, eine langjährige Beziehung zu ihren dankbaren Kunden aufzubauen.

    Die 1983 auf dem Markt erschienene Type C-Serie war einer der letzten Lautsprecher, die vom Firmengründer selbst entworfen wurden. Peter Snell starb im folgenden Jahr an einem Herzinfarkt in seiner Fabrik. Trotz der Abwesenheit des ursprünglichen Eigentümers entwickelte sich das Unternehmen weiter und schloss sich 1990 mit Lucasfilm zusammen, um seine erste Serie von THX-Lautsprechern zu entwickeln. Im Jahr 2003 stieß der damals schon bekannte Joe D'Appolito als Chefingenieur zu Snell hinzu. Im Jahr 2005 wurden Snell und Boston Acoustics dann von D&M Holdings aufgekauft, zu denen auch Denon, Marantz und McIntosh gehörten, und Snell baute bis 2010 weiterhin Lautsprecher. Während seines Bestehens stand der Lautsprecherhersteller für einen hervorragenden Kundenservice, klanglich akkurate akustische Designs und große Aufmerksamkeit für technische Details.

    Die Typ C IV-Serie soll damals stark von den Methoden und Messphilosophien des National Research Council (NRC) mit Sitz in Ottawa, Kanada, beeinflusst worden sein. Typische Merkmale von Lautsprechern, die in Zusammenarbeit mit dem NRC entwickelt wurden, sind steile Flanken der Weichen, ein breites Abstrahlverhalten, ein sanftes Off-Axis-Verhalten und ein besonderes Augenmerk auf die Interaktion eines Lautsprechers mit natürlichen Hörräumen. Die C IV hatte eine Flankensteilheit vierter Ordnung und einen äußerst geradlinigen Frequenzgang, der auch außerhalb des 90-Grad Abstrahlwinkels nur wenig variierte. So wurde z.B. ein hinterer Hochtöner hinzugefügt, um den zunehmend schmalen Abstrahlwinkel des vorderen Hochtöners bei hohen Frequenzen zu kompensieren. Dieser konnte bei Bedarf mit einem Kippschalter abgeschaltet werden, um kleineren Hörräumen gerecht zu werden. Die C IV sind mit einem Abdeckstoffrahmen ausgestattet, den das Unternehmen "Zero Diffraction" nannte. Die Idee war, den Holzrahmen des abnehmbaren Grills flach um die Vorderseite des Lautsprechers zu ziehen, um den Abstand zwischen Stoff und Treibern zu minimieren und Brechungen zu verringern.

    Der zusätzliche Hochtöner auf der Rückseite kam bei etwa 6.000 Hz mit einer Flanke erster Ordnung zum Einsatz. Er trug zur Energie des vorderen Hochtöners bei sowie dazu, dass der Bühneneindruck sowohl breit als auch tief war. Je nach Abstand und Material der vorderen Wand des Raums konnte der zusätzliche Hochtöner jedoch eine gewisse Schärfe verursachen. Um die Lautsprecher noch besser auf den Raum auszurichten, konnte auch der vordere Hochtöner der C IV reguliert werden. Alternativ ließ sich der hintere Hochtöner mit einem Schalter auf der Rückseite komplett abschalten. Um die Fähigkeiten der C IV voll auszunutzen, sollte sie in einem großen Raum mit ca. 1,20 m Abstand zur Vorderwand und etwas Abstand zu den Seiten aufgestellt werden. So aufgestellt, unterstützte der hintere Hochtöner die Illusion, dass sich die Musik von der Quelle löste und die Lautsprecher selbst unsichtbar wurden. Eine leichte Eindrehung in Richtung Hörplatz half, den Bühneneindruck zu korrigieren. Ich muss gestehen, dass ich es angesichts der besonderen Form unseres Raumes als schwierig empfand, die Bühne so perfekt hinzubekommen, wie ich sie bei der Aufstellung der Lautsprecher im Wiesbadener Stadthaus gehört hatte, aber ich kann sagen, dass ich dem Ergebnis ziemlich nahe kam.

    Bei eingeschaltetem hinterem Hochtöner und richtigen Abstand zu den Wänden erzeugte die C IV eine breite und offene Bühne. Mit aufgesetzter Abdeckung erzeugten sie im Nahbereich angenehm weiche Höhen. Das war für meine Hörposition wichtig. Wer jedoch in einem Abstand von 3 Metern oder mehr zu den Lautsprechern saß, musste mit einem gewissen Höhenabfall rechnen und sollte lieber ohne das Tuch hören. Trotz des Versprechens von Snell "Zero Diffraction" zu produzieren war der Unterschied zwischen offenem und geschlossenem Grill deutlich hörbar. In unserem Hörraum produzierten die C IV offene und weiträumige Höhen und einen natürlichen und voll integrierten Bass. Die Lautsprecher klangen tonal akkurat und gaben die Musik angenehm und voll wieder, mit großartigem Timbre der unteren Klaviertasten. Auch die höheren Klaviertasten waren ausreichend präsent, allerdings fehlte ihnen im direkten Vergleich etwas die Attacke unserer elektrostatischen Lautsprecher oder sogar unserer neueren Tannoys. Männliche Stimmen klangen natürlich mit einer leichten Tendenz zur Ausdünnung, wenn der hintere Hochtöner eingeschaltet war (z.B. Nick Cave). Bei weiblichen Stimmen trat derselbe Effekt auf (Nora Jones, Come Away with Me), vor allem bei der Wiedergabe von Musik aus digitalen Quellen.

    Siehe auch: Snell Acoustics Type C IV Audio Demo

    Die Snells zeigten eine überzeugende Gesamtdynamik und waren aufgrund ihres großen Basstreibers und der Bassreflex-Konstruktion in der Lage, die Lautstärke schnell ansteigen zu lassen. Bereits bei einer Lautstärke von 75 dB berichtete meine Frau, dass sie sich von der Musik ziemlich überwältigt fühlte und lieber weiter weg von den Lautsprechern gesessen hätte. Es war das erste Mal, dass sie sich auf diese Weise über einen Lautsprecher äußerte. Ich denke, dass der Effekt durch eine Kombination aus dem Klangeindruck und dem doch ziemlich imposanten Design des Lautsprechers verursacht wurde. Weit im inneren des Raum aufgestellt, 120 cm hoch und 40 cm breit, mit schwarzem Korpus und dunkler Bespannung war das physische Erscheinungsbild schon ziemlich intensiv.

    Technische Daten

    • Typ: Dynamischer Vier-Treiber-Lautsprecher
    • Chassis: 10"-Tieftöner; 5"-Mitteltöner; 1"-Hochtöner vorne; ¾"-Hochtöner hinten
    • Übergangsfrequenzen: 275Hz; 2,7kHz (@24dB/Oktave)
    • Nennimpedanz: 8 Ohm
    • Empfindlichkeit: 88,5 dB
    • Abmessungen: (B) 37 cm; (H) 117 cm; (T) 30 cm
    • Gewicht: 39 kg
    • Baujahr: 1983-1991

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  • TEAC LS H255-MA

    TEAC LS H255-MA

    16.12.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Meine Erkundung der TEAC LS H255-MA Regallautsprecher entstand rein zufällig. Ein Freund von uns hatte sie bei uns zu Hause vorbeigebracht, nachdem er von meinem Interesse an Audiogeräten gehört hatte. Da ich zunächst nicht wusste, was ich mit ihnen anfangen sollte, beschloss ich, sie an einen Arbeitskollegen weiterzugeben, der sich mit dem Aufbau einer eigenen Anlage befasste. Der Gedanke, sie weiterzugeben, fiel mir leicht, denn ich hatte sie nie als Kandidaten für eine audiophile Hörsitzung betrachtet. Als sie bei uns zu Hause ankamen, hatte ich kurz recherchiert und erfahren, dass sie ursprünglich zusammen mit einem TEAC CR-H240 DAB-Kompakt-HiFi-System verkauft wurden, das für seine gute Leistung im Einstiegssegment bekannt war. Ich konnte keinen Hinweis darauf finden, dass die H255 auch separat verkauft wurden - normalerweise kein Indiz für seriöse Lautsprecher.

    Das CR-H240 DAB System war ein kombiniertes Gerät mit CD-Laufwerk und Receiver in einem einzigen kompakten Empfänger. Das Problem bei solchen All-in-One-Geräten, insbesondere in dieser Preisklasse, war, dass sehr viele Zugeständnisse an die Klangqualität auf mehreren Ebenen gemacht werden mussten: von den Vibrationen des CD-Laufwerks über die Leistung des DAC, dem Platinenlayout und dem einzigen Netzteil bis hin zum kleinen Verstärker für die Lautsprecher. In einem solchen Szenario würden selbst die besten Lautsprecher schlecht abschneiden, und folglich konnten nur kostengünstige Lösungen für das Design der Lautsprecher gewählt werden. Dennoch boten die H225 eine robuste Frontplatte aus resonanzarmen Materialien, ein echtes Holzgehäuse mit Herstellung und Montage in China, einen für ihre Größe relativ großen 2,5cm Hochtöner mit weicher Kalotte und etwas, das wie ein Kevlar-Mittel-/Tieftöner aussah. Nach kleineren Anpassungen konnten die stabilen Schraubklemmen auf der Rückseite sogar Bananenstecker oder große Kabelschuhe aufnehmen, so wie ich es von weitaus teureren Modellen gewohnt war.

    Ein Klopfen auf das Gehäuse zeigte, dass dieses noch zu warmen und holzigen Resonanzen fähig war, ähnlich wie der Korpus einer Gitarre. Die Tatsache, dass die H225 ihre Bassreflexöffnungen auf der Rückseite trugen, unterstrich diese Eigenschaft noch und ließ mich fragen, ob diese Art von Gehäuse ein Vorteil oder eine Belastung für den Klang sein würde. Die meisten modernen Hersteller versuchten, sämtliche Gehäuseresonanzen durch MDF oder HDF und starke innere Verstrebungen zu eliminieren. Dennoch, nichts an den gewählten Materialien verriet, dass diese Lautsprecher nachlässig konstruiert worden waren. Ich beschloss daher, sie an unsere Anlage im Obergeschoss anzuschließen, die ich gerade mit einem brandneuen Audioplan PowerCord S ausgestattet hatte - mit sehr gutem Ergebnis. Ich wollte, dass mein Kollege die Lautsprecher von ihrer besten Seite hört, bevor ich sie ihm übergab, und natürlich war ich auch neugierig, was aus meinem positiven optischen Eindruck von den H225 übrig blieb wenn ich sie hörte.

    Im Vergleich zu unseren Lautsprecherlegenden aus der Vergangenheit, wie den Pata Acustica von ATD’s Pata Acustica oder den Tannoy XT8F-Türmen, mussten sie den Kürzeren ziehen. Die einzige Frage war nur: Wie genau? Ich hatte schon halb damit gerechnet, mich über ihre miserable Leistung kaputtlachen zu können. Aber wir können uns der Leistung von HiFi-Geräten nie sicher sein, wenn wir sie nicht selbst ausprobiert und mit eigenen Ohren erlebt haben, wie sie unser Lieblingsstück wiedergeben. In meinem Testaufbau liefen die H225 mit Belden 9497 Kabeln und waren an unsere Hafler XL280 Endstufe angeschlossen. Diese wiederum wurde von unserem Dynaco PAS-4 Röhrenvorverstärker gespeist, der über das PowerCord S von Audioplan gespeist wurde. Alle verwendeten Cinchkabel waren aus massivem Silber. Das Audioplan-Kabel hatte unserem System kürzlich ein Gefühl von Dimension und Dringlichkeit verliehen, das sich als unschätzbare Verbesserung gegenüber dem erwies, was wir zuvor erlebt hatten. Ich war daher sehr gespannt, wie viel von dieser Qualität erhalten bleiben würde.

    Ich testete die H225 mit drei CD-Alben: Diana Krall's “Turn up the quiet”, Jörg Hegemann’s “Foot Tappin’ Boogie” und Helge Lien's "10". Alle drei Alben boten durchweg hervorragende Aufnahmen mit ausgezeichnetem Timbre, Rhythmus und Dynamik. Ich begann mit Helge Liens Album und war überrascht von der Breite, Tiefe und Dimension, zu der die H225 fähig waren. Auf unseren selbstgebauten MDF-Ständern und auf Filzpolstern in etwa 60 cm Entfernung von der Vorderwand platziert, klangen sie sofort viel mächtiger als ihre tatsächliche Größe zuließ. Es gab Bass in Hülle und Fülle, viel mehr als ich bei den geschlossenen Pata Acustica gehört hatte. Bei den H225 waren die Basslinien natürlich nicht so gut konturiert, dennoch wirkte der Bass natürlich und fügte sich hervorragend in die Musik ein. Metallische Klänge des Schlagzeugs wurden real und lebensecht wiedergegeben. Die Trennung der Instrumente und die Bühnentiefe blieben erhalten, mehr als bei der Pata, was die Wirkung des Audioplan-Kabels auch bei diesen Einstiegslautsprechern zeigte.

    Auf Diana Kralls Album blieb der Eindruck von natürlichen Instrumentenfarben und Raum ebenso weitgehend erhalten. Die Zugeständnisse an Preis und Größe machten sich jedoch in der kritischen Mittelton-Disziplin der weiblichen Stimmen bemerkbar. Dianas Stimme war nicht ganz ausgewogen und zeigte im oberen Bereich eine gewisse knackige Härte, an die ich mich erst einmal gewöhnen musste, vor allem, wo ich von teureren Lautsprechern kam. Die Zischlaute waren etwas kraftvoll und das natürliche Timbre litt ein wenig. Wieder einmal war ich von der Dimension und der Präsenz, die diese kleinen Regallautsprecher zu bieten hatten, begeistert. Wenn ich bedachte, dass dies alles wunderbare Eigenschaften waren, die den H225 offensichtlich nie zugestanden wurden, einfach weil ihre üblichen Spielfreunde nicht in der Lage waren, ihr volles Potenzial hervorzuheben oder auch nur zu begreifen. Es war die traurige alte Geschichte eines großen Talents, das sich einfch mit den falschen Leuten abgab.

    Die TEAC LS H255-MA sind solide Einsteigerlautsprecher, die mit leistungsstarker und präziser Elektronik nahezu audiophile Leistungen erbringen. Mit ihrem Bassreflexrohr auf der Rückseite brauchen sie Platz zum Atmen und klingen überzeugend, wenn sie auf Ständern stehen dürfen und ihre Frontplatten mindestens 50 cm von der Wand entfernt sind. Den TEAC-Ingenieuren gebührt Anerkennung dafür, dass sie mit der richtigen Verstärkung und dem richtigen Quellensignal alle Sonos- und ähnlichen Komfortprodukte bei weitem übertrafen. Meinem Kollegen empfahl ich, einen schönen Röhrenverstärker für sie zu kaufen, da sie dann weiterhin mit großem Fluss und Musikalität klingen würden.

    Und das bringt mich zu der vielleicht wichtigsten Lektion, die man von den H255 lernen kann: die Rolle der Quelle in der Gleichung, die man Musik nennt. Von nun an werde ich, wann immer es eine Debatte darüber gibt, was wichtiger ist - die Quelle oder die Lautsprecher - antworten: "Die Quelle." Schließlich sind viele der heutigen Lautsprecher in der Lage, das Quellensignal ziemlich linear wiederzugeben, so dass Unterschiede in der Leistung oft zweitrangig und eine Frage des persönlichen Geschmacks sind. Es wurde schon oft gesagt, dass Lautsprecher nicht richtig wiedergeben können, was die Quelle von vornherein falsch macht, und als ich die TEACs auf unserer Anlage hörte, wurde mir dies klarer als je zuvor.

    TEAC Firmengeschichte

    Das japanische Unternehmen, das unter dem Namen TEAC bekannt wurde, hatte zwei Ursprünge mit unterschiedlichen Gründungsdaten: Zum einen gab es die Tokyo Television Acoustic Company, die im August 1953 gegründet wurde, und zum anderen die Tokyo Electro-Acoustic Company, die 1956 gegründet wurde und nach der Fusion ihren Namen erhielt. TEAC ist auch die Geschichte zweier Brüder: Katsuma Tani, der als Ingenieur für Luft- und Raumfahrt bei der ersten Firma angestellt war, und Tomoma Tani, der zusammen mit seinem Bruder die zweite Firma gründete, um Tonbandgeräte und Kassettenrekorder zu verbessern. Der Erfindungsreichtum der beiden Brüder verhalf dem Unternehmen in den 1970er und 80er Jahren zu einem soliden Ruf für HighEnd-Tonbandgeräte, Kassettendecks, Plattenspieler und CD-Player. Im Jahr 2013 übernahm Gibson das Unternehmen, musste es aber während seiner Insolvenz 2018 wieder verkaufen. Das Unternehmen TEAC stellt weiterhin Produkte in drei Kategorien her: Computer-Peripheriegeräte, professionelle Audioprodukte (mit den Marken TEAC und TASCAM) und Informationsprodukte, die für die Unterhaltung während des Fluges, die Überwachung usw. verwendet werden.

    Siehe auch: TEAC LS-H255-MA audio demo

    Technische Daten

    • Lautsprechertyp: 2-Wege, rückseitig angeschlossen
    • Frequenzgang: 60 Hz - 22.000 kHz
    • Belastbarkeit: 50 W RMS
    • Impedanz: 6 Ω
    • Empfindlichkeit: 86 dB
    • Mitteltöner / Tieftöner: 1x 130 mm Maschenmembran
    • Hochtöner: 1x 25 mm, Weichkalotte
    • Oberfläche: Ahorn
    • Abmessungen: (B) 170 mm x (H) 270 mm x (T) 235 mm
    • Gewicht: 3,7 kg
    • Baujahr: 2007

  • Tannoy DC6T

    Tannoy DC6T

    5.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Loudspeakers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Es ist vielleicht nicht sofort ersichtlich, wenn man sich die Fotos ansieht, aber ich musste lange darüber nachdenken, wie und ob ich Lautsprecher auf dieser Plattform präsentieren sollte. Zum einen handelt es sich bei Lautsprechern um vertikale Objekte, während ich bei meinen optischen Präsentationen auf ein horizontales 16:9 Bildformat achtete. Zum anderen war mir von vornherein klar, dass ich keinen Blick in das Innere der Lautsprecher gewähren konnte, aus dem einfachen Grund, dass dies unweigerlich zu Schäden am Gehäuse oder an den Treibern führte und damit den Wiederverkaufswert mindern konnte - ein wichtiger Aspekt, wenn ich unsere Explorations in Audio mit einem erträglichen Budget fortsetzen wollte. Und schließlich hing die Leistung von Lautsprechern in hohem Maße von der Umgebung ab, in der sie aufgestellt wurden.

    Da die Lautsprecher in unseren Systemen jedoch eine wichtige Rolle spielten, beschloss ich letztlich, meine Fotos auf der Grundlage der aktuellen Hörumgebung, in der sich die Lautsprecher befanden, aufzunehmen und Details der Raummerkmale durch Maskierung auszublenden. Ziel war es, den Raum dadurch weniger hervorheben und dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich die gleichen Lautsprecher in seiner eigenen häuslichen Umgebung vorzustellen. Der Vorteil eines Fotos war, dass meine Leser die Lautsprecher im richtigen Winkel und in einer Entfernung sahen, die der Realität am nächsten kam.

    Tannoy wurde 1926 von Guy Fountain als Tulsemere Manufacturing Company in England gegründet und gehört heute zu den ältesten Lautsprecherherstellern der Welt. Der Name entstand aus der englischen Abkürzung für "Tantal-Legierung", ein Material, das in den von der Firma entwickelten elektrolytischen Gleichrichtern verwendet wurde. Die Marke Tannoy wurde 1932 registriert. Tannoy, dessen ursprünglicher Sitz sich in London befand, wurde bald als Hersteller von Lautsprechern und professionellen Lautsprechern für das Militär im Zweiten Weltkrieg bekannt. Da der Name in fetten Buchstaben auf den Lautsprechergittern prangte und somit für die breite Öffentlichkeit sichtbar war, wurde "Tannoy" schnell zum Synonym für die Beschallung eines Ereignisses. Ältere Engländer bezeichnen Beschallungsanlagen auch heute noch als Tannoys, obwohl diese Anlagen heute meist von verschiedenen anderen Herstellern stammen.

    Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks zog Tannoy in den 1970er Jahren nach Coatbridge in Schottland, wo es immer noch ansässig ist. Heute gehört das Unternehmen zur Uli Behringer MUSIC Group, die sich verpflichtet hat, die Marke und den schottischen Standort beizubehalten. In den letzten Jahren, als sich die Käufer von High Fidelity zugunsten billiger USB- und kabelloser Geräte abwandten, kämpfte Tannoy darum, seine Position zu halten. Tannoy hat das Design von Koaxialtreibern zwar nicht erfunden, aber sie waren sicherlich unter den Pionieren dieser Technologie. Der charakteristische Dual Concentric-Treiber von Tannoy wurde im Jahr 1948 entwickelt. Er zeichnete sich durch ein Design aus, bei dem der Hochtöner tief in der Mitte des Tieftöners sitzt. Die Position auf einer gemeinsamen Achse hatte den Vorteil einer verbesserten Zeit- und Phasenausrichtung und war ursprünglich für Mikrofonmessungen gedacht. Das ursprüngliche Paar Lautsprecher wurde schließlich in den FFRR-Studios von Decca eingesetzt. Dann jedoch bestellte auch EMI einige davon für Abbey Road (Quelle: whathifi.com), ein Studio, das unter anderem durch die Beatles berühmt wurde. Von dort aus war es nur noch ein kurzer Weg zum Ruhm.

    Die Tannoy DC6t aus dem Jahr 2010 haben ein schlankes, modernes Design mit einer exzellenten Holzoberfläche. Trotz ihrer trapezförmigen Form ist der Gesamteindruck immer noch der einer Box, wenn auch einer relativ hübschen. Für zusätzliche Stabilität wurden die Lautsprecher auf eine zusätzliche, breitere Bodenplatte montiert. Das war recht effektiv und ermöglichte es mir, Filzpads unter die Spike-Untersetzer zu legen, ohne dass die schmalen Lautsprecher dabei zu kippelig wurde. Der Anschluss erfolgte über Bi-Wiring Terminals, die recht solide ausgeführt waren und bequem in Bodennähe lagen. Etwas ungewöhnlich war vielleicht die Polaritätsanordnung, bei der die beiden Plus- und Minuspole nebeneinander auf einer horizontalen Linie lagen.

    Als Hochtöner diente eine Titankalotte, und wie alle harten Oberflächen konnte auch diese ziemlich unnachgiebig sein, wenn in der Ansteuerung etwas nicht ganz passte. Saubere Energie war daher für diesen Lautsprechertyp von größter Bedeutung. Direkt unter dem 6-Zoll-Dual-Concentric-Treiber befand sich ein zusätzlicher Tieftöner, der die Basswiedergabe des Lautsprechers um drei dB erhöhte. Das Gehäuse war nach hinten durch Bassreflex ventiliert, konnte aber trotzdem relativ nah an der vorderen Wand des Raumes aufgestellt werden. Der Klang war sehr präzise und die Bühne sowohl breit als auch tief. Die Instrumente reichten tief in den Raum hinein und das Klavier hatte schönes Timbre und die richtige Attacke, um realistisch zu sein.

    Am 35 Watt Harman/Kardon 730 Receiver funktionierten die Lautsprecher schon recht gut, doch erst die 60 Watt Harman/Kardon Citation Twelve Deluxe sorgt für den nötigen Schub, damit das Klavier richtig loslegen konnte. Da es sich bei den DC6t um 8-Ohm-Lautsprecher handelt, entsprach dies der Leistungsangabe der meisten Verstärker. Die Lautsprecher waren ideal für kleine bis mittelgroße Wohnzimmer geeignet und würden auch gelegentliche Parties überstehen. 6-Zoll Tieftöner haben natürlich ihre physikalischen Grenzen, besonders wenn es um Klangfülle und Punch ging. Für größere Räume und Budgets, würde ich vorschlagen, dass Sie di