In 'Explorations in Audio' möchte ich einige praktische Erkenntnisse über die Einrichtung und Optimierung eines erschwinglichen HiFi-Systems vermitteln. Obwohl man annehmen könnte, dass eigentlich schon alles über HiFi gesagt wurde, bleiben einige überraschend einfache Fragen offen, z. B.: "Ist digital besser als analog?" "Sind Kabel wichtig?" "Können digitale Kabel Störungen aufnehmen?" "Sollten Lautsprecher auf Spikes gestellt werden? Hat die Entwicklung im HiFi-Bereich ältere Geräte überflüssig gemacht?" "Wo sollte ich meinen Subwoofer aufstellen?" "Welche Raumkorrektur funktioniert am besten?" - Aber: "Sind das wirklich die richtigen Fragen?" - Nun, wir werden sehen.
Während die Einträge in diesem Blog in die drei oben genannten Kategorien unterteilt sind, finden Sie unten eine gemischte Auflistung der neuesten Beiträge. Der aktuellste Artikel wird zuerst angezeigt. Wenn Sie diesen Blog nicht zum ersten Mal besuchen, ist die Liste unten ein guter Ort, um schnell nachzusehen, ob es etwas Neues gibt.
Ihr Beitrag ist mehr als willkommen, solange Sie sich an die audiophile Grundregel "Ohr vor Verstand" halten. Das bedeutet, dass Sie Ihre Kommentare nicht auf der Grundlage dessen abgeben, was Sie zu wissen glauben, sondern nur auf der Basis Ihrer eigenen Hörerfahrung. Sie können uns gerne Geräte zum Testen vorschlagen und Kommentare zu den Beschreibungen hinterlassen, die Sie hier finden.

Veröffentlicht: 12.10.2026
Herstellungsdatum: 2008
Autor: Karsten Hein
Kategorie: Gear & Review
Tag(s): Loudspeakers
Polk Audio wurde 1972 in Baltimore mit der Mission gegründet, hochwertige Lautsprecher zu erschwinglichen Preisen zu entwickeln. Unter der Leitung der drei Johns-Hopkins-Absolventen Matthew Polk, Sandy Gross und George Klopfer gelang dem Unternehmen 1974 mit den Lautsprechern der Monitor-7-Serie der erste kommerzielle Erfolg. In den folgenden Jahrzehnten brachte Polk Audio einige bemerkenswerte Produkte hervor, darunter die SDA-Serie aus dem Jahr 1984 und das Modell L800 aus dem Jahr 2018.





Veröffentlicht: 19.7.2026
Autor: Karsten Hein
Kategorie: Explorations
Tag(s): Active HiFi Systems
Der Hamburger IT-Experte Bidjan Tschaitschian nutzt die digitale FIR-Technologie auf Basis der von Andreas Heggendorn in der Schweiz entwickelten FIR-BoxX, um damit eine ultralineare und phasenrichtige Klangwiedergabe für jeden Lautsprechertreiber zu gewährleisten und das Verhalten der Treiber in den Übergangsfrequenzen zu optimieren. Die Abkürzung FIR steht für Finite Impulse Response, und die FIR-BoxX ist ein 8-Kanal-Verstärker, der Phasen-, Zeit-, Amplituden- und Raumkorrekturen zur Klangabstimmung ermöglicht und dadurch das Potenzial hat, High-End-Hörerlebnisse einer breiteren Hörerschaft zugänglich zu machen. — Klingt das kompliziert?
Fangen wir von vorne an. Schallwellen entstehen durch physikalische Schwingungen, die die umgebende Luft in Bewegung versetzen. Solche Schwingungen werden z. B. von unseren Stimmbändern erzeugt, wenn wir sprechen, singen oder rufen. Dabei wird Luft aus der Lunge durch die Stimmbänder gepresst, strömt durch den Stimmapparat und Rachen und tritt aus dem Mund aus. Der daraus entstehende Klang wird durch die einzigartige Physiognomie jedes Einzelnen bestimmt. Manche Menschen klingen laut, rau oder angeregt, während andere leise, ruhig, kraftlos oder schüchtern klingen.
In ähnlicher Weise erzeugen Musikinstrumente Schallwellen, die von schwingenden Plättchen, Saiten und Trommelfellen oder vom Metall von Triangeln oder Gongs ausgehen. Analog zur menschlichen Stimme werden diese Schwingungen durch die einzigartige Form, den Resonanzkörper und die Größe des jeweiligen Instruments geprägt. Auch die verwendeten Materialien spielen eine Rolle, da sie ihre eigenen Resonanzfrequenzen zum entstehenden Klang beitragen. Dadurch erhält jedes Instrument seinen eigenen unverwechselbaren Charakter und wird vom Musiker, der es spielt, mehr oder weniger hoch geschätzt.
Schallwellen verlassen den Resonanzkörper in einem spezifischen Muster und liefern den Zuhörenden Hinweise sowohl auf den tonalen Charakter des Instruments als auch der Person, auf Spiel- oder Sprechstil, sowie auf die Entfernung und Position im Verhältnis zum Zuhörer. Sind mehrere aktive Instrumente oder Personen beteiligt, vermögen es unsere Ohren, die Abstände zwischen ihnen zu bestimmen und eine imaginäre Karte der Szene oder Bühne zu erstellen. Die Phasenlage und zeitliche Kohärenz sind in diesem Zusammenhang besonders wichtig, da gerade sie es uns ermöglichen, den Standort akustisch zu bestimmen. Höhere Frequenzen sind in diesem Kontext aussagekräftiger und leichter herauszuhören als tiefe Frequenzen.
Jede Schwingung hat einen definierten Anfang, eine bestimmte Dauer und ein definiertes Ende. Mit Berücksichtigung der Zeitachse, entsteht durch Ein- und Ausschwingen ein vierdimensionales Energieereignis, das sich durch den Raum bewegt. Instrumentenbauer suchen nach angenehmen Obertönen und versuchen, unerwünschte Resonanzen aus dem Klang des Instruments zu eliminieren. Aber Menschen legen auch ganz allgemein Wert darauf, angenehm zu klingen, um sozial angenommen zu werden. Folglich wachsen wir in einer Welt auf, in der jeder Äußerung ein Zweck und eine Absicht zugrunde liegen und jeder Klang Kohärenz aufweist. Abweichungen davon sind überwiegend beabsichtigt und von Bedeutung. Zum Beispiel: Dissonanzen signalisieren oftmals Not. Und eine plötzliche Kompression von Frequenzen deutet darauf hin, dass sich die Schallquelle mit hoher Geschwindigkeit auf uns zubewegt.
Obwohl Instrumente von winzig und kompakt bis hin zu groß und sperrig reichen können, hat sich gezeigt, dass sich ihre akustische Leistung mit einer einzigen kleinen Mikrofonmembran originalgetreu aufnehmen lässt. Tatsächlich ist die Membran des Aufnahmegeräts wesentlich kleiner als das Instrument und besteht aus Materialien, die hinsichtlich ihrer eigenen Resonanz über das gesamte musikalische Spektrum hinweg weitgehend neutral bleiben. Die Aufgabe des Mikrofons besteht darin, das akustische Ereignis einzufangen, ohne zu viele eigene Eigenschaften einzubringen. Wird ein solch lineares Mikrofon gefunden, sind damit hochwertige Aufnahmen über ein breites Frequenzspektrum hinweg möglich. Die Phasen-Zeit-Beziehungen der Instrumente werden jeweils von einer einzigen Membran erfasst und bleiben dabei intakt, so wie Frequenzen auch auf das menschliche Ohr treffen.
Während eine kleine Mikrofonmembran ausreicht, um die Schwingungen großer Instrumente und lebensgroßer SängerInnen zu erfassen, müssen die Wiedergabegeräte im Studio oder Wohnzimmer wiederum groß und kräftig ausgelegt sein, um einen authentischen Eindruck des originalen Geschehens wiederzugeben. Die Luft muss auf dieselbe Weise angeregt werden, wie dies am Tag der Aufnahme der Fall war, auch, wenn nun die ursprünglichen Instrumente und Sänger nicht mehr anwesend sind. Das heißt: Es sind keine Metalle, Hölzer, Saiten oder Trommeln im Raum. Hier genau liegt die große Herausforderung im Lautsprecherbau.
Hohe Frequenzen erfordern dabei eine steife, ultraleichte Membran, um spontan eine schnelle Beschleunigung zu ermöglichen. Mitteltöne müssen tonal richtig wiedergegeben werden, da der Mensch äußerst empfindlich auf Klangveränderungen im Frequenzspektrum der menschlichen Stimme reagiert; und Bassfrequenzen müssen kraftvoll und zugleich vielschichtig und nuanciert sein. Während die verschiedenen Schallwandler all dies leisten sollen, dürfen sie keine eigenen Resonanzfrequenzen beisteuern. Der traditionelle Designansatz besteht deshalb darin, mit zwei oder drei spezialisierten Lautsprechertreibern zu arbeiten, von denen jeder perfekt auf einen engen Frequenzbereich ausgelegt ist.
Die Wiedergabe des Klangs über separate Treiber bringt natürlich einige Herausforderungen mit sich. Denn das Material, die bewegte Masse und das akustische Zentrum sind von Treiber zu Treiber unterschiedlich. Jeder Treiber weist spezifische Eigenschaften hinsichtlich Beschleunigung und Verzögerung auf. Aber auch die Materialresonanzen, der elektrische und physikalische Widerstand, der Wirkungsgrad und die Membranauslenkung sind nicht identisch. Deshalb bleibt das resultierende Klangbild unmöglich vollständig erhalten, egal wie gut die Weiche konzipiert wurde. Phasen- und Zeitverschiebungen treten auch bei Instrumenten und im Studio auf, doch anders als im Studio erhalten die bei der Wiedergabe entstehenden Phasenfehler keine nützlichen oder natürlichen Informationen für das menschliche Ohr und beeinträchtigen somit deutlich die Integrität des Gesamterlebnisses.
Hersteller gehen mit diesem Thema auf unterschiedliche Weise um: Die Dahlquist DQ10-Lautsprecher von Saul Marantz z.B. sind ein sorgfältig aufeinander abgestimmtes 5-Wege-Phasenarray. Bei seinem berühmten Erstlingswerk brachte Marantz die akustischen Zentren aller fünf Treiber auf eine Ebene, um die zeitliche Verschiebung zwischen ihnen auf ein Minimum zu reduzieren. Sein Entwurf gelang so gut, dass die DQ10 bis heute als außergewöhnlich musikalische Lautsprecher gelten. Marantz’ Idee ging auf einen früheren Entwurf der englischen Firma Quad zurück, die einen Lautsprecher mit ähnlichen Abmessungen wie den Dahlquist entwickelt hatte, der allerdings auf einer einzigen Membran basierte. Die Quad ESL 57 ist berühmt für ihre phasengerechte Musikwiedergabe, die die meisten Lautsprecher ihrer Zeit übertraf. Saul Marantz wollte den phasenrichtigen Klang eines elektrostatischen Lautsprechers mit der dynamischen Lautstärke eines dynamischen Systems vereinen.
Die Martin-Logan-SL3-Lautsprecher streben ein ähnliches Ergebnis an, indem sie eine elektrostatische „Mylar“-Membran für Höhen und Mitten verwenden und diese mit einem dynamischen Tieftöner kombinieren, um eine natürliche Basswucht und Dynamik zu erzielen. Wollte man mit elektrostatischen Lautsprechern das gesamte Frequenzspektrum einschließlich des Bassbereichs abdecken, müssten diese sehr groß sein. Zur Wahrung der Homogenität kommt der dynamische Tieftöner der SL-3 erst bei sehr tiefen Frequenzen zum Einsatz, bei denen das menschliche Ohr nicht mehr so empfindlich ist, was die Konfiguration mit zwei Treibern angenehmer macht. Elektrostatische Lautsprecher sind jedoch von Natur aus bipolar und erfordern deshalb eine sorgfältige Aufstellung. Darüber hinaus benötigen sie viel Platz zur Wand sowie ausreichend Erfahrung bei der Einrichtung von HiFi Systemen, um ihre Stärken ausspielen zu können.
Magnetostatische Lautsprecher, wie beispielsweise von Magnepan und anderen Herstellern vorgestellt, bieten ähnliche Vorteile und lassen sich einfacher aufstellen. Sie eignen sich zudem besser für kleinere Räume. Alle genannten Konstruktionen stellen einzigartige Ansätze zur Lösung der Phasen- und Laufzeitprobleme durch Ein-Treiber-Konzepte dar. Wirklich gelungene Designs sind jedoch nach wie vor selten in den Wohnzimmern der Menschen vertreten, da sie zudem eine hervorragende Musikquelle, eine durchdachte Verkabelung, leistungsstarke Verstärker sowie akustisch optimierte Räume erfordern. Wer hat das schon?
Meiner Erfahrung nach sind weitaus weniger Menschen bereit, Geld, Zeit und Energie zu investieren, um sich mit der Einrichtung eines High-End-Systems in einem fachgerecht akustisch behandelten Raum zu widmen, als dass sich Menschen für das Hörerlebnis selbst interessieren. Und tatsächlich kann bei der Einrichtung eines HiFi-Systems so viel schiefgehen, dass ich diesem Thema über die vergangenen Jahre rund 30 Kapitel gewidmet habe, die in „High Fidelity“ dieses Blogs nachzulesen sind. Sicherlich kann es nicht schaden, über fundiertes Wissen zu verfügen und somit die Grundlagen für HiFi- oder High-End-Systeme zu schaffen, doch bietet die FIR-Technologie nun völlig neue Möglichkeiten. Sie verspricht einen ähnlichen Effekt bei deutlich geringeren Kosten und weniger Aufwand zu erzielen, für all diejenigen, die den Genuss eines High-End-Systems ohne den großen Aufwand genießen möchten.
Bevor Sie sich auf Ihr FIR-Abenteuer begeben, ist es wichtig zu verstehen, dass jeder der Verstärker im Inneren der FIR BoxX direkt mit einem der Treiber im Lautsprecher verbunden werden muss. In der Regel bedeutet dies, dass die vorhandene Frequenzweiche des Lautsprechers entfernt oder umgangen wird und an der Rückseite des Lautsprechers ein neuer Mehrkanal-Anschluss installiert wird. Speakon-Anschlüsse – ursprünglich von Neutrik für professionelle Audioanwendungen entwickelt – erweisen sich in diesem Zusammenhang als nützlich, da ihre 8-polige Ausführung vier Endstufenkanäle über einen einzigen Stecker anschließen kann.
Dank der acht Endstufen in ihrem Inneren kann eine FIR BoxX zwei Lautsprecher mit jeweils 4-Treibern (oder Wegen) versorgen. Das eher ungewöhnliche 5-Wege-Design der Dahlquist DQ10 würde bedeuten, dass zwei FIR BoxX-Verstärker erforderlich sind (aktuell noch nicht ideal umsetzbar, wegen der nötigen Synchronisierung der Clocks), während bei einem 3-Wege-Lautsprecher zwei Kanäle für den Anschluss von einem Subwoofer-Paar frei blieben, sofern dies als Erweiterung gewünscht ist. Jede FIR BoxX liefert bis zu 30 Watt RMS pro Kanal in Class-D-Verstärkung, und auch wenn dies zunächst nicht nach viel Leistung klingt, lässt sich die effektive Ausgangsleistung nicht allein anhand dieser Zahl mit den Leistungswerten einer klassischen Endstufe vergleichen. Und zwar aus gutem Grund:
Die klassische Endstufe leitet alle Frequenzen bis hin zum Lautsprecher, wo dann die passiven Komponenten der Frequenzweiche das Signal mithilfe von Kondensatoren, Spulen und Widerständen regulieren und aufteilen. Das bedeutet, dass am Verstärker eine relativ komplexe Last anliegt und die passiven Komponenten die Ausgangsleistung schmälern. Bei der FIR BoxX hingegen wird das Signal bereits vor der Verstärkung aufgetrennt, sodass jede Endstufe nur die Signale verarbeiten muss, die für den einen Treiber bestimmt sind, an dem sie direkt angeschlossen ist. Natürlich könnten bei meinen 2-Wege-Lautsprechern von Martin Logan angesichts der komplexen Last eines elektrostatischen Panels die 30 Watt dennoch unzureichend sein. Andererseits arbeiten elektrostatische Lautsprecher ohnehin phasenkohärent und stehen deshalb auch nicht im primären Fokus der FIR-Technologie.
Der Vorteil der FIR-Technologie kommt vollständig bei Lautsprechern mit mehreren dynamischen Treibern zur Geltung. Während der Einrichtung, die nach aktuellem Stand noch von einer auf diesem Gebiet erfahrenen Person durchgeführt werden muss, wie beispielsweise dem in Hamburg ansässigen FIR-Entwickler Bidjan Tschaitschian, wird das Verhalten jedes Treibers gemessen, für sich allein linearisiert und anschließend mit den anderen Treibern homogenisiert. Die Anweisungen könnten z.B. lauten: „Leite Frequenzen über 800 Hertz an den Mitteltöner.“ „Reduziere eine bestimmte Resonanz um 4 dB.“ „Verzögere den Hochtöner um 0,17 ms.“ „Ändere die Phasenbeziehung zwischen den Treibern.“ „Kompensiere die Resonanzen des Treibergehäuses.“ Oder: „Wende eine bestimmte Abstimmungskurve an.“ – Auf diese Weise ist die FIR BoxX in der Lage, die akustischen Zentren der Treiber aufeinander abzustimmen und elektrische sowie mechanische Ungenauigkeiten im ursprünglichen Treiber- und Lautsprecherdesign auszugleichen.
Wie ich miterleben konnte, gibt es während diesen ersten Messungen häufige Überraschungen. So kommt es beispielsweise nicht selten vor, dass bei der ursprünglichen Lautsprechermontage die Polarität eines der Treiber vertauscht wurde. Nachdem alle Treiber einzeln und als Ensemble vermessen und justiert wurden, wird noch eine Messung der kompletten Anlage durchgeführt, bei der die Lautsprecher auf die spezifischen Eigenschaften des Hörraums abgestimmt werden, so wie diese von der Hörposition aus wahrgenommen werden. Ich war Zeuge einer solchen Einrichtung im Hörraum meines audiophilen Weggefährten Henrik. Sein Raum war bereits akustisch optimiert worden; wir hatten die Lautsprecher entsprechend dem spezifischen Resonanzprofil des Raums aufgestellt und zuvor die Abkopplung seiner Lautsprecher vom Boden optimiert. Angesichts dieser Vorbereitungen klang bereits der passive Aufbau hervorragend.
Henriks Dieter-Achenbach-Trinity-Lautsprecher verfügen über Chassis von sehr hohem Wirkungsgrad und hoher Materialqualität. Die original verbaute Frequenzweiche verwendete hochwertige Bauteile und war gut auf die Chassis abgestimmt. Als ich Bidjan Tschaitschian während der Treiber-Einmessung und FIR-BoxX-Einrichtung über die Schulter blickte, konnte ich die Resonanzen und Frequenzspitzen der Treiber sowie deren abfallende Ausgangskurven erkennen. Bidjan passte die Kennlinie des Verstärkers sorgfältig an, um dessen Ausgangssignal an den Treiber anzugleichen und diesen auf eine lineare Kennlinie zu bringen – ein Vorgang, den er sehr gewissenhaft zunächst für jeden einzelnen Treiber und anschließend für die Treiber in Kombination durchführte. Ich machte einige Fotos von diesem Vorgang und musste noch vor Abschluss der Einrichtung abreisen; erst einige Tage später, als bereits alles an seinem Platz stand, kehrte ich für meine Hörproben zurück.
Die FIR BoxX kann eingehende Audiosignale sowohl von analogen als auch von digitalen Quellen verarbeiten. Sie bietet jedoch keine RIAA-Korrektur für Phono-Anwendungen. Insgesamt stehen vier Audioeingänge zur Verfügung: Zwei Stereo-Line-Eingänge und zwei optische Eingänge. (Zutreffend für die getestete FIR-BoxX DIY. Manch ältere Geräte verfügen nur über einen Eingang jeder Sorte.) Henriks analoges Frontend bestand aus einem massiven Transrotor Zet3-Plattenspieler mit MC Tonabnehmer, der über einen Phasemation t550-Stepup-Transformator angeschlossen war. Die RIAA-Korrektur erfolgte über einen Symphonic Line „Die Erleuchtung“-Vorverstärker. Von dort aus konnte das Signal entweder zur digitalen Verarbeitung an die FIR-BoxX weitergeleitet werden oder den klassischen analogen Weg zu einer Musical Fidelity M6 PRX-Endstufe nehmen. Henrik hatte die originalen Frequenzweichen der Achenbach unverändert belassen und diese lediglich zur Aktivierung der FIR-Funktion umgangen. Auf diese Weise waren weiterhin A/B-Vergleiche zwischen beiden Technologien möglich.
Henriks digitales Frontend bestand aus einem preisgünstigen FIIO SR11 Digitaltransport, der seine Daten über den optischen Eingang direkt in die FIR-BoxX einspeiste. Zu diesem Zeitpunkt verfügte Henrik gerade über kein digitales Frontend für den analogen Verstärker. Aus diesem Grund konnten wir zunächst ausschließlich den direkten A/B-Vergleich zwischen der Verarbeitung des Analogsignals vom Transrotor anstellen, welches entweder an die analoge Musical Fidelity M6 PRX-Endstufe oder über den analogen Eingang der FIR-BoxX an deren internen DAC weitergeleitet wurde. Der nächste Schritt wird folglich darin bestehen, Henriks digitales Frontend um einen CD-Player, einen Streamer und einen DAC zu erweitern, wodurch dann auch Vergleiche aus mehreren digitalen Quellen möglich werden. Dies muss jedoch bis zum nächsten Artikel warten.
Aufgrund unserer Hörerfahrungen mit der FIR-BoxX bei der Wiedergabe von Musik aus analogen und digitalen Quellen kann ich sagen, dass sie als elektronisches Gerät nicht die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sondern vielmehr die Bühne freigibt, damit sich die Musik frei entfalten kann. Genau das ist es, was alle großartigen High-End-Systeme leisten sollten, doch die FIR-BoxX hat den zusätzlichen Vorteil, dass sie nicht so sehr von perfekten Lautsprechern und Umgebungsbedingungen abhängig ist. Im Bedarfsfall kann sie Unvollkommenheiten entgegenwirken. Henriks Achenbach-Trinity-Lautsprecher spielen auch aufgrund ihres hohen Wirkungsgrads äußerst dynamisch, erfordern jedoch wegen ihrer großen Treiber eine hohe Kontrolle durch den Verstärker. Die FIR-BoxX stellte sich dieser Herausforderung mit Bravour und zeigte keinerlei hörbare Schwächen hinsichtlich der Basswiedergabe. Tatsächlich bewahrte sie die musikalische Integrität jeder Aufnahme so gut, dass Diskussionen über einzelne Aspekte etwas fehl am Platz erscheinen.
Die Musikwiedergabe ist mit der meiner elektrostatischen Lautsprecher durchaus vergleichbar und klingt auf den Achenbach Trinity aufgrund ihrer Richtcharakteristik deutlich solider und PA-ähnlicher. Während die Martin Logan SL3 die Atmosphäre eines intimen Club-Events erzeugen, bei dem selbst den zartesten Klängen noch Beachtung geschenkt wird, erzählen die Trinity die Geschichte eines großen Bühnenereignisses mit mehr Schwung und Wucht. Beide Wiedergabestile haben durchaus ihren Reiz. Falls Sie meine Berichte über den inflationären Einsatz von DSPs auf Messen und deren negative Auswirkungen auf die Musik gelesen haben, kann ich Ihnen versichern, dass die FIR-Box ein völlig anderes Kaliber ist. Nichts an ihrer Musikwiedergabe wirkt farblos, abgestanden oder gar gekünstelt. In puncto Agilität, Tonalität und Klangbild kann sie sehr gut mit anderen High-End-Anlagen mithalten. Jeder Klang erhält seinen Raum und seine Dimension, und auch der Bass klingt so natürlich, wie er dies sollte.
Müsste ich einen Engpass benennen, wäre es vermutlich der interne Analog-Digital-Wandler der FIR-BoxX, und zwar deshalb, weil der Wechsel vom Transrotor als Quelle zum digitalen Transport FIIO SR11 eine deutliche Leistungssteigerung mit sich brachte. Einfach alles klang größer und auch überzeugender. Bei der analogen Quelle klang die FIR-BoxX tatsächlich noch etwas dünner und zurückhaltender als der passive Weg unter Verwendung der Musical-Fidelity-M6-PRX-Endstufe. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die FIR-BoxX massive Raumresonanzen bei 25 Hz und 50–60 Hz kompensierte, wobei der Musical-Fidelity-Verstärker diese einfach ignorierte; doch da dieselbe Korrektur auch beim Streamen der Musik über den FIIO SR11 wirksam war, konnte die Korrektur sicherlich nicht der einzige Grund sein. Um jedoch eine finale Aussage zur Güte der Analog-Digitalwandung zu treffen, die losgelöst von der spezifischen Testumgebung Bestand hat, sind weitere Tests notwendig.
Zu unserem Erstaunen gelang es der FIR-BoxX, die perfekte Kontrolle über die Lautsprecher auch bei sehr hohen Lautstärken aufrechtzuerhalten. Jede Endstufe behielt die perfekte Kontrolle über den Treiber, und sowohl das Timing als auch die Detailtreue waren durchweg sehr beeindruckend. Das Klanggeschehen steht fest im Raum, und obwohl der Sweet Spot dem des passiven, analogen Systems ähnelt, offenbart ein Gang durch den Raum einen gleichmäßigeren und klanglich ausgewogeneren Eindruck. Dies macht das Hörerlebnis angenehmer, wenn man das Musikerlebnis mit Freunden und Familie teilen möchte.
Bidjan Tschaitschian arbeitet derzeit an der Automatisierung des Einrichtungsvorgangs, um die Technologie auch für Privathaushalte leichter zugänglich zu machen. Das einzige verbleibende Hindernis ist die Notwendigkeit, die ursprüngliche Frequenzweiche der Lautsprecher zu umgehen. (Zumindest trifft dies auf konventionelle Lautsprecher zu, die mit FIR-Technik aktiviert werden sollen, siehe unten.) Andererseits macht die Fähigkeit der FIR-BoxX, alle Arten von Mängeln bei Treibern, Lautsprechergehäusen und Hörräumen weitgehend auszugleichen, ihren Einsatz äußerst attraktiv. Hobby-Lautsprecherbauer, Besitzer älterer und minderwertigerer Lautsprecher sowie HiFi-Enthusiasten mit nicht idealen Hörräumen – sie alle werden von der FIR-BoxX profitieren und begeistert sein.
Ich freue mich darauf, noch mehr darüber zu erfahren.
Anmerkung: Zum Entstehungszeitpunkt dieses Artikels führt Daniel Gattig von "Lautsprechershop" ein Projekt zur Entwicklung von speziellen Lautsprechern für die Fähigkeiten der FIR-BoxX durch. Markus Grelka von Rose Handwerk bietet bereits FIR-fähige Lautsprecher für das größere Verstärker-Modell, die MUSICWONDER ONE mit einer Nennleistung von 100 WPC, an.
< Martin Logan SL3 | Die Erleuchtung >







Veröffentlicht: 21.6.2026
Herstellungsdatum: 1970
Autor: Karsten Hein
Kategorie: Gear & Review
Tag(s): Loudspeakers
Laut, ausdrucksstark und wuchtig – so würde ich meinen ersten Eindruck von den Braun L810-Lautsprechern beschreiben. Hergestellt in den Frankfurter Braun-Werken während des wirtschaftlichen Aufschwungs der Nachkriegszeit, ist an den L810 aber auch gar nichts „komfortabel“. Und wenn Sie ebenfalls dachten, diese Lautsprecher wären bloß eine größere Version der L480, dann muss ich Sie enttäuschen.
Seit ich vor ein paar Monaten die Tauglichkeit der Braun L480-I als Nahfeldmonitore für die Nutzung im Aufnahmestudio entdeckte, hat dies mein Interesse an klassischen Braun-Lautsprechern entfacht. Letztlich ist die originalgetreue Wiedergabe von Klangfarben zu meinem Maßstab bei der Beurteilung von Lautsprechern geworden. Anstatt Höhen und Bässe einzeln zu bewerten, interessiert mich weitaus mehr, ob der resultierende Gesamteindruck lediglich die Eigenschaften eines technischen Systems aufweist oder es vermag, den Charakter und das Gefühl einer echten musikalischen Darbietung abzubilden.
Viele Lautsprecher schaffen es zwar, einzelne Aspekte wie Bassdruck und Kontur, transparente Stimmen und klare Höhen wiederzugeben, doch wenn es um den klanglichen Charakter, das Timing oder die Größe und Position der Instrumente geht, gelingt es ihnen nicht, die Essenz der ursprünglichen Darbietung abzubilden. Die Musikalität der L480-I hat mich dahingegen positiv überrascht. Und da sie hinsichtlich ihrer moderaten Größe und des geringen Hörabstands eher eingeschränkt waren, fragte ich mich unweigerlich, wie sich ihre größeren Geschwister wohl im Vergleich dazu schlagen würden.
In den 1970er Jahren bestand Brauns Lautsprecherserie aus der kleinen L410, zahlreichen mittelgroßen Modellen der 500er, 600er und 700er-Reihen und den Top-Modellen L810 und L810-I. Um herauszufinden, wie weit Braun unter der Leitung von Dieter Rams (siehe unten) sein vom Bauhaus inspiriertes, reduziertes Design mit den abgerundeten Kanten getrieben hatte, schien die L810 die naheliegende Wahl zu sein. Und während ich noch darüber nachdachte, ob ich mich für die kleineren L710 entscheiden oder doch die L810 wählen sollte, tauchte ganz in unserer Nähe ein perfekt erhaltenes Paar L810 zum Verkauf auf. Dieser Umstand half mir bei meiner Entscheidung, ebenso wie die Tatsache, dass mein audiophiler Freund Luigi mir kurz darauf ebenfalls schrieb, um mich über das Angebot zu informieren. Dank unseres gemeinsamen Interesses an Lautsprechern können wir Geräte miteinander teilen, tauschen oder gegen andere eintauschen.
Obwohl mein erster Kontakt mit dem Verkäufer vielversprechend klang und die Brauns auch prompt für mich auf "reserviert" gestellt wurden, musste unser Schriftwechsel mehrere Unterbrechungen hinnehmen, was letztendlich dazu führte, dass sich die Abholung um fast drei Wochen verzögerte. Es stellte sich heraus, dass die L810 Teil des Nachlasses eines Hamburger Arztes waren, der auch ihr erster Besitzer gewesen war und sie Anfang der 1970er Jahre erworben hatte. Abgesehen von zwei kleinen Kratzern auf der Rückseite eines der beiden Lautsprecher sahen die L810 so aus, als kämen sie gerade erst aus dem Braun-Werk in Frankfurt.
Typisch für die Zeit waren sie noch mit ihren originalen 0,75 mm²-Kabeln mit DIN-Steckern ausgestattet, was bedeutete, dass ich sie nicht einfach mit dem mitgebrachten Röhrenverstärker testen konnte. Ich beschloss, das Risiko dennoch einzugehen und sie ohne vorherige Prüfung zu erwerben. Allein aufgrund ihres makellosen Erscheinungsbildes schien es mir ein eher geringes Risiko zu sein. Meine Mutter, die mich zur Abholung nach Hamburg begleitet hatte, bewunderte auf der Rückfahrt nach Marne gemeinsam mit mir das zeitlose Braun-Design und die haltbare Bauweise der Lautsprecher.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber jedes Mal, wenn ich Vintage-Lautsprecher wieder zum Leben erwecke, bin ich völlig überwältigt, schon allein von der Tatsache, dass sie immer noch Musik abspielen können. Diese anfängliche Euphorie beruht vermutlich auch auf meinem eifrigen Bestreben, ihren Klangcharakter zu ergründen. Die Frage, die mich beschäftigt und begeistert, lautet: „Wie viel von dem, was ich höre, war eine bewusste Designentscheidung der Entwickler, und wie viel beruht auf Alterung oder meinem noch mäßigen Kenntnisstand?“ Geräte einer anderen Ära erwarteten möglicherweise eine andere Raumausstattung und die Menschen genossen andere Musik. Möglicherweise hatten sie auch andere Maßstäbe für guten Klang, d.h. andere Vorlieben.
Zudem altern Materialien im Laufe der Zeit. Die Bauteile der Frequenzweiche haben möglicherweise ihren Widerstand oder ihre Kapazität verändert, die Treiber könnten durch vertrocknetes Ferrofluid blockiert sein oder sich im Laufe der Zeit gesenkt haben. Materialien können weich, hart oder spröde geworden sein. Oftmals verstehe ich anfänglich noch nicht richtig, wie die Lautsprecher aufgestellt werden sollten, welche Art von Geräten und welche Positionierung sie erfordern. Daher werden sich anfängliche Schlussfolgerungen im Laufe der Zeit zwangsläufig als falsch erweisen.
Es ist diese Kombination aus Hoffnung und Ungewissheiten, die Vintage-Geräte so faszinierend für die Menschen macht. Alte Lautsprecher sind wie Fenster, durch die wir in die Vergangenheit blicken können. – Selbst wenn diese Fenster oft zunächst gründlich gereinigt oder rekonstruiert werden müssen.
Ich stellte die L810 zunächst an der vierten Hörposition in meinem Studio auf. Diese ist wahrlich kein idealer Standort für Lautsprecher, vielleicht, weil die Dachlinie sowohl hinter als auch vor den Lautsprechern ab einer Höhe von etwa einem Meter nach innen abfällt. Dies kann leicht zu einem unangenehmen, hornartigen Kompressionseffekt führen, der den mittleren Basspegel unnötig anhebt. Doch gerade an dieser Position fiel mir erstmals auf, dass der Bass der L810 ungewöhnlich dumpf und übermächtig klang. Dies war besonders der Fall, wenn die Lautsprecher mit unzureichendem Abstand zueinander aufgestellt waren. Zudem lösten die beiden großen Tieftöner erhebliche Bodenresonanzen im Hörraum aus. Hinzu kam, dass die kleinen 0,75 mm²-Lautsprecherkabel kaum für die Kontrolle des Schwingverhaltens der Tieftöner ausreichten.
Mein Plan war es deshalb, die fest verlegten Kabel durch Anschlussklemmen zu ersetzen. Ich entschied mich für Terminals von geringer Masse, die aus einem hohlen Metallstift in der Mitte mit aufschraubbaren Kunststoffkappen bestanden. Auch wenn dieser Typ optisch nicht besonders ansprechend ist, bietet er doch den Vorteil, die Kapazität gering zu halten, was insbesondere bei höheren Frequenzen von Vorteil sein kann. Anschließend lud ich einige Freunde ein, um die Lautsprecher mit mir anzuhören. Henrik wies darauf hin, dass bei Verwendung der bisherigen Ständer die Achse der Hochtöner und Mitteltöner mindestens 30 cm über Ohrhöhe lag, was zur allgemeinen Ungenauigkeit im Zeitverhalten beitrug. Dennoch waren sich alle einig, dass die Lautsprecher insgesamt vielversprechend klangen und mit ein paar weiteren Optimierungen phänomenal klingen würden.
Ich machte mich daran, zwei neue 40-cm-Ständer zu bauen, um die 70-cm-Ständer abzulösen. Die neuen Ständer sind über verstellbare Spikes mit dem Boden gekoppelt, und die Lautsprecher selbst stehen auf vier Filzkissen. Anschließend stellte ich die Braun L810 in Hörposition drei auf, wobei ich unter jeden Lautsprecherständer eine große Betonplatte (100 × 40 cm) legte, um Bodenresonanzen zu minimieren. Diese neuen Bedingungen verbesserten die Bühnenabbildung und die Klangfarbe erheblich. Die L810-Serie ist alles andere als „Plug-and-Play“. Sie erfordert einen großen Raum mit ausreichend Abstand zwischen den Lautsprechern und der Vorderwand (d. h. der Wand hinter den Lautsprechern). In meiner Konfiguration stehen die Lautsprecher 2,20 Meter voneinander entfernt (Mittelachse zu Mittelachse), wobei zwischen ihrer Front und der vorderen Wand des Hörraums ein Abstand von 1,70 Metern besteht.
In meinem ersten Testszenario hatte ich die L810 mit einer Hafler XL280-Endstufe und Belden 9497-Kabeln getestet, um einen eher präzisen und detailreichen Klang zu erzielen. Das Ergebnis war jedoch aufgrund der zuvor erwähnten Einschränkungen weit hinter meinen Erwartungen zurück geblieben. In meiner zweiten Konfiguration verwendete ich eine Dynavox VR-70E-Röhrenendstufe. Nach kurzer Zeit wechselte ich dort von den Belden-Lautsprecherkabeln zu einem neuen Satz maßgefertigter Kabel, die Matthias speziell für den Einsatz mit Röhrenverstärkern angefertigt hatte. Dadurch konnten die L810 noch mehr musikalische Details wiedergeben. Die Instrumente wurden räumlich greifbarer und die Ausklingzeiten kürzer. Der Bass zeigte gleichzeitig mehr Durchschlagskraft und Kontrolle.
Seit ich sie zum ersten Mal gehört habe, zieht es mich immer wieder zu den L810 zurück. Und doch gibt es etwas an ihnen, das mich seltsam unbefriedigt zurücklässt und mich dazu bringt, die Lautstärke zu erhöhen. Gert Redlich vom Deutschen HiFi-Museum beschreibt in seinem zweiteiligen Bericht eine ähnliche Erfahrung. Vielleicht sind die für den Hoch- und Mitteltönerbereich zuständigen Frequenzweichenkondensatoren ausgetrocknet, und ein Austausch derer würde zu einem ausgewogeneren Klang führen. Ich werde mehr Zeit damit verbringen müssen, den L810 zu hören, um mir sicher zu werden. Vielleicht werde ich auch eine Nahfeldmessung durchführen, um festzustellen, ob technisch noch alles in Ordnung ist. Umso erstaunlicher ist es, dass ich nicht auch nur einen Moment an der klanglichen Integrität der kleineren L480-I gezweifelt habe. Jedesmal, wenn ich sie einschalte, haben sie sofort meine volle Aufmerksamkeit und zaubern mir ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht.
Nun, Größe wird sicherlich überbewertet. Und die L810 müssen erst noch beweisen, dass sie das Zeug dazu haben, auf lange Sicht Gefallen zu finden. Sollte ich tatsächlich die Kondensatoren austauschen müssen, werden Sie dies hier sicherlich in einem separaten Artikel erfahren. — Auf weitere Erkundungen!
wurde 1932 in Wiesbaden geboren. Er gilt als Allrounder, der das berühmte Braun-Design der 1950er Jahre bis weit über die 1980er Jahre hinaus prägte. Rams, der ursprünglich als Tischler begann, studierte anschließend Architektur und avancierte zu einem namhaften Möbel- und Innenarchitekten, schon bevor er zu Braun kam, um an einigen der gefeierten Entwürfe des Unternehmens mitzuwirken. Rams trat 1955 in den Frankfurter Unterhaltungselektronikhersteller ein und stieg zum Chefdesigner des Unternehmens auf, eine Position, die er bis zu seiner Pensionierung innehatte.
In der Unternehmenswerbung manchmal als „Mr. Braun“ bezeichnet, hielt Rams strikt an einer Designphilosophie fest, die von Fritz Eichler, Hans Gugelot (Dozent an der Hochschule für Gestaltung Ulm) sowie Herbert Hirche und Wilhelm Wagenfeld (beide ehemalige Bauhaus-Schüler) für Braun entwickelt worden war. Ihre Designphilosophie zeichnete sich vor allem durch reduzierte Form und Benutzerfreundlichkeit aus; diese Kombination machte Braun ab Mitte der 1950er Jahre zu einer äußerst attraktiven Verbrauchermarke. Rams soll einmal gesagt haben: „Gleichgültigkeit gegenüber den Menschen und der Realität, in der sie leben, ist tatsächlich die einzige und größte Sünde im Design.“
Um die Fortführung großartiger Gestaltung zu gewährleisten, entwickelte Rams eine Liste von Merkmalen, die als „Zehn Prinzipien für gutes Design“ bekannt wurden. Diese lauten: Innovation, Nützlichkeit, Ästhetik, Benutzerfreundlichkeit, Unauffälligkeit, Ehrlichkeit, Langlebigkeit, Gründlichkeit und Umweltfreundlichkeit über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg. Alle Prinzipien klingen auffallend modern und finden sich in Konsumgütern wieder, von Apple iPhones bis hin zu Tesla-Autos.
Die Braun AG wurde 1967 an die Gillette Company verkauft, die wiederum 2005 von Proctor & Gamble übernommen wurde. P&G führte die Produktion von Braun-Trimmern und -Rasierern fort – seit 1949 das Kerngeschäft des Unternehmens –, während kleine Haushaltsgeräte unter dem Namen Braun seit 2012 von De’Longhi hergestellt werden.





Veröffentlicht: 25.5.2026
Herstellungsdatum: 2006
Autor: Karsten Hein
Kategorie: Gear & Review
Tag(s): Pre-Amplifiers
Die ersten Röhrenvorverstärker unter dem Namen „Die Erleuchtung“ stellte Symphonic Line der HiFi-Gemeinde bereits gegen Ende der 1990er Jahre vor. Die überarbeiteten Versionen MKII und MKII HD folgten 2006 bzw. 2007. Symphonic Line hat im Laufe der Jahre viele außergewöhnliche Audiogeräte entwickelt; doch obwohl ich bereits über Rolf Gemeins beeindruckenden Vorverstärker RG2 sowie die Verstärker RG9 und RG10 Reference berichtet habe, ist dies mein erster Testbericht über ein Röhrengerät dieser Marke.
Mit dieser Frage beschäftigen sich Audiophile und Entwickler von Audiogeräten bereits seit den Anfängen der Tonaufnahme. Die ersten überlieferten Versuche, Musik aufzunehmen, gehen auf die Erfindung des Phonautographen durch den Franzosen Édouard-Léon Scott de Martinville im Jahr 1860 zurück. Der Phonautograph nutzte einen hornartigen Trichter, ähnlich dem eines Grammophons, um Schallwellen einzufangen und diese auf einen rotierenden Zylinder zu übertragen. Erst 148 Jahre später entdeckten Wissenschaftler diese Aufnahmen wieder. Sie konnten sie digitalisieren, anpassen und filtern, sodass der einst aufgezeichnete Klang rekonstruiert werden konnte. Im Jahr 2008 hörten die Wissenschaftler eine Stimme, die höchstwahrscheinlich Scott de Martinville selbst gehörte und die eine einfache Melodie sang, um sein Gerät zu testen. Trotz der angewandten digitalen Filter und Anpassungen zeigt die Aufnahme ein begrenztes Frequenzspektrum, das sich auf die menschliche Stimme konzentriert, sowie einen geringen Dynamikbereich. Zudem ist sie von zahlreichen Störeinflüssen und Hintergrundgeräuschen begleitet.
Deutlicher noch, als moderne Aufnahmen, zeigen die ersten Versuche von Édouard-Léon Scott de Martinville (und später von Edison und anderen), welche enorme Distanz zwischen dem Zeitpunkt der Aufnahme und dem Moment des Hörens überwunden werden muss. Im Fall von Édouard-Léon Scott de Martinville war die Aufnahme selbst so schemenhaft, dass sie erst 148 Jahre später rekonstruiert werden konnte. Anstelle der typischen musikalischen Merkmale wie Tempo, Tonalität und Dynamik des Originals singt der Erfinder aus einer fernen Zeit zu uns, die durch die Unvollkommenheit der damaligen Technik verschleiert bleibt. Es ist, als würden uns die Toten eine Warnung aus der Vergangenheit übermitteln, oder als stamme die Aufnahme aus der Tonkapsel eines außerirdischen Raumschiffwracks. Gerade diese frühen Aufnahmen sind dennoch ein lebendiges Zeugnis für die zahlreichen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, wenn es darum geht, musikalische Ereignisse in ihrer authentischen Bandbreite und Dimension auf Basis einer Aufzeichnung originalgetreu wiederzugeben.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass meine frühesten Erinnerungen an die Musikwiedergabe von simplen, hohl klingenden Geräten aus kläglich resonierenden Kunststoffteilen geprägt sind. In den 1980er Jahren dominierten billige Transistor-Stereo-Kassettenrekorder die Unterhaltungselektronik. Die Kompaktkassette basierte auf eisenbeschichteten Bandspulen und war auf den Frequenzbereich von 30 Hz bis 15.000 Hz begrenzt. Für viele Hörer stellte dies eine echte Einschränkung dar. Berücksichtigt man zudem den geringen Signal-Rausch-Abstand von etwa 50 dB, ist es kein Wunder, dass die Freude eher darin lag, Töne aufnehmen und wiedergeben zu können, als in der Musikalität des Erlebnisses selbst. Besitzer von Plattenspielern oder CD-Spielern konnten hingegen auf ein originalgetreueres Audiosignal hoffen. Dennoch basierten die meisten zu dieser Zeit erhältlichen Stereoanlagen auf schwachen Transistorverstärkern. Diese verzerrten die Dynamik und Klangfarben und räumten allen Frequenzen gleichzeitig Vorrang ein. Hinzu kamen Phasenverschiebungen und systembedingte Rauschanteile, die aus den technischen Daten allein kaum ersichtlich waren.
Phasenverschiebungen treten während des Aufnahmeprozesses auf: Einerseits, wenn die Schallwellen von den Wänden und Gegenständen des Raums zurückgeworfen werden, und andererseits, wenn die Audiosignale die Elektronik der Aufnahmegeräte durchlaufen. Neben der Signalverarbeitung entstehen Phasenverschiebungen auch bei der Verstärkung, der Umwandlung in Schalldruck und im Hörraum. Primäre Phasenverschiebungen liefern Informationen über die Größe des Raums und der Instrumente, während sämtliche nachfolgende Ebenen elektronischer und physikalischer Phasenverschiebungen unnatürliche Abweichungen vom Ausgangssignal sind und somit die Klangqualität verschlechtern. Ähnlich verhält es sich mit Nebengeräuschen im Tonstudio, die Informationen über den Aufnahmestandort liefern, während elektronische und mechanische Störgeräusche, die während des Aufnahme- und Wiedergabeprozesses entstehen, unnatürlich auf das menschliche Ohr wirken. Sie kosten Signalenergie und schaffen dadurch eine klangliche Barriere.
Oft ist nicht die Stärke des Rauschens, sondern dessen Eigenschaften entscheidend für die Auswirkung auf den Hörer. So erzeugt beispielsweise der für die Verstärkung notwendige Schaltvorgang immer Verzerrungen. Dabei erzeugen Transistoren deutlich weniger Verzerrungen als Röhren. Das menschliche Ohr nimmt Obertöne gerader Ordnung (2., 4. und 6.) jedoch als angenehmer wahr als Obertöne ungerader Ordnung (3. und 5.). Während beide Ursachen in die Kategorie des elektronischen Rauschens fallen, werden Röhrenobertöne als klangliche Wärme wahrgenommen, während Transistorobertöne scharf, dissonant und metallisch klingen. Die Stereo-Kassettenrekorder mit geringer Leistung der 1980er Jahre wurden oft bis zum Clipping betrieben, wodurch ein weiterer Nachteil von Transistoren offenbar wurde. Werden Röhrenverstärker übersteuert, werden die Spitzen der Wellenform in einem als „Soft-Clipping“ bezeichneten Prozess allmählich abgerundet. Transistoren hingegen clippen abrupt, schneiden die Audio-Welle flach ab und erzeugen so harte Verzerrungsartefakte.
Unser Verständnis der Realität wird oft durch die Art und Weise eingeschränkt, wie wir Dinge darstellen. Scott de Martinvilles Aufnahmegerät zeichnete das musikalische Signal mit einer Nadel auf einen sich drehenden Zylinder auf. Obwohl der Zylinder selbst dreidimensional war, erfolgte die Aufnahme auf einer zweidimensionalen Oberfläche. Ähnlich sieht ein Toningenieur im Studio das aufgezeichnete Signal: als eine Reihe von gezackten Linien, die sich auf und ab bewegen – ähnlich wie die Anzeigen auf einem Herzmonitor. Keine dieser Darstellungen entspricht jedoch dem tatsächlichen Klangereignis. Klang ist ein mehrdimensionales Phänomen, das aus Tiefe, Breite, Höhe und Zeit besteht. Wie Regentropfen, die vom Himmel fallen, hat jeder Klang einen charakteristischen Anfang (Einschwingen) und ein charakteristisches Ende (Ausschwingen) sowie eine spezifische Lautstärke und Anschlaggeschwindigkeit. Um zu verstehen, wie entscheidend die proportionale Energieverteilung für die Erzeugung eines realistischen Eindrucks ist, ist das Konzept des mehrdimensionalen Klangs wichtig. Die vierte Dimension ist die Zeit, die für das Verständnis der Bedeutung der zeitlichen Kohärenz wichtig ist.
Seit Scott de Martinvilles ersten Experimenten mit Tonaufnahmen sind mehr als 166 Jahre vergangen. Seither sind wir deutlich besser darin geworden, Klang so aufzunehmen und wiederzugeben, dass er dem ursprünglichen Ereignis ähnelt. Pioniere aus vielen Disziplinen haben zusammengearbeitet, um die besten Materialien, Designs und Konfigurationen für jeden Schritt dieses Prozesses zu finden. Während der Begriff „High Fidelity” inflationär für Audiogeräte verwendet wird, die Musik im häuslichen Umfeld auf jegliche Weise wiedergeben können, wurde der Begriff „High End” von Menschen geprägt, die sich nach audiophilen Konstruktionen sehnten, die der Quelle treu bleiben. Rolf Gemein gehörte zu den Pionieren des High-End-Audios in Deutschland. Er vertrat das „Vernissage Laboratorium“ bei der Gründungsversammlung der High End Society im Jahr 1981, bevor er das Unternehmen 1984 in Symphonic Line umfirmierte. Gemein, der 1979 mit dem Bau von Audiogeräten begonnen hatte, widmete sein Leben dem Verständnis der Ausbreitung von Audiosignalen.
Im Mittelpunkt seiner Forschung steht die Überzeugung, dass Energie frei und ungehindert fließen muss, sobald das Quellsignal dies erfordert. Schlecht konzipierte Netzteile sowie systembedingte elektronische Resonanzen und innere Reflexionen sind Engpässe, die es zu beseitigen gilt. Phasenlinearität, Impedanzanpassung und die ganzheitliche Behandlung des gesamten Resonanzkreises sind nur einige der Merkmale, die den Geräten von Symphonic Line ihre einzigartige klangliche Integrität, ihr exaktes Timing und ihre natürliche Dynamik verleihen. In meinen Artikeln zum Vorverstärker RG2 sowie zu den Vollverstärkern RG9 und RG10 habe ich bereits über diese besonderen Eigenschaften geschrieben. Und obwohl ich ein aufmerksamer Beobachter und (mittlerweile) ein erfahrener Hörer bin, sind mir nicht alle Eigenschaften auf Anhieb aufgefallen. Dennoch war ich sofort gebannt und wollte mehr über die Faszination dieser Geräte erfahren.
Nach meinen positiven Eindrücken von den Transistorgeräten der Marke versprach „Die Erleuchtung“ eine spannende Abwechslung zu werden. Henrik, ein audiophiler Weggefährte aus der Gegend um Hamburg, hatte ein gut gepflegtes Exemplar im Audio Markt aufgestöbert und mich damit überraschend für diesen Test ausgestattet. „Die Erleuchtung“ kam in einem Gehäuse, das dem meines RG9-Vollverstärkers sehr ähnelte. „Aranja“ (oder Grapefruit) war in den 1990er Jahren das angesagte Finish für High-End-Geräte. Während Henriks Gerät noch glänzend und neu aussah, wirkte mein RG9 schon kurz nach dem Polieren angelaufen und matt. Wie der RG9 verfügt auch „Die Erleuchtung“ über ein Gehäuse aus einer 2 mm dicken, gebogenen Messinglegierung, die mit einer 10 mm starken Frontplatte kombiniert ist. Mit 14 Kilogramm fühlt sich der Vorverstärker sehr solide und schwer an – besonders, wenn man bedenkt, dass das separate Netzteil weitere 8,5 Kilogramm wiegt. Mit einem Gesamtgewicht von 22,5 kg macht er sogar vielen Endstufen Konkurrenz.
Die glänzende Aranja-Oberfläche verleiht dem Symphonic Line Chamäleon-artige Eigenschaften. Ähnlich wie ein versilberter Spiegel reflektiert der Vorverstärker seine Umgebung und lenkt die Aufmerksamkeit nicht auf sich selbst. Die zwölf Telefunken-CC-189-Röhren, deren warmes Leuchten man als „Erleuchtung“ interpretieren könnte, sind im Inneren des Gehäuses verborgen. Stattdessen wird die Vorderseite von vier großen Drehreglern dominiert, deren schwer lesbare Beschriftungen in die Frontplatte eingraviert sind. Wer mit dem Design von Symphonic Line vertraut ist, wird die Bedienelemente als intuitiv empfinden: Angefangen beim vierstufigen Eingangswahlschalter auf der linken Seite (Phono, CD, Tuner, Aux) über den Tape-Monitor-Schalter (Source, Tape 1, Tape 2) auf der rechten Seite. Da sich der Netzschalter auf der Rückseite des separaten Netzteils befindet, ist auf der Vorderseite Platz für einen Balance-Regler. Dieser kann nützlich sein, um Ungleichheiten im Aufbau oder bei den Röhren entgegenzusteuern. Der größte der vier Drehknöpfe ist der Lautstärkeregler und befindet sich auf der rechten Seite.
Man sollte „Die Erleuchtung“ vor der Endstufe einschalten und den Röhren Zeit zum Aufwärmen geben. Dies ist bei jedem Vorverstärker empfehlenswert, besonders wichtig ist es jedoch bei Röhrengeräten. So werden geringe Gleichstromanteile aus den Röhren vermieden, die Ihre nachgeschalteten Geräte sonst beschädigen könnten. Während des Betriebs lassen sich die Drehregler ohne Schaltgeräusche betätigen. Alle Regler lassen sich angenehm betätigen und bieten ein solides Feedback. Ich persönlich bin ein Fan von stufenweisen Lautstärkereglern und hätte einen solchen Regler für noch mehr Sicherheit bevorzugt. Ich habe mich jedoch längst daran gewöhnt, dass diese bei Geräten von Symphonic Line normalerweise nicht zu finden sind.
„Die Erleuchtung“ verfügt über eine großzügige Anzahl an Eingängen, sowie eine für die meisten Anwendungen völlig ausreichende Anzahl an Ausgängen. Alle sind vom Typ Cinch/RCA. Soweit ich weiß, sind XLR-Ausgänge und eine MC-Phono-Vorstufe als Upgrades erhältlich. Sie verfügt weder über digitale Ein- oder Ausgänge, noch über digitale Signalverarbeitung, Raumkorrektur oder Bluetooth-Konnektivität. Es ist ein analoges Gerät im herkömmlichen Sinne. Wenn Sie den Vorverstärker in eine digitale Umgebung integrieren möchten, muss dies über separate Zuspieler erfolgen. Die vergoldeten Cinch-/RCA-Buchsen sind hochwertig und der Abstand zwischen ihnen groß genug, um die meisten Arten von High-End-Steckern aufzunehmen. Die Phono-Erdungsschraube ist groß genug, um sie von Hand zu justieren, und auch leicht zugänglich. Für den Anschluss des externen Netzteils ist ein Spezialkabel erforderlich. Der beleuchtete Netzschalter ist jedoch etwas unpraktisch auf der Rückseite angebracht, da er schwer zu erreichen ist und das Ausschalten leicht vergessen werden kann. Obwohl „Die Erleuchtung“ 10–20 Minuten zum Aufwärmen benötigt, um ihren vollständigen Klang zu entfalten, ist es nicht ratsam, den Vorverstärker mehrere Tage lang eingeschaltet zu lassen. Dies würde die Lebensdauer der Röhren erheblich verkürzen.
Ich habe „Die Erleuchtung“ sowohl bei Henrik zu Hause gehört, wo sie mit einer großen Musical-Fidelity-Transistorendstufe kombiniert war, als auch in meinem eigenen Studio, wo sie sowohl mit einer 250-WPC-Hafler-Endstufe als auch mit einer 48-WPC-Röhrenendstufe kombiniert wurde. Auch die Lautsprecher hätten unterschiedlicher nicht sein können: Henrik besitzt ein Paar Achenbach Trinity mit AMT-Hörnern und großen PA-Chassis. Ich habe „Die Erleuchtung“ dagegen mit elektrostatischen Lautsprechern von Martin Logan sowie mit einem Paar Polk Audio RTi A7 getestet. Letztere wurden mir von meinem Freund Kristian ausgeliehen. Die wesentlichen Eigenschaften des Vorverstärkers waren in allen drei Konfigurationen identisch. Zwar konnte ich mir im Vorfeld nicht vorstellen, wie eine Röhrenvorstufe von Symphonic Line klingt, doch nun habe ich ein viel klareres Verständnis für die Dimensionen ihres Klangs. Und auch wenn ich den Klang als äußerst ansprechend empfinde, stießen wir auf ein Problem, das dieser Technologie innewohnt.
„Die Erleuchtung“ ist eine reine Röhrenvorstufe, die acht Eingangs- und vier Ausgangsröhren verwendet, sodass insgesamt zwölf Röhren zum Einsatz kommen. Ursprünglich wurden gematchte Siemens-Doppeltrioden wie die E88CC/6922 oder ECC88/6DJ8 verwendet, von Rolf Gemein persönlich handverlesen. Diese wurden jedoch bereits vom Vorbesitzer gegen Telefunken-CC-189-Röhren ausgetauscht. Obwohl wir an deren klanglicher Leistung nichts auszusetzen hatten, stellten wir Unregelmäßigkeiten bei den Heizströmen der Röhren in der Ausgangsstufe fest und entdeckten eine defekte Röhre. Bei der Suche nach den Ursachen für das periodisch auftretende Rauschen im rechten Kanal (sogar bei auf Null gestelltem Lautstärkeregler) prüften wir jede Lötstelle und besserten sie aus, wo nötig. Da der Fehler periodisch auftrat, konnte sich die defekte Ausgangsröhre eine Zeit lang verbergen. Röhren unterliegen dem Verschleiß und müssen nach einigen Jahren ausgetauscht werden. Bei zwölf Exemplaren an Bord kann das Auswechseln der Röhren bei diesem Vorverstärker eine kostspielige Angelegenheit sein.
Für den ursprünglichen Besitzer dieser Vorstufe waren die Kosten für den Röhrenwechsel vermutlich irrelevant. Ganz im Stil der High-End-Klasse lag der Verkaufspreis schon damals im fünfstelligen Bereich. Der Klang des Geräts war ebenso außergewöhnlich wie sein Preis und enttäuschte nicht. Ist „Die Erleuchtung“ erst einmal vollständig aufgewärmt, wird sie eher zu einem organischen Instrument als zu einem technischen Gerät. Sie atmet die Musik großzügig in den Raum und entfaltet sie in all ihren Dimensionen. Wer wie ich erwartet, dass eine reine Röhrenkonstruktion auch die klassischen Röhrenmerkmale aufweist – von warmen Farben bis hin zur Weichzeichnung des Klangs –, wird von der Agilität, Präzision und Dynamik dieses Vorverstärkers überrascht sein. Anstatt durch Klangfärbung die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, tritt die Symphonic Line in den Hintergrund, um der Musik ihre volle Dimension zu verleihen. (Das sind nicht nur leere Worte, denn das FIR-Projekt hat bewiesen, dass dies tatsächlich zutrifft. Mehr dazu später.) Und – was vielleicht nicht überrascht – das gelingt ihr deutlich besser als Transistor-Vorverstärkern.
Im Vergleich zur im Juni 2024 getesteten RG2-MK3 Vorstufe von Symphonic Line behält „Die Erleuchtung“ die Präzision und das Timing des Halbleiterverstärkers bei, hebt jedoch Dynamik und Instrumentengröße auf ein völlig neues Niveau. Meiner Meinung nach schneidet „Die Erleuchtung“ mit jeder der drei getesteten Endstufenoptionen besser ab als der RG10-MK4-Referenzverstärker, der eine leichte Tendenz zur Schärfe zeigte, wenn die Strom- und Luftqualität (EMI) ungünstig waren. Der RG10-MK4 verfügte ebenfalls über ein separates Netzteil und bot eine großartige Dynamik. Dennoch konnte ich ihn vor allem an Sonntagabenden genießen, wenn alle äußeren Bedingungen perfekt waren. „Die Erleuchtung“ klang hingegen zu jeder Zeit großartig. Während Transistorverstärker manchmal etwas steril klingen können, machte das Röhren-Design das Hörerlebnis fesselnd und natürlich. Symphonic-Line-Geräte haben die Gabe, präzise Klangfarben zu liefern, und das gilt besonders für „Die Erleuchtung“. Großzügig, üppig und vollmundig sind einige der Eigenschaften, die mir beim Hören in den Sinn kamen.
„Die Erleuchtung“ besticht jedoch nicht nur klanglich. Sie bietet auch eine hervorragende Instrumententrennung. Das ist beim Hören von Sinfonieorchestern wichtig, da sich die Instrumente bei minderwertiger Technik oft überlagern. Diese Vorstufe eignet sich somit nicht nur für klassische Musik, sondern auch für Jazz und andere Musikrichtungen, die auf natürlichen Instrumenten basieren. Das soll jedoch nicht heißen, dass sie Rock, Pop, Techno oder andere Musikstile nicht wiedergeben könnte. Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten, Instrumente nach Position und Klangfarbe zu trennen, sind in diesen Genres jedoch weniger bedeutsam, da sie oft für Autoradios oder Clubveranstaltungen gemastert werden. Auch wenn „Die Erleuchtung“ viele musikalische Details bietet, zerlegt sie die Musik nicht in ihre Einzelteile. Stattdessen hält sie das Ereignis in einem kontinuierlichen musikalischen Fluss zusammen. Meiner Meinung nach könnte dies die letzte Vorstufe sein, die man jemals kaufen wird – vorausgesetzt, man ist bereit, sie in gutem Zustand zu halten. Röhrengeräte sind zwar etwas anspruchsvoller, aber definitiv unsere Liebe wert.





Veröffentlicht: 14.2.2026
Autor: Karsten Hein
Kategorie: Music & Talk
Tag(s): Jazz
Mit „Inner Peace“ legt das Lars Pagelsen Trio ein CD-Album vor, das klanglich auf bemerkenswert hohem Niveau realisiert wurde. Dynamik, Raumabbildung und tonale Balance überzeugen durch Natürlichkeit und Transparenz – Qualitäten, die sich auch im internationalen Vergleich nicht verstecken müssen. Dadurch ist es besonders für audiophile Hörer interessant.
Die Aufnahme besticht durch eine plastische Bühnenstaffelung, klar konturierte Instrumente, natürliche Klangfarben und eine hohe Durchhörbarkeit. Das Klavier steht stabil und körperhaft im Raum, der Bass ist präzise definiert und tonal ausgewogen, das Schlagzeug offen und fein aufgelöst – ohne künstliche Effekte oder übertriebene Kompression.
Und auch musikalisch zeigt das Trio Profil. Die als „Mindful Jazz“ bezeichnete Spielweise versteht sich weniger als Stilrichtung, denn als Haltung. Sie lässt Raum für Zwischentöne, vertraut auf klare harmonische Strukturen und gibt dem musikalischen Geschehen Zeit zur Entfaltung. Jazz soll für das Publikum nachvollziehbar sein – dieser Gedanke prägte bereits die Ankündigung eines Live-Konzerts im Elbeforum in Brunsbüttel. „Mindful Jazz“ beschreibt somit die bewusste Konzentration auf das Wesentliche: Klang, Zeit und die Räume dazwischen.
Lars Pagelsen beschäftigt sich seit seinem 18. Lebensjahr intensiv mit Jazz. Seine Begeisterung für das Klavier und für das Komponieren wurde früh durch seine Klavierlehrerin gefördert, die ihm Grundlagen der Notation und des eigenständigen Komponierens vermittelte. Heute studiert er Jazz am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt am Main – ein Ausbildungsweg, der angesichts begrenzter Studienplätze keineswegs selbstverständlich ist. Die Kompositionen für das Trio stammen aus seiner Feder.
Aufgenommen wurde „Inner Peace“ im Jahr 2024 im D-Room Studio in Gehrden bei Hannover. Die Regie übernahm Hervé Jeanne, das Mastering der CD verantwortete Ralf Jackowski. An der Einspielung wirkten Eleni Granitza am Bass und Nicolas Rotermund am Schlagzeug mit. Das Zusammenspiel der Musiker sowie die sorgfältige Produktion verleihen dem Album seine Geschlossenheit und klangliche Tiefe.
Seit Anfang 2025 tritt das Lars Pagelsen Trio nun in neuer Besetzung auf: Alisa Pou Montz am Bass und Felix Lothwesen am Schlagzeug erweitern das klangliche Spektrum des Ensembles. Alisa Pou Montz, in der Frankfurter Musikszene eine gefragte Musikerin, bringt ein klares, grooviges Bassspiel ein, während der klassisch ausgebildete Felix Lothwesen dem Schlagzeug mit stilistischer Offenheit und verblüffender klanglicher Differenzierung eine vielseitige Note verleiht.
Das Album dokumentiert somit nicht nur einen musikalischen Ansatz, sondern auch eine Momentaufnahme in der Entwicklung von Lars Pagelsen – sorgfältig produziert, klanglich anspruchsvoll und mit hörbarer Liebe zum Detail. Ich freue mich schon sehr auf die ersten Tonträger unter neuer Besetzung. Für die audiophile Community bleibt zu hoffen, dass bei kommenden Aufnahmen mit ähnlicher Sorgfalt ans Werk gegangen wird. — Es bleibt also spannend.

Wenn Sie in Reichweite von 25709 Marne in Norddeutschland leben und alte HiFi-Stereo-Klassiker besitzen, die darauf warten, erforscht und beschrieben zu werden, würde ich mich freuen, von Ihnen zu hören!
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