Veröffentlicht: 8.2.2026
Autor: Karsten Hein
Kategorie: Explorations
Tag(s): Norddeutsche HiFi-Tage
Seit der Ankündigung, dass die renommierte High-End-Messe 2026 aus dem MOC Event Center in München an einen zentraleren Standort nach Wien verlegt wird, haben sich die Norddeutschen HiFi-Tage zur führenden Veranstaltung der Branche in Deutschland entwickelt. Erstmals wurde in diesem Jahr auch eine Eintrittsgebühr von 15 Euro pro Besucher erhoben.
Die Zeiten sind schwerer geworden für die HiFi-Community und für die Hersteller, die sich ihr verschrieben haben. Die ehemals wohlhabende Mittelschicht Europas ist zugunsten privilegierter Interessengruppen und libertärer Marktideale förmlich ausgeblutet worden. Die sagenhaften Kapitalgewinne der vergangenen Jahre wurden in vielen Fällen am Staat vorbei in globale Steueroasen gelenkt, und die Verteilung der finanziellen Mittel war auch deshalb schon lange nicht mehr so spürbar ungleich wie heute. Die Lenkung des Staates auf Basis des Shareholder Value dürfte von kurzfristigem Erfolg sein.
Aber auch technologisch tut sich viel. Die ehemals einflussreiche HiFi-Presse sieht sich zunehmend mit Störgeräuschen durch Social Media-Größen konfrontiert, die der Branche in ihrer kurzen Aufstiegsphase mehr Schaden zufügen als Nutzen bringen. Sagen wir mal so: Wenn Sie an einer Person oder einem Thema schnell das Interesse verlieren möchten, folgen Sie ihnen in den sozialen Medien. Dann ist der Zauber schnell vorbei. Denn in unserer realen „Offline“-Welt der Waren und Dienstleistungen basieren Qualität und Stabilität auch heute noch auf langfristigem Engagement für die Sache, und das fehlt in diesen Algorithmus-basierten Medien spürbar. Der zunehmende Einsatz von KI rückt die Sinnfrage bezüglich der digitalen Medien ebenso ins Rampenlicht.
Umso wohltuender und willkommener ist die Gelegenheit, auf den Norddeutschen HiFi-Tagen mit den Herstellern persönlich ins Gespräch zu kommen. Als ich mir wenige Tage vor der Messe die lange Liste der renommierten Aussteller für 2026 ansah, beschloss ich, meine Aufmerksamkeit in erster Linie auf diejenigen zu richten, die ich in den drei vergangenen Jahren versäumt hatte. Und da ich die Messe ungern alleine besuchen wollte, bat ich meinen HiFi-Freund und Lautsprecherkabel-Konstrukteur, Matthias, mich zu begleiten. Das war besonders interessant, denn Matthias brachte zwei neue Kabelprototypen im Koffer mit, als er bei uns in Marne eintraf.
Matthias beschäftigte sich erneut mit dem Design von Lautsprecherkabeln, seit er von seinen omnidirektionalen Duevel Bella Luna Lautsprechern auf die Jupiter-Serie desselben Herstellers umgestiegen war und kein Kabel fand, das mit den Lautsprechern harmonierte. In der Tat hatte er auch vor vorher schon mit der Entwicklung von Lautsprecherkabeln experimentiert, jedoch erforderten gerade die Jupiter die tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema, um deren klanglichen Möglichkeiten voll auszuschöpfen.
Die Jupiter sind aus zwei Gründen anspruchsvoller zu betreiben: Erstens ist ihr Tieftöner viel größer und erfordert eine bessere Kontrolle seitens der Endstufe; zweitens ist auch ihre Hochtonmembran enorm groß, was leicht zu einem hörbaren Frequenzabfall in den hohen Frequenzen führen kann. Seine Herausforderung bestand also darin, ein Kabel zu entwickeln, mit dem sein Verstärker beide Probleme beheben konnte – was ihm letztendlich auch gelang.
Matthias ist ein erfahrener Hörer und hat ein gutes Gespür für Nuancen. Durch seinen Hintergrund in der Elektronik und seine Experimente mit dem Bau von HiFi-Kabeln hat er auch ein tieferes Verständnis für die zugrunde liegende Technologie entwickelt. Auf seiner Suche nach dem optimalen Klang ist Matthias ebenso unermüdlich wie ich, auch wenn er dies nicht immer so offen zum Ausdruck bringt. Ich war daher froh, ihn als Begleiter und zusätzliches Paar Ohren dabei zu haben, um meine Erfahrungen an unserem Tag auf der Messe zu vergleichen und diskutieren zu können. Vier Ohren hören bekanntlich mehr als zwei.
Als wir auf der Messe ankamen, war der Empfangsbereich noch voller Besucher, sodass wir beschlossen, unsere Jacken zunächst anzubehalten und uns direkt in die oberen Stockwerke zu begeben. Dies führte uns zum Ausstellungsraum von ATE Akustik, einem im Jahr 1982 von Norman Gerkinsmeyer gegründeten Unternehmen. Herr Gerkinsmeyer ist ein deutscher Entwickler und Hersteller von Lautsprechern und Spezialtreibern mit Sitz in Neu-Ulm. Er selbst stellte auf der Messe die patentierte Ring Mode Driver (RMD)-Technologie seines Unternehmens vor, ein Biegewellenwandler, der auf einem ovalen Membran-Design basiert.
ATE Imagine — Ring Mode Driver Lautsprecher

Nach meiner positiven Bewertung des Biegewellenwandlers von Daniela Manger in den P2-Lautsprechern war ich sehr daran interessiert, mehr über die Unterschiede zwischen den beiden Designs zu lernen. So erfuhr ich, dass das Design des ATE-Treibers durch seine ovale Form die zurückkehrenden Resonanzwellen der Membran auf natürliche Weise dämpft, wohingegen Generationen von Manger-Wandlern ihre charakteristische sternförmige Matte nutzen, um die Rückwellen zu dämpfen. Beide Treiber bieten den erheblichen Vorteil, dass sie in dem für das menschliche Ohr kritischen Frequenzbereich ohne Frequenzweiche auskommen.
ATE stellt auch Treiber für die Automobil- und Luftfahrtindustrie her, ein Umfeld, in dem digitale Signalprozessoren intensiv genutzt werden, um den Frequenzgang in einem akustisch ungünstigen Raum zu glätten. Leider kamen diese auch spürbar im Showraum zum Einsatz, was zu einem unnatürlich kurzen Ausklingen, kaum matten Transienten und einem insgesamt stark gezügelten Klang führte. Ich muss zugeben, dass ich für diese Art von Modulation sehr empfindlich bin und persönlich noch nie einen DSP-beeinflussten Hoch-Mitteltonbereich gehört habe, den ich als natürlich empfunden hätte. Unser letzter Musiktitel war „Africa“ von Peter Bence, den wir zuvor auf vielen HiFi-Systemen gehört hatten, der jedoch zugunsten einem glatteren Frequenzbild im Raum seinen üblichen Charme und Reiz nicht zeigen konnte.
Unsere Tour führte uns dann zu Lyravox, einem deutschen Hersteller von Audiogeräten aus Hamburg. Ich hatte zuvor bereits die kleineren Karlos-Lautsprecher gehört, die mir damals akustisch größer vorkamen als sie aussahen, was höchstwahrscheinlich auf die Verwendung des nach oben abstrahlenden Air-Motion-Transformers und einer aktiven DSP-Modulation anstelle von passiven Frequenzweichen zurückzuführen war. In diesem Jahr stellte Lyravox seine Karlsson Mini Monolith-Standlautsprecher vor. Auch hier wird nichts dem Zufall überlassen, von den vielfältigen Eingangsmodalitäten (XLR, SPDIF, Toslink, analog usw.) über die leistungsstarke integrierte Class-D-Verstärkung (2x 500 + 1x 100 WPC) bis hin zum Mehrkanal-Hi-Res-DSP.
Die von Lyravox verwendeten Materialien sind von höchster Qualität, von den Sockelplatten aus Naturstein bis hin zu den edlen Gehäusen aus Kunststein, die mit Accuton Keramik-Invert-Dome-Treibern vom Hochtöner bis zum Bass kombiniert sind. Das gesamte Sortiment präsentiert sich in einem klaren, weißen und eleganten Design. Nun sind Hotelzimmer keine idealen Hörräume, und meine anhaltende Kritik an den im Hoch-Mittelton-Bereich verwendeten DSPs könnte wohl auch damit zusammenhängen, dass sie in einem solchen Raum stark eingreifen müssen. Berlin ist nicht allzu weit von Marne entfernt, und vielleicht sollte ich Lyravox einen Besuch abstatten, um mir einen realistischeren Eindruck zu verschaffen. Wir hörten uns unter anderem das Album „Stay Tuned” von Dominique Fils-Animé an.
AUDES Audio im Nachbarraum blickt auf eine lange Geschichte in der Herstellung von Audiogeräten zurück, die bis ins Jahr 1935 reicht. Das estnische Unternehmen nahm seinen Dienst zunächst mit der Herstellung von Radioempfängern unter dem Namen RET (Raadio-Elektrotehnika Tehas) auf und beschäftigte schon im ersten Jahr 50 Mitarbeiter, die täglich 20 bis 30 Empfänger bauten. Von 1941 bis 1944 gehörte die zu dem Zeitpunkt Raadio-Pioneer genannte Fabrik zu Telefunken und wurde in Funktechnische Fabrik Reval umbenannt. Der Name AUDES existiert seit 1992 und steht für „Audio aus Estland”.
Eine vollständige Darstellung der Unternehmensgeschichte ist auf dessen Website verfügbar. Die aktuellen Lautsprecherserien (Reference, Excellence, M-Serie, Credo usw.) sind in ihrer Gestaltung außerordentlich vielfältig und reichen von niedrigen Türmen bis hin zu schlanken Schallwänden, wahlweise in der Breite oder in der Tiefe. An diesem Tag wurden die M5-Lautsprecher ausgestellt, die an der gewählten Position etwas dünn und arm an Klangfarben wirkten. Die Einrichtung der lokalen Elektronik und die Anpassung an den Raum sind natürlich eine Herausforderung. Daher verließen wir dieses Zimmer, ohne einen wirklichen Eindruck von der Fähigkeit der Lautsprecher zu gewinnen.
Rogers gehört zu den bekannten BBC-Lautsprecherherstellern wie Harbeth und Spendor, welche vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren für ihre weiche, natürliche Wiedergabe der Mitten und Stimmen im Nahfeld und in kleinen Studios bekannt waren. Die Rogers-Lautsprecher, die wir auf den Norddeutschen HiFi-Tagen gehört haben, waren jedoch alles andere als Nahfeldmonitore. Ich habe zwar versäumt, mir den Namen der Lautsprecher vor Ort zu notieren, doch nach meiner Recherche muss es sich wohl um die neu aufgelegten PM510 S3 gehandelt haben, die uns mit einer enormen Dynamik und knackigen, druckvollen Höhen beeindruckten.
Wir konnten die Treiber durch das Lautsprechergewebe nicht erkennen, und so war ich überrascht, als ich erfuhr, dass die dezidiert metallischen Klänge von einem Audax Seidenkalotten-Hochtöner wiedergegeben wurden. Meiner Meinung nach lässt sich dies nur durch seine relativ ausgeprägte Größe von 34 mm und den starren Metalldiffusor an der Vorderseite erklären. Der Raum war relativ gut besucht, und es gab unter den wenigen Stühlen keinen wirklich optimalen Platz zum Sitzen. Matthias und ich waren uns einig, dass uns der Klang grundsätzlich gefiel, doch wir waren nicht überzeugt, dass wir unter den gegebenen Bedingungen richtig hören konnten. Die teilweise Druckkammer-ähnlichen Höhen der Lautsprecher erinnerten mich an die frühen Ringradiatoren von Fostex und Beymar.
Symann Soundboards gehörten sicherlich zu den unkonventionelleren Konstruktionen der Messe. Ihr Ingenieur, Michael Symann, ist von Beruf Klavier- und Cembalobauer und entwickelt seine Lautsprecher auf der Grundlage von Soundboards, den hölzernen Bauteilen, die den Boden des Klaviers bilden und in der richtigen Tonlage mitschwingen. Die Komponenten bestehen aus vier breiten Streifen aus Tonholz, von denen jeweils zwei auf den gegenüberliegenden Seite eines schmalen Lattenrahmens montiert sind. Als Treiber dienen Exciter, wie sie häufig in Fahrzeuganwendungen verwendet werden, und es gibt einen kleinen Air Motion Transformer (AMT) zur Ergänzung der Höhen.
Dieses innovative Design erzeugt eine Klangwand, die der von Vollbereichs-Elektrostaten ähnelt. Der Frequenzbereich ist jedoch auf die Eigenschaften der verwendeten Materialien beschränkt. Die Genauigkeit der ansonsten sehr präzisen AMTs könnte eventuell darunter leiden, dass der Hochtöner auf der schwingenden Oberfläche zwischen den Resonanzplatten angebracht ist. Ich würde mich freuen, eine zukünftige Version der Soundboards zu hören, bei der der AMT an einer festen Position angebracht ist. Insgesamt sind die Soundboards eine vielversprechende Erfindung und eine spannende Klangerfahrung.
Wilson Alexx V — Array Loudspeakers

Das spektakulärste Hörerlebnis war sicher die Präsentation eines HiFi-Systems der Superlative durch Matthias Böde vom Stereo-Magazin. Als Lautsprecher diente das Modell Alexx V von Wilson Audio, das von enormen VTL Siegfried-Röhren-Monoblöcken angetrieben wurde. Das Ensemble hatte die Leistung einer mittelgroßen PA-Anlage und überraschte seine Zuhörer mit enormen Attacken. Obwohl der Klang während der gesamten Darbietung kontrolliert, präzise, realistisch und knackig blieb, taten mir die Personen in den ersten Reihen in unmittelbarer Nähe der Lautsprecher etwas leid. Wahrscheinlich klingelten ihre Ohren noch lange nach, so wie nach einem guten Live-Konzert.
Wir fragten uns auch, wie die Wilson-Lautsprecher wohl in einem Wohnzimmer klingen mögen, wo sie mit moderater Lautstärke betrieben würden. Der Idealbereich eines Lautsprechers ist immer auch auf einen bestimmten Hörabstand und Lautstärkepegel hin optimiert. Die Auswahl der Songtitel war ohne Frage ausgezeichnet und zeigte eindeutig, wer an diesem Nachmittag das Sagen hatte.
Während die Präsentation von Matthias Böde im großen Konferenzraum nicht mit den benachbarten Präsentationen zu kollidieren schien, so wurden dennoch einige der Präsentationen durch die laute Konkurrenz auf der anderen Seite des Ganges akustisch an den Rand gedrängt. Je später die Messe wurde, desto lauter spielten einige Hersteller ihre Geräte. Dieses Verhalten zwingt alle Aussteller in einen Teufelskreis, in dem einer nach dem anderen die Lautstärke erhöhen muss, bis aus einer Qualitätsvorführung eine Machtdemonstration wird. Aus diesem Grund konnte ich Mattias manches Highlight der Messe nicht vorführen.
Zum Abschluss machten wir Halt bei Daniela Manger in Raum 204 und hörten uns eine elektronisch aufgetrennte Version ihrer P2-Lautsprecher an, bei denen der Bassbereich über eine aktive Frequenzweiche angesteuert und durch zwei aktive Bassfallen optimal im Raum ergänzt wurde. Matthias und ich waren von der Raumakustik und der Leistung diesmal sehr positiv beeindruckt. Das Erlebnis war vergleichbar mit meinen Erfahrungen, als ich die P2-Lautsprecher in meinem Studio zum Testen hatte, und ich freute mich, diese Erfahrung bei dieser Gelegenheit mit Matthias teilen zu können.
Manger P2 — Bending Wave Transducer Loudspeakers

Auf dem Rückweg nach Marne machten wir Halt bei einem HiFi-Freund in Barmfeld, um ihm dabei zu helfen, die Klangqualität seiner HiFi-Anlage in einem neu gebauten Hörraum zu verbessern. Den Rest des Abends verbrachten wir damit, Lautsprecher zu verschieben und über Klang zu diskutieren, bis unsere Energie vollständig erschöpft war und wir uns nach einem erfüllten Tag auf den letzten Streckenabschnitt in Richtung Marne begaben.