Sean Keel, A Dry Scary Blue

Sean Keel, A Dry Scary Blue

Veröffentlicht: 9.7.2024

Autor: Karsten Hein

Kategorie: Audiophile Music

Tag(s): Singer/Songwriter

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Im Frühjahr 2024 lud ich meinen Freund und audiophilen Kollegen, Arndt Scheuren, zu uns ins Studio ein, um den Aufbau einer HiFi-Anlage zu testen. Zu seiner eigenen Orientierung brachte Arndt das CD-Album eines wenig bekannten Künstlers mit und bat mich, dieses über den Marantz CD17 abzuspielen. Was dann geschah, war wirklich erstaunlich: Arndt, der die CD-Aufnahme kannte, war verblüfft über das Ausmaß an musikalischen Details, das die elektrostatischen Martin Logan-Lautsprecher offenbarten, und ich, der mit dem üblichen Klang meiner Anlage vertraut war, war verblüfft über die durchdringende Nähe der gebrochenen Stimme des Singer-Songwriters Sean Keel. Diese sprach mein Nervensystem auf höchst mitreißende Weise an: Denn nie zuvor hatte sich Gesang für mich so weise und klagend, so intim und atemberaubend, so kraftvoll und zerbrechlich zugleich angehört.

Verblüfft von dieser ungewohnten Verwandlung und auf der Suche nach Bestätigung, dass das, was wir erlebten, echt war, wiesen Arndt und ich uns abwechselnd an, in dem Sweet-Spot des Stereodreiecks zu sitzen, wo die perfekt aufeinander abgestimmten Laufzeiten der Dipol-Lautsprecher den Sänger und die Instrumente lebensecht in den Raum strahlten. In Anbetracht der Tatsache, dass Arndt und ich bereits eine Vielzahl von HiFi-Anlagen gehört und audiophile Alben verschiedener Künstler gekauft hatten, kam unsere plötzliche Faszination für uns überraschend. Was war es, das dieses Album von den anderen hervorstechen ließ, vor allem, wenn es auf einer klanglich transparenten HiFi-Anlage präsentiert wurde? Ich musste es einfach aus erster Hand erfahren und beschloss, Sean Keel direkt zu kontaktieren.

Der eiaudio-Weblog hat eine Rubrik mit dem Titel "Music & Talk", welche die bestehende Kluft zwischen Musikern und der audiophilen Gemeinschaft überbrücken soll, indem sie ein Bewusstsein für die jeweils andere Seite schafft. Diese Kluft existiert tatsächlich, denn die meisten Musiker beziehen ihre Freude aus der Aufführung ihrer Lieder und dem richtigen Spiel ihrer Instrumente. Bei ihren Auftritten achten sie darauf, dass sie richtig singen, dass sie ihre Instrumente beherrschen und ihre Stimme kontrollieren. Daher liegt hier auch ihr Schwerpunkt, wenn sie sich eine Aufnahme ihrer Musik anhören. Dies sind jedoch nicht die Kriterien, nach denen audiophile Hörer die Vorzüge einer Aufnahme beurteilen. Ich war mir ziemlich sicher, dass dies bei Sean Keel nicht anders und meine Kontaktaufnahme für ihn eine Überraschung sein würde.

In Vorbereitung auf unser Gespräch recherchierte ich im Internet und fand heraus, dass Sean Keel in Austin lebte, wo er als Mathematikprofessor an der Universität von Texas forschte und unterrichtete. Obwohl "A Dry Scary Blue" nicht Keels erstes Album war, war es das erste, das er in Zusammenarbeit mit Gabriel Rhodes, dem Sohn von Kimmie Rhodes und dem DJ Joe Gracey, produziert hatte. Gabriel, der bereits mit Willie Nelson, Waylon Jennings und anderen zusammengearbeitet hat, erkannte Sean Keels besondere Gabe als Singer-Songwriter und fügte den Texten Klavier, Keyboard, akustische und elektrische Gitarre sowie Bass hinzu, um gemeinsam mit Sean Keel ein Album zu erschaffen, das wirklich einzigartig klingt und in keiner audiophilen CD-Sammlung fehlen sollte.

Die Melodien des Albums sind beruhigend, flüsternd und oft auch leicht verstörend. Was mich am meisten überraschte, war Sean Keels Fähigkeit, Geschichten in der Tradition der großen amerikanischen Dichter zu skizzieren, die mich spontan dazu brachten, Orte und Bedeutungen zu googeln. Das war auch etwas, das ich schon lange nicht mehr getan hatte. "A Dry Scary Blue" begeisterte mich von der ersten Minute an, und so freue ich mich, dass ich diese Erfahrung mit Euch teilen kann. Haltet Ausschau nach dem Album auf den gängigen Streaming-Kanälen, oder (noch besser) unterstützt den Künstler und seine Plattenfirma, indem ihr Euch das Album auf CD gönnt.

< Sean Keel auf BandCamp | Mein Interview mit Sean >

Liedtitel

  1. corn palace — 4:07 min
  2. near that far — 4:29 min
  3. the flower — 3:34 min
  4. hill of three oaks — 04:04 min
  5. backwards — 3:17 min
  6. blessed assurance — 2:53 min
  7. cool old men — 6:42 min
  8. his mouth so red — 4:50 min
  9. two coins — 3:12 min
  10. i hate the west — 4:29 min

Details zum Album

  • Sean Keel: Gesang
  • Gabriel Rhodes: Klavier, Keyboard, Gitarre, Bass 
  • Ben Montano: Akustische Gitarre, Keyboard
  • Nora Predey: Gesang, Bass, Schlagzeug
  • Produziert von: Gabrie Rhodes
  • Abspielzeit:  41:39
  • Liedtexte: Sean Keel, Ben Montano (Nr. 8)
  • Plattenfirma: Icons Creating Evil Art (ICEA)
  • Veröffentlichungsdatum: 2022
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