Devialet Expert 250

Veröffentlicht: 12.4.2025

Herstellungsdatum: 2013

Autor: Karsten Hein

Kategorie: Gear & Review

Tag(s): Integrated Amplifiers

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Elegant, schlank und geheimnisvoll. Der Devialet Expert 250 kombiniert sein zeitloses Design mit zahlreichen Innovationen des 21. Jahrhunderts und ermöglicht dadurch die Integration in moderne Home-Entertainment-Systeme auf verschiedenen Ebenen. Er zeigt deutlich, dass sich Vielseitigkeit und High-End-Klangqualität nicht gegenseitig ausschließen müssen.

Als ich damals anfing, mich für HiFi zu interessieren, stellte ich schnell fest, dass es vor allem einfache Designs waren, die ein überragendes Klangerlebnis boten. Reduzierte Form, spezialisierte Funktionalität und direkte Verkabelung waren die High-End-Grundpfeiler meiner HiFi-Jugend. Ich war beeindruckt von der Einfachheit der Verstärker von David Hafler und der Effektivität zeitloser Klassiker wie dem Lenco L75 Plattenspieler. Zu dieser Zeit wurden sogar CD-Player aufgrund ihrer Digital-Analog-Wandlung und ihrer komplexen integrierten Schaltkreise als riskante Abweichung von dieser schnörkellosen Designphilosophie angesehen. Verallgemeinernd gesagt galt jegliche Form der Klangreglung, grafische Equalizer und farbenfrohe Displays als Zugeständnisse an die Bequemlichkeit und dienten als unschöne Erinnerung an die funktionsüberladenen Designs der 1980er Jahre.

Für Puristen wie mich kann die zunehmende Verbreitung digitaler Technologie und integrierter Schaltkreise, wie sie heute in der Audio-Elektronik zu finden sind, deshalb nur beunruhigend sein. Tatsächlich versuchen wir beim Aufbau von Vintage-HiFi-Anlagen ausdrücklich, hochfrequente Emissionen herauszufiltern, wo sie sich negativ auf die Klangtreue auswirken. Elektromagnetische Störungen (EMI) auf der Ebene der Stromversorgung haben oft negative Auswirkungen auf die Klangbalance und auf die Klangbühne. Infolgedessen sind Ferritperlen mittlerweile weit verbreitet, um ein gegenseitiges Beeinflussen der Geräte zu verhindern. Gleichzeitig ist das Stromnetz selbst mit Verzerrungen durch Schaltnetzteile (SMPS) belastet, wie sie in LED-Leuchten, Home Automation, Routern usw. zu finden sind. — Was früher noch eine ruhige Energiequelle war, muss heute durch Shunt-Filter und andere Vorrichtungen aufbereitet werden. Immer mehr Audiophile verzichten komplett auf den direkten Anschluss zum Netz und beziehen ihren Strom lieber aus großen Batterien. 

Wäre es nicht großartig, wenn wir uns mit dem Monster “Digitaltechnik” anfreunden und diese anfänglichen Einschränkungen überwinden könnten? Schließlich sind herkömmliche lineare Netzteile Dinosaurier, die sich seit den Anfängen der Technologie kaum weiterentwickelt haben. Sie machen High-End-Audioverstärker oft unpraktisch schwer, sperrig und teuer. Hochwertige Class-A- und Class-A/B-Verstärker, die in der Lage sind, auch komplexe Lasten zu bewältigen, können leicht 20 kg und mehr wiegen. Viele von ihnen verbrauchen beträchtlich viel Energie, selbst wenn sie gerade keine Musik wiedergeben oder nur sehr leise spielen, und sie neigen dazu, dabei sehr heiß zu werden. Da die Menschheit in nahezu allen anderen Lebensbereichen digitalen und intelligenten Technologien gegenüber aufgeschlossen ist, stellt sich die Frage, weshalb High-End-Audio davon ausgenommen sein sollte?

Der Devialet D-Premier wurde zu dieser Zeit des technologischen Wandels in den Markt eingeführt. Er feierte sein Debüt während der Unsicherheiten der Weltwirtschaftskrise 2008 und versprach, die Eigenschaften eines traditionellen integrierten HiFi-Verstärkers mit der Vielseitigkeit der digitalen Fortschritte des 21. Jahrhunderts technisch zu vereinen. Der Chefentwickler und Mitbegründer des in Paris ansässigen Unternehmens, Pierre-Emmanuel Calmel, ist Experte für die neue Designphilosophie, die er „Analog Digital Hybrid“ oder ADH getauft hat.

Im Kern ist ADH eine elegante Verschmelzung zweier scheinbar gegensätzlicher Verstärkertopologien. Ein reiner Class-A-Spannungsverstärker definiert die Klangstruktur und die harmonische Integrität des Signals, während ein paralleler Class-D-Stromverstärker die nötige Leistung und Kontrolle liefert, um Lautsprecher mit absoluter Autorität anzusteuern. Im Gegensatz zu herkömmlichen Class-D-Modellen, die oft ihre eigene klangliche Signatur mitbringen, arbeitet die Schaltstufe im Devialet unter der strengen Aufsicht des analogen Referenzverstärkers. Tatsächlich bestimmt die Klasse-A-Schaltung, wie das Signal sein soll, während die Klasse-D-Stufe dafür sorgt, dass es wie befohlen ohne Verluste, Kompression oder Verzögerungen umgesetzt wird.

Diese Architektur bietet gleich mehrere praktische Vorteile, welche über die bloße Verstärkertheorie hinausgehen. Der Expert 250 bietet eine außergewöhnlich niedrige Ausgangsimpedanz und einen entsprechend hohen Dämpfungsfaktor. Dadurch bleibt er selbst von Lautsprechern mit komplexen Impedanzkurven, wie meinen elektrostatischen MartinLogan SL3, unbeeindruckt. Elektrostatische Panels sind ja dafür bekannt, dass sie Verstärkern komplexe reaktive Lasten zumuten, insbesondere in den höheren Frequenzen, wo die Impedanz stark abfallen kann. Während herkömmliche Verstärker oft angestrengt klingen oder ihre Spielfreude verlieren, behielt der Devialet seine strukturelle Integrität und klangliche Ausgewogenheit über das gesamte Frequenzspektrum bei.

Die Kompatibilität geht jedoch weit über die elektrische Schnittstelle zwischen Verstärker und Lautsprecher hinaus. Einer der überzeugendsten Aspekte des Expert 250 ist seine umfangreiche Konfigurierbarkeit. Jeder Eingang kann mit dem Online-Konfigurator von Devialet individuell definiert werden, wodurch der Verstärker zu einem hochgradig anpassungsfähigen Hub wird, der sowohl ältere als auch moderne Musikquellen aufnehmen kann. Die interne Phono-Stufe kann beispielsweise sehr präzise auf jeden Tonabnehmertyp abgestimmt werden. Kapazität, Widerstand, Verstärkung und Entzerrungskurven können mit Laborpräzision festgelegt werden. Diese Flexibilität ermöglichte auch die nahtlose Integration meines Thorens TD 320 Plattenspielers, der mit einem Ortofon Bronze-Tonabnehmer und einem verbesserten Netzteil ausgestattet ist, ohne dass Kompromisse erforderlich waren.

Ebenso beeindruckend ist die Qualität der internen Digital-Analog-Wandlerstufe des Devialet. In Verbindung mit dem Marantz CD-17, dessen Analogteil unter der Leitung von Ken Ishiwata von Marantz nochmals verfeinert wurde, entfaltete der Expert 250 das volle Potenzial dieses Players und behielt dabei seine unverwechselbare Gelassenheit. Gleichzeitig öffnen seine digitalen Eingänge die Tür zu modernen Wiedergabeformaten und ermöglichen den direkten Anschluss an Streamer, Computer und Netzwerktransporte, ohne dass zusätzliche externe Wandler erforderlich sind.

Die Speaker Active Matching (SAM)-Funktion des Verstärkers stellt eine weitere Dimension der Kompatibilität dar. Durch die Modellierung des elektrischen und mechanischen Verhaltens bestimmter Lautsprecherdesigns passt SAM die Ausgangsleistung des Verstärkers in Echtzeit an, um die Basswiedergabe, das Einschwingverhalten und die Treibersteuerung zu verbessern.(*1) Obwohl die MartinLogan SL3 nicht zu den offiziell unterstützten Modellen gehören, spiegelt die bloße Existenz eines solchen Systems den zukunftsorientierten Ansatz von Devialet wider. Anstatt Lautsprecher als passive und unvorhersehbare Lasten zu behandeln, wird der Verstärker zu einem aktiven Partner bei ihrer Optimierung.

Physikalisch stellt der Expert 250 traditionelle Annahmen darüber, wie ein Hochleistungsverstärker aussehen muss, in Frage. Sein schlankes, thermisch effizientes Gehäuse macht massive Kühlkörper und überdimensionierte Transformatoren überflüssig. Diese Kompaktheit wird durch sein fortschrittliches Schaltnetzteil ermöglicht, das mit hoher Effizienz arbeitet und gleichzeitig eine hervorragende Rauschunterdrückung gewährleistet. Entgegen der langjährigen Vorurteile gegenüber solchen Netzteilen im High-End-Audiobereich zeigt die Umsetzung von Devialet, dass moderne Technik zumindest viele der Einschränkungen früherer Designs überwinden kann.

In unseren Hörsitzungen führten diese technologischen Innovationen zu einer vorbildlich klaren, kontrollierten und räumlich präzisen Wiedergabe. Im direkten Vergleich mit unserem damaligem Referenzgerät, einem Symphonic Line RG10 MK4 Reference, konnte der Devialet in Bezug auf makrodynamische Autorität, Klangbalance und Sound Stage mit seinem deutschen Pendant mithalten. Der Symphonic Line Verstärker zeigte jedoch etwas natürlichere Transienten und einen längeren Nachklang einzelner Töne, sowie eine reichhaltigere Palette an Klangfarben. Die Instrumente schienen freier zu atmen, ihre harmonischen Umhüllungen entfalteten sich mit etwas mehr Leichtigkeit und Nuancen. Diese subtilen Unterschiede sind möglicherweise auch auf den traditionelleren Signalweg des Symphonic Line zurückzuführen, der weniger digitale Überwachungs- und Korrekturebenen aufweist.

Sich jedoch ausschließlich auf diese feinen Unterschiede zu konzentrieren, würde bedeuten, die bedeutendste Errungenschaft von Devialet nicht verstanden zu haben. Der Expert 250 zeigt nämlich, dass Vielseitigkeit, Effizienz und moderne Integration nicht mehr auf Kosten echter High-End-Leistung gehen müssen. Er schlägt eine Brücke zwischen zwei Welten, die lange Zeit als unvereinbar galten: dem puristischen Bereich der kompromisslosen analogen Wiedergabe und dem flexibleren, vernetzten Ökosystem der modernen digitalen Audiotechnik.

Damit bietet er Einblicke in eine Zukunft, in der Kompatibilität nicht mehr nur eine unschöne Notwendigkeit ist, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Verstärkerdesigns. Anstatt also den Hörer zu zwingen, sich zwischen klanglicher Reinheit und funktionaler Integration zu entscheiden, liefert der Devialet Expert 250 ein überzeugendes Argument dafür, dass beides in einem einzigen, wunderschön gestalteten Gerät koexistieren kann.

*(1) SAM — Bis zum heutigen Tag habe ich noch keine Anwendung von SAM gehört, bei der die digitale Modulation nicht zur Folge gehabt hätte, dass sich das Klangbild im Hoch-Mittelton-Bereich weniger natürlich anhört. Gerade für audiophile Hörer, die ihre Hörräume an die Lautsprecher anpassen können, ist dies von Nachteil. Es ist jedoch anzunehmen, dass zukünftige Algorithmen dieses Thema in den Griff bekommen.

< NAD M-10 Streamer | Symphonic Line RG10 MK4 Reference >

Technische Daten

  • Typ: Integrierter hybrider Class-A/D-Verstärker
  • Ausgangsleistung (RMS, 6 Ohm): 250 WPC (ab v7.0)
  • Hochstromstabilität: 2 Ohm
  • Übertragener Frequenzbereich (-3 dB): 0,1 Hz-87.000 Hz
  • Harmonische Verzerrungen: 0,001% (bei maximaler Leistung)
  • Signal-Rausch-Abstand: > 130 dB
  • Digitale Features: Integrierter DAC, WiFi-Streamer, DSP
  • DSP-Spezifikationen: 400MHz, vier Kanäle, 40-bit
  • Analoge Eingänge (RCA/Cinch): 24 Bit / 192kHz (Up-Sampling)
  • MM/MC-Phonostufe: Kapazitäts-/Widerstandsanpassung
  • Line-Eingänge: 2x anpassbar
  • Digitale Eingänge (S/PDIF RCA): 4 zuweisbare Steckplätze (max.)
  • Weitere Eingänge: Toslink, AES/EBU, optisch/RS232, USB, RJ45
  • Drahtlose Verbindungen: eingebautes Devialet „AIR“ WiFi
  • Lautsprecherausgänge (Bananen/Spades): 2-Kanal
  • Subwoofer-Ausgang: 1x Line/RCA
  • Digitale Ausgänge: AES/EBU und RCA
  • Drahtlose Abtastraten: 16-bit, 24-bit, 32kHz - 96kHz
  • Koaxial und optisch S/PDIF: 16-Bit, 24-Bit, 32kHz - 96kHz
  • USB: 16-Bit, 24-Bit, 32-Bit, 32kHz - 192kHz
  • Abmessungen: (H)4,05 cm x (B)40 cm x (T)40 cm
  • Gewicht: 7 kg
  • Herstellungsland: Frankreich
  • Jahr(e): ab 2013 (basierend auf D-Premier)

Devialet Expert 250

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