Gear & Review

Gefällt Ihnen der Klang?

Entgegen der landläufigen Meinung besteht nur ein relativ loser Zusammenhang zwischen den technischen Daten eines Audiogeräts und seiner Fähigkeit, Musik authentisch wiederzugeben. Hersteller konkurrieren heute meist mit einer Reihe ähnlicher Audiogeräte auf dem Markt und müssen Käufer anlocken, die meist nicht in der Lage sind, das eigentliche Produkt zu hören, geschweige denn es in ihrer häuslichen Umgebung zu testen, bevor sie ihren Kauf tätigen. In diesem Szenario vergleichen die Kunden eher die technischen Spezifikationen der Geräte als die Fähigkeit des Produkts, das aufgezeichnete Musikereignis mit lebensechter Musikalität wiederzugeben.

Vor den Receiver-Kriegen der späten 1970er und frühen 1980er Jahre und noch vielmehr vor dem Beginn der Preisvergleiche und des Online-Kaufs von Produkten musste HiFi-Elektronik meist mit musikalischen Ereignissen und somit den von echten Instrumenten erzeugten Klängen konkurrieren. Die Beurteilung der Leistung von Audiogeräten basierte auf der Fähigkeit, das menschliche Ohr zu befriedigen, und nicht auf blitzsauberen Messergebnissen, die die Konkurrenz ausstechen sollten. Röhrenverstärker sind ein Relikt aus dieser Zeit, da sie dem Hörer mehr Freude bereiten als dem Leser ihrer Datenblätter. Auch heute noch legen echte High-End-Hersteller mehr Wert auf das subjektive menschliche Klangempfinden als auf die objektiven Daten, die sich aus Messungen ergeben. Es überrascht daher nicht, dass die Vorzüge eines bestimmten Audiogeräts mit der persönlichen Geschichte und der Motivation der Menschen zusammenhängen, die einen Großteil ihres Berufslebens darauf verwendet haben, es zu entwickeln.

Plattenspieler

Plattenspieler

Ich muss gestehen, dass ich immer noch ein relativer "Neuling" in Sachen Plattenspieler bin. Wie die meisten Plattenspieler-Besitzer der 80er Jahre war ich begeistert vom Aufkommen der neuen, super-leisen Digitaltechnik, die in Form einer glänzenden und kompakten Scheibe daherkam. Und ehrlich gesagt, in der erschwinglichen Preisklasse eines Heranwachsenden war die CD viel besser. Folglich verkaufte ich meinen Plattenspieler Anfang der 90er Jahre und blickte nie wieder zurück, bis ... im Sommer 2018, als wir im Keller unseres Großvaters einen 1972er Philips 212 fanden.

Seitdem ist viel Zeit mit Lesen und Experimentieren vergangen. Der Philips brauchte einen neuen Riemen, eine neue Halterung und eine neue Kassette. Wir schmierten die beweglichen Teile, erneuerten die interne Verkabelung und tauschten die Ausgangsklemmen von 5-poligen DIN- auf RCA/Cinch-Buchsen. Wir überprüften die Geschwindigkeit des Plattentellers, korrigierten den Azimut sowie den Offset- und Rake-Winkel. Wir haben darauf geachtet, dass der Plattenspieler auf einem schwingungsfreien Untergrund steht und mit dem Boden eine Ebene bildet. Das Ergebnis ist verblüffend, und zum ersten Mal klingt unser Plattenspieler tatsächlich beeindruckender als eine CD, sofern die Platte selbst von einer guten Pressung ist. Da der Kauf einer gut gepressten Schallplatte ein kleines Glücksspiel sein kann, ist es eine gute Idee, persönliche Erfahrungen mit der Klangqualität zu teilen, wie ich es in diesem Blog getan habe.

Der hier unter anderem gezeigte Lenco war unser zweites Projekt. Einst berühmt als gut gebauter Einstiegsplayer mit überraschender Klangqualität, kam er bei uns in ziemlich schlechtem Zustand an. Wir mussten Motorgeräusche beseitigen, neue Blöcke einbauen und die anderen oben beschriebenen Parameter anpassen, um schließlich sein Potenzial freizulegen. Die Investition von Zeit und Mühe war nicht umsonst. Für audiophiles Hören sollten Plattenspieler nicht unterschätzt werden.

  • Dual CS 505-3 Audiophile Concept

    Dual CS 505-3 Audiophile Concept

    3.2.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der CS 505-3 ist ein halbautomatischer Plattenspieler mit einem gefederten Subchassis auf voller Fläche, das den Antriebsmechanismus des Geräts effektiv vor äußeren Vibrationen schützt. Der 505 verfügt über einen geraden, röhrenförmigen Aluminium-Tonarm mit hoher Verwindungssteifigkeit und einer Länge von etwas mehr als 22 cm sowie einen resonanzarmen, nichtmagnetischen Plattenteller, der von einem 16-poligen Dual-Synchronmotor und einem Riemen angetrieben wird. Das Grundkonzept des Plattenspielers hat sich bewährt und ist zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels auch noch als Neuware erhältlich, und zwar in Form des überarbeiteten Dual CS 505-4, der von Alfred Fehrenbachers Dual Phono GmbH in Duals ursprünglicher Heimatstadt St. Georgen gebaut wird. Die Dual Manufaktur befindet sich tief im Schwarzwald, in einer Region, die für ihre Bräuche, Folklore und Präzisionsuhrwerke bekannt ist.

    Das halbautomatische Laufwerk des CS 505-3 ist einfach zu bedienen. Wird der Tonarm über die Schallplatte bewegt, setzt sich der Plattenteller automatisch mit der vorgewählten Geschwindigkeit in Bewegung. Der Tonarm bleibt zunächst in angehobener Position, bis er durch Umlegen eines Hebels sanft abgesenkt wird. Der Plattenteller hört automatisch auf, sich zu drehen, wenn die Nadel das Ende einer Schallplatte erreicht hat, und der Tonarm wird automatisch wieder angehoben. Bei unserem Gerät war ein leichtes Ploppgeräusch zu hören, als sich der Plattenspieler abschaltete. Es wurde wahrscheinlich durch das abrupte Anheben des Tonarms verursacht. Das ist aber nur eine Beobachtung und keine Beanstandung. Ich war zunächst etwas überrascht von diesem Phänomen, aber es hat mich nie wirklich gestört. Der Tonarm bleibt angehoben und muss dann von Hand in die Ausgangsposition zurückgeführt werden.

    1987 wurde der erste CS 505-3 für knapp 500,00 DM (96,00 GBP) angeboten, und die heutigen Kunden des Nachfolgers CS 505-4 werden noch einmal mit dem gleichen Eurobetrag zur Kasse gebeten. Das mag in beiden Fällen ein wenig teuer erscheinen. Nachdem ich den CS 505-3 einige Tage lang in unserem Wohnzimmer gehört habe, bin ich jedoch der Meinung, dass er immer noch ein recht gutes Angebot ist. Mehr noch als unser Sansui 525 hat mich der Dual mit seinem Original-Tonabnehmer ULM 65 E und der elliptischen Diamantnadel dazu gebracht, eine Platte nach der anderen anzuhören und seine charmante Aufrichtigkeit und seinen musikalischen Drive zu genießen. Aber was war es genau, das mich in den Bann zog?

    Auch das Design des Thorens 320-Plattenspielers hat mir schon immer gefallen, weil es die Balance zwischen technischer Raffinesse und elegantem Understatement hält. Es scheint, als hätten sich die Ingenieure von japanischem Möbeldesign inspirieren lassen, mehr noch, als dies die technikbegeisterte japanische Elektronikindustrie es selbst je getan hatte. Und ich fand sehr ähnliche Designentscheidungen beim Dual CS 505-3, besonders in Kombination mit seinem schwarzen Holzrand-Sockel. Leider waren damals die meisten Plattenspieler noch mit fest verbauten Cinchkabeln ausgestattet, was es schwierig machte, die klangliche Balance allein durch die verwendeten Kabel zu verändern. Denn natürlich hätte ich gerne meine bevorzugten silbernen Solid-Core-Kabel angeschlossen.

    Der ULM 65 E ist der original Dual-Tonabnehmer für den 505-3, der mit einer elliptischen Diamantnadel von Ortofon ausgestattet war. Der ULM war kein High-End-Tonabnehmer und bot nur eine begrenzte Frequenzbandbreite von 10-25.000 Hertz. Auch die Kanaltrennung war mit 20 dB nicht beeindruckend. Dennoch bot er eine beachtliche Ausgangsleistung von 4 mV. Das deutete darauf hin, dass er laut spielen kann. Die Kombination aus Tonabnehmer, Abtastnadel und Laufwerk funktionierte recht gut, wies aber auch einige offensichtliche Schwächen auf, die man von Fall zu Fall entweder als störend oder liebenswert empfinden konnte.

    Als Erstes holte ich eine schlechte Pressung von Norah Jones "Album Come Away With Me" heraus und war enttäuscht, dass die elliptische Nadel des Dual viele Zischlaute zum Vorschein brachte, die unser Sansui 505 mit AT VM 95 ML-Tonabnehmer so gut versteckt hatte. Das war vielleicht nicht überraschend, wenn man bedenkt, wie tief die mikro-lineare Nadel des AT in die Rille eindringen konnte. Die Platte klang umso schlechter, je näher die Nadel an die Mitte heranrückte. Als Nächstes legte ich Stacey Kents Album "I Know I Dream" auf und war überrascht von einem angenehmen Vorwärtsdrang und Rhythmus, der mich sofort zum Mitwippen animierte. Mir gefiel, dass Staceys Stimme stärker, direkter und auch einnehmender wirkte, als ich es gewohnt war. Die Musik klang etwas weniger feinfühlig und brachte die Transienten nicht so gut zur Geltung, aber irgendwie vermisste ich das auch nicht.

    Der kernige und rhythmisch einnehmende Charakter des Duals brachte mich während des Albums mehrmals zum Schmunzeln. Da "I Know I Dream" eine gute Pressung ist, hatte ich keinerlei Probleme mit Zischlauten. Mir fiel auf, dass Stimmen vielleicht nicht ganz so authentisch wiedergegeben wurden und manchmal etwas "vintage" klangen. Sie konnten sich nicht so sehr von den Instrumenten lösen, wie ich es gewohnt war, aber im Großen und Ganzen waren sie liebenswert und es machte viel Spaß, ihnen zuzuhören. Auch wenn ich zunächst darüber nachgedacht hatte, die permanenten Verbindungen durch Cinch-Buchsen zu ersetzen und den Tonabnehmer durch ein modernes Modell mit einer ausgefeilteren Nadel und besseren Spezifikationen zu ersetzen, entschied ich mich jedes Mal, wenn ich ihn wieder hörte, dafür, Aktualisierungen oder Upgrades auf einen späteren Tag zu verlegen.

    Dual Firmengeschichte

    Christian und Joseph Steidinger nahmen im Jahr 1907 als Hersteller von Uhrwerken und Grammophonen in der deutschen Stadt St. Georgen im Schwarzwald ihren Betrieb auf. Das ursprüngliche Unternehmen trug lediglich den Familiennamen, bis es 1927 in Dual umbenannt wurde. Der neue Firmenname wurde in Anlehnung an die duale Stromversorgung gewählt, mit der das Unternehmen echte Pionierarbeit leistete. Grammophone, die mit diesen Netzteilen ausgestattet waren, konnten entweder mit Strom versorgt oder für die Wiedergabe mit einem Federmechanismus aufgezogen werden. Angesichts ihrer frühen Erfolge als Teilelieferanten begannen die Gebrüder Steidinger damit, ihre eigenen Plattenspieler zu entwickeln.

    Während des deutschen Wirtschaftsaufschwungs in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Dual zum größten Hersteller von Plattenspielern in Europa. Die deutsche Wirtschaft genoss immer noch einen Preisvorteil gegenüber dem Rest Europas und wurde schnell wieder für ihre hohe Qualität bekannt. Die Gebrüder Steidinger mussten bis zu 3.000 Mitarbeiter in ihren Fabrikhallen arbeiten lassen, um mit der wachsenden Nachfrage nach Unterhaltungsgeräten in der Welt Schritt zu halten. Obwohl Dual seinen Markennamen auch auf andere Produkte der Unterhaltungselektronik ausdehnte, sind die Plattenspieler bis heute Ikonen der Technik geblieben.

    Das ursprüngliche Unternehmen Dual ging Anfang der 1980er Jahre in Konkurs, nachdem ein Jahrzehnt lang ein harter Wettbewerb durch vergleichsweise günstige und hochentwickelte Importe aus Japan herrschte. Das Unternehmen wurde an den französischen Elektronikkonzern Thomson SA verkauft. 1988 kaufte das deutsche Unternehmen Schneider Rundfunkwerke AG Dual und stieß 1993 die “Dual Phono GmbH" an Herrn Alfred Fehrenbacher ab. Fehrenbacher produziert bis heute Dual-Plattenspieler "Made in Germany" in der Schwarzwaldstadt St. Georgen, basierend auf den ursprünglichen Produktlinien von Dual.

    Technische Daten

    • Konzept: gefedertes Chassis, Riemenantrieb
    • Antriebseinheit: 16-Pol-Synchronmotor
    • Motor-Typ: Dual-SM 100-1
    • Leistungsaufnahme: 8 Watt
    • Plattenteller: nicht-magnetisch, 1,2 kg
    • Geschwindigkeiten des Plattentellers: 33 1/2 und 45 RPM
    • Pitch-Justage: +/- 6%
    • Gleichlaufschwankung: 0,06% (WRMS 0,035%)
    • Rumpeln: 52 dB (75% gewichtet)
    • Kanaltrennung: > 25 dB
    • Kanalbalance: < 2 dB
    • Armlänge: 221 mm
    • Versatzwinkel: 24" 30'
    • Nachführfehler: 0,15"/cm
    • Tonabnehmer-Typ: Dual ULM 65 E
    • Tonabnehmersystem: Moving Magnet (MM)
    • Tonabnehmer Modell: Ortofon DN 165 E
    • Nadeltyp: elliptischer Diamant, gebondet
    • Abtastkraft: 15 mN (10-20 mN)
    • Frequenzbereich: 10-25.000 Hz
    • Ausgang: 4 mV / 5cms (1.000 Hz)
    • Nachgiebigkeit: (h) 25 um/mN; (v) 30 um/mN
    • Tonabnehmergewicht: 2,5 g
    • Gesamtkapazität: 160 pF
    • Abmessungen: (B) 437 mm; (T) 369 mm; (H) 138 mm
    • Gewicht: 6 kg
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr(e): 1987-1990

  • Dual CS 630Q

    Dual CS 630Q

    16.3.2023

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Ich muss gestehen, dass ich, als der Dual CS 630Q Anfang der 1980er Jahre brandneu in den Regalen der HiFi-Händler stand, wohl direkt an ihm vorbeigelaufen wäre, um die schlichter und trendiger aussehenden Technics-Geräte aus Japan zu bestaunen. Und der traurige Niedergang der Firma Dual, zusammen mit so vielen anderen deutschen Herstellern von Qualitäts-Audiogeräten zu dieser Zeit, lässt vermuten, dass ich mit meiner Einstellung nicht alleine war. Ganze 40 Jahre später sitze ich in unserem Studio und höre mir einen Dual-Plattenspieler nach dem anderen an, um dabei festzustellen, dass es völlig verblendet war, diese Geräte zu ignorieren. Doch, wie so oft in der Geschichte der Menschheit, sind wir, sprichwörtlich korrekt, erst im Nachhinein schlauer. 

    In den 1980er Jahren war ich ja noch ein Teenager, dessen Taschengeld über den Monat reichen musste. Meistens kam das Geld für HiFi-Geräte von meinem Vater. Zu dieser Zeit mochte ich meistens das, was auch meine Freunde in der Schule mochten und was ich mir leisten konnte. Und das war auch der Grund, weshalb ich als ersten Plattenspieler einen AL-F3 von JVC kaufte, einen vollautomatischen Direkttriebler der Massenproduktion, in schlichtem Schwarz, ein Gerät, das man heute in neuwertigem Zustand für 20 Euro bei ebay findet. Die Verkäufer des Dual hingegen verlangen in der Regel mindestens das Fünffache für ihr Gerät, unabhängig von dessen Zustand. Das Problem des Dual war, dass beide Plattenspieler Musik abspielten, und da die meisten Leute weder die Zeit, das Fachwissen noch die Ausrüstung hatten, um den Klang von Plattenspielern zu vergleichen, war der wahrgenommene Unterschied zwischen den Geräten bestenfalls eine Frage des Marketings.

    Japanische Plattenspieler rühmten sich oft mit der neuesten Technologie, noch bevor überhaupt bewiesen war, dass diese den Zweck tatsächlich besser erfüllte als die etablierten Mittel. Der S-förmige Tonarm, die Plattenspieler-Automatik und die Direktantriebstechnik waren Fälle, in denen die deutschen Hersteller dem Hype nur sehr langsam folgten. Der ULM-Tonarm z.B. hatte auf den Dual-Plattenspielern hervorragende klangliche und rhythmische Eigenschaften. Er war leicht und sehr verwindungssteif, wodurch er einen sehr direktes Klangerlebnis bieten konnte, das sich in der musikalischen Wiedergabe eher natürlich anfühlte. Frühere Reibrad-Plattenspieler und einige ausgereifte Riemenantriebe konnten sehr wohl mit den neueren Direktantriebsmodellen konkurrieren und sind nicht nur in audiophilen Kreisen bis heute beliebte Klassiker geblieben. Und Automatik-Plattenspieler haben sich längst überlebt, denn moderne Decks haben oft nur noch einen einzigen Schalter, mit dem das Gerät gestartet und die Motordrehzahl eingestellt wird.

    Während Dual und andere deutsche Hersteller in den 1980er Jahren scheinbar unterlegen waren, zeigte sich beim Anhören der alten Plattenspieler, dass sie immer noch eine ausgezeichnete Wahl waren, wenn es um ihre Musikalität ging, besonders wenn sie in einer gut eingestellten Anlage integriert wurden. Der hier vorgestellte Dual CS 630Q wurde meiner Tochter von ihrer zuvor verstorbenen Großtante zusammen mit einigen anderen Mid-Fi-Geräten vererbt. Dazu gehörten ein Dual CV 1260 Receiver (von Denon), ein Dual CT 1260 Tuner, der über einen 5-DIN-Stecker angeschlossen wurde, ein Denon DCD 660 CD-Player und zwei Canton GLX 100 Regallautsprecher, die das Ensemble vervollständigten. Und da die Geräte schon einige Jahre im Regal gestanden hatten, wollte ich die Gelegenheit nutzen, um sie routinemäßig zu überprüfen und auch in diesem Forum zu präsentieren.

    Von diesen neuen Geräten interessierte mich der CS 630Q am meisten. Schließlich war ich bereits ein Fan des früheren und aufwändigeren Dual CS 721, für den ich eigens einen Walnuss-Sockel zur besseren Laufwerksisolierung gebaut hatte. Der CS 630Q sollte ein verbessertes Signal-Rausch-Verhältnis bieten, gepaart mit einem moderneren Aussehen. Während die berühmten Technics-Plattenspieler mit einem sichtbaren Stroboskoplicht ausgestattet waren, das sich auf den schon ikonischen Punkten entlang des Plattentellerrandes spiegelte, verfügte der Dual über eine genaue LDC-Anzeige, die die Geschwindigkeit elektronisch mit zwei Stellen hinter dem Komma anzeigte. Die legendäre 4-Punkt-Aufhängung des Dual ruhte auf einstellbaren Spitzenlagern und stabilisierte den geraden ULM-Tonarm (Ultra-Low-Mass) sehr gut. Die Start-, Stop- und Lift-Tasten fühlten sich fest an und gaben ein gutes sensorisches Feedback, und mir gefiel auch die Tatsache, dass die Einstellung der Tellergeschwindigkeit auf dieselbe Weise erfolgte. Die Plattengröße wurde separat über einen Wahlschalter auf der rechten Seite des Tonarms eingestellt. Alles in allem scheint dies ein gut durchdachtes Design zu sein.

    Moderne Nutzer mögen bemängeln, dass die Oberfläche des Players nicht eben war, sondern allerlei Erhebungen und Ritzen aufwies. Andererseits verliehen diese Eigenheiten dem CS 630Q seine niedrige Silhouette und sein wiedererkennbares Aussehen. Obwohl ich vielleicht nicht auf die Idee gekommen wäre, diesen Dual für mich selbst zu kaufen, gefiel mir sein Anblick, während er auf unserem behelfsmäßigen Audio-Sideboard mit unserem experimentellen System im Studio stand. Das HiFi-System bestand aus dem Vollverstärker Dual CV 1260 und unseren Epicure 3.0-Lautsprechern, die bereits gezeigt hatten, dass sie bei der Wiedergabe von einer CD-Quelle sehr gut harmonierten. Ich hatte einige Schwierigkeiten, die Abtastkraft der Nadel einzustellen, da die Automatikfunktionen bei der Ausführung der Aktion ständig aktiviert wurde: Wenn ich den Arm in Richtung Plattenteller bewegte, wurde der Motor gestartet, und wenn ich den Dual vom Stromnetz nahm, wurde der Arm automatisch angehoben. Es schien keinen Ausweg aus diesem Dilemma zu geben, und so musste ich den angehobenen Arm durch Nachführen der Waage einstellen, was wahrscheinlich nicht die genaueste Methode war.

    Der Grund dafür, dass ich die Auflagekraft prüfen und einstellen wollte, war ein akustischer Fehler, den ich als Zischen auf den inneren LP-Spuren hören konnte. Das ursprüngliche ULM 66E-Tonabnehmersystem war unlängst durch ein Ortofon DN 166 E ersetzt worden, das immer noch einwandfrei zu funktionieren schien. Ich begann meine Erkundungen mit Fleetwood Macs 1977er Album Rumours, von dem ich die 2009er Pressung vorliegen hatte. Für ein Album aus den 70ern bot Rumours eine gute Aufnahmequalität sowie eine breite Palette von Songs, die sowohl klanglich als auch rhythmisch variierten. Als ich mir das Album zum ersten Mal mit dem CS 630Q anhörte, bemerkte ich auch ein Brummen, das nach einem Erdungsproblem klang. Ich untersuchte die Original-Cinch-Stecker und stellte fest, dass der Erdungsring korrodiert war. Die Originalstecker waren schon recht clever konstruiert, mit einem gebrochenen Außenring und einem gespaltenen Mittelzinken. Ich beschloss, sie durch ein paar anständige moderne Neutrik Rean zu ersetzen, die in Bezug auf ihre klangliche Tugenden weit weniger anspruchsvoll waren, abgesehen von ihrer fragwürdigen Vergoldung vielleicht.

    Bei der Suche nach Nadeloptionen für den ULM/Ortofon-Tonabnehmer stieß ich auf die elliptische Nadel, die nun für etwa 75,00 EUR zu erwerben war, und fand dann das komplette Headshell mit Tonabnehmer und Shibata-Nadel für nur 14,00 EUR mehr. Für meine Tochter, die zum ersten Mal Schallplatten auflegte, würde die jetzige Nadel ausreichen, aber wenn ich diesen Plattenspieler hätte für mich behalten wollen, hätte ich mich für das Komplettpaket Ortofon OM PRO S SH4 bl hs entschieden, wie es u.a. auf der Thomann-Website beworben wurde. Vorerst stellte ich die Auflagekraft mit der Waage auf einer CD-Hülle neben dem rotierenden Plattenteller stehen auf 1,05g und das Anti-Skating auf etwa die Hälfte dieses Wertes ein. Ich bemerkte, dass der Ortofon-Tonabnehmer die Höhen zu dämpfen begann, wenn die Auflagekraft 1,25 g überstieg. Das ursprüngliche Zischen könnte dadurch verursacht worden sein, dass die Anti-Skating-Kraft die Abtastkraft überstieg, obwohl eigentlich das Gegenteil der Fall sein sollte.

    Das Album Rumours von Fleetwood Mac begann genau richtig zu klingen, mit einer guten Portion Drive und Swing. Mir gefiel der Detailreichtum der elliptischen Abtastnadel, aber ich konnte auch ihre Grenzen in Bezug auf die Höhen hören. Je höher der Ton, desto mehr schien er sich mit anderen hohen Tönen in der Aufnahme zu vermischen. Das gab der Musik eher eine robuste und tanzbare Präsenz als ein audiophiles Erlebnis. Der Bass hingegen war straff und vielschichtig. Ich konnte ein gutes Gefühl für die verschiedenen Materialien des Schlagzeugs bekommen, das bei "Don't Stop Thinking About Tomorrow" von den anderen Instrumenten stets getrennt blieb. Gleichzeitig vermisste ich einige der wirklich tiefen Bassfrequenzen, die dem Gesamteindruck der Musik gut getan hätten.

    In Anbetracht der Tatsache, dass der Dual CS 630Q bereits über eine universelle Headshell-Halterung verfügte, gab es eine große Auswahl an Tonabnehmern für diesen Arm, die sich leicht austauschen ließen und mit denen man experimentieren konnte. Während die korrekte Einstellung von Tracking und Anti-Skating die Zischlaute auf den inneren Spuren verbesserte, ließen sie sich mit der vorhandenen Abtastnadel nicht vollständig eliminieren. Der Spurfehler des geraden Arms von 0,15° war, zumindest meiner Meinung nach, nicht groß genug, um das Ausmaß des Phänomens zu erklären. Und das war tatsächlich schade, denn "Songbird" gehörte zu meinen Lieblingssongs auf dem Album. Wenn ich doch nur darauf vertrauen könnte, dass unsere Kinder (und ihre Freunde (und die Freunde ihrer Freunde)) den Tonabenhmer vor Schaden bewahrten, wäre ich versucht gewesen, das Angebot des Ortofon SH4 anzunehmen.

    Technische Daten

    • Typ: Plattenspieler mit Direktantrieb
    • Merkmale: Vollautomatisch, mit PLL-Quarz-Lock
    • Mikroprozessor-Typ: EDS 910
    • Plattenteller-Typ: nicht-magnetisch, abnehmbar
    • Abmessungen des Plattentellers: (D) 304mm x (H) 10mm
    • Gewicht des Plattentellers: 1.170g (700g, ohne Matte)
    • Geschwindigkeiten: 33,33 und 45 Umdrehungen pro Minute
    • Pitch-Steuerung: 30-36 U/min bzw. 42-48 U/min
    • Gleichlaufschwankung: +/- 0.035%
    • Signal-Rausch-Abstand: 80dB, gewichtet
    • Tonarm: verwindungsfreies, extrem massearmes Aluminiumrohr
    • Aufhängung: 4-Punkt-Kipplager
    • Effektive Tonarmlänge: 211 mm
    • Offset-Winkel: 26°
    • Tangentialer Spurfehler: 0,15°
    • Überhang der Headshell: 19,5 mm
    • Original Tonabnehmer: Dual ULM 66E
    • Tonabnehmer-Ersatz: DN 166E
    • Abtastnadeltyp: bi-radialer Diamant
    • Abtastkraft: von 1 bis 1,5g
    • Frequenzgang: 10Hz bis 28kHz
    • Leistungsaufnahme: 12,5 Watt
    • Compliance: (h) 35 / (v) 30
    • Gewicht des Systems: 2,0 g
    • Abmessungen: (B) 440mm x (H) 111mm x (T) 364mm
    • Gesamtgewicht: 5,5 kg
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr(e): 1983 - 1986

  • Dual CS 721

    Dual CS 721

    27.7.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der CS 721 war das Flaggschiff von Dual gegen Ende der 1970er Jahre und wird von vielen als einer der besten Dual-Plattenspieler aller Zeiten angesehen. Wo sich die Experten nicht einig sind, geht es meist um die Bevorzugung eines bestimmten Antriebssystems. Befürworter von Treibrad-Plattenspielern würden die Dual-Modelle CS 1219 und CS 1229 als ihre Favoriten nennen, während Fans des Riemenantriebs den CS 5000 oder CS 7000 Golden bevorzugen würden. Der CS 721 war ein Direktantriebsmodell (DD) und hatte dadurch, im Vergleich zu den anderen beiden Antriebsarten, die audiophilsten technischen Daten in Bezug auf Rumpel-Abstand und Gleichlaufschwankungen von allen. Dennoch: Wir hören nicht die Spezifikationen, sondern Musik. Und auch ich muss gestehen, dass mir der direkte und etwas ungestüme Klang unseres kleineren CS 505-3 ebenso gefällt, trotz schlechterer Daten.

    In seiner günstigsten Form war der CS 721 nicht gerade das schönste Exemplar eines Plattenspielers auf dem Markt. Sein Sockel bestand aus billigem Plastik und hatte einen Rahmen aus laminiertem Sperrholz. Dual musste sich schon auf seinen guten Namen in audiophilen Kreisen verlassen können, um seine optisch eher zweckmäßigen Produkte neben den schnittigen und schlanken asiatischen Designs von Technics, Pioneer, Sony, usw. verkaufen zu können. Und tatsächlich war das neue und auffällige Fehlen von Echtholz bei den Produkten des deutschen Herstellers aus dem Schwarzwald bereits ein erstes Tribut an den zunehmend preisgetriebenen Markt. Der Druck, die Konkurrenz durch technisches Raffinesse zu übertreffen, sicherte dem CS 721 jedoch einige interessante und durchaus hochentwickelte Funktionen, die man bei Plattenspielern eines jeden Baujahres nur selten findet.

    Ein offensichtliches Highlight des CS 721 war sein klanglich üppiger, speziell für das Dual-System entwickelter Shure V15-III Tonabnehmer mit seiner SuperTrack-Plus Nadel. Der Shure V15-III galt als exzellenter Tracker schon bei geringer Auflagekraft von nur 0,75g bis 1,25g. Das Tonabnehmersystem wies die üblichen Shure Bassqualitäten auf und arbeitete reibungslos über einen großen Frequenzbereich von 10 Hz bis 25.000 Hz. Leider war die originale Shure-Nadel bei unserem Modell schon zu stark abgenutzt, so dass ich mich nach einem geeigneten Ersatz umsehen musste. Mein erster Impuls war es, mir eine Jico SAS-Nadel mit Bor-Nadelträger anzuschaffen, doch ein Lieferstopp auf unbestimmte Zeit seitens Jico zwang mich dazu, mich stattdessen für eine weniger aufwendige Shibata-Nadel von Tonar zu entscheiden. Shibata-Nadeln wurden ursprünglich für quadrophonische Aufnahmen entwickelt, greifen ebenfalls tief in die Schallplattenrille und sind, ähnlich wie die SAS-Nadeln von Jico, zu vielen Nuancen in der Musik fähig. Als ich mir die original Dual- und die Tonar-Nadel im direkten Vergleich anhörte, fiel es mir jedoch schwer, nicht der abgenutzten Super-Track-Plus-Nadel den Vorzug zu geben, weil sie mir klanglich tatsächlich noch feiner schien.

    Ich beschloss außerdem, den Sockel des Plattenspielers zu optimieren, um die physikalischen Schwingungen des schwimmenden Chassis noch besser zu isolieren, da mir die dünne Kunststoffwanne für diese Aufgabe nicht ausreichend zu sein schien. Einen ausführlichen Artikel zu diesem Projekt finden Sie in der Rubrik 'Explorations' in diesem Blog (siehe unten). Das Resultat meiner Arbeit war ein massiver Holzsockel, der die ursprüngliche Struktur perfekt in der Waage hielt und gleichzeitig die möglichen Resonanzen des Kunststoffs durch die Verwendung von Moosgummi-Einlagen dämpfte. Ich verwendete Tri-Ball-Absorber, um den Sockel zusätzlich von möglichen Vibrationen des Racks zu isolieren, die durch Schritte, zuschlagende Türen oder die anderen Hifi-Geräte verursacht werden. Das Ergebnis war ein klanglich reichhaltiger, präziser und ungestörter Klang, wie man ihn von einem Spitzenplayer von Dual erwarten würde.

    Neben seinem präzisen und leisen Motor, dem starren Tonarm und dem legendären Shure-Tonabnehmer bot der CS 721 eine Vielzahl von Einstellmöglichkeiten, die zu seiner Zeit führend in seiner Klasse waren. Wie alle Duals der 70er bot er drei Transportschrauben, um das Chassis während des Transports zu fixieren. Ich habe diese Funktion bei den Dual-Decks immer sehr geschätzt, da ich viel Zeit damit verbracht habe, sie in Autos zu transportieren. Sogar der Staubschutzhaubenlift konnte beim CS 721 justiert werden, für den Fall, dass die Feder mit dem Alter nachgeben sollte. Der Tonarm hatte ein 2-fach gedämpftes, einstellbares Gegengewicht und konnte zusätzlich an der hinteren Achse in der Länge verändert werden, um an die damals gängigen Massen der Tonabnehmer perfekt angepasst zu werden.

    Die vertikale Spur des CS 721 Tonarms konnte über einen Hebel kalibriert werden. Die meisten Plattenspieler boten dafür nur ein Set aus Inbusschrauben an. In ähnlicher Weise konnte man den Abhebungswinkel und die genaue Aufsetzposition der Nadel auf der Plattenrille einstellen. Die Aufsetzgeschwindigkeit konnte so optimal an das Gewicht des Tonabnehmers angepasst werden. Interessant war, dass die manuelle Liftfunktion von der Einstellung der Lifthöhe nicht beeinflusst wurde, da auch diese über einen separaten Regler eingestellt wurde. Bei der Wiedergabe von Schallplatten konnte der CS 721 von einzel auf unendlich umgestellt werden, so dass die Wiedergabe einer Schallplatte solange wiederholt wurde, bis sie manuell unterbrochen wurde. Bei näherer Betrachtung des Headshells stellte ich überrascht fest, dass der Tonabnehmer darauf fest eingeklemmt und zusätzlich mit zwei Schrauben gesichert war. Ich erfuhr, dass ursprünglich zwei verschiedene Headshells verkauft wurden, von denen nur eines manuell eingestellt werden konnte. So kaufte ich schließlich ein zusätzliches TK-24 Headshell, um mehr Freiheit bei der Justage zu haben.

    Während der Tonarm zunächst durch die Justage der hinteren Länge des Arms und dann über den Rändelring des Gegengewichts verstellt wurde, stand noch ein weiterer Einstellring zur Verfügung, um die Abtastkraft einzustellen. In dieser Kombination war dies eine der raffiniertesten Abstimmungen, die ich je gesehen hatte. Die Anti-Skating-Funktion konnte sowohl für konische als auch für bi-radiale Nadeleinschübe voreingestellt werden. Es war vorstellbar, dass die umfangreiche Kombination von Einstellungen des CS 721 für einige Besitzer eher verwirrend als hilfreich war. Andererseits war das Hören von Schallplatten seit jeher mit dem Fliegenfischen vergleichbar, bei dem man viel Zeit, Können und Mühe aufwenden musste, um einen ziemlich kurzlebigen Höhepunkt zu erzielen. Mit anderen Worten: Der Dual war in der Bedienung alles andere als ein Kinderspiel. Umso erfreulicher war es jedoch, ihn zu besitzen und zu hören, sobald die perfekte Einstellung erreicht war, insbesondere mit seinem neuen Walnuss-Sockel.

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    Dual Firmengeschichte

    Christian und Joseph Steidinger nahmen 1907 als Hersteller von Uhrwerken und Grammophonen in der deutschen Stadt St. Georgen im Schwarzwald ihren Betrieb auf. Das ursprüngliche Unternehmen trug lediglich den Familiennamen, bis es 1927 in Dual umbenannt wurde. Der neue Firmenname wurde in Anlehnung an die dualen Stromversorgungen gewählt, mit denen das Unternehmen echte Pionierarbeit leistete. Grammophone, die mit diesen Antriebsmodellen ausgestattet waren, konnten entweder mit Strom versorgt oder für die Wiedergabe mit einem Federmechanismus aufgezogen werden. Angesichts ihrer frühen Erfolge als Teilelieferanten begannen die Gebrüder Steidinger, ihre eigenen Plattenspieler zu entwickeln.

    Während des großen deutschen Wirtschaftsaufschwungs in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Dual zum größten Hersteller von Plattenspielern in Europa. Die deutsche Wirtschaft genoss zu dieser Zeit noch einen erheblichen Preisvorteil gegenüber dem Rest Europas und wurde rasch wieder für ihre hohe Qualität bekannt. Die Gebrüder Steidinger mussten bis zu 3.000 Mitarbeiter in Ihren Fabriken einstellen, um mit der wachsenden Nachfrage nach Unterhaltungsgeräten auf dem Weltmarkt Schritt zu halten. Obwohl Dual seinen Markennamen auch auf andere Produkte der Unterhaltungselektronik ausdehnte, sind die Plattenspieler des Unternehmens bis heute Ikonen der Technik geblieben.

    Die ursprüngliche Firma Dual ging Anfang der 1980er Jahre in den Konkurs, nachdem für mehr als ein Jahrzehnt ein harter Wettbewerb durch vergleichsweise günstige und hochentwickelte Importe aus Japan geherrscht hatte. Das Unternehmen wurde zunächst an den französischen Elektronikkonzern Thomson SA verkauft. 1988 kaufte das deutsche Unternehmen Schneider Rundfunkwerke AG die Marke Dual und gliederte 1993 die “Dual Phono GmbH" an Herrn Alfred Fehrenbacher aus. Fehrenbacher produziert bis heute Dual-Plattenspieler "Made in Germany" in der Schwarzwaldstadt St. Georgen, basierend auf den ursprünglichen Produktlinien von Dual.

    Technische Daten

    • Plattenspieler-Typ: Vollautomatisch
    • Motor: Direktantrieb, elektronisch gesteuert
    • Motor-Typ: Dual EDS 1000-2
    • Geschwindigkeiten: 33,33 und 45 U/min
    • Gewicht des Plattentellers: 1,5 kg, Aluminium-Druckguss
    • Gewicht des Plattentellers mit Rotor: 3,0 kg
    • Größe des Plattentellers: 305 mm, dynamisch ausgewuchtet
    • Pitch-Steuerung: +/- 10%
    • Gleichlaufschwankungen: < 0.03%
    • Rumpeln: > 70dB
    • Tonarm: verlängertes Rohr, 2x gedämpft
    • Tonarm-Effektivlänge: 222 mm, höhenverstellbar
    • Tonabnehmer: Shure V15 III (1973 - 1987)
    • Auflagedruck: 0,75 bis 1,25g (1,0g)
    • Tonabnehmer-Typ: Microline, elliptischer Diamant
    • Kanaltrennung: 28 dB @1 kHz
    • Frequenzbereich: 10 - 25.000 Hz
    • Induktivität des Tonabnehmers: 500 mH
    • DC-Widerstand: 1.350 Ohm
    • Widerstandswert: 47 kOhm
    • Ausgang: 3,5 mV @1kHz
    • Gewicht des Tonabnehmers: 6,0 g
    • Gewicht des Plattenspielers: 7,8 kg
    • Abmessungen: (B) 424 mm x (H) 150 mm x (T) 368 mm
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr(e): 1976 - 1979

    crossXculture Business Language Training
  • Lenco L75

    Lenco L75

    31.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Fritz und Marie Laeng gründeten im Jahr 1946 in dem schweizer Ort Burgdorf die Plattenspieler-Manufaktur Lenco. Der Name Lenco wurde aus dem Familiennamen der Laengs abgeleitet, was vor allem auf die Initiative von Marie zurückzuführen war. Schon in der Zeit vor der Produktion von Plattenspielern in Burgdorf war das Ehepaar Laeng von dem Thema Audiotechnik fasziniert und betrieb seit 1925 ein Elektrogeschäft. Die aufrichtige Begeisterung der Laengs für gute Klangwiedergabe führte zu zuverlässigen Qualitätsprodukten und zu einem hervorragenden Service für die wenigen Geräte, die zur Nachbesserung in die Fabrik zurückkamen. Viel Leidenschaft, hohe Qualität und hervorragender Service erwiesen sich als solide Grundlage für den Erfolg, und das Unternehmen eröffnete bald eine zweite Fabrik in Italien, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen.

    Für die Produktion von Zubehör, das Lenco nicht ohne weiteres selbst herstellen konnte, ging das Unternehmen Partnerschaften mit entsprechend spezialisierten Unternehmen ein. Komet war Spezialist für Röhrenverstärker und unterstützte Lenco bei der Herstellung von Plattenspieler-Verstärker-Kombinationen. Ein anderer, vielleicht bekannterer Partner war Goldring, ein Spezialist für Tonabnehmer. Einige Lenco-Plattenspieler wurden mit dem Goldring-Logo vermarktet. Auf diese Weise konnte die weniger bekannte Marke Lenco aus der Schweiz vom etablierten Vertriebsnetz Goldrings profitieren, was es Lenco erleichterte, Kunden in aller Welt zu erreichen. Innerhalb weniger Jahre konnte Lenco Verkäufe in mehr als 80 Ländern erzielen.

    Leider verstarb Marie Laeng zu einem für das Unternehmen besonders schwierigen Zeitpunkt, nämlich während der Ölkrise im Jahr 1974. Sie war das Herz und die Seele des Unternehmens gewesen, und die Manufaktur wurde nun von mindestens zwei Seiten bedrängt: von der rückläufigen Weltwirtschaft und vom Verlust der Hauptmotivatorin. Ein dritter Schlag wurde durch den Zustrom billigerer Elektronik aus den aufstrebenden asiatischen Ländern verursacht, die sich als Gewinner der neuen preisgesteuerten Wirtschaft in Europa erwiesen. Die Lenco AG Burgdorf meldete 1977 Konkurs an. Die neu gegründete Lenco Audio AG übernahm die bestehenden Serviceverträge und vollendete die letzte Generation an Lenco Produkten.

    Der Lenco L75 Plattenspieler wurde ab den frühen 1970er Jahren gebaut und war für die Herausforderungen eines preisgetriebenen Marktes konzipiert. Er war gerade erschwinglich genug, um noch von Universitätsstudenten gekauft zu werden, und wurde mit der Absicht entwickelt, einer jungen Verbrauchergruppe audiophile Klangqualität ‘Made in Switzerland’ zu bieten. Trotz des leichten Rumpelns, das von der robusten Laufradkonstruktion herrührte, verfügte der holzverkleidete Lenco über einige willkommene Merkmale, wie zum Beispiel ein schwimmendes Gehäuse, einen neu überarbeiteten Tonarm mit sichtbarem Anti-Skating-Gewicht und vier Spielgeschwindigkeiten, die von 78 Umdrehungen pro Minute bis hinunter zu 16 RPM reichten. Als Zubehör gab es eine Stroboskopscheibe zur Feineinstellung der Geschwindigkeit, einen Schallplatten-Besen mit Halterung auf dem Deck und ein Plattengewicht zur Reduzierung von Vibrationen. Noch heute zählt der L75 zu den besten Plattenspielern, die jemals in Großserie hergestellt wurden. Vor allem audiophile Hörer schätzen den L75 sehr, wohl wissend, dass selbst der beachtliche Erfolg des L75 am Ende nicht ausreichte, um das angeschlagene Unternehmen vor dem Aus zu retten.

    < Tri-Ball Absorbers | Vinyl-Singles Puck >

    Technische Daten

    • Antrieb: vertikales Treibrad
    • Motor: 4-poliger Synchronmotor mit konischer Achse
    • Geschwindigkeiten: 78, 45, 33-⅓, 16-2/3
    • Gleichlaufschwankung: ±0,08% / ±0,4%
    • Rumpeln: 36 dB (ungewichtet); 60 dB (gewichtet)
    • Auflagefläche: 306 mm, 3,7 kg, Zink-Legierung
    • Tonarmlänge: 227 mm
    • Überhang: 17 mm (einstellbar)
    • Versatzwinkel: 23°12' (±0,8° max.)
    • Material: Aluminium-Rohr
    • Auflagegewicht Tonabnehmer: 0,5 g
    • Abmessungen: 445 x 335 x 150 mm
    • Gewicht: 10,5 kg

  • Philips 22 GA 212 Electronic

    Philips 22 GA 212 Electronic

    19.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der von 1971 bis 1976 gebaute Philips 22 GA 212 Electronic gilt immer noch als einer der besten Philips-Plattenspieler aller Zeiten. Besser bekannt als Philips 212, hat das Gerät unter Vinyl-Fans und Vintage-Sammlern eine Art Kultstatus erreicht. Zu den wichtigsten Merkmalen gehören die schwimmende Aufhängung des Plattentellers und des Unterchassis, die tatsächlich einen ausgezeichneten Stoßschutz bieten, sowie kapazitive Tasten mit grüner Hintergrundbeleuchtung. Das hier gezeigte Gerät wurde 1972 gebaut und läuft mit etwas Wartung immer noch einwandfrei, ohne hörbare Geräusche von den Lagern oder dem Motor.

    Das schwimmend gelagerte Subchassis sorgt für einen niedrigen Rumpelwert, und der leichte Aluminiumteller funktioniert recht gut und stellt eine interessante Alternative zu dem üblichen Ansatz dar, dem Teller und dem Chassis mehr Masse zu verleihen. Die Abspielgeschwindigkeiten sind auf 30 und 45 RPM eingestellt und der Pitch kann für beide Geschwindigkeiten unabhängig eingestellt werden. Der Philips 212 war mit dem Philips-eigenen GP400-Tonabnehmer ausgestattet, der zwar langlebig, aber nur wenig an audiophile Bedürfnisse angepasst war. Das firmeneigene Upgrade war der GP401, der eine größere klangliche Genauigkeit und Detailtreue bot.

    Bei dem hier abgebildeten Gerät wurde der GP400 durch einen Audio-Technica at-VM 95 E Tonabnehmer ersetzt. Die Philips 22 GA 212 Headshell kann leicht entfernt werden, indem man sie zusammen mit der Verkabelung nach vorne aus der Tonarmhalterung herauszieht. Ein willkommenes Feature für Besitzer, die mehrere Tonabnehmer zur Hand haben möchten. Der moderne Audio-Technica Tonabnehmer übertrifft dabei sowohl den GP400 als auch den GP401 mit Leichtigkeit. Er bietet einen ehrlichen, gut detaillierten und üppigen Klang, vielleicht mit einem leicht rauen Charakter. Je nach Anwendungsfall gibt sicher bessere Tonabnehmer im Audio-Technica-Sortiment, die allesamt recht erschwinglich sind, aber in Anbetracht der begrenzten Einstellungs- und Kontrollmöglichkeiten des leichten Philips-Tonarms ist das VM 95 E sicherlich eine risikofreie Wahl. Der ursprüngliche 5-polige DIN-Stecker wurde bei diesem Gerät durch Neutrik-Cinch/RCA-Anschlüsse ersetzt und die Verkabelung entsprechend optimiert.

    Technische Daten

    • Geschwindigkeiten: 33 und 45 Umdrehungen pro Minute
    • Abmessungen: 39 cm x 14 cm x 34 cm
    • Gewicht: 7 kg
    • Nennspannung: 240 V AC schaltbar, 5 W, 50 Hz
    • Rauschabstand: < -62 dB (DIN B)

  • Sansui SR-525

    Sansui SR-525

    2.2.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nach dem Verkauf unserer Tannoy DC6t-Lautsprecher an einen audiophilen Gefährten in Norddeutschland hatte ich wieder etwas Geld übrig, das ich für Entdeckungen ausgeben konnte. Auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten für unsere HiFi-Anlage beschloss ich, dass eine Aufrüstung des Plattenspielers unserer Hauptanlage viel bringen würde. Unser Philips GA 212 lieferte zwar immer noch eine solide Leistung, aber sein Tonarm und sein Chassis hatten einige Einschränkungen, was die Aufrüstung von Tonabnehmern usw. anging. Um Vinyl noch besser klingen zu lassen, war es höchste Zeit, auf ein anspruchsvolleres Konzept umzusteigen.

    Ich durchforstete das Internet nach Vintage-Angeboten und bat Freunde um Vorschläge. Zur Auswahl standen die typischen Marken Dual, Thorens, Denon, Technics und Micro Seiki, die alle auf ihre Weise bekannte Klassiker anbieten, aber keines der erschwinglichen Modelle sah für mich attraktiv aus, bis ich auf einen unwahrscheinlichen Konkurrenten in der oberen Mittelklasse stieß: den Sansui SR-525 DD. Der SR-525 basiert auf einem ähnlichen Chassis und Tonarmdesign wie der riemengetriebene Plattenspieler SR-323 von Sansui, bietet aber einige bedeutende Upgrades, wie z. B. den leisesten Direktantriebsmotor seiner Zeit und eine Quarz-Drehzahlregelung mit eingebautem Stroboskoplicht. Die Technologie war auf dem neuesten Stand der Technik, insbesondere für ein Gerät aus dem Jahr 1976, und ich habe nur Lob über diesen Player gelesen.

    Das ist im Grunde auch keine Überraschung, denn bei Sansui hatte Qualität Geschichte. Die Sansui Electric Company wurde 1947 von Kosaku Kikuchi in Tokio, Japan, gegründet. Wie viele seiner Zeitgenossen (David Hafler, etc.) begann Kosaku seine Karriere in der Industrie mit der Herstellung von Transformatoren und einfachen Radio-Komponenten, bis er feststellte, dass die Schwankungen in der Qualität der Bauteile es den Herstellern schwer machten, gleichbleibend hochwertige Geräte zu bauen. Kosaku beschloss daher, dass Sansui der Produktqualität Vorrang vor den Herstellungskosten geben sollte. Später, als Sansui sich auf komplexere Produkte spezialisierte, erwies sich diese Ausrichtung auf Qualität als vorteilhaft für den Ruf der Marke.

    Im Jahr 1954 stellte Sansui Vorverstärker und Verstärker her, die sowohl als Bausätze für den Selbstbau als auch als fertige Produkte verkauft wurden. Obwohl die ersten Geräte auf Monoröhren-Konstruktionen basierten, wurden 1958 Stereo-Röhrensysteme eingeführt. Mitte der 60er Jahre hatten Sansuis interne und externe Designentscheidungen dem Unternehmen einen soliden Ruf für qualitativ hochwertige Audioprodukte eingebracht. Zu dieser Zeit begann das Unternehmen mit der Produktion seiner kultigen, schwarzgesichtigen Verstärker der AU-Serie. Darunter befanden sich viele Geräte, die durchaus als "High End" eingestuft werden können und bis heute bei Audio-Enthusiasten sehr begehrt sind. Seinen ersten Plattenspieler stellte das Unternehmen 1967 her, ganze neun Jahre bevor der SR-525 auf den Markt kam.

    Ich fand unseren SR-525 bei einem Vintage HiFi-Händler in Mannheim, der sich “Goldladen" nannte. Und obwohl ich sicherlich für meinen Einkauf bei einem richtigen Händler einen kleinen Aufpreis zahlen musste, gefiel mir der Gedanke, dass ich dorthin fahren und das Gerät inspizieren konnte, bevor ich es kaufte. Als ich im Geschäft ankam, fand ich den Sansui in einem absolut neuwertigen Zustand vor. Bei angehobenem Plattenteller war nicht zu erkennen, ob der Motor jemals gelaufen war, und auch die Abdeckung wies kaum Kratzer auf. Wenn man vor dem SR-525 steht, gibt es nur sehr wenig in seinem Design, seiner Haptik und seinem Gefühl, das ihn als Vintage-Player ausweist. In seiner Schlichtheit und dunkelgrauen Lackierung erinnert er eher an die Player um die Jahrtausendwende. Das einzige, was ihn verrät, sind vielleicht die klobigen Gummifüße, auf denen er steht. Aber sie sorgen nunmal effektiv dafür, dass die Platte nicht springt.

    Der Tonarm ist eine ausgeklügelte Konstruktion mit einem aufgehängten Anti-Skating Gewicht und einem zusätzlichen seitlichen Gewicht, das Resonanzen in Schach hält. Seine S-Form stellt sicher, dass der Winkel der Abtastnadel über den größten Teil der Plattenoberfläche nahezu perfekt ist. Mit einem Gesamtgewicht von fast 10 kg bietet der Sansui auch eine solide Basis, um Vibrationen jeglicher Art zu absorbieren. Mit seinem ursprünglichen deutschen Verkaufspreis von 865,00 DM war er fast 200 DM teurer als der riemengetriebene Philips, und das merkt man auch. Weitere Modelle der SR-Serie waren der riemengetriebene 323, der ähnliche, aber holzverkleidete, 626 und der höherwertige 929.

    Haben Sie persönliche Erfahrungen mit Sansui-Plattenspielern? Bitte teilen Sie uns Ihre Gedanken in den Kommentaren mit. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig.

    Technische Daten

    • Typ: Manueller Plattenspieler mit Direktantrieb
    • Plattenteller: 310 mm, Aluminium-Druckgusslegierung, 1,4 kg
    • Motor: 20-polig, 30 Schlitze DC bürstenlos
    • Geschwindigkeiten: 33 und 45 RPM, servogesteuert
    • Gleichlaufschwankungen: < 0,03% WRMS
    • Rauschabstand: > 64dB
    • Rumpeln: > 72dB
    • Tonarm: statisch ausgeglichen, s-förmig, resonanzfrei, höhenverstellbar
    • Effektive Länge: 220mm
    • Überhang: 17,5mm
    • Gewicht des Tonabnehmers: 4 bis 11g
    • Abmessungen: 46,9 x 15,0 x 37,5cm
    • Gewicht: 9,5kg
    • Jahr(e): 1976 - 1978

    Gekauft bei:

    www.goldladen-mannheim.de
    Laurentiusstraße 26
    68167 Mannheim
    Tel.: 0151 241 643 55


  • Technics SL-1310

    Technics SL-1310

    25.4.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nach der überragenden Leistung unseres Sansui SR-525-Direktantriebs-Plattenspielers von 1977 begann ich, das Internet nach weiteren Direktantriebs-Plattenspielern aus den 70er Jahren zu durchsuchen. Und da Technics das Konzept des Direktantriebs erfunden hatte, war ich neugierig zu erfahren, wie sich ihre Plattenspieler mit dem beeindruckenden Standard unseres Sansui messen konnten. In den 1970er und 80er Jahren hatten sich Technics-Plattenspieler den Ruf erworben, in Sachen Plattenspieler-Technologie führend zu sein. Technics führte nicht nur den Direktantrieb ein, bei dem die Motorwelle selbst als Achse des Plattentellers dient, sondern war auch einer der ersten Hersteller, der den hochentwickelten S-förmigen Tonarm auf den Massenmarkt brachte. Daher beschloss ich, dass ein Technics-Deck ein würdiger Kandidat für eine Untersuchung sein würde.

    Der kultigste Plattenspieler der Marke ist wohl der SL-1200. Meines Wissens ist er auch der am längsten produzierte Plattenspieler der Welt. Er kam im Oktober 1972 auf den Markt, nur einen Monat nachdem ich geboren wurde, und wurde bis 2010 produziert. Nach einer sechsjährigen Pause während der Vinyl-Krise wurde die Produktion dann 2016 wieder aufgenommen. Obwohl der SL-1200 in erster Linie als High-Fidelity-Plattenspieler für Endverbraucher gedacht war, wurde er dank seiner hervorragenden Verarbeitungsqualität und seines drehmomentstarken Motors sofort ein Erfolg bei Radiosendern und Diskjockeys in Clubs. Bis heute wurden mehr als 3 Millionen Exemplare dieses Players verkauft. Und wenn man bedenkt, dass er nun wieder in Produktion ist, zählen wir immer noch weiter. Vielleicht ist es daher keine Überraschung, dass ein SL-1210 Plattenspieler im Londoner Wissenschaftsmuseum ausgestellt ist, als eine der technischen Ikonen, die unsere moderne Welt geprägt haben.

    Da so viel über den SL-1200 gesagt und geschrieben worden war, waren auch die Preise für gebrauchte Exemplare zum Zeitpunkt meiner Suche recht hoch. Das galt selbst für Exemplare, die in relativ schlechtem Zustand und durch Clubs etc. geschleift worden waren. Ungeachtet des Zustands schien allein der Name des Herstellers einen höheren Preis zu rechtfertigen. Ich beschloss daher, mich nach Technics-Plattenspielern umzusehen, die ein ähnlich anspruchsvolles Design boten, aber vom Mainstream weniger beachtet wurden. Bald fand ich heraus, dass der Technics 1310 viel von der gleichen Technologie wie sein berühmter Bruder bot, allerdings zu einem weitaus niedrigeren Preis. Und da dieser hauptsächlich in heimischer Umgebung verwendet wurde, war die Wahrscheinlichkeit, dass er zuvor von Club zu Club geschleppt worden war, eher gering. Mir schien, dass die Hauptunterschiede zwischen den beiden Plattenspielern in ihrer Fähigkeit lagen, Chassisresonanzen zu absorbieren, die exakte Geschwindigkeit bei physischer Krafteinwirkung auf den Plattenteller beizubehalten, und in der Belastbarkeit der unteren Wanne. In all diesen Disziplinen hatte der SL-1200 eindeutig die Oberhand.

    Und dennoch kann man den SL-1310 mit Fug und Recht als audiophilen Plattenspieler bezeichnen, auch wenn er nicht dafür gebaut wurde, als professioneller DJ oder Radioplayer herumgetragen zu werden. Für die von mir beabsichtigte Verwendung in unserer häuslichen Umgebung bot der SL-1310 alle relevanten Funktionen, ohne das hohe Preisschild seines robusteren Geschwisters. Ich begann, meine Suche auf den SL-1310 einzugrenzen und stellte fest, dass rissige untere Chassis-Wannen eher die Regel als die Ausnahme waren. Es schien mir, dass das kombinierte Gewicht des oberen Aluminiumgehäuses und des Plattentellers einfach zu viel Gewicht für das untere Kunststoffchassis war, besonders wenn der Technics unvorsichtig bewegt wurde. Andere Exemplare hatten hässliche Kratzer entlang der Vorderseite oder wiesen Verfärbungen des Gehäuses auf, wo sie häufig berührt wurden. Bei einigen fehlten Staubschutzdeckel oder diese waren gebrochen, die Mechanik war defekt, oder es fehlte einfach der Tonabnehmer oder die Nadel. Positiv ist zu vermerken, dass die meisten dieser Symptome relativ leicht zu erkennen waren. Ich beschloss daher, mich auf SL-1310 zu konzentrieren, die optisch intakt waren, und dann dafür zu sorgen, dass die Funktionalität wiederhergestellt wurde.

    Das Exemplar, das ich schließlich kaufte, schien beides zu bieten. Das Gehäuse und die Abdeckung waren in ausgezeichnetem Zustand mit nur einem winzigen Haarkratzer auf der Vorderseite. Er war immer noch mit dem originalen Shure M75 Tonabnehmer und der ED-Nadel ausgestattet, ein klares Zeichen dafür, dass dieser Player nicht viel benutzt worden war. Das untere Kunststoffgehäuse war nicht beschädigt. Der Preis war immer noch relativ hoch, wenn man bedenkt, dass der Player fast ein halbes Jahrhundert alt war, aber ich beschloss, bei meinem Besuch beim Besitzer offen zu sein. Wenn der Zustand wie beschrieben war, war der höhere Preis vielleicht gerechtfertigt.

    Als ich ankam, fand ich den Player im Keller aufgestellt. Er war an die Stromversorgung angeschlossen, aber ohne Audiosignalanschluss. Ich wurde darüber informiert, dass der Besitzer alle seine ursprünglichen HiFi-Komponenten verkauft hatte und auf bequemere Bluetooth-Geräte umgestiegen war. Der SL-1310 war das letzte Überbleibsel aus den glorreichen Tagen seiner HiFi-Anlage. Und obwohl er sich daran erinnerte, dass sein Plattenspieler in funktionstüchtigem Zustand war, als er ihn vor sieben Jahren weggestellt hatte, stellten wir fest, dass viele der ursprünglichen Funktionen nicht mehr intakt waren. Das automatische Cueing traf nicht den Anfang der Platte. Stattdessen landete die Nadel irgendwo zwischen den Liedern, unabhängig von der Einstellung des Plattendurchmessers. Es gelang uns, die Geschwindigkeit für 33 U/min korrekt einzustellen, aber beim Versuch, die Plattengeschwindigkeit für 45 U/min zu stabilisieren, schlugen alle Versuche fehl. Etwas verwirrt von der Anzahl der Probleme, schätzten wir den Preis für die Reparatur, und er bot an, diese Kosten vom Angebotspreis abzuziehen. Unter diesen Umständen war ich gerne bereit, dem Geschäft zuzustimmen.

    Als ich den Technics zu Hause anschloss, stellte ich fest, dass der linke Audiokanal des Players nach ein paar Minuten Spielzeit ausfiel. Es gelang mir, ihn wieder einzuschalten, indem ich das Cinch-Kabel wieder anschloss, aber kurz darauf fiel der linke Kanal erneut aus. Im Gegensatz zu unserem Sansui SR-525 waren alle Technics-Plattenspieler dieser Zeit mit nicht abnehmbaren Cinch/RCA-Verbindungen ausgestattet, was es schwierig machte, das Kontaktproblem des linken Kanals zu lokalisieren, und was auch ein Hindernis für die Verbesserung der klanglichen Fähigkeiten des Players darstellte. Ich erstellte daher eine Liste aller Mängel und fügte hinzu, dass hochwertige Cinch/RCA-Buchsen installiert werden sollten. Glücklicherweise hatte unser erfahrener Audiotechniker für solche Angelegenheiten immer etwas Zeit, und ich fuhr am nächsten Tag zu einem Besuch vorbei.

    Was die Produktinnovation betrifft, so führte der SL-1310 das Konzept des Direktantriebs noch einen Schritt weiter als die ursprünglichen Designs. Während bei den meisten Plattenspielern der damaligen Zeit, einschließlich des Sansui, die großen Motoren zentral unter dem Plattenteller saßen, was eine gewisse Mindesthöhe erforderte, diente bei der überarbeiteten Technics-Konstruktion der Plattenteller selbst als Rotor und das Chassis des Players als Stator. Dadurch konnte der Plattenspieler eine niedrigere Silhouette haben, weniger Teile verwenden, weniger Wärme abführen, den Stromverbrauch auf weniger als 0,1 Watt senken und Resonanzen verringern. Die Geschwindigkeitsgenauigkeit war damals mit nur 0,1 % Abweichung über 30 Minuten Spielzeit klassenführend. Es wird oft behauptet, dass die Schneidemaschinen für Platten der damaligen Zeit weniger genau waren als dieser Technicsantrieb. Aufgrund des langsam drehenden Motors wurden Rumpelgeräusche meist außerhalb des relevanten Frequenzbandes, nämlich zwischen 20 und 35 Hz, festgestellt. Die beiden gemessenen Spitzenwerte liegen bei etwa 22 und 34 Hz. Und natürlich zeigte der ikonische Technics-Teller einen breiten, konischen Rand mit Strobe-Markierungen für 33-1/3 und 45 U/min-Synchronisation bei 50 oder 60 Hz, also insgesamt vier gepunktete Linien.

    Wie sich herausstellte, litt unser SL-1310 vor allem unter Korrosion an den Schaltern, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatte. Dies wurde höchstwahrscheinlich durch Feuchtigkeit begünstigt, während er im Keller gelagert wurde. Wir entdeckten, dass die meisten Schalter zur Wartung auseinandergenommen werden konnten. Nur einer von ihnen, der Schalter zur Einstellung der Plattengröße, war nicht mehr zu reparieren und musste ersetzt werden. Zwei Löcher wurden in die Rückseite des Plattenspielers gebohrt, um die neuen Cinch-/RCA-Buchsen aufzunehmen. Dieser Schritt ermöglichte es mir, meine eigenen Verbindungskabel mit diesem Gerät zu verwenden - eine scheinbar kleine Verbesserung, die sich jedoch erheblich auf den Klang auswirkt. Es stellte sich heraus, dass der fehlerhafte linke Kanal durch einen Wackelkontakt im Shure-Tonabnehmer selbst verursacht wurde. Wir beschlossen, den betreffenden Stift mit einem Lötkolben zu erhitzen, bis wir ihn ein paar Millimeter in das Tonabnehmergehäuse drücken konnten. Der Trick funktionierte, und beide Kanäle spielten wieder Musik.

    Zu Hause schloss ich den Technics SL-1310 an unser Bürosystem an und war sehr zufrieden mit seiner Leistung und der Handhabung. Ich stellte den 'Memo-Repeat'-Regler auf 'drei (3)' und der Plattenteller begann sich leise zu drehen. Dann zog ich den Hebel nach unten in die Position "Start". Der Player reagierte, indem er den Tonarm sanft anhob und ihn am Anfang des ersten Titels absetzte. Ich bemerkte, dass die Nadel vielleicht etwas sanfter hätte aufgesetzt werden können. Der kleine Knall, den sie beim Ausetzen erzeugte, hielt sich aber noch in Grenzen. Der Shure M75 Tonabnehmer mit elliptischer Abtastnadel war damals ein guter Mittelklasse-Tonabnehmer und konnte nicht mit dem Shure V15 mithalten, der standardmäßig in deutschen High End Dual-Plattenspielern zu finden war. Das M75 ED lieferte jedoch in typischer Shure-Manier einen warmen und zarten Klang mit langem Abklingverhalten. Es hatte vielleicht nicht den Bass-Slam des Shure 6S, aber es spielte präzise und liebenswert. Es schien mir, dass ein Upgrade auf den V15-Tonabnehmer, vielleicht mit einer Jico-Ersatznadel, eine willkommene, aber kostspielige Alternative für einen späteren Zeitpunkt wäre.

    Der Technics SL-1310 selbst könnte sicherlich eine zusätzliche Entkopplung des Chassis vertragen. Von Anfang an fiel mir auf, dass jede Berührung des Racks einen ähnlichen Knalleffekt hatte wie die Berührung eines Mikrofons. Dieser Effekt verschwand vollständig, nachdem ich den Technics auf vier Oehlbach-Isolationspads gestellt hatte. Da der Player mit seinem Aluminiumteller und dem Aluminiumtopchassis recht schwer ist, blieb er trotz der Weichheit der Pads erstaunlich stabil. Zu den Eigenschaften, die ich an diesem Player am meisten schätze, gehören seine automatischen Funktionen, die es mir ersparen, in den kleinen Raum unter der Dachschräge zu kriechen, wo unsere Anlage steht, und seine lebensechte dreidimensionale Darstellung der Musik. In Verbindung mit unserer Hafler XL-280-Endstufe und den Tannoy-Lautsprechern wird ein tiefes holografisches Bild der Bühne direkt vor mir in den Raum projiziert. Gar nicht schlecht, vor allem für ein Deck, das fast ein halbes Jahrhundert alt ist.

    Technische Daten

    • Typ: vollautomatischer Plattenspieler mit Direktantrieb

    • Plattenteller: 312 mm Aluminium-Druckguss

    • Geschwindigkeiten: 33 und 45 U/min

    • Motor: Ultra-Low-Speed, bürstenloser DC-Motor

    • Leistungsaufnahme des Motors: < 0,1 Watt

    • Gleichlaufschwankung: < 0,03% WRMS

    • Rumpeln: - 70 dB

    • Tonarm: S-förmig, röhrenförmig, 4-poliger Anschluss

    • Wirksame Länge: 230 mm

    • Effektive Masse: 23g (inkl. 6g Tonabnehmer)

    • Einstellung der Abtastkraft: 0,25 bis 3g in 0,1g Schritten

    • Gewichtsbereich der Patrone: 4,5 - 9g

    • Abmessungen: (B) 430 mm x (H) 130 mm x (T) 375 mm

    • Leistungsaufnahme: 8,0 Watt

    • Stromversorgung: AC 110 - 240V, 50/60 Hz

    • Gewicht: 9,4 kg

    • Jahr(e): 1975 - 1977


    Musik by Cara live music
  • Thorens TD320

    Thorens TD320

    10.3.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Turntables

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Viele Jahre lang stand der Thorens DT 320 an der Spitze meiner Liste der begehrtesten erschwinglichen Plattenspieler, da er bereits einige audiophile Merkmale aufwies, die erst viel später ihren Weg in moderne "High-End"-Designs finden sollten. Als er 1984 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war der TD 320 das Spitzenmodell der Thorens 300er-Serie und galt auch allgemein als Spitzenmodell. Die frühen Modelle waren mit dem Tonarm TP16 MK-III ausgestattet. Später wurde dieser durch den MK-IV-Tonarm abgelöst, der auch bei dem hier gezeigten Modell zum Einsatz kam. Damit fällt unser Exemplar in die Modelljahre von 1986 bis 1988. Die 300er-Serie war eine der erfolgreichsten Modellreihen von Thorens und wurde später um einige neue und überarbeitete Versionen erweitert: TD 325, TD 2001 und den TD 3001.

    Der TD 320 verfügte über ein an 3-Punkt-Blattfedern aufgehängtes Subchassis, das den Tonarm und Plattenteller von den Vibrationen des Motors getrennt hielt. Die Verwendung von Blattfedern erwies sich im Vergleich zu früheren Spiralfederkonstruktionen als vorteilhaft, da sie das Wackeln auf der horizontalen Achse begrenzten. Um die Auswirkungen der Schwingungen des Transformators zu eliminieren, wurde der TD 320 mit einem separaten Netzteil ausgestattet. Obwohl das Original-Netzteil von Thorens einfach in den Netzstecker eingebaut war, gehörte die Aufrüstung des Netzteils gleichsam zu den ersten und praktikabelsten Tuningmöglichkeiten für den TD 320. Das hier gezeigte Netzteil wurde von dem französischen Audiovertrieb 'Audiophonics' verkauft. Es ist linear und rauscharm aufgebaut und verfügt über spezielle EMI- und RFI-Filter. Sein Ausgang ist auf 1,25 A und 16 V ausgelegt. Durch die Unterbringung des Netzteils auf einem separaten Regalbrett werden Vibrationen des Netzteils vom Musiksignal effektiv eliminiert.

    Der Thorens TP16 MK-IV Tonarm verfügt über einstellbare horizontale und vertikale Lager, um das Spiel des Tonarms auf ein Minimum zu reduzieren. Die schwarze Staubschutzkappe auf der Oberseite des Zapfens konnte abgenommen werden, um einen einfachen Zugang zum oberen Lager zu ermöglichen. Im Gegensatz zu vielen seiner ausländischen Zeitgenossen war der MK-IV-Tonarm mit einem festen Headshell ausgestattet, das nicht einfach ausgetauscht werden konnte. Seine starre Hülse wurde auf das Aluminiumrohr des Tonarms geflanscht und mit einer einzigen Schraube befestigt. Der vertikale Abtastwinkel (VTA) der Tonabnehmer-Nadel-Kombination konnte durch Lösen der Schraube und Drehen des Headshells in die richtige Position gebracht werden. Dieses simplistische System wies jedoch einige Mängel auf. Zum einen konnte sich das Verdrehen der Headshell auf dem Tonarm negativ oder sogar schädlich auf die empfindlichen Tonarmlager auswirken. Zweitens konnte das regelmäßige Lösen des Arms aus der Thorens-typisch zu fest sitzenden Tonarmklemme die VTA-Einstellung negativ beeinflussen. Und drittens führte das Anziehen der Headshell-Schraube fast zwangsläufig dazu, dass sich der vertikale Abtastwinkel erneut in unvorhersehbarer Weise veränderte. Andererseits konnte der schnörkellose Anti-Skating-Mechanismus des Arms auch bequem über eine einzige Schraube eingestellt werden. Dieser beeinflusste die Position der Dauermagnete und funktionierte eigentlich ganz gut.

    Als ich unseren TD 320 von einem privaten Verkäufer im Taunus bei Frankfurt abholte, war er in einem denkbar schlechten Zustand. Das Holzfurnier hatte einen Großteil seines Glanzes verloren, die Staubschutzhaube war stark verkratzt. Die 3-Punkt-Aufhängung hatte sich auf der Innenseite gelöst, und der Plattenteller stand schief und schabte bei jeder Umdrehung über den Sockel. Der Antriebsriemen war lose und musste ersetzt werden, und der gelbe Original-Tonabnehmer der Marke Linn (OEM von Audio Technica) hatte eine stark abgenutzte Nadel. Ich stellte den Thorens auf den Rücksitz unseres Autos und fragte mich, wie viel Zeit und Mühe es kosten würde, diesen einst großartigen Plattenspieler wieder in seinem ursprünglichen Glanz erstrahlen zu lassen.

    Ich kaufte einen neuen Antriebsriemen von Thakker.eu, reparierte und justierte die 3-Punkt-Aufhängung, bis sie das Tonarm-Brett wieder in der richtigen Höhe und Ebene hielt. Ich benutzte Möbelpolitur, um den ursprünglichen Holzglanz des Sockels wiederherzustellen. Nach einem kurzen Intermezzo mit einem Sumiko Olympia-Tonabnehmer (den ich schließlich frustriert an Thakker zurückschickte), habe ich unseren Audio Technica VM95 ML-Tonabnehmer installiert - mit einem sehr positiven Ergebnis. Da sowohl der Sumiko als auch der Audio Technica Tonabnehmer einen niedrigeren Korpus als der Originaltonabnehmer hatten, musste ich auch die Tonarmhöhe anpassen, damit der Arm während der Wiedergabe auf gleicher Höhe mit der Schallplatte ist. Ich ersetzte das Original-Netzteil durch das von Audiophonics und entfernte die Original-Filzpolster unter dem Sockel, um sie durch höhenverstellbare Kupferspikes zu ersetzen. Entschlossen, die Staubschutzhaube zu restaurieren, zeigte ich sie meinem Freund Thomas, der ein Experte für Karosserie- und Lackierarbeiten ist. Er bot mir an, sie abzuschleifen und zu polieren. Als er sie mir eine Woche später zurückgab, sah die zerkratzte alte Abdeckung aus, als käme sie frisch vom Händler.

    Die Musikwiedergabe mit dem TD 320 und einem Audio Technica VM95 ML Tonabnehmer ergab einen warmen, ausgewogenen und natürlichen Klang. Die Hintergrundgeräusche waren gering, und die Kanaltrennung war hervorragend. Es herrschte ein Gefühl von eleganter Zartheit, eingebettet in glaubwürdige Tonalität und exzellenten musikalischen Fluss. Das VM95 ML war ein hervorragender Tracker und arbeitete gut mit dem TP16 MK-IV Tonarm zusammen. Das Sumiko hingegen wirkte eher basslastig und weniger kultiviert mit ständigen Verzerrungen und Zischlauten, vor allem in den inneren Rillen von Schallplatten, was auch der Grund dafür war, dass ich es zurückschickte. Ich fand, dass sich der TD 320 in Kombination mit dem Audio Technica VM95 ML für klassische Musik und Jazz eignete und für all diejenigen, die einen entspannten und einfühlsamen Klang und nicht so sehr die direkte Attacke suchen. Es war vielleicht nicht die fesselndste Kombination, und ich habe mich manchmal gefragt, wie ein lauterer und ungestümer Ortofon 2M Bronze-Tonabnehmer in der Gesamtbilanz abschneiden würde.

    Der TD 320 weist noch einige Konstruktionsmängel auf, denen ich mich vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt annehmen werde. Ein Blick unter die Haube zeigte zum Beispiel, dass die Audiosignale tatsächlich parallel zu einem Teil der Leistungs- und Schaltelektronik liefen, ein Umstand, den ich für mehr Dynamik und Transparenz zu ändern gedenke. Hinzu kam die fragwürdige Qualität der auf dem Plattenspieler vorinstallierten Verbindungskabel. Möglicherweise könnte man ein besseres Ergebnis erzielen, wenn man auf ein silbernes Solid-Core Kabel aus unserer bewährten HBS-Serie umsteigen würde. Sowohl der Plattenteller als auch der Sockelboden könnten von zusätzlichen Dämpfungsmatten profitieren. Das Subchassis könnte neu justiert werden, um die Verwendung eines zusätzlichen Plattengewichts zu ermöglichen, usw. Vorerst war ich jedoch sehr glücklich, einer der Legenden in der Welt des Plattenspieler-Designs neues Leben eingehaucht zu haben. Mir war klar, dass man mit dem TD 320 viel mehr Spaß haben konnte, als mit einem der schnittigen und modernen direkt angetriebenen Decks aus Japan. Allerdings war der Thorens im täglichen Umgang etwas komplizierter und schrie förmlich: Vorsicht, mit Bedacht behandeln!

    Thorens Unternehmensgeschichte

    Thorens wurde 1883 in der Stadt Sainte-Croix in der Schweiz gegründet. Ähnlich wie die deutsche Dual begann Thorens als Spezialist für Uhrwerke, bevor die Manufaktur ab 1903 Phonographen produzierte. Die ersten Plattenspieler des Unternehmens stammen bereits aus dem Jahr 1928. Damit ist Thorens einer der ältesten existierenden Hersteller von Plattenspielern weltweit.

    In den 1950er und 1960er Jahren produzierte Thorens eine Reihe von anspruchsvollen Plattenspielern für den privaten und professionellen Gebrauch, die bis heute als audiophile High-End-Geräte gelten. Der TD150 MK II wurde von 1965 bis 1972 für den privaten Markt produziert, und der schwer ausgeführte TD 124 war bei Audiophilen und Tonstudios gleichermaßen beliebt. Er wurde von 1957 bis 1965 hergestellt.

    Nach dem Konkurs von Thorens im Jahr 1999 übernahm die neu gegründete "Suisse Thorens Export Company" die Thorens-Aktiva und führte die Produktion und den Vertrieb von Thorens-Plattenspielern unter der Leitung von Heinz Roher fort. Im Mai 2018 übernahm Gunter Kürten das Unternehmen und verlegte den Sitz nach Bergisch Gladbach in Deutschland. Zu den aktuellen Modellen gehören der TD 124 DD, der TD 1500 mit TP 150 Tonarm und SME Headshell sowie der ähnlich ausgestattete TD 403 DD.

    Technische Daten

    • Antriebsart: einstufiger Riemenantrieb
    • Motor: 16-poliger Synchronmotor, 16V
    • Geschwindigkeit des Plattentellers: 33 und 45 U/min
    • Drehzahlregelung: 2-Phasen-Generator
    • Plattenteller: 3,1 kg, 300 mm, Zinklegierung, dynamisch ausgewuchtet
    • Gleichlaufschwankungen: 0.035%
    • Rumpeln: > 72 dB
    • Tonarm: TP16 MK IV
    • Länge des Tonarms: 232 mm
    • Drehpunkt zu Spindel: 215,6 mm
    • Effektive Masse: 12,5 g
    • Überhang: 16,4 mm
    • Offset-Winkel: 23 Grad
    • Abmessungen: 440 mm x 350 mm x 170 mm
    • Gewicht: 11 kg (plus Netzteil)
    • Netzgerät: Audiophonics LPSU25 (China)
    • Versorgungstyp: 25 VA, linear geregelt, EMI RFI-Filter
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr(e): 1986-1988

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Radioempfänger

Radioempfänger

Manche Leute werden behaupten, dass die Zeit der analogen Radiotuner vorbei ist und dass es bessere Möglichkeiten gibt, Signale zu empfangen und in Klang zu verwandeln. Doch trotz vieler Ankündigungen, dass das analoge Radio aus dem öffentlichen Rundfunk verschwinden wird, ist das analoge Radio immer noch eher die Norm als die Ausnahme. Das mag an der großen Reichweite des Signals in abgelegenen Gebieten liegen, die noch nicht vom digitalen Netz abgedeckt sind, es mag an der Anzahl der noch vorhandenen analogen Radios liegen, und es mag auch eine seltsame Form von Nostalgie sein.

Wie dem auch sei, man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Befürworter des analogen Rundfunks, die aufgrund seiner klanglichen Fähigkeiten daran hängen, nur wenige sind, auch wenn sie hier vielleicht ein berechtigtes Argument haben, das wichtiger sein dürfte als die anderen. In klaren Nächten hat der analoge Klang immer noch seinen sanften und besonderen Charme, einfach deshalb, weil er nicht ins Digitale übersetzt wird. Und deshalb gibt es ein Element der süßen Liebkosung für die Ohren, das mehr ist als bloße Romantik, weil es eine Sehnsucht befriedigt, die in der Tat sehr menschlich ist.

  • Nikko FAM 600

    Nikko FAM 600

    20.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Tuners

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nikko Audio war eine Abteilung des japanischen Elektronikunternehmens Nikko Electric Industry Co, das 1933 in Kanagawa gegründet wurde. Die Audiokomponenten des Unternehmens erlangten schnell einen guten Ruf, doch die Marke erreichte nur eine begrenzte Verbreitung, und während eines allgemeinen Marktrückgangs in den 90er Jahren musste die Nikko-Audio Abteilung wieder geschlossen werden.

    Die Geschichte des Unternehmens Nikko Audio liest sich wie eine Achterbahnfahrt zwischen einem echten Interesse an qualitativ hochwertigen Produkten und einem unerklärlichen Misserfolg beim Versuch, diese weltweit zu verkaufen. Das ursprüngliche "Nikko Electric Works" wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Entwickler, Hersteller und Installateur von Kommunikationstechnik und elektrischen Geräten in Japan neu gegründet. In jenen frühen Jahren stellte Nikko hauptsächlich Sicherungen für die japanische Staatsbahn her - bis die Tochter des Chefs einen jungen audiophilen Burschen heiratete, der angeblich "goldene Ohren" hatte und seinen Schwiegervater überredete, eine Reihe von HiFi-Produkten auf den Markt zu bringen, was in den späten 1960er Jahren begann. Der Schwiegersohn verstand zwar etwas von gutem Klang, interessierte sich aber nur am Rande für die Vermarktung seiner Produkte, so dass er zunächst Geräte entwickelte, die zwar sehr gut, aber auch sehr teuer und damit schwer zu verkaufen waren.

    Da die Audio-Division in den 1970er Jahren kaum noch Erträge erwirtschaftete, war Nikko gezwungen, seine Strategie zu überdenken und sich in verschiedene ausländische Tochtergesellschaften auszugliedern. Die Produktpalette wurde gestrafft, und die meisten der frühen High-End-Geräte wurden zugunsten von preiswerteren und daher besser vermarktbaren Geräten entfernt. Obwohl die Produktqualität mit der Konkurrenz mühelos mithalten konnte, blieben die Umsätze aus, was vor allem an ihrem zu konservativen Erscheinungsbild lag. Im Gegensatz zu Sony oder anderen großen Namen mit ihren gebürsteten Aluminiumfronten konnten (oder wollten) die Nikko-Designer diesem Trend nicht folgen und hatten es daher schwer, sich auf dem Markt zu behaupten.

    Eine spätere Umstrukturierung der Produktpalette sah die Einführung von Kompaktgeräten im unteren und mittleren Preissegment vor. Unter anderem mit diesen Produkten trat Nikko auch in den deutschen Markt ein; sie wurden über verschiedene Importeure eingeführt und dann vorzugsweise über Kaufhausketten oder den Versandhandel (also das Low-Cost-Segment) verkauft. Schon bald waren der Name und die noch relativ unbekannten, aber zu großer Form auflaufenden Produkte wieder verschwunden, und das Unternehmen stellte nach dem allgemeinen Markteinbruch nach der Asiengrippe Ende der 90er Jahre seine Tätigkeit endgültig ein.

    Der hier gezeigte Tuner FAM 600 ist von elegantem Design, nicht nur äußerlich, sondern auch in Bezug auf die Einfachheit des Innenlebens. Er war bereits mit Ausgängen für die quadrophonische Nutzung ausgestattet (die große Idee zu dieser Zeit) und fühlt sich durch die Wahl der Materialien gut an. Die High-End-Herkunft des Unternehmens ist bei diesem Gerät immer noch zu spüren. Obwohl es bessere Tuner in den höheren Preisklassen z.B. von Sansui gibt, bietet dieses Gerät eine großartige Möglichkeit, analoges Radio von seiner besten Seite zu erleben. Wie analoge Hörer bestätigen werden, gibt es Radiowetter - und dann gibt es diese anderen Zeiten, in denen etwas im Universum einfach nicht stimmt. In guten Hörnächten hat das analoge Erlebnis, wenn alles richtig gemacht wird, die ganze Magie, die wir brauchen, um uns immer wieder zu verlieren.

    Technische Daten

    • Hersteller: Nikko Electric Manufacturing Co. Ltd. in Tokio
    • Produkteinführung: 1975
    • Kategorie: Stereo-Rundfunkempfänger, Tuner nach WW2
    • Hauptprinzip: Superheterodyn
    • Gehäuse: Kupfergehäuse, gebürstete Aluminiumfront, Holzgehäuse
    • Abmessungen: 380 x 130 x 300 mm
    • Gewicht: 5kg

    Bildbeschreibung:

    Von der oberen Mitte aus im Uhrzeigersinn gehend erkennt man die Rückseite des Bedienfeldes, den Transformator und darunter die Platine des optimierten Netzteils. Die 5-polige DIN-Buchse befindet sich in der unteren rechten Ecke, ungünstigerweise direkt über dem Netzkabel. Die Antenneneingänge befinden sich in der unteren linken Ecke und darüber liegt die Hauptplatine des Tuners. Der große Drehkondensator des Tuners befindet sich oben links auf der Platine. Ein Kupfer-Sandwichboden schützt die Unterseite der Platine vor elektrischen Einstreuungen, wobei die gesamte interne Verdrahtung unsichtbar bleibt.


CD-Spieler

CD-Spieler

Die CD bietet Musikgenuss in guter Qualität in einem kompakten digitalen Format. Sie bietet eine Abtastrate von 44,1kHz bei einer Tiefe von 16 Bit pro Sample. Die Parameter wurden so gewählt, dass sie den gesamten Bereich des menschlichen Gehörs von 20Hz bis 20kHz abdecken. Obwohl dies ausreichen sollte, um die meisten musikalischen Informationen in Bits und Bytes wiederzugeben, werden CDs in jüngster Zeit häufig durch Downsampling und/oder Bitratenreduzierung erzeugt - z. B. wenn die Masterdatei mit einer Abtastrate von 192 kHz und einer Tiefe von 24 Bit aufgenommen wurde, wie es bei Jazz und klassischer Musik üblich ist. Seitdem wurden Versuche unternommen, die Abtastrate und die Bittiefe in Formaten wie SACD und BlueRay Audio zu erhöhen, aber diese scheiterten an einem Markt, der dem Bereich der hochwertigen Audiodateien bereits zugunsten von Komfort-Audiodateien wie MP3 und Musikabrufdiensten den Rücken gekehrt hatte.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Verkäufe von Vinyl-Schallplatten kürzlich, erstmals seit einem Vierteljahrhundert, wieder die von CDs überholt haben. Angesichts der Tatsache, dass audiophile Hörer in Scharen zu den modernen hochauflösenden Streaming-Diensten strömen, ist der Besitz von Schallplatten zu einem seltenen Privileg geworden, das am besten durch das akribische Ritual des Abspielens und Aufbewahrens von Schallplatten zelebriert wird. Dennoch kann man mit CD-Playern immer noch jede Menge Spaß haben, denn es gibt mehr Möglichkeiten, sie einzustellen und ihnen ein audiophiles Erlebnis zu entlocken, als man auf den ersten Blick vermuten mag.

Um möglichst viele Nutzungsmöglichkeiten zu haben, sollten Sie darauf achten, dass Ihr CD-Player neben dem üblichen Toslink-Anschluss auch über einen digitalen Koax-Ausgang verfügt und natürlich auch über einen Cinch-/RCA-Anschluss.

  • Denon DCD 1500 II

    Denon DCD 1500 II

    12.4.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nachdem ich nun schon einige Zeit den kleineren Bruder, einen Denon DCD-1420 besitze, offenbarte ein Blick unter dessen Haube größere Platzierungsmarkierungen um die kleinen Kondensatoren herum, die die Abmessungen größerer Bauteile andeuteten, die beim "echten", nämlich dem größeren DCD-1500-Gerät verwendet wurden. Und obwohl der DCD-1420 auch nach vier Jahrzehnten ein zuverlässiger Mittelklasse-Player blieb, habe ich mich des Öfteren gefragt, was ich wohl hätte erleben dürfen, wenn ich stattdessen das voll ausgestattete Gerät gekauft hätte.

    Als Luigi mir dann zwei CD-Player zeigte und mich fragte, welchen von beiden ich kaufen würde, tendierte ich deshalb stark zum Denon DCD-1500 II. Die Fotos, die wir sahen, zeigten ihn in gutem gebrauchten Zustand, aber sie waren alles andere als beeindruckend. Sowohl die Größe als auch das Design des Denon ließen nicht auf seine außergewöhnliche Verarbeitungsqualität und internen Vorzüge schließen. Für mich sah er einfach aus wie ein weiterer CD-Player. Dieser Eindruck änderte sich, als ich Luigi besuchte und den Player mit eingeschaltetem Display in einem richtigen HiFi-Rack stehen sah. Obwohl sich seine Größe nicht verändert hatte und sein Design immer noch ein Understatement war, strahlte er jetzt eine aufgeräumte Ernsthaftigkeit aus, die mich sofort neugierig machte. Das war ganz sicher auf einem anderen Niveau als mein 1420er.

    Luigi spielte mir ein paar Songs auf dem Denon DCD-1500 II vor, bevor er auf Vinyl umstieg. Normalerweise schätze ich den Übergang von digital zu analog, aber ich merkte, dass ich ein wenig traurig war, den 1500 schon so schnell nicht mehr hören zu können. Vielleicht lag das daran, dass das aufgeräumte Aussehen des Players auch in der Musik wunderbar präsent war. Der Player klang zwar keineswegs spektakulär, aber die Musik hatte einfach diesen Hauch von Verlässlichkeit, der sie für meine Ohren liebenswert machte. Ich hatte sofort das Vertrauen, dass dieser Player angenehm klingen würde. Das Fehlen dieser Qualität ist oft ein Problem bei CD-Playern; wenn audiophile Geräte als analog oder warm klingend bezeichnet werden, ist damit eigentlich eher deren klangliche Verlässlichkeit als das große Spektakel gemeint.

    Luigi schlug mir vor, den Denon mit nach Hause zu nehmen, ihn weiter zu erforschen und vielleicht einen Bericht darüber zu schreiben, wozu ich gerne bereit war. Als ich in Begriff war zu gehen und den Denon aus dem Regal hob, war ich von seinem Gewicht überrascht. Einen Moment lang fühlte er sich an, als wäre er an die Bretter geklebt worden. Dieser Aspekt des Players ist so gut versteckt, dass er mich überraschte, obwohl ich in der Anzeige ja gelesen hatte, dass er fast 10 kg wiegt. Bei einem größeren und höherwertigen Verstärker hätte mich das Gewicht nicht überrascht, aber bei einem japanischen Standardgerät für den Endverbraucher war ich durchaus positiv überrascht.

    Als ich nach Hause kam, stellte ich den Denon auf unseren Konferenztisch und öffnete das Gehäuse, um unter die Haube zu schauen. Während die obere Abdeckung aus dem gleichen gebogenen Metall bestand, wie es bei heutigen Geräten üblich ist, fand ich auf der Innenseite der Abdeckung eine 4 mm dicke Bleiplatte aufgeklebt. Dieses trug sicherlich dazu bei, die typischen Laufwerks- und Chassisresonanzen in Schach zu halten und erhöht außerdem die Widerstandsfähigkeit des Geräts gegenüber von außen kommenden Vibrationen. Ich vermute, dass jeder eine Bleitafel unter die Abdeckung seines CD-Players kleben könnte, um den gleichen Effekt zu erzielen, aber wenn ich an meinen DCD-1420 denke, sehe ich, wie sinnlos das wäre, wenn man bedenkt, dass er nicht einmal aus Denons Full-Size-Bauteilen hergestellt wurde.

    Bei der ersten Inbetriebnahme des DCD-1500 II in unserem Rack fiel mir auf, dass einige der Tasten auf der Vorderseite tatsächlich aus Metall sind. Das hat einige Vorteile, wenn es um die Haltbarkeit geht. Bei unserem silbernen 1420 zum Beispiel haben einige der häufiger benutzten Tasten bereits ihren Silberglanz verloren. Das war beim 1500er nicht der Fall. Wie viele andere Denon-Player verfügt auch der 1500 über einen festen und einen variablen Ausgang, was in manchen Fällen sehr praktisch sein kann. Für den Hörtest habe ich den festen Ausgang verwendet, um den Klang nicht unnötig zu verstärken. Das CD-Laufwerk ist von hervorragender Qualität, und die Schublade lässt sich prompt und schnell öffnen.

    In unserem Wohnzimmer musste der 1500 mit dem 16 Jahre jüngeren und 3,7 kg leichten Rega Planet 2000 CD-Player konkurrieren, der unsere tägliche Wahl für das Abspielen von CDs war. Bei beiden Geräten wurde ein neuartiges, speziell für eiaudio.de angefertigtes, nicht vollständig eingelaufenes Silber-Solid-Core mit KLE Innovations Silbersteckern verwendet. Das hieß auch, dass sich die Basswiedergabe nach zwei Wochen Spielzeit noch nicht vollständig entwickelt hatte. Da dies zu diesem Zeitpunkt unser bestes Verbindungskabel war, beschloss ich, trotz dieses kleinen Fehlers bei diesem Kabel zu bleiben. Der gespielte Song war "No Moon at All" von Diana Krall's 'Turn up the Quiet' Album.

    Die Rega kam zuerst und spielte diesen Song mit realistischer Dimension und Tonalität. Ich fand, dass das Timing manchmal besser hätte sein können, und der Player zeigte eine leichte Tendenz, die Musik zu schleppen, aber insgesamt war es eine akkurate Darstellung mit viel Wärme, musikalischem Detail, Größe und natürlichem Raum um die Instrumente herum. Der DCD-1500 II kam als nächstes und spielte im Vergleich dazu etwas dunkler und voller, mit einem auffallenden dreidimensionalen Reichtum in Diana Kralls Stimme. Die Stimme von Diana Krall wurde nicht ganz so detailliert wiedergegeben, aber das Timing war präziser und hatte etwas mehr Drive und Konsistenz. Der Denon wirkte etwas kontrollierter und trockener, einzelne Töne wurden früher gestoppt. Der Rega wirkte im Vergleich dazu weniger vorhersehbar, konnte mehr Nuancen der Platte wiedergeben, wirkte fruchtiger und ließ der Musik mehr Raum zur Entfaltung.

    Beide Player klangen sehr angenehm, sind hervorragende Begleiter für ausgedehnte nächtliche Hörsessions und bekannt für ihren warmen und analogen Klang. Der Denon ist sicherlich der mechanisch ausgereiftere Player, während der Rega mit moderner DAC-Schaltung, detaillierterer Darstellung und viel musikalischem Charme punkten kann. Wenn man bedenkt, dass der Rega einen Vorsprung von 16 Jahren gegenüber dem Denon hat, ist der DCD-1500 II in der Tat ein sehr guter und lohnenswerter CD-Spieler. Die Verarbeitungsqualität, die Haptik, die allgemeine Benutzerfreundlichkeit und die ausgezeichnete Fernbedienung positionieren ihn weit vor der heutigen Konkurrenz im mittleren Marktsegment.

    Testumgebung: Denon DCD-1500 II (über HBPS Reinsilber-Solid-Core-Verbindungen an) DB Systems DB1 Vorverstärker; (über Audiocrast OCC und Silber-Verbindungen an) B&K ST140 Endverstärker; (über Belden 9497 Lautsprecherkabel in Bi-Wiring an) Martin Logan SL3 elektrostatische Lautsprecher

    Technische Daten

    • Digitaler Wandler: 2 x PCM54HP-K
    • CD-Laufwerk: KSS-121A / KSS-123A
    • Frequenzgang: 5 Hz bis 20 kHz
    • Dynamischer Bereich: 96 dB
    • Signal-Rauschabstand: 103 dB
    • Kanaltrennung: 100 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.0025%
    • Leistungsaufnahme: 17 W
    • Line-Ausgang: 2 V
    • Extras: Fernbedienung, variabler Line-Ausgang
    • Abmessungen: 434 x 89 x 350 mm
    • Gewicht: 9 kg
    • Baujahr: 1986

  • Denon DCD-1420

    Denon DCD-1420

    29.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Frederick Whitney Horn, ein amerikanischer Unternehmer, gründete 1910 die Nippon Denki Onkyo Kabushikigaisha, eine Tochtergesellschaft der Japanese Recorders Corp. Noch vor den Plattenspielern waren Zylinder-Rekorder weit verbreitet, und Denki Onkyo produzierte sowohl die Medien als auch die Abspielgeräte dafür. Nach Fusionen mit anderen Unternehmen wurde der Name zu DEN-ON und später zu Denon verkürzt. Das Unternehmen war neben Philips und Sony ein Vorreiter in der Entwicklung der Digitaltechnik und hat sich als Hersteller von professionellen Studiogeräten sowie von HiFi-Produkten für den Privatkundenmarkt einen Namen gemacht.

    Die Erfolgsbilanz von Denon bei der Entwicklung neuer Ideen für die Musikwiedergabe ist beachtlich. Im Jahr 1939 stellte Denon den ersten (analogen) Plattenrecorder für die Rundfunkindustrie her. Im Jahr 1951 spielte das Unternehmen eine wichtige Rolle beim Verkauf der ersten Langspielplatten an die japanische Bevölkerung. Zwei Jahre später brachte Denon eine gut angenommene Reihe von Tonbandgeräten für die Rundfunkindustrie auf den Markt. Die ersten HiFi-Komponenten von Denon kamen 1971 auf den Markt. Dazu gehörten Plattenspieler, Verstärker, Tuner und Lautsprecher. Im Jahr 1999 produzierte Denon in Zusammenarbeit mit Dolby Laboratories das weltweit erste THX-EX-Heimkinosystem. Im Laufe der Jahre hat Denon viele Preise für seine herausragenden Leistungen in der Branche gewonnen. Aktuelle Trends sind Mehrkanal- und drahtlose Mehrraumsysteme mit bis zu 13 Kanälen. Obwohl das Unternehmen auch einige herausragende High-End-Komponenten hergestellt hat, war das Hauptgeschäft immer zwischen der professionellen Produktlinie und den HiFi-Produkten für den breiteren Verbrauchermarkt aufgeteilt.

    Einige von Denons herausragenden Consumer- bis High-End-Produkten waren, neben vielen anderen, der TU 400 Stereo-Tuner (1977), der recht eigenartige zweifarbige PMA 850 Verstärker (1977), der DCD-1800 CD-Player (1985), die für damalige Verhältnisse enormen POA-S1 Mono-Endstufen (1996) und der Denon DL-103R Shibata-Tonabnehmer für Vinyl-Fans. Der hier gezeigte DCD-1420 ist nicht in der Denon Hall of Fame aufgeführt, denn schon damals gab es den noch hochwertigeren (10 kg) DCD-1520 CD-Spieler mit besseren Spezifikationen. Trotz seines Nicht-Kultstatus habe ich mich entschlossen, ihn hier aufzuführen, da er ein wirklich großartiger Player ist, mit dem man seine Erkundungen im Audiobereich beginnen kann. Er ist gut konstruiert, relativ leicht zu reparieren, fast alle Teile für das Laserlaufwerk sind noch zu haben, und die Benutzerfreundlichkeit ist einfach hervorragend. Ich finde es toll, dass die Wiedergabe automatisch beginnt, wenn ich ihn einschalte, und dass ich mit den Zifferntasten am Gerät direkt zum Titel springen kann, auch wenn ich die Fernbedienung nicht zur Hand habe. Das große Display ist dimmbar und inhaltlich anpassbar, was für nächtliche Sessions sehr nützlich ist.

    Über den internen DAC des Players ist der Klang detailliert und eher raffiniert, aber er fühlt sich etwas leicht an und hat nicht die Ausdauer und tonale Ausgewogenheit von Geräten höherer Preisklassen. Da der DCD-1420 über einen digitalen Koaxialanschluss verfügt, kann man einen externen DAC anschließen, und hier beginnt der Spaß. Das Aufstellen des Geräts auf einem Sockel mit Absorbern und das Anbringen einer Ferritklemme am Netzkabel im Inneren des Geräts sowie an der Außenseite haben erheblich zur Musikalität der Kombination aus Player und DAC beigetragen. Ich bin vielleicht ein wenig voreingenommen, da ich im Laufe der Jahre drei dieser Player besessen habe und gehe aufgrund der hohen Qualität davon aus, dass sie alle noch einwandfrei spielen.

    Technische Daten

    • Digitaler Wandler: 2 x PCM54HP
    • CD-Mechanismus: KSS-150A / KSS-210A
    • Frequenzgang: 2Hz bis 20kHz
    • Dynamischer Bereich: 97dB
    • Signal-Rausch-Verhältnis: 108dB
    • Kanaltrennung: 102dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.003%
    • Line-Ausgang: 2V
    • Digitale Ausgänge: koaxial, optisch
    • Abmessungen: 434 x 135 x 310mm
    • Gewicht: 6,3 kg

  • Denon DCD-660

    Denon DCD-660

    28.1.2023

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Seit den Anfängen der Compact Disk durch ein Joint Venture von Sony und Philips im Jahr 1982 gab es durchaus einige herausragende CD-Player-Konstruktionen. Der Meridian MCD von 1985 zum Beispiel, der das Gehäuse eines Philips CD 100 als Grundlage nahm und es in Bezug auf die Ausgangsstufe und die Fehlerkorrektur komplett überarbeitete, ähnlich wie die deutschen Roman Gross-Modifikationen, die viel später kamen. Cambridge debütierte 1986 mit dem CD1, der bereits über eine DAC-Einheit mit eigenem Gehäuse verfügte. Arcam, Naim und Quad folgten schon bald danach, alle mit hervorragenden Geräten. In jüngerer Zeit waren es Cyrus und Chord, die das Fachpublikum begeisterten, und dies war nur eine Liste der britischen Hersteller von CD-Playern. Allerdings kosteten diese Geräte alle eine ordentliche Stange Geld und blieben für viele Hörer, außer die ganz hartgesottenen Enthusiasten, unerschwinglich. 

    Das eigentliche Brot- und Buttergeschäft der Branche waren relativ bald schon preisgünstigere Geräte, wie der Denon DCD-660, um den es in diesem Bericht gehen soll. Während der Cambridge CD 1 vielleicht neue Maßstäbe setzte, was mit dem Medium möglich war, beeinflusste der Denon DCD-660, was für die Haushalte der Durchschnittsverbraucher tatsächlich zugänglich war. Der Denon beantwortet die Frage, wie viele und welche Qualität von Teilen es brauchte, um die Bedürfnisse der Verbraucher auf einem praktikablen Niveau zu befriedigen. Und da der DCD-660 meiner Tochter von ihrer kürzlich verstorbenen Großtante vererbt wurde, wollte ich die Gelegenheit nutzen, seine Fähigkeiten für kurze Zeit zu erkunden, bevor ich ihn dann in ihrem Zimmer aufstellte. Das andere Gerät, das meine Tochter erhalten hatte, war ein Dual CV 1260 Class-A-Verstärker, mit dem ich sehr gerne hörte und den ich deshalb auch nur sehr ungern aus der Hand gab.

    Der CV 1260 war mit unseren Epicure 3.0-Lautsprechern über ein Paar steckerlose Belden 9497 Kabel im Single-Wiring verbunden. Ich verwendete unseren größeren und aufwändiger konstruierten Denon DCD 1420 als Benchmark und Diana Kralls Album All for You als Musikmaterial für meine neuen akustischen Erkundungen. Dieses Album klang auf dem DCD 1420 wirklich sehr befriedigend, und ich konnte nicht sagen, dass ich irgendetwas in der Musik vermisst hätte. Dies war an sich schon eine überraschende Erkenntnis, angesichts des relativ kleinen Dual-Verstärkers, der die großen Epicure Standlautsprecher antreiben musste. Andererseits ließen die 44 Watt Ruhestrom auf der Seite des Dual darauf schließen, dass er über eine ausreichende Menge an Class-A-Verstärkung verfügte, wie auch sein Name vermuten ließ.

    Als ich die Lade des DCD-660 zum ersten Mal öffnete, bemerkte ich, dass diese Schwierigkeiten hatte, die ersten 1-2 Zentimeter ihres Weges zu überwinden. Ich unterstützte den Vorgang, indem ich sie vorsichtig mit den Fingern herauszog. Ich wiederholte die Prozedur ein paar Mal und stellte fest, dass es jedes Mal besser funktionierte. Wenn CD-Spieler lange Zeit unbenutzt blieben, konnten die Gummiriemen, die den Lademechanismus antrieben, manchmal dauerhaft die ovale Form annehmen, in der sie zuletzt geruht hatten. Hätte sich die Schublade nicht durch die manuelle Unterstützung erholt, hätte ich den Riemen wohl wechseln müssen, was je nach Modell mehr oder weniger schwierig werden konnte. Positiv zu vermerken war, dass die DCD-1420-Fernbedienung auch mit dem kleineren DCD-660 funktionierte.

    Direkt nach dem Einschalten klang der elegant aussehende Denon noch etwas rau und körnig, dieser Effekt ließ jedoch nach, als das Gerät auf Betriebstemperatur kam. Vielleicht war auch dies ein Hinweis darauf, dass dieses Gerät über einen längeren Zeitraum unbenutzt im Regal gestanden hatte. Mir ist aufgefallen, dass die Tonalität zwischen den beiden Denon-Playern identisch war. Ich hätte gerne das LCD-Display über die Fernbedienung ausgeschaltet, um einen besonders sauberen Klang zu erzielen, aber ich musste feststellen, dass diese Funktion beim DCD-660 fehlte. Das resultierende Klangbild war daher nicht ganz so sauber, obwohl ich das Gefühl hatte, dass der größere Player mit eingeschaltetem Display noch unschärfer klang und daher auch mehr von dieser Funktion profitierte. Im direkten Vergleich wirkte die Wiedergabe ultra-tiefer Bässe beim DCD 1420 etwas fulminanter, jedoch nicht so ausgeprägt, dass mich dessen Mangel groß gestört hätte.

    Die Systemintegration war beim DCD-660 nicht besonders gut ausgebaut. Ihm fehlten die separaten, variablen Cinch/RCA-Ausgangsbuchsen seines größeren Bruders, er hatte keinen digitalen S/PDIF-Ausgang, um einen externen DAC anzuschließen, und es fehlte auch ein optischer Ausgang für die Integration in Systeme mit kritischen Erdpotentialen. Da diese Kriterien für mich im Laufe der Jahre zunehmend wichtiger geworden waren, hätte ich mich selbst nicht für den DCD-660 entschieden. Wer aber ohnehin ausschließlich den direkten Cinch/RCA-Ausgang nutzte, bekam einen durchaus erwachsen klingenden CD-Player mit natürlicher Tonalität und passablem Klangbild. Und da das Ausschalten des Displays für eine schärfere Abbildung der Klangbühne ohnehin nur in audiophilen Kreisen üblich zu sein scheint, hätten die meisten Besitzer des DCD-660 allen Grund gehabt, glücklich und stolz auf ihr neu erworbenes Gerät zu sein.

    Technische Daten

    • Digitaler Wandler: PCM61P
    • CD-Mechanismus: KSS-210A
    • Frequenzgang: 2 Hz - 20.000 Hz
    • Dynamikumfang: 95 dB
    • Signal-Rausch-Verhältnis: < 103 dB
    • Kanaltrennung: < 99 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.004%
    • Filter: 20 Bit / 8-faches Oversampling
    • Line-Ausgang: 2V (Cinch/RCA)
    • Variabler Line-Ausgang: keiner
    • Digitaler S/PDIF-Ausgang: keiner
    • Optischer Ausgang: keiner
    • Merkmale: 1/3-Kopfhörerbuchse, Lautstärkepoti
    • Zubehör: RC-226-Fernbedienung
    • Abmessungen: 434 x 105 x 280 mm
    • Gewicht: 3,8 kg
    • Land der Herstellung: Japan
    • Jahr: 1991

    crossXculture Business Language Training
  • Marantz CD-17

    Marantz CD-17

    22.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Saul Marantz baute sein erstes Audioprodukt, den "Consolette"-Vorverstärker, in Kew Gardens, New York. Obwohl die Marantz Corporation heute ihren Hauptsitz in Kanagawa, Japan hat, begann die Erfolgsgeschichte von Marantz in Amerika und erreichte ihren größten relativen Erfolg in den 1970er Jahren. Im Laufe seines Bestehens bildete das Unternehmen Joint Ventures und wechselte mehrfach den Besitzer. Mit dem Aufkommen der CD-Technologie in den 80er Jahren ging Marantz beispielsweise eine Partnerschaft mit Philips ein, um CD-Player unter der Marke Marantz herzustellen, die allgemein gut angenommen wurden. Die Eigentümerschaft ging erst 2001 auf Japan über, als Marantz Japan die Marke von Philips kaufte und sich im folgenden Jahr mit Denon zur D&M Holdings Inc. zusammenschloss. Nach 28 Jahren Partnerschaft verkaufte Philips im Jahr 2008 seine restlichen Anteile an Marantz, und die Holding ist heute im Besitz von Sound United LLC.

    Zu den bekanntesten Produkten des Unternehmens gehören die Marantz 2325- und 2600-Receiver, der CD63 und, allgemeiner, die Ken Ishiwata Signature-Produktserie, wie der Marantz PM-KI Ruby und der hier abgebildete Marantz CD17-KI. Als der DC17 Ende der 1990er Jahre auf den Markt kam, wurde er von der Audiowelt bereits sehr positiv aufgenommen. Mit detailreichen Höhen, einem klaren und vollen Mitteltonbereich und der Marantz-typischen Bass-Extension wurde der Klang als "analog" beschrieben und zog Vinylfans auf der ganzen Welt in seinen Bann. Der CD17 hatte jedoch noch einen weiteren Aspekt, der die Audiophilen beunruhigte: Er leitete auch den Abschied vom berühmten Philips-Schwenkarmlaser sowie von anderen früheren Markenmerkmalen, wie Druckguss-Chassis und Metall-Schublade, ein. Um die Jahrhundertwende waren die Verkäufe von hochpreisigen Audioprodukten rückläufig und kostenorientierte Entscheidungen wurden zur neuen Norm.

    Der CD17 mit der Handschrift von Ken Ishiwata aus dem Jahr 1997 ist der Versuch von Marantz, sich eine Welt vorzustellen, in der es noch keine Kostensenkungen gegeben hat. Der "Geld-ist-kein-Argument"-Ansatz bedeutete keine Rückkehr zum Schwenkarm-Laser oder zum Druckguss-Chassis, aber er führte einige interessante Merkmale ein, wie z. B. ein Upgrade der Laufwerkseinheit, eine vollständige Kupferabschirmung des Innenraums, einen Ringkerntransformator, Upgrades der Analogstufe, Verbesserungen bei der Störgeräuschunterdrückung usw. Das Ergebnis ist ein sehr leiser Player mit einer anspruchsvollen Klangbühne. Ähnlich wie beim äußeren Design des Geräts gibt es auch bei der Musik nicht viel Glanz oder Extravaganz, aber wenn Sie sich lieber streicheln als beeindrucken lassen, ist der Marantz CD17-KI keine schlechte Wahl.

    Technische Daten

    • Frequenzbereich: 5 Hz - 20 kHz
    • Dynamischer Bereich: > 98 dB
    • S/N-Verhältnis (WTD): > 103 dB
    • Kanaltrennung (1 kHz): >100 dB
    • Klirrfaktor (1 kHz): 0,0015 % Analoger Ausgang
    • Ausgangspegel (Cinch JACKS): 2,2 V RMS
    • Ausgangsimpedanz: 250 Ohm
    • Abmessungen: 458 mm x 83 mm x 313 mm
    • Gewicht: 7,8 kg

  • Philips CD 104

    Philips CD 104

    9.2.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Auf den Philips CD 104 stieß ich zum ersten Mal in den frühen 1990er Jahren, als ein Schulfreund von mir einen gebrauchten CD-Player kaufen wollte und mich um Unterstützung bat. Da er ein "Philips-Mann" war, suchten wir in den Fachzeitschriften nach günstigen Angeboten dieser Firma und besuchten schließlich einen CD 104-Besitzer, um seinen Player anzuhören. Zu dieser Zeit war ich an das beruhigende bernsteinfarbene Leuchten und das schlichte, moderne Design der JVC-Player gewöhnt, und der Philips kam mir klein und besonders hässlich vor. Die Tasten wirkten seltsam deplatziert. Und dennoch - entgegen meinem Rat - kaufte mein Freund das Gerät und schien mit seinem Kauf sehr zufrieden zu sein. Der Player war damals 8 Jahre alt, und ich muss um die zwanzig gewesen sein.

    Damals wusste ich noch nicht, dass Philips neben Sony 1982 den CD-Player auf den Markt gebracht hatte und dass der CD 104 erst das zweite Modell des Unternehmens war. Und da mein Freund den Player selbst aus dem Haus getragen hatte, wusste ich auch nichts von den sieben Kilogramm Gewicht, die das kompakte Design so geschickt verbarg. Soweit ich sehen konnte, hatte mein Freund einfach zu viel für veralteten Schrott bezahlt. Umso erstaunter war ich, als ich bei einem audiophilen Kollegen einen ziemlich ramponiert aussehenden CD 104 auf einem CREACTIV HiFi-Rack stehen sah - und zwar als einzigen CD-Spieler zwischen einigen berühmten Plattenspielern und Verstärkern. "Wenn er gut gemacht ist, hat der 104 das Potenzial für Großartiges", meinte mein audiophiler Kollege. Ich war sehr skeptisch, um es mal milde auszudrücken. Das war im Jahr 2015, der Player war 31 Jahre alt, und ich war etwa dreiundvierzig.

    Ein paar Wochen nach meinem Besuch bei dem audiophilen Kollegen gab unser 5 Jahre alter Marantz SA 7003 CD-Player zum zweiten Mal den Geist auf. Beim ersten Mal war der Riemen ausgefallen, und diesmal hatte sich der Laser gesetzt und konnte keine Medien mehr lesen. Ich war wütend und beschloss, ihn als defekt zu verkaufen, wobei ich bereit war, einen heftigen Verlust von 500 EUR hinzunehmen. Für mich war der Marantz die Reparatur nicht wert, da sein Laufwerk von Anfang an ziemlich laut und die Servokorrektur ständig in Aktion war. Eine solch schlechte Qualität bei einer bekannten Marke zu erleben, zerstörte mein Vertrauen in die Errungenschaften des modernen HiFi. Wie war es möglich, dass ein mehr als 30 Jahre alter Player CDs völlig ohne Servo-Geräusche lesen und auf einzelne Titel schneller zugreifen konnte, als ein 2010er Super Audio Player der neuesten Generation? Wie konnte der alte Player viele Jahre lang ohne Service laufen, während das neue Gerät alle zweieinhalb Jahre kaputt zu gehen schien?

    Ich habe einige Nachforschungen über CD-Spieler angestellt und festgestellt, dass moderne Geräte, selbst High-End-Geräte, modular aufgebaut sind und über standardisierte und hoch integrierte Schaltkreise verfügen. Die Hersteller kaufen und kombinieren im Wesentlichen fertige Module, verpacken sie in ein einheitliches Gehäuse und stempeln ihren Namen auf die Geräte. Leider geschieht dies, ohne dass der Hersteller großen Einfluss auf die Qualität der Bauteile oder die klanglichen Fähigkeiten des Geräts hat. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass der Laser des defekten Marantz-Players von Pioneer gebaut wurde und dass viele Produkte, die diese Art von SACD-Laser verwenden, schon nach kurzer Zeit die gleichen Probleme haben. Man könnte sich fragen, welchen Sinn es macht, einen Marantz zu kaufen, wenn die wesentlichen Teile des Geräts von anderen Herstellern stammen und zum Versagen verurteilt sind? Erschwerend kommt hinzu, dass der modulare Aufbau oft bedeutet, dass Elemente wie Transport und Steuerung, D/A-Wandler, S/PDIF-Decoder, Taktgeber und vielleicht sogar die Ausgangsstufe in einem einzigen Modul zusammengefasst sind. Dieses Szenario lässt dem Hersteller nicht viel Spielraum, um einzugreifen, den Klang zu erweitern und zu verbessern.

    Als Philips in den späten 70er Jahren begann, den CD 104 zu bauen, war das noch ganz anders. Da die Technologie neu war, musste Philips die volle Kontrolle und Verantwortung über den gesamten Prozess übernehmen. Die neue Technologie musste sich erst noch bei kaufkräftigen Audiophilen bewähren. Für den Angebotspreis von über 2.000 DM und mit nur wenigen auf dem Markt erhältlichen Scheiben war der Vinyl-Schallplattenspieler klanglich immer noch kaum zu schlagen. Philips musste seiner neuen Schöpfung alle Liebe und Aufmerksamkeit schenken, die sie bekommen konnte. Der CD 104 hat ein Vollmetallgehäuse und enthält das von Philips selbst entwickelte CDM-1-Transportsystem. Dessen Basis ist eine gusseiserne Form, die einen ausgeklügelten Schwenkarmlaser mit sechs Rodenstock-Glaslinsen trägt. In Bezug auf die Musikalität gilt der CDM-1 als das beste Laufwerk, das jemals hergestellt wurde. Gemäß der audiophilen Regel "Garbage in = Garbage out" ist eine einwandfreie Wiedergabe des Quellmaterials die Grundlage für Musikalität.

    Während die Philips-Ingenieure alles, was sie über die Konstruktion von Laufwerken wussten, in ihre ersten Abspielgeräte einfließen ließen, lag der Schwerpunkt bei den späteren Geräten darauf, die Technologie für den Durchschnittsverbraucher zugänglicher zu machen, und das bedeutete, die Kosten zu senken. Eisen, Metall und Glas wurden durch Kunststoffe ersetzt. Und da Software und Elektronik in der Produktion billiger sind als Präzisionsoptik, korrigieren moderne CD-Spieler die Toleranzen einer mittelmäßigen Laufwerksoptik, indem sie ihre Servomotoren und die Fehlerkorrektur mit voller Leistung einsetzen. Da diese Funktionen ohnehin an Bord sind, können sie ja auch eine Aufgabe haben, oder nicht? Bevor die Kunden den Nachteil bemerken und bevor ihre Player an Übermüdung der Bauteile ausfallen, ist die Garantiezeit abgelaufen. Das erklärt, warum wir die Servomotoren unseres Marantz SA 7003 CD-Players von Anfang an deutlich hören konnten, und vielleicht auch, warum der Player nach knapp fünf Jahren bereits zum zweiten Mal versagte.

    Wenn sich die Schublade des Philips CD 104 öffnet, sind das Geräusch, die Geschwindigkeit und die Anmut ähnlich dem Öffnen eines Banktresors. Ich ertappe mich dabei, wie ich jedes Mal den Atem anhalte, in der Hoffnung, dass er noch einmal die volle Strecke zurücklegen wird, so wie er es vier Jahrzehnte lang pflichtbewusst getan hat. Das Abspielgerät, das Luigi uns zum Testen mitgebracht hat, wurde geschickt überarbeitet und aufgerüstet, um die physischen Vorzüge der achtziger Jahre mit den elektronischen Erkenntnissen von heute zu verbinden.

    Und obwohl wir nicht ganz sicher sein können, in welchem Umfang der Umbau vorgenommen wurde, gehören zu den typischen Verbesserungen: die volle Nutzung des CDM-1-Laufwerks und der beiden legendären Mono-Multi-Bit-DACs TDA1540 des Players durch Beseitigung des digitalen Oversamplings und des analogen Filters in der Ausgangsstufe sowie die Eliminierung von S/PDIF und Jitter und Korrektur der Kanalverzögerung. Weitere Upgrades umfassen den Austausch des analogen Ausgangsverstärkers von der ursprünglichen Version mit 35 Transistoren auf nur zwei hochwertige FETs pro Kanal, die Verbesserung der internen Abschirmung, der Verkabelung usw. Deutsche Modifikationen sind derzeit von Roman Groß 'New Perspectives on Sound' und von 'KR High End Laboratory' erhältlich.

    Äußerlich zeigt unser Gerät vergoldete Cinch-Buchsen anstelle der früheren festen Kabel und Stecker sowie eine dreipolige Netzbuchse, die den Anschluss eines höherwertigen Kabels ermöglicht. Der fertige Player übertrifft nicht nur seine ursprüngliche Ausstattung in Bezug auf die Klangleistung, sondern auch so gut wie alle heutigen Player in Bezug auf Tonalität, Nuancen, Klangbild und Musikalität. Falls der 14-Bit-DAC von voreiligen Kunden jemals als Handicap angesehen wurde, kann ich Ihnen versichern, dass überhaupt kein Handicap hörbar ist. Tatsächlich wurden die späteren Philips 16-Bit-DACs TDA1541 (korrigiert am 31.05.2021: siehe unten) in den High-End-Playern von Sony bis weit in die 1990er Jahre hinein verwendet, was viel darüber aussagt, was Sony von den Philips-DACs hielt.

    Obwohl ich anfangs recht skeptisch war, wurde mir schon nach wenigen Sekunden des Hörens klar, dass die Leistung dieses Vintage-Players weit über dem Niveau liegt, das ich von unserem Marantz CD-17, einer audiophilen Legende an sich, gewohnt war. Noch nie klang eine CD in unserem Haus so gut. Wenn der CD-17 von Marantz am besten als "analog" und "warm" beschrieben wird, weiß ich nicht einmal, wie ich der Modifikation des Philips CD 104 NOS einen besonderen Charakter zuschreiben soll, außer zu sagen, dass er ‘echt’ klingt.

    Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels ist der Player 37 Jahre alt. Und gerade gestern Abend habe ich ihn meiner siebenjährigen Tochter gezeigt, und sie hat dabei zu einer Alin Coen-CD getanzt.

    Technische Daten

    • Digitaler Wandler: 2 x TDA1540P
    • CD-Transport: CDM-1
    • Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz
    • Signal-Rausch-Verhältnis: 90 dB
    • Kanaltrennung: 86 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.005 %
    • Line-Ausgang: 2 V
    • Abmessungen: 320 mm x 86 mm x 300mm
    • Gewicht: 7 kg
    • Baujahr: 1984

    NOS Umbau

    • Kein Oversampling
    • Kein analoger Filter
    • Kein S/PDIF-Format
    • Kein Jitter
    • Kanal-Synchronisation
    • FET-Ausgangsverstärker

  • Pioneer PD-S604

    Pioneer PD-S604

    13.4.2024

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Ich stieß auf unser Exemplar des preisgünstigen Pioneer CD-Players PD-S604 aus dem Jahr 1995, als ich nach einem erschwinglichen Ersatz für unseren bewährten Sony CDP-502ES Player suchte, bei dem die originale Lasereinheit zu versagen begann. Ersatzlaser für den 40 Jahre alten Sony wurden schon seit einiger Zeit nicht mehr hergestellt, und die mir bekannten Bezugsquellen hatten entweder ihre letzten Bestände bereits verkauft oder waren inzwischen unrentabel teuer geworden. Der Pioneer war technisch natürlich keineswegs auf demselben Stand wie der Sony, doch er hatte einen Zehnjahresvorsprung, was das allgemeine Verständnis von Lasertechnologie anging, und er wurde, wie der Sony, zu einer Zeit gebaut, zu der ordentlicher HiFi-Klang dem Kunden noch wichtig war. Der PD-S604 rangierte dabei zwischen dem niedrigeren PD-S504 und dem höherwertigen PD-S904 in Pioneers preissensiblen Consumersegment. Der PD-S604 war zwar nicht mit dem vollausgestatteten PD-S06 vergleichbar, der 1997 auf den Markt kam und etwa 10 kg wog, doch mit etwas mehr als drei Kilogramm bot er bereits einen Großteil derselben Technologie.

    Was mich an den Pioneer-Playern dieser Zeit reizte, war das patentierte Tellerlaufwerk, welches die CD in umgekehrter Position auf einem rotierenden Plattenteller festhält. In dieser Konstellation liest der Laser die CD von oben ab und findet dabei fortlaufend eine nahezu perfekte Fokusebene. Bei den meisten konkurrierenden Laufwerken flattert und eiert die CD systembedingt ein wenig, so dass ständige Fokus- und Fehlerkorrekturen durch den Lesemechanismus selbst und durch die Software erforderlich sind. Ein weiterer Vorteil der Positionierung des Lasers über der CD ist der viel bessere Staubschutz der optischen Linse. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Staubpartikel unter einem hängenden Laser ‘absetzen’, war jedenfalls geringer als bei einem Laser, der sich unter der Scheibe befindet. Nach dem alten HiFi-Prinzip: "Garbage in, garbage out." hängt die Qualität der Ausgabe stark von der Integrität der ersten Signale in der Kette ab. Nachdem ich meine Ohren jahrelang auf die Wahrnehmung von akustischen Veränderungen trainiert hatte, wurden mir die hörbaren Auswirkungen auf die Musik, kurz bevor ein Laser anfängt zu skippen, immer bewusster. Ein Dünnerwerden der Bässe und eine erhöhte Schärfe der Höhen gehören zu den offensichtlichsten Nebeneffekten.

    Es ist ein schmaler Grat zwischen bewusst wahrnehmbaren Störungen und der Art von unbewussten Störeinflüssen, die uns dazu bringen, ein Produkt als weniger angenehm zu empfinden, ohne dass uns die Gründe dafür klar werden. Der PD-S604 verspricht, solche Störungen auf mindestens zwei Ebenen zu eliminieren: Durch den oben beschriebenen Tellermechanismus und durch eine Upsampling-Funktion namens Legato Link. Der Red-Book-Standard der CD unterstützt 2-Kanal-Stereo mit 16 Bit und 44,1 kHz und ermöglicht Frequenzen bis zu 20.000 Hz. Während dies auch als das obere Ende des menschlichen Gehörs angesehen wird, endet das Klangspektrum natürlicher Musik nicht dort. Bei Vinyl-LPs können Plattenspieler durch die begrenzenden physikalischen Eigenschaften der Nadel höhere Frequenzen auf natürliche Weise auslaufen lassen. Bei CD-Playern hingegen wird das obere Spektrum mit Hilfe von Filtern abgeschnitten. Diese Art des Umgangs mit hohen Frequenzanteilen verleiht CDs einen schärferen und klanglich weniger angenehmen oberen Frequenzbereich. Dieser Umstand wird oft als einer der Gründe genannt, weshalb manch audiophile Hörer ihre Plattenspieler der CD vorziehen.

    Legato Link versprach einen feinfühligeren Umgang mit hohen Frequenzen, indem die fehlende ursprüngliche Wellenform mittels Spline-Interpolation neu berechnet wurde. Legato Link von Pioneer war einer der ersten digitalen Filter, der die Spline-Interpolation verwendete, um vermehrt Transienten-Informationen durchzulassen, was jedoch nicht ohne Nebeneffekte war und nicht selten auch unangenehme Modulationen bei höheren Frequenzen hinterlassen konnte. Bisweilen wurde berichtet, dass Legato Link bei gut aufgenommenen CDs seine Magie entfaltete; bei einigen Aufnahmen jedoch schien der Algorithmus ratlos zu sein und fügte Informationen hinzu, die eher einer Verzerrung als Musikmaterial ähnelten. Ich musste selbst herausfinden, wie sich diese Behauptungen in der Praxis bewahrheiten würden und kam zu dem Schluss, dass der PD-S604 das beste Preis-Leistungs-Verhältnis dieser Produktreihe bot. Sowohl der PD-S904 als auch der PD-S06 verfügten über einen digitalen Cinch/RCA-Ausgang, den der PD-S604 nicht bieten konnte. Da ich den Player jedoch für sich selbst und ohne externen DAC hören wollte, konnte ich mit den vorhandenen Funktionen gut leben.

    Der ursprüngliche Besitzer des PD-S604 berichtete, dass er mit den Funktionen und dem Klang des Geräts ebenfalls stets mehr als zufrieden gewesen sei. Er sagte, dass dieses Gerät besser klang als alle anderen Player, die er seither besessen hatte, und dass der Grund für den Verkauf eher mit dem neuen, eleganten Audio-Rack der Familie zu tun hatte, das nur noch Platz für ein einziges kombiniertes CD/DVD-Gerät bot. Als ich eintraf, fand ich den Pioneer auf dem Esszimmertisch stehend mit einem älteren Kopfhörer zur Demonstration vor. Der daraus resultierende Klang war bestenfalls mittelmäßig, und so konnte ich lediglich testen, ob der Player grundsätzlich funktionsfähig war und beschloss, ihn zu Hause einer gründlicheren Prüfung zu unterziehen. Als ich das Haus des Verkäufers verließ, versprach ich ihm, dass ich seinen Player berühmt machen würde, indem ich ihn im eiaudio-Blog vorstelle, und ich lud ihn zu einem Besuch ein, falls er jemals in Marne sein sollte. Als ich an diesem Abend zuhause ankam, hörte ich mir unseren Sony CDP-502ES ein letztes Mal an und stellte dann den Pioneer an dessen Stelle auf. Ich würde mein Glück versuchen, den Sony noch einmal reparieren zu lassen, doch ich wusste auch, dass dies leicht einige Monate dauern könnte.

    Mit dem funktionalen, jedoch nicht gerade audiophilen Stromkabel am Netz ging der PD-S604 sofort in den Standby-Modus. Das war für mich eine willkommene Funktion, denn so konnte ich ihn per Fernbedienung aus dem Dornröschenschlaf erwecken. In der Tat waren CD-Spieler die einzigen Audiogeräte in meinen Anlagen, die den Luxus einer Fernsteuerung boten. OK, um echten Luxus zu bieten, hätte das Layout der Fernbedienung (CU-PD045) besser gestaltet sein können. Der Einschaltknopf, die Zifferntasten für die Titelauswahl und die Tasten für Play, Pause und Stop waren alle von gleicher Größe und in ein einheitliches Tastenraster integriert. Das machte die Bedienung in der Dunkelheit zu einem echten Albtraum. Und auch die Bedienelemente auf der Vorderseite des Players waren nicht ohne Tücken. Während die Zifferntasten den Start der Wiedergabe eines bestimmten Titels durchaus erleichterten, war die Anordnung der Bedienelemente auch hier ziemlich kontra-intuitiv. So befand sich die Stopptaste beispielsweise in einer anderen Reihe als die Tasten für Wiedergabe und Pause, die wiederum direkt neben der Taste zum Öffnen/Schließen der Schublade angeordnet waren. Ich fragte mich, wie oft dieser Player schon versehentlich geöffnet wurde, anstatt die Wiedergabe der CD zu stoppen.

    Bei einigen CD-Spielern, die eine gemeinsame Stromversorgung für den digitalen und den analogen Teil verwenden (z. B. Denon DCD-1420), führt das Ausschalten des Displays zu einem saubereren Klang, da ein Teil des digitalen Nebels entfernt wird. Wenn man das LCD-Display des PD-S604 ausschaltet, wird jedoch eine rote LCD-Anzeige eingeblendet, die besagt, dass das CD-Display derzeit ausgeschaltet ist. Es überrascht daher vielleicht nicht, dass ich keinen akustischen Vorteil beim Ausschalten des Displays feststellen konnte. Eine weitere Besonderheit ist sicherlich, dass der motorgetriebene Kopfhörer-Lautstärkeregler auch die variable Line-Ausgangslautstärke beeinflusst. Beim audiophilen Hören versuchen wir in der Regel, die Anzahl der Regler im Signalweg zu reduzieren und bevorzugen deshalb meist den festen Line-Ausgang. Benutzer, die die variable Option bevorzugen, könnten es jedoch als lästig empfinden, die beiden Funktionen miteinander verbunden vorzufinden. Der Kopfhörerverstärker selbst ist etwas schwach und wird eher mit niederohmigen Kopfhörern für Laptops oder andere tragbare Geräte anständig klingen. Audiophile 300 Ohm Kopfhörer würden diesen Verstärker sicher schnell an seine Grenzen bringen.

    Ich schloss den Pioneer an unsere kürzlich aufgerüstete Rotel-Vorstufe mit Becker ST-200 MOSFET-Verstärker an, wobei ich HBS2-Solid-Core Silberkabel verwendete. Die Rotel-Becker-Kombination ist im Allgemeinen mehr musikalisch als analytisch, sie klingt eher angenehm mit prächtigen Klangfarben anstatt fade und fahl. In Kombination mit unseren Epicure EPI 500-Lautsprechern ist die Kombination ideal für entspannte nächtliche Runden und ein großartiger Begleiter für stundenlanges, müheloses Hören. Ich fand, dass sich der PD-S604 hier gut einfügt. Der Becker-Verstärker sorgt bei den meisten Musikstücken für räumliche Ordnung, und der Pioneer unterstützt diesen Eindruck noch, indem er dem Klangbild mehr räumlich Tiefe verleiht. Bei vielen Gelegenheiten hatte ich das Gefühl, dass die Musik in einem perfekten runden Kreis von meinen Ohren bis zu den Lautsprechern und darüber hinaus positioniert war. Ich schätzte die Tatsache, dass die Musik mit dem PD-S604 nichts von der Intimität einbüßte, die ich von dieser Verstärker-Lautsprecher-Kombination gewohnt war. 

    Das präzise Ablesen der CD und die Nachbearbeitung der Höhen mit Legato Link erwies sich bei den meisten Aufnahmen von natürlichen Instrumenten, wie sie in Jazz, Blues, Singer-Songwriter, klassischer Musik und anderem handgemachten Material vorkommen, als vorteilhaft. Bei einigen Aufnahmen schien es jedoch, dass der Hochtonalgorithmus Schwierigkeiten hatte, Musikinhalte von Verzerrungen zu unterscheiden und dieses Rauschen in einer Weise verstärkte, wie ich es bei anderen Playern zuvor nicht gehört hatte. Diese Artefakte konnten von reinen Rosa-Rauschen-Verzerrungen bis hin zu echten sporadischen Hintergrundgeräuschen reichen, die bei anderen Playern verborgen blieben. In einem Fall wechselte das Musikmaterial wiederholt von dumpf zu transparent, als ob sich der Player nicht entscheiden konnte, wie er den Hochfrequenzbereich am besten handhaben sollte. Andererseits muss ich gestehen, dass ich noch keinen CD-Player gehört habe, auf dem alle Aufnahmen gleich gut klingen. Deshalb soll es genügen festzuhalten, dass bei manchen Aufnahmen die Höhen noch genauer abgebildet und besser integriert sein könnten.

    Es gibt noch eine kleine Verbesserung, die ich mir nicht verkneifen konnte: Als ich die Fotos für die Website machte, fiel mir auf, wie leicht sich der kleine Pioneer anfühlte. Bei herausgefahrenem Plattenteller könnte man leicht zu der Annahme kommen, dass er alsbald umzufallen drohte. Aus diesem Grund versah ich das Innere des Gehäuses mit einer Antidröhnbeschichtung aus dem KFZ Bereich (siehe letztes Foto). Dadurch wurde das Gerät um etwa 500 Gramm schwerer und die Übertragung von Vibrationen des Laufwerks auf das Chassis und umgekehrt wurden reduziert, was wiederum zu einer noch deutlicher geordneten Klangbühne führte. Ich habe einmal gesehen, wie diese Methode ab Werk beim Denon DCD 1500 II angewandt wurde und fand die Idee als schnelle Lösung für mechanische Probleme ziemlich gut. CD-Spieler profitieren sehr von einem festen Stand und hohem Chassisgewicht, um ihre beweglichen Teile zu bedämpfen. Ein kleiner Kniff mit hörbarer Wirkung.

    Nachdem ich die Antiresonanz-Beschichtung angebracht hatte, bemerkte ich ein weiteres kleines Manko mit dem Player. Bei einigen Aufnahmen schien es einen leichten Mangel an Rhythmus und Tempo zu geben. Der Player klang gelegentlich etwas langsam, vor allem, wenn die Musik schneller wurde. Es ist gut möglich, dass dieser Effekt in Kombination mit dem Becker-Verstärker, der manchmal eine ähnliche Tendenz zeigte, noch verstärkt wurde. Der Eindruck blieb nie lange bestehen, doch er war bemerkenswert genug, um ihn hier zu erwähnen. Fans schnellerer Musik sollten dies vielleicht in Betracht ziehen oder zumindest den Player mit ihrem bevorzugten Material testen, um zu sehen, ob er für sie in Frage kommt. Bei meiner Musikwahl hat mich der gelegentliche Verlust an Schwung nie wirklich gestört.

    In seinem jetzigen Zustand bin ich in der Tat sehr zufrieden mit meinem Kauf und genieße den warmen und angenehmen Klang des PD-S604. Es gibt genügend Basspräsenz, um Instrumente real und rund klingen zu lassen. Der überragende Ordnungssinn des Pioneer und die großzügigen Abstände zwischen den Instrumenten sind attraktive Eigenschaften für die Abbildung von Aufnahmen natürlicher Instrumente. Nach meiner Erfahrung überwiegen die musikalischen Vorteile von Legato Link bei weitem die wenigen Fälle, in denen die Technik nicht so gut funktioniert. Alles in allem ist mir der PD-S604 schon nach kurzer Zeit mehr ans Herz gewachsen als unser Sony jemals war. Je besser das Musikmaterial aufgenommen ist, desto besser kann dieser Player zeigen, was er drauf hat.

    Zum Zeitpunkt des Verfassens meines Artikels waren im Netz kaum Informationen über diesen Pioneer-Player zu finden. Klicken Sie auf das Header-Bild, um die Kommentar-Funktion zu aktivieren, und teilen Sie uns gerne Ihre persönlichen Erfahrungen mit.

    Technische Daten:

    • Typ:  CD-Player mit Plattentellerlaufwerk
    • EU-Modell:  AC 220 - 240 V, 50/60 Hz
    • Digitaler Wandler: PD2029A
    • CD-Laufwerk Typ:  PEA1179
    • Frequenzgang:  2 Hz - 20.000 Hz
    • Signal-Rauschabstand:  > 108 dB
    • Dynamikumfang:  > 96 dB
    • Harmonische Verzerrung:  < 0.0028%
    • Ausgangsspannung Line (max.):  2 V
    • Wow und Flattern:  < 0,001% (überwiegend nicht messbar)
    • Anzahl der Kanäle: 2-Kanal (Stereo)
    • Variabler Line-Ausgang (Stereo):  1x Cinch/RCA
    • Fester Line-Ausgang (Stereo):  1x Cinch/RCA
    • Digitaler Ausgang (Stereo): 1x optisch 
    • Sonderbuchse: CD-Deck Synchro zu Band
    • Kopfhörerbuchse: Lautstärke über Motor
    • Zubehör: IRFernbedienung
    • Batterien der Fernbedienung: 2x AAA
    • Stromverbrauch: 15 Watt
    • Betriebstemperatur:  +5 bis + 35 C
    • Abmessungen: (B) 420mm, (T) 286mm, (H) 110mm
    • Produktgewicht: 309 kg
    • Herstellungsland: Japan
    • Jahr(e): 1995 - 1996

  • Rega Planet 2000

    Rega Planet 2000

    10.3.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Mitunter wird behauptet, dass die CD heute ein veraltetes Medium sei und dass sie mit ihrem vorgeschriebenen Red-Book-Standard von 16 Bit und 44,1 kHz weit hinter den musikalischen Fähigkeiten anderer analoger und digitaler Geräte zurückbleibt. Kein Wunder, denn die audiophile Konkurrenz kommt heute in Form von hochauflösenden Formaten, von digitalen Streaming-Diensten und vom analogen Revival, das nach Jahrzehnten der Stagnation wieder zu steigenden Vinyl-Verkäufen geführt hat. Hinzu kommt, dass die CD von weniger weit verbreiteten Audioformaten wie Super-Audio-CDs, DVD-Audio, Reel-to-Reel usw. verdrängt wird.

    Und doch hat das Medium viel für sich. Zum einen ist es greifbar. Das ist eine Erfahrung, die ein Abonnement bei Tidal oder Amazon HD schmerzlich vermisst. Es stimmt zwar, dass viele CDs in unseren Regalen stehen, um nie wieder gehört zu werden, aber in unserer Heimatsammlung gibt es derzeit etwa zehn CDs - hauptsächlich Jazz- und Vokal-Jazz-Alben -, die alle Aufmerksamkeit bekommen, die sie sich nur wünschen können. Und dann ist da natürlich noch der Stolz auf den Besitz, denn der Jäger und Sammler in mir genießt die Früchte dieser Arbeit. Und - da der Laser den Titel während des Lesens nicht berührt - muss man sich auch keine unmittelbaren Sorgen über eine Verschlechterung machen. Im offensichtlichen Gegensatz zu Vinyl leiden CDs nicht so sehr unter den Auswirkungen des wiederholten Abspielens.

    Ähnlich wie bei Schallplatten lesen audiophile CD-Player die Informationen direkt von der Platte und vermeiden unnötige Speicherung oder Modulation des Klangs. Sie zeigen die Unzulänglichkeiten sowohl des Mediums als auch der Aufnahme auf - wichtige Faktoren, um ein beruhigendes Gefühl von Realismus und Dimension zu vermitteln. Im Gegensatz zu Vinyl bringt die CD selbst jedoch keine eigenen materiellen Resonanzen mit, die sie organisch und damit für das menschliche Ohr vertraut klingen lassen würden. Stattdessen werden CD-Daten wahrscheinlich durch Resonanzen beeinflusst, die vom Laufwerksmotor, dem Kalibrierungs-Mechanismus des Lasers, den Vibrationen des eingebauten Transformators und von anderen Geräten im Rack ausgehen. Man kann sagen, dass die gesamte Elektronik und Mechanik rund um die Musikinformationen auf einer CD größer, lauter und stets bereit ist, den Hörspaß zu verderben. Und da die daraus resultierenden Effekte für das menschliche Ohr ungewohnt sind, können sie als unangenehm empfunden werden. Der größte klangliche Vorteil der CD gegenüber modernen Streaming-Diensten ist jedoch, dass sie sowohl greifbar als auch lokal ist. Ihr Datenstrom hängt nicht von der Integrität verschiedener Relay-Server auf dem Weg zu unseren Ohren ab.

    Der erste Rega Plant CD-Player kam 1997 auf den Markt, zu einer Zeit, als die CD auf dem Höhepunkt ihrer Popularität war, und vier lange Jahre bevor die ersten mp3-Player auf den Markt kamen. Rega war bereits eine bekannte Marke in der audiophilen Gemeinschaft. Das 1973 gegründete britische Unternehmen Rega Research Ltd. war bereits als Hersteller von audiophilen Verstärkern, Lautsprechern und - vor allem - Plattenspielern bekannt, lange bevor es überhaupt einen CD-Player in Erwägung zog. Der berühmte und erschwingliche Planar 3-Plattenspieler hatte Rega internationale Anerkennung unter Vinyl-Enthusiasten eingebracht und wurde zu einem Grundstein für die analoge Wiedergabe. Rega verkaufte nicht nur unter ihrem eigenen Markennamen, sondern wurde auch gebeten, Plattenspieler, Tonarme und entsprechende Teile für andere Marken wie NAD und Rotel zu liefern.

    Um als Vinyl-Spezialist in den Markt für CD-Player einzusteigen, musste das Unternehmen ein überzeugendes Argument für seine Anhänger finden. Der ursprüngliche Planet wurde als echter "vinylähnlicher" Klang vermarktet, und das von einem Unternehmen, das normalerweise den Klang von CD-Spielern hasste. Das machte neugierig, und der ursprüngliche Planet verkaufte sich trotz seines skurrilen industriellen Aussehens gut. Er bevorzugte den musikalischen Fluss gegenüber den Details und erreichte ein weiches oberes Klangspektrum, obwohl er ein wenig fade und grob klang, wie einige Kritiker des Players bemerkten. Vor allem die mangelnde Detailtreue des maßgeschneiderten Burr Brown 16-Bit-DAC der Rega wurde in neueren Rezensionen manchmal als veraltet kritisiert.

    Mit dem Planet 2000 wurde der ursprüngliche Planet einem umfassenden Facelifting unterzogen. Anstelle von Kunststoff ist er in einem speziell angefertigten stranggepressten Aluminiumgehäuse mit einem zentralen, von oben zu öffnenden Deckel, untergebracht. Der 2000er verwendet eine ähnliche Schaltungstopologie wie der ursprüngliche Planet, verfügt aber über einen verbesserten DAC (Wolfson 24-Bit, Sigma Delta IC40), ein Netzteil und Koppelkondensatoren. Anstelle eines konventionellen Eisenkerntransformators hat die 2000er-Version einen Ringkerntransformator mit getrennten Wicklungen für die Display- und die Audiostufe. Auch die Anzeige und die Bedienelemente wurden überarbeitet, so dass der Planet 2000 im Vergleich zu seinem Vorgänger eine bessere Leistung, ein besseres Aussehen und eine bessere Bedienung aufweist. Obwohl viele Dinge verbessert wurden, weist der Player einige überraschende Eigenheiten auf, die einen Vergleich des Rega-Designs mit herkömmlichen Frontladern erschweren.

    Zum einen bedeutet der Top-Loading-Mechanismus, dass der Rega 2000 mindestens 20 cm Regalhöhe benötigt, um den Deckel vollständig zu öffnen. Aufgrund einiger notwendiger Anpassungen, die für die Rega vorgenommen wurden, bietet mein Regal nur 17 cm, was das Wechseln von CDs nicht gerade bequem macht. Das Laufwerk selbst befindet sich in einer Kunststoffschale in der Mitte des Aluminiumgehäuses des Players. Dort, wo es nicht lackiert ist, hat sich der Kunststoff auf einer Seite durch die UV-Strahlung tabakfarben verfärbt. Sowohl die Vorder- als auch die Rückwand sind aus Kunststoff gefertigt. Während die Vorderseite in Gehäusefarbe lackiert ist, wurde die Rückseite unlackiert gelassen und weist ebenfalls Verfärbungen auf. Obwohl wir während des Betriebs kaum mit der Vorder- oder Rückseite des Players in Berührung kommen, hat sich die Verwendung von Kunststoff auf der Vorderseite als etwas enttäuschend erwiesen.

    Das CD-Laufwerk des Planet hält die CD auf eine merkwürdige Art und Weise. Ähnlich wie bei einem Plattenspieler gibt es einen zentralen Zapfen, der von einem kegelförmigen Zentrum umgeben ist, welche auf einer Feder sitzen. Die CD wird auf den Kegel gelegt und wackelt weiter. Wenn man den Deckel nach unten drückt, senkt sich ein Magnet auf die Mitte der CD und drückt den Kegel nach unten, so dass die CD genau in der Mitte liegt - so zumindest die Theorie. In der Realität sind CDs manchmal etwas aus der Achse geraten, was zu einem Wackeln der Scheibe und des Magneten auf der Oberseite führt. Und da die Spitze des Magneten durch den Deckel von außen sichtbar ist, fragt man sich, wie lange das Gezappel noch gut gehen wird. Obwohl das speziell angefertigte Sony-Laufwerk des Rega trotz des Eierns der Platte erstaunlich stabil bleibt, ist es manchmal möglich, das Wackeln in der Musik zu hören, und zwar durch seltsam gedehnte und dann wieder gestauchte Passagen. Wenn die Platte springt, ist der Sprung ziemlich brutal und kann den Laser um bis zu einem halben Lied verstellen. Das deutet auf harte Arbeit der Fehlerkorrektur im Vorfeld hin. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass die meisten CDs nur wenig eiern, und bei denen, die eiern, sind die Nebenwirkungen minimal. Aber der Player verzeiht weit weniger Bedien- und Aufstellfehler als jeder andere CD-Player, den ich je hatte. Das Abspielen einer CD wird zu einem ebenso heiklen Ritual wie das Abspielen einer Schallplatte.

    Aufgrund des hohen Gewichts des Magneten ist der Planet 2000 recht anspruchsvoll, was die richtige Platzierung im Rack angeht. Das Laufwerk befindet sich in der Mitte des stranggepressten Aluminiumgehäuses, das die Vibrationen entlang der gewölbten Seiten zu den vier Gummifüßen leitet. Im Gegensatz zu unseren anderen CD-Playern benötigt der Rega, ähnlich einer Waschmaschine, genau das richtige Maß an Unterstützung, um ihn im Betrieb ruhig zu halten. Mein erster Versuch bestand darin, ihn ohne Sockel in unser Regal zu stellen, aber dadurch klang der Player rau und unruhig. Dann habe ich einen Sockel aus Oehlbach Absorberpads aufgebaut. Der Player klang weich, hatte aber ernsthafte Timing-Probleme, die mich dazu brachten, nach den Macken zu suchen, anstatt der Musik zuzuhören. Ich tauschte die Absorber gegen härtere Oehlbach Pucks aus, was zwar das Timing verbesserte, aber irgendwie zu einem Mangel an Bass führte. Schließlich stellte ich die Base aus Multiplex zur Verstärkung direkt auf das Rack und war überrascht, dass dies bei weitem am besten klang.

    Ich finde es toll, dass der Planet 2000 den Anschluss eines eigenen Netzkabels erlaubt. Leider macht es die zentrale Position der Buchse schwieriger, das Berühren von Kabeln hinter dem Rack zu vermeiden, vor allem, da spezielle Kabel wie das Lapp Ölflex ziemlich steif sind. Das Ein- und Ausschalten des Players ist möglich, während Vorverstärker und Endstufe eingeschaltet sind, ohne eine Spur von Knacken. Diese hervorragende Stummschaltung des Players bei Änderung des Betriebszustands ist durchaus bemerkenswert und sehr praktisch. SPDIF-, Toslink- und RCA/Cinch-Buchsen stehen für alle möglichen Anwendungen zur Verfügung, allerdings sind die Stecker leicht in die Rückwand eingelassen, was sie in Kombination mit manchen Steckertypen unpraktisch machen könnte. Die Buchsen könnten auch etwas stabiler sein.

    Obwohl das Display über eine eigene Energiequelle aus dem Ringkerntransformator verfügt, sind die klanglichen Auswirkungen des eingeschalteten Displays immer noch in einem leicht komprimierten und verschwommenen Klangbild zu hören. Mit der Display-Off-Funktion kann das Display während der Wiedergabe ausgeschaltet werden, was sich positiv auf den Klang auswirkt. Und da man den Unterschied hören kann, macht es Sinn, die Display-Off-Funktion auch wirklich zu nutzen, wenn man über ein entsprechendes System und entsprechende Ohren verfügt. Wenn diese Funktion aktiviert ist, leuchtet das Display jedoch nur kurz auf, um Fernbedienungsbefehle zu bestätigen. Das ist zwar recht praktisch, aber die Einschaltzeit ist etwas zu kurz, um den Titel lesen zu können. Das Display selbst ist rot und relativ dunkel, wenn es eingeschaltet ist. Das erschwert die Ablesbarkeit über größere Entfernungen.

    Um eine optimale Leistung zu erzielen, muss der Planet 2000 mit einem hervorragenden Verbindungskabel kombiniert werden. Meiner Erfahrung nach können einfache Kupferkabel sein volles Potenzial nicht entfalten und könnten ein Grund dafür sein, dass einige private Rezensenten von einem Mangel an Details berichten. Ich habe den Player mit verschiedenen Arten von RCA/Cinch-Verbindungen getestet, von massivem Kupferkern über silberbeschichtetes, mehrpoliges Kupfer bis hin zu Solid-Core Silberkabeln, und ich kann berichten, dass die letzteren Leiter alle anderen Möglichkeiten bei weitem übertrafen. Bei Verwendung des HBS2 mit massivem Silberkern klingt der 2000er ausreichend nach vorne gerichtet und erzeugt eine weit offene Klangbühne mit einem breiten und präzisen Phantom-Mittenbild. Über den Detailreichtum kann ich mich nicht beklagen. Sollte eine Disc ins Trudeln geraten, ist dies meist durch Timing-Probleme und wechselnde Kanal-Ungleichgewichte zu hören.

    Wenn die Aufnahme es zulässt, bietet der Planet 2000 einen sanften Musikfluss mit einem kultivierten Top-End. Er ist nicht ganz so üppig wie der Philips CD 104 (NOS mod.), und er bringt die Musik auch nicht mit solcher Heftigkeit nach vorne. Er bietet jedoch ausreichend Bass, wenn er richtig im Regal steht. Die Musik, die er produziert, ist klanglich akkurat bei Klavier, Stimme und Schlagzeug. Der Gesamteindruck ist entspannt und bietet genügend Unterhaltung, um mich auch bei längeren Hörsessions bei Laune zu halten.

    Der größte Nachteil des Rega Planet 2000 scheint der Magnet zu sein, der die CD festhält. Rega hat den Ringkerntransformator physisch von der Hauptplatine und dem CD-Transport entkoppelt. Sie haben Sony gebeten, sie bei der Entwicklung eines einzigartigen Transportmechanismus zu unterstützen, und dennoch bringt ein wackeliger Magnet eine neue Unsicherheit in die Gleichung ein. Da das gesamte CD-Laufwerk in Form eines preisgünstigen Kits, das unter den Lademechanismus geschraubt wird, ausgetauscht werden kann, werde ich versuchen, das Problem mit einem neuen Laufwerk zu beheben. Wenn aber der Magnet selbst für das Taumeln verantwortlich ist, muss diese Angelegenheit weiter untersucht werden. Alles in allem ist der Versuch, den Planet 2000 vollständig zu restaurieren, eine lohnende Sache, da der Player selbst weitaus besser funktioniert als die typischen CD-Spieler in der mittleren Preisklasse, die man heute auf dem Markt findet. Im Einklang mit der Tradition anderer britischer Audiomarken bietet dieser Player einen mutigen und einzigartigen Designansatz, der es verdient, weiter erforscht zu werden. Er passt daher gut zu unserem Website-Motto.

    Technische Daten

    • Lasertyp: Halbleiter
    • Wellenlänge: 780 nm
    • Transport: Sony, oben liegend
    • DAC: Wolfson, 24-Bit Sigma Delta IC40
    • Filterung: 3-stufiges lineares FIR, 16x Oversampling
    • Anschlüsse: Line (unsymmetrisch), S/PDIF (koaxial), Toslink
    • Line-Ausgang (max.): 2 V
    • Ausgangsimpedanz: 930 Ohm
    • Digitaler Ausgang: 0.5 V
    • Lastimpedanz (min.): 75 Ohm
    • Leistungsaufnahme (max.): 10 Watt
    • Formate: CD, CD-R, MP3, WMA, WAV, AIFF
    • Extras: 'Solar Wind'-Fernbedienung, CD-Textanzeige
    • Abmessungen: 43,5 cm (B) x 10,0 cm (H) x 27,0 cm (T)
    • Benötigter Platz: 43,5 cm (B) x 18,0 cm (H) x 31,5 cm (T)
    • Gewicht: 3.65 kg
    • Jahr: 2000

    Musik by Cara live music
  • Sony CDP-502ES

    Sony CDP-502ES

    25.3.2023

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): CD-Players

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der CDP 502 ES war einer der ersten CD-Player von Sony. Er stammte aus einer Zeit, in der den Ingenieuren noch enorme Budgets zur Verfügung standen, um alles Menschenmögliche aus dem neuen digitalen Audiomedium herauszuholen. Und obwohl der CDP 101 von Sony der erste CD-Player war, der Anfang 1982 auf den Weltmarkt kam, wusste das Unternehmen auch, dass es nicht allein im Rennen war. Um die Forschungs- und Entwicklungskosten zu senken und das eigene Risiko zu verringern, hatte Sony die Technologie in einem Joint Venture mit Philips entwickelt, die gleichzeitig als erste ihren CD-100 in Europa auf den Markt brachten. Marantz, Denon und andere Hersteller folgten bald, und Sony musste innovativ bleiben, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Der CDP 502 ES kam 1984 auf den Markt, nur zwei Jahre nach dem CDP 101, und enthielt bereits viele Verbesserungen gegenüber den ersten Modellen der Marke.

    Ich erhielt mein Testexemplar von Luigi, der ihn zusammen mit einigen anderen Audiogeräten von einem Sammler erworben hatte. Auf den ersten Blick gab es keine Anhaltspunkte, die auf die außergewöhnlich hohe Qualität des CDP 502 ES hätten schließen lassen. Für mich sah er aus wie die anderen CD-Player der frühen 1980er Jahre. Black-Box-Design mit Frontlade, viele quadratische Tasten, ein unauffälliges Display, Fernbedienungssensor und Lautstärkeregler für Kopfhörer und Ausgang. Das Design war wirklich nichts Besonderes, bis ich versuchte den Sony vom Tisch zu heben, auf den Luigi ihn gestellt hatte. Er war nicht nur schwerer als die üblichen Geräte, die zu dieser Zeit verkauft wurden, er schien auch robuster zu sein. Ich fragte mich, ob Sony wohl auch Bleibleche unter die obere Platte des Geräts geklebt hatte, wie ich es zuvor beim Denon DCD 1500 II gesehen hatte, doch ein kurzer Blick unter die Haube offenbarte substanziellere Gründe für das Gewicht des CDP 502 ES.

    Der Frontlader-Laufwerksmechanismus war aus gefrästen Metallblöcken statt aus Kunststoff gefertigt. Es gab einen großen Transformator mit getrennten Ausgängen für den digitalen und den analogen Audioteil sowie für das Frontdisplay und den Laufwerks- und Ladeteil. Die Kondensatoren zur Stabilisierung der Stromversorgung sahen groß genug aus, um auch einen kleinen Verstärker zu versorgen. Eine verkupferte Metallplatte trennte das Laufwerk und die Stromversorgung von der Audiosignalsektion, eine weitere Platte trennte die digitale Verarbeitung von der analogen Ausgangsstufe. Obwohl dies von außen nicht sofort sichtbar war, hatten die Ingenieure von Sony viele Vorkehrungen getroffen, um die Audioleistung auf ein neues Niveau zu heben. Dank der massiven Komponenten und des hochwertigen Lademechanismus fühlte sich der CDP 502 ES eher an wie ein professionelles Studiogerät.

    Obwohl es für einen CD-Spieler schwierig war, mit dem gusseisernen Laufwerk des Philips CD 104 mit seinem ausgeklügelten Schwenkarmlaser und den Rodenstock-Glaslinsen zu konkurrieren, muss ich sagen, dass ich das sanftere und elegantere Gefühl des Sony-Laufwerks bevorzugte. Der simple Akt des Einlegens der Disc in das Fach fühlte sich schon sehr befriedigend an. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das schlichte Design diesen Überraschungseffekt noch verstärkte. Es gab keine erkennbare Verzögerung beim Schließen der Lade, und das Gerät bot einen ultraschnellen Vorscan und Titel-Zugriff. Tastenbefehle wurden durch eine sofortige Rückmeldung der integrierten Relaisschaltung ausgeführt, die noch aus einer Entfernung von 4 Metern (!) deutlich hörbar war. Wenn der CDP 502 ES in Betrieb war, zeigte jeweils eine von drei hintergrundbeleuchteten Tasten den Wiedergabemodus an (Programm, Zufallswiedergabe und Dauerbetrieb).

    Der Sony bot zwei Chinch/RCA-Ausgänge, von denen einer über das Line Out/Kopfhörer-Lautstärkepoti regelbar war. So konnte der CD-Spieler ohne großen Aufwand auch in Systemen mit Komponenten unterschiedlicher Ausgangspegel integriert werden. Ich hätte mir einen digitalen S/PDIF-Ausgang für noch mehr Flexibilität gewünscht und hätte auch eine Display-Off-Funktion zur zusätzlichen Rauschunterdrückung begrüßt. Da ich jedoch keine Fernbedienung mit dem Gerät erhalten hatte, blieb ich im Unklaren darüber, ob die Display-Off-Funktion dort vielleicht vorhanden gewesen wäre. Der Kopfhöreranschluss war vom größeren 3/4-Zoll-Typ, was auch meiner persönlichen Vorliebe entsprach. Die Wiedergabegenauigkeit sollte aufgrund der Verwendung eines damals neu entwickelten unilinearen Wandlersystems, welches die gesamte digitale Signalverarbeitung in Synchronisation mit nur einem Taktgeber durchführte, hervorragend sein.

    Sony erklärte, der CDP 502 ES stehe für eine neue Generation von Referenzgeräten, und audiophile Hörer begrüßten die Fähigkeit des Geräts, viele musikalische Details wiederzugeben und gleichzeitig die klangliche Wärme zu bewahren, die oftmals mit analogen Geräten verbunden war. Sony leistete auch Pionierarbeit bei der Entwicklung von phasenkorrekten analogen und digitalen Filtern sowie bei der Korrektur von Lesefehlern, Features, die bereits in das Design des 502 integriert wurden. Die analoge Stufe und die Ausgangsverstärker waren doppel-mono ausgelegt und verwendeten von Sony damals neu entwickelte OP-Amps. In vielerlei Hinsicht vereinte der CDP 502 ES das Beste, was es zu jener Zeit an CD-Player-Technologie gab, und ich war gespannt darauf, wie das 40 Jahre alte Gerät im Hörtest abschneiden würde.

    Ich schloss den CDP 502 ES an unser Hauptsystem an, das aus einem Dynaco PAS-4 Röhrenvorverstärker und einem Hafler 280 XL Linear MOSFET Endverstärker bestand. Die Lautsprecher waren ein Paar Martin Logan SL-3. Die elektrostatischen Panels der Martin Logans waren in der Lage, selbst die subtilsten Nuancen wiederzugeben, und der Dynaco-Vorverstärker sorgte dafür, dass der Gesamteindruck klanglich reichhaltig und nicht übermäßig analytisch war. Die Hafler-Endstufe bot rund 250 Watt pro Kanal an 4-Ohm-Lasten und zeigte große Niederohm-Fähigkeiten bis hinunter zu 1-Ohm. Die Endstufe war auch für ihre ultra-lineare Verstärkung, weit über das hörbare Spektrum hinaus, bekannt. Unser standard CD-Spieler in dieser Position war ein Rega Planet 2000, dem ebenfalls ein analoger Klang nachgesagt wurde.

    Für meine Hörtests verwendete ich eine Auswahl an Jazz- und Vocal-Jazz-CDs, Rock und sogar etwas Hip-Hop. Ich wollte herausfinden, wie der CDP 502 ES in einem breiten Spektrum von Stilen abschneiden würde. Nach dem, was ich auf den Platinen gesehen hatte, konnte ich mir vorstellen, dass der Sony ordentlich zupacken würde, und ich wurde nicht enttäuscht: Die Musik war schnell und laut mit leichter Betonung der oberen Bässe. Bei Verwendung der Cinch/RCA-Buchsen mit festem Ausgangspegel gab es von der ersten Sekunde an eine massive Verstärkung, und die Musik schien so druckvoll zu sein, dass es schon fast zu viel des Guten war. Und dennoch gab es auch den Eindruck der straffen Kontrolle, der mich irgendwie an den DCD 1500 II von Denon erinnerte, einen CD-Player, der erst zwei Jahre später auf den Markt gekommen war.

    Sowohl der Denon als auch der Sony waren zu ihrer Zeit High-End-Geräte, und beide brachten um die 9 kg auf die Waage. Bei beiden Geräten wurde sehr viel getan, um die Verzerrungen im Hochtonbereich zu reduzieren. Infolgedessen schienen beide CD Spieler eher mit Stechschritt durch die Songs zu marschieren, als dabei locker beschwingt zu musizieren. Der resultierende Klang fühlte sich manchmal etwas leblos an, und ich hätte mir mehr Freiraum für die Entfaltung der Musik und ein längeres Nachklingen einzelner Noten gewünscht. Die starke Oberbasspräsenz konnte Stimmen zu etwas mehr Substanz verhelfen, was ein willkommener Effekt war. Andererseits klangen schnellere Passagen bisweilen etwas überladen oder verstopft.

    Klaviertasten säuselten nicht so lange nach und klangen auch nicht so abgrundtief wie bei unserem 30 Jahre jüngeren Rega-CD-Player. Die Tiefbasswiedergabe des Sony war insgesamt gut, aber eben nicht überragend. Trotz des Vorsprungs, den Sony bei der Fehlerkorrektur hatte, konnte der CDP 502 ES bei schmutzigen oder zerkratzten CDs nicht so gut abschneiden. Damit die Musik am besten klang, mussten die CDs in einem guten Zustand sein. Mit Leichtigkeit konnte ich bestätigen, dass der Sony von 1984 einen analogen und nicht-analytischen Klang auf unserem System lieferte. Der CDP 502 ES klang voller, reichhaltiger und dunkler als viele seiner Konkurrenten. Durch die starke Nachbearbeitung durch Filterelemente ging jedoch etwas von dem eigentlichen Fluss und der Musikalität der Aufführung verloren, was die Glaubwürdigkeit des Musikereignisses etwas beeinträchtigte.

    Schließlich konnte ich nicht umhin, mich zu fragen, ob es Modifikationen für diesen Player gab, die einige der analogen und digitalen Filterstufen entfernten, um die Schönheit und Kraft des darunter liegenden Diamanten freizulegen. In Anbetracht dessen, was Roman Groß 'New Perspectives on Sound' und 'KR High End Laboratory' mit ihrer Revision des Philips CD 104 erreicht hatten, schien es naheliegend, anzunehmen, dass auch der CDP 502 ES das Potenzial hatte, die meisten modernen CD-Spieler in den Schatten zu stellen, einfach aufgrund der beeindruckenden Komponenten, die in seinem Inneren verwendet wurden.

    Technische Daten

    • Typ: Compact-Disk-Spieler
    • Laser-Typ: GaAlAs-Doppel-Heterodiode
    • Plattenumdrehungen pro Minute: 500 ~ 200 (CLV)
    • Abspielgeschwindigkeit: 1,2 - 1,4 m/s
    • Fehlerkorrektur: Sony Super Strategie
    • DAC-Verbindung: 16-Bit, gerade Linie
    • Frequenzbereich: 2 - 20.000 Hz (+/- 0,3 dB)
    • Harmonische Verzerrung: < 0,0025% (1 kHz)
    • Dynamischer Bereich: < 96 dB
    • Gleichlaufschwankungen: nicht messbar
    • Line-Ausgang: 2 Volt
    • Kopfhörer-Ausgang: 28 mw (32 Ohm)
    • Leistungsaufnahme: 16 Watt
    • Abmessungen: (B) 430mm x (H) 80mm x (T) 335mm
    • Gewicht: 8,5 kg
    • Zubehör: Drahtlose Fernbedienung, RM-D502
    • Land der Herstellung: Japan
    • Jahr(e): 1984-1987

DACs

DACs

Ein DAC wird benötigt, um digitale Signale, die von einem CD-Player, einem Streamer, einem Laptop oder einem PC und möglicherweise vielen anderen Quellen kommen, in ein analoges Signal umzuwandeln, das von einem analogen Vorverstärker oder einem ähnlichen Gerät verarbeitet werden kann. Da das digitale Signal eine Annäherung an ein analoges Signal ist, sind einige Berechnungen erforderlich. Schließlich ist im analogen Segment des DAC eine gewisse Voraussicht und klangliche Kalibrierung erforderlich, um die Ausgangsstufe des DAC an das empfangende Gerät anzupassen.

Die Magie kommt ins Spiel, wenn wir unseren DAC an einen hochwertigen CD-Player anschließen. Denn in diesem Fall sind sowohl die Bittiefe als auch die Abtastrate des Mediums gegeben. Die Frage, um die es geht, ist: Wird der externe DAC den internen DAC des CD-Players übertreffen, und in welcher Hinsicht? Zugegeben, man muss schon ein audiophiler Spinner sein, um diese Art von Herausforderung zu genießen. Aber Jungs müssen spielen, und das ist wohl auch gut so. Andere Leute setzen sich stundenlang ans Wasser, um Fische herauszuziehen, nur um sie dann anschließend wieder zurück ins Wasser zu werfen.

  • Cambridge DacMagic 100

    Cambridge DacMagic 100

    18.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): DACs

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Cambridge Audio hat sich seit langem einen Namen in der Audio-Welt gemacht und bietet sehr gut klingende Geräte zu fairen Preisen an. Für den audiophilen Einsteiger geht das völlig in Ordnung, solange man nicht auf eine beeindruckende Verarbeitungsqualität besteht. Der kleine 'DacMagic 100' steht in dieser Tradition. Ähnlich ausgestattet wie sein größerer Bruder, der 'DacMagic Plus', bietet das Gerät einen einzelnen 8742 Wolfson-Chip, der auch in höherpreisigen Digital-Analog-Wandlern von Rega und ähnlichen Marken zu finden ist. Der USB 1.0-Anschluss mag ein wenig veraltet klingen, kann jedoch Daten mit einer Geschwindigkeit von bis zu 192 kHz verarbeiten. Zusätzlich zum USB-Anschluss verfügt der Wandler über zwei S/PDIF-Eingänge und einen optischen Toslink-Eingang. Die Ausgänge sind nur RCA/Cinch, eine Unzulänglichkeit für einige Benutzer, die er nicht mit seinem größeren und deutlich besser ausgestatteten Stallgefährten teilt.

    Ken Rockwell hat einen ausführlichen Testbericht über beide Cambridge DACs geschrieben und kommt in seinen Messungen zu dem Schluss, dass in beiden Fällen insbesondere die USB-Signalverarbeitung von unbestreitbarer Qualität ist. In meinen eigenen Hörtests habe ich festgestellt, dass der DacMagic 100 über die gesamte Bandbreite sehr gut abschneidet, ohne sofort erkennbare Ungleichgewichte. Der Bühneneindruck ist sowohl breit als auch tief mit viel Raum zwischen den Instrumenten. Stimmen kommen lebensecht rüber, vielleicht mit einer leichten Tendenz zu viel Transparenz. Obwohl die Basswiedergabe von Anfang an schlank und schnell war, hatte sie dennoch nicht die Fülle einiger teurerer Geräte. In dieser Preisklasse liegt die Schwäche des Produkts verständlicherweise in der Stromversorgung. Mit einem leistungsfähigeren Netzteil als dem billigen Plastik-Schaltnetzteil öffnete sich der Bass und lässt seither keine Wünsche mehr offen.

    Der DacMagic 100 ist ein großartiger Einstiegs-DAC für audiophile Menschen mit kleinem Budget, die einen hohen Anschaffungspreis scheuen. Die nachträgliche Anschaffung eines Netzteils ist fast schon ein Muss, obwohl es den Preis des Geräts fast verdoppelt. Für Käufer, die mit diesem zweistufigen Prozess leben können, bietet der DAC wirklich Qualität. Wenn Sie jedoch bereit sind, von Anfang an die gesamte Summe zu investieren, können Sie auch einen DAC kaufen, der von Anfang an über ein anständiges Netzteil verfügt.

    Technische Daten

    • Digital/Analog-Wandler: Wolfson WM8742 24-Bit-DAC
    • Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz (±0,1dB)
    • Klirrfaktor bei 1 kHz 0 dBFS <0,0025% 24-Bit
    • Klirrfaktor bei 1 kHz -10 dBFS <0,0025% 24-Bit
    • THD @ 20 KHZ 0DBFS <0,0025%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: -113 dBr
    • Jitter: <130pS
    • Crosstalk: @ 1 KHZ < -130 dB
    • Crosstalk: @ 20 KHZ < -112 dB
    • Ausgangsimpedanz: <50 Ohm
    • Ausgangspegel unsymmetrisch: 2,3 V rms
    • Digitale Eingangsbreite: 16-24 bit
    • Digitale Eingangsfrequenzen: 32kHz, 44.1kHz, 48kHz, 88.2kHz, 96kHz, 192kHz
    • Leistungsaufnahme: 5 W
    • Abmessungen: 106 mm x 46 mm x 130 mm

    Bildbeschreibung

    In der Draufsicht erkennt man drei getrennte Sektionen, die interne Stromversorgung (unteres Drittel), die Betriebs- und Schaltsektion um den Hauptprozessor (Mitte) sowie die digital-analoge Verarbeitungssektion (oberes Drittel). Das obere Drittel gliedert sich in die digitale Sektion mit drei Taktgebern und dem Wolfson 8742 DAC-Chip (rechts) und die analoge Ausgangssektion mit einem Operationsverstärker-Chip pro Kanal und einem Satz Kondensatoren (links).


Phono-Tonabnehmer

Phono-Tonabnehmer

Magnetische Phono-Tonabnehmer - oder schlicht "Tonabnehmer", wie sie häufig genannt werden - sind notwenig, um die in die Schallplattenrille gepressten Klanginformationen in elektrischen Strom umzuwandeln, der dann vom Vorverstärker, dem Leistungsverstärker und schließlich den Lautsprechern verarbeitet werden kann. Die technische Genauigkeit und die klangliche Ausgewogenheit dieses winzigen elektromechanischen Geräts entscheiden bei der Wiedergabe von Schallplatten über die klangliche Integrität unserer Stereoanlage; eine Tatsache, die perfekt mit der bekannten Audio-Regel "Garbage in = Garbage out" übereinstimmt. Mit anderen Worten: Alles, was der Abtastnadel an Klanginformationen entgeht, wird vom Hörer nicht wahrgenommen, und alles, was sie durch ihre eigene Fehlerhaftigkeit hinzufügt, wird die Signatur der Musik sein, die wir hören. Es ist daher sehr sinnvoll, den Tonabnehmer gut auszuwählen.

Für Vinyl-Neulinge, zu denen ich bis vor kurzem auch gehörte, ist es schwer zu verstehen, warum man viel Geld für einen so winzigen Gegenstand ausgeben sollte. Schließlich ist es schwierig, dem Ehepartner und den meisten Freunden zu erklären, warum man sein Geld für einen Tonabnehmer ausgibt. Nach einigen Tonabnehmern bin ich jedoch immer noch verblüfft über die immer größer werdende Menge an musikalischen Informationen, die einer scheinbar veralteten Vinylscheibe entlockt werden kann. Abhängig von der Qualität und der Mischung der Komponenten, die in einem Tonabnehmer verwendet werden (Nadel, Cantilever, Motor oder Gehäuse), können die Unterschiede zwischen zwei Tonabnehmern enorm sein. Ich habe daher beschlossen, Tonabnehmern einen eigenen Abschnitt zu widmen, einfach um ihnen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen

  • AT VM540 ML

    AT VM540 ML

    28.10.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Phono Cartridges

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Wie einige unter Ihnen vielleicht noch aus meiner Besprechung unseres Technics SL1310-Plattenspielers wissen, war dieser mit seinem original Shure M75-Tonabnehmer mit ED-Nadel (elliptischer Diamant) aus den späten 1970er Jahren bei uns eingezogen. Um sicherzugehen, dass die abgenutzte Nadel unsere Schallplatten nicht zerstört, hatte ich diese zunächst unter dem Mikroskop überprüft und für tauglich befunden. Am linken Kanal gab es anfänglich elektrische Probleme, die unser Techniker des Vertrauens löste, indem er mit seinem Lötkolben einen defekten Stift tiefer in den Tonabnehmer drückte. Damit hatte er die Verbindung wiederhergestellt, und der Plattenspieler funktionierte gut, bis vor kurzem der linke Kanal erneut ausfiel. Es war höchste Zeit für einen Wechsel.

    Bei der Inspektion des Tonarms des Technics wurde ich daran erinnert, dass dieser Plattenspieler bereits mit der praktischen Halbzoll-Headshell-Aufnahme ausgestattet war. Wenn ich also in einen neuen Tonabnehmer investieren wollte, konnte ich auch gleich die Headshell und die Verkabelung mit austauschen. Und da die Headshell sowohl den Tonabnehmer als auch die Anschlüsse aufnahm, würden ihre Resonanzen und die Qualität ihrer Verkabelung einen gewissen Einfluss auf die Klangqualität haben. Ich suchte im Internet nach möglichen Kombinationen von Tonabnehmer und Nadel und zog unter den eher audiophilen Exemplaren drei recht erschwingliche MM-Modelle (Moving Magnet) in die engere Wahl, die allesamt für mittelgroße Tonarme ausgelegt waren: das Ortofon 2M Silver, das Nagaoka MP-150 - das eigentlich ein MI-Tonabnehmer (Moving Iron) ist und damit einem MM ähnelt - und das Audio Technica VM 540 ML.

    Unter den drei Tonabnehmern hatte der Audio Technica die ausgefeilteste Nadel. Und da wir mit dem Audio Technica VM 95 ML, den wir für unseren Sansui SR-525 gekauft hatten, immer noch sehr zufrieden waren, war ich neugierig, die Unterschiede zwischen den beiden Tonabnehmern desselben Herstellers zu erforschen. Sie waren beide mit mikrolinearen Nadeln ausgestattet, wobei die Spezifikationen der 500er-Serie denen des 95ers leicht überlegen sind. Um das Ergebnis meiner Überlegungen zu bestätigen, besprach ich mich vor meiner Entscheidung mit einem Verkäufer von thakker.eu, der mir bestätigte, dass die ML-Version aufgrund ihrer ausgefeilten Abtastnadel der Konkurrenz in dieser Preisklasse voraus war. Für die 500er-Serie standen insgesamt folgende Tastereinsätze zur Auswahl:

    Auswahl an Abtastnadeln

    • AT-VM510 CB = Konisch - Gebundener Rundschaft
    • AT-VM520 EB = Elliptisch - gebundener Rundschaft
    • AT-VM530 EN = Elliptisch - Nackter Rundschaft
    • AT-VM540 ML = Mikrolinear - Nackter Vierkant-Schaft
    • AT-VM550 SH = Shibata - Nackter Vierkantschaft
    • AT-VM560 SLC = 0,28 x 1,5 Mil Spezial-Linekontakt

    Mit Ausnahme des VM560 SLC, das mehr als doppelt so teuer war wie das VM540 ML (und damals das teuerste MM-Tonabnehmersystem von Audio Technica überhaupt), galt die mikrolineare Version als das Vielseitigste unter den verfügbaren Modellen. Obwohl die 500er Serie von manchen immer noch als Einsteigermodell angesehen wurde, war das ML dank des mikrolinearen Schliffs der Nadel in Kombination mit der nackten Montage auf einem quadratischen Schaft sehr wohl in der Lage, auch die kleinsten Nuancen aus der Schallplattenrille herauszuholen. Ähnlich wie beim 95er wurden beim 500er Tonabnehmer zwei Magnete verwendet, die in Form eines "V" angeordnet waren, um der Form des Messerkopfes bei der Plattenherstellung zu entsprechen. Das Design sollte eine maximale Amplitude und eine verbesserte Kanaltrennung gewährleisten. Der Tonabnehmer wurde so konzipiert, dass er auf den meisten Tonarmen mit geringer und mittlerer Masse gleichermaßen gut funktionierte. In der Version VM540 ML/H war er auf dem Headshell HS-10 von Audio Technica vormontiert, und ich beschloss, dass dies die praktischste Lösung für unseren SL1310 war.

    Als der Tonabnehmer auf dem Postweg eintraf, war ich angenehm überrascht, wie leicht sich das Headshell aus der Verpackung herausdrehen ließ, und ich beschloss, dass ich dasselbe Kästchen zur sicheren Aufbewahrung unseres alten Headshells verwenden würde. Wie ich bereits vom Verkäufer gewarnt worden war, musste der Tonabnehmer zunächst auf das spezifische Layout des SL1310 ausgerichtet werden. Ich benutzte meine vorhandene Ausrichtungsschablone, mit der man die innere Rillenposition bestimmen kann, während die Schablone statisch bleibt, und war angenehm überrascht, dass die umklappbare Nadelabdeckung des VM540 ML auch zum Einstellen des richtigen Winkels und Überhangs diente. Sie erzeugte eine gerade Linie auf dem Winkelmesser, was die Einstellung erleichterte. Ich bemerkte auch, dass das neue VM540 ML/H leichter war als unser ursprüngliches System, was bedeutete, dass ich das Gewicht des Tonarms erheblich reduzieren musste. Ich stellte den Überhang ein und justierte die Auflagekraft mit unserer digitalen Auflagekraftwaage auf die empfohlenen 2,0 Gramm.

    Was mich ein wenig überraschte, war die Tatsache, dass ich den SL1310 vom Stromnetz trennen musste, um diese Einstellungen vorzunehmen, da ich den Tonarm nicht seitlich verschieben konnte, ohne den eingebauten Autostart zu aktivieren. Der Plattenteller sprang jedes Mal an, wenn der Tonarm in die Nähe des Plattentellers gebracht wurde, und obwohl dies ganz offensichtlich ein Merkmal des automatischen Laufwerks war, brauchte ich einen Moment, um zu verstehen, dass es tatsächlich keinen anderen Weg gab, als den Stecker zu ziehen. Vielleicht liegt es nur an mir, aber aus irgendeinem Grund kam mir das Ziehen des Steckers ziemlich plump vor, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich irgendein Detail übersehen hatte, vielleicht einen Ein-/Aus-Schalter.

    Als ich mich schließlich hinsetzte und zuhörte, konnte ich kaum glauben, welche Verbesserung ich gegenüber dem vorher montierten Shure M75 ED hörte. Es war einfach mehr von allem da. Als ich Carmen Lundys album “Soul to Soul” hörte, fiel mir zum ersten Mal die überragende Genauigkeit der mikrolinearen Abtastnadel auf. Und obwohl ich diesen Effekt schon bei der Umstellung auf den ML-Tonabnehmer an unserem Sansui SR-525-Plattenspieler erlebt hatte, war ich erneut tief beeindruckt. Ich hatte mich so sehr an die kleinen Ungenauigkeiten unseres alten Shure-Tonabnehmers gewöhnt, dass das Hören des Albums ohne diese Ungenauigkeiten ein ganz neues Gefühl für das Medium hervorrief. Der VM540 ML produzierte ein sehr niedriges Grundrauschen, zeigte keinerlei Zischlaute und war in der Lage, einen äußerst präzisen Eindruck des ursprünglichen Musikereignisses zu vermitteln. Und obwohl er viele musikalische Details wiedergab, geschah dies in großer harmonischer Kohärenz, ohne dass ein Aspekt besonders hervorgehoben wurde. Ich empfand dies als angenehm, einnehmend und gleichzeitig hervorragend ausgewogen.

    Der Audio Technica ließ unsere Tannoy XT8F-Lautsprecher größer und intensiver klingen, als ich es bisher gewohnt war. Die Klangbühne war ausgezeichnet, wobei Lundys Stimme genau in der Mitte positioniert war und alle Instrumente großzügig um sie herum angeordnet waren. Unterstützt wurde dieser Effekt durch das lange Ausklingen der einzelnen Töne. Transienten waren schon immer eine besondere Stärke der ML-Nadeln. In Lundys "Sardegna" wirkte das Xylophon fast dreidimensional, einzelne Töne erschienen so lebendig wie die sprudelnden Perlen in einem Glas Sekt. Trompeten und höhere Klaviertöne reichten tief in den Raum hinein, während die Schlagzeuger etwas zurückgenommen blieben. Bässe waren zwar vorhanden, doch nicht so ausgeprägt wie beim Shure. Dieser Eindruck blieb auch erhalten, nachdem ich zu Ted Poor's Album "You Already Know" gewechselt hatte, das viel stärkere Bassläufe aufweist. Anstatt dröhnend oder übermäßig ausgedehnt zu sein, blieb der Bass jederzeit nuanciert und kontrolliert. Bass-Enthusiasten würden wahrscheinlich gut daran tun, die Auflagekraft auf 2,2 oder 2,5 Gramm zu erhöhen, aber ich bevorzuge in der Regel ausgeprägtere Transienten gegenüber mächtigem Bassgebrüll.

    Das fantastische Album “Guzu Guzu" des Helge Lien Trios war dichter arrangiert als die beiden vorangegangenen Hörbeispiele und gab dem VM540 ML-Tonabnehmer Gelegenheit zu zeigen, dass er auch in volatilen und unübersichtlichen Situationen, in denen sich eine Vielzahl natürlicher Klänge von akustischen Instrumenten überlagert, präzise bleiben konnte. Zu meiner großen Zufriedenheit spielte er auch dieses Album mühelos und präzise bis hin zur letzten Rille ab, wobei er jede Nuance genau nachzeichnete, ohne sich dabei im Detail zu verlieren. Beim Vergleich mit dem VM 95 ML desselben Herstellers stellte ich fest, dass die beiden sehr ähnlich sind, aber dass das VM540 ML Stimmen mit einem weicheren und ausgewogeneren oberen Spektrum wiedergab. Dies konnte auf den erweiterten Frequenzgang oder auf die bessere Kanaltrennung zurückzuführen sein, aber genauso gut könnte es an der verwendeten Peripherie liegen. Technics Plattenspieler gelten als sehr gut verarbeitet. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nur mit Sicherheit sagen, dass der VM540 ML mit heruntergeklapptem eingebauten Nadelschutz viel einfacher auszurichten war. Wenn Sie darüber nachdenken, einen Vintage-Plattenspieler mit einem Tonarm mit geringer oder mittlerer Masse aufzurüsten, ist die 500er-Serie von Audio Technica sicherlich eine Überlegung wert.

    Technische Daten

    • Klang: Leise auf der Schallplatte, ausgewogen und nuancenreich, warm mit seidigen Stimmen, kontrollierter und gut konturierter Bass
    • Typ: Dualer beweglicher Magnet
    • Frequenzgang: 20 - 27.000 Hz
    • Kanaltrennung (@ 1 KHz): > 28 dB
    • Eingangslast: 47.000 Ohm
    • Ausgang bei 1 KHz 5 cm / Sek.: 4 mV
    • Empfohlene Abtastkraft: 2,0 g
    • Tonabnehmer-Typ: Nude Micro Linear Square Shank
    • Induktivität: 550 mH
    • Widerstandswert: 485 Ω
    • Gewicht: 6,4 g
    • Höhe: 17,3 mm
    • Jahr: 2020 -
    • OSP: EUR 246,00 (Deutschland)
    • Stylus-Ersatz: VMN40ML

    Klangeindrücke basierend auf der folgenden Anlage: Technics SL1310 Plattenspieler, Dynaco PAS4 Vorverstärker, Hafler XL 280 Endstufe, Tannoy XT8F Lautsprecher.


  • AT VM95 E

    AT VM95 E

    13.11.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Phono Cartridges

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der VM95 E von Audio Technica ist ein Moving-Magnet-Tonabnehmer der Einstiegsklasse, der 2019 die Nachfolge des weithin bekannten AT95 E antrat. Das neue Design umfasst Verbesserungen an der elliptischen Abtastnadel, die nun dünner ist, sowie eine höhere Ausgangsspannung. Die neue VM95-Engine unterstützt eine ganze Reihe kompatibler Nadeln, was Upgrades etwas billiger und bequemer macht, als wenn man den kompletten Tonabnehmer ersetzen müsste. Die verfügbaren Ersatznadeln reichen in 6 Stufen vom einfachen konischen Design bis zum komplexen 'Shibata' (patentierter Schliff). Während die niedrigeren Ersatznadeln mit einer Art Lötmittel an den Schaft geklebt werden, werden die höherwertigen Tastereinsätze direkt verbunden, d. h. "nackt".

    Auswahl der Abtastnadeln

    • AT-VM95 C = Konisch - gebundener runder Schaft
    • AT-VM95 E = Elliptisch - gebundener runder Schaft
    • AT-VM95 SP = Konisch SP - gebundener Rundschaft (Schellack)
    • AT-VM95 EN = Elliptisch - Nackter Rundschaft
    • AT-VM95 ML = Mikrolinear - Nackter Vierkant-Schaft
    • AT-VM95 SH = Shibata - Nackter Vierkant-Schaft

    Das VM95 E ist mit der zweit-möglichen Einstiegsnadel ausgestattet und weist bereits einige deutliche Verbesserungen gegenüber dem nicht mehr produzierten AT95 E auf, obwohl es einige der typischen Merkmale beibehält, die von einem elliptisch gebundenen Design zu erwarten sind. Besonders wenn man von den anspruchsvolleren Nadeln, wie dem Micro-Linear oder dem Shibata kommt, fehlt dem AT95 E etwas von der Klarheit und Nuancierung, zu der die höherwertigen Versionen fähig sind. Auf Katie Meluas “Album Nr. 8" aus dem Jahr 2020 wirkt die Musik zum Beispiel komprimierter. Ein allgemeiner Mangel an klanglichen Details lässt ihre Stimme weniger aufschlussreich und daher nicht so nah und einfühlsam erscheinen, wie wir es von der mikrolinearen Abtastnadel gewohnt sind.

    Während zwischen den Instrumenten immer noch genügend Raum vorhanden ist, klingen schlechtere Aufnahmen eher dumpf und zurückhaltend. Stimmen werden jedoch tonal ausgewogen und vollmundig wiedergegeben, was sicherlich eine Stärke ist. Ich habe das Gefühl, dass das VM95 E Stimmen tonal genauer wiedergibt als einige der höheren Versionen, da es keine Spur von nasalen Effekten gibt. Auf der anderen Seite kann die elliptische Abtastnadel zischende Stimmen produzieren, wie es bei meiner schlechten Pressung von Norah Jones "Come Away with Me"-Album der Fall ist, die mit der ML-Nadel noch richtig Spaß macht und mit der E-Version gerade noch zu ertragen ist.

    Während die Basswiedergabe akkurat und sicherlich voller und präsenter ist als beim früheren AT95 E, fehlen bisweilen Nuancen im Bass, Tiefbass und musikalische Details, besonders im direkten Vergleich mit den höherpreisigen Versionen. Und das ist wohl der Aspekt, der es dem AT95 E in der Einstiegsklasse am schwersten macht: die Konkurrenz an Nadeln, die auf diesem Engine basiert. Als wir vor zwei Jahren unsere Erkundungen mit dem AT95 E begannen, dachte ich, dass mich der Mangel an Details nicht stören würde, solange die Musik tonal ausgewogen ist. Wenn man jedoch von der neueren und leistungsfähigeren ML-Version auf unsere anderen HiFi-Anlagen wechselt, macht es jetzt einfach weniger Spaß, dem AT95 E zuzuhören. Nicht, weil er eine schlechte Leistung erbringt, sondern einfach, weil ich inzwischen den anspruchsvolleren Klang zu schätzen gelernt habe, was leider ein bekanntes audiophiles Dilemma ist: "Wenn man es einmal gehört hat, gibt es kein Zurück mehr."

    Technische Daten

    Charakter: ein solider Tracker mit gelegentlichen Zischlauten, der musikalische Details halbwegs offenbart, vollmundig, warm und tendenziell neutral, musikalisch ausgewogen

    • Frequenzgang: 20 - 22.000 kHz
    • Kanaltrennung bei 1 KHz: 20 dB
    • Ausgangswiderstand: 47 kOhm
    • Ausgang bei 1 KHz 5 cm/Sek.: 4,0 mV
    • Empfohlene Abtastkraft: 2,0 g
    • Nadeltyp: elliptische Abtastnadel, gebondete Halterung
    • Induktivität: 550 mH
    • Widerstandswert: 485 Ω
    • Gewicht: 6,1 g
    • Jahr: 2019
    • OSP: EUR 46,00 (Deutschland)
    • Stylus-Ersatz: Original, EUR 28,00

    Audio Technica
    Technica House
    Unit 5, Millennium Way
    Leeds
    United Kingdom
    LS11 5AL


  • AT VM95 ML

    AT VM95 ML

    11.11.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Phono Cartridges

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die Audio-Technica Corporation ist ein japanischer Hersteller von Phono-Tonabnehmern, Plattenspielern, Kopfhörern und professionellen Mikrofonen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Tokio und brachte seine ersten Produkte, die AT-1 und AT-3 MM-Tonabnehmer, im Jahr 1962 auf den Markt. Zu den bekanntesten AT-Geräten gehören eine lange Liste von Kopfhörern, ein tragbarer Plattenspieler und auch einige Tonabnehmer. Unter letzteren befand sich auch das Einsteigermodell AT-95 E, das für sein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt wurde und somit als Einstiegsdroge in das audiophile Hören prädestiniert war.

    Bereits der inzwischen eingestellte AT-95 E hob sich von der Konkurrenz ab, indem er mit einer ausgefeilteren elliptischen Abtastnadel ausgestattet war, während seine preislichen Konkurrenten noch eine konische oder kugelförmige Abtastnadeln hatten. Die elliptische Form der Abtastnadel ermöglichte es, mehr Details von der Schallplatte abzulesen und sorgte für eine hervorragende Höhenwiedergabe. Der Mitteltonbereich wurde manchmal als ein wenig dünn und nasal empfunden. Die Basswiedergabe hingegen war straff, fulminant, aber nicht übermäßig schwer oder besonders herausragend. Die interne Konkurrenz des AT-95 E war der teurere AT100E, der das Einsteigermodell in den meisten technischen Aspekten übertraf.

    Mit dem neuen AT VM95 Tonabnehmer hat Audio Technica dem AT95 eine längst überfällige Überarbeitung spendiert. Der vollständige Name des Tonabnehmers setzt sich aus dem Firmenkürzel "AT", dem Gehäuse- oder Engine-Typ "VM95" und der Art der angebrachten Nadel zusammen. Beim AT VM95 ML stehen die letzten beiden Buchstaben für "Micro-Linear", eine von fünf möglichen Abtastnadeln für das neue VM95-System. Bei der “ML"-Version handelt es sich um eine Nadelkonstruktion mit zwei beweglichen Magneten, einer nackten Nadel und einem mikrolinearen Schliff. “Nackt" bedeutet, dass die Nadel direkt angebracht ist, anstatt auf den Schaft gelötet zu werden.

    Auswahl der Abtastnadeln

    • AT-VM95 C = Kegelförmig - gebundener Rundschaft
    • AT-VM95 E = Elliptisch - gebundener Rundschaft
    • AT-VM95 SP = Konisch SP - Gebondeter Rundschaft (Schellack)
    • AT-VM95 EN = Elliptisch - Nackter Rundschaft
    • AT-VM95 ML = Mikrolinear - Nackter Vierkant-Schaft
    • AT-VM95 SH = Shibata - Nackter Vierkant-Schaft

    Aus unserer eigenen Hörerfahrung lässt sich sagen, dass die VM95 eine schnörkellose Einstiegs- bis Mittelklasse-Engine mit ausreichendem Dynamikpotenzial und durchschnittlicher Kanaltrennung ist. Es scheint, dass der Klang für moderne Hörvorlieben optimiert wurde, da er mit allen Nadelkombinationen ausgewogen, detailliert und lebendig spielt.

    In Verbindung mit der ML-Nadel gelingt es dem VM95, viele Details der Schallplatte darzustellen, die den einfacheren Nadelversionen noch verborgen bleiben. Der klangliche Eindruck ist, dass das Frequenzband erweitert wird und selbst die kleinsten Nuancen in der Musik zum Vorschein kommen. Mit der ML-Nadel klingen Becken zarter und viel länger als bei den niedrigeren Versionen des Tonabnehmers, und kein Schlagzeugschlag gleicht dem anderen. Auch bei anderen Instrumenten sind die verschiedenen Spielweisen besser zu erkennen: Klaviertasten klingen etwas weicher, und es gibt nun einen deutlichen Unterschied in Dauer und Kraft der einzelnen Tasten.

    Stimmen klingen voll und warm, ohne dass für meine Ohren eine Verzerrung zu erkennen ist. Weibliche Solokünstlerinnen scheinen mehr Luft in ihren Lungen zu haben und die Noten länger und mit größerer Genauigkeit zu tragen, als ich es je auf einem anderen Medium, wie CD oder Streaming, gehört habe. Trotz dieser Feinheit und Detailtreue in der Präsentation konnten wir kaum mechanische Geräusche von der Platte selbst wahrnehmen. Stattdessen blieb die Schallplatte ultraleise, und der Hörer hatte nur die Musik im Blick.

    Mit der ML-Nadel fällt es leicht, durch schlechte Aufnahmen hindurchzuhören. Obwohl ich festgestellt habe, dass sowohl neue als auch alte Aufnahmen gut wiedergegeben werden, klingt die ML-Nadel am besten bei neueren Produktionen, die auch die aufschlussreichen Eigenschaften der heutigen Geräte berücksichtigen. Beim Anhören von Bob Segers “Greatest Hits"-Album zum Beispiel machte die ML-Nadel die Einschränkungen der Originalaufnahme viel deutlicher, als es die elliptische E-Nadel getan hatte. Auf Katie Meluas neu erschienenem “Album No. 8" kommt die Stimme in einer seltsamen Kombination aus Reinheit und silbrigen Obertönen rüber, die wohl auf das Studiomikrofon zurückzuführen sind. Man muss sich zumindest darüber im Klaren sein, dass die Entscheidung für die mikrolineare oder die Shibata-Varianten des VM95-Engine eine Menge Details in die Musik bringt, die je nach Qualität des Equipments und der Aufnahme zu einem Segen oder einem Ärgernis werden können.

    Auch in Sachen Bass ist der AT VM95 ML leistungsfähig. Zwar kann der Bass durchaus anschwellen und sowohl laut als auch satt werden, doch ist dies nie zufällig und immer mit gutem Maß. Anstelle von schwammigen und eher zufällig erscheinenden Bässen beleuchtet dieser Tonabnehmer die Bässe ebenso klar wie die Höhen und Mitten. Es gibt viel Basskontur und kaum etwas, was zu wünschen übrig wäre. Die Musik löst sich mühelos von den Lautsprechern und wird zu einer echten Performance. Es ist immer ein ausreichender Fluss mit viel Dynamik vorhanden, obwohl der AT VM95 ML in meinen Ohren etwas weniger akademisch und vielleicht etwas einnehmender sein könnte. Dank seiner Fähigkeit, viele musikalische Details darzustellen, erweckt die ML-Version jedoch auch eher langweilige Aufführungen wieder zum Leben.

    Technische Daten

    Klang: Leise auf der Platte, aufschlussreich und sehr nuanciert, warm und eher neutral, kontrollierter und gut konturierter Bass

    • Frequenzgang: 20 - 25.000 kHz
    • Kanaltrennung bei 1 KHz: 23 dB
    • Eingangslast: 47 K
    • Ausgang bei 1 KHz 5 cm/Sek.: 3.5mV
    • Empfohlene Abtastkraft: 2,0 g
    • Tonabnehmer-Typ: Nude Micro Linear Square Shank
    • Induktivität: 550 mH
    • Widerstandswert: 485 Ω
    • Gewicht: 6,1 g
    • Jahr: 2019
    • OSP: EUR 146,00 (Germany)
    • Stylus Replacement: Original, EUR 129,00

    Audio Technica
    Technica House
    Unit 5, Millennium Way
    Leeds
    Vereinigtes Königreich
    LS11 5AL

    Klangeindrücke basierend auf dem folgenden System: Lenco L75 Plattenspieler, Restek V1 Vorverstärker, Hafler XL 280 Endverstärker, Tannoy XZ8F Lautsprecherboxen.


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  • Sumiko Olympia

    Sumiko Olympia

    22.2.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Phono Cartridges

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Auf der Suche nach einem geeigneten Tonabnehmer für unseren halbautomatischen Plattenspieler Thorens TD320 bin ich auf die Sumiko-Tonabnehmerserie gestoßen. Der TD320 war mit einem 12,5 Gramm schweren TP16 MK IV-Tonarm ausgestattet, was ihn zumindest theoretisch mit einer großen Auswahl an mittelgroßen Tonabnehmern kompatibel machte. Zur Auswahl standen unter anderem MM-Tonabnehmer (Moving Magnet) von Audio Technica, Grado, Ortofon, Nagaoka und Sumiko. Da ich jedoch bereits zwei Audio Technica-Tonabnehmer in diesem Blog vorgestellt hatte und den Grado Gold recht teuer fand, beschränkte ich mich auf den Ortofon M2 Blue und den Sumiko Olympia, die in Bezug auf Spezifikationen und Leistung ähnlich gut abschnitten.

    Am Ende fiel meine Wahl auf den Olympia, da seine Abmessungen und sein Farbschema gut zum schwarz-silbernen Thorens-Design passten. Ich hatte gelesen, dass er weniger analytisch klingen würde als der Ortofon, was meiner Meinung nach gut zu unseren recht offen klingenden elektrostatischen Lautsprechern passen würde. Mein erster Eindruck, als der Tonabnehmer mit der Post geliefert wurde, schien mir zu bestätigen, dass ich eine gute Entscheidung getroffen hatte. Das Auspacken aus der Holzkiste war ein schönes Ritual, das auch das hochwertige "Handcrafted in Japan"-Leitbild des Unternehmens unterstrich. Auf dem TP16 montiert, sah das schlanke schwarze Gehäuse mit dem klaren weißen Schriftzug absolut umwerfend aus. Um den bestmöglichen Hörgenuss zu erzielen, achtete ich besonders darauf, alle Parameter richtig einzustellen, und die Bilder unten zeigen einen Teil dieses Prozesses vor der Fertigstellung.

    Die erste Platte, die ich auflegte, war das Album "I Know I Dream" von Stacey Kent, das zufällig von akzeptabler Pressung war und recht gut klang, bis die Zischlaute innerhalb der Rillen der letzten beiden Titel so stark zunahmen, dass ich froh war, als die Platte zu Ende war. Da ich mit dem Thorens noch nicht vertraut war, überprüfte ich den Winkel an dem nahtlos einstellbaren Cartridge erneut und zog auch die vertikalen und horizontalen Tonarmlager fester an, da ich dachte, dass dies die Ursache des Problems sein könnte. Als dies die Zischlaute nicht beseitigte, spielte ich mit dem Tracking und stellte das Plattenteller-Niveau neu ein. Doch egal, wie sehr ich mich bemühte, der TP16 MK IV konnte den Sumiko nicht ruhig in Position halten, um ohne Zischlaute und Verzerrungen auch auf den inneren Rillen zu spielen. Ich rief den Support von Thakker.eu an, um ihn um Rat zu fragen, und dort war man der Meinung, dass der Arm des Thorens vielleicht nicht steif genug sei, um das Sumiko gut festzuhalten.

    Ich führte einige weitere Tests mit anderen Einstellungen und Aufnahmen durch und stellte fest, dass Katie Meluas "Album No 8" mit dem Sumiko von Anfang bis Ende verzerrt klang, während es mit unseren beiden Audio Technica-Tonabnehmern, die mit mikrolinearen Nadeln ausgestattet waren, ausreichend gut wiedergegeben wurde. Zuerst war ich ziemlich niedergeschlagen, aber dann beschloss ich, den Sumiko auf unserem Technics SL-1310 Plattenspieler im anderen Hörraum zu testen. Während die Verzerrung auf den inneren Rillen auch hier ein Problem blieb, erzeugte das Sumiko hier zumindest eine angenehme, sehr breite und solide Klangbühne, die so beeindruckend war, dass ich mir kaum noch vorstellen konnte, das Tonabnehmersystem ohne Bedauern an den Verkäufer zurückzugeben.

    Ich beschloss, die Abtastnadel unter dem Mikroskop zu untersuchen und sah, dass der Diamant unter einem dünnen Mantel von Rückständen verborgen war, der die Oberfläche körnig aussehen ließ. Ich kannte dieses Aussehen eigentlich nur von NOS-Tastern aus den 70er Jahren. Ich fragte mich, wie dies bei der werkseitig montierten Nadel eines brandneuen Tonabnehmers aus dem Jahr 2021 der Fall sein konnte. Vielleicht war es nur eine Frage der Abnutzung der Rückstände, bis der Diamant der Abtastnadel wieder durchscheinen konnte? Doch ich begann zu bedauern, dass meine Schallplatten dieser ungesunden Behandlung unterzogen werden mussten. Vielleicht hatte die Umgebungsfeuchtigkeit oder das Meerwasser eine Rolle bei der Korrosion der Abtastnadel gespielt? Immerhin hatte ich irgendwo gelesen, dass Sumiko-Tonabnehmer in einer Stadt in Meeresnähe hergestellt wurden. Dies wurde auf der Website des Unternehmens bestätigt.

    Sumiko Firmengeschichte

    Sumiko wurde im Jahr 1972 vom ehemaligen U.C. Berkeley Experimentalphysiker David Fletcher mitbegründet. Fletcher machte sich einen Namen im Bereich analoger Audio-designs und wurde später Mitbegründer von SOTA-Plattenspielern, einer weiteren bekannten Marke, die auch heute noch im Geschäft ist. In den 1970er und 80er Jahren entwickelte sich die Firma Sumiko zu einem der führenden Importeure von Tonabnehmern und Tonarmen verschiedener Marken in die USA. Einige der Meilensteine waren: der MDC-800-Tonarm (1980), die Talisman-Hochleistungs-MC-Tonabnehmer (1982) und eine Serie von "Premier"-Tonarmen (1983-1988).

    Laut der Website des Unternehmens wurden die Tonabnehmer der Oyster-Serie von Sumiko in Yokohama handgefertigt. Die Fabrik befand sich in der Tat "nahe des Wassers, in denen unsere namensgebenden Austern leben". Auf der Website wird weiter beschrieben, wie jeder Tonabnehmer von erfahrenen Technikern von Hand zusammengebaut und rigoros geprüft werde, bevor sie dann verpackt und versandt würden. Das machte es mir allerdings schwer zu verstehen, wie meine mit Rückständen bedeckte und zischende Abtastnadel den strengen Inspektionen von Sumiko entgehen konnte. Es sei denn, das Anbringen der Abtastnadel war nicht Teil dieses Prozesses.

    Entschlossen, die Rückstände abzutragen, spielte ich in den nächsten Stunden Bob Segers Greatest Hits"-Album in Dauerschleife. Der Sumiko Olympia produzierte jedoch weiterhin mehr Rauschen und Zischlaute, als ich es gewohnt war, und mir dämmerte, dass ich wahrscheinlich von der hervorragenden Abtastung und dem geringen Rauschen unserer mikrolinearen Nadeleinsätze von Audio Technica verwöhnt war. Um meinen Verdacht endgültig zu bestätigen, beschloss ich, den Olympia an Thakker.eu zurückzuschicken, die daraufhin vorgaben, einige Tests mit ihrem eigenen Technics-Laufwerk durchgeführt zu haben und weder mit dem Tonabnehmer noch mit der Nadel einen Fehler feststellen konnten. Da sie meine Enttäuschung hinsichtlich dieser Aussage spürten, boten sie mir an, mir meine Investition dennoch zu erstatten, damit ich mein Glück mit einem anderen Tonabnehmer versuchen konnte.

    Am Ende hatte ich vielleicht Pech mit der Kombination von Tonarmen und Nadel oder auch mit der Fertigungstoleranz des Tonabnehmers selbst. Ich habe den Klang sehr genossen, konnte mich aber beim Hören nicht entspannen, weil ich immer befürchten musste, dass der nächste unangenehme Zischlaut durchdringen würde. Für diejenigen von uns, die es gewohnt sind, höherwertige Tonabnehmer zu hören, sollte der Sumiko Moonstone das Minimum sein. Aufgrund meiner großen Enttäuschung mit dem Olympia zögerte ich jedoch, die nächsthöhere Sumiko-Nadel auszuprobieren.

    Technische Daten

    • Tonabnehmer: hohe Ausgangsleistung, beweglicher Magnet
    • Tonabnehmer-Typ: 0.3 x 0.7 mil Elliptisch
    • Ausleger-Typ: Aluminium-Rohr
    • Induktionsspulen: Hochreines Kupfer
    • Innere Impedanz: 1.130 Ω
    • Last-Impedanz: 47 kΩ
    • Frequenzgang: 12 Hz - 30.000 Hz
    • Ausgangspegel: 4,0 mV
    • Kanaltrennung: >30 dB @ 1kHz
    • Kanal-Balance: >1,5 dB @ 1kHz
    • Konformität: 12×10-6 cm/dyn @ 100 Hz
    • Kapazität: 100 pF - 200 pF
    • Vertikaler Spurwinkel: 25°
    • Bereich der Auflagekraft: 1,8g - 2,2g
    • Empfohlene Auflagekraft: 2,0g
    • Effektive Masse: 6,5g
    • Abmessungen: (B) 17,2 mm x (H) 18,8 mm x (T) 29 mm
    • Kompatible Nadeln: RS Rainier (niedriger), RS Moonstone (höher), Wellfleet (am höchsten)

Vorverstärker

Vorverstärker

Ein Vorverstärker kann durchaus als das Herzstück unseres Systems bezeichnet werden. Da viele Vorverstärker über eine eingebaute Phonostufe für MM, MC oder beides verfügen, ist auch tatsächlich ein gewisser Verstärkungseffekt vorhanden, aber der Begriff beschreibt eher seine Position vor dem Verstärker als seine Bezeichnung. Vorverstärker dienen z.B. als Knotenpunkt, um Musiksignale von mehreren Quellen zu einem einzigen oder mehreren Endverstärkern zu leiten. Alle Vorverstärker fügen auch eine klangliche Signatur hinzu, die aufgrund ihrer zentralen Position im System über den Erfolg oder Misserfolg eines guten Systems entscheidet.

Daher ist es sinnvoll, unseren Vorverstärker mit Bedacht auszuwählen, und es gibt einige Hinweise, auf die man dabei achten sollte: 1. Die Signalintegrität kann durch Potentiometer beeinträchtigt werden, weshalb audiophile Geräte nur selten mit Bass-, Höhen- und anderen Dämpfungsgliedern ausgestattet sind. 2. Netzteile können Störungen in das Signal einspeisen. Bei vielen Geräten befindet sich daher das Netzteil in einem separaten Gehäuse. 3. Dünne Leiterbahnen auf der Platine können zu Lasten der Geschwindigkeit und Dynamik gehen. 4. 2D-Leiterplattenlayouts können Störungen aufnehmen. High-End-Geräte haben vielleicht auch deshalb oft ein höheres Maß an Direktverdrahtung.

  • Audio Research SP-6

    Audio Research SP-6

    5.12.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Hochauflösender Stereo-Vorverstärker

    Als in den späten 1960er Jahren der Vakuumröhre in Heim-Audiogeräten zugunsten billigerer Produktion und vielseitigerer Geräte der Rücken gekehrt wurde, glaubten einige Musikliebhaber, dass sich die Industrie in die falsche Richtung bewegte. Zwar waren Transistoren den Röhren in Bezug auf Größe und Wärmeableitung überlegen, doch ihre musikalische Leistung war noch nicht gerade als großartig zu beschreiben.

    Zu den Transistorskeptikern gehörte ein Mann namens William (Bill) Zane Johnson. Bill betrieb seit dem Jahr 1951 ein eigenes Fachgeschäft für Audiotechnik im Süden von Minneapolis, in dem er anspruchsvolle Verstärker für diejenigen entwarf, denen Genauigkeit und Musikalität bei der Klangwiedergabe auch weiterhin sehr wichtig waren.

    Nach einem gescheiterten Versuch, sein bestehendes Geschäftsmodell weiterzuentwickeln, beschloss er im Jahr 1970, ein neues Unternehmen zu gründen, das sowohl seinen Entwürfen und Patenten als auch ihm selbst eher gerecht werden würde. Er nannte es "Audio Research", und von Anfang an war klar, dass dieses Unternehmen seinen Schwerpunkt auf Vakuumröhren für die Musikwiedergabe legen würde.

    Obwohl Bill an seiner Überzeugung festhielt, dass Vakuumröhren ein realistischeres und daher überzeugenderes Klangbild vermitteln konnten, musste noch einiges getan werden, damit Röhren in Bezug auf Schnelligkeit und Basskontrolle mit Transistoren mithalten konnten. Die Herausforderung bestand darin, die für Röhren typische Genauigkeit in der Klangwiedergabe mit der für Transistoren typischen Fähigkeit, Details in der Musik darzustellen, zu verbinden.

    Die erfolgreiche Verbindung dieser Eigenschaften nannte Bill Johnson "High Definition"-Audio, heute ein bekanntes Markenzeichen und Leitbild, das seither auf den Produkten von Audio Research zu finden ist. Während seine Röhrenkonstruktionen zeitweise als bewusste Störung des Fortschritts der Branche empfunden wurden, erwies sich Audio Research während des in den 1980er Jahren folgenden Röhren-Revivals als der Konkurrenz weit voraus.

    Zum Erfolg der Audio Research Corporation trug auch die Tatsache bei, dass sie von einigen der einflussreichsten Audiomagazinen der damaligen Zeit, wie "The Absolute Sound" und "Stereophile", zum offiziellen Maßstab für Klang erklärt wurde. Audio Research ist heute der älteste existierende Hersteller von High-End-Audioprodukten und gilt als Begründer des Begriffs High-End-Audio überhaupt. Ihr SP-3 High Definition Vorverstärker galt über viele Jahre hinweg als der beste Vorverstärker auf dem Markt.

    Das hier besprochene Gerät, der Audio Research SP-6 High Definition Vorverstärker, wurde von 1978 bis 1982 in nur geringfügig abweichenden Versionen (Modelle A-E) gebaut, mit Ausnahme der SP-6F Version, die als SP-8 MK II mit einer anderen Frontplatte bezeichnet wurde. Das hier gezeigte Gerät ist der SP-6B von 1980, bestückt mit russischen 12AX7 Tung-Sol-Röhren. Für einen Vorverstärker ist das Gehäuse mit 13,4 cm schon recht hoch und mit 10 kg auch überraschend schwer. Obwohl die allgemeine Leistungsaufnahme bei relativ niedrigen 50 Watt liegt, werden die Röhren im Inneren recht heiß, so dass über dem Gerät ein mindestens 5 cm breiter Lüftungsraum freigehalten werden sollte.

    Die Drehknöpfe liegen gut in der Hand und verfügen über einen gestuften Lautstärkeregler. Die Schalterreihe könnte vielleicht noch ein wenig raffinierter sein. Vor allem der Muting-Schalter kann beim Ein- und Ausschalten gelegentlich ein unschönes Ploppen verursachen. Alle guten Vorverstärker spielen laut, und so tut das auch der SP-6. Dieser Umstand kann es ein wenig schwierig machen, subtile Lautstärkedifferenzen für das nächtliche Hören einzustellen, besonders wenn man von einem lauten CD-Player, DAC oder Streamer als Quelle abspielt und wenn man Lautsprecher mit hohem Wirkungsgrad betreibt. Aus diesem Grund haben wir unsere Musik mit dem SP-6 oft etwas lauter abgespielt, als wir es sonst getan hätten.

    Es dauert etwa vier Minuten, um den SP-6 nach dem Einschalten auf Betriebstemperatur zu bringen. Das Gerät ist vollständig aufgewärmt, wenn die Betriebs-LED aufhört zu blinken. Die volle klangliche Leistungsfähigkeit wird jedoch erst nach etwa dreißig Minuten erreicht. Zu diesem Zeitpunkt beginnt der Vorverstärker am musikalischsten zu klingen. Und es ist keine Überraschung, dass das, was wir hören dürfen, wenn der SP-6 vollständig aufgewärmt ist, in der Tat sehr erfreulich ist. Im Vergleich zu unserem DB Systems DB1 klingt der Audio Research-Vorverstärker wunderbar üppig, aber nicht auf Kosten der Abblidungsschärfe. Stimmen nehmen einfach mehr Platz in der virtuellen Mitte ein. Sängerinnen und Sängern wird akkurat eine eigene, realistische Dimension zugestanden. Wo der DB 1 Stimmen bisweilen zerbrechlich klingen lässt, lässt der SP-6 sie üppig und solide klingen. Akkurate Klangfarben und realistische musikalische Details sind jederzeit präsent.

    Ähnlich wie unser DB1 baut der SP-6 eine realistische und dreidimensionale Klangbühne auf. Beide Vorverstärker spielen akkurat und verleihen dem System eine warme und angenehme Signatur; der SP-6 bietet jedoch mehr Bassdruck und dynamischen Antrieb als der DB1. An unserem Hauptsystem, bestehend aus einem B&K ST140-Verstärker und Martin Logan SL3-Lautsprechern, bietet der SP-6 die ausgewogenste, musikalischste und unterhaltsamste Leistung aller Vorverstärker, die wir hier bisher kennenlernen durften.

    Anmerkung: Am Ende war ich erleichtert, dass ich nach dieser Erkundungstour immer noch zufrieden zu unserem DB Systems-Vorverstärker zurückkehren konnte. Obwohl die beiden Vorverstärker unterschiedliche Aspekte der Musik betonen, liefern sie beide eine liebenswerte und überzeugende Leistung auf sehr hohem Niveau.

    Technische Daten

    • Frequenzgang: 10 Hz bis 30.000 kHz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.01%
    • Verstärkung: 50 dB 60 dB (MM), 26 dB (Leitung)
    • Signal-Rausch-Verhältnis: 66 dB (MM), 90 dB (Leitung)
    • Ausgang: 5 V (Pre out), 60 V (Pre out Max)
    • Röhrenbestückung: 6 x ECC83 (6 x 12AX7 Tung-Sol)
    • Abmessungen: 480 mm x 134 mm x 260 mm
    • Gewicht: 10 kg
    • Baujahr: 1980

  • DB Systems DB1 + DB2

    DB Systems DB1 + DB2

    30.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    David Hadaway gründete DB Systems im Jahr 1975 in Ridge, New Hampshire, und hat seitdem im stillen Kämmerlein eine Reihe erstklassiger Heim-Audiogeräte hergestellt. So wie viele Hersteller audiophiler Perlen ist auch DB Systems dabei stets unter dem Radar des werbefinanzierten Mainstream-HiFi-Diskurses geflogen und konnte seine Linie außergewöhnlicher Designs für eine kleine Gruppe von Anhängern schrittweise und akribisch weiterentwickeln. Der Vorverstärker DB-1 gehörte zu den ersten Produkten von DB Systems und war zur Zeit seines Debüts der Konkurrenz in Sachen Musikalität weit voraus. Bis heute bietet das Unternehmen Reparaturen und Aktualisierungen für alle seine Produkte an, und der DB-1 kann sich auf dem audiophilen Markt durchaus behaupten.

    Die DB-Produktpalette umfasst Vorverstärker, Leistungsverstärker, elektronische Frequenzweichen, Klangregler, Phasenumkehrer und Zubehör. Alle Produkte werden in den USA entwickelt und unter Verwendung ausgewählter Teile handgefertigt. Der DB-1 wird mit dem linearen Netzteil DB-2 geliefert und umfasst die von DB entwickelte MM-Phonostufe, die Präzisions-Klangregelung DB-5 und den MC-Vorverstärker DB-4. Im Neuzustand kostet das komplette Vorverstärker-Setup 2.200 Dollar. Gebrauchte Versionen des Vorverstärkers sind teilweise zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen erhältlich.

    Der hier vorgestellte DB-1 traf in sehr schlechtem Zustand bei uns ein, obwohl er von dem eBay-Verkäufer als "neuwertig" beworben wurde. Die Phonostufe war auf beiden Kanälen tot und litt unter mehreren Kontaktproblemen. Das Netzteil war ebenfalls nicht funktionsfähig, was auf eine fehlerhafte Bastelarbeit und zusätzliche Kondensatoren zurückzuführen war, die sich beim Transport gelöst hatten. Nach ein paar Wochen sorgfältiger Arbeit konnten wir das ursprüngliche Design und die Funktionalität des Geräts wiederherstellen. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn es gibt nicht viele Vorverstärker, die sich mit der Leistung des DB-1 messen können.

    Für einen Transistor-Vorverstärker bietet der DB-1 einen erstaunlich homogenen und "analogen" Klang. Seine Klangbühne ist sowohl breit als auch tief, und die Trennung der Instrumente ist lobenswert. Die Phonostufe gehört zu den besten auf dem Markt mit einem extrem niedrigen Grundrauschen und einer hervorragenden RIAA-Kompensation. In Verbindung mit dem richtigen Tonabnehmer ist der Klang detailliert, dynamisch und erweitert.

    Technische Daten

    • Harmonische Gesamtverzerrung: < 0.0008%
    • Intermodulationsverzerrung: < 0.001%
    • Rauschabstand (Phono): > 89 dB
    • Frequenzbereich (Phono, -1 dB): 2 Hz bis 50.000 Hz
    • Frequenzbereich (Phono, -0,25 dB), 10 Hz bis 20.000 Hz
    • Eingänge: Phono, Tuner, Aux 1, Aux 2, Tape
    • Ausgänge: 2x Tape, 2x Amplifier
    • Abmessungen, Vorverstärker: (B) 220 mm x (H) 84 mm x (T) 230 mm
    • Abmessungen, Netzgerät: 166,1 mm x 110 mm

  • Dynaco PAS-4

    Dynaco PAS-4

    6.6.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    In audiophilen Kreisen erinnert der Name Dynaco an die berühmten preisgünstigen Bausätze, die in den 1960er und -70er Jahren mit einigen der exquisitesten Audioprodukte auf dem HiFi-Markt mithalten konnten. Die ersten Produkte des im Jahr 1955 von David Hafler und Ed Laurent in Philadelphia gegründeten Unternehmens waren die 50- und 60-Watt-Mono-Endstufe Dynaco Mark II und III sowie der Vorverstärker PAM-1. Aber erst mit der Einführung des Dynaco ST-70, einem Röhrenverstärker mit 2 x 35 Watt Leistung im Jahr 1959, gelang dem Unternehmen der Einstieg in den audiophilen Massenmarkt.

    In der Folgezeit stellte Dynaco weitere Röhren- und Transistorverstärker, Vorverstärker, Radiotuner und Regallautsprecher her. Ihr leistungsstärkster Verstärker war der Dynaco ST-400, der 1972 auf den Markt kam und eine Dauerausgangsleistung von 2 x 200 Watt sowie einen ausgeklügelten Lautsprecherschutz bot. Zu diesem Zeitpunkt war die ehemals unabhängige Dynaco bereits eine Tochtergesellschaft von Tyco, Inc. geworden, in der David Hafler noch bis 1974 tätig war. 1974 verließ er das Unternehmen schließlich, um zu Ortofon zu wechseln und 1977 seine eigene Hafler Company zu gründen.

    Die ursprüngliche Dynaco wurde 1980 aufgelöst und ruhte, bis die Pan Orient Corporation im Jahr 1993 die Patente erwarb und begann, Audiokomponenten unter der Marke Dynaco zu vermarkten. Pan Orient verkürzte seinen Namen bald auf "Panor" und begann, aktualisierte Versionen von Dynaco-Klassikern sowie einige neue Designs auf den Markt zu bringen. Dazu gehörten die ST-70-Nachfolgerin "Stereo 70 II" und die leistungsstarke "Stereo 160", eine Vollröhren-Endstufe mit 2x70 Watt, die mit audiophilen Features wie umschaltbaren Pentoden-/Trioden-Modi und einstellbarer Röhrenvorspannung ausgestattet war.

    Wenn es um den Dynaco PAS-4 geht, werden Vintage-Audio-Fans sich nicht scheuen darauf hinzuweisen, dass dieser Vorverstärker nur dem Namen nach ein Dynaco ist, da er in den frühen 90er Jahren von Panor produziert und verkauft wurde. Der Markenname Dynaco wurde jedoch nicht ohne Grund gewählt, denn Panor wollte die ursprünglichen Dynaco/Hafler-Konstruktionen verbessern und wieder erschwingliche audiophile Geräte für den Durchschnittsverbraucher mit mittlerem Budget herstellen. Ein sichtbarer Beweis für diese Mission sind das schnörkellose industrielle Gehäuse und Design des PAS-4 sowie die Auswahl an audiophilen Komponenten.

    Der PAS-4 wurde unter der Leitung von John Nunez entwickelt, einem ehemaligen Entwickler beim hochpreisigen Röhrengeräte-Spezialisten Moore Franklin Associates (MFA). John wusste, dass er vor allem die sensible Vinyl-Wiedergabe in den Griff bekommen musste, wenn er audiophile Käufer von den Vorzügen des PAS-4 überzeugen wollte. Deshalb achtete er sehr darauf, dass die Phonostufe des PAS-4 wirklich herausragend war. Auch die Fertigungsqualität sollte exzellent sein, denn alle verkauften Geräte wurden in den USA entwickelt und hergestellt. Leider musste Panor jedoch einige Zugeständnisse machen, um den relativ niedrigen Preis zu verwirklichen, was das audiophile Potenzial des PAS-4 etwas schmälerte und auch einige der ersten Kunden frustrierte.

    Trotz seines herausragenden Designs wurde der PAS-4 mit den billigsten Röhren verkauft, die es seinerzeit gab, und er war mit Schaltern ausgestattet, die aufgrund niedriger Qualität ausfallen konnten. Außerdem bot er zusätzliche Schaltungen für eine bessere Benutzerfreundlichkeit, die nicht der audiophilen Tradition entsprachen, die Schaltungen auf das Wesentliche zu reduzieren. Die ersten Kundenrezensionen des neuen Vorverstärkers spiegelten diese Unzulänglichkeiten wider und führten dazu, dass nur wenige tausend Exemplare des PAS-4 verkauft wurden, was ihn auf dem heutigen Vintage-Markt zu einem seltenen Fundstück macht.

    Das hier gezeigte Gerät ist völlig anders als die von Panor verkaufte Version. Es ist näher am ursprünglichen audiophilen Design und enthält die meisten der empfohlenen Aktualisierungen und Modifikationen, die sich in den fast drei Jahrzehnten seines Bestehens als nützlich erwiesen haben. Natürlich war es hilfreich, dass die ursprüngliche Basis ausgezeichnet war: 1/8" dicke Leiterplatten, hochwertige Röhrensockel, ein ausgezeichnetes Leiterbahnlayout mit Sternerdung und jede Röhre mit einem eigenen Spannungsregler. Zu den Änderungen und Aktualisierungen unseres PAS-4 gehören der Wechsel zu einem verbesserten brummfreien 230-Volt-Transformator, das Hinzufügen eines hochwertigen Elma-Drehschalters für die Quellenwahl, die Umgehung der Schaltung für den Tape-Monitor und die Tape-Aufnahme, die Eliminierung des Kanalbalance-Reglers und der Einbau eines audiophilen Noble Lautstärkepotis.

    Die Originalröhren wurden durch russische Tung-Sol 12AX7 SC803S und SOVTEK Typ 6922 für die 2-stufige Phonosektion sowie ein Paar Genalex 20 03 für die Hybrid-Line-Stufe ersetzt. Die Kondensatoren wurden auf Mundorf Supreme EVO Silver Gold Oil aktualisiert. Ziel des Updates war es, internes und externes Rauschen und Verzerrungen zu minimieren sowie Transparenz, Ansprechverhalten und Dynamik zu erhöhen. Auf diese Weise konfiguriert, wird der PAS-4 zu einem würdigen audiophilen Konkurrenten in echter Dynaco-Tradition. Und während der ursprüngliche Vorverstärker rund 1.000 Dollar kostete, kann er nach diesen Updates problemlos mit Vorverstärkern konkurieren, die 2-3 mal so viel kosten. Hafler vertraute bekanntlich auf die Handwerkskunst des geschickten Heimwerkers, und Panor tat dies offenbar auch. Es bedurfte zwar einiger Fachkenntnis, um den wahren Charakter und das Potenzial des PAS-4 zu entschlüsseln, aber die gute Nachricht ist, dass dies einfach durch den Aufbau auf die bereits vorhandene hervorragende Infrastruktur möglich war.

    Als ich den PAS-4 zum ersten Mal in unserem Haushalt aufstellte, stellte ich fest, dass Röhrengeräte etwas schwieriger aufzustellen sind als Transistorgeräte. Ich zog es vor, den PAS-4 in unser Hauptsystem einzubauen, wo er einen DB1-Vorverstärker ersetzen und mit unserem B&K ST-140-Verstärker an elektrostatischen Martin Logan Lautsprechern spielen sollte. In dieser Position fehlte dem PAS-4 jedoch das obere Frequenzband derart heftig, dass die meisten Transienten verloren gingen und die Musik fade klang. Ja, es klang gerade so, als ob die Röhren das Ende ihrer Lebenserwartung erreicht hätten, oder es ein anderes großes Problem mit diesem Vorverstärker gäbe. Nach 2 Tagen des Ausprobierens verschiedener Kabelkombinationen gab ich auf und brachte den PAS-4 zu unserer zweiten Hi-Fi Anlage.

    In seiner neuen Position sollte der PAS-4 unseren Restek V1 Vorverstärker ersetzen und mit einem Hafler XL-280 Verstärker an Tannoy XT8F Lautsprechern spielen. Hier zeigte sich sofort, dass der Panor/Dynaco ein Hafler-Derivat ist. Der PAS-4-Vorverstärker und der Hafler XL-280-Verstärker erwiesen sich als himmlisches Paar. Im Nachhinein ist das vielleicht nicht überraschend, wenn man den Stammbaum des PAS-4 bedenkt, aber für mich war es damals eine Offenbarung. Ich konnte einfach nicht verstehen, wie ein und derselbe Vorverstärker in Kombination mit zwei Verstärkern so unterschiedlich arbeiten konnte, dass er in der einen Position kaputt und in der anderen absolut brillant klang. Zum ersten Mal entsprach der Klangcharakter der Tannoys auch ihrem äußeren Erscheinungsbild. Die XT8F sind nicht gerade kleine Lautsprecher, aber irgendwie hatte der Restek V1 in Kombination mit dem Hafler dafür gesorgt, dass sie zu präzise und akademisch klangen, statt musikalisch und dynamisch.

    Der PAS-4 ist in der Lage, eine riesige Bühne von links nach rechts aufzubauen, die weit über die Lautsprecher hinausreicht. Die Instrumente können sich frei positionieren, und es gibt viele dunkle Räume um sie herum. Ich habe festgestellt, dass die Höhen weniger hervorgehoben werden als in Kombination mit dem Restek V1, aber ausgeprägter sind, wo sie auftreten. Transienten sind voll präsent und Klänge verweilen auf realistische Weise. Wie die meisten Röhrengeräte kann auch der PAS-4 Störungen verursachen, die sich in einem Brummen oder Zischen äußern, wenn etwas in der Aufstellung nicht stimmt. Bei meinem ersten Versuch, ihn mit unserem Hafler-Verstärker zu koppeln, hatte ich nicht bemerkt, dass sein Netzkabel das des Hafler-Verstärkers berührte. Dies führte zu einem hörbaren Rauschen auf beiden Verstärkerkanälen. Dieses Rauschen war auch eine geäußerte Beschwerde, die ich in den Rezensionen einiger Besitzer gelesen hatte. Wenn jedoch alles richtig eingestellt ist, verbleibt der PAS-4 in Ruhe jedoch fast so leise wie der Restek V1. Man müsste das Ohr schon direkt an die Hochtöner der Lautsprecher halten, um das restliche Rauschen zu vernehmen.

    Wie bei den meisten ernstzunehmenden HiFi-Geräten wird auch beim PAS-4 der Unterschied zwischen einem Standard-Netzkabel und einem speziell für den Einsatz in Audioanwendungen entwickelten Kabel deutlich. In unserem eigenen System haben wir den PAS-4 mit einem Lapp Ölflex 2,5 mm mit Ferritklemme kombiniert und gute Ergebnisse erzielt, aber ich vermute, dass man mit einem anspruchsvolleren Kabel eine noch bessere Leistung aus diesem Vorverstärker herausholen könnte. Der Unterschied zwischen dem Standardkabel und dem Lapp-Kabel war so eklatant, dass ich vermute, dass weitere Verbesserungen an dieser Stelle noch einmal einen großen Einfluss haben würden.

    Nach dem Einschalten braucht der PAS-4 etwa 15 Minuten, um die Röhren aufzuwärmen. Eigentlich spielt er schon nach 45 Sekunden Musik, aber Klangbild und Dynamik brauchen etwas Zeit, um sich zu entwickeln. Transienten klingen erst nach etwa 30-40 Minuten Spielzeit richtig. Zu diesem Zeitpunkt haben die sechs Röhren ihre volle Betriebstemperatur erreicht - und die ist tatsächlich ziemlich heiß. Das schlanke Gehäusedesign bedeutet, dass die Röhren buchstäblich die Oberseite des Gehäuses berühren, und ich habe inzwischen gelesen, dass viele Benutzer den Deckel komplett abnehmen, um die Belüftung zu verbessern. Meine Gründe, den Deckel trotzdem draufzulassen, sind die Anwesenheit von Kindern im Haushalt und die Überzeugung, dass das Gehäuse wie ein faradayscher Käfig funktioniert, um die inneren Schaltkreise vor Störungen von außen zu schützen.

    Der PAS-4 liefert viel Leistung, wobei die normale Hörlautstärke bei etwa 9 Uhr auf dem Lautstärkeregler erreicht wird. Da dies auch auf unsere DB1- und V1-Vorverstärker zutrifft, vermute ich, dass dies eine allgemeine Tendenz bei audiophilen Vorverstärkern ist. Im Gegensatz zu unseren Transistorgeräten sorgt der PAS-4 für ein beruhigendes Gleichgewicht zwischen Höhen und Bässen, ohne dabei an Transparenz zu verlieren. Stimmen klingen voller und satter, Kontrabässe und tiefe Klaviertöne haben eine größere Dimension und Autorität. Für meine Ohren liefert der PAS-4 eine befriedigendere und realistischere Basswiedergabe ohne die Hilfe eines Subwoofers in unserem System. Unsere Tannoys profitieren sicherlich davon und klingen noch eindringlicher. Es überrascht mich daher nicht, dass der PAS-4 in audioreview mit 4,8 von 5 Sternen bewertet wird. Auch für uns ist dieser unprätentiös aussehende Vorverstärker ein absoluter Geheimtipp. Wenn Sie ein gut erhaltenes Exemplar ergattern können und in der Lage sind, die grundlegenden Modifikationen selbst vorzunehmen: tun Sie es. Wo er hineinpasst, ist der PAS-4 zu diesem Preis nur schwer zu schlagen.

    Technische Daten

    Phono

    • Verstärkung: 40 dB
    • RIAA-Genauigkeit (+/-0,5 dB): 20 Hz - 20.000 Hz
    • KLIRRFAKTOR: <0,025% (@2V RMS Ausgang)
    • Eingangsimpedanz: 47 kOhm (mit 10 pF überbrückt)
    • Signal-Rausch-Verhältnis: -86 dB (<10 mV RMS Eingang)
    • Absolute Phase: nicht invertierend
    • Röhrenbestückung: 2ae 6DJ8/6922; 2ae 12AX7/ECC83

    Line

    • Verstärkung: 18,5 dB
    • Frequenzgang: 2 Hz-150.000 Hz (-3 dB)
    • KLIRRFAKTOR: <0,025% (@2V RMS Ausgang)
    • Eingangsimpedanz: 25 kOhm (nominal, alle Eingänge)
    • Ausgangsimpedanz: 40 Ohm
    • Signal-Rausch-Verhältnis: -90 dB (<10 mV RMS Ausgang)
    • Absolute Phase: invertierend
    • Anstiegsrate: 40 Volt pro uS
    • Röhrenbestückung: 2ae 6DJ8/6922

    Physikalisch

    • Leistungsaufnahme: 45 Watt
    • Abmessungen: (B) 431,8 mm x (H) 952 mm x (T) 304,8 mm
    • Gewicht: 5,44 kg
    • Baujahr: 1993

    crossXculture Business Language Training
  • Hafler DH-110

    Hafler DH-110

    27.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    David Hafler war ein amerikanischer Tontechniker, der vor allem für seine Arbeit an der Verbesserung des Williamson-Verstärkers durch den Einsatz ultra-linearer Schaltungen bekannt wurde. Sein Hintergrund, als Hersteller von linearen Netzteilen für den Einsatz in Audioanwendungen, führte zur Gründung von Dynaco und später, im Jahr 1972, zur Gründung der David Hafler Company, einem Hersteller von hochwertigen Audioprodukten zu erschwinglichen Preisen. Unter der Leitung ihres Gründers produzierte die Firma viele berühmte Vorverstärker, darunter den DH-101 und DH-110, sowie eine Reihe von MOSFET-Endstufen, darunter den DH-120, DH-200, DH-220, DH-500 und XL-280.

    Der Hafler DH-110 war der zweite Vorverstärker, den das Unternehmen entwickelte. Er löste den DH-101 ab und wurde von den frühen 1980ern bis in die frühen 1990er Jahren gebaut. In typischer Hafler-Manier gab es das Gerät sowohl als Bausatz, als auch komplett vormontiert, zu kaufen. Der DH-110 hat ein schlankes und unauffälliges Design und ist sehr gut ausgestattet. Zu den Features gehören ein Kopfhörerverstärker, eine Stummschaltung zur Verhinderung von nachgeschaltetem Rauschen, ein Mono- und Tonregler-Defeat-Schalter, ein Rumpelfilter sowie eine externe Schleife zur weiteren Signalverarbeitung. Das Gehäuse ist gut konstruiert und durch eine vollständige Kupferbeschichtung vor äußeren Störeinflüssen geschützt, ähnlich wie bei den Harman/Kardon-Designs dieser Zeit. Mit zwei Tape-Schleifen und Anschlüssen für zwei Phonostufen bietet der Verstärker eine hervorragende Anschlussvielfalt.

    Während es sich um einen für den Preis sehr guten Vorverstärker handelt, der klanglich durchaus mit modernen Designs der mittleren Preisklasse mithalten kann, gibt es auch einige Kritikpunkte. Zum Beispiel ist der Kopfhörerausgang nicht sehr laut. Wenn Ihr Kopfhörer also viel saubere Leistung braucht, ist dieser Vorverstärker vielleicht nicht das Richtige für Sie. Die Lautstärkestufen des Potis sind recht groß, was vor allem nachts zum Problem wird, wenn das Haus noch schläft und die Stufen bei geringer Lautstärke den Hörer zwischen zu leise und zu laut schwanken lassen. Ein weiteres Problem ist, dass nur einer der beiden Ausgänge tatsächlich durch den Lautstärkeregler läuft, was diesen Vorverstärker nicht gerade zu einem guten Begleiter macht, wenn man Bi-Amping betreiben oder einen Subwoofer hinzufügen möchte. - Wer auch immer so etwas attraktiv findet. In Kombination mit dem Hafler-Verstärker DH-120 erzeugt das Gerät einen anständigen und musikalischen Klang mit viel Vorwärtsdrang. Er ist nicht so fein und raffiniert wie der Restek V1 oder der DB Systems DB1 Vorverstärker, aber diese kosten 3-5 mal so viel wie der Hafler, und viele werden sich fragen, ob es sich wirklich lohnt, den Aufpreis zu zahlen.

    Technische Daten

    PHONO-VORVERSTÄRKER-SEKTION

    • Nennleistung: 3 Wms, 8 Hz-105.000 Hz
    • Maximale Ausgangsleistung (3,5): 12 Vrms, 20 Hz-20.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: Weniger als 0,0006 % bei 1 kHz
    • RIAA-Entzerrungsgenauigkeit: +0, -0,1 dB, 30 Hz-15.000 Hz
    • Volle Leistungsbandbreite: -6 dB, 4 Hz-210.000 Hz
    • Empfindlichkeit (3.7): 12,5 Millivolt
    • Signal-Rauschabstand: 87 dB
    • Anstiegsrate: 12 Volt pro Mikrosekunde

    LEITUNGSVERSTÄRKERTEIL

    • Nennausgang: 3 Vrms, 4 Hz-210.000 Hz
    • Maximale Ausgangsleistung (3,5): 14 Vrms, 20 Hz-20.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: <0,001%, 20 Hz-20.000 Hz
    • Signal-Rauschabstand: 90 dB
    • Anstiegsrate: 12 Spannungen pro Mikrosekunde
    • Anstiegszeit: maximal 2,5 Mikrosekunden
    • Kanaltrennung: > 82 dB @ 1 kHz

    ALLGEMEINE SPEZIFIKATIONEN

    • Eingänge: 2 Phono, Tuner, Compact Disc oder Video, 2 Tonbandgeräte, EPL
    • Ausgänge: 2 Tonband (gepuffert), 2 Line, EPL, Kopfhöreranschluss
    • Bedienelemente: Lautstärke, Balance, Bass, Höhen, Eingangswahlschalter, Phono l/2-Wahlschalter,
    • Monitor-Wahlschalter, Mono-Stereo, Filter, externe Prozessorschleife,
    • Leistungsaufnahme: 3,5 Watt
    • Abmessungen: 17" breit x 3" hoch x 81⁄2" tief
    • Nettogewicht: 5 kg

  • Robert Grodinsky Research RGR Model 4

    Robert Grodinsky Research RGR Model 4

    14.1.2023

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Das 'Model 4' war der Nachfolger des 'Model 3' Vorverstärkers und wurde von dem amerikanischen Toningenieur und ehemaligen Audio Research (ARC) Entwickler, Robert Grodinsky, in seiner neu gegründeten Firma hergestellt. Die Robert Grodinsky Research (RGR) hatte ihren Sitz in Lincolnwood, Illinois, und entwickelte dort ein kleines Sortiment an Highend-Audiogeräten, darunter Vor- und Endverstärker der eigenen Marke, sowie Klangprozessoren für die Firmen Audio Research, Koss und Pioneer. Robert Grodinsky selbst bot auch Tuning- und Aufrüstungslösungen für Besitzer von Audio Research-Geräten an.

    Das Model 4 gab es in verschiedenen Unterversionen, die sich vor allem im Design und in den Funktionen der Phonostufe unterschieden. Das Basismodell verfügte über zwei Phonoeingänge, bei denen die Kapazität unabhängig voneinander in drei Stufen eingestellt werden konnte: 30, 130, 360 pF. Es wurde in den frühen 1980er Jahren entwickelt, als Phono noch die wahrscheinlichste Quelle für High-End-Audio war. Die zwei einstellbaren Eingänge machten das Model 4 zu einem willkommenen Spielgefährten für die Vinyl-Liebhaber jener Zeit. Frühe Versionen boten Eingänge für Moving Magnets (MM), während das überarbeitete Model 4-1HG über Eingänge für MM- und Moving-Coil-Tonabnehmer (MC) verfügte.

    Das renommierte HiFi-Magazin 'The Absolute Sound' machte Robert Grodinsky Research berühmt, indem es die Vorzüge und Unzulänglichkeiten des Model 4 ausführlich diskutierte. Während die Klangbühne tief und weit war und die Musik offen und holographisch klang, war das Model 4 auch eine Abkehr von dem etwas dunkleren und volleren amerikanischen Klang. Damit ähnelte das Model 4 mehr dem aus Deutschland und Japan bekannten Highend-Klang. Die Phonostufe wurde als herausragend in der gegebenen Preisklasse beschrieben. Da Robert Grodinsky im Laufe der gut zweijährigen Geschichte des Model 4 immer wieder Anpassungen am elektronischen Design vornahm, dürfte es schwierig sein, zwei identisch klingende Vorverstärker dieses Typs aufzuspüren.

    Mit 6,5 kg war das Model 4 für einen Vorverstärker überraschend schwer. Alle Bedienelemente waren aus Metall gefertigt, die Knöpfe waren keilförmig. Die Lautstärke wurde über einen hochwertigen gerasterten Regler eingestellt. Die aktive Signalquelle wurde durch ein warm leuchtendes LED-Licht angezeigt. Es gab zwei Knöpfe zum Einstellen der Bandüberspielrichtung und zwei Knöpfe zum Aktivieren der Bandmonitore, die auch zum Durchschleifen zu anderen Komponenten verwendet werden konnten. Ein vielseitiger Modus-Wahlschalter ermöglichte es dem versierten Benutzer, das Signal des linken oder rechten Kanals unabhängig voneinander abzuspielen, die Kanäle umzukehren oder das Ausgangssignal auf Mono herunterzumischen. Für diejenigen, die professionell mit HiFi- oder PA-Equipment arbeiten, konnten solche Funktionen sehr nützlich sein, z. B. wenn sie versuchten, ein elektronisches oder akustisches Problem zu identifizieren und zu beheben.

    Das RGR-Model 4 enthielt auch Regler zur Einstellung von Bass, Höhen und Raumbalance sowie einen Subsonic-Filter zur Eliminierung von Rumpeln und Rückkopplungen, wie sie typischerweise beim Abspielen von Schallplatten entstehen. Es war sicherlich ein Zugeständnis an den High-End-Puristen und nicht an den PA-Anwender, dass die Klangregler auf Knopfdruck vollständig aus dem Signalweg eliminiert werden konnten. Alle Knöpfe und Schalter gaben ein tolles haptisches Feedback, vielleicht mit Ausnahme der kleinen Schalter auf der Rückseite des Geräts, die zur Einstellung der Phonokapazität dienten und manchmal als unpräzise und unter den Erwartungen liegend beschrieben wurden. Ein weiteres Manko aus heutiger Sicht wäre wohl der ungewöhnlich schmale Spalt zwischen den Cinch/RCA-Buchsen, der nur Cinch/RCA-Stecker von kleinem Standarddurchmesser zuließ. Da das Cinch-Terminal jedoch nur mit Nieten befestigt und die interne Verdrahtung freiliegend war, wäre es ein Leichtes, das Terminal auf den heutigen Standard zu bringen, falls überhaupt erforderlich.

    Das Model 4 verfügte auch über eine externe Prozessorschleife, ein Gebiet, auf dem Robert Grodinsky ein Experte war. Ein Blick ins Innere des Geräts zeigte eine große Hauptplatine, auf der kleinere Module vertikal aufgestellt waren. Diese Module fungierten als diskrete Operationsverstärker zur Signalverstärkung. Vielleicht war es diese besondere Konstruktion, die zu dem nicht-ermüdenden und luftigen Klang des Model 4 führte, der eine gute Klangbühne, tonale Abbildung und ausreichend Bassfundament bot. Zum Vorverstärker gab es auch eine Endstufe 'Model 5', die inzwischen recht selten auf dem Markt zu finden ist. Während frühe Model 4 gelegentlich für ihre mangelhafte Bauqualität kritisiert wurden, insbesondere für die Qualität der Lötstellen, schien die Model 5-Endstufe von Anfang an besser überwacht worden zu sein.

    Robert Grodinsky Research schloss seine Pforten in den frühen achtziger Jahren, um kurz darauf unter dem Namen 'RG Dynamics' wieder aufzutauchen. Es heißt, dass Robert Grodinsky auch die treibende Kraft hinter einer späteren Firma namens 'State Technology Research' war.

    Technische Daten

    • Typ: Transistor-Stereo-Vorverstärker
    • Ausführung: Mark I (ohne MC-Anschluss)
    • Phono-Eingänge: 2x Moving Magnet (MM)
    • Phono-Einstellung: 30, 130, 360 pF Kapazität
    • Phono-Entzerrung: RIAA +/- 0,1 dB
    • Line-Eingänge: 2x Auxiliary, 2x Monitor
    • Tape-Ausgänge: 2x Cinch/RCA
    • Ausgangsspannung: > 2.0 V
    • Harmonische Verzerrung (1 kHz): < 0.005%
    • Intermodulationsrauschen: 0,006%
    • Leistungsbandbreite: 0,5 Hz bis 300 kHz
    • Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz (+/- 0,05 dB)
    • Signal-Rausch-Verhältnis Phono MM/MC: > 80 dB
    • Signalausgänge zum Verstärker: 4x Line/RCA
    • Klangregelung: Bass (20 Hz) +/-12 dB, Höhen (15 kHz) +/-12 dB
    • Abmessungen: (B) 484mm x (H) 95mm x (T) 300mm
    • Gewicht: 6,5 Kilogramm
    • Land der Herstellung: USA
    • Jahr(e): 1980-1982

  • Rotel RC-960BX

    Rotel RC-960BX

    28.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Rotel hat heute einen guten Namen, wenn es um schnörkellose HiFi-Komponenten geht, die das bieten, was man als "britischen Klang" bezeichnet. In diesem Zusammenhang war ich überrascht zu erfahren, dass Rotel ein japanischer Hersteller von Audio- und Videogeräten in Familienbesitz ist, der im Jahr 1961 gegründet wurde. Vielleicht hat sich das Image von Rotel als britischer Hersteller bei mir durch die 40-jährige strategische Allianz mit Bowers & Wilkins in Worthing, Großbritannien, eingeprägt. Vielleicht liegt es aber auch an dem eher englisch oder zumindest germanophon klingenden Firmennamen. In den Firmendaten ist zu lesen, dass Rotel von Tomoki Tachikawa gegründet wurde, heute von seinem Neffen Peter Kao geleitet wird und durch den Aufbau des weltweiten Vertriebsnetzes für den Lautsprecherhersteller einen großen Einfluss auf die Ausrichtung von Bowers & Wilkins hatte.

    Obwohl Rotel in erster Linie für sein Angebot an High-End-HiFi-Komponenten, einschließlich Verstärkern und Vorverstärkern, bekannt ist, hat das Unternehmen immer auch eine Reihe erschwinglicher Einsteigergeräte im Programm gehabt, die mit den Rotel-Design-Merkmalen aufwarteten und den Mythos des "British Sounds" an eine neue Generation von Audio-Enthusiasten weitergaben. Der Rotel RC-960BX z.B. ist ein solcher Fall. In Verbindung mit einem oder zwei der RB-960BX-Doppelmono-Endstufen konnte die Kombination aus Vorstufe und Verstärker viele zeitgenössische Receiver derselben Preisklasse in Bezug auf klangliche Ausgewogenheit und Durchsetzungsvermögen spielend übertreffen. Das kluge Fehlen von Reglern und die Möglichkeit, die verbliebenen Potis zu umgehen, gepaart mit der Trennung von Kanälen und Aufgaben, brachte etwas Solides auf den Tisch, das vielen anderen Geräten fehlte. Für einen Denon-Verstärker der mittleren Preisklasse war der Rotel-Kombi eine echte Offenbarung.

    Obwohl der Rotel-Klang als anspruchsvoll bezeichnet werden kann, bewahrt das hier gezeigte Einsteigergerät die klangliche Ausgewogenheit auf Kosten der höchst ansprechenden Musikalität, die wir von Hafler-, Restek- und DB-Systems-Vorverstärkern kennen. Die Bauqualität zeigt einige offensichtliche Opfer einer sorgfältigen Budgetierung: eine Bodenplatte aus Kunststoff (geht eigentlich gar nicht), die auch noch während des Transports zerbrach und seitdem durch eine solidere Version ersetzt wurde, Absorberfüße aus Kunststoff, die ein integraler Bestandteil der zerbrochenen Bodenplatte waren und ebenfalls ersetzt wurden, ein billiges, aber recht häufig vorkommendes gefaltetes Blechgehäuse ohne Kupferbeschichtung, eine Einzelplatinen-Konstruktion, auf der ein brummender Transformator direkt platziert ist, ein Balance-Regler, der Teil des Lautstärkereglers ist und sich im Allgemeinen etwas unsicher anfühlt, wenn man versucht, die richtige Balance zu finden. Während die Leistung in der gegebenen Preisklasse lobenswert ist, reichen die Klavierklänge nicht so tief in den Raum wie bei den anderen Geräten, die Trennung der Instrumente ist vorhanden, aber nicht großartig. Die Bühne fühlt sich enger an als bei den anderen Geräten, obwohl ein großartiges Bild in der Stereomitte entsteht und die Mitten schön und voll sind, Eigenschaften, die gleichzeitig liebenswert sind.

    Ich fand, dass der Rotel gut mit Soft-Dome-Hochtönern und generell mit Lautsprechern zusammenarbeitet, die gelegentliche Fehler überspielen. Der RC-960BX ist keine schlechte Wahl, wenn man in den High-End-Bereich einsteigt und viele Geräte auf einmal kaufen muss. Er ist in der Regel preiswert, wenn man ihn gebraucht kauft. Achten Sie nur darauf, dass die Bodenplatte beim Transport nicht kaputt geht, da sie wirklich mühsam zu reparieren ist.

    Technische Daten

    • Frequenzgang (Line): 4 - 100.000 Hz, -3 dB
    • Frequenzgang (Phono): 40 - 100.000 Hz, +/- 0,2 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: < 0.004%
    • Signal-Rauschabstand (Line): 95 dB
    • Rauschabstand (Phono MM): 78 dB
    • Signal-Rausch-Verhältnis (Phono MC): 64 dB
    • Abmessungen: (B) 440mm x (H) 72mm x (T) 286mm
    • Gewicht: 3,0 kg (jetzt 5,5 kg, mit neuer Bodenplatte und Füßen)

  • Symphonic Line RG2-MK3

    Symphonic Line RG2-MK3

    19.5.2024

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Mehr Raum für High End

    Der RG2 MK3 ist ein von Rolf Gemein und seinem Team entworfener und bei Symphonic Line in Duisburg handgefertigter HiFi-Vorverstärker. Rolf Gemein war unter den ersten Audio-Designern, die den Begriff "High End" für ihre besonders kompromisslosen Audioprodukte verwendeten. Er schloss sich alsbald mit anderen deutschen Entwicklern herausragender HiFi-Geräte zusammen, um zunächst die "Deutsche High End Society” zu gründen und kurz darauf gemeinsam die High End Audiomesse in München ins Leben zu rufen, die sich inzwischen zur weltweit größten Veranstaltung ihrer Art entwickelt hat. 

    Der RG2 Vorverstärker in seiner dritten Version (MK3) verdient es in mehrfacher Hinsicht, als ein High-End-Produkt bezeichnet zu werden. Sein hochwertiges Gehäuse besteht aus 2 mm starkem Messingblech, welches eine hervorragende Abschirmung von störenden Außeneinflüssen gewährleistet. Seine massive, 10 mm starke Frontplatte mit aus dem Vollen gedrehten Metallknöpfen wirkt wie für die Ewigkeit gebaut; ein Qualitätseindruck, der durch die verchromte Aranja- (oder Grapefruit-) Optik noch unterstrichen wird. Alles an Optik und Haptik dieses Vorverstärkers deutet auf eine außergewöhnliche Qualität hin.

    Kenner der Marke werden zu schätzen wissen, dass der RG2 Vorverstärker im gleichen Gehäuseformat untergebracht ist, das auch an seinem legendären Vetter, dem RG9 MK3 Vollverstärker, gute Dienste leistet. Und auch die Vorstufensektion, die im RG9 MK3 sehr gut funktioniert, kommt im RG2 MK3 zum Einsatz. Symphonic Line verwendet sogar den gleichen großen Mumetal-Transformator, um den RG2 mit reichlich sauberer und schnell verfügbarer Energie zu versorgen. Da jedoch die beiden großen Endstufen-Platinen des RG9 (mit satten 140 Watt pro Kanal) im RG2 fehlen, sind die Leistungsreserven dieses Transformators für den Bedarf der Vorstufe mehr als üppig bemessen.

    Nachdem ich bereits den RG9 für einige Wochen in unserem Studio erleben konnte, kam ich mittlerweile recht gut mit den Bedienelementen auf der Vorderseite des RG2 zurecht. Während ich anfangs noch überrascht war, dass die Netzschalter, Eingangswahlschalter und Tape-Monitor-Drehknöpfe allesamt gleich aussehen und sich auch so anfühlen, hatte ich inzwischen das Prinzip der Bedienung des Geräts von links nach rechts verstanden: 1. einschalten, 2. die Quelle wählen usw. — Das einzige, was ich tatsächlich immer noch vermisste, war ein gerasterter Lautstärkeregler zur leichteren Orientierung beim Einstellen.

    Der RG2 MK3 bietet Cinch/RCA-Eingänge für Aux, Tuner, CD und Tape. Die MM/MC-Phonostufe verfügt gleich über zwei Buchsenpaare, von denen eines mit Adaptern genutzt werden kann, um zur tonalen Anpassung die Eingangskapazität zu verändern. Eine übergroße, vergoldete Drehklemme neben den Phonoeingängen sorgt dafür, dass die Phonoerdung immer in günstiger Reichweite ist. Beim Einschalten der Vorstufe über den Netzschalter ist das Klicken großer interner Relais im Inneren des Geräts zu hören. Ein ähnliches Klicken von Relais ist zu hören, wenn der Kippschalter auf der Geräterückseite von MM (Moving Magnet) auf MC (Moving Coil) oder umgekehrt geschaltet wird. Zusätzlich gibt es noch den Vorstufenausgang zum Anschluss an eine externe Endstufe. Alle Buchsen sind in ausreichendem Abstand von einander gelegen, um sämtliche gängige Steckerformate aufzunehmen.

    Ohne die Einflüsse interner Endstufen hatte der RG2 MK3 das Potenzial, ein geringeres Grundrauschen, einen verbesserten Dynamikbereich und möglicherweise einen besseren Schutz vor internen Streuströmen und Leistungsschwankungen zu bieten, die sich allesamt negativ auf die Vorstufensektion des RG9 auswirken könnten. Mit anderen Worten, die einzelne Vorstufe hatte zumindest theoretisch das Zeug, eine deutlich höhere Signalintegrität zu bieten als das kombinierte Gerät. Ob dies tatsächlich auch beim Hörer so ankommt, hängt dann letztlich stark von der Abstimmung mit der verwendeten externen Endstufe, den Lautsprechern und natürlich auch von den Eigenschaften des Hörraumes ab.

    Zum Aufbau der Szene

    Für meinen ersten Aufbau kombinierte ich den RG2 mit einer Dynavox VR70E-II Röhren-Endstufe über meine bewährten Silver-Solid-Core-Kabel vom Typ HBS1. Die Dynavox bot 40 Watt Leistung pro Kanal über EL34-Röhren an einer 8-Ohm-Last. Bei den Lautsprechern handelte es sich um ein Paar Tannoy XT-8f mit “Dual-Concentric” Koaxialtreibern und einem Wirkungsgrad von 91 dB bei einem Watt. In meinem ersten Setup waren die Lautsprecherkabel noch vom Typ Belden 9497, die in der Regel sowohl mit alten Geräten als auch mit Röhrenverstärkern gut funktionieren. Da es sich bei den Tannoys jedoch nicht um Vintage-Lautsprecher handelte, war ich bereit, falls nötig, auch andere Kabel einzusetzen. 

    Meine Musikquellen waren ein Denon DCD 1420 CD-Player, über ein HiViLux Reference-Kabel mit einem Cambridge DAC Magic verbunden, und ein Sansui SR-525 Plattenspieler mit Audio-Technica VM540 ML Tonabnehmer. Der Cambridge DAC hatte ein massives lineares 100VA-Netzteil an seiner Seite. Wie Sie sehen können, war mir die Entscheidung für überdimensionierte Netzteile ebenfalls nicht fremd, und ich konnte deshalb Rolf Gemeins Ansatz, den RG2 mit einem üppigen Transformator zu versehen, durchaus nachvollziehen.

    Der DAC war mit dem RG2 über ein zweiadriges und verdrilltes Silberkabel verbunden, welches mir kurz zuvor von Marc Stager aus New York für eine Hörprobe zugeschickt worden war. Mein erster Eindruck von diesem Kabel war recht positiv, und so beschloss ich, dass es Teil meines ersten Setups bleiben konnte. Da Silber im Vergleich zu Kupfer eine höhere Leitfähigkeit aufweist, haben die von mir verwendeten Silberkabel in der Regel zu einem schnellen, dynamischen und recht detailreichen Klang beigetragen. Wie üblich wurden die Lautsprecher anhand der Berechnungstabellen zur Raumakustik positioniert, die mir Peter English zur Verfügung gestellt hatte, und anschließend nach Gehör feinabgestimmt. Der endgültige Stereo-Abgleich in Richtung der vorderen Wand und der Hörposition erfolgte schließlich mit einem Laser-Distanzmessgerät.

    Hinter dem HiFi Rack berührten oder kreuzten sich keine Kabel, um zu verhindern, dass die empfindlichen Signale durch gegenseitige Induktion beeinträchtigt werden. Leider hat sich noch immer nicht ausreichend weit herumgesprochen, dass dieser Schritt für einen akustisch perfekten Aufbau unabdingbar ist, damit Musik komplett unverfälscht durch die Kabel fließen kann. Doch wie mein Jugendfreund Alec, aus seiner Zeit als er noch eine Firma für professionelle Beschallung führte, gerne erzählt: “…konnten wir beobachten, wie die Netzkabel unserer großen QSC-Endstufen im Takt mitwippten, wenn sie hinter dem PA-Rack in der Nähe voneinander hingen.” Das Problem ist, dass unsere Ohren Querinduktion schon wahrnehmen, lange bevor unsere Augen erkennen können, dass die Netzkabel zum Takt mitwippen.

    Die Bauarbeiten an unserem 70 Quadratmeter großen Hörraum waren erst kurz zuvor abgeschlossen worden. Eine Auswahl an Teppichen, Vorhängen und neu installierten Akustikpaneelen half dabei, die Nachhallzeit auf ein realistisches Niveau zu reduzieren. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden. Für mich fühlte es sich auch deshalb ermutigend und natürlich an, in diesem neuen Raum an musikbezogenen Themen zu arbeiten. Höchste Zeit, mit meiner Hörprobe zu beginnen: Die ersten Musikstücke stammten von Helge Liens Jazz-LP "Hello Troll" aus dem Jahr 2008. 

    Erste Eindrücke

    Als ich mit dem Titel “Gamut Warning" begann, wurde ich sofort von der üppigen Tiefe und Breite in der Bühnendarstellung der RG2-Phonostufe begrüßt. Knut Aalefjoers Schlagzeug, obwohl abbildungsscharf wiedergegeben, wirkte etwas zurückgesetzt und klein im linken Drittel der Bühne, während Frode Bergs Bassläufe in lebensechter Dimension auf der rechten Seite zu finden waren. Helge Liens oft zarten und bisweilen hochdynamischen Klaviertasten schwebten hingegen frei im Raum und fügten auf diese Weise das Geschehen zusammen. Obwohl die Tannoys gebrückt angeschlossen waren (d.h. mit dem Hoch-/Mitteltöner direkt mit der Endstufe verkabelt und vom Hoch-/Mittelton-Terminal des Lautsprechers runter zu dem des Tieftöners über dasselbe Belden-Kabel verbunden), war ich von dem Zuwachs an Basskontrolle und -kontur gegenüber meiner ebenfalls sehr guten Restek V1-Vorstufe (mit hochwertigem externem Netzteil von Herrn Kassel) doch angenehm überrascht.

    Der RG2 MK3 stellte die einzelnen Instrumente auf wunderbare Weise physisch separiert und dabei doch musikalisch zusammenhängend dar, um die individuellen Spielweisen der einzelnen Künstler zu bewahren, ohne dabei an musikalischer Kohärenz zu verlieren. Dies war eine Eigenschaft von Symphonic Line, die ich schon bei dem RG9 kennengelernt und sehr genossen hatte. Und so ganz nebenbei wurde ich erneut daran erinnert, dass der Sansui SR-525 ein ausgereifter Plattenspieler mit Direktantrieb ist, und dies selbst nach heutigen Maßstäben. Ende der siebziger Jahre erbaut, war er seiner Zeit damals weit voraus gewesen und konnte seine Fähigkeiten in Kombination mit dem RG2 voll ausspielen. Wahrscheinlich war es auch hilfreich, dass das AT VM540-Phonocartridge mit ML-Nadel ein wirklich ordentliches MM-System ist.

    Es gab jedoch zwei Aspekte, die ich nicht sofort als erfüllend empfand: Erstens hätte die Dynamik der Klaviertasten etwas stärker sein können, um absolut realistisch zu klingen. Ein Umstand auf den mich Alec bei seinem Besuch hinwies. Und zweitens fesselte mich die Tonalität dieser HiFi-Anlage emotional bei weitem noch nicht in dem Maße, wie es zuvor die beiden HiFi-Ketten (mit Epicure- und Martin Logan-Lautsprechern) in meinen RG9-Tests getan hatten. Ich vermutete, dass der Grund für den empfundenen Mangel in der Verkabelung entweder zwischen Plattenspieler und Vorverstärker oder vielleicht zwischen der VR70E-II-Röhrenendstufe und den Tannoy XT8-Lautsprechern zu finden war. 

    Tonalität in die Musik bringen

    Auf der Suche nach Abhilfe tauschte ich zunächst meine Belden-Lautsprecherkabel gegen die originalen Symphonic Line Harmony HD-Kabel aus, die mir Heinz-Peter Völkel zusammen mit dem Vorverstärker für meinen Test zur Verfügung gestellt hatte, und fügte 4 mm starke Kupferbrücken für die Verbindung zu den Tieftönern hinzu. Darauf hin verließ ich den Raum und ließ das System eine Weile Musik spielen, damit sich die neuen Komponenten einspielen konnten. Als ich erneut in den Raum trat, konnte ich hören, dass sich die klangliche Balance der Anlage in Richtung sanfterer Höhen und satterer, kräftigerer Tiefbässe verschoben hatte. Die Musik enthielt immer noch jede Menge klangliche Detail-Informationen, doch die Verschiebung hin zu dunkleren Klangfarben führte nicht gleichsam zu einer besseren tonalen Trennung, wie ich es gehofft hatte. Ich bemerkte, dass das System nun lauter und dynamischer spielte und vermute, dass dieser Effekt durch die überlegene Leitfähigkeit der Symphonic Line-Kabel verursacht wurde.

    Im nächsten Schritt tauschte ich mein HBS1 Silver Solid-Core gegen ein Symphonic Line-Cinchkabel aus. Die Musik wirkte erneut lauter und die Bühne wurde auch insgesamt plastischer. Die zuvor vermissten Klangfarben waren nun wesentlich stärker präsent, und es war leichter möglich, zwischen ihnen zu unterscheiden. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass das Ausmaß der klanglichen Nuancen mit dem Hörtest, den ich zuvor mit dem RG9 durchgeführt hatte, gleichzusetzen war, doch die Darbietung kam definitiv sehr nahe heran. Ich genoss den Zuwachs an Feindynamik, die für ein intimeres und lebendigeres Klangbild sorgte. Jetzt hätte ich gerne ein zweites cinch/RCA Kabel von Symphonic Line gehabt, um mein einziges verbliebenes HBS1-Interconnect zwischen dem RG2 und der Röhrenendstufe zu ersetzen. Denn schon ließ sich erahnen, dass dies mein Hörerlebnis auf die nächste Stufe gehoben hätte. 

    Als ich zu meinem Denon CD-Player mit Cambridge DAC an Marc Stager Cinch/RCA-Kablen wechselte, blieben sowohl die tonale Balance als auch die Klangeindrücke sehr ähnlich. Sogar die Lautstärke schien beim Umschalten der Quelle auf demselben Niveau zu bleiben. Heinz-Peter hatte mir einige seiner Live||Tape-Aufnahmen geschickt, die er in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Radio Bayern-Toningeneur, Andreas Sandreuter, gemacht hatte. Diese kultivierten durch direkte Tonabnahme des Live-Events auf ein analoges Studio-Masterband den klassischen analogen Klang. Er hatte sie mir nur deshalb auf CD, einem digitalen Medium, geschickt, weil ich in Sachen Bandgeräte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein einfaches Kassettendeck im Haus hatte. 

    Durch Heinz-Peters Zugeständnis an meine analogen Unzulänglichkeiten, hatte ich die Chance, lokalen deutschen Musik-Highlights zu lauschen. Darunter Bands und Interpret:Innen wie “Bad As We”, das “Senior Jazz Trio”, Anna Boulic, das “Sunday Morning Orchestra”, und Alexander Möckl. Und während ich der Musik lauschte, vergaß ich für einen Moment, dass ich eigentlich mit meiner Rezension beschäftigt war, ja sogar, dass ich HiFi-Komponenten hörte. Vielmehr hörte ich den Musikern und ihren Instrumenten zu, den Räumen in denen sie spielten, der Darbietung selbst und gelegentlich auch dem Publikum. Ich war verblüfft, als ich mir vorstellte, was wohl möglich gewesen wäre, wenn ich eine noch bessere Endstufe, ein noch besseres Verbindungskabel oder noch bessere Lautsprecher gehabt hätte. Der RG2 MK3 hatte das Potenzial, die Grenze zwischen dem Live-Ereignis und der Aufnahme mit jeder weiteren Verbesserung noch mehr aufzuheben.

    Randnotizen zur Geschichte

    Nicht selten wird behauptet, die Dynavox VR70E-II sei eine gut gebaute Röhrenendstufe, die mit Geräten mithalten könne, die ein Vielfaches ihres Preises kosten. Nach meinen zuvor gemachten Erfahrungen hätte ich dieser Behauptung zumindest vorläufig recht gegeben. Doch erst durch meine Experimente mit der RG2-Phonostufe in Kombination mit den Symphonic Line-Interconnects und Lautsprecherkabeln konnte ich mich auch persönlich davon überzeugen, wie lange dieser kleine Verstärker musikalisch mithalten kann. Auch die Tannoys schlugen sich in dieser Kombination unerwartet gut und zeigten klangliche Fähigkeiten und eine Dynamik, die ich bis dahin noch nicht vermutet oder kennengelernt hatte. Allerdings halte ich es für ziemlich unwahrscheinlich, dass viele Besitzer ihre XT8f jemals in ähnlicher Weise spielen hören werden. Denn wenn sich jemand komplett mit Symphonic Line ausstattet, wird er in Sachen Lautsprecher vermutlich ebenfalls gehobenere Ansprüche haben.

    Mein langjähriger HiFi-Kollege Luigi hat für das Phänomen mittelmäßig klingender moderner Lautsprecher eine relativ kurze Erklärung: Moderne Lautsprecher neigen dazu, vieles messtechnisch richtig zu machen, haben Bass, Höhen, Mitten und Dynamik, und klingen dann trotz all ihrer wunderbaren Fähigkeiten kühl, analytisch und tonal farblos. Zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel verfasse, sind die Tannoy XT8f bereits seit etwas mehr als vier Jahren in meinem Besitz. Der RG2 MK3 mit allen Symphonic Line-Kabeln konnte sie zum ersten Mal frei und tonal richtig klingen lassen. Leider jedoch sprechen wir hier von HiFi-Komponenten, die um ein Vielfaches teurer sind als die Lautsprecher selbst. Doch wer bringt einen solch hohen Einsatz für ein paar Tannoys der HiFi-Mittelklasse auf?

    Sowohl die Epicure EPI 500 als auch die Martin Logan SL3 lieferten bereits mit den erschwinglichen Belden 9497-Lautsprecherkabeln eine tonal durchaus zufriedenstellend klangliche Leistung, da sie, wie damals üblich, für die Verwendung von Kabeln mit geringem Durchmesser konzipiert wurden. Das Gleiche kann man von moderneren Lautsprechern nicht behaupten, die ihre Besitzer leicht dazu verleiten, einen immer höheren Einsatz zur Befriedigung ihrer klanglichen Bedürfnisse zu erbringen. Ich stimme daher mit meinem Freund Luigi überein, dass moderne HiFi-Liebesbeziehungen eher von kalkulierter Natur sind und dadurch Gefahr laufen, am Ende unerfüllt zu bleiben.

    Da wir beide noch hier sind

    Das Album "10" von Helge Lien zu hören, ist für mich seit jeher ein Genuss. Und so sitze ich trotz später Stunde immer noch auf meinem Hörsessel, lausche Helges Darbietung auf dem RG2 MK3 und frage mich, wohin mich meine Entdeckungsreise als nächstes führen wird. In diesem Moment fällt es mir schwer, mir vorzustellen, dass HiFi-Komponenten noch viel richtiger klingen könnten. - Haben Sie vielleicht schon eine Idee dazu? Dann teilen Sie mir diese doch gerne in den Kommentaren unten mit.

    < Sansui SR-525 | Symphonic Line RG9 >

    Technische Daten

    • Typ: Solid State Stereo-Vorverstärker
    • Transformator: 300 VA, Ringkerntransformator mit Mumetallgehäuse
    • Phono-Sektion: MM/MC mit anpassbarer Kapazität
    • Anzahl der Line-Eingänge: 3 + Tape Monitor
    • Herstellungsland: Deutschland
    • Abmessungen: (B) 450mm x (H) 100mm x (T) 380mm
    • Gewicht: 17 kg
    • Jahr(e): 1992 -

    Musik by Cara live music
  • Thorens Restek V1

    Thorens Restek V1

    21.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Pre-Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die Restek Elektronik Hugo + Elschot oHG wurde im September des Jahres 1975 von zwei Elektronikingenieuren gegründet. In den Anfangsjahren stellte das Unternehmen neben HiFi-Geräten auch Elektrofahrzeuge und Komponenten für industrielle Anwendungen her. Die ersten HiFi-Komponenten wurden ab 1977 am Firmensitz in Fuldabrück produziert. Obwohl jedes verkaufte Gerät vor Ort entwickelt und von Hand zusammengebaut wurde, arbeitete Restek beim Vertrieb seiner Produkte mit dem HiFi-Hersteller Thorens zusammen. Obwohl Restek vor allem für seinen außergewöhnlichen Tuner FM-3003 bekannt ist, gehörte der Class-A-Vorverstärker V1 zu den allerersten Produkten, die das Unternehmen überhaupt produzierte. Das Label "High End Audio made in Germany" hat das Unternehmen bis heute im Geschäft gehalten, und einer der beiden Firmengründer, Adrianus Elschot, leitet das Unternehmen auch heute noch.

    Restek stellte zwei Vorverstärker mit dem Namen V her, nämlich den hier gezeigten V1 und den V2a. Letzterer bot erweiterte Funktionen, wie z.B. Fernschaltung, separate Kopfhörer-Pegeleinstellung und Anschlüsse für zwei Tape-Schleifen statt nur einer. Der V1 ist sicher die bessere Wahl für Puristen und bietet einige sehr vielversprechende Funktionen. Ein gestufter Lautstärkeregler sorgt für maximalen Kontakt und Kanalbalance bei jeder Lautstärke, separate Ausgangspegelpotis auf der Rückseite des Geräts ermöglichen eine optimale Balanceeinstellung und Anpassung an den Verstärker. Im Interesse der Signalintegrität wurde auf alle unnötigen Schalter und Regler verzichtet, wie z.B. Tonpegelanpassungen oder Loudness-Schaltungen. Der Restek V1 kann sowohl MM- als auch MC-Phono-Tonabnehmer verarbeiten und verfügt neben Phono über Cinch/RCA-Anschlüsse für einen Tuner, ein nicht genauer spezifiziertes Gerät wie z.B. einen DAC und für eine Bandmaschine.

    Das Gerät ist in der Lage, Frequenzen von 2 bis 200.000 Hz wiederzugeben. Die zwischen 20 und 20.000 Hz gemessene Linearität liegt bei erstaunlichen +/- 0 dB (THD 0,001%) und selbst für Phono bei nur +/- 0,2 dB (THD 0,004%). Die damals noch junge Zeitschrift "Audio" verglich dieses Gerät eines relativen Newcomers sogar mit den etablierten Produkten von Burmester und anderen High-End-Herstellern der damaligen Zeit. Wie sehr ein Unternehmen hinter seinen Produkten steht, lässt sich oft daran ablesen, wie viel Support man auch noch 40 Jahre nach dem ursprünglichen Kaufdatum erwarten kann. Im Falle von Restek kann man den Service durchaus als hervorragend bezeichnen. Hier ist der Grund dafür:

    Als das hier gezeigte Gerät im Jahr 2017 erste Alterserscheinungen zeigte, haben wir uns gefreut, dass es nicht nur Service, sondern auch ein komplettes Upgrade gab. Dies beinhaltete: Austausch der Relais und aller Elektrolytkondensatoren, Abgleich und Austausch von Bauteilen, die außerhalb der Spezifikationen lagen, Schaltungsmodifikationen nach neuestem Standard der Technik und der Einbau neuer Operationsverstärker. Mit anderen Worten: eine komplette Überarbeitung des mehr als 40 Jahre alten Geräts, um es für das neue Jahrtausend fit zu machen.

    Technische Daten

    • Typ: Transistor-Vorverstärker der Klasse A
    • Frequenzbereich: 2 - 200.000 Hz
    • Frequenzgang (2-200.000 Hz): -3dB
    • Frequenzgang (20-20.000 Hz): +/- 0 dB, Phono +/- 0,2 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,001%, Phono 0,004%
    • Ext. Potentialdifferenz: 128 dB (Phono)
    • Kanal-Trennung: 110 dB
    • Intermodulation: 0,001%
    • Anstiegsrate: 15 V/uS
    • Abmessungen: (B) 360 mm x (H) 50 mm x (T) 190 mm
    • Gewicht: 3,6 kg

Leistungsverstärker

Leistungsverstärker

Ein Leistungsverstärker nimmt den relativ schwachen Strom aus dem Vorverstärker auf und nutzt ihn, um einen Regler zu betreiben, der einen hohen Strom aus dem Stromnetz steuert. Der Regler kann in Form eines Transistors, einer Röhre oder eines digitalen Schalters ausgeführt sein. Sowohl Transistoren als auch Röhren strahlen während des Betriebs viel Wärme ab. Röhren vor allem wegen ihrer hohen Betriebstemperatur aus Heizung und Bias und Transistoren wegen ihrem Ruhestrom und der linearen Steuerung einer hohen Energiequelle. Klassische Transistoren sehen rund und glänzend aus, ähnlich wie Röhren. Um reine Leistungsverstärker begrifflich besser von integrierten Verstärkern (bestehend aus Vor- und Endstufe) unterscheiden zu können, benutzt man häufig den Begriff Endstufe.

Eine gute Endstufe benötigt einen starken, strahlungsarmen Transformator (oft als Ringkern oder gekapselt ausgeführt), der sowohl den Betriebs- als auch den Verstärkerstrom liefert, und viel spontane Energie, die in großen Elkos (ähnlich wie ultraschnelle Batterien) gespeichert wird, um Musikspitzenleistung zu liefern, die das Stromnetz sonst nicht schnell genug bereitstellen könnte. Außerdem werden eine Steuerungsplatine und mindestens ein Transistor (oder ähnliches) pro Kanal benötigt, die in der Regel zur Kühlung auf großen Kühlkörpern montiert sind.

Aus der Kombination dieser Teile ergibt sich die Nennleistung des Verstärkers. Diese wird normalerweise in zwei Zahlen angegeben: Watt und Ohm. Die Wattzahl gibt die Fähigkeit an, Leistung an einen Lastwiderstand abzugeben, dessen Wert in Ohm angegeben wird. Wenn Sie den Lastwiderstand auf der Seite des Lautsprechers verringern, erhöht sich theoretisch die Fähigkeit, auf der Seite der Endstufe Watt zu liefern. Dem ist jedoch schon durch das Netzteil eine natürliche Obergrenze gesetzt, denn eine geringere Last bedeutet auch mehr Rückstrom zum Verstärker, der irgendwann entweder instabil wird, überhitzt und abschaltet oder stirbt, wobei er vielleicht die Lautsprecher beschädigt.

  • Audio Research D-115

    Audio Research D-115

    9.7.2021

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Seit dem Erlebnis, mit seinem Dynaco ST-70 zu musizieren, hatte mein Freund Luigi den Markt nach einer Vollröhren-Vor- und -Endstufenkombination durchforstet, die auch die anspruchsvollsten Lautsprecher mit reichlich Leistung versorgen konnte. Dies erwies sich als schwierige Aufgabe, da große Röhrenverstärker seit mindestens 30 Jahren aus der Mode gekommen waren. Eines Abends rief er mich an, um mir mitzuteilen, dass er einen Kauf getätigt hatte. Es handelte sich um einen Audio Research SP6 Vorverstärker und eine D-115 Röhrenendstufe, die beide eine umfassende technische Überholung benötigten. Er brachte die Geräte daraufhin zum Techniker seines Vertrauens, und für die nächsten Monate war dies das letzte, was wir von ihnen hörten.

    Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde ich zu einer Hörsitzung in Luigis Haus eingeladen und bemerkte sofort die großen silbernen Frontplatten, die so typisch für die Audio Research Produkte der 80er Jahre sind. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Sie waren also endlich aus der Werkstatt zurückgekommen, mit neuen Qualitätskondensatoren ausgestattet, mit frisch gelöteten Anschlüssen und einem brandneuen Satz feinster Röhren, die sorgsam aufeinander abgestimmt waren. Der ganze Staub von 40 Jahren war entfernt worden, und es war viel Liebe und Energie investiert worden, um diesen Satz von Röhrengeräten zu einem der besten seiner Art auf dem heutigen Audiomarkt zu machen.

    Wie ich herausfinden sollte, ist diese Art von Geräten die Mühe auf jeden Fall wert. Audio Research hat unter Röhren-Enthusiasten einen ausgezeichneten Namen. In der Tat kann das Unternehmen auf eine lange Geschichte von Audioexzellenz zurückblicken und ist heute der älteste noch existierende Hersteller von High-End-Audioprodukten. Audio Research gilt als Begründer des Begriffs High End Audio, und ihr SP-3 High Definition Vorverstärker galt über viele Jahre hinweg als der beste Vorverstärker auf dem Markt. Eine ganze Reihe von Produkten der Audio Research Corporation (ARC) wurde von einigen der einflussreichsten Audiomagazine der 1980er Jahre, darunter 'The Absolute Sound' und 'Stereophile', zum offiziellen Maßstab für Musik erklärt. Lesen Sie die vollständige Geschichte der Audio Research Corporation in meinem Bericht über den SP-6.

    Anstatt die Vorverstärker-Endstufen-Kombination als Ganzes zu hören, kamen Luigi und ich überein, dass wir beim Schreiben von Testberichten lieber schrittweise vorgehen sollten. Es wäre viel interessanter zu erfahren, wie die einzelnen Komponenten im Vergleich zu den Geräten, die wir schon kannten abschnitten. Daher nahm ich im Dezember 2020 zunächst den Vorverstärker ARC SP-6 zum Test mit nach Hause. Trotz seines fortgeschrittenen Alters lieferte die große und schwere Vorstufe eine hervorragende Leistung ab und ließ unseren ansonsten hervorragenden DB Systems DB1-Vorverstärker im direkten Vergleich etwas dünn und analytisch klingen. Und obwohl ich nach dem Test keine Schwierigkeiten hatte, mein Ohr wieder an den vertrauten Klang unseres DB1 zu gewöhnen, schätze ich den SP-6 immer noch sehr hoch ein. Er inspirierte mich sogar dazu, ein paar Monate später unsere erste eigene Röhrenvorendstufe zu erwerben.

    Nachdem ich die SP-6-Vorstufe an Luigi zurückgegeben hatte, zögerte ich, den dazugehörigen ARC D-115 zum Testen mitzunehmen. Ich hegte die Vermutung, dass der Umgang mit dieser Endstufe nicht ganz so einfach sein würde. Ein Grund für diesen Verdacht war das Gewicht des Verstärkers. Mit seinen 3+1 großen Transformatoren und der dicken Sandwich-Bodenplatte wog er knapp über 30 kg. Und da die Lautsprecherklemmen auf der Rückseite herausragten, konnte ich ihn auch nicht einfach an den Griffen anfassen. Der D-115 musste vielmehr waagerecht getragen werden, wie ein Serviertablett, was die Tatsache, dass es sich um ein sehr schweres Gerät handelt, nur noch mehr unterstrich. Als ich ihn schließlich nach Hause brachte, kam ich mitten in der Nacht an unserem Haus an und telefonierte mit meiner Frau, damit sie mir dabei half, den D-115 die lange Treppe hinaufzutragen. Ich erinnere mich, dass mir das ziemlich peinlich war, denn ich fühlte mich wie jemand, der sich übernommen hatte.

    Aber das Gewicht war nicht der einzige Faktor. Der zweite Faktor war seine Betriebstemperatur. Wenn er eingeschaltet war, zog der D-115 im Leerlauf fast 400 Watt aus dem Netz. Das ist eine Menge Saft für ein Gerät, das noch keine Musik spielt, und der größte Teil dieser Energie wurde dabei einfach in Wärme umgewandelt. Als ich den Verstärker in unser Rack stellte, musste ich zunächst einige Anpassungen vornehmen, um ihm die nötige Belüftung zu verschaffen. Dazu musste ich ein Regalbrett herausnehmen und die vordere Tür demontieren. Aus reiner Neugierde habe ich dann eines der Badethermometer unserer Kinder auf das Gitter über den Röhren gelegt. Es erreichte bald 50 Grad Celsius, was auch das Ende der Skala dieses Thermometers war. Dies war ein sicherer Hinweis darauf, dass eine Vollröhren-Endstufe ein wirklich ernstzunehmendes Gerät ist, das vor der ersten Inbetriebnahme einige Überlegungen und Aufmerksamkeit erfordert.

    Der D-115 wird idealerweise in Bodennähe aufgestellt, wo er relativ kühl ist und die von den Transformatoren ausgehenden Vibrationen direkt auf den Boden geleitet werden können. Die drei Gummifüße der Endstufe sorgen dafür, dass sie nicht wackeln kann, wenn sie auf einer stabilen Unterlage steht. Eine gründliche mechanische Entkopplung von den Quellgeräten ist bei einem Verstärker dieses Kalibers ratsam. Ich habe manchmal gelesen, dass Röhrenverstärker es bevorzugen, an annähernd linearen 8-Ohm-Lasten oder höher zu spielen. Andererseits gibt es einige Berichte, dass der D-115 auch mit anspruchsvollen Magnepan- und Martin Logan-Lautsprechern erfolgreich zusammenspielt. Aus diesem Grund hielt ich es für sicher, meine Erkundung mit unseren elektrostatischen SL3-Lautsprechern über die 4-Ohm-Ausgangsklemmen der Endstufe zu beginnen, bevor ich versuchte, sie mit unserem 8-Ohm-Tannoy-System zu verbinden. Der Verstärker verfügt über separate Klemmen für 16-, 8- und 4-Ohm-Lautsprecher - ein weiterer Hinweis darauf, dass 4-Ohm-Verbindungen ebenfalls vorgesehen sind. Der Anschluss an die richtige Klemme ist wichtig, um den D-115 vor unerwünschten Rückstrompegeln zu schützen.

    Martin Logan SL3 (DB Systems DB1)

    Nachdem sich die Röhren etwa 30 Minuten lang ohne Musik aufgeheizt hatten, begann ich meine Session mit “Turn up the quiet” by Diana Krall. Das Album ist schon seit einiger Zeit mein persönlicher Maßstab für Studioaufnahmen. Als ich die vertrauten Songs des Albums abspielte, fiel mir als erstes der dicke und fruchtige Mitteltonbereich des D-115 auf, der sich um Diana Kralls Gesang herum manifestierte. Die Stimme der Sängerin hatte mehr Gewicht, als ich es von unserer B&K ST-140 Class-A MOSFET-Endstufe gewohnt war. Der Fokus lag mehr auf der Stimme selbst, während die Instrumente etwas zurückgesetzt waren. Der Klang war dunkler und tonal reichhaltiger, so wie man es von einer Live-Performance erwarten würde. Während der ST-140 selbst die kleinsten Nuancen der Studioaufnahme herausgearbeitet hatte, zeichnete der Audio Research D-115 ein etwas homogeneres und lebendiger klingendes Bild.

    Nachdem ich eine Zeit lang Diana Krall gehört hatte, wechselte ich zu "All the Little Lights" von Passenger. Das war früher einmal meine liebste nicht-audiophile Aufnahme gewesen. Für ein Singer-Songwriter-Album ist "All the Little Lights" eine gelungene Aufnahme, doch mit jedem Fortschritt der Technologie auf meiner Seite begann ich auch die Grenzen des Studios zu hören. Zu meiner Freude funktionierte die eher nachsichtige Herangehensweise des D-115 an die Musik bei diesem Album ziemlich gut. Der Verstärker war aufschlussreich genug, um die Musik unterhaltsam zu machen, aber er reichte nicht so tief in die Räume hinein, wie es einige seiner Transistor-Konkurrenten taten. Ich fand das Hören von Passenger klanglich charmant und gelegentlich magisch. Der D-115 klang weder technisch noch übermäßig analytisch. Es gab keine Spur von Härte, und das musikalische Gesamtbild erwies sich als nicht ermüdend.

    Obwohl der D-115 vielleicht nicht so viel Präsenz an den Frequenzextremen bot wie einige seiner neueren Cousins, präsentierte er seine Musik mit viel Schwung und Rhythmus. Dieser Eindruck wurde durch die Tatsache unterstützt, dass er eine riesige und geräumige Klangbühne mit fulminanten und dennoch beruhigend intimen Stimmen erzeugte. Und - obwohl die Basskontur etwas eingeschränkt war, was vielleicht auf den relativ geringen Dämpfungsfaktor zurückzuführen ist - fühlte sich die Basswiedergabe insgesamt natürlich an. Röhrenverstärker haben die besondere Eigenschaft, mit dem Hörraum in einer Weise zu interagieren, wie es Solid-State-Endstufen einfach nicht schaffen. Die Wirkung auf Stimmen ist magisch, und es wird angenommen, dass dies nur bei Röhren der Fall ist. Mit seinem starken Mittenfokus hat der D-115 die Stimme des Sängers auf Anhieb gefunden und umschmeichelt. Und die gleiche Magie geschah, wenn Streicher gespielt wurden.

    Das letzte Album, das ich mir anhörte, war “Foot Tappin’ Boogie” by Jörg Hegemann. Dieses Album ist noch relativ neu in meiner Benchmark-Reihe, und dennoch genieße ich jede Minute davon. Da Jörgs Album überwiegend instrumental ist, konnte ich mich auf die Darstellung der Instrumente durch den D-115 konzentrieren. In diesem Zusammenhang hatte ich das Gefühl, dass der Audio Research Kontrabass gegenüber Klavier leicht bevorzugt wiedergibt, insbesondere in Kombination mit den SL3-Lautsprechern. Während der Kontrabass vollständig und detailliert dargestellt wurde, hatten vor allem die höheren Klaviertasten nicht die gleiche durchdringende Autorität, die ich von unserem B&K ST-140 gewohnt war. Es stellte sich heraus, dass der D-115 ziemlich empfindlich auf Probleme mit dem Netzkabel reagiert. Ich konnte die Klavierwiedergabe verbessern, indem ich das Netzkabel der Endstufe so von allen anderen Kabeln entfernte, dass sie sich weder berührten noch kreuzten. Eine erneute Wiedergabe desselben Stücks zeigte eine gewisse Verbesserung der Klaviertöne, obwohl ein hörbarer Unterschied zum Solid-State-Verstärker bestehen blieb.

    Tannoy XT8F (Dynaco PAS-4)

    Der folgende Probelauf des D-115 in Kombination mit unserer Tannoy-Anlage mit Dynaco-Röhrenvorverstärker führte zu einem aufschlussreicheren und vielleicht auch besser anwendbaren Ergebnis. Ähnlich wie beim ersten Szenario erzeugte das Vollröhren-Setup eine riesige und faszinierende Klangbühne, wobei die Musik üppig, agil und nach vorne gerichtet war. Da ich nur zwei Meter von den Lautsprechern entfernt saß, konnte ich förmlich spüren, wie die D-115 die Musik mit Wucht auf mich schleuderte. Als ich durch den großzügigen Raum ging und in verschiedenen Positionen hörte, wurde mir klar, dass diese Endstufe große Räume mit Leichtigkeit füllen konnte und ihre volle Dynamik in jeder Ecke entfaltete, selbst bei geringer Lautstärke. Während die Abbildung mit unseren Solid-State-Endstufen vielleicht etwas knackiger war, zeichnete sich der Audio Research dadurch aus, dass er jedem Klang einen vollen Körper und eine lebensechte Dimension verlieh, mit exzellentem Klavier und Kontrabass bei Diana Kralls "No Moon at All".

    Der D-115 klang nicht aggressiv, sondern wies einen dezenten Höhenabfall auf. Im Gegensatz zu unseren Solid-State-Endstufen blieben Klaviertöne durchweg nicht durchdringend. Bei der Stimme von Diana Krall bemerkte ich ein leichtes Zischeln, das möglicherweise von dem von mir verwendeten einfacheren Netzkabel herrührte und das ich bei unserem anderen System mit dem hochwertigeren Kabel nicht bemerkt hatte. Im Vergleich zu unseren Solid-State-Verstärkern reichten die Basstöne der Röhrenendstufe nicht ganz so tief. Diana Krall z.B. beendet ihre Songs oft mit einem Bassschlag auf dem Klavier, ebenso Jörg Hegemann in "Foot Tappin' Boogie". Der Effekt kommt besonders zur Geltung, wenn die Musik über unsere Silberkabel abgespielt wird. Beim Hören mit dem D-115 war dieser finale Wumms zwar hörbar, aber nicht ganz so ausgeprägt. Aus meinen früheren Erfahrungen mit Hafler erinnerte ich mich daran, dass die wahren Vorzüge eines Verstärkers oft erst dann beurteilt werden können, wenn man ihn aus einem anderen Raum bei offener Tür spielen hört und sich die Frage stellt: "Was spielt da: ein Hi-Fi Anlage oder eine Band?" Für den D-115 fällt die Antwort auf diese Frage eindeutig in Richtung letzteres aus.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Audio Research D-115 ein hoch-musikalischer Röhrenverstärker für erfahrene Audio-Enthusiasten ist, die sich lieber klanglich umschmeicheln lassen, als sich von einer großen Reichweite beeindrucken zu lassen. Er treibt bevorzugt konventionelle Lautsprecher mit höheren und linearen Ohm-Lasten an. Für eine Röhrenendstufe bietet der D-115 einen ausgewogenen und weichen Klang mit einer leichten Betonung der Stimmen, die er üppig und voll wiedergibt. Der D-115 bietet keine beeindruckenden Basskonturen oder auffällige Höhen, sondern vielmehr einen großen und weiträumigen Klang, der sehr einnehmend und nicht ermüdend zu hören ist. Späteren Modellen desselben Herstellers wird nachgesagt, dass sie in den Frequenzen ausgedehnter, analytischer und weniger charmant klingen. Für audiophile Hörer, die über die notwendigen Fähigkeiten und Ressourcen verfügen, um eine Vollröhren-Endstufe dieses Kalibers bei sich einzurichten und auf die richtigen Erkenntnisse zu warten, ist der D-115 sicherlich eine ausgezeichnete Wahl.

    Ich danke Luigi für diese neue Möglichkeit der Erkundung. Dank seiner Leidenschaft und seines guten Gehörs habe ich in nur wenigen Jahren mehr über HiFi erfahen, als ich es sonst in einem ganzen Leben hätte erreichen können. Obiges ist ein Bericht über meine subjektiven Hörerlebnisse mit dem D-115 in unseren beiden Anlagen in der Zeit vom 5. bis 9. Juli 2021. Wie immer in HiFi können alternative Abhöraufstellungen zu anderen Ergebnissen führen. Leser, die mit dem D-115 oder verwandten Vollröhren-Geräten vertraut sind, können uns gerne einen Kommentar hinterlassen.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung: 100 WPC (16 Ohm, 20 Hz bis 20.000 Hz < 1% THD)
    • Harmonische Gesamtverzerrung: <005%, 1 Watt
    • Leistungsbandbreite: 10 Hz bis 60.000 Hz, -3 dB
    • Eingangsempfindlichkeit: 1,2 V RMS
    • Eingangsimpedanz: 75 kOhm
    • Ausgangsregelung: 0,4 dB, 16 Ohm
    • Negative Rückkopplung: 20 dB
    • Dämpfungsfaktor: 20
    • Anstiegsrate: 15 V/µs
    • Anstiegszeit: 5 µs
    • Brummen: 90 dB unter dem Ausgang
    • Stromversorgung: 1000 Watt, 280 Joule; 400 Watt im Leerlauf
    • Röhren-Bestückung: 4 x angepasste Paare KT77; 1 x 6550, 1 x 12AT7; 7 x 6DJ8/ECC88
    • Abmessungen: (B) 480 mm x (H) 180 mm x (T) 420 mm
    • Gewicht: 31 kg
    • Baujahr: 1983-1989

  • B&K ST140

    B&K ST140

    25.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    B&K Components Ltd. wurde im Jahr 1981 von John Beyer und Steve Keiser in Buffalo, NY, gegründet. Das Unternehmen entstand aus einem ersten Endstufenentwurf, den Steve Keiser während seines letzten Studienjahres an der Elektroingenieurschule entwickelt hatte. Als er diesen John Beyer zeigte, der sich mit dem Gedanken trug, eine Stereoanlage für seinen eigenen Gebrauch zusammenzustellen, war John von der Leistung des Geräts so überwältigt, dass er Steve davon überzeugte, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, um es zu vermarkten. Zunächst wurden alle Geräte in Handarbeit und von den neuen Eigentümern selbst gebaut. Ab der CES-Messe in Chicago, auf der die Produkte zum ersten Mal einem größeren Publikum vorgestellt wurden, fungierte John Beyer als Vertriebs- und Geschäftsleiter, während Steven Keiser alle technischen Funktionen übernahm.

    Der erste Verstärker trug den Namen ST-140 und sollte aufgrund seiner Musikalität und seines günstigen Kaufpreises ein sofortiger Erfolg bei Audiophilen werden. Die erste Version des ST-140 leistete 70 Watt pro Kanal an 8 Ohm und verwendete einen Standard-Eisenkerntransformator. Das hier gezeigte Modell ist die aktualisierte Version mit einem Ringkerntransformator und 105 Watt pro Kanal an 8 Ohm. Von Anfang an verfolgte der ST-140 einen wirkungsvollen "Weniger-ist-mehr"-Ansatz, der ihn zur idealen Spielwiese für Musikenthusiasten macht. Zwar konnte bei einem solch simplen Design musikalisch auch einiges schief gehen, doch die richtige Aufstellung und Kombination von Zubehör führt in dem hier vorliegenden Fall zu einem höchst ansprechenden, weil ungefilterten Musikerlebnis.

    Im Laufe der Jahre hat B&K den größten Teil seines Einkommens aus dem Original Equipment Manufacturing (OEM) bezogen, also der Entwicklung, Konstruktion und Herstellung von Produkten für andere Elektronikunternehmen, die unter deren verschiedenen Markennamen verkauft werden. B&K hat dabei viele Endstufen und andere Komponenten hergestellt, die unter Markennamen wie Crestron, Harman / Kardon, Lexicon und Onkyo Integra Research verkauft wurden.

    Der ST-140 basiert auf einem einfachen, von Dynaco inspirierten Design, das in der Lage ist, an niederohmigen Lasten zu arbeiten, ein wichtiges Kriterium, wenn man "schwierige" Lautsprecher wie elektrostatische oder magnetostatische Designs antreibt. Dies gilt insbesondere für die überarbeitete 1989er Version des Verstärkers. Musikalisch bietet er großartige Ausgewogenheit und Dynamik und lässt in diesem Sinne eine musikalische Darbietung wirklich "singen und atmen". Vergleicht den ST-140 mit anspruchsvolleren Endverstärkern wie z.B. dem leistungsstärkeren Harman / Kardon “Citation 22” mit satten 200 Watt pro Kanal an 8 Ohm, ist das überragende Maß an Transparenz und Musikalität des kleineren ST-140 wirklich erstaunlich.

    Technische Daten

    • Typ: Transistor-Stereo-Endstufe
    • Hersteller: B&K Components Ltd. in Buffalo, NY
    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 105 Watt pro Kanal
    • Harmonische Gesamtverzerrung (5 Hz - 45.000 Hz): 0.09%
    • Frequenzgang: 3 Hz - 70.000 Hz.
    • Jahr: 1989, überarbeitete 105-Watt-Version

  • B&K Sonata M-200

    B&K Sonata M-200

    31.8.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Haben Sie eine "Bucket List"? Manchmal höre und lese ich von Menschen, die eine persönliche Liste mit Erfahrungen erstellen, die sie im Laufe ihres Lebens noch machen wollen. Ich nehme an, dass auf solchen Listen Orte stehen, die man bereisen möchte, und Erlebnisse, die man haben möchte, und bis vor ein paar Tagen war mir gar nicht bewusst, dass ich überhaupt etwas auf einer solchen Liste stehen habe. Aber als ich in Luigis neuer Wohnung vorbeischaute, um mir seine aktuelle HiFi-Anlage anzuhören, und er mir vorschlug, seine beiden B&K Sonata Monoblock Endstufen auszuprobieren, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich einen wichtigen Punkt von meiner Liste streichen konnte.

    Seit ich zum ersten Mal einen ST-140 Stereoverstärker gehört habe, bin ich ein Fan des B&K-Sounds. Diese relativ preiswerten Endstufen sind simpel aufgebaut, bieten eine große Musikalität und sind gleichzeitig sehr artikuliert in ihrer Präsentation. Es gibt nichts Nachlässiges oder Beiläufiges an ihrem Umgang mit Musik. Und wenn der 105-Watt-RMS-Verstärker pro Kanal selbst schwierige Lautsprecher mit Leichtigkeit antreibt, kann man sich vorstellen, was die 200-Watt-RMS-Monoblöcke vom Typ M-200 leisten würden. Schließlich hat ein 19,5 kg schwerer Verstärker, der speziell für die Versorgung eines einzigen Lautsprechers entwickelt wurde, etwas Demütigendes an sich.

    Glücklicherweise war mein Auto an diesem Abend nicht allzu weit entfernt geparkt, so dass es mir möglich war, die Geräte dorthin zu tragen. Sie dann jedoch spät am Abend im Alleingang die lange Treppe zu unserer Wohnung hinaufzuasten, war eine andere Geschichte. Die Endstufen hatten zwar Griffe auf der Vorderseite, aber ihre scharfen Kühlrippen ragten hinten heraus und hinterließen beim unvorsichtigen Anheben leicht hässliche Spuren auf Tischen und Regalen. Es war daher klüger, die Griffe zu ignorieren und die Endstufen am Gehäuse zu packen, um sie gerade hochzuheben. Um ehrlich zu sein, bevorzuge ich dieses Verstärkerdesign, da es die passive Kühlung stärker unterstützt, speziell wenn die Geräte in einem Rack montiert sind. Da sowohl HiFi- als auch professionelle Racks in der Regel zur Rückseite hin offen sind, erleichtert diese Anordnung der Kühlrippen die Konvektionskühlung.

    In unserem Wohnzimmer sollten die beiden B&K M-200 Monoblöcke den Stereoverstärker ST-140 desselben Herstellers ersetzen und unsere elektrostatischen Martin Logan SL3-Lautsprecher antreiben. Das war keine leichte Aufgabe, denn die Martin Logan sind Hybrid-Lautsprecher mit konventionellen Tieftönern und elektrostatischer Mylarfolie. Die Schwierigkeit lag in der niedrigen Impedanz des Mylar-Paneels (unter 2 Ohm bei 20.000 Hz) und im Umgang mit der Reaktanz des Tieftöners, während sich das Paneel ebenfalls im Signalweg befand. Die SL3 benötigten daher einen leistungsstarken Endverstärker, der noch bis in den niederohmigen Bereich hinein funktionierte und genug Dämpfung bot, um den Tieftöner zu beruhigen. 105 Watt hatten für diese Aufgabe nur knapp ausgereicht, obwohl der ST-140 über massive Reserven verfügte und sich mit seinen riesigen Elkos und dem großen Netzteil-Trafo relativ unbeeindruckt von der Impedanzkurve der Martin Logan zeigte.

    Wie üblich hatte ich mir den ST-140 noch einmal gründlich angehört und dabei Jazz, Folk und Gospel gespielt, Musik, die ich gut kannte. Die Martin Logans klangen groß, relativ langsam und entspannt. Als Zwei-Wege-System mit einer niedrigen Übergangsfrequenz in Richtung Bass war der Klang generell homogen und weich. Der ST-140 in Kombination mit den geschlossenen Tieftönern des SL3 erzeugte ein volles Bassfundament, ließ aber bei der Darstellung von Kick Drums etwas an Durchschlagskraft vermissen. Die Höhen waren angenehm, aber nicht zu knackig. Das mochte wohl auch mit den Filzpads zu tun haben, die wir als Spike-Untersetzer verwendeten, um den Klang für einen musikalischen und weniger technischen Auftritt zu zügeln.

    Beim Wechsel zum M-200 fiel mir zuerst die verbesserte Stereoabbildung auf. Der Klang war immer noch groß, aber jetzt war er artikulierter und etwas räumlicher. Nicht im Sinne von breiter, aber es ergab sich einfach mehr Raum um die Instrumente herum. Die SL3 wirkten jetzt natürlicher, agiler und noch mehr nach vorne gerichtet. Wenn ich mir zum Beispiel Springsteens "London Calling"-Konzert anhörte, hat "Youngstown" die gleiche Unmittelbarkeit, an die ich mich vom Live-Konzert so gut erinnerte. Da ich diese DVD bereits gut kannte, sagte die Fähigkeit, solche Erinnerungen mit einem Wimpernschlag hervorzurufen, viel über die Qualität der Endstufen aus. Mit den M-200 Monoblöcken fiel es der Musik auch insgesamt leichter, sich von den Lautsprechern zu lösen.

    Die Basswiedergabe war weniger dröhnend und feiner mit etwas mehr Punch bei den Kick Drums. Das war zwar immer noch nicht die Stärke des SL3, aber mir wurde jetzt erst so richtig bewusst, dass größere Endstufen dabei helfen konnten, den Bass noch besser mit den Mylar-Panels zu verschmelzen. Und es gibt noch einen weiteren Unterschied, den ich später am Abend beim Fernsehen bemerkte. Nämlich, dass filmische Effekte manchmal unnötig nachdrücklich wirkten, als ob die Tontechniker die Tonspur für ein wesentlich weniger aufschlussreiches Equipment gemastert hätten.

    Ich hoffte, dass ich mir den Luxus leisten konnte, diese Endstufen noch ein paar Tage lang zu hören, bevor ich sie ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben musste. Gut gemacht, B&K! Die Sonatas sind akkurate und musikalische Verstärker, die auch mit schwierigen Lautsprechern mühelos zurechtkommen und genug Leistung haben, um selbst die sonst eher entspannt wirkenden Martin Logans zu überzeugen, noch einen Zahn zuzulegen.

    Technische Daten

    • Anzahl der Kanäle: 1
    • Ausgangsleistung (8 Ohm): 200 Watt RMS
    • Ausgangsleistung (4 Ohm): 400 Watt RMS
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.09 %
    • Signal-Rauschabstand: 95 dB
    • Dämpfungsfaktor (50Hz): 600
    • Frequenzgang: 1 Hz - 100.000 Hz
    • Anstiegsrate: 25 V / uSec
    • Leistungsaufnahme: 800 Watt max / 65 Watt (Leerlauf)
    • Abmessungen: (B) 431,8 mm, (H) 146,8 mm, (T) 387,0 mm
    • Gewicht: 19,5 kg
    • Land der Herstellung: USA
    • Baujahr(e): 1987 - 1990

    crossXculture Business Language Training
  • Becker ST-200

    Becker ST-200

    20.3.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nachdem ich bereits einige Jahre lang den Weg der Audio-Erkundung beschritten hatte, musste ich feststellen, dass ich von den zahlreichen Black-Box-Designs, in denen die Wunder der Elektronik of lustlos verpackt waren, zunehmend gelangweilt war. Vor allem die vielen identisch aussehenden, gefalteten Metallabdeckungen, in denen alle möglichen Geräte untergebracht waren, von exotischen Streamern bis hin zu gewöhnlichen Mehrkanalendstufen, standen für die schäbige Lieblosigkeit einer Industrie, die zunehmend von vielseitigeren und interaktiven Technologien verdrängt wurde. Für den audiophilen Hörer bedeutete dies jedoch einen beklagenswerten Verlust an Vielfalt und Ästhetik. Im 21. Jahrhundert galt die traurige Regel, dass alle Hi-Fi-Geräte aus Kostengründen gleich aussehen mussten, es sei denn, der potenzielle Kunde war bereit und in der Lage, einige Monatsgehälter für den Kauf eines einzigen Geräts auszugeben.

    Plattenspieler und Röhrenendstufen gehörten zu den wenigen HiFi-Geräten, die vom Syndrom der gefalteten Metallabdeckungen weitgehend verschont geblieben waren. Bei diesen gehobenen Geräten konnte man noch die rohe Technik in Aktion sehen, schätzen, und eine ausgeprägte Designphilosophie erkennen. Und vielleicht war dies auch ein Grund für ihre wiederkehrende Beliebtheit bei einer neuen Generation von Hörern. Für die aufkeimende Generation der Soziale-Medien-Jünger ging es beim täglichen Kampf ums Überleben darum, greifbare Erfahrungen zu sammeln und ein einzigartiges und vermarktbares persönliches Image zu entwickeln. Wiedererkennbare Produkteigenschaften waren ein wichtiges Mittel, um diese persönliche Mission zu erfüllen. Exquisites Design und reife Persönlichkeiten mussten gleichsam den Spagat zwischen Kühnheit und Kompromiss schaffen um erfolgreich zu sein.

    Ich vermute, dass diese Sehnsucht nach der Wahrheit des Charakters auch der Grund war, warum ich mich überhaupt zu dem Becker ST-200 Verstärker hingezogen fühlte: Die Möglichkeit, seine Elektronik zu sehen und die verblüffende Einfachheit seines Designs. Als ich den Verstärker erwarb, hatte ich weder Informationen über seine technischen Daten noch hatte ich jemals von der Marke gehört. Dennoch vermutete ich, dass die attraktiven Eigenschaften des ST-200 auch durch die Wahl der Elektronik im Inneren unterstützt werden würden. Handelte es sich vielleicht um eine Endstufe aus einer Kleinserie oder um einen Selbstbausatz, ähnlich wie bei den Endstufen von Hafler und Heathkit? Von außen konnte ich das nicht erkennen, und meine Nachforschungen in den üblichen HiFi-Foren blieben ohne brauchbare Hinweise.

    Ich beschloss, selbst Detektiv zu spielen. Bei der Suche nach Hinweisen im Internet fand ich heraus, dass der Becker ST-200 vier Hitachi J49 Leistungs-MOSFET-Transistoren verwendet, d. h. zwei J49-Transistoren pro Kanal. Da jeder Transistor auf einem eigenen Kühlkörper befestigt war, brauchte man sich über eine Überhitzung keine Sorgen zu machen. MOSFET-Transistoren waren silikonbasierte Halbleiterbausteine, die ziemlich heiß werden konnten, vor allem wenn die Bias auf einen hohen Class-A-Pegel eingestellt war. Ihnen wurde ein röhrenähnliches Verhalten nachgesagt, da sie einen wärmeren und weniger technischen Klang erzeugten. Diese Eigenschaften wurden von audiophilen Hörern in der Regel gegenüber normalen Transistoren bevorzugt. Ich erfuhr, dass ein Paar dieser Hitachi-MOSFETs pro Kanal eine Ausgangsleistung von 100 Watt liefern konnte. Bei voller Ausnutzung würde dies den Becker zu einem Verstärker mit 100 Watt RMS pro Kanal an einer 8-Ohm-Last machen. Nicht schlecht, wenn man die relativ kompakte Größe und das moderate Gewicht bedenkt.

    Nach den MOSFET-Transistoren erregten die blauen, Cola-Dosen-ähnlichen Kondensatoren meine Aufmerksamkeit. Mit einer Kapazität von 61.000 pF pro Stück konnten diese leistungsstarken Elkos genug Energie speichern, um eine hohe Spitzenleistung zu liefern und selbst die anspruchsvollsten Lautsprecherlasten zu betreiben. Leider konnte man dies nicht über den Transformator sagen, der eher mäßig groß zu sein schien, vor allem wenn man die verfügbare Leistung der Endstufen MOSFETS bedenkt. Durch den Transformator begrenzt sollte die Dauerleistung bei ca. 60-70 Watt pro Kanal liegen. Unser Hafler XL-280 hatte im Vergleich dazu einen Trafo, der mindestens doppelt so groß und schwer war. Nach dem Einschalten schepperte und brummte der Trafo des Becker kurz, bis ein Relais die Endstufenplatinen zuschaltete, um die Musik spielen zu lassen. Bevor ich die Lautsprecher anschloss, öffnete ich das Gehäuse der Endstufe, um sicherzugehen, dass im Inneren keine Teile fehlten oder sich gelöst hatten. Was ich unter der Haube fand, überraschte mich dann doch ein wenig: Die hochwertigen Komponenten, die von außen zu sehen waren, schienen im Inneren nicht fortgeführt zu sein. Die Verkabelung des Verstärkers wirkte tatsächlich etwas improvisiert.

    Ich hätte im Inneren gerne verdrillte und verzinnte Belden 9497 gesehen, die zu den Lautsprecherklemmen führten. Stattdessen fand ich die typischen mehrdrähtigen Kupfer-Lautsprecherkabel, die in den 1980er Jahren zum Standard gehörten. Außerdem stellte ich fest, dass Signal- und Stromkabel manchmal eng nebeneinander verlegt waren oder sich sogar berührten. Dies musste unweigerlich die Integrität der Signalausgabe des der Endstufe beeinträchtigen. Um unsere Lautsprecher vor einer unbemerkten Fehlfunktion, wie z. B. einer Gleichstromausgabe, zu schützen, maß ich zunächst die Signalausgabe mit einem Multimeter durch. Dabei stellte ich fest, dass der Verstärker beim Abspielen einer CD-Direktquelle bis zu 20 Volt ausgab und die gemessene Gleichspannung gleich Null war. Umso mehr war ich überrascht, dass beim Anschluss unserer Lautsprecher auf beiden Kanälen ein lautes 50-Hz-Brummen zu vernehmen war, sowie einige unangenehme Stromausfallverzerrungen bei der Wiedergabe. Es schien, dass einige relevante Teile dieser Endstufe ausgetauscht werden mussten, und ich hatte zunächst das Gefühl, dass es sich dabei auch um die großen Kondensatoren handeln könnte.

    Bei meinen Bemühungen, den ursprünglichen Konstrukteur des der Endstufe ausfindig zu machen, wandte ich mich an Helmut Becker von AudioValve, der nach eigenen Angaben mit einer Vielzahl von Konstruktionskonzepten experimentiert hatte, bevor er sich schließlich für Röhrenverstärker entschied. Leider erfuhr ich, dass der Inhaber von AudioValve in der Woche vor meiner Anfrage verstorben war, so dass meine Frage von den hilfsbereiten Mitarbeitern des Kundendienstes weder verneint noch bestätigt werden konnte. In Anbetracht des Einflusses von AudioValve auf High-End Röhrendesigns überlasse ich es den Lesern dieses Artikels zu entscheiden, für wie plausibel sie die Verbindung halten. In den schriftlichen Worten des freundlichen Kundendienstmitarbeiters: "Möglich wäre es."

    Ich wollte mehr über diese eigenartige Endstufe im Bauhaus-Stil erfahren und brachte den Becker ST-200 zum Service bei einem Techniker meines Vertrauens. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits ausreichend viele Punkte auf meiner Liste der elektronischen Fehler gesammelt, um einen Komplettservice zu rechtfertigen. Zu meiner Überraschung jedoch wurde mir der Verstärker schon drei Tage später zurückgegeben und mitgeteilt, dass keine Teile ausgetauscht werden mussten. "Es handelt sich hier um einige beeindruckende Komponenten, die eher schlecht zusammengebaut wurden", lautete das Urteil unseres Fachmanns. Er hatte also nur die offensichtlichsten Fehler behoben und gab mir die Endstufe zurück, damit ich sie mir anhören und selbst entscheiden konnte, ob sich weitere Reparaturen lohnen würden.

    Zurück in unserem Hörraum schloss ich den Becker ST-200 an unser Tannoy-System an, das von einer Dynaco PAS-4 Röhrenvorstufe angesteuert wurde. Nach ein paar Minuten des Aufwärmens klang die Musik gewaltig, mit großartiger Tonalität, aber auch einem hörbaren Grundrauschen, zusätzlich zu dem brummenden Transformator der Endstufe. Ich war mir sicher, dass man das besser machen konnte, und ersetzte den Dynaco durch unsere totenstille Restek V1 Vorstufe. Das Grundrauschen sank beträchtlich, und sogar der brummende Transformator ließ mit jeder Stunde Musikwiedergabe nach. Was mir blieb, klang für meine Ohren wie pure Magie. Dieser Verstärker erzeugte die natürlichste Klangbühne, die ich bisher mit unseren Tannoys gehört hatte. In Kombination mit dem eher erschwinglichen Belden 9497 Lautsprecherkabeln kam das Ergebnis sogar nahe an den klanglichen und räumlichen Realismus heran, den ich beim Hören der H&S Exceptional-Endstufe mit den HMS Gran Finale-Lautsprecherkabeln empfunden hatte. Theoretisch hätte angesichts des Preis-, Qualitäts- und Aufwandsunterschieds überhaupt keinen Vergleich möglich sein dürfen.

    So schlecht der Becker ST-200 auch aufgebaut war, so sehr konnte er bei audiophilen Hörern wie mir für Aufsehen sorgen, weil er in der Lage war, dieses Jazzclub-Feeling zu reproduzieren: Das groovige Stampfen, die räumliche Genauigkeit von Breite und Tiefe des Veranstaltungsortes, der klangliche Reiz von echtem Holz und Metall und sogar die satte und lebensgroße Leadstimme in der Bühnenmitte. Was zunächst wie ein vielversprechender, jedoch misslungener Heimwerkerjob aussah, schaffte es, mehr musikalischen Realismus zu erzeugen als einige unserer ultrapräzisen Endstufenklassiker wie z.B. der Hafler XL280. Und obwohl die Spezifikationen des Becker auf dem Papier vielleicht nicht viel hergaben, gelang es diesem Verstärker doch, unsere Aufmerksamkeit im Hörraum zu fesseln. Ich fühlte mich an Endstufen wie den Dynaco ST-70 erinnert, der ebenfalls in der Lage war, die Atmosphäre eines Jazzclubs nach Hause zu bringen. Daher mussten wir bei der weiteren Überholung des ST-200 Verstärkers, um das verbleibende Brummen zu beseitigen, besonders darauf achten, den ihm innewohnenden Zauber nicht zu zerstören.

    [Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels leidet der ST-200 immer noch unter wiederholtem Knacken und sporadischen Signalverlusten auf beiden Kanälen während Passagen mit niedrigem Eingangssignal, insbesondere von Phono kommend.]

    (Fortsetzung folgt...)

    Technische Daten

    • Typ: MOSFET-Leistungsendstufe
    • Leistung: 70 WPC (8 Ohm)
    • Transistoren: 4x Hitachi MOSFET J49
    • Gehäuse: 2x verchromte U-Bleche
    • Abmessungen: (B) 220 mm, (H) 190 mm, (T) 345 mm
    • Gewicht ohne Netzkabel: 9,5 kg
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr: 1980 (Schätzung)

  • Citation twelve deluxe

    Citation twelve deluxe

    24.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die Citation Twelve Deluxe Leistungsendstufe wurde im Jahr 1972 auf den Markt gebracht und basierte auf dem zuvor veröffentlichten Citation Twelve Stereoverstärker von 1970, der viele der gleichen Merkmale aufwies. Das Facelift der Deluxe-Version umfasste ein Holzgehäuse mit gebürsteter Aluminiumfront und leicht verbesserte Spezifikationen in Bezug auf Frequenzgang und Verzerrung. Die vorherigen Verstärker von Harman / Kardon waren Röhrenkonstruktionen, und der ursprüngliche Citation Twelve war der erste transistor-basierte Leistungsverstärker des Unternehmens. Das relativ moderne Design des Citation Twelve fußte auf einem Designvorschlag, der zuvor im RCA Solid State Handbook veröffentlicht worden war.

    Der Citation Twelve Deluxe wies viele der für Harman / Kardon typischen Designentscheidungen auf. Einerseits war dies eine der ersten echten Dual-Mono-Endstufen mit zwei Transformatoren, zwei Netzteilen und zwei separaten Verstärkerschaltungen. Andererseits gab Harmans Glaube an die Interdependenzen von Schallwellen diesem Verstärker die Freiheit, Frequenzen von 1 - 100.000 Hz mit +/-1 dB zu liefern. In der Tat gab es nicht viele Endstufen, die Frequenzen weit außerhalb des menschlichen Hörspektrums noch linear erzeugen konnten. Laut 'Absolute Sound' ist der Harman / Kardon Citation twelve deluxe "eine der zwölf bedeutendsten Endstufen aller Zeiten".

    Bauteile in Industriequalität sorgten dafür, dass die Endstufe lange halten würde. Harman / Kardon war sich dessen so sicher, dass es nur sehr wenig an Bord gibt, um den Verstärker vor Schäden zu schützen. Es gibt keine Knöpfe, Schalter oder Abschwächer auf dem Citation, die sich negativ auf den Klang auswirken könnten. Im Originaldesign gab es nicht einmal einen Netzschalter, um die Endstufe auszuschalten. Die Standby-Leistung von 30 Watt stellte sicher, dass das Gerät immer vorgeheizt und spielbereit war. Der Citation präsentierte seine Musik auf geradlinige und schnörkellose Weise. Er klingt nicht ganz so robust und aggressiv wie ein Quad 405, aber er malt auch nicht in schönen Farben wie der kleine Hafler DH-120. Von allen Verstärkern, die ich bis zu diesem Zeitpunkt gehört hatte, klang der Citation meiner Meinung nach am unauffälligsten. In Kombination mit der Restek V1 Vorstufe schaffte es der Citation, sein Licht tief in den Raum zu strahlen, eine exzellente Klangbühne zu schaffen und hat diesen ganz leichten Hauch von einladender Wärme, der bei moderneren Designs manchmal fehlte. Die Abbildung und das Timing waren beeindruckend, und das Panorama reichte weit über die Lautsprecher hinaus. Auch nach all den Jahren war die Citation Twelve immer noch ein Highlight.

    Bei dem hier gezeigten Gerät wurden gegenüber dem ursprünglichen Design folgende Änderungen vorgenommen: ein neues Lapp-Netzkabel anstelle der einfachen US-Version, ein hochwertiger Netzschalter, neue Kondensatoren und vergoldete Cinch/RCA-Buchsen.

    Technische Daten

    • Typ: Klasse A/B Leistungsverstärker
    • Hersteller: Harman Kardon, New York
    • Frequenzbereich: 1 Hz - 100.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.2 %
    • Signal-Rausch-Verhältnis: 100 dB
    • Anstiegsrate: < 2 US
    • Dämpfungsfaktor: 40:1
    • Phasenverschiebung: < 5 Grad bei 20 Hz
    • Intermodulationsverzerrung: < 0.15
    • Belastbarkeit (RMS, 8 Ohm): 2 x 60 Watt
    • Nennleistung (Musik, 8 Ohm): 2 x 100 Watt
    • Leistungsaufnahme im Leerlauf: 30 Watt
    • Abmessungen: (H) 430 mm x (B) 155 mm x (T) 370 mm
    • Gewicht: 16,5 kg
    • Baujahr: 1976

  • Dynavox VR-70E II

    Dynavox VR-70E II

    3.1.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Dynavox ist der Markenname von Sintron Distribution, einem Importeur von Audiogeräten mit Sitz in Iffezheim, südlich von Karlsruhe in Deutschland. Er ist nicht zu verwechseln mit DynaVox, einem Hersteller und Vertreiber von sprachgesteuerten Geräten aus Pittsburg, Pennsylvania. Der Markenname Dynavox tauchte zum ersten Mal Mitte der 90er Jahre auf Audiogeräten auf, zu einer Zeit, als anspruchsvollere Audioprodukte aus Asien verfügbar wurden, oft zu einem Bruchteil des Preises ähnlicher Produkte von europäischen oder amerikanischen Herstellern. Mit der stetigen Öffnung der Wirtschaft in China und anderen asiatischen Ländern für Privatunternehmer wuchs auch der private Wohlstand und führte zu einem lokalen Hunger nach echten High-Fidelity Produkten wie Röhrenverstärkern.

    Für die westliche audiophile Gemeinschaft ist Dynavox auch eine namentliche Anspielung auf die berühmte, von David Hafler gegründete Audiomarke Dynaco. Ähnlich wie Hafler waren auch die Importeure von Dynavox-Produkten der Meinung, dass echte Hi-Fi-Technik der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollte und nicht nur einigen wenigen. Der Name des Dynavox VR-70 Röhrenverstärkers selbst erinnert an den legendären Dynaco ST-70 Röhrenverstärker. Doch während moderne Versionen des Dynaco für 2.000 - 3.000 EUR verkauft werden - weit entfernt von Haflers Traum, Hi-Fi erschwinglich zu machen - kam der Dynavox VR-70 zunächst für knapp 300,00 EUR auf den deutschen Markt. Und obwohl der ursprüngliche VR-70 eindeutig nicht in der gleichen Liga spielte wie die überarbeiteten Hafler-Röhrenendstufen von heute, hatte er doch einen enormen Preisvorteil gegenüber der Konkurrenz und bot bereits 90% des Hörvergnügens. Ein Warnschuss an die etablierten westlichen Audio-Legenden.

    Sein niedriger Einstiegspreis machte den kleinen Röhrenverstärker VR-70 für viele Neueinsteiger in Europa zur Eintrittskarte ins audiophile Hören. Je mehr Einheiten dieses und anderer Produkte verkauft wurden, desto mehr wandelte sich Sintron Distribution vom Importeur zum Designer, in dem Sinne, dass die Firma auf der Grundlage des Feedbacks, das sie von ihren Kunden entweder direkt oder neuerdings auch über Web-Foren erhielten, Einfluss auf den Designprozess nehmen konnten. Um die Produktpreise niedrig zu halten, steckte Dynavox seine Audio-Designs weiterhin in einfache Gehäuse und machte offenbar eher Zugeständnisse beim äußeren Design als beim Klang. Mit der kontinuierlichen Verbesserung der Produkte und der zunehmenden allgemeinen Akzeptanz in der Audio-Community begann die Nachfrage schließlich, sich auf die Preise und die Erwartungen der Kunden auszuwirken. Die heutigen VR-70-Modelle sind doppelt so teuer wie ihre Vorgänger und sind auch deutlich aufwendiger konstruiert, so dass einige der anfänglichen Probleme behoben werden konnten.

    Dynavox entwickelt und importiert heute Röhrenvorstufen, Stereo-Röhrenendstufen und Monoblock-Röhrenverstärker, den Plattenspieler PS-320 BT, ein Sortiment an Kabeln und Zubehör sowie rauschfilternde Leistungsverteiler. Nach 20 Jahren auf dem deutschen Markt ist das Firmenportfolio noch relativ überschaubar, aber die Produkte sind mittlerweile etabliert und haben den Ruf, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Während ich diesen Text schreibe, lausche ich einer Dynavox VR-70 E II Stereo-Röhrenendstufe, die in ihrem einfachen und preiswerten schwarz pulverbeschichteten Gehäuse ein Jazzalbum abspielt. Sie hat eine beruhigende rote LED-Betriebsanzeige auf der linken Seite und einen nicht ganz so beruhigenden Lautstärkeregler auf der rechten Seite seiner Frontplatte. Die Röhren sind durch das Gittergehäuse kaum sichtbar. Erst wenn ich näher komme, sehe ich sie glühen und spüre ihre Wärme auf mich abstrahlen.

    Ich hatte den Dynavox VR-70 E II bei VinylNerds.de erworben, und eigentlich nicht für mich selbst, sondern für meinen Arbeitskollegen, der auf der Suche nach einem günstigen Verstärker für seine Lautsprecher war. Ich sah, wie er sich Importe direkt aus Asien ansah, und schlug ihm vor, den VR-70 auszuprobieren, mit dem zusätzlichen Vorteil, dass er bei einem lokalen Händler und Geschäft einkaufte. Er stimmte zu, dass dies eine gute Idee sei, wurde aber einige Tage später (wie das manchmal so ist) von seiner Frau daran erinnert, dass es derzeit dringendere Probleme für die Familie gäbe als Hi-Fi. Das war natürlich verständlich, aber ich war trotzdem froh, die Gelegenheit zu haben, den VR-70 E II zu hören. Um ehrlich zu sein, prüfe ich inzwischen die Möglichkeit, ihn selbst zu behalten. Dieser Verstärker klingt gar nicht mal so schlecht, auch wenn ich schon einige legendäre Namen der Branche gehört habe.

    Der Dynavox VR-70 E II wog knapp 15 kg und kam hier gut geschützt in einem großen und schweren dreifach verpackten Karton an, der mit dicken Schaumstoff-Innenprofilen gefüllt war. Alle Röhren und der Schutzkäfig waren darauf vorinstalliert. Ich bemerkte, dass die linke Seite des Gitterkäfigs, der die Röhren schützt, ungleichmäßig lackiert war, doch da der Verstärker ganz in Schwarz und in Ganzmetallbauweise ausgeführt war, fiel dieser kleine Fehler in der Lackierung nur bei genauem Hinsehen auf. Ansonsten war ich positiv überrascht, dass er nur 35 cm breit war und solide und sauber verarbeitet aussah. Da ich ursprünglich nicht vorhatte, diese Endstufe für mich selbst zu behalten, hatte ich mir keine großen Gedanken über ihr Design und ihre Größe gemacht. Aber nachdem ich schon einige Jahre in der Hi-Fi-Branche verbracht habe, gefallen mir solche Abweichungen vom Standard-Rack-Format. Ich löste die Schrauben des Käfigs, um die Röhren zu inspizieren, und stellte fest, dass sie alle die Reise zu uns nach Hause unbeschadet überstanden hatten.

    Ich hatte irgendwo gelesen, dass die Vorspannung auf 300-350mV eingestellt werden sollte, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, aber ich konnte mich nicht erinnern, ob dies bei voller Betriebstemperatur der Röhren der Fall war. Also beschloss ich, den Verstärker mit den Werkseinstellungen zu testen. Ich ließ unsere Hafler XL280-Endstufe ein letztes Mal auf Herz und Nieren prüfen, indem ich Diana Kralls Album “Turn up the quiet” abspielte, und wechselte dann zum Verstärker VR-70 E II. Ich verließ den Raum für vier Stunden, während er sich von der Reise aufwärmte. Als ich zurückkam, stellte ich fest, dass die Musik weniger räumlich war als mit unserem Hafler. Dianas Stimme hatte eine leichte Schärfe und Körnigkeit, die sie weniger glaubwürdig und zischend machte. Auch der Bass war im direkten Vergleich ein wenig schwach und komprimiert. Auch das leichte Röhrenzischen unserer Dynaco PAS-4 Vorstufe transportierte der VR-70 besser bzw. fügte von sich aus etwas hinzu. In Anbetracht der Tatsache, dass der VR-70 E II ein 40-Watt-pro-Kanal-Biest ist (innerhalb dessen was mit Röhrenleistung möglich ist), das durchaus in der Lage ist, einen Raum zu beheizen, war ich ein wenig enttäuscht von der Flachheit seines Klangs. Die Endstufe war bei Weitem nicht so einnehmend, wie ich es gewohnt war. Doch es gab auch einen Lichtblick, denn was ich hörte, klang auch nicht völlig falsch.

    Unser Hafler XL280 ist ein sehr guter Verstärker, der schon viel Zeit zum Einspielen hatte. Der Dynavox war gerade erst aus der Kälte gekommen und spielte vielleicht zum ersten Mal Musik. Ich hatte den Eindruck, dass die werksseitig in der Vor- und Endstufensektion verwendeten Röhren eher wegen ihres günstigen Preises als wegen ihrer audiophilen Vorzüge ausgewählt worden waren. Dasselbe galt wahrscheinlich auch für einige der Komponenten der Endstufe. Wenn mein jetziges Hörerlebnis wirklich alles war, was man von diesem Verstärker erwarten konnte, würde ich ihn zurückschicken müssen; aber da ich Potenzial für mehr erahnte, war ich bereit, ihm etwas Zeit zu geben und darüber nachzudenken. Mein erster Schritt bestand darin, einen Termin mit unserem Spezialisten für Röhrenendstufen zu vereinbaren, um die Eigenschaften des grundlegenden Layouts und der Komponenten des Verstärkers zu besprechen. Außerdem begann ich, im Internet nach Meinungen zur Aufrüstung auf audiophiles Niveau zu suchen.

    Als ich bei unserem Spezialisten für Röhrenendstufen eintraf, war ich gespannt, was uns unter der Haube erwarten würde. Die Originalröhren schienen von ausreichender chinesischer Qualität zu sein, aber an der Unterseite des der Endstufe befand sich eine abgenutzte Schraube, die wir erst mit einer Zange lösen mussten. Es schien, dass die weiße Bodenplatte keinen richtigen elektrischen Kontakt zum Chassis hatte, ein Umstand, der verbessert werden könnte, um den Rauschabstand zu erhöhen. Im Inneren stellten wir außerdem fest, dass die Schenkel eines Kondensators beim Zusammenbau verdreht worden waren und sich beinahe berührten - ein Fehler, den wir schnell behoben haben. Die Bauteile im Inneren schienen für Audiogeräte dieser Preisklasse von anständiger Qualität zu sein, und dennoch gab es deutliches Verbesserungspotenzial, wenn sie z.B. durch leistungsfähigere Komponenten ersetzt wurden. Ich wies darauf hin, dass das allgemeine Layout dieser kleinen Endstufe gut durchdacht zu sein schien, und der Röhrenspezialist stimmte mir zu, dass in diesem Design durchaus Potenzial steckte. Er sagte, er würde mir gerne dabei helfen, diesen Verstärker zu einem audiophilen Gerät zu machen. Wir kamen überein, uns zunächst auf die Umrüstung der Innenteile zu konzentrieren und die Ergebnisse dann eine Weile anzuhören, bevor wir uns endgültig für einen Röhrenwechsel entschieden.

    Lesen Sie weiter - Teil 2

    Hinweis für Nicht-EU-Bürger: Der Röhrenverstärker vom Typ VR-70 E wird auch über die "Affordable Valve Company" in Großbritannien unter der Marke "Audio Institute" verkauft. Meines Wissens handelt es sich im Wesentlichen um denselben Verstärker, der für den britischen Markt optimiert wurde.

    Vorschläge für Modifikationen

    • Entfernung der Eingangs-Kondensatoren und Umgehung des Lautstärkereglers
    • Aufrüstung der Stromversorgungs-Kondensatoren und der Gleichrichterdioden auf Wolfspeed Z-Rec 1,2 kV, 10 A, 11 nC
    • Aufrüstung der 70-V-Schaltung durch Mundorf MCaps Supreme 0,1uF 1400V
    • Ersetzen der negativen Rückkopplungs-Kondensatoren (C5 auf der Platine) durch Charcroft Audio Silver Mica 47pF 500V
    • Hinzufügen eines Schalters und einer Schaltung für den Wechsel zwischen Ultra-Linear- und Triodenbetrieb

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 40 Watt
    • Eingangsimpedanz: 20 kOhm
    • Vorverstärkerröhren: 2 x 6F2 (ECF82)
    • Endstufenröhren: 4 x EL34 (ultra-linear)
    • Röhrenvorspannung: 300 - 350 mV
    • Frequenzgang: 10 - 40.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,1%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: >88 dB
    • Dämpfungsfaktor: N.N.
    • Lautsprecheranschlüsse: 4/8 Ohm, vergoldet, für Pik oder Bananen
    • Abmessungen: (B) 350 mm x (T) 300 mm x (H) 185 mm
    • Gewicht: 14,5 Kg
    • Land der Herstellung: China
    • Baujahr: 2013 - 2022

  • Echle LF-3519

    Echle LF-3519

    29.12.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Beim Bau unserer ersten Endstufe für eiaudio wollten der Entwickler Winfried Echle und ich vier grundlegende Anforderungen erfüllen: Erstens sollte der Einsatz von Komponenten auf ein Minimum reduziert werden, nach der audiophilen Regel "Weniger ist mehr". Zweitens sollte eine ausreichende Rückstromfestigkeit gewährleistet sein, um auch komplexe Lasten versorgen zu können. Drittens sollte eine hohe Agilität und Musikalität erreicht werden. Und zu guter Letzt, sollte visuelles Understatement in Form eines eleganten und bescheidenen Gehäuses erreicht werden.

    Die erste dedizierte Endstufe von eiaudio würde auf der Grundlage eines früheren Projekts entwickelt werden, bei dem ebenfalls vier bipolare Transistoren vom Typ Sanken 2SC-3519A pro Kanal eingesetzt wurden. Um die Belastbarkeit zu verbessern, wurde beschlossen, die Kapazität des Netzteils nochmals zu erhöhen. Folglich wurde ein Ringkern-Transformator mit 500 VA in Verbindung mit zwei 10.000 mF-Kondensatoren anstelle des ursprünglichen 250 VA-Transformators verwendet. Wir wollten mit dem größeren Transformator mehr direkte Leistung aus dem Netz holen, während die relativ kleinen Kondensatoren eine hohe Agilität des Verstärkers sichern sollten.

    Die vier ausgewählten Sanken 2SC3519A-Transistoren pro Kanal konnten Ströme von 15 A bei hohen Betriebstemperaturen verarbeiten, obwohl die Chancen, dass diese spezielle Endstufe jemals heiß laufen würde, eher gering waren, da die Bias auf lediglich 5 Watt pro Kanal an 8 Ohm eingestellt war. Um zu verhindern, dass die Endstufe das typische Knacken erzeugte, das durch die Magnetisierung des Transformators entsteht, wurde hinter dem Netzteil eine Widerstands-Relais-Kombination eingebaut. Wie ich später herausfinden sollte, war diese einfache Schaltung während der Einschaltphase recht effektiv, führte jedoch ca. 30 Sekunden nach dem Ausschalten der Endstufe zu einem leisen Ploppen, das wahrscheinlich vom Abschalten des Relais herrührte.

    Das Gehäuse der Endstufe wurde vom chinesischen eBay-Verkäufer Douk Audio bezogen, zu einer Zeit, als Importe aus China aufgrund zahlreicher Störungen des Welthandels, die von Pandemie-Maßnahmen über hohe Benzinpreise bis hin zu Grenzschließungen aus politischen Gründen reichten, besonders teuer waren. All dies trieb die Preise für Nicht-EU-Importe in die Höhe und führte zu wettbewerbsfähigeren lokalen Angeboten, z. B. von dem in Frankreich ansässigen Elektronikhändler Audioholics. Letztendlich war es jedoch die Liste der technischen Daten und nicht der günstigere Preis, die zu unserer Entscheidung für das Endstufengehäuse von Douk Audio führte.

    Das Chinaprodukt bot reichlich Platz im Inneren (B) 220 mm, (H) 112 mm, (T) 300 mm, um einen gewissen Abstand zwischen den beiden Endstufenplatinen und dem Netzteil zu ermöglichen. Dieser Umstand würde dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit eines hörbaren Transformatorbrummens an den Lautsprechern zu verringern. Mit einem Gewicht von 6,5 kg war das Gehäuse stabil genug, um die mechanischen Schwingungen des HiFi-Racks weiter zu unterdrücken. Die massive Aluminium-Frontplatte war symmetrisch aufgebaut und verfügte über einen massiven, polierten Aluminiumknopf für die Verstärkungseinstellung sowie einen gefrästen Aluminium-Netzschalter. An den Seiten befanden sich zwei massive Kühlkörper, die unter allen Gegebenheiten mehr als genug Kühlung bieten würden.

    Der Netzschalter fühlte sich beim Umschalten fest und solide an. Zusammen mit der Soft-Start-Schaltung des Netzteils sorgte er für ein hochwertiges Benutzererlebnis. Das Gleiche galt für den Lautstärkeregler aus Aluminium. Die Eingangsverstärkung konnte stufenlos zwischen 0 und 1,4 Volt über einen Alps Blue Series Poti eingestellt werden. Auch hier gab es eine hervorragende Haptik. Das Gehäuse musste nach Ankunft zunächst von uns zusammengebaut werden, was sich als eine einfache Aufgabe herausstellte. Wir verwendeten vergoldete Cinch/RCA-Buchsen für den Line-Eingang und vergoldete und massearme Polklemmen für die Verwendung mit Bananas oder Spaten für den Ausgang zu den Lautsprechern. Wir entschieden uns auch, die recht kleinen Gummifüße, die mit dem Gehäuse geliefert wurden, beizubehalten und diese später auf zusätzliche Isolationspads zur akustischen Entkopplung in Richtung Rack zu setzen.

    Winfried entwarf die beiden Platinen (eine pro Kanal) so, dass sie nur die wesentlichsten Verstärkerteile beherbergten, und zwar ausschließlich diejenigen, die notwendig waren, um das Quellsignal so rein wie möglich zu erhalten und zu verstärken. Und tatsächlich, mit den uns zur Verfügung stehenden Messgeräten zeigte die Endstufe eine Abweichung von 0 dB über das für Menschen relevante Frequenzspektrum von 20 - 20.000 Hz. Obwohl Winfried zuvor Endstufen mit sehr hohen Dämpfungsfaktoren gebaut hatte, meinte ich, dass mir Musikalität wichtiger sei als absolute Kontrolle. Daher wurde der LF-3519 mit Blick auf eine geringere Rückkopplung entwickelt. Die Signaldämpfung wurde mit 600:1 angegeben, was zwar immer noch nicht niedrig war, doch vielleicht gerade niedrig genug, um nicht übermäßig analytisch zu klingen.

    Als ich den LF-3519 zum ersten Mal hörte, wurde ich sofort in die Musik hineingezogen. Winfried hatte seine überarbeitete Tang-Band W8-2314 Lautsprecher angeschlossen, einen Dipol mit offener Schallwand, und ich konnte eine faszinierende Mischung aus kräftiger Beherrschung der Basstöne und sanft atmenden Stimmen spüren. Es herrschte eine angenehme Fülle und Wärme, ein schöner Sinn für Klangfarben, den ich genießen konnte. An diesem Tag konnte ich es kaum erwarten, den Verstärker mit nach Hause zu nehmen, um ihn in unserem elektrostatischen System zu testen. Eine Anforderung war schließlich gewesen, dass die Endstufe auch an schwierigen Lasten gut funktionierte und die Leistung hatte, um unsere elektrostatischen Martin Logan-Lautsprecher zu betreiben.

    Als ich den LF-3519 dann zum ersten Mal an unser System zu Hause anschloss, hörte ich das Zischen unseres Dynaco PAS-4 Röhrenvorverstärkers deutlich. Ich drehte also den Eingangssignalregler zurück, bis unser System fast still war, auch wenn man direkt vor den Lautsprechern stand. Mit dem LF-3519 in dieser in dieser Einstellung stellte ich fest, dass unsere normale Hörlautstärke erreicht wurde, wenn ich den Lautstärkeregler des PAS-4 zwischen neun und zwölf Uhr einstellte, was als idealer Betriebsbereich für jeden Poti gilt. Also begann ich, meine vertrauten Jazz- und Vocal-Jazz-Alben auf Vinyl und CD zu hören, hörte ich eine neue Festigkeit und Agilität in der Musik. Der LF-3519 trieb die Mylar-Membranen viel müheloser in die höheren Frequenzen als jede unserer vorherigen Endstufen. Der Bass war schnell und druckvoll mit einem raschen Abklingen. Stimmen waren eine verlockende Kombination aus Rauheit und Sanftheit. 

    Wenn das Musikmaterial es erforderte, brachte der LF-3519 die dynamischen Bässe der Martin Logans dazu, Bassläufe zu liefern, die jedes Mal verblüffend waren, sowohl in Bezug auf das Volumen als auch die Tief. Der Punkt ist, dass es zuvor keinen Hinweis auf diese Qualität gab, bis der Bass dann anfing zu spielen. Obwohl ich mich normalerweise nicht sonderlich für Basswiedergabe interessiere, drehte ich mich bei diesen Gelegenheiten zu meiner Frau um, um mich zu vergewissern, dass auch sie gehört hatte, was ich gerade gehört hatte. Während einige dieser Qualitäten bereits wenige Stunden nach dem Aufbau der Endstufe vorhanden waren, reifte die richtige Tonalität noch im Laufe der nächsten Tage und Wochen.

    Eine Tendenz, die uns auffiel, war die Bereitschaft dieser Endstufe, zufällige Störungen aus unserem Haushalt aufzuspüren und zu verstärken. Und so geschah es, dass nur zwei Tage nach unserem absoluten Hörgenuss die Musik anfing, rau und erzwungen zu klingen. Zuerst dachte ich, dass etwas am LF-3519 selbst kaputt gegangen sein könnte oder dass es sich um eine unangenehme Charaktereigenschaft handelte, die ich bei meinem früheren Hören übersehen hatte. Es stellte sich heraus, dass unser LED-Weihnachtslicht-Transformator unangenehme Wellen in das Netz abstrahlte. Wir beseitigten die Geräuschquelle, bemerkten aber bald andere Probleme, zum Beispiel wenn unsere Kinder ihre Nachtlichter auf das Ladegerät stellten. Das Ergebnis war in der Regel ein unangenehmes Zischen und eine tonale Helligkeit, die zu einer raschen Ermüdung des Hörers führte. 

    Unsere Martin Logans waren in diesem Bereich natürliche besonders empfindlich, weil ihre Mylar-Membran praktisch kein Eigengewicht hatte. Meine nächste Erkundungstour in Sachen Audio musste deshalb darin bestehen, den LF-3519 zu unserem System im Obergeschoss zu bringen und zu prüfen, wie er sich an unseren dynamischen Lautsprechern schlagen würde.

    Zu viel des Guten?

    Nachdem ich drei Wochen lang den neuen Verstärker an unserer Martin Logan-Anlage gehört hatte, stellte ich fest, dass ich jeden Abend ein zunehmendes Klingeln im Ohr mit ins Bett nahm. Obwohl unsere Hörlautstärke nur bei etwa 70 dB lag, blieb ein Gefühl von brachialer Gewalt auf den Ohren zurück. Bei meinen Versuchen, das Problem zu lösen, ersetzte ich die abgenutzten Röhren der Line-Sektion unseres Dynaco PAS-4 Vorverstärkers. Das half zwar, das Grundrauschen zu senken, doch die Ermüdung der Ohren blieb.

    Dann fand ich eine weitere Quelle für Rauschen in unserem System: Unser Apple TV mit HDMI-Audioextraktor war in eine Steckdose am anderen Ende des Raums eingesteckt. Als ich den Cinch-Stecker aufstecken wollte, konnte ich einen winzigen Funken sehen und sogar den Unterschied im Massepotential in meiner Hand spüren, wenn ich das Gehäuse des Vorverstärkers und den Cinch/RCA-Stecker gleichzeitig berührte. Nach dem Einstecken konnte ich ein leichtes Rauschen aus den Lautsprechern hören. Daraufhin kaufte ich einen Cinch-Übertrager (ähnlich XLR), den ich zwischen dem HDMI-Audioextraktor und dem Vorverstärker anbrachte. Das half, das leichte Rauschen zu stoppen und veränderte auch den Klang des Apple TV auf unserer Anlage nur geringfügig. Dennoch, das unangenehme Gefühl von roher Gewalt in den Ohren blieb.

    Daraufhin trug ich den LF-3519-Verstärker zu unserem System im Obergeschoss, wo noch die Epicure EPI 500-Lautsprecher aufgestellt waren. Der erste Eindruck war zwar besser, da die Epicure-Lautsprecher etwas nachsichtiger waren, doch als ich von Jazz auf Rock & Pop umschaltete, schien mich der Verstärker erneut anzuschreien. Ich beschloss schließlich, dass wir uns das Design noch einmal ansehen müssten, um zu schauen, wie wir die sehr hohe verfügbare Leistung besser in den Griff bekommen könnten, um einen süßeren, angenehmeren und weniger ermüdenden Klang zu erzeugen. Zu den Ideen, die uns einfielen, gehörten:

    • Erhöhung der Transistorvorspannung (weniger Schaltgeräusche)
    • Reduzierung der Verstärkung (weniger Amplitude)
    • Abschaffung des Reglers für den Eingangspegel (weniger Signalrauschen)
    • Reduzierung des Ultra-Hochtonbereichs (weniger Verstärkerschwingungen)

    Da unsere Erkundungen immer wieder gezeigt haben, dass alles nur Theorie ist, bis man es in der Praxis gehört hat, kann ich freilich heute noch nicht vorhersagen, ob diese Maßnahmen zum gewünschten Ergebnis führen. Ich werde aber gerne über jede neue Entwicklung berichten.

    Jenseits der anfänglichen Frustration

    (Edit: 21. Feb 2023)

    Um der Ermüdung unserer Ohren im Zusammenhang mit dieser Endstufe entgegenzuwirken, wurden drei der vier oben beschriebenen Anpassungen vorgenommen, was schließlich zu einem zufriedenstellenden und sogar recht erfreulichen Ergebnis führte: Durch Entfernen des Lautstärke-Potis sank das Brummen auf fast unhörbare Werte, selbst wenn man das Ohr direkt vor den Hochtöner hielt. Durch das Beschneiden der ultrahohen Frequenzgangs wurde das Oszillieren des Verstärkers gestoppt, was zu einem deutlich sanfteren Hochtonbereich führte. Zusätzlich wurde die Transistorvorspannung so weit erhöht, dass die Kühlkörper im Normalbetrieb mäßig warm wurden. Die Gain-Werte der Verstärkung wurden nicht verändert.

    Schon die ersten Hörsitzungen zeigten, dass die Endstufe nach dem Umbau weniger rau und sprunghaft klang, auch wenn ausreichend viel von der anfänglichen Wucht übrig blieb. Obwohl die Echle LF-3519 immer noch eine schnell klingender Endstufe darstellte, war es jetzt einfacher, Musik bei größeren Lautstärken zu hören, ohne sich dabei überfordert zu fühlen. Die LF-3519 hatte immer noch die Fähigkeit, einzelne Töne tief in den Raum zu werfen, doch, mehr als zuvor, gelang es ihr auch, das Klangbild zusammenzuhalten. Das hohe Maß an Energie und Kontrolle würde die Echle LF-3519 zu einem hervorragenden Begleiter für Lautsprecher machen, die einen zusätzlichen Anschub brauchen, um mitreißend zu klingen. Ich hätte sie gerne mit einigen der größeren Tannoy-Modelle, wie z.B. Windsor, Arden usw., kombiniert.

    Technische Daten

    • Typ: Klasse A/B Leistungsverstärker
    • Transistoren: 4x Sanken 2SC3519A pro Kanal
    • Transistortyp: bipolar (BJT)
    • Transformator-Typ: Ringkern, 500 VA
    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 145 WPC
    • Ausgangsleistung (RMS, 4 Ohm): 230 WPC
    • Frequenzbereich: 1-100.000 Hz (+/- 3 dB)
    • Signaldämpfung: 600:1
    • Eingangstyp: Cinch/RCA
    • Eingangsempfindlichkeit: 1,4 Volt variabel, Alps Blue
    • Signal-Rauschabstand: 112 dB
    • Harmonische Gesamtverzerrung: <0.01 %
    • Anstiegszeit: (noch zu bestimmen)
    • Anstiegsgeschwindigkeit: (noch zu bestimmen)
    • Abmessungen: (B) 320 mm; (H) 130 mm; (T) 335 mm
    • Gewicht: 10,75 kg
    • Herkunftsland: Deutschland
    • Jahr: 2022

    Musik by Cara live music
  • H&S EXCEPTIONAL

    H&S EXCEPTIONAL

    17.1.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die H&S Exceptional ist eine ultra-lineare MOSFET-Endstufe, die 200 Watt pro Kanal an 8-Ohm-Lasten und die doppelte Leistung an 4-Ohm-Lasten liefern kann. Normalerweise funktioniert die Verdopplung der Leistung bei halbierter Impedanz nur in der Theorie, aber hier funktioniert sie auch in der Praxis. Das Herzstück des Verstärkers sind zwei große Ringkerntransformatoren, die maximal 1000 VA aus dem Hausnetz ziehen. Das robuste Gehäuse der Enstufe besteht aus 2 mm dickem Stahlblech, und ein zusätzlicher innerer Stahlkäfig schützt die empfindlichen Audiosignale vor schädlichen EMF, die vom Netzteil erzeugt werden. Die äußere Abdeckung ist verchromt. Diese verspiegelte Oberfläche trägt dazu bei, die bescheidene Größe des Verstärkers von nur 36 cm Breite und 16,6 cm Höhe zu betonen. Als ich ihn zum ersten Mal entdeckte, saß ich schon eine Weile im selben Raum und hatte den Verstärker im Regal kaum bemerkt. Der bescheidene erste Eindruck war jedoch schnell vergessen, als ich die Endstufe zum ersten Mal trug. Ihr Gehäuse fühlte sich ultra-solide an, als wäre das Gerät aus einem einzigen Metallblock geschnitten. Unterstützt wurde dieser Effekt durch die Verwendung hochwertiger Materialien, bis hin zu den Edelstahlschrauben, die perfekt in das Chassis integriert waren.

    Beim Einschalten des H&S Exceptional gab es kein Knacken, keine spürbaren Vibrationen und kein Brummen. Selbst bei angeschlossener Peripherie gab es kein Zischen oder Rauschen, wenn kein Signal anstand. Und ja, selbst wenn ich mein Ohr an die Lautsprecher hielt, blieb die Endstufe mucksmäuschenstill. Das hat mich überrascht, denn sowohl unser B&K ST-140 als auch unser Hafler XL280 Verstärker produzierten zumindest ein schwaches Rauschen, obwohl es sich um gut verarbeitete und hervorragend klingende Geräte handelt. Mein erster Eindruck war also, dass der H&S ein außergewöhnlich gutmütiger Verstärker ist. Könnte dies der Grund für seinen Namen "Exceptional" sein?

    Die Marke H&S wurde ursprünglich von dem deutschen Ortofon-Servicetechniker Eugen Stöckl und seiner Lebensgefährtin gegründet, zunächst als Nebenprojekt neben dem Beruf, dann als Hauptberuf. Über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren entwickelte und baute H&S eine Reihe von Hi-Fi-Komponenten in Kleinserie für audiophile Hörer. Zu diesen Produkten gehörten die Phonovorstufe H&S 'Exact', das 'Iceblue'-Phono-Tonabnehmersystem und drei aufeinanderfolgende Versionen der hier vorgestellten Endstufe. Der Hauptunterschied zwischen den Verstärkerversionen bestand in der Konstruktion des Gehäuses, wobei das schwerste Exemplar bis zu 38 kg wog. Durch den zunehmenden Verkauf ihrer Produkte an audiophile Kunden begann H&S auf sich aufmerksam zu machen. Als 2011 das international führende HiFi-Magazin "The Absolute Sound" das H&S Iceblue zu den weltbesten Tonabnehmern aller Zeiten kürte, konnte Eugen Stöckl diese hohe Auszeichnung noch persönlich entgegennehmen, bevor er im darauffolgenden Jahr an einem Herzinfarkt verstarb

    Als ich auf der Website von Markus Kannewischer von seinem traurigen Ableben las, wurde ich an das tragische Schicksal von Peter Snell erinnert, der kurz nach der Markteinführung seiner beliebten C-Serie-Lautsprecher ebenfalls an einem Herzinfarkt gestorben war. Und obwohl es nicht ungewöhnlich war, dass Männer an Herzversagen starben, empfand ich die Vorstellung, dass sie auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs starben, als ziemlich tragisch. Die Hi-Fi-Branche hatte wieder einmal einen ihrer bescheidenen Mitarbeiter verloren. Eugen Stöckl war ein überzeugter Anhänger der Synergie von Messen und Hören und verbrachte viel Zeit mit beidem. Seine Investitionen und sein hartnäckiger Fleiß hatten sich ausgezahlt, und H&S konnte der audiophilen Gemeinde einige echte Highlights bieten. Der Phono-Vorverstärker H&S Exact zum Beispiel gilt bis heute als einer der besten seiner Art.

    Da die H&S Exceptional eine schwerere Endstufe war, brauchte sie etwa 30-40 Minuten zum Aufwärmen, bevor sie ihr volles Potenzial entfalten konnte. Da die Anschaffungskosten der Endstufe im fünfstelligen Bereich lagen, konnte Herr Stöckl sicher sein, dass die sanfte Erhöhung der Stromrechnung während des Wartens auf die optimale Betriebstemperatur den ursprünglichen Käufern der Endstufe kaum ins Gewicht fiel, zumal sie sich auf eine musikalische Leistung freuten, die sie so fühlen ließ, wie der Name des Verstärkers es vermuten ließ.

    Von einem Solid State zum anderen:

    Ich begann meine Erkundung des H&S Exceptional, indem ich ihn in unser Hauptsystem einband. Dieses bestand aus unserer Vorstufe Restek V1 (zuvor von Restek aufgerüstet und mit einem hochwertigen Netzteil von Herrn Kassel ausgestattet) und den elektrostatischen Martin Logan SL3-Lautsprechern. Als Musikquellen dienten ein Sansui SR-525 Plattenspieler mit AT-VM95 ML Tonabnehmer und ein Rega Planet 2000 CD-Player. Alle Geräte waren mit massiven Silberkabeln mit Schirmung aus Kupfergeflecht miteinander verbunden. Ich hatte die Wahl zwischen verschiedenen Lautsprecherkabeln und entschied mich, mit unserem bewährten Belden 9497 in Bi-Wiring-Technik zu beginnen (und es an einen einzigen Kontaktpunkt an der Seite des Verstärkers anzuschließen, um das Ansprechverhalten zu verbessern). Ich habe eine Reihe von Musik und Stilen ausgewählt, um verschiedene Aspekte der Leistung zu beleuchten, werde aber nur einige Beispiele anführen, um meine Erkenntnisse zu verdeutlichen.

    Als ich von unserem treuen Arbeitstier, der B&K ST-140 Endstufe, auf den Exceptional wechselte, verzeichnete ich einen Anstieg der effektiven Lautstärke um 6 dB bei gleicher Einstellung des gestuften Restek-Reglers. Ich führte diesen Unterschied auf die Tatsache zurück, dass der Exceptional fast doppelt so viel Leistung hatte wie unser B&K, aber fast die gleiche Eingangsempfindlichkeit. Um den Vorwurf zu vermeiden, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, habe ich die Lautstärke auf unsere übliche Hörlautstärke eingestellt. Doch selbst bei gedrosselter Lautstärke klang der Exceptional fokussierter und sauberer und spielte gleichzeitig kräftiger und entschlossener als unser ST-140. In Kombination mit unseren elektrostatischen Martin Logan-Lautsprechern erzielte der H&S eine hervorragende räumliche und klangliche Trennung des Musikgeschehens. Die agile Leistungsabgabe der Endstufe wurde von insgesamt 120.000 mF in den Netzteilkondensatoren angetrieben, die eine Anstiegsgeschwindigkeit von 300 V/μS ermöglichten. In Kombination mit dem beachtlichen Dämpfungsfaktor von 800:1 führte dies zu einem ultra-festen Griff an den Lautsprechern. Verstärker wie dieser sind ein wertvolles Gut beim Hören klassischer Musik und in anderen Szenarien, in denen viele Instrumente gleichzeitig mit vielschichtigem räumlichen und tonalen Charakter spielen.

    Der Exceptional war in der Lage, einen hervorragenden Bassdruck und ein ultra-abruptes Abklingen zu erzeugen, während er nachklingende High Hats für eine Ewigkeit in der Schwebe hielt. In einem reinen Solid-State-Setup (CD, Restek, H&S) konnte so viel Befehlsgewalt manchmal übermäßig trocken und auch geizig klingen und die Präzision über die Musikalität stellen, aber selbst der Austausch eines Teils dieser Signalkette konnte zu Magie führen. Das Umschalten von unserem Planet 2000 CD-Player auf den Sansui-Plattenspieler zum Beispiel brachte die musikalischere Seite der Endstufe zum Vorschein. Vinyl konnte von einem hochpräzisen Verstärker durchaus profitieren, indem die Musik etwas mehr Transparenz, Drive und Punch als üblich erhielt. Aufgrund der relativen Abwesenheit von Frequenzüberschneidungen, wie sie durch zeitliche Verzögerungen der Lautsprecherchassis entstehen, würde man den H&S Exceptional allein nicht als "warmen" und gefühlvollen Verstärker bezeichnen. Er ist relativ frei von solchen Effekten. Aber in Verbindung mit einem Plattenspieler und einem Röhrenvorverstärker kann er durchaus zu einer hervorragenden Mischung aus Musikalität und Detailreichtum beitragen und bietet darüber hinaus die willkommene Flexibilität, auch die schwierigsten Lasten zu betreiben.

    Von außergewöhnlichen Verstärkern zu außergewöhnlichen Kabeln:

    Am 19. Januar 2022, nur zwei Tage nach dem Verfassen der vorangegangenen Kapitel dieses Testberichts, tauschte ich unsere Standard-Lautsprecherkabel Belden 9497 (die hervorragend an Röhrenendstufen usw. funktionieren) gegen ein Paar monströser Madrigal Mark Levinson Flachkabel aus massivem Kupfer aus. Das Ergebnis war wirklich magisch: Der H&S Exceptional-Verstärker klang perfekt ausgeglichen. Es scheint, dass die erhöhte Kapazität und das einzigartige Solid-Core-Design des Madrigal-Kabels dazu beitrugen, die wahren Vorzüge der Endstufe hervorzuheben. Schließlich richtete sich der H&S Exceptional an Besitzer von Krell- oder Mark Levinson-Verstärkern, die sich nach oben orientieren wollten. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in meinem Madrigal-Kabeltest.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 200 Watt
    • Maximale Leistungsaufnahme: 1.000 Watt
    • Transistor-Typ: Leistungs-MOSFET
    • Frequenzgang: 4 Hz - 150.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,03%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: >100 dB
    • Kanaltrennung: 105 dB
    • Eingangsempfindlichkeit: 1,3 Volt, max.
    • Eingangswiderstand: 27 kOhm
    • Dämpfungsfaktor: 800:1
    • Anstiegsgeschwindigkeit: 300 V/uS
    • Anstiegszeit: 0,5 uS
    • Abmessungen: (B) 360 mm; (H) 165 mm; (T) 310 mm
    • Gehäuse: 2 mm Stahlgehäuse + 2,2 mm Stahlschirmung
    • Ausführung: Chrom poliert, Frontplatte silber-matt
    • Gewicht: 19,5 Kg
    • Jahrgänge: 1990 - 2011 (Serie 1-3)

  • Hafler DH-120

    Hafler DH-120

    26.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Die David Halfer Co. wurde im Jahr 1972 in Pennsauken, New Jersey, gegründet, aber zum Zeitpunkt der Gründung hatte David Hafler bereits Geschichte als einer der berühmtesten Audio-Entwickler der Welt geschrieben. Der 1919 geborene Hafler, der an der University of Pennsylvania Mathematik studiert hatte, diente während des Zweiten Weltkriegs eine Zeit lang als Kommunikationsspezialist bei der Küstenwache. Im Jahr 1950 gründete er zusammen mit seinem Freund Herbert Keroes die Firma Acrosound, die sich auf die Herstellung von linearen Audio-Transformatoren für Röhrenverstärker spezialisiert hatte. Vom Bau der Transformatoren war es nur ein kleiner Schritt zum Bau von kompletten Röhrenverstärkern. 1954 verließ David Hafler Acrosound und gründete zusammen mit einem Audioingenieur namens Ed Laurent die Dyna Company, die später in Dynaco umbenannt wurde.

    Während seiner gesamten Karriere konzentrierte sich David Hafler auf die Entwicklung audiophiler Produkte zu erschwinglichen Preisen. Acrosound hatte sich in erster Linie Transformatoren auf Hobbyelektroniker spezialisiert, und Dynaco sollte die Idee des Heimwerker-Audios auf eine ganz neue Ebene stellen. Ed Laurent hatte vor seinem Wechsel zu Dynco eine völlig neuartige Ein-Röhren-Treiberschaltung für Endstufen entwickelt, und Hafler wollte diese als erschwingliche Alternative für eine große Zahl von Enthusiasten vermarkten. Aufgrund der hohen Qualität der Röhren-Audio-Designs von Dynaco wurde der Name schnell zum Synonym für großartigen Klang zu erschwinglichen Preisen. In den 1950er- und 60er-Jahren wurde die Einrichtung eines Audiosystems noch überwiegend als technisches Hobby betrachtet, und die am besten klingenden Geräte wurden von ihren Besitzern selbst gebaut. Das erste Produkt von Dynaco war der Mk. II, eine 50-Watt-Röhrenendstufe. Das Gerät war sowohl als Selbstbausatz als auch als vormontiertes Produkt erhältlich. Nach 2 Jahren erfolgreicher Verkäufe wurde der Mk. II durch den Mk. III abgelöst, der etwas stärker war und 60 Watt Leistung bot. Diese "Dynakit"-Verstärker wurden von Hunderttausenden Audio-Enthusiasten zu Hause zusammengebaut. In den 1990er Jahren wurde der berühmte Dynaco Mk. II im Smithsonian Museum of American History in Washington als bahnbrechendes Stück amerikanischer Kommunikationsgeschichte ausgestellt.

    Mehrere Dynaco-Produkte aus dieser Zeit zählen immer noch zu den besten Audio-Designs aller Zeiten. Dazu gehört sicherlich die Dynaco ST-70, ein Stereo-Röhrenendstufe mit 35 Watt pro Kanal und einer hocheffizienten Push-Pull-Ausgangsschaltung. Die ST-70 war sogar so gut konstruiert, dass sie zum Prototyp für viele ähnliche Produkte anderer Hersteller wurde. Als die Produktion schließlich eingestellt wurde, waren mehr als 350.000 ST-70-Verstärker verkauft worden, was die ST-70 zum beliebtesten Röhrenendverstärker der Geschichte machte. Obwohl Hafler die Marke Dynaco im Jahr 1968 an Tyco verkaufte, blieb er bis 1971 in beratenden Position tätig. Als David Hafler im Jahr 1972 endlich das Unternehmen gründete, das seinen eigenen Namen trug, hatte er bereits einen enormen Einfluss auf mehrere Generationen von Audiophilen und Musikliebhabern ausgeübt. Seine Mission, qualitativ hochwertige Audioprodukte zu erschwinglichen Preisen herzustellen, blieb unverändert. Die ersten beiden Produkte der Hafler Company waren der erschwingliche Vorverstärker DH-101 und der dazugehörige Endverstärker DH-200, die beide eine außergewöhnliche Musikwiedergabe in dieser Preisklasse boten. Ein weiteres bemerkenswertes Produkt war der Stereoverstärker DH-500 mit einer Leistung von 255 Watt pro Kanal, der sich in Heim-, Studio- und Live-Umgebungen als sehr erfolgreich erwies. Alle Geräte waren sowohl als Bausätze als auch als komplett montierte Produkte erhältlich.

    Der Hafler DH 120 ist ein brückbarer Transistorverstärker mit 60 Watt pro Kanal. Er ist von robuster Bauqualität und besteht aus zwei Endstufenplatinen, die an einen einzigen Transformator angeschlossen sind. Die 4 Hitachi MOSFET-Transistoren pro Kanal sind auf zwei großen Kühlkörpern montiert, welche die Seiten der Endstufe bilden. Die technischen Daten des Verstärkers sprechen auch nach heutigen Maßstäben für Musikgenuss, und die hohe Qualität der Bauteile garantiert eine lange Lebensdauer. Aufgrund der relativ geringen Anzahl von Bauteilen und des durchdachten Schaltungsdesigns ist der DH 120 ein dynamisches und musikalisches Gerät, das die legendäre Dynaco-Handschrift trägt. Im direkten Hörvergleich zog ich den weicheren und farbigeren Klang des DH 120 sogar dem größeren DH 220 derselben Marke vor, einem Verstärker mit 110 Watt Leistung pro Kanal. Größe ist nicht alles, jedenfalls nicht, wenn es um den DH 120 geht. Der Verstärker hat Charme und ist in der Lage, die meisten Lautsprechertypen gut anzutreiben. Für elektrostatische und magnetostatische Systeme ist die Leistung von 60 Watt pro Kanal eher nicht ausreichend.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 60 Watt
    • Gebrückt (RMS, 8 Ohm): 1x 150 Watt
    • Transistor-Typ: Hitachi Mosfet
    • Eingangsempfindlichkeit: 22 kOhm
    • Frequenzgang (60 Watt, +/-0,5 dB): 10 - 40.000 Hz
    • Frequenzgang (1 Watt, -3 dB): 4 - 200.000 Hz
    • Signal-Rauschabstand: >100 dB
    • Kanaltrennung: 85 dB (@ 1 kHz)
    • Klirrfaktor: 0,002 % (@ 1 kHz)
    • Dämpfungsfaktor: 100:1
    • Crosstalk: 85 dB
    • Anstiegszeit: 2 uS
    • Gewicht: 9 kg
    • Baujahr: 1984 - 1990

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  • Hafler DH-220

    Hafler DH-220

    26.6.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Es gab eine Zeit, da brachte mein guter Freund Luigi regelmäßig HiFi-Geräte zum Testen zu uns nach Hause. Und obwohl es dabei viele interessante Entdeckungen zu machen gab, sprachen uns die Geräte irgendwie nicht so sehr an, dass wir sie tatsächlich besitzen wollten. Eines Tages, als ich von einer abendlichen Lehrveranstaltung die Treppe zu unserer Wohnung hinaufstieg, hörte ich im Wohnzimmer Musik, die selbst aus der Ferne sehr realistisch klang. Was auch immer das sein mag, dachte ich mir auf den letzten Stufen, das wird bleiben. Das System, das Luigi für uns aufgebaut hatte, war eine kleine Hafler-Kombination, bestehend aus dem Vorverstärker DH-110 und der 60-Watt-Endstufe DH-120. Und ihre Musikalität übertraf alles, was wir bis dahin gehört hatten. Als ich meine Frau später fragte, an welchem Punkt sie wusste, dass wir die Komponenten erwerben würden, sagte sie, dass sie bereits aus der Küche - die etwa dreißig Meter den Flur hinunter lag - gehört hatte, dass dies etwas ganz Besonderes sei.

    Es gibt nicht viele Verstärker, die in der Lage sind, unsere Herzen aus mehreren Metern Entfernung so einhellig zu erobern, und schon gar nicht zu einem Preis, den sich die meisten Leute noch leisten können. Aufgrund der offensichtlichen Qualitäten des Halfer entschied sich Luigi für den Kauf des 115-Watt-DH-220 und ließ ihn neu justieren und mit neuen Kondensatoren versehen. Dabei wurde der Class-A-Anteil des Verstärkers erhöht, was sich positiv auf den Klang auswirkte und zu einer höheren Wärmeableitung führte. Ich glaube, man könnte auf diesem Gerät buchstäblich ein Ei braten. Mit zwölf Kilo fühlt sich der kleine Verstärker wie ein massiver Klumpen Metall an. Die Kühlkörper sind massiv, und bei so viel Class-A-Leistung ist das wahrscheinlich auch gut so. Für einen Verstärker dieses Kalibers sind die Verzerrungswerte bei jeder Frequenz sehr niedrig. Die untenstehenden Angaben zeigen den Klirrfaktor bei 1 kHz.

    Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der DH-220 eine ziemliche Prinzessin sein kann, in dem Sinne, dass er nicht mit jedem spielt. Vor einiger Zeit hatten wir die Endstufe von Luigi ausgeliehen, um sie auf unserer kleineren Anlage zu testen. In diesem Szenario musste sie mit einem mittelmäßigen Vorverstärker und Mid-Fi-Lautsprechern spielen. Das Ergebnis war alles andere als erfreulich, und wir brachten die Endstufe sehr bald zurück, um nach etwas Geeigneterem zu suchen. Ich war daher überrascht, als Luigi darauf bestand, dass ich diesem Verstärker eine zweite Chance geben sollte, nachdem alle unsere anderen Komponenten bereits nach und nach aufgerüstet worden waren. Im aktuellen Szenario sollte der DH-220 unsere Citation Twelve Deluxe ersetzen, eine Endstufe, die wir sehr schätzten. Die übrigen Spielpartner waren ein Lenco L75 Plattenspieler, die Restek V1 Vorstufe und Tannoy DC6t Lautsprecher mit 8 Ohm Last.

    Wir hörten uns den Citation Verstärker ein letztes Mal an und schlossen dann den DH-220 zum Vergleich an. Die Verbesserung in diesem Szenario war sofort hörbar, obwohl der Verstärker noch in der Aufwärmphase war. Die leichte Verträumtheit des Citation war verschwunden, die Musik hatte nun eine intensivere und realistischere Dimension, was besonders bei Live-Aufnahmen auffiel. Während der Citation den Hörer umschmeichelte, hatte der Hafler eine Geradlinigkeit und Eindringlichkeit, die mir von einigen Quad-Verstärkern vertraut war. Der Mitteltonbereich des DH-220 ist tonal sehr akkurat und dabei erfreulich breit. Seine Bässe sind kraftvoll und kontrolliert, was sich zu einer angenehmen Klangfülle entwickelt. Die räumliche Darstellung ist sehr genau und Klaviertöne werden tief in den Raum geschleudert. Der Halfer spielte so gut, dass wir in der Lage waren, die Gewichte, die ich zur besseren Abbildung auf jeden Lautsprecher gelegt hatte, zu entfernen und die Lautsprecher weiter in den Raum zu ziehen, ohne das Fundament zu verlieren. Wir werden diesen Verstärker sicherlich noch eine Weile behalten, um die neue Dimension des Klangs zu genießen. Der Hafler DH-220 ist auf jeden Fall eine Entdeckungsreise wert. Wo auch immer dieser Verstärker eingesetzt wird, er wird nur schwer zu toppen sein.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 115 Watt
    • Transistor-Typ: Hitachi Mosfet
    • Frequenzgang (15 Watt, +/-0,5 dB): 6 - 60.000 Hz
    • Frequenzgang (1 Watt, -3 dB): 2 - 160.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,0025%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: >100 dB
    • Dämpfungsfaktor: 300:1
    • Crosstalk: 85 dB
    • Anstiegszeit: 2,5 uS
    • Gewicht: 12 kg
    • Baujahr: 1984 - 1990

  • Hafler XL-280

    Hafler XL-280

    9.7.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der Stereo-Endverstärker XL-280 ist wohl eines der besten Geräte, die Hafler je hergestellt hat. Mit 145 Watt RMS an 8 Ohm läuft er stabil bis hinunter zu 1 Ohm und ist damit in der Lage, auch die anspruchsvollsten Lautsprecherlasten zu betreiben, ohne Instabilität, Überhitzung oder eine Selbstabschaltung des Verstärkers befürchten zu müssen. Der XL-280 war daher als Arbeitstier für die Magneplanar- und Elektrostaten-Lautsprecher der 90er Jahre prädestiniert, funktionierte aber auch für anspruchsvollere konventionelle Designs, wie z.B. einige Infinity-Modelle. 145 RMS mögen auf den ersten Blick nicht nach viel Leistung klingen, doch dieser Eindruck kann sich ändern, wenn man bedenkt, dass sich die Wattleistung bei Halbierung der Ohmzahl fast verdoppelt, sofern die Architektur und die Stromversorgung dies zulassen. So liefert der XL-280 an 2 Ohm satte 360 Watt pro Kanal, während viele konventionellere Verstärker einfach das Handtuch werfen würden.

    Die Abkürzung XL steht für Excelinear, was laut Hafler bedeutet, dass der Verstärker sich durch seine Linearität auszeichnet. Das Ziel war es, einen Verstärker zu bauen, der die linearen Eigenschaften eines einzelnen geraden Drahtes aufweist. Der Vorteil eines solchen Verstärkers wäre, dass er dem Signal, das er von der Audioquelle erhält, weder etwas hinzufügt noch etwas wegnimmt. Hafler schreibt: "In Bezug auf Phase, Amplitude, Übertragungscharakteristik und andere Verzerrungen setzt der XL-280 neue Maßstäbe in Sachen Genauigkeit. Er ist so nahe an der Perfektion, dass man zum ersten Mal einen aussagekräftigen Vergleich dieses Verstärkers mit dem klassischen Nullverzerrer anstellen kann: einem geraden Draht. (...) Ein Exclinear-Verstärker ermöglicht es dem 'goldenen Ohr', das das Absolute an Systemlinearität verlangt, der Perfektion einen Schritt näher zu kommen." In der Bedienungsanleitung wird weiter beschrieben, dass mit der zusätzlichen XL-10-Umschaltbox A/B-Vergleiche der Verzerrungsunterschiede zu einem geraden Kabel möglich sind und dass der XL-280 eingebaute Regler zur Lastanpassung bietet, um spezifische Lautsprecherlasten zu berücksichtigen. Um diese Einstellung bei geschlossenem Verstärker zu ermöglichen, befinden sich auf der Oberseite zwei kleine Löcher, die mit Gummistopfen verschlossen sind und durch die ein Schraubendreher eingeführt werden kann.

    Halfer war wie auch Harman Kardon der Meinung, dass die musikalische Bandbreite zugunsten der musikalischen Integrität nicht eingeschränkt werden sollte. Die außergewöhnlich große Bandbreite des XL-280 wird durch die angegebene 1-Watt-Ausgangsleistung von ± 3dB von 0,1Hz bis 500kHz demonstriert. Beeindruckend ist, dass die Phasenverschiebung innerhalb des konventionellen Audiobands (20Hz bis 20kHz) mit weniger als 0,5° angegeben wird. In Bezug auf die Verarbeitungsqualität ist der XL-280 seinem Vorgänger, dem DH-220, sehr ähnlich, obwohl er ganze 25 mm breiter ist. Das schwarze Gehäuse besteht aus vier Bauteilen: 2 gepresste Stahlprofile, die das Chassis und den Deckel bilden, und 2 große eloxierte Kühlkörper - einer auf jeder Seite - an denen die Verstärkermodule befestigt und die 6 Ausgangstransistoren zur passiven Kühlung angeschraubt sind.

    In ihrem Testbericht über den Hafler XL-280 schreiben stereo-amplifier.net: "Einst für die Quad ESL-63-Lautsprecher eingerichtet, lieferte der Hafler XL-280 eine wirklich vorbildliche Leistung. Der Bass war absolut straff und reichte scheinbar tiefer, als ich es gewohnt bin zu hören, trotz der Tatsache, dass mein Vorverstärker eine eingebaute NF-Absenkung hat. Die Höhen klangen kristallklar und offen, ohne jede Spur von Zischlauten, und die gesamte Stereo-Klangbühne war felsenfest, unabhängig von der Dynamik der Musik. Einige der subtileren subjektiven Unterschiede, die man bei Spitzen-HiFi-Geräten hört, lassen sich nur sehr schwer quantifizieren, manchmal sogar nicht einmal ausdrücken, aber mein überwiegender Eindruck des Hafler XL-280 ist, dass er das ihm zugeführte Quellmaterial weder aufwertet noch abschwächt. Das Wort, das mir nach wochenlangen Hören immer wieder in den Sinn kam, war 'Autorität', und mir fällt keine Endstufe ein, die ich je benutzt oder gehört habe, die diese Eigenschaft überzeugender demonstriert.”

    Bei meinen bisherigen Hörerfahrungen kann ich die relative Autorität, die der Verstärker der Musik verleiht, gut nachvollziehen. Es gibt keinen übertriebenen Glanz, keine Spur von Unsicherheit bei der Darstellung von Stimmen oder Klaviertönen. Vielmehr scheint der Verstärker die Musik sehr fest im Griff zu haben, was durchaus faszinierend ist. Die tiefe Bass-Staffelung, die wir vom DH-220 kennen und schätzen gelernt haben, kann ich allerdings noch nicht bestätigen, was z.B. bedeuten könnte, dass die Kondensatoren in unserem Gerät im Laufe der Jahre ausgetrocknet sind. Obwohl dies bei einem Gerät, das seit den 80er Jahren Musik spielt, nicht verwunderlich wäre, bedeutet es doch, dass noch Arbeit vor uns liegt, um das volle Potenzial des XL-280 zu entfalten. Da er aussieht als käme er frisch aus dem Laden, würde ich annehmen, dass dieser Hafler über einen längeren Zeitraum im Keller oder auf dem Dachboden aufbewahrt wurde, was im Allgemeinen eher schlecht für Kondensatoren ist. Da wir uns jedoch bereits in diesen Verstärker verliebt haben, wird es sich lohnen, ihn wieder in einen neuwertigen Zustand zu versetzen.

    Technische Daten

    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm): 2 x 145 Watt
    • Transistor-Typ: Hitachi Mosfet
    • Frequenzgang (1 Watt, -3 dB): 1 - 500.000 Hz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0,007%
    • Signal-Rausch-Verhältnis: >100 dB
    • Dämpfungsfaktor: 300:1
    • Anstiegszeit: 0,7 uS
    • Gewicht: 12,25 kg
    • Baujahr: 1987 - 1990

  • High Output Class-D Endstufe

    High Output Class-D Endstufe

    19.12.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    "Hast Du eigentlich in Deinem Blog schon einmal eine Class-D Endstufe getestet?", fragte mich mein bevorzugter Audiotechniker, als ich seine Werkstadt verließ. Ich blieb prompt an der Tür stehen, schüttelte den Kopf und grinste ahnungsvoll. Schließlich wusste ich ja, dass Winfried ein erfahrener Entwickler von HiFi-Geräten war, die von Netzfiltern, CD- und Netzwerk-Playern, Vor- und Endstufen bis hin zu Lautsprechern reichten. Seine aktuellen Geräte waren in der Regel in unauffälligen, schwarzen Gehäusen in vornehmem Understatement verpackt. Und ich wusste auch, dass seine digitalen Verstärkerdesigns bereits in seinem eigenen Labor und in Kombination mit den verschiedensten HiFi-Geräten seiner Kunden erprobt worden waren. Sein Class-D-Verstärker brachte dabei mehr als die übliche Ausgangsleistung auf die Waage und leistete satte 350 Watt (RMS) pro Kanal an einer 4-Ohm-Last.

    "Wird er denn auch an den Martin Logans funktionieren?", war meine spontante Gegenfrage. Wir wussten beide, dass die elektrostatischen Martin Logan-Lautsprecher einige zerstörerische Widerstandseinbrüche produzierten, insbesondere im höheren Frequenzbereich. Winfried war zuversichtlich, dass sehr niedrige Widerstände mit seinem Class-D-Verstärker kein Problem darstellen würden, und versicherte mir, dass er eine Schutzschaltung gegen Überlastung der Schaltkreise eingebaut habe. Ich sagte ihm, dass es mir eine große Freude und Ehre wäre, sein Gerät in meiner eigenen Testumgebung auszuprobieren. Er reichte mir kurzerhand die Endstufe, und als ich das schlichte schwarze Kästchen mit nur einer Hand entgegennahm, wurde ich erneut an die offensichtlichen Vorzüge eines solchen Geräts erinnert: Gewicht und Größe. Mit knapp 2,5 Kilo war diese Endstufe fünf- bis zehnmal leichter als ein herkömmlicher 350-Watt-Verstärker, selbst wenn man dabei gewichtsreduzierte PA-Designs berücksichtigte. Ich dachte zum Beispiel an Klassiker wie die Dynacord PAA 880 mit gut 23 Kilo Gewicht.

    Da ich bereits den Vorteil des Eichmann Bullet Plugs mit ausgeglichenem Massenverhältnis der Leiter erlebt und auch schon den Beitrag von Solid-Core-Kabeln bei der Beseitigung von Wirbelströmen kennengelernt hatte, war ich neugierig auf die unkonventionellen 0210 CU Nextgen Plasmaprotect-Buchsen von WBT und positiv überrascht, dass Winfried gerade diese für die Line-Eingänge seines Class-D-Verstärkers gewählt hatte. Mein positiver erster Eindruck setzte sich fort, als ich die Endstufe zum ersten Mal einschaltete. Der integrierte Netzschalter der Kaltgerätebuchse fühlte sich geschmeidiger und stabiler an als viele ähnlich aussehende Ausführungen, die ich zuvor bedient hatte. Das kleine schwarze Kästchen sah auf unserer Amp-Base aus Bambus schlank und elegant aus. Allerdings konnte ich auch das leichte Klingeln des Schaltnetzteil wahrnehmen, welches vom Verstärkergehäuse selbst ausging. Es war kein Geheimnis, dass ich kein Fan von Schaltnetzteilen bin und bestrebt war, diese aus unserem Haus so weit wie möglich zu verbannen. Dennoch war ich bereit, dem vielleicht notwendigen Fortschritt der Technik gegenüber aufgeschlossen zu sein.

    Während der Aufwärmphase unserer HiFi-Kette stellte die Schutzschaltung der Class-D-Endstufe geringe Mengen an Gleichstrom fest, die von unserer Dynaco-Röhrenvorstufe ausgingen, und schaltete die Endstufe wiederholt ab. Dieser Effekt verschwand, sobald die Dynaco PAS-4 ihre volle Betriebsspannung erreicht hatte. Da unser alter Hafler XL-280 Dinosaurier nicht über eine so ausgeklügelte Schaltung verfügte, konnte er den kleinen Fehler auf der Seite der PAS-4 nicht anzeigen. Es dauerte etwa 20 Sekunden, bis sich die Dynaco stabilisierte und das unangenehme Schalten aufhörte. Erleichtert, dass nun alles bereit für den Einsatz war, nahm ich meine gewohnte Hörposition ein und stellte fest, dass die Endstufe selbst kein nennenswertes Grundrauschen verursachte, ich vernahm ausschließlich das gewohnte Röhrenrauschen, welches ich von unserer Dynaco-Vorstufe kannte.

    Als ich das Album "The Christmas Present" von Robby Williams auf unserem Rega Planet CD-Player anspielte, stellte ich fest, dass diese Class-D-Endstufe lauter aufspielte als unsere Hafler. Ja, es war geradezu typisch für amerikanische Endstufen, dass sie eine geringere Eingangsempfindlichkeit boten als ihre europäischen Kontrahenten. Ich konnte auch hören, dass Winfrieds Endstufe die elektrostatischen Panels der Martin Logans etwas müheloser in den höheren Frequenzbereich bediente. Der Klang war dabei stets akkurat und geschmeidig bei einer natürlichen wirkenden Dynamik. Die hohen Frequenzen klangen sauber, und ich hatte den Eindruck, dass die Endstufe auch tonal richtig spielte. Ich war zudem mit dem Umfang an Bass und der Kontrolle dessen sehr zufrieden. Es war ganz offensichtlich, dass diese Endstufe über ausreichende Reserven verfügte, um selbst komplexe Lasten zu bewältigen; denn unsere hybriden Martin Logan-Lautsprecher waren aufgrund ihrer Kombination aus Panels (die aus elektronischer Sicht eher einem Kondensator ähnelten) und dynamischen Tieftönern eine solch komplexe Last. In dieser Konstellation hatten weniger potente Endstufen als Winfrieds Class-D Bolide merklich Schwierigkeiten, die Kontrolle über den Tieftöner zu behalten.

    Die Kombination aus einem sehr hohen Dämpfungsfaktor von 4.000:1 und niedrigen Innenwiderstand von unter vier Milliohm machte diese Endstufe zu einem excellenten Begleiter für unsere Martin Logans. Ich stellte fest, dass alle Klangereignisse ihren eigenen Raum und ihre eigene Größe hatten, ohne sich gegenseitig zu beeinflussen. Allein die Stimme in der Stereomitte wirkte stellenweise etwas klein und übermäßig freigestellt. Vermutlich war dies ein Resultat der sehr hohen Dämpfung, die diese Endstufe eher für analytisches Hören prädestinierte. Unsere Hafler im direkten Vergleich schien die Musik mit nur einem einzigen Pinsel zu malen. Sie erzeugte dadurch große Homogenität in der Musik, konnte jedoch nicht mit der Kontrolle und Leichtigkeit der Class-D-Endstufe mithalten.

    Während die Class-D-Endstufe durchaus in der Lage war, bei Bedarf knurrende Bässe zu erzeugen, die tief und gleichzeitig wohlkonturiert waren, konnte die Musik an mancher Stelle seltsam unzusammenhängend wirken. Speziell bei der Wiedergabe von digitalen Quellen spürte ich bisweilen einen Mangel an Emotionen, eine gewisse Leere, die nach meiner Ansicht dem Effekt ähnelte, den ich von LED-Coblights kannte. Das Licht mochte zwar insgesamt ausreichend hell sein und auch die angegebene Farbtemperatur erreichen, doch im direkten Vergleich zu einer herkömmlichen Halogenlichtquelle entstand für mich ein gewisses nur schwer erklärbares Gefühl von Leere. Bei der Wiedergabe von Musik aus analogen Quellen ließ sich dieses Phänomen nicht beobachten. Hier waren die zusätzlichen Details und die Impulskraft der Endstufe eher zuträglich und wirkten der etwas geringeren Dynamik von Vinyl entgegen. Die Musik klang dadurch reichhaltiger, voller und befriedigender als dies mit unserer Hafler der Fall war. Phono profitierte durchaus von der erhöhten Agilität des Class-D-Designs. Die klassische und sehr wirkungsvolle Kombination aus digitaler Quelle und analoger Verstärkung war hier einmal andersrum ausgeführt und funktionierte ebenfalls sehr gut.

    Zusammenfassend konnte ich Winfried berichten, dass er einen in meinen Augen elegant aussehenden Class-D Boliden gebaut hatte, der auch an Elektrostaten funktionierte und viele Vorteile der Class-D-Technik in sich vereinte, aber eben auch kleinere design-typische Schwächen aufzeigte. In Kombination mit digitalen Quellen konnte diese spezielle Konstruktion im Zusammenspiel mit feinzeichnenden Lautsprechern etwas analytisch klingen und zu einer Musikdarbietung führen, die eher für den Kopf als für das Herz des Hörers interessant war. In Kombination mit analogen Geräten jedoch hatte die überragende Exaktheit auch Vorteile. Ich konnte nicht umhin, mich zu fragen, ob ein traditionelles lineares Netzteil nicht zu einem noch besseren Verstärker geführt hätte, doch dies war vermutlich nur mein langgehegter persönlicher Vorbehalt gegenüber Schaltnetzteilen. 

    Technische Daten

    • Gerätetyp: Class-D Endstufe
    • Dämpfungsfaktor: 4.000:1
    • Ausgangsleistung: 220 WPC (RMS, 8 Ohm), 350 WPC (RMS, 4 Ohm)
    • Verstärker-Innenwiderstand: 4 mOhm
    • Schaltnetzteil: 2x 600 VA
    • Gesamte harmonische Verzerrung: <0,01 %
    • Signal-Rauschabstand: 110 dB
    • Kanaltrennung: >115 dB
    • Ausgangsimpedanz: 2-16 Ohm
    • Line-Eingangsbuchsen: 2x Cinch/RCA 
    • Buchsentyp: WBT 0210 CU Nextgen Plasmaprotect
    • Lautsprecher-Anschlussklemmen: FineTech, vergoldet
    • Gesamtgewicht: 2,44 kg
    • Abmessungen: (B) 165mm; (T) 260mm; (H) 93mm
    • Land der Herstellung: Deutschland
    • Jahr: ca. 2015

  • Kenwood Basic M2 Sigma Drive

    Kenwood Basic M2 Sigma Drive

    14.1.2023

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Power Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Es war noch kein Jahr her, dass ich den würdevollen Kenwood KR-9400 Receiver aus den 70ern mit seiner edlen Frontplatte aus gebürstetem Aluminium und massiven Aluminiumtasten, die allesamt in einem verschraubten Metallrahmen untergebracht waren, getestet hatte. Vor diesem Hintergrund erschien mir das Black-Box-Design des Kenwood ‘Basic M2’ mit seinem dünnen, gebogenen Blechgehäuse aus Mitte der 1980er Jahre eine ziemliche Enttäuschung. Sein ästhetisch reduziertes, leichtgewichtiges Design teilte der M2 mit den meisten Konkurrenzprodukten seiner Zeit. Denn, während nur zehn Jahre zuvor die Innovation noch in der Verarbeitung und Montage der Teile lag, ging es in dieser nächsten Phase der High Fidelity vor allem darum, die Elektronik im Inneren der Geräte zu optimieren, um die Unzulänglichkeiten früherer Schaltungskonzepte zu beseitigen.

    Die 1980er Jahre waren aber auch die Zeit erbitterter Preiskämpfe. Da immer mehr Unternehmen im unteren und mittleren Preissegment mit Geräten auf den Markt drängten, die die Grundbedürfnisse des Durchschnittsverbrauchers preisgünstig erfüllten, mussten auch die Material- und Versandkosten etablierter Marken sinken. Kenwood war eine solche etablierte Marke, und so bot das M2 Basic Chassis satte 100 Watt pro Kanal mehr als der KR-9400-Receiver und wog zugleich fünf Kilo weniger. Fünf Kilo Nettoeinsparungen bei Material und Transportgewicht machten sicherlich einen erheblichen Unterschied in der Kostenplanung eines Unternehmens, welches Tausende, wenn nicht gar Millionen, von Einheiten jedes Produkts verkaufen konnte.

    Was die Bewertung von Vintage-HiFi-Geräten anging, so führten die kostenbewussten modernen Konstruktionen oft zu einer raschen Wertminderung, wenn die Garantiezeit des Herstellers abgelaufen war. Dies bedeutete jedoch nicht zwangsläufig, dass dadurch auch die Klangqualität selbst beeinträchtigt war oder dass die inneren Schaltkreise den geringen Marktwert der Chassis widerspiegelten. Tatsächlich waren die 1980er Jahre immer noch eine Zeit der HiFi-Innovationen, und der Sigma Drive der M2-Endstufe stellte eine völlig neue Lösung für die uralte Herausforderung dar, den dynamischen Rückstrom, der vom Lautsprecher zum Verstärker floss, besser zu bewältigen. Anstatt einen ultraniedrigen Innenwiderstand zu bieten und die Signaldämpfung bei einer theoretischen Last von 8 Ohm bei 1.000 Hz zu messen, berücksichtigte der Sigma Drive die tatsächliche Rückkopplung der Lautsprecher, unabhängig von der wiedergegebenen Frequenz und unter Berücksichtigung der realen Last.

    In der von Kennwood mitbegründeten Tradition hochpreisiger High-End-Endstufen verwendete die Basic M2 für jeden Stereokanal ein eigenes Netzteil. Dies diente dazu das Grundrauschen zu senken, indem das Übersprechen zwischen den Kanälen eliminiert wurde. Die beiden schweren Transformatoren wurden auf der linken Seite der Endstufe platziert, was zu einer eher ungleichmäßigen Gewichtsverteilung im Gerät führte. Die Hauptplatine mit den zwei großen Kondensatoren pro Kanal befand sich in der Mitte des Geräts und mündete in der Leistungstransistor-Sektion in einem großen Kühlkörper und einem großen Lüfter auf der rechten Seite. Im Hausgebrauch würde der Lüfter keine große Rolle spielen, doch für Besitzer, die ihre M2 mit voller Leistung betreiben wollten, bot der Lüfter ein wichtiges Sicherheitsnetz welches das Überleben der schnell schaltenden Transistor-ICs sicherte.

    In der Basic M2 kamen zwei Transistor-IC-Paare zum Einsatz: ein Satz DAT1521P / DAT1521N und ein Satz DAT1018P / DAT1018N, allesamt schnell schaltende 5-Pin-Leistungs-MOSFETs der Firma Sanken. Insbesondere bei der Sorte DAT1018P/N kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Lieferengpässen, die eine Reparatur der Endstufensektion erschweren konnten. Die Wahl von schnellschaltenden ICs gab dem Basic M2 eine größere Resistenz gegenüber hochfrequenten Rückkopplungen, die andernfalls eventuell die Anstiegsgeschwindigkeit des Verstärkers überschritten hätten. Die neu entwickelte Sigma-Antriebsschaltung profitierte dabei ebenfalls von der Wahl schneller ICs.

    Der Sigma Drive wurde entwickelt, um das physikalische Verhalten eines dynamischen Treibers und den daraus resultierenden unvorhersehbaren Rückstrom in die Schaltung des Verstärkers zu integrieren, indem die daraus resultierende Abweichung (Verzerrung) direkt am Lautsprecheranschluss überwacht und in eine reine Stromvariation umgewandelt wurde. Da der Endstufenausgang einen Spannungsüberschuss darstellte, führte die Fähigkeit, die Spannungsabweichung durch adaptive Dämpfung auf Null zu reduzieren, zu einer sehr niedrigen harmonischen Verzerrung von nur 0,004 %, gemessen über alle Frequenzen. Die effektive Rückstrom-Dämpfung wurde mit über 1000:1 über das hörbare Spektrum hinaus bewertet. Mit dem damals neuartigen Sigma Drive führte Kenwood eine neue Dimension der Rauschunterdrückung ein, welche die Audio-Presse der 1980er Jahre für einige Zeit in Atem hielt.

    Kenwood war nicht der einzige HiFi-Hersteller, der versuchte, den Umgang mit Gegenstrom zu verbessern. Yamaha führte "RO Control" bei seinen B-4- und A-9-Verstärkern ein, Aurex nannten ihre Version "Clean Drive", und Fidelix bezeichneten ihr Konzept als "Remote Sensing NFB". Keine dieser Technologien ging jedoch so weit wie die von Kenwood, die eine Messung des gesamten Lautsprechers von den Schwingspulen bis zum Lautsprecherkabel ermöglichte. Dies hätte Kenwood die Oberhand bei der Erzielung der genauesten Messwerte verschafft, wären da nicht ein paar Probleme gewesen, die mit der Verwendung von zwei Kabelpaaren zwischen Endstufe und Lautsprecher zusammenhingen, die auf eine wenig intuitive Weise angeschlossen werden mussten.

    Damit die Sigma Drive-Schaltung ihre Wirkung entfalten konnte, mussten zwei Kabelstränge zwischen dem Verstärker und jedem Lautsprecher angeschlossen werden. Neben den üblichen roten und schwarzen Anschlussklemmen pro Kanal gab es also zwei weitere Anschlussklemmen am Verstärker, die als Sigma Sensor gekennzeichnet waren. Die zweite Reihe von Kabeln führte daher von den Sensor-Anschlüssen, völlig entgegen der Intuition, zu den gleichen Anschlüssen an den Lautsprechern. Unter normalen Umständen würde ein solcher Anschluss einen Kurzschluss erzeugen, nicht jedoch beim M2. Um die Sache noch weiter zu komplizieren stand diese Funktion nur für die A-Lautsprecher zur Verfügung, nicht aber für die B-Lautsprecher. Das bedeutete, dass Besitzer gerade dieser Endstufe ihre Bedienungsanleitungen sorgfältig lesen mussten, um diese nicht falsch anzuschließen und damit zu zerstören. Beim erstmaligen Anschließen des Verstärkers bat ich deshalb meine Frau, mir über die Schulter zu schauen und darauf zu achten, dass alle Anweisungen in der Bedienungsanleitung befolgt wurden.

    Bei korrektem Anschluss bot der recht leistungshungrige Basic M2 einen geräumigen und sauberen Klang, der in echter Kenwood-Manier tonal reichhaltig und leicht dunkel war. Zwischen unserem Dynaco PAS-4 Vorverstärker und den elektrostatischen Martin Logan SL-3 Lautsprechern angeschlossen, klang die Musik eher beruhigend und üppig als aufregend oder scharf. Dies war eine Endstufe für leichte Unterhaltung und nicht für analytisches Hören. Für eine Endstufe dieser Größe und dieses Kalibers war ich überrascht, wie viel Kontrolle sie über den Fluss der Musik und über den Rhythmus hatte. Wo der Kenwood-Receiver übermäßig begierig darauf gewesen war, gleich die ganze Geschichte auf einmal zu erzählen, schien sich die Basic M2 zurückzuhalten, gelegentlich bis zu dem Punkt, an dem sie stampfend und schleppend wirkte. Das mochte daran gelegen haben, dass die Transienten sehr kurz gehalten wurden, und es konnte dem Musikgeschehen manchmal den Fluss nehmen.

    Im Allgemeinen war ich mit der Leistung der Basic M2 zufrieden. Angeschlossen an eine schwierige Last wie unsere Martin Logan SL-3, konnte die Kenwood ihre Fähigkeiten im Umgang mit Gegenstrom wirklich zeigen. In Kombination mit den beiden Sätzen von OFC-Lautsprecherkabeln, die ich zum Testen des Sigma Drive zur Verfügung hatte, würde ich zögern, diese Endstufe als audiophile zu bezeichnen. Es war jedoch gut möglich, dass eine andere Kombination von Kabeln, Vorverstärker und Lautsprecher zu einer völlig anderen Erkenntnis geführt hätte. In ihrer tonal reichhaltigen und dunklen Spielweise, folgte die Kenwood der bevorzugten Klangsignatur amerikanischer Kunden jener Zeit und bot somit für deutsche Kunden einen willkommenen Kontrast zu den etablierten europäischen Marken.

    Technische Daten

    • Typ: Stereo-Leistungsverstärker
    • Besondere Merkmale: Hohe Dämpfung, Sigma Drive
    • Ausgangsleistung (8 Ohm): 2x 220 WPC
    • Ausgangsleistung (4 Ohm): 2x 324 WPC
    • Frequenzgang: 1Hz bis 200kHz (-3 dB)
    • Gesamte harmonische Verzerrung: < 0.004%
    • Dynamischer Headroom: 1,5 dB (8 Ohm)
    • Dämpfungsfaktor: 1000:1
    • Transistor-ICs: Sanken DAT1521P/N, DAT1018P/N
    • Transistortyp: 5-Pin, Power MOSFET
    • Anstiegszeit: 1,8 uS
    • Anstiegsrate: 100 V / uS
    • Eingangsempfindlichkeit: 1,0 V / 47 kOhm
    • Signal-Rausch-Abstand: > 120dB
    • Lastimpedanz der Lautsprecher: 4 bis 16 Ohm
    • Leistungsaufnahme (max.): 1.350 Watt
    • Abmessungen: (B) 440mm x (H) 158mm x (T) 373mm
    • Gewicht: 15,5 kg
    • Land der Herstellung: Japan
    • Jahr(e): 1983-1985

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Vollverstärker

Vollverstärker

Integrierte Verstärker vereinen die Vor- und Endverstärkerstufen in einem einzigen Gehäuse. Sie benötigen dafür in der Regel deutlich weniger Platz in einem Hi-Fi-Rack, haben einen höheren Frauenakzeptanzfaktor (FAF) und üben die absolute Kontrolle über die Wahl der Verkabelung und der Massepotentiale zwischen den Stufen aus. Zumindest in der Theorie haben integrierte Verstärker das Potenzial, besser zu klingen als separate Geräte.

Andererseits kann die Unterbringung des Vorverstärkers und der Endstufe in einem einzigen Gehäuse einige Probleme aufwerfen. Die großen Transformatoren von Endstufe werden die empfindliche Vorverstärkung mit Vibrationen und EMF-Strahlung belasten. Die räumliche Nähe aller Komponenten kann zu Kühlungsproblemen führen, und man hat nicht die Möglichkeit, die Parameter zwischen den Stufen zu ändern, um sie besser an die Lautsprecher anzupassen. Die Kunden von Vollverstärkern sind oft nicht bereit, den Preis für zwei getrennte Einheiten in einem einzigen Gerät zu zahlen, ein Faktor, der die Verfügbarkeit von Qualitätsdesigns in diesem Segment eingeschränkt hat.

In der Praxis waren integrierte Verstärker den separaten Geräten häufig unterlegen, einfach weil sie eine weniger technisch versierte, geschweige denn audiophile Kundschaft anzogen, was aber nicht heißen soll, dass es keine Ausnahmen von dieser Regel gab. In der Tat gab es über die Jahre einige integrierte Verstärker, welche die intrinsischen Nachteile des Kompromisses sehr gut bewältigt haben, indem sie für jedes Problem eine eigene Lösung gefunden haben. Auf diese Exemplare wollen wir uns hier konzentrieren.

  • Dual CV 1260

    Dual CV 1260

    27.3.2023

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Integrated Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Dieser recht hübsch aussehende Dual CV 1260 Vollverstärker wurde meiner Tochter von ihrer kürzlich verstorbenen Großtante vererbt. Er kam zusammen mit einem Dual CS 630Q Plattenspieler mit Direktantrieb, einem Dual CT 1260 Tuner, der über einen 5-DIN-Stecker angeschlossen war, und einem Denon DCD 660 CD-Player in unser Haus. Es gab sogar ein Dual C 816-Kassettendeck, für das ich in diesen Tagen Schwierigkeiten hatte, brauchbare Kassetten zu finden. Zwei Canton GLX 100 Regallautsprecher vervollständigten das Mid-Fi-Ensemble. Bevor ich diese Neuankömmlinge unserer 9-jährigen Tochter überließ, musste ich sie natürlich erst einmal testen und mich vergewissern, dass sie gefahrlos zu benutzen waren. Die Veröffentlichung der daraus resultierenden Testergebnisse ist natürlich rein zufällig.

    Ich muss zugeben, dass es etwas Aufregendes und Befreiendes hatte, Geräte in dieser Preisklasse zu testen. Schließlich gab es keinen Grund, weshalb preiswertere Geräte nicht genauso gut klingen oder sogar besser sein konnten als teurere Geräte, es sei denn, wir baten die Entwickler, ihren Entwürfen absichtlich Fehler hinzuzufügen. Eine gute Akustik hatte nur wenig mit dem Preis der Komponenten zu tun und hing eher vom Einfallsreichtum der Entwickler ab. Die Lautsprecherhersteller Elac und KEF hatten mehrfach bewiesen, dass audiophiler Hörgenuss auch zu bescheidenen Preisen möglich war. Und Beispiele für absichtlich schlechte Konstruktionen waren in der Branche auch nicht schwer zu finden. Rotel etwa hatte seinem Vorverstärker RC-9608X eine Bodenplatte aus Kunststoff verpasst, die den pharadeischen Käfig zunichte machte, den das Vollmetallgehäuse andernfalls geboten hätte. Die Hersteller müssen eben sicherstellen, dass ihre Geräte entsprechend der ihnen zugedachten Position funktionieren und klingen.

    Daher wusste ich auch nicht, was ich vom integrierten Dual-Verstärker aus dem Jahr 1984 zu erwarten hatte. Zum einen hatte er einen größeren Bruder, den Class-A-Verstärker CV 1460 aus dem gleichen Jahr, der satte 95 Watt pro Kanal an einer 8-Ohm-Last bot. Und zum anderen wurden beide Geräte nicht mehr von Dual in Deutschland, sondern vom japanischen Hersteller Denon gebaut. Als ich den 1260 aus seiner schützenden Luftpolsterfolie auspackte, fiel mir auf, wie positiv robust und schwer sich das Gerät anfühlte. Mit knapp über sieben Kilo fühlt sich der mittelgroße Verstärker keineswegs mickrig an. Als ich den Dual zum ersten Mal einschaltete, war ich auch von dem eleganten Aussehen der sanft beleuchteten Ausgangspegelanzeigen positiv überrascht. Ich habe mir eine Notiz gemacht, um sie auf meinen Fotos des Geräts festzuhalten. Ich wollte den CV 1260 nicht in Kombination mit den schrillen Canton-Lautsprechern testen, und so schloss ich unseren Epicure 3.0 an, in der Erwartung, dass der kleine Verstärker kläglich versagen würde.

    Ich begann meine Erkundungstour mit Carla Brunis Live-Album A L'Olympia aus dem Jahr 2014, das ich auf unserem bewährten Denon DCD 1420 CD-Player abspielte. Unsere Epicure 3.0-Lautsprecher waren über 2 m lange Belden 9497-Kabel im Single-Wiring angeschlossen. Da sowohl die Lautsprecher als auch der Denon-Verstärker über gefederte Anschlussklemmen für blanke Lautsprecherkabel von kleinem Durchmesser verfügen, musste ich meine üblichen Bananenstecker abknipsen. Der Gedanke, dass Lautsprecherkabel mit Endstücken versehen sein müssen, um eine höhere Qualität zu erreichen, ist natürlich relativ modern. In Wirklichkeit sollten sich weniger Materialübergänge und weniger Masse im Signalweg positiv auf den Klang auswirken. Die verzinnten Belden rasteten optimal ein, und da diese Kabel bereits viele Stunden im Einsatz gewesen waren, war der Klang von der ersten Minute an angenehm und ausgewogen. Was mich am meisten am Dual überraschte, war die sofort vertraute Klangsignatur von exzellenten Receivern wie z.B. dem Harman Kardon 730.

    In Kombination mit dem Epicure 3.0 klang der Mitteltonbereich warm und verführerisch. Das Klangbild war sauber und geordnet, und es gab überraschend viel Raum um jedes Musikereignis herum, besonders wenn man die relativ moderate Leistung von etwa 2x 90 Watt an 4 Ohm bedenkt. Mit einer Leistungsaufnahme von 44 Watt im Leerlauf und der Bezeichnung Class-A-Verstärker konnte man davon ausgehen, dass für durchschnittliche Haushaltslautstärken eine reine Class-A-Transistorleistung zur Verfügung stand. Das zeigte sich natürlich auch in der Musikwiedergabe. Während der Dual ein realistisches Maß an Details präsentierte, fühlten sich die Höhen nie losgelöst oder kantig an. Es gab einen wunderbaren Zusammenhalt und Fluss in der Musik, obwohl die Dynamik nicht ganz das Niveau eines Luxman L-10 erreichte.

    Die Basswiedergabe war im Gleichgewicht mit dem Rest der Musik. Er war nicht so straff wie beim Luxman L-10 und auch nicht so fullminant-dröhnend wie beim Pioneer SX 850. Komplexe Bassklänge waren besser geschichtet als beim Harman 730. Je länger ich zuhörte, desto mehr verliebte ich mich in die Fähigkeiten dieses Vollverstärkers, und als die Sonne unterging, begann ich, die beleuchtete Front zu genießen, wobei die Pegelanzeigen konstant unter 1 Watt winkten. Die Klaviertasten auf Carla Brunis Album klangen bedächtig und natürlich, und ich wurde wieder einmal daran erinnert, wie gut die Epicure-Lautsprecher wirklich sind, selbst wenn sie von einem unauffälligen Mid-Fi-Dual-Verstärker aus den frühen 1980er Jahren wie diesem angetrieben werden. Was für eine entzückende Entdeckung das war. Meine Tochter würde von Anfang an verwöhnt werden, wenn sie ihre Reise in die Musik mit diesem Dual begann.

    Technische Daten

    • Typ: Transistor-Vollverstärker
    • Prinzip: Class-A Verstärkung
    • Ausgangsleistung (RMS): 2x 60 Watt
    • Übertragungsbereich: 10 - 45.000 Hz
    • Signal-/Rauschabstand (Line): 88 dB
    • Signal-/Rauschabstand (Phono MM): 68 dB
    • Kanaltrennung: Eingang 70 dB / Ausgang 55 dB
    • Dämpfungsfaktor: >70
    • Anzahl der Audio-Eingänge: 5
    • Phono (Cinch): 2,5 mV / 47 kOhm (MM)
    • Tuner (Cinch): 200 mV / 47 kOhm
    • Tape1 (DIN): 200 mV / 47 kOhm
    • Tape2 (Chinch): 200 mV / 47 kOhm
    • Monitor (Cinch): 200 mV / 22 kOhm
    • Anzahl der Audio-Ausgänge: 3
    • Rec-Out Tape 1 (DIN) / Tape 2 (Cinch, Ri 470 Ohm)
    • Kopfhörerbuchse (Klinke): 6,3mm
    • Klangregelung: Bass- und Höhen (+/- 6 dB), Loudness
    • Umgehung der Klangregler: nein
    • Filter: Subsonic
    • Lautsprecherterminals: zwei (8-16 Ohm)
    • Stromaufnahme: 680 Watt (max.), 44 Watt Leerlauf
    • Merkmale: zwei kombinierte VU-Meter, beleuchtet
    • Abmessungen: (B) 440mm x (H) 97mm x (T) 265mm
    • Gewicht: 7,1 kg
    • Land der Herstellung: Japan (Denon)
    • Jahr(e): 1983 - 1985

  • Fase Performance 1.0

    Fase Performance 1.0

    5.5.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Integrated Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Seit Beginn meiner Erkundungen in Sachen Hi-Fi hegte ich den stillen Verdacht, dass Vollverstärker nicht in der Lage sein, unsere Vorstellungskraft in dem Maße in den Bann zu ziehen, wie dies Vor- Endstufen-Kombinationen vermochten. Allerdings muss ich gestehen, dass dies besonders auf die Jahren zutraf, in denen ich noch keinen gut konstruierten Vollverstärker bei gehört hatte. Vielleicht rührte meine fehlgeleitete Meinung daher, dass ich Vollverstärker vor allem mit Massenprodukten aus Elektronikmärkten oder Online-Discounter kannte. Da es sich dabei meist um preisorientierte Geräte handelte, die den aktuellen Markttrends folgten, waren audiophile Genüsse darunter eher selten zu finden.

    Glücklicherweise hatte der schnittige italienische Verstärker, um den es in diesem Test geht, eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Der Performance 1.0 war kein Massenprodukt, sondern wurde gegen Ende der 1990er Jahre von Fase Evoluzione Audio in Italien entwickelt und hergestellt. Er basierte zu einem Großteil auf der Handwerkskunst und technischen Philosophie von Fabio Serblin. Fabio selbst war der Neffe des legendären Sonos Faber-Gründers Franco Serblin und hatte zuvor den recht erfolgreichen QUID-Verstärker für die Marke Sonos entwickelt. Auch die Produkte von Fase Audio waren für den audiophilen Markt konzipiert, wurden in kleinen Stückzahlen gefertigt und waren von überdurchschnittlicher Qualität.

    Der Performance 1.0 basierte auf einem schlichten Platinen-Design, das der audiophilen "Weniger-ist-mehr"-Philosophie entsprach. Die 60 Watt pro Kanal wurden von einem anständig dimensionierten, rauscharmen Ringkerntransformator und vier hochwertigen Philips-Kondensatoren bereitgestellt. Die beiden Leistungstransistoren pro Kanal waren vom Typ Motorola MJ15022" aus mexikanischer Produktion. Auf der Vorderseite des Geräts befanden sich Eingangs- und Aufnahmewahlschalter sowie ein hochwertiges, in Japan hergestelltes Alps-Potentiometer der "Blue Series" zur Lautstärkeregelung. Der Performance 1.0 bot eine exzellente RIAA-Korrektur für Phono und war zusätzlich zu MM in der Lage, MC-Tonabnehmer mit höherer Leistung zu verarbeiten. Auf der Rückseite befanden sich solide Lautsprecherklemmen für Spaten oder Bananas, eine praktische Kaltgerätebuchse und ein Ground-Lift-Schalter, der im Falle von Brummen oder ähnlichen Erdungsproblemen in Verbindung mit anderen Geräten schon nützlich sein konnte.

    Die Seiten des Geräts waren geschmackvoll von Massivholz-Paneelen flankiert, eine Maßnahme, die die Auswirkungen von Transformator-Brummen auf die Elektronik und das Gehäuse dämpfen sollte. Das gesamte Design war von italienischem Understatement und grober Einfachheit geprägt. So waren beispielsweise die Schrauben, mit denen die Ober- und Unterseite des Gehäuses befestigt waren, von allen Seiten sichtbar. Sogar die Holzplatten selbst hatten sichtbare Schraubenköpfe, die geradewegs durchschauten. Vielleicht wollte man damit die Bauhaus-Philosophie "Design folgt der Funktion" unterstreichen, oder man zielte darauf, die Produktionskosten bei der Montage in Italien niedrig zu halten. Selbst wenn er nicht in Betrieb war, konnte ich nicht umhin, von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Position zu werfen, an der die Performance 1.0 stand, und mich zu fragen, was Fabio Serblin wohl im Sinn hatte, als er dieses Gerät entwarf. Und so war es dann doch geschehen: Ich war endlich auf einen Vollverstärker gestoßen, der meine Fantasie beflügelte.

    Normalerweise begann ich meine Hörproben mit CD als Quelle und wandte mich erst im Anschluss der Phono-Wiedergabe zu, nachdem ich ein Gefühl für die Dynamik und die Dimensionen entwickelt hatte. Doch dieses Mal schloss ich zunächst unseren bewährten Dual CS 505-3 Plattenspieler an den Performance 1.0 an. Der Dual mit seinem original Ulm Tonabnehmer war gerade überarbeitet und mit Cinch/RCA-Anschlüssen, verbesserten Isolierfüßen und einem neuen Antriebsriemen ausgestattet worden. Ich liebte diesen einfachen Dual-Player für die schnörkellose Art, mit der er Musik präsentierte, und erwartete zugegebenermaßen nicht gerade viel vom Performance 1.0. Umso mehr war ich überrascht, wie gut der kleine Verstärker die dem Dual innewohnenden Stärken hervorhob, indem er seinen sauberen und ehrlichen Klang unterstrich. Wenn überhaupt, dann wirkte der Dual ein wenig weicher als zuvor, und schien dennoch mehr Punch zu haben. Trotz seiner bescheidenen Abmessungen klang der Italian keineswegs winzig oder zerbrechlich. Er präsentierte seine Musik mit großem tonalem Reichtum. Sein Bass war voll, vielleicht ein bisschen mehr dröhnend als tiefgründig, aber dennoch auf Anhieb sympathisch.

    Katie Meluas "Album No. 9" wurde mit einer etwas voluminöseren Stimme präsentiert, als ich es sonst gewohnt war. Dies trug dazu bei, dass die manchmal übermäßig freizügige und manchmal sogar raue und zischende Aufnahme mehr Spaß machte. Auf der anderen Seite klangen die Stimmen weniger lebendig, realistisch und luftig. Die Bässe hatten eine leichte Dicke und wirkten eher beruhigend auf Ohren und Körper als analytisch auf den Verstand. Dieser Effekt wurde möglicherweise durch die Wahl unserer kapazitätsarmen Silber-Vollkern-Verbindungsleitungen und Belden 9497-Lautsprecherkabel oder durch die Widerstandskombinationen der Geräte akzentuiert und akkumuliert. An und für sich waren unsere Tannoy XT8f-Lautsprecher und der Dual CS 505-3-Plattenspieler nicht dafür bekannt, dass es ihnen an Top-End oder Transienten mangelte.

    Der Eindruck eines leicht gedrängten oberen Frequenzbereichs, vielleicht mit dem Zweck auf diese Weise einen volleren Klang zu erreichen, blieb unverändert, als ich von Vinyl auf CD umstieg. Eine Sache fiel mir dabei besonders auf: An unserem aktuellen Testsystem betrieben wir einen Cambridge DacMagic 100 in Verbindung mit einem Marantz CD-17. Alle Chinchverbindungen waren mit massive Silberkabel ausgeführt. Der DacMagic hatte eine Ausgangsimpedanz von 50 Ohm, und das entsprach schlichtweg nicht den Erwartungen des Fase Audio. Ohne den DAC konnte ich den Ausgangswiderstand auf die 250 Ohm des CD-Spielers erhöhen. Die Verbesserung war sofort spürbar, allerdings machte ich den Fehler, von unseren silbernen Solid-Core-Verbindungen zu einem älteren Paar Fast Audio-Verbindungen zu wechseln. Um einen direkten Vergleich zu haben, hätte ich nur eine Sache auf einmal ändern sollen. Als ich schließlich wieder zu unseren Silberkabeln zurückkehrte, stellte ich fest, dass dies ein noch natürlicheres Top-End mit deutlich verbesserten Transienten zur Folge hatte. Das Ergebnis war höchst erfreulich, auch wenn ich nun bemerkte, dass die Bühne immer noch etwas flacher und zurückversetzter wirkte, als ich dies gewohnt war. Es liegt in der Natur unseres Hobbys, dass, wenn man ein Phänomen verstanden und beseitigt hatte, das nächste darunter auftauchte und einem damit ein weiteres Rätsel aufgab, das gelöst werden musste.

    Weitere Erkundungen mussten jedoch auf einen späteren Zeitpunkt warten. Denn dieser Italiener sollte seine Melodien zunächst in Landons Haus spielen. Landon ist für das Korrekturlesen der englischen Texte für eiaudio verantwortlich und wartete schon seit längerem auf einen passenden Verstärker für sein System. Mit etwas mehr Erfahrung und cleveren Anpassungen konnte ich mir vorstellen, dass der Performance 1.0 zum zuverlässigen Herzstück einer leidenschaftlichen HiFi-Anlage wird. Mit seinen vier Line-Eingängen und einem sehr fähigen Phono-Eingang sowie zahlreichen Aufnahme-Funktionen bot der elegante Italiener das Aussehen, die Leistung und den Klangreichtum, den man von einer Familientradition erwartet, die in der italienischen Hi-Fi-Szene längst zur audiophilen Königsdisziplin gehörte. Und obwohl Fase Evoluzione Audio vor einigen Jahren seine Pforten schloss, stellt Fabio weiterhin Hi-Fi-Geräte unter der Marke Serblin & Son her. Sein Onkel Franco von Sonos Faber starb 2013 und hinterließ ein florierendes Unternehmen für die Herstellung von Lautsprechern. Sein Leben und seine Errungenschaften werden von Serblin & Son mit der aktuellen Hi-Fi-Produktpalette gewürdigt, die einfach "Frankie" genannt wird.

    Anmerkung: Bevor ich den Performance 1.0 an Landon übergab, hatte ich die Gelegenheit, ihn an unseren neu erworbenen Epicure EPI 500-Lautsprechern zu testen. Im Zusammenspiel mit den 4-Ohm-EPIs schien sich der Fase Audio auf Anhieb wohler zu fühlen und war in der Lage, sie mit überlegener tonaler Ausgewogenheit anzutreiben. Der ehemals druckvolle Bass fügte sich dabei nahtlos in die Musik ein. Nach dieser Erfahrung würde ich persönlich einem 4-Ohm-Lautsprecher den Vorzug geben, um das volle Potenzial des Performance 1.0 auszuschöpfen.

    Technische Daten

    • Typ: integrierter MOSFET-Verstärker
    • Signal-Rauschabstand (Line): 98 dB
    • Rauschabstand (MM): 70 dB
    • Rauschabstand (MC): 65 dB
    • Anzahl der Eingänge: 4x Line; 1x Phono
    • Lautstärkeregler: Alps 'Blue Series'
    • Ausgänge: 1 Paar Lautsprecheranschlüsse (Bananas oder Spaten)
    • Ausgangsleistung (8 Ohm): 60 WPC
    • Ausgangsleistung (4 Ohm): 100 WPC
    • Merkmale: Ground-Lift-Schalter
    • Abmessungen: (B) 425 mm x (H) 7,5 mm x (T) 32 mm
    • Land der Herstellung: Italien
    • Gewicht: 7,5 kg
    • Jahr(e): 1995-1997

  • Luxman L-10

    Luxman L-10

    6.4.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Integrated Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Während ich gerade noch in audiophiler Glückseligkeit über unseren Becker ST-100-Verstärker schwebte, kam Luigi bei einem zufälligen Besuch mit einem kleinen Vollverstärker unter dem Arm bei uns vorbei und bestand darauf, dass ich ihn sofort ausprobierte. Ich hatte schon länger begriffen, dass Luigis Produktdemonstrationen durchweg außergewöhnlich waren, und dennoch war ich ziemlich betrübt darüber, mein glückliches Setup aus Restek V1 und Becker ST-100 zu zerlegen, um Platz für einen klein aussehenden 55-Watt-Vollverstärker zu schaffen.

    Da ich ein großer Fan von getrennten Vor- und Endstufen-Kombinationen bin, um den Klang eines Systems besser auf die Lautsprecher abzustimmen, war es für mich nur ein kleiner Trost, dass der fragliche Vollverstärker von Luxman in Japan hergestellt wurde, einer Firma, die in der Blütezeit der High-Fidelity für einige sehr vielversprechende Designs bekannt war. Mein Eindruck änderte sich jedoch erheblich, als ich den Luxman von dem Tisch hob, auf dem Luigi ihn abgestellt hatte. Mit einem Gewicht von 10,5 kg und den sichtbaren, abgeschirmten Ringkerntransformatoren für die beiden separaten Netzteile wirkte er deutlich hochwertiger, als ich es zunächst erwartet hatte.

    In einem Regal platziert, verlangte wenig am Luxman L-10 nach sofortiger Aufmerksamkeit. Er war sicherlich nicht die Art von Verstärker, die zu einem Gespräch mit einem zufälligen Besucher des Hauses einladen würde. Für diejenigen, die an hervorragendem Klang interessiert waren und sich in der Branche auskannten, konnte der L-10 jedoch leicht als perfektes Understatement akzeptiert werden. 55 Watt pro Kanal mochten für sich genommen nicht gerade viel erscheinen, aber gepaart mit einem durchdachten internen Layout, mit einigen außergewöhnlichen Komponenten und hervorragenden Hochstromfähigkeiten hatte das Ergebnis das Potenzial, pure Magie zu sein.

    Der L-10 war ein Mitglied der viel beachteten Luxman "Laboratory Reference Series" und stand in der Tradition der 5C50/5M20 und C12/M12 Verstärker. Sowohl für die Vor- als auch für die Endstufe wurde eine clevere DC-Amp-Konfiguration verwendet. Die Endstufe war als Dual-Mono Verstärker ausgeführt und verfügte über abgeschirmte Ringkerntransformatoren und große Netzteil-Kondensatoren, die einen hohen Ausgangsstrom und einen niederohmigen Antrieb ermöglichten. Die originalen Sanken 2SC1445/2SA765 Ausgangstransistoren waren im Labor aufeinander abgestimmt worden und von außergewöhnlich hoher Qualität. Faktoren, die den L-10 sowohl leise als auch treu zur Musikquelle machten. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels waren die speziellen Sanken-Transistoren nicht länger in Produktion, was einen Ersatz schwierig machen könnte. Ich habe jedoch gelesen, dass man manchmal NOS-Angebote dieses Transistortyps online finden kann.

    Der Luxman L-10 verfügte über einen neu entwickelten Lautstärkeregler, der Ungleichgewichte in den Kanälen auf ein Minimum reduzierte, und er hatte einige attraktive Funktionen, die die Benutzerfreundlichkeit und die Anschlussmöglichkeiten verbesserten. So konnte beispielsweise der eingebaute Vorverstärker auch separat verwendet werden, um eine externe Endstufe zu speisen, aber auch als Kopfhörerverstärker über die frontseitige Kopfhörerbuchse dienen. Alle Verstärkerausgänge boten die Möglichkeit des monauralen Downmixing, eine praktische Funktion zur Überprüfung von Kanalungleichheiten oder zur Wiedergabe von monauralen Aufnahmen. Eine weitere praktische Funktion war der Schalter für die stereophone Umschaltung, mit dem die Eingänge für den linken und rechten Kanal invertiert werden konnten.

    Anstelle der üblichen +/- 6-dB-Tonregler, die sich meist negativ auf die Klangqualität auswirkten, da sie Phasenverschiebungen und Signalverluste verursachten, ermöglichte der Tonkompensator des L-10 eine Anpassung von +2 / -2,5 dB über eine passive Schaltung. Die Idee war, dass der Besitzer in der Lage sein sollte, Tonbalance-Schwankungen zwischen verschiedenen Aufnahmestudios auszugleichen, ohne die Signalintegrität zu beeinträchtigen. Die variablen Regelfrequenzen für Bässe waren 50 Hz, 200 Hz, 700 Hz und für Höhen 700 Hz, 3 kHz, 10 kHz. Um die Lautsprecher vor versehentlicher Beschädigung zu schützen, verfügte der Verstärkerausgang über eine Schutzschaltung, die den Verstärker im Falle eines Gleichstromausgangs abschalten würde.

    Als ich dem L-10 bei der Wiedergabe unserer Lieblings-Jazz-Alben zuhörte, war ich überrascht, wie nahtlos der Vollverstärker dort anknüpfen konnte, wo die Restek V1 + Becker ST-100 Kombination aufgehört hatten. In der Tat hatte der L-10 fast genau die Qualitäten, die mich schon beim Becker ST-100 angezogen hatten: Er war klanglich reichhaltig mit einer starken Präsenz in den mittleren Bässen. Mit einem milden Dämpfungsfaktor von 80 ließ er dem System Luft zum Atmen. Die Überlagerung von Bässen sorgte für einen klanglichen Reichtum, der das Zuhören von Anfang an sehr angenehm machte. Während Luigi darauf bestand, dass der Luxman einen tonal neutralen Zugang zur Musik hatte, offenbarten unsere Tannoy-Lautsprecher einen höchst musikalischen und saftigen Charakter.

    Stimmen wurden akkurat und auf Anhieb ansprechend abgebildet, ähnlich wie beim Becker-Verstärker. Bei Gesangspassagen hätte ich keinen Unterschied zwischen den beiden feststellen können, so nah waren sie sich. Trotz des leicht blumigen Mittenbasses konnte ich keine Verdickung von Stimmen feststellen. Die Höhen waren fokussiert, fein und elegant, wie man es von einem gut geschützten Signalweg erwarten würde. Höhere Klaviertöne schafften es, sich von den Lautsprechern zu lösen und im Raum präsent zu sein. Ich war in der Tat sehr zufrieden mit der Leistung, die ich von dem Vollverstärker erhielt.

    Ich muss gestehen, dass ich unter normalen Umständen keinen Vergleich zwischen einigen meiner bevorzugten Vor- Enstufenkombis und dem Luxman-Vollverstärker angestellt hätte. Aber in diesem speziellen Fall, nachdem ich die beiden so kurz hintereinander gehört habe, kann ich sagen, dass der L-10 sich dabei sehr gut behaupten konnte. Die Unterschiede waren mehr oder weniger eine Frage des persönlichen Geschmacks. Luigi z.B. bevorzugte den etwas kontrollierteren und agileren Klang der Luxman, während ich mich mehr zu der größeren räumlichen Darstellung, der Luftigkeit und dem Punch der Separaten hingezogen fühlte.

    Die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen waren bei dem bärigen Becker ST-100-Verstärker ein wenig präsenter. Auch die physische Trennung zwischen den Instrumenten war bei dem größeren Verstärker etwas eindruckvoller. Auf der anderen Seite brachte der L-10 mehr Geschwindigkeit und Agilität auf den Tisch, wodurch schnellere Musik bevorzugt wurde. Für diejenigen, die einen Vollverstärker suchen, ist der Luxman L-10 sicherlich eine Überlegung wert. Überholte Modelle, wie das hier vorgestellte, spielen in einer eigenen Klasse und können sich auch mit separaten Geräten auf höchstem audiophilem Niveau messen.

    Technische Daten

    • Typ: integrierter Stereoverstärker (doppel-mono)
    • Merkmale: Super-Class-A(/B), in Echtzeit verarbeitet
    • Leistungsaufnahme: 230 Watt, max.
    • Eingänge: Phono MM, Tuner, Tonband 1+2, AUX, Monitor
    • Ausgangsleistung: > 55 WPC @ 8 Ohm; 75 WPC @ 4 Ohm
    • Phono-Ansprechverhalten: 20 Hz bis 20.000 Hz (< 0,2 dB)
    • Filter: Unterschall (10 Hz, normal, 20 Hz)
    • Line-Ansprechverhalten: 0 Hz bis 100.000 Hz (< -1 dB)
    • Harmonische Gesamtverzerrung: < 0.015%
    • Dämpfungsfaktor: 80 (@ 8 Ohm, 1 kHz)
    • Klangregler: Bass, Höhen (+/- 2,5 dB, passive Schaltung)
    • Variable Regelfrequenz: Bässe (50 Hz, 200 Hz, 700 Hz); Höhen (700 Hz, 3 kHz, 10 kHz)
    • Eingangsempfindlichkeit: 3 mV (MM), 300 mV (Line)
    • Phono-Eingangsimpedanz: 50 kOhm
    • Signal-Rausch-Verhältnis: > 90 dB (Phono), > 100 dB (Line)
    • Kanaltrennung: > 85 dB
    • Ausgang: 300mV (Leitung), 0,3 V (Vorverstärkerausgang)
    • Abmessungen: (B) 438 mm x (T) 363 mm x (H) 78mm
    • Gewicht: 10,5 kg

    crossXculture Business Language Training
  • Musical Fidelity A1-X

    Musical Fidelity A1-X

    4.7.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Integrated Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Nach dem japanischen Luxman L-10 und dem italienischen Fase Performance 1.0 war der britische Musical Fidelity A1-X mein dritter integrierter Vollverstärker im Test. Er wurde mir von meinem Namensvetter Karsten aus Bad Vilbel, einem Wohnort im Speckgürtel nördlich von Frankfurt, zum Testen übergeben, der kürzlich auf eine ganze Reihe von Naim-Komponenten umgestiegen war, um damit seine Altec 887A Capri Lautsprecher zu betreiben. Der A1-X stand für einige Zeit bei ihm im Lager, bis Karsten vorschlug, dass ich ihn zum Testen mit nach Hause nehmen könnte.

    Angesichts einer Nennleistung von niedrigen 25 Watt pro Kanal hielt ich es für das Beste, den A1-X an unser temporäres System im ersten Hörraum anzuschließen, in dem noch die Shure 701 Pro Masters aufgestellt waren. Bei einem Wirkungsgrad von 102 dB bei nur einem Watt würden die Shures einen leichten Leistungsmangel von Seiten des Verstärkers verzeihen. Als ich jedoch versuchte, den A1-X anstelle unseres Dynaco PAS-4-Röhrenvorverstärkers und des Hafler XL280-Verstärkers aufzustellen, wurde mir klar, dass ich einen Vorverstärkerausgang benötigte, um den dazugehörigen Subwoofer mit Musik zu versorgen. Wie die meisten Vollverstärker aus den 80er Jahren bot auch der Musical Fidelity diese Anschlussmöglichkeit nicht.

    Als ich daraufhin unser zweites System auf Kompatibilität prüfte, wurde ich daran erinnert, dass dieses erst kürzlich von den empfindlicheren Tannoy XT8f-Lautsprechern auf die Epicure EPI 500 umgestellt worden war, die im Vergleich eine eher bescheidene Empfindlichkeit von nur 88 dB boten. Würde das ausreichen, um vom A1-X betrieben zu werden? Schließlich gab es nur einen Weg, das herauszufinden; und so trug ich den kleinen Musical Fidelity-Verstärker ins Dachgeschoss und schaltete unseren Restek V1-Vorverstärker ab, der hier zu meiner großen Zufriedenheit mit unserem Dynavox VR-70-Röhrenverstärker gelaufen war.

    Auf dem Papier mochte der Wechsel von einem 40-Watt- zu einem 25-Watt-Verstärker keine große Sache sein. Und doch waren 40 Watt Röhrenleistung eine ganz andere Geschichte, vor allem im Vergleich zur Transistorleistung. In der Zwischenzeit hatte ich viel Erfahrung mit der Restek & Dynavox-Kombination und genoss besonders ihre Fähigkeit, die Musik von den Bassfrequenzen an aufwärts zu entwickeln. Dies war eine Eigenschaft, die speziell Röhrenverstärker perfekt beherrschten. In HiFi-Foren und Rezensionen hatte ich gelesen, dass der A1-X einen "röhren-ähnlichen" Klang erzeugen konnte, und ich war gespannt darauf, herauszufinden, wie viel an dieser Behauptung dran war.

    Ich begann meine Erkundungen, indem ich mir das 2018 erschienene Album "Love is here to stay" von Tony Bennet & Diana Krall auflegte. Das Timbre dieses Albums war etwas dunkler als dies für Dianas andere Alben typisch war (mit der offensichtlichen Ausnahme von "Rag Doll", das sich in vielerlei Hinsicht als Ausrutscher erwies). “Love is here to stay" war zwar reich an musikalischen Informationen, hatte aber einen starken Fokus auf die Mitte der Bühne, während die Kanaltrennung hier weniger wichtig zu sein schien. Es gab viele natürliche Bassläufe von den Instrumenten, aber auch von den sich bewegenden und auf den Boden stampfenden Füßen der Interpreten.

    Auch wenn die technischen Daten des Musical Fidelity A1-X auf dem Papier nicht übermäßig beeindruckend erscheinen: 25 Watt pro Kanal, 0,5 Prozent Klirrfaktor, 80 Dezibel Rauschabstand, der A1-X klang weder schwachbrüstig noch verzerrt. Ganz im Gegenteil: Mein erster Eindruck war, dass es sich um einen absolut sauber klingenden Verstärker handelt. Er ließ sich gut kontrollieren, selbst als der Verstärker noch nicht warmgelaufen war. In den ersten paar Minuten hatte ich das Gefühl, dass die Kanalbalance etwas unausgewogen waren, und ich fragte mich, was wohl die Ursache dafür war, zumal ich besonders darauf geachtet hatte, die Lautsprecher während des Aufbaus nicht zu bewegen. Diese anfängliche Unausgewogenheit verschwand jedoch nach 3-5 Minuten und könnte damit zusammenhängen, dass der Vorverstärker dem rechten Kanal Strom entzieht, wie ich später in Mark Hennessys außergewöhnlichem Aufsatz über den A1 und seine Derivate lesen konnte. (Schauen Sie mal rein, es lohnt sich, ihn zu lesen.)

    Frisch an Phono, CD-Player und die Epicure-Lautsprecher angeschlossen, klang der A1-X zunächst etwas dünn. Nach einiger Zeit der Eingewöhnung änderte sich dieser Eindruck jedoch. Ich schätzte die Tatsache, dass der Musical Fidelity sich als tonal richtig mit viel natürlichem Timbre erwies. Wo der Dynavox-Röhrenverstärker im Grundton ziemlich dick aufgetragen und den Hörer mit Klangfarben schon fast erdrückt hatte, blieb der A1-X streng realistisch. In dieser Hinsicht war er dem ausgewogener klingenden integrierten Luxman L-10 näher als den Röhrengeräten.

    Die Abbildung war akkurat, aber die Instrumente wirkten etwas vertiefter und kleiner, mit einem üppigerem definiertem Raum um sie herum, als ich es zuvor gewohnt war. Diese Tendenz wurde noch deutlicher, als ich zum 2Cellos-Album "In2ition" aus dem Jahr 2012 wechselte. Gerade in Momenten, in denen höhere Dynamik und Autorität gefragt war, hätte eine höhere Empfindlichkeit der Lautsprecher mit diesem Vollverstärker sicher bessere Ergebnisse erzielt. In der vorhandenen Kombination fehlte es etwas an Attacke.

    Der A1-X war die europäische Version des A1 und kam Mitte der 1980er Jahre auf den Markt. Genau wie der A1 basierte der A1-X auf einem elektronischen Design, das von der Hi-Fi-Legende und dem langjährigen Musical Fidelity-Ingenieur Tim de Paravicini entwickelt wurde. Die europäische Version zeigte bereits das überarbeitete Design mit offenen Kühlöffnungen auf beiden Seiten. Gleichzeitig bestand die obere Abdeckung aus zwei großen Kühlkörpern, die leicht Temperaturen von über 60 Grad Celsius erreichen konnten. Die Bedienelemente auf der Vorderseite waren so gestaltet, dass sie ein versehentliches Berühren der sehr heißen Kühlkörper begünstigten, was nur die Tatsache unterstrich, dass es sich in der Tat um eine robuste Maschine mit hoher Leistung handelte.

    Wie Mark Hennessy anmerkte, wurde kontrovers darüber diskutiert, wie viel Leistung dieser Verstärker zu erzeugen vermag. Nach einigen Messungen und der Anwendung grundlegender mathematischer Verfahren kam Mark Hennessy zu dem Schluss, dass der A1-X im Class-A-Betrieb eine Leistung von 8 Watt erzeugte, bevor er auf A/B-Betrieb umschaltete. Einige, darunter auch der Konstrukteur Tim de Paravicini selbst, argumentierten, dass die Class-A-Ausgangsleistung anders berechnet werden sollte, und zwar so, dass sie eher der Leistung von Röhren in einem Push-Pull-Design ähnelt. Dies hätte die Class-A-Ausgangsleistung näher an 16 Watt pro Kanal positioniert und wäre eine Begründung für die Leistungsaufnahme des Verstärkers von kontinuierlichen 90 Watt erklärt. Ein weiteres Indiz für die höhere Ausgangsleistung war, dass die Temperatur des Kühlkörpers angeblich bei voller Leistung um 10 Grad Celsius sank. Aus Angst um unsere Lautsprecher beschloss ich, diese Messungen nicht selbst zu verifizieren.

    Mark hat gemessen, dass die Endstufe mit etwa 800 mA belastet wird, was ziemlich hoch ist und zeitweise zu thermischen Problemen führte, insbesondere bei den ersten Geräten, die ohne Seitenlüftung verkauft wurden. Ähnlich wie der Fase Performance 1.0 bot auch der Music Fidelity A1-X nur die nötigsten Bedienelemente: einen Eingangswahlschalter, einen Lautstärkeregler, einen Netzschalter und einen Tape-Monitor-Schalter. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass die Phonostufe des A1-X genügend saubere Verstärkung für MC-Tonabnehmer bot. Der interne Vorverstärker war in der Lage, 200mV an Verstärkung zu erzeugen. Ein zusätzlicher Schalter auf der Rückseite des Geräts ermöglichte es, zwischen MC- und MM-Betrieb umzuschalten. Die Qualität der Phonostufe und die Möglichkeit, auf MC-Betrieb umzuschalten, hätten den A1-X sofort zum Liebling audiophiler Hörer gemacht. Manchmal wurde berichtet, dass die große Verstärkung des Vorverstärkers zu unerwünschtem Rauschen führen könnte, obwohl ich selbst keine derartigen Probleme feststellen konnte.

    Ähnlich wie bei Fase Audio diente bei der A1-Serie ein Ringkerntransformator als Stromversorgung. Hinter dem Transformator war der Verstärker doppel-mono aufgebaut, wobei die Komponenten entlang der zentralen Stromschienen, die die Kühlkörper trugen, gespiegelt waren. Von 1984 bis 1990 gab es eine Reihe kleinerer Facelifts bei den Versionen dieses Verstärkers, beginnend mit dem A1 und dem A1-X, der vom MKII abgelöst wurde. Es gab auch eine Version namens "David", die speziell für Kunden in Deutschland hergestellt (und abgestimmt) wurde, und eine "Final Edition", die eine MOSFET-Ausgangsstufe enthielt. Bei den frühen Modellen waren die Netzteile in das Gehäuse des Hauptverstärkers eingebaut, während spätere Exemplare über externe Netzteile verfügten, welche die Ausgangsleistung auf fast 50 Watt pro Kanal erhöhten.

    In seiner Besprechung des A1-Verstärkers erklärt Mark, dass diese Konstruktion nicht dafür gedacht war, dass man übermäßig viel daran herumschraubte. Nicht nur, dass das Gehäuse zu klein war, um sperrige Komponenten unterzubringen (die Netzteil-Kondensatoren wurden seitlich angebracht, um der begrenzten Höhe Rechnung zu tragen), auch die großen Kühlkörper ließen sich nur schwer entfernen, so dass beim Wiederanbringen der dieser viel frische Wärmeleitpaste benötigt wurde. Es schien, dass ein Teil der hervorragenden Klangqualität des A1-X auf seine einfache Design-Philosophie "weniger ist mehr" zurückzuführen war. Obwohl der Verstärker auch einige hochwertige Teile verwendete, waren die Bauelemente der Ausgangsstufe selbst relativ standardmäßig für die damalige Zeit: ein Satz 2N3055/MJ2955. Mark schlägt vor, sie durch die haltbaren Motorola-Transistoren MJ15003 und MJ15004 zu ersetzen, falls die Transistoren doch einmal reparaturbedürftig sein sollten. Spätere Versionen der Motorola-Transistoren (z.B. MJ15022) waren auch im Fase Audio Performance 1.0 zu finden, soweit ich mich erinnere.

    Als ich den A1-X zum ersten Mal zum Testen erhielt, erzählte mir Karsten von einem Problem, das er mit dem Lautstärkeregler erlebt hatte, der unangenehm geräuschvoll wurde. Doch am Tag meiner Ankunft konnte er das Phänomen nicht reproduzieren. Das erinnerte mich an ein ähnliches Problem, das ich einmal mit unserem DB Systems DB 1 Vorverstärker hatte. Im Falle des DB1 war während des Netzbetriebs ein leichter Gleichstrom durch das hochwertige Alps-Poti geflossen. Ich glaube, dass dies von einem defekten Bauteil auf Seite des CD-Players herrührte, was zu dem Stromfluss führte. Es war durchaus möglich, dass der Grund für das Rauschen dieses Potis ein ähnliches Problem mit einem externen Gerät war, obwohl Mark darauf hinwies, dass das A1-Design konstruktionsbedingt ohnhin kleine Mengen von Gleichstrom durch den Alps-Regler fließen ließ.

    In jedem Fall wurde das Alps Blue-Potentiometer, das im A1-X verwendet wurde, auch im Fase Performance 1.0 eingebaut und hatte in audiophilen Kreisen einen guten Namen. Die Kombination aus integriertem Vorverstärker und Endstufe diente dazu, die spezifischen Klangeigenschaften des A1-X zu erzeugen. Allerdings führte die hohe Verstärkung des Vorverstärkers auch zu einem relativ niedrigen Rauschabstand von 80 dB. Da ich bei meinen Hörtests kein Rauschen feststellen konnte und die klanglichen Eigenschaften des Verstärkers zu schätzen wusste, wäre ich geneigt, den A1-X in seiner jetzigen Konfiguration zu belassen. Die relativ große Menge an Class-A-Verstärkung machte den A1-X zu einem hervorragenden Hi-Fi Begleiter, speziell für Lautsprecher mit höherer Empfindlichkeit.

    Musical Fidelity Firmengeschichte

    Musical Fidelity ist ein britischer Hersteller von High-End-Audiogeräten mit einer langen Reihe von Verstärkern, die von Endstufen über Phono- und Kopfhörerverstärker bis zu integrierten Verstärkern (wie dem A1) und Vorverstärkern reichen. Als das Unternehmen im Jahr 1982 gegründet wurde, hieß das erste Produkt "The Preamp". Es verfügte bereits über einen MC/MM-Schalter. Der Gründer, Antony Michaelson, war ein Klarinettist und Hi-Fi-Enthusiast mit einem Händchen für unkonventionelles Industriedesign.

    Das zweite Produkt von Musical Fidelity war die "Dr. Thomas"-Endstufe, die den Namen ihres Entwicklers Dr. Martin Vaughan Thomas trug. Mit einer beachtlichen Leistung von 100 Watt pro Kanal war der Dr. Thomas-Verstärker bereits ein ziemliches Ungetüm für ein erstes Design. Von den nachfolgenden Entwürfen wurden nicht wenige zu echten Hi-Fi-Meilensteinen.

    Der A1 und alle seine Varianten und Nachfolger wurden von Tim de Paravicini entworfen, der im Dezember 2020 verstarb. Tim war seit 1978 mit Antony Michaelson befreundet, schon während der Zeit, als Michaelson noch Partner bei Michaelson & Austin war. Wie so viele Start-ups hatte Tim de Paravicini den Prototyp des A1 in der privaten Werkstatt seines Hauses gebaut. Er war stolz darauf, seine Erfindung Antony Michaelson zu zeigen, der seinerseits gerade Musical Fidelity gegründet hatte. Nach einer schwierigen Zeit der Weiterentwicklung des Designs und einer Beinahe-Pleite der Firma wurde der A1 zu einem der hoch angesehenen Produkte von Musical Fidelity.

    Technische Daten

    • Typ: integrierter Stereoverstärker
    • Merkmale: hoher Class-A-Ausgang
    • Ausgangsleistung: 2x 25 Watt, 8Ω (Stereo)
    • Klasse-A-Ausgang: 8-16 Watt, 8Ω (Stereo)
    • Leistungsaufnahme: 90 Watt kontinuierlich
    • Frequenzgang: 20 Hz bis 20.000 Hz
    • Transistoren der Ausgangsstufe: 2N3055/MJ2955
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.5%
    • Lautstärkeregler: ‘Alps Blue’ Lautspärkeregler
    • Eingänge: (3x) Line, (1x) Tape Monitor, (1x) Phono
    • Empfindlichkeit (Phono): 0,2 mV (MC), 2 mV (MM),
    • Empfindlichkeit (Line): 200 mV
    • Ausgangsklemmen: 1 Satz (Bananen/Klinken)
    • Rauschspannungsabstand (Phono): 55 dB (MC), 60 dB (MM),
    • Rauschspannungsabstand (Line): 80dB
    • Oberflächentemperatur: 55-65 Grad Celsius
    • Gewicht: 5,8 kg
    • Abmessungen: (B) 408 mm; (H) 68 mm; (T) 258 mm
    • Baujahr: 1984 - 1992

  • Symphonic Line RG9 MK3

    Symphonic Line RG9 MK3

    16.4.2024

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Integrated Amplifiers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Zum Thema High End

    Ich möchte diese Erkundungsreise mit einer scheinbar simplen Frage beginnen: "Was ist High End?" Denn in den letzten Jahren ist der Begriff in Zusammenhang mit Audiogeräten ziemlich häufig zitiert worden, wobei private Verkäufer und Geschäfte “High End"-Produkte sowohl im preiswerten als auch im luxuriösen Segment des Audiomarktes anbieten. Vielleicht sind solche Behauptungen berechtigt, vielleicht auch nicht. Doch wer soll das entscheiden, wenn wir uns über die Definition des Begriffs noch nicht im Klaren sind. Eine Möglichkeit, die Eingangsfrage zu beantworten, besteht darin, einen Blick auf den Ursprung des Begriffs in der HiFi-Branche zu werfen und sich zu fragen, was er für diejenigen Menschen bedeutete, die ihn prägten und zuerst für ihre Produkte verwendeten.

    In Amerika war es die Audio Research Corporation (ARC), die vor allem ihre großen Röhrenendstufen als High-End-Produkte bezeichnete. In Deutschland wurde der Begriff u.a. von Rolf Gemeins Symphonic Line, Herrn Ulrich Rahe (Erbauer der berühmten RABox) und Dieter Burmester, der die gleichnamige und inzwischen international bekannte Audio-Firma betreibt, aufgegriffen. Gemeinsam gründeten sie die “Deutsche High End Society” und gehörten zu den Gründungsvätern der High End Messe in München, die heute zur größten High End Audiomesse der Welt avanciert ist. Sowohl Gemein als auch Burmester wollten Audiogeräte entwickeln, die ursprünglich nicht für den Massenmarkt bestimmt waren (ein Wettbewerbsumfeld, in dem ihre Produkte aus Rentabilitätsgründen auf ihre Versand- und Produktionskosten hin überprüft werden), sondern sich darauf konzentrierten, die hochwertigsten Schaltungen zu entwickeln und die bestmöglichen Komponenten zu kombinieren, um das Maximum an Klang herauszuholen.

    Wenn man sehr lange Entwicklungszeiten mit außergewöhnlicher Ingenieurskunst und hochwertigsten Komponenten verbindet, wird das unweigerlich teuer. Und die meisten Hersteller befürchten, dass sie in dieser hohen Preisklasse ohne entsprechendes Marketing nicht genügend Nachfrage für ihre Produkte generieren können. Folglich sind die meisten Produkte so konzipiert, dass sie eher relativ betrachtet und innerhalb ihrer bestimmten Preisklasse die erforderliche Leistung erbringen. Ich habe einmal an einer Diskussion teilgenommen, bei der das Ingenieurteam eines Fernsehgeräteherstellers gerade die Audiosektion eines neuen Fernsehmodells entwickelt hatte. Der Einkaufspreis für die Komponenten wurde damals mit 35 EUR veranschlagt. Daraufhin wurde dem Team mitgeteilt, dass es ein Budget von 7,50 EUR habe, und es wurde gebeten, das Design dahingehend nochmals zu überarbeiten und mit den Lieferanten zu sprechen. Solche Entscheidungen sind in der Tat nicht selten. In dem beschriebenen Szenario sollte die Audiosektion für einen Fernseher im höherpreisigen Premium-Segment entwickelt werden und nicht etwa für ein günstiges Mitnahmeprodukt.

    Während die meisten erfolgreichen Unternehmen ihre Entwicklungs- und Produktionsabteilungen eher auf der Kostenseite verorten und sich bemühen, diese so schlank wie möglich zu halten, haben sowohl Rolf Gemein als auch Dieter Burmester ihre Produktphilosophie über alle anderen Überlegungen gestellt und damit eine Utopie geschaffen, in der die Kräfte des Marktes - Kräfte, die für alle anderen gelten - keine Wirkung zu haben scheinen. In diesem Sinne bedeutet High End verantwortungsvolle Hingabe an die Sache seitens des Herstellers bis hin zur Fertigstellung des Produkts. Und schließlich können High-End-Produkte vor allem wegen ihres höheren Preises nur dort existieren, wo Enthusiasten den zusätzlichen Aufwand würdigen und bereit sind, den höheren Preis zu zahlen.

    Allerdings kann im Umkehrschluss nicht alles, was einen hohen Preis hat, auch als High End bezeichnet werden. Diese Tatsache macht es den Kunden schwer zu erkennen, wo genau High End anfängt (und sich die Investition tatsächlich lohnt) und wo es sich nur um einen Begriff handelt, mit dem HiFi-Geräte um der höheren Gewinnspanne Willen unangemessen teuer verkauft werden. Als mir ein Freund (und unschätzbarer Unterstützer während der Bauphase unseres Hörraums) vorschlug, Heinz-Peter Völkel zu kontaktieren und ihn zu bitten, mir einige Symphonic Line-Produkte zum Testen zu schicken, war ich deshalb unsicher, was mich erwarten würde. Immerhin hatte ich meine HiFi-Anlagen mit großer Sorgfalt und ausgewählten Klassikern der Branche eingerichtet. Den Hörraum hatte ich soeben fertiggestellt, mit Akustik-Absorbern ausgestattet und war mit dem Ergebnis tatsächlich sehr zufrieden. Was konnte ich über die Produkte von Symphonic Line sagen, außer dass auch sie großartig klangen?

    Da ich immer noch nicht überzeugt war, schlug Heinz-Peter vor, dass wir uns auf den Norddeutschen HiFi-Tagen in Hamburg treffen sollten, wo Symphonic Line einen Raum von moderater Größe in der dritten Etage gebucht hatte. Als ich eintraf, fand ich Heinz-Peter und Rolf Gemein vor, die abwechselnd die Symphonic Line Produkte mit verschiedener Musik präsentierten. Nachdem ich bereits einige Stunden auf der Messe verbracht hatte, um mir verschiedene HiFi-Anlagen anzuhören, empfand ich die Musikauswahl an diesem Stand erfrischend und den Klang der Symphonic Line-Anlage aufgeräumt und anspruchsvoll. Das war mehr, als viele der anderen Stände zu bieten hatten, und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass die Produkte dieser Manufaktur für mich tatsächlich eine Entdeckungreise wert sein könnten. Ein paar Tage später sprachen Heinz-Peter und ich darüber, wo ich meine Erkundungen am besten beginnen sollte. Wir waren uns schnell einig, dass es für den Blog hilfreich und lehrreich sein könnte, die Produkte von Beginn an kennen zu lernen. Und so starten wir unsere Geschichte mit einem RG9 MK3 aus der Zeit um 1995.

    Ein schwer fassbares Biest

    Es scheint, dass verchromtes Aranja (oder Grapefruit) damals zu den angesagtesten Farben für High-End-Produkte zählte, und der RG9 erfreut sich dieser glänzenden Oberfläche auf Basis eines Chassis aus gebogenem Messing, das 2 mm stark ist und von einer 10 mm starken Frontplatte geziert wird. Mit anderen Worten: Dieser Verstärker fühlt sich extrem solide an und ist ziemlich schwer. In der häuslichen Umgebung wirkt seine Oberfläche wie ein getönter Spiegel, was dem RG9 eine chamäleonartige Präsenz verleiht, die ihn aus manchen Winkeln besser und aus anderen weniger gut sichtbar macht. Beim Fotografieren habe ich versucht, alle Reflexionen zu minimieren, um die genauen Merkmale und Abmessungen des Geräts zu zeigen. Dabei habe ich auch einige der Flecken und Wunden enttarnt, die sich im Laufe seines 30-jährigen Lebens angesammelt hatten. Im täglichen Betrieb würden diese kaum auffallen, da man nur selten über den Spiegeleffekt hinaussehen würde. Außer auf diesen Fotos ist das Gehäuse des RG9 in Aranja kaum zu enttarnen.

    Das Symphonic Line-Logo, die Modellbezeichnung RG9 MKIII und die Beschriftung der Bedienelemente sind auf der Frontplatte eingraviert. Als Erstbenutzer fand ich diese Beschriftungen manchmal schwer zu lesen, besonders wenn ich das Gerät bei schlechten Lichtverhältnissen bediente. Mir ist auch aufgefallen, dass die Position der Drehknöpfe nicht leicht zu bestimmen ist. Bei drei Drehknöpfen gleicher Größe, Farbe und Gestaltung war es vermutlich am besten, sich die Funktionen der einzelnen Regler einzuprägen, bis man sie ohne hinzuschauen bedienen konnte. Von links nach rechts gehend ist der erste Knopf eigentlich ein Drehschalter, der den RG9 ein- und ausschaltet, in meinem Aufbau ohne dass ein Schaltgeräusch auf den Lautsprechern zu hören ist. Der nächste Regler zur Rechten ist der Eingangswahlschalter, mit dem zwischen den Quellen gewechselt wird, ebenfalls ohne hörbare Geräusche. Der dritte Regler schaltet schließlich zwischen dem Tape Monitor und dem Line-Signal hin und her.

    Der Lautstärkeregler ist der vierte und letzte Drehknopf in dieser Reihe und zeichnet sich durch seine größeren Abmessungen aus. Als ich zum ersten Mal daran drehte, war ich etwas enttäuscht, dass es sich nicht um ein gerastertes Poti handelte, sondern um einen sanft angleitenden und stets leicht zu bewegenden Regler. Inzwischen habe ich gelesen, dass es sich um ein Doppelmono-Design handelt, welches von hoher Qualität ist. Ich persönlich bevorzuge jedoch gestufte Regler, weil sie mir helfen, die Hörlautstärke in Schritten zu merken. Zum Beispiel drehe ich die Lautstärke an meinem Restek V1-Vorverstärker normalerweise um zwei Stufen zurück, wenn ich von Phono auf CD umschalte. Solche hilfreichen Anhaltspunkte fehlen auf dem RG9-Drehregler. Positiv zu vermerken ist, dass die Rückseite des RG9 viel leichter zugänglich ist, als die des Restek. Alle Chinch/RCA-Buchsen sind leicht zu erreichen und haben ausreichend Platz dazwischen, um die meisten HiFi- und High-End-Kabel aufzunehmen.

    Für Phono stehen zwei Chinch/RCA-Buchsenpaare zur Verfügung, von denen ein Paar zur Erhöhung der Eingangskapazität mittels Aufsteckadaptern verwendet werden kann. Außerdem befindet sich auf der Rückseite ein Schalter für MM- und MC-Tonabnehmer. Dieser Schalter hat mich einen Moment lang Nerven gekostet, denn bei meinen ersten Versuchen wollte er die Einstellung für MM nicht aktivieren. Anscheinend wurde der RG9 über einen längeren Zeitraum ausschließlich mit MC-Tonabnehmern verwendet, und die Schaltung hatte sich in dieser Position festgeklemmt. Dies ist tatsächlich ein häufiges Problem bei Relais, die über einen längeren Zeitraum hinweg nicht benutzt werden, egal wie gut sie gebaut sind. Ich wollte jedoch nicht einfach aufgeben, und nach einigen weiteren Versuchen rastete das interne Relais deutlich hörbar in der neuen MM-Position ein.

    Die hochwertige Drehklemme zum Anschluss des Massekabels ist ausreichend groß dimensioniert und in der Nähe des Phonoeingangs platziert. Das ist in der Tat praktisch, wenn man den RG9 mit Vintage-Plattenspielern koppeln möchte, die häufig noch ein fest verbautes Tonarmkabel mit angehängtem Erdungskabel haben. Für die Verbindung des Verstärkers mit den Lautsprechern gibt es einen Stereosatz WBT-Terminals. Sie eignen sich sowohl zum Anschluss von Bananensteckern als auch für blanken Draht oder Kabelschuhe, je nach Vorliebe. Alle Ein- und Ausgänge, einschließlich der Drehklemme für das Erdungskabel, sind mit 24 Karat vergoldet. Wie auch bei unserer Restek-Vorstufe biegt sich die Rückwand des RG9 beim Aufstecken sehr eng anliegender Stecker leicht nach innen. Dieser Eindruck gefällt mir an beiden Geräten nicht wirklich gut, und ich hätte mir gewünscht, dass die ansonsten so robust anmutende Rückwand an der Oberschale des Verstärkers etwas zusätzlichen Halt findet.

    Auch, wenn er auf einem HiFi-Rack platziert nicht gleich so massiv anmutet, bemerkt man doch, dass bei der Herstellung ausschließlich hochwertigste Materialien verwendet wurden, sobald man den Verstärker bewegen möchte. Bei rund 18 kg ist es jedesmal eine kleine Herausforderung, ihn auf einen Tisch oder in ein Rack zu heben. Wie auf den Fotos zu erkennen ist, sind die Originalfüße nicht sehr hoch. Das macht es schwierig, die Finger beim Anheben unter den Verstärker zu bekommen, und auch das Abstellen ist eine Herausforderung. Ich hätte mir gewünscht, dass die Füße zumindest hoch genug wären, dass die Finger beim Umstellen der Anlage nicht unsanft gequetscht zu werden. Ich habe manchmal gehört, dass sich High-End-Produkte und Komfort gegenseitig ausschließen, und ich denke, ich habe in diesem Bericht inzwischen genügend Beweise dafür gesammelt, dass diese Beobachtung nicht unbegründet ist. Doch Sportwagen sind ja auch nicht wirklich komfortabel — aber sehr, sehr sexy.

    Von Grund auf ehrlich

    Für den Start meiner audiophilen Erkundungstour konnte ich aus vier HiFi-Ketten wählen. Ich wog die Vor- und Nachteile eines jeden HiFi- Setups ab und entschied mich, den RG9 zunächst an der am wenigsten komplexen Kette kennenzulernen. Als Musikquellen dienten ein Philips GA 212-Plattenspieler mit einem AT VM95 E-Tonabnehmer der Einstiegsklasse, sowie ein Pioneer PD-S604-CD-Player, der vor kurzem mit einer Anti-Resonanz-Matte auf der Innenseite des Gehäuses nachgerüstet worden war, um das ohnehin sehr gute Laufwerk weiter zu stabilisieren. Beide Geräte galten in ihrer Klasse als musikalisch, aber keineswegs als High End. Wie gewohnt wurden sie mit Silver Solid-Core Chinch/RCA Verbindungskabeln des hier im Forum vorgestellten HBS4-Typs an den RG9 angeschlossen.

    Als Lautsprecher dienten ein Paar Epicure EPI 500 mit 10-Zoll-Tieftönern und zwei 12-Zoll-Passivstrahlern pro Box. Auch sie galten als recht musikalisch, obwohl sie eine messbare Senke im Frequenzgang im Übergangsbereich zwischen dem Tieftöner und den Passivmembranen aufwiesen. Das Erdungspotential zwischen den Geräten war harmonisiert, und die Lautsprecher wurden im großen Studio so aufgestellt, dass sie eine möglichst lineare Wiedergabe erzielen können. Wie immer habe ich mit Hilfe der akustischen Berechnungsblätter, die mir Peter Englisch zur Verfügung gestellt hat, die Grundpositionen bestimmt und dann die restlichen Zentimeter von Hand ermittelt. Schließlich erfolgte die exakte Abstimmung der Stereokanäle mit einem Lasermessgerät. Hinter dem Rack kreuzten oder berührten sich keine Signal- oder Stromkabel gegenseitig. Die Netzspannung wurde vom Sicherungskasten direkt in das System eingespeist, um Störungen zu vermeiden.

    Meine ehemaligen Komponenten an dieser Stelle, eine kleine Rotel-Vorstufe mit verbesserter Schirmung (kein schwieriges Upgrade, wenn man bedenkt, dass die ursprüngliche Bodenplatte aus Kunststoff war) und eine handgefertigte Becker-MOSFET-Endstufe, lieferten bereits eine punktgenaue Phantommitte, eine nahtlose Abbildung von links nach rechts, tonale Plastizität und Glaubwürdigkeit. Kurz gesagt, es gab wenig an meinem ursprünglichen Setup, was meine Ohren störte, was besonders herausstach oder was offensichtlich fehlte. Die Stärken der Becker-Endstufe waren ihre riesigen Kondensatoren von je 64.000 uF und ihre vier Hitachi MOSFET J49-Transistoren. Ihre Schwächen lagen fast überall sonst, von ihrem unterdimensionierten Transformator bis hin zu ihrer eigenwilligen Verkabelung. Schließlich waren es die Ruhe und Ordnung im Klang, die mich über lange Zeit an der Becker faszinierten.

    Beim Umstieg auf den RG9 MK3 behielt ich die Peripherie, d.h. unsere Audioplan PowerCord S und die Belden 9497-Lautsprecherkabel bei. Ich wusste sicher, dass die PowerCord S ein ausgereiftes Kabel von symmetrischem und resonanzarmem Aufbau ist, und die Beldenkabel hatten sich als hervorragende Spielpartner für Vintage-Lautsprecher erwiesen. Der Grund für meine Entscheidung war, dass ich nicht mehr als eine neue Komponente auf einmal einführen wollte. Ich schaltete die Anlage ein, legte eine CD ein und verließ den Raum für die nächsten 30 Minuten. Als ich anschließend wieder eintrat, wurde ich von einem ruhigen und kultivierten Klang begrüßt. Ich setzte mich in meinen Sessel, um der Musik zu lauschen, und war tief beeindruckt von der klanglich warmen und dennoch spannenden Erzählweise dieses Systems. Besonders gefiel mir das breite Spektrum an Klangfarben, die, jede für sich, in der Lage sind, Musik mit Erinnerungen zu verbinden.

    Die letzten Spuren statischen Flirrens, der Zischlaute und des Dunstes des Rotel-Becker-Combos waren verschwunden. Stattdessen gab es reichlich Raum für die individuellen Nuancen von Klavier, Streichern und Bläsern. Zu der verbesserten Trennung von Klangereignissen kam die höhere Leistung des RG9 hinzu, welche die Bässe der EPI 500 besser im Griff hatte. In dieser Kombination zeigten sich auch hier mehr Nuancen und mehr Textur. Die musikalische Darbietung wurde dadurch stets mit souveräner Sicherheit vorgetragen. Wie ein Künstler, der zu jeder Zeit aus dem Vollen schöpft, war diese dabei gleichzeitig einfühlsam und kühn. Das soll nicht heißen, dass der RG9 seine audiophilen Qualitäten bei jeder einzelnen Platte ausspielen würde. Wo bereits die Aufnahmen ihre Grenzen hatten, zeigte auch der RG9 diese recht deutlich auf. In diesem Sinne wirkte der musikalische Charme zu keiner Zeit ‘aufgesetzt’. Vielmehr wurde jedes Musikereignis maßvoll und ehrlich präsentiert.

    Praxisnahe Eindrücke

    Till Brönners Titel "A distant Episode" zeigte die erstaunlich dreidimensionale Abbildung des Pioneer CD-Tellerlaufwerks in Kombination mit Legato Link. Patrick Kellys Live-Performance von "A Litte Faith" offenbarte eine beeindruckende Tieftonpräsenz mit schnellen Anstiegszeiten des Verstärkers. Anders sah es jedoch bei seinem Titel "Land of Bliss" aus, der nicht dieselbe positive Transformation erfuhr. Peggy Lees "Fever" zeigte großartige Attacke und Decay, gepaart mit einer formidablen Differenzierung zwischen den Materialien der Schlaginstrumente. Cristin Claas' Titel "In the Shadow Of Your Words" präsentierte die vielfältigen Klangfarben des Gesangs, der Nylon- und Stahlsaiten und des Synthesizers. Obwohl die musikalischen Ereignisse oft zeitlich zusammenfielen, gelang es dem RG9, sie während der gesamten Aufführung einzeln darzustellen und in guter Ordnung und Proportion zu halten.

    Sean Heels Album "A Dry Scary Blue" kann trotz wiederholter Momente unangenehmen Clippings sehr nah und einfühlsam wirken. Auf dem RG9 klang es jedoch etwas kompakter und weniger luftig, als ich es gewohnt war. Andererseits wirkte Jörg Hegemanns viel gelobtes Album "High End Boogie Woogie" voll und einnehmend. Auf Jörgs Album wurde der Kontrabass von Paul G. Ulrich trennscharf und wunderbar vom Klavier separiert wiedergegeben. Gurgelndtiefe Basstöne erhielten mehr Raffinesse als zuvor, diese waren begleitet von einem erkennbar metallischen Beiklang und mechanischem Raspeln. So dezidiert hatte ich den großen Steinwayflügel noch nicht erlebt, wie zum Beispiel bei dem Song "When you and I were young, Maggie". An den besonderen Klang dieses Flügels konnte ich mich noch aus der Zeit der Studioaufnahmen sehr gut erinnern.

    Auf Phono umgeschaltet, strahlte das Album "Badgers and Other Beings" des Helge Lien Trios weiträumig und offen in den Raum, tonal wirkte es gleichzeitig intim und warm. Zusätzlich zu den üblichen Schwenks von links nach rechts fühlte sich die Bühne nun nahtloser und räumlich tiefer an. In meinem Setup war die Phonosektion sehr rauscharm und klanglich aufschlussreich, was sicherlich auch von der jeweiligen Umgebung abhängt. In unserem ländlichen Raum an der Nordsee ergeben sich wenige Störfaktoren. Die Instrumententrennung wurde auch bei schnellen, lauten und überfüllten Passagen beibehalten. Nachdem ich einige Zeit mit dem Hören verbracht hatte, vermutete ich, dass die einzigen noch limitierenden Faktoren die Lautsprecher und der Einsteiger-Tonabnehmer von Audio Technika sein mochten. Ich war gespannt, wie sich der RG9 in Kombination mit transparenteren Geräten, die in der Rangordnung weiter oben angesiedelt waren, schlagen würde.

    Höher in der Nahrungskette

    Unsere zweite Testumgebung bestand aus einem Marantz CD-17 CD-Player, einem Thorens TD 320-Plattenspieler mit einem Audio-Technica VM95 ML-Tonabnehmer (beide ebenfalls über Silver-Solid Core mit dem RG9-MK3 verbunden), sowie elektrostatischen Martin Logan SL3-Lautsprechern, die über ein Y-Kabel an den Verstärker angeschlossen waren. Bei Hybrid-Lautsprechern hatte diese Art der Verkabelung den Vorteil, damit sowohl das elektrostatische Panel als auch den dynamischen Tieftontreiber der SL3 separat anzusprechen und auf diese Weise die Rückstromführung zu verbessern. Dennoch sorgte ein einziger Kontaktpunkt auf der Seite des Verstärkers für die Wahrung eines homogenen Klangbildes.

    In seiner neuen Position sollte der RG9 MK3 eine RGR Model 4 Vorstufe ersetzen, die mit einer B&K ST140 Endstufe gepaart war. Es handelte sich um eine wohlklingende Kombination, die in der Lage war, feine Melodien nachzuzeichnen und aufschlussreiche Präsentationen zu liefern. Mit seinen noch moderaten 105 Watt pro Kanal wirkte der ST140 trotz seiner hohen Strombelastbarkeit bisweilen etwas schwach auf der Brust für die SL3, um auch bei gehobener Lautstärke noch die volle Attacke zu liefern.

    Ich begann damit, über den Marantz CD-17 zu hören und bemerkte schnell, dass die Musik nahtloser und das Klangbild dadurch konsolidierter wirkten. Da elektrostatische Lautsprecher sowohl nach vorne als auch nach hinten abstrahlen, ist ein perfektes Timing erforderlich, um die Lautsprecher im Raum ‘unsichtbar’ zu machen. Bei meinem üblichen RGR/B&K-Setup fühlte sich die Bühnenabbildung im Übergangsbereich zwischen dem linken Lautsprecher und dem linken Teil der Bühne, sowie zwischen dem rechten Lautsprecher und dem rechten Teil der Bühne, oft nicht ganz korrekt an, so dass einige Instrumente oder Noten deplatziert nach vorne sprangen. Dieser Effekt verringerte sich nun erheblich, und die Musik umspielte die Lautsprecher von ganz links bis ganz rechts. Auch die Integration der Tieftöner wurde verbessert, so dass schnellere und lautere Musik mehr Spaß macht.

    Als ich auf Phono umschaltete, war ich angenehm überrascht, dass ich keinen Verlust an Dynamik erlebte, wie es allzu oft der Fall ist. In diesem Aufbau verwendete ich das originale Symphonic Line-Netzkabel und war beeindruckt von seinem Beitrag zur Performance des RG9, besonders im Vergleich zu unserem eher günstigen und mit Geflecht geschirmten Lapp-Ölflex-Kabel, das ich nach nur wenigen Minuten des Hörens bereitwillig ersetzte. Die Fähigkeit eines Netzkabels, ein System musikalisch richtig klingen zu lassen, erstaunt mich tatsächlich immer aufs Neue.

    Nachdem ich mir das Album "Guzuguzu" des Helge Lien Trios angehört hatte, das viele musikalische Einblicke und auch ausreichend Dynamik bot, wechselte ich zu Manu Katchés Album "Neighbourhood". Vor allem Katchés Titel “Rose" verblüffte mich mit der Tatsache, dass ich die beiden Saxophone, die den Refrain zwar gemeinsam, jedoch nebeneinander stehend, spielen, noch nie so deutlich als zwei Instrumente hatte identifizieren können wie mit dem RG9.

    Der Schmerz des Abschieds

    Ich bin mir nicht sicher, ob Sie sich an Momente aus Ihrer Jugend erinnern, in denen die Party bei Ihnen zu Hause zu Ende war, und während Sie noch Ihren Gästen beim Verlassen des Hauses zusahen, dämmerte es Ihnen allmählich, dass Ihr Haus oder Ihre Wohnung wieder leer sein würde und Sie mit den emotionalen und physischen Nachwirkungen des Events allein gelassen würden? In solchen Momenten wird einem plötzlich schmerzlich bewusst, dass die Rückkehr zum gewohnten Leben einige Zeit und Mühe erfordern würde. Der Kopf schwirrt noch von den vielen neuen Eindrücken, und ich muss an die Worte meines HiFi-Kammeraden Luigi denken: "Wenn du es einmal gehört hast, bekommst Du es nicht mehr aus dem Kopf.”

    Und tatsächlich, als ich zu unserer Rotel & Becker-Kombination zurückkehrte, war ein Großteil der tonalen Breite und Fülle, die ich inzwischen als normal akzeptiert hatte, wieder verschwunden. Der Klang wurde heller und schärfer und zeigte leicht komprimierte Mitten. Was mich überhaupt nicht gestört hatte und mir zunächst nur als Upgrade erschien, war für mich inzwischen zu einer wesentlichen Eigenschaft der Musik geworden. Meinem Eindruck nach ist über die Wichtigkeit der tonalen Breite in der Musik noch nicht genug gesagt worden. Während sich der Großteil der HiFi-Diskussion immer noch um Dynamik, Bassleistung oder hochauflösende Dateien usw. dreht, ist das eine Element, das unsere Emotionen anspricht und die Macht hat, uns in unsere Erinnerung zurück zu führen, die richtige Tonalität. Und nach meiner bisher noch kurzen Erfahrung versteht es Rolf Gemein hervorragend, diese Karte zu spielen.

    Technische Daten

    • Typ:  Integrierter Halbleiter-Stereo-Verstärker
    • Transformator: 430 VA, Ringkerntransformator mit Mumetall-Gehäuse
    • Ausgangsleistung (RMS, 8 Ohm):  2x 140 Watt,
    • Ausgangsleistung (RMS, 4 Ohm):  2x 250 Watt
    • Hohe Stromstabilität:  > 2 Ohm
    • Phono-Sektion:  MM/MC mit anpassbarer Kapazität
    • Anzahl der Line-Eingänge:  3 + Tape-Schleife
    • Land der Herstellung:  Deutschland
    • Abmessungen: (B) 450mm x (H) 100mm x (T) 380mm
    • Gewicht: 18kg
    • Jahr(e): 1994 - 1998

Receiver

Receiver

Receiver sind diese seltsamen und hybriden Wesen, die die Eigenschaften und Funktionen eines Tuners, eines Vorverstärkers und eines Endverstärkers in einem einzigen Gehäuse vereinen, ein Versuch, der oft zu großen Kompromissen in allen Kategorien mit verheerenden Auswirkungen auf die Klangqualität geführt hat. Zwar bieten Receiver im Allgemeinen ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und viel Komfort, aber die Aspekte der Verhältnismäßigkeit einer Ausgabe und der Bedienkomfort wurden nie wirklich als musikalische Tugenden definiert.

Während getrennte Geräte sowohl dem Techniker als auch dem Besitzer mehr Freiheiten lassen, sind kompakte Geräte nicht unbedingt ohne Vorzüge. Zum einen hat der Entwickler theoretisch die ultimative Kontrolle über alle internen Verbindungen. Dies ist ein Vorteil gegenüber dem Konstrukteur von separaten Geräten, der nicht sicher sein kann, wie die anderen Komponenten der Kette aussehen werden. Gut konzipierte Receiver sind daher auch nicht viel billiger als ihre separaten Vettern, aber sie sehen nicht annähernd so beeindruckend aus. Vielleicht erklärt dies, warum es nicht allzu viele bemerkenswerte Receiver gibt.

  • HK 730 Twin Powered

    HK 730 Twin Powered

    23.5.2020

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Receivers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Es heißt, dass Sidney Harman und Bernard Kardon in den höheren Etagen des Telegrafen- und Kommunikationsspezialisten David Bogen & Co. zusammenarbeiteten, bevor sie beide kündigten und 1953 in Stamford, Connecticut, Harman/Kardon gründeten. Von Anfang an konzentrierte sich das Unternehmen auf die Entwicklung von integrierten Empfängern, die den Begriff "High Fidelity" verdienen würden. Der erste Harman/Kardon Receiver, namens Festival D1000, war gleichsam einer der ersten kompakten AM/FM-Receiver der Welt und wies bereits Merkmale auf, die später zu den Markenzeichen von Harman/Kardon werden sollten, wie z. B. ein verkupfertes Gehäuse und unbegrenzte Frequenzwiedergabe. Obwohl Bernard Kardon bald darauf in den Ruhestand ging, verkaufte er 1953 seine Anteile an der Firma an seinen Partner Sidney Harman, der das Unternehmen in Harman International umbenannte. Vielleicht aus Respekt vor seinem pensionierten Kollegen, vielleicht aber auch, weil er einen Markennamen, an den sich die Kunden gerade erste gewöhnt hatten, nicht noch einmal ändern wollte, trägt das Unternehmen bis heute den Doppelnamen Harman / Kardon auf allen seinen Receivern, Tunern und Verstärkern.

    Die Strategie des Unternehmens, ein Produkt von höchster Qualität in jedem Preissegment zu bauen, bedeutete zeitweise, dass man zugunsten dieser Mission und der Möglichkeit, dafür höherwertige Komponenten einsetzen zu können, auf "Nice-to-have"-Funktionen verzichtete, was einige Kunden im Ladengeschäft verprellt haben mag. Andererseits hat gerade diese Konzentration auf das Wesentliche dazu beigetragen, dass sich das Unternehmen eine starke Fangemeinde aufgebaut hat, die es über die Jahre hinweg am Leben erhielt, wohingegen viele andere versagten. Der kultige HK 330 Empfänger wurde 1968 der Öffentlichkeit vorgestellt. Er steht als Beispiel für die Harman-Philosophie und wurde sehr gut aufgenommen. Der hier gezeigte HK 730 war das leistungsstärkste Modell derselben Produktreihe und wurde von 1975 bis 1978 gebaut. Seine soliden 50 Watt pro Kanal an 8 Ohm mögen nach heutigen Maßstäben relativ unscheinbar wirken, aber man muss bedenken, dass dieses Gerät noch vor den Receiver-Kriegen gebaut wurde, also bevor hohe Wattzahlen als intrinsischer Vorteil angesehen wurden. Stattdessen wurde das Gerät nach rein klanglichen Gesichtspunkten konstruiert, und die Komponenten wurden so ausgewählt, dass sie bei normaler Hörlautstärke musikalisch und mühelos funktionieren. Auf der Grundlage der verwendeten Komponenten wären ohne weiteres höhere Leistungswerte möglich gewesen, wenn man dies beabsichtigt hätte.

    Harman/Kardon war der Meinung, dass eine Begrenzung des Frequenzgangs außerhalb des menschlichen Gehörs auch die in den Frequenzen innerhalb des menschlichen Hörbereichs negativ beeinflussen würde. Daher liefert der HK 730 eine weitgehend lineare Leistung über ein breites Spektrum von 4 Hz bis 40.000 Hz. Wie bei allen Twin Powered Receivern von Harman verfügt das Gerät über eine Enstufensektion im doppel-mono Aufbau, wobei jede Seite über eine eigene Stromversorgung verfügt, sowie über eine dritte Stromversorgung für den Vorverstärker. Sowohl die Vor- als auch die Endstufe können separat verwendet werden, indem die Brücke auf der Rückseite des Geräts entfernt wird. Alle Frontelemente sind aus massivem Metall gefertigt und wurden mit hochwertigen Schaltern und Reglern versehen. Angesichts von Harmans Liebe zum Detail ist es ein wenig überraschend, dass die Höhen- und Bassregler nicht aus dem Signalweg entfernt werden können. Ein kleiner Fehler, der leicht zu verzeihen ist, wenn man das Gerät erst einmal in Aktion hört. Der Tuner und die Phonostufe sind wirklich ausgezeichnet. Das mit Kupfer beschichtete Gehäuse hilft, Interferenzen fernzuhalten, und die Komponenten sind sowohl gut ausgewählt als auch gut platziert.

    Das hier gezeigte Gerät musste nach dem Eintreffen bei uns aufgrund des Alters etwas nachgelötet werden. Besonders die Cinch/RCA-Anschlüsse auf der Rückseite können sich mit der Zeit lösen. Das originale US-Netzkabel wurde durch ein hochwertiges Lapp-Kabel ersetzt, und die Klemmen für die beiden Lautsprechersätze wurden der Einfachheit halber durch Bananenbuchsen ersetzt, um auch größere Durchmesser von Lautsprecherkabeln anschließen zu können. Die Klangwiedergabe ist lebensecht und natürlich, und die Lautsprecher lassen sich gut kontrollieren. Seine Qualität, Ausstattung und Leistung machen den HK 730 zu einem der besten klassischen Receiver, die je gebaut wurden.

    Technische Daten

    • Typ: AM/FM-Empfänger aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg
    • Abstimmbereich: FM, MW
    • Ausgangsleistung: 50 Watt pro Kanal an 8Ω (Stereo)
    • Frequenzgang: 4 Hz bis 130 kHz
    • Harmonische Gesamtverzerrung: 0.1%
    • Dämpfungsfaktor: 30
    • 2x Phono-Eingänge: 2,5 mV, 47 kOhms
    • Hilfs- und Bandeingänge: 150 mV, 30 kOhm
    • Eingangsempfindlichkeit: 2,5 mV (MM), 150 mV (Line)
    • Signal-Rauschabstand: 72dB (MM), 77dB (Line)
    • Abmessungen: (B) 432 mm x (T) 368 mm x (H) 140 mm
    • Gewicht: 13,7 kg

  • Kenwood KR-9400

    Kenwood KR-9400

    7.7.2022

    Autor: Karsten Hein

    Kategorie: Gear & Review

    Tag(s): Receivers

    Frei aus dem Englischen übersetzt. Hier geht’s zum Original .

    Der Kenwood KR-9400 war der dritte Receiver, der in diesem Blog vorgestellt wurde. Er wurde mir von meinem Leidensgenossen Luigi zum Testen zur Verfügung gestellt, der ihn zuvor von einem Sammler in Berlin erworben hatte. Zum Zeitpunkt der Übergabe an mich war der Kenwood bereits vollständig gewartet und, wo nötig, technisch restauriert worden. Durch ein unerklärliches Ereignis hatte dieser Empfänger jedoch seine originalen Holzseiten verloren. Die Holzapplikationen hätten nicht nur schöner ausgesehen und möglicherweise verhindert, dass Kinder ins Geräteinnere greifen konnten, sondern hätten auch dazu gedient, einen Teil der mechanischen Vibrationen, z.B. des übergroßen Transformators, zu absorbieren. Die Flanken des Geräts aus amerikanischem Nussbaumholz wiederherzustellen, schien zunächst eine verlockende Idee zu sein, aber ich stellte bald fest, dass es aufgrund der schieren Größe der beiden Flächen professioneller Unterstützung bedurfte. Schließlich war der Kenwood KR-9400 ein sehr großer Receiver, eine Tatsache, die teilweise verborgen blieb, weil die Gesamtproportionen recht natürlich erschienen.

    Bei einem ersten Blick unter die Haube konnte ich sehen, dass man sich bei der Konstruktion des Netzteils einige Mühe gegeben hatte. Während Harman Kardon den Weg der separaten Netzteile (eines für jeden Kanal ihrer HK 630 und 730 Receiver) gewählt hatte, mussten sowohl der Pioneer SX 850 als auch der Kenwood KR-9400 ihre Energie aus einem einzigen Netzteil beziehen. Beim Kenwood waren der Transformator und die Filterkondensatoren von beeindruckender Größe, um einen mühelosen Musikfluss zu ermöglichen, selbst in Kombination mit anspruchsvolleren Lautsprechern. Und wie es sich für einen Leistungsverstärker gehört, wurden die beiden Verstärkerplatinen aufrecht, direkt links und rechts neben dem großen Netzteil platziert. Zwei überdimensionierte Kühlkörper hielten die vier bipolaren NEC 2SD287-Transistoren pro Kanal in allen Betriebszuständen kühl. Die Transistoren des Typs NEC 2SD287 galten als gewöhnliche Leistungstransistoren, die eine lange Leistung und Wartungsfreundlichkeit gewährleisten sollten.

    Ähnlich wie bei Hafler-Verstärkern wurden beim KR-9400 keine Koppelkondensatoren verwendet, die verhindern würden, dass Gleichstrom die Endstufe erreicht. Diese Art von Konzept könnte möglicherweise Lautsprecher zerstören, aber audiophile Hörer neigten dazu, direkt gekoppelte Verstärker als unmittelbarer und aufschlussreicher klingend zu beschreiben, was möglicherweise darauf zurückzuführen war, dass ein Bauteil weniger im Signalweg vorhanden war. In Anbetracht der Zeit, in der dieser Kenwood-Receiver hergestellt wurde, hatte er einen relativ geringen Klirrfaktor von weniger als 0,1 %. Seine Ausgangsleistung war in seiner Klasse führend und bis zum Jahr 1974 in der Welt der Receiver konkurrenzlos. Manchmal wird sogar behauptet, dass seine schiere Leistung die Receiver Wars ausgelöste. Immerhin machten 120 Watt RMS pro Kanal an einer 8-Ohm-Last und 150 WPC an 4 Ohm diesen Receiver zu einem wirklich vielseitigen Begleiter für die meisten verfügbaren Lautsprecher und zusätzlich noch zu einem Konkurrenten für separate Vor- und Endstufen-Kombis.

    Der KR-9400 war der leistungsstärkste Receiver der 400er-Serie von Kenwood. Ausgehend vom hübschen KR-1400, Kenwoods leistungs-schwächstem Receiver mit 10 WPC an 8 Ohm, zählte die Firma die ersten Ziffern ihrer Receiver-Namen hoch, um das hier vorgestellte Modell zu erreichen. Ich habe im Internet Hinweise auf alle Receiver-Modelle von eins bis neun gefunden, mit Ausnahme des KR-8400, der anscheinend nur in kleinen Stückzahlen an Kunden in Nordamerika verkauft wurde und inzwischen sehr selten geworden war. Das Nummernschema bezog sich jedoch nicht nur auf die Verstärkerleistung. Höhere Nummern standen auch für mehr Anschlussmöglichkeiten und eine Vielzahl nützlicher Funktionen. Das mag den audiophilen Hörer von heute überraschen, der es gewohnt ist, in den höheren Preisklassen nur das Nötigste zu bekommen. Die moderne Theorie besagt, dass Musikalität und Reinheit geopfert werden, wenn mehr als ein Netzschalter und ein Lautstärkeregler an Bord sind. Aber nachdem ich mir den Kenwood KR-9400 ausgiebig angehört hatte, kamen mir Zweifel an der Gültigkeit solcher allgemeinen Behauptungen.

    Ich stellte den KR-9400 in unserem Hörraum im Obergeschoss auf, wo er mit einem Duo, bestehend aus einem Restek V1 Vorverstärker und einem Dynavox VR-70 Röhrenverstärker, konkurrieren sollte. Bei den Lautsprechern handelte es sich nach wie vor um unsere formidablen Epicure EPI 500 mit einem Widerstand von 4 Ohm, die zwischen 1973 und 1981 gebaut wurden. Es war nicht unwahrscheinlich, dass sich die Wege dieser beiden Legenden schon einmal zuvor in einem Higher-Fi-Haushalt gekreuzt hatten. Mir gefiel der Gedanke, diese Begegnung noch einmal zu ermöglichen. In unserer sommerlich aufgeheizten Wohnung im Obergeschoss neigten die meisten Verstärker zur Überhitzung. - Nicht so der KR-9400. Selbst nach stundenlangem Betrieb bei höherer oder niedrigerer Lautstärke stieg die Oberflächentemperatur des Geräts nie über 40 Grad. Das war gar nicht so schlecht, vor allem für ein Kombigerät, das eine Menge sauberer Leistung zu bieten hatte. Wärme kann bei MOSFET- und Röhrenverstärkern ein Problem sein, und der KR-9400 war weder noch.

    Die offensichtlichste Stärke des Kenwood war seine Fähigkeit, natürliche Bässe zu erzeugen, und nicht den intellektuellen Bass, den wir alle als linear, wahrheitsgetreu usw. zu akzeptieren gelernt hatten. Nein, es war eher die Art von Bass, die bei allen natürlichen Ereignissen vorhanden ist, die aber von Mikrofonen und Studios nicht gut eingefangen werden konnte. Und das soll nicht heißen, dass der Bass des KR-9400 in irgendeiner Weise zu viel, übermächtig, unpräzise oder erdrückend war. Eine Tatsache, die ich kaum glauben konnte, da man mir beigebracht hatte, der erdrückenden Präsenz von Bass zu misstrauen. Angeblich war er dann nicht "linear" oder für audiophiles Hören ungeeignet. Und wenn ich diese Zeilen in dem Artikel eines anderen Bloggers lesen würde, könnte ich immer noch meine Zweifel haben. Aber beim KR-9400 war Bass eine Bereicherung und wirkte überhaupt nicht unecht oder nicht linear. Dieser Eindruck wurde durch ausreichende Staffelung und außergewöhnliche Geschwindigkeit begünstigt.

    Als ich den Kenwood zum ersten Mal Musik abspielen hörte, schrieb ich Luigi, dass ich d